The Legend of Zelda: Lost Stories

  • So, ich versuche mich momentan an einer längeren Fanstory zu der The Legend of Zelda Reihe :D Ich habe schon ne Menge geschrieben würde ich mal sagen. Ich hoffe, ich habe nicht allzu viele Fehler. Also... viel Spaß beim Lesen wünsche ich ^^ Edit: Ich habe mich mal daran gesetzt, den Anfang meiner Story hier etwas zu überarbeiten, weil ich damit einfach schlichtweg nicht mehr zufrieden war und ein paar Fehler müssen auch dringend ausgebessert werden. Also, ich hoffe mal, dass es dadurch besser und auch schöner zu lesen ist ^^



    Mein Leben ist ziemlich normal, keine besonderen Ereignisse, nichts weltbewegendes. Ich gehe wie jeder Teenager auch zur Schule, mit meinen 15 Jahren bin ich bereits am Ende der neunten Klasse angelangt und die Oberstufe steht mir kurz bevor. An und für sich war ich also nichts Besonderes, jedenfalls hatte ich das immer angenommen. Trotzdem gibt es eine Sache, die mich von anderen Menschen unterscheidet. Nun ja, genau genommen zwei Sachen. Punkt Nummer 1: Aus welchem Grund auch immer habe ich spitze Ohren, wie eine Elfe aus dem Märchen. Zwar war dieses Merkmal für meine Familie absolut normal, trotzdem war es nun mal so, dass der Rest der Menschen in meinem Umkreis viel mehr rundliche Ohren besaß. Es gab sogar eine Zeit, in der ich deswegen gehänselt wurde, aber das ist zum Glück schon vorbei. Mittlerweile bin ich sogar recht beliebt und die anderen Ohren sind zu so einer Art Markenzeichen geworden. Ich kann sogar sagen, dass ich in gewisser Weise stolz auf sie bin. Punkt Nummer 2: Auf meinem linken Handrücken trage ich eine Art Zeichen. Ein goldenes Dreieck, welches selbst aus drei kleineren Dreiecken besteht. Was das genau zu bedeuten hat konnte mir nie irgendjemand sagen, aber es machte mich zu etwas besonderem, selbst wenn ich mich nie als einzigartig empfunden habe. Manche bezeichnen es als angeborenes Tattoo und finden die Vorstellung ziemlich cool, für mich jedoch ist dieses Zeichen nach wie vor nie etwas Besonderes gewesen, ich war dieses Ding ja gewohnt. Manche bezeichnen mich, weshalb auch immer, als mutig. Vermutlich weil ich immer überall ohne Hemmungen dabei bin, egal wie absurd die Sache ist. Ich erinnere mich daran, wie ich und ein paar Kumpels im letzten Jahr diese Bierflaschen aus dem Laden zu der Party... ja und da war dann diese Sache mit der Polizei- egal, das ist nicht wichtig. Und trotzdem stehe ich eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt, es ist nicht so wirklich mein Ding das Gesprächsthema des Tages zu sein. Ach ja, mein Name ist übrigens Link.



    Es war ein Tag wie jeder andere. Das grausame Piepen des Weckers hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ich tat mich immer sehr schwer damit aus dem Bett zu kommen und die Tatsache, dass ich fast jeden Tag um halb sechs aufstehen musste raubte mir den letzten Nerv. Völlig entnervt schlug ich einmal auf meinen Wecker, um ihn auszuschalten und vergrub stöhnend mein Gesicht im Kissen. Ich hätte augenblicklich wieder einschlafen können. Diesen Moment hasse ich, jeden einzelnen Morgen könnte ich deshalb schon beinahe kotzen. Man fühlt sich schwer und kann sich nicht rühren, es ist als ob du an deinem Bett festkleben würdest oder eine Art von magischer Anziehungskraft hält dich fest. Deine Augen wollen nicht aufgehen und wenn sie es doch tun fallen sie sofort wieder zu. Es war schon beinahe komatös, dieser verdammte Halbschlaf. Ich blieb noch eine Weile liegen und kämpfte gewissermaßen mit mir selbst, auf keinen Fall durfte ich wieder einschlafen, sonst würde ich erneut zu spät zur Schule kommen. Vielleicht sollte ich nicht immer erst um 23 Uhr ins Bett gehen.


    „Link, steh auf du Schlafmütze! Oder willst du schon wieder verschlafen?!“ Die Stimme meines Onkels war die Rettung. Ich stieg vorsichtig aus dem Bett, rieb mir über die Augen und gähnte einmal herzhaft, gleichzeitig streckte ich mich ein wenig, einfach um auf diese Weise besser und effektiver wach werden zu können. Dann erhob ich mich langsam und begab mich zu der Kommode, auf der ich stets meine Sachen zum Anziehen am Vortag bereitlegte, um deshalb nicht unnötig in Stress zu geraten. Seltsam, dass ich mir in der Hinsicht überhaupt solche Mühe machte, für gewöhnlich war ich für so was viel zu faul. Jedenfalls bestand mein Outfit für diesen Tag aus einer Jeans mit braunem Gürtel und einem schwarzen T-Shirt. Nichts großartiges, aber dieses Schlichte war nun mal mein Stil, mit mehr konnte ich auch gar nichts anfangen.


    Ich schleppte mich ins Bad und spritzte mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht, was mir immer sofort half, um noch wacher zu werden. Ich blickte mich im Spiegel über dem Waschbecken an und bemerkte, dass es Wirkung zeigte - meine blauen Augen wirkten nicht mal mehr annährend so verschlafen und trüb wie noch kurz davor. Schnell fuhr ich mir noch durch meine dunkelblonden Haare, ehe ich mir meinen Rucksack schnappte und die Treppe zu meinem Onkel herunter stieg. Mein Onkel, dessen Name übrigens Tom war, hatte mich wohl bereits erwartet und grinste mich an, dabei hielt er mir eine Frühstückstüte vor mein Gesicht. Wie großzügig, für gewöhnlich musste ich mein Essen für die Schule selbst zusammenstellen.


    „Hast du mal auf die Uhr gesehen? Du musst jetzt los, es ist schon spät!“ „Oh, verdammt! Danke für das Essen! Ich mach mich dann schnell auf.“ Hektisch nahm ich die Tüte entgegen und stopfte sie in meine Tasche. „Bis dann, Link. Und schlaf mir ja nicht im Unterricht ein.“ „Mach ich nicht“, entgegnete ich ihm mit einem Lächeln und stürmte aus dem Haus, zuvor war ich noch so schnell wie möglich in meine weißen Sneakers geschlüpft und hatte mir ein graues Jackett übergeworfen.


    Ihr fragt euch jetzt vermutlich, warum ich bei meinem Onkel wohne. Es ist nicht so, dass ich meine Eltern hasse, oder dass sie total verantwortungslos sind und ihnen deshalb das Sorgerecht vom Jugendamt entzogen wurde oder gar schlimmeres. Nein, ich habe sie bloß nie kennen gelernt. Mein Vater ist bereits vor meiner Geburt gestorben und meine Mutter kurz danach, jedenfalls war dies mein Wissensstand über deren Verbleib. Mein Onkel hatte mich seitdem adoptiert und bei sich aufgenommen und er sorgte gut für mich. Er war wie ein Vater, nur, in gewisser Weise, sogar noch besser. Eben wie ein Onkel bei dem man wohnt. Und er behandelte mich nicht wie seinen Sohn, sondern wie seinen Neffen. Das war mir auch lieber. Wobei ich nichts dagegen hätte meine leiblichen Eltern einmal wirklich kennen lernen zu können, aber da konnte man wohl nichts machen.


    Kaum hatte ich die Tür geöffnet wurde ich schon beinahe von dem Geräusch allerlei hupender Autos erschlagen. Ein Leben in der Stadt hatte nun einmal auch leider seine Nachteile. Dieser Lärm war manchmal einfach nicht zum Aushalten. Draußen warteten bereits zwei Kumpel von mir – Jan und Luke. Unser Weg zur Schule befand sich auf demselben Weg, weshalb wir gelegentlich gemeinsam dorthin liefen, auch wenn ich dazu an diesem Morgen recht wenig Lust hatte.


    „Was dauert denn so lange, Elfenkopf?“, fragte Jan mich mit einem provozierenden Grinsen und starrte mich mit seinen braunen Augen an. Elfenkopf, dieser Spitzname war so kindisch, warum nannten mich so viele so? Aber sie meinten es ja nicht böse, zumindest nicht im Normalfall. Ich gab darauf, wie eigentlich immer, keinen Kommentar ab und nahm mein Handy aus der Hosentasche, um mir Kopfhörer in die Ohren stecken und etwas Musik hören zu können, damit ich die Beiden nicht ertragen musste. Versteht mich bitte nicht falsch, ich mag die Zwei, aber früh morgens wollte ich meine Ruhe haben, vor allem weil ich heute sowieso ziemlich müde und auch wenig gut gelaunt war. Sie verdrehten belustigt die Augen und unterhielten sich. Wie bereits erwähnt, ein Tag wie jeder andere.


    „Alter, heute kommt dieses Mädchen in unsere Klasse“, sagte Jan und wollte wohl ein Gespräch anfangen. „Boah, stimmt ja. Hoffentlich ist sie wenigstens hübsch.“ Damit hatten sie es geschafft, dass ich hellhörig würde. Davon wusste ich tatsächlich noch nichts. Ich steckte einen Stöpsel aus meinem linken Ohr, um die Zwei besser verstehen zu können. „Welches Mädchen?“, fragte ich sie ein kleinen wenig verwirrt. Nur kurz darauf schlug Luke sich mit der Hand auf die Stirn und versuchte nicht zu lachen. Er fand es voll äußerst belustigend, dass ich mal wieder irgendetwas Großes verpeilt hatte. „Junge, du bekommst aber auch gar nichts mit. Darüber reden wir doch schon die ganze Zeit!“ „Ja, aber bis jetzt kennt noch keiner den Namen oder anderes.“, erwähnte Jan, dabei ist das fette Grinsen auf seinem Gesicht wirklich erwähnenswert. „Stimmt, da war was…“, sagte ich nachdenklich. Zwar konnte ich mich an etwas in der Richtung erinnern, aber bloß verschwommen.


    Mein Platz in der Klasse war ganz weit hinten. Es heißt ja bekanntlich, nur die Coolen sitzen in der letzten Reihe. Und wenn ich ehrlich sein sollte konnte ich sagen, dass ich mich auch wirklich so fühlte. Wenn man mal etwas unaufmerksam war und im Unterricht ein wenig… ich sage mal „Blödsinn trieb“ wurde der Lehrer nicht allzu schnell darauf aufmerksam. Das erleichterte einem die teilweise qualvollen Unterrichtsstunden erheblich. Ich ließ mich auf meinen Stuhl fallen und warf meinen Rucksack achtlos auf den Boden. Die Klasse war wie immer ein einziges Chaos, die Tafel war beschmiert, auf dem Boden lagen Papierschnipsel und Stühle standen sinnlos in der Gegend herum. Darüber brauchte man sich einfach nicht zu wundern, dieser Zustand war absolut normal für unsere Klasse – insbesondere wenn Ingo und Ben Ordnungsdienst hatten.


    Wie bestellt kam Ben daraufhin auch schon hereingestürmt. Seltsamerweise musste man wirklich sagen, dass er mir unheimlich ähnlich sieht, wenn man von seinen normalen Ohren absah. Nur sein Grinsen ließ jedem einen Schauer über den Rücken laufen. Es war wie ein Stich in die Seele, aus welchem Grund auch immer wirkte es einfach nur komplett wahnsinnig. Ich konnte es nicht abhaben, wenn er mich so ansah. Nur natürlich musste es heute, so wie eigentlich immer, auch so sein. Schnell starrte ich das Display meines Handys an, um beschäftigt zu wirken und ihm nicht ins Gesicht sehen zu müssen, trotzdem fühlte ich mich von ihm beobachtet. Während er mich weiterhin angrinste ging er an mir vorbei und setzte sich auf seinen Platz. „Das macht der doch mit Absicht“, murmelte ich so leise, dass es niemand sonst hören konnte. Ich war verdammt noch mal davon überzeugt, dass er sein gruseliges Grinsen total ausnutzte.


    Einen Sitznachbar hatte ich nicht. Wir waren insgesamt 29 Schüler in der Klasse, also musste einer ohne Partner übrig bleiben. Ich hatte mich freiwillig dazu bereitgestellt und es war, meinen Erwartungen entsprechend, toll. In keinster Weise bereute ich diese Entscheidung. Nicht nur, dass ich viel Platz hatte, ich wurde auch nie gestört und bei Partnerarbeiten musste ich immer in einem Dreierteam mitarbeiten, was wesentlich mehr Spaß machte als bloß zu zweit.


    An diesem Tag hatten wir in der ersten Stunde Englisch. Ich war zwar nicht sonderlich gut darin, aber es gab definitiv schlimmeres. Unsere Englischlehrerin – Mrs Clarence, welche auch zugleich unsere Klassenlehrerin war – kam pünktlich auf den Gong herein und stellte sich aufrecht vor uns zurecht. Sie setzte ihr freundliches Lächeln auf, ihre blonden Haare hatte sie wie üblich hochgesteckt. Ihr Look war absolut typisch für einen Lehrer – weite Jeans mit schwarzem Gürtel, eine weiße Bluse, die sie in die Hose gesteckt hatte und schwarze Schuhe. Dazu hatte sie eisblaue Augen, welche alles zu sehen schienen. Und mit „alles“ meine ich wirklich ALLES. Egal wie raffiniert und geschickt, ja auch egal wie schnell du bist, Mrs Clarence ist schneller. Bei ihr sollte man es also gar nicht erst versuchen während einer Arbeit zu schummeln, sie würde das wohl bereits bemerkt haben, bevor du etwas auf dein Blatt schreiben kannst. Und ja, in der Hinsicht spreche ich aus Erfahrung…


    Wir stellten uns hin und warteten auf die Begrüßung ihrerseits. „Good morning, classe”, begann sie auch sogleich damit. „Good morning Mrs Clarence“, erwiderten wir wie üblich im Chor. Warum reicht ein einfaches „Hello“, für das man sich auch nicht unbedingt aufstellen musste, denn bitte nicht aus? Ich fand dieses morgendliche „Ritual“ – als was ich das Ganze gerne bezeichnete – einfach nur so dermaßen unnötig.


    “Sit down, please.” Das Zeichen dafür, dass wir uns wieder setzen durften. Für ein paar Sekunden aufstellen und wieder hinsetzen, hurra, wie spaßig und auch produktiv. Jedenfalls starrte so gut wie jeder schon zu Anfang der Stunde gelangweilt in der Gegend herum, während Mrs Clarence, was eigentlich recht ungewöhnlich war, auf Deutsch mit uns redete. Das hatte wohl zu bedeuten, dass irgendwas ziemlich wichtiges anstand.


    „Wie die meisten von euch sicher bereits mitbekommen haben, bekommen wir heute eine neue Mitschülerin. Würdest du bitte hereinkommen?“ Erst nachdem sie es erwähnt hatte fiel mir auf, dass die Tür noch immer offen stand. Wir sahen allesamt mehr oder weniger gebannt zur offenen Tür und warteten darauf, dass das Mädchen in die Klasse kam. Doch mit so jemandem hatte ich im Leben nicht gerechnet. Da kam nun mal ein Mädchen neu zu uns, was ungewöhnliches war das nicht, aber sie war so dermaßen hübsch, dass mir der Mund urplötzlich weit offen stand. Und auch den anderen schien es nicht anders zu gehen, einige der anderen Mädchen hatten sogar eine Spur Neid im Gesicht stehen.


    Das neue Mädchen trug eine schwarze Mütze, auf der mit weißen Buchstaben die Worte „Bad Hairday“ eingestickt waren. Sie trug schwarze Chucks, eine hellblaue und wirklich sehr enge Jeans, welche bestimmte Stellen unterhalb ganz besonders betonte – das musste einfach erwähnt werden - und ein ärmelloses, blass rosafarbenes Top, dazu trug sie eine beigefarbene Handtasche von „Longchamp“ bei sich. Ihr glattes, goldblondes Haar reichte ihr bis knapp über den Po und war nach vorne gestülpt. Ihre Augen waren verführerisch große und blau, ihre Lippen waren zart und hatten einen rosa Farbton, der absolut natürlich zu sein schien, jedenfalls konnte ich keinen Lippenstift oder ähnliches erkennen. Aber ihre Augen waren geschminkt, wenn auch nur dezent. Sie strahlten ein bestimmtes Maß an Selbstsicherheit, aber auch etwas Verlegenheit aus.


    Ich stieß unweigerlich ein leises „wow“ aus, als sie sich aufrecht vor uns aufstellte und hoffte im Nachhinein innerlich, dass das keiner mitbekommen hatte. Es konnte sogar sein, dass ich sie total angestarrt hatte, aber das war mir in dem Moment ziemlich egal, ich war einfach nur hin und weg. So etwas hatte ich wirklich noch nie, es war einfach komisch und auch neu für mich.


    „Nun“, warf Mrs Clarence ein, „Magst du dich nicht vorstellen?“ Ich war mir zwar nicht wirklich sicher, aber ich glaubte zu sehen, dass sie daraufhin ein wenig errötete und, verdammt, es sah einfach nur süß aus. Sie öffnete ihren Mund und sprach mit der glockenhellen Stimme eines Engels: „Also… ich heiße Zelda, bin 15 Jahre alt und erst vor kurzem hierher gezogen. Weil meine alte Schule etwas weiter weg liegt musste ich dann hierher wechseln.“ Zelda… irgendwie war der Name… vertraut.


    Nachdem sie das ausgesprochen hatte wandte sie sich wieder an Mrs Clarence und wartete auf eine Reaktion von ihr, darauf dass sie weiter sprach, auf irgendwas von ihr. Die Lehrerin ließ auch nicht lange auf sich warten, räusperte sich und sprach mit ihrer freundlichen Stimme zu Zelda: „Gut, Zelda. Dann setz dich doch mal neben Link dort hinten, der Platz neben ihm ist noch frei.“ Als Mrs Clarence das sagte spürte ich wie ich rot wurde und senkte meinen Blick ein wenig, damit es nicht sofort auffiel. Gott, war mir das gerade peinlich. Zelda nickte und ging sogleich auf mich zu. Die Jungs gafften ihr hinterher – ich konnte nicht leugnen, dass mich das nicht ein wenig eifersüchtig machte – und ein paar Mädchen warfen ihr neidische Blicke zu. Verständlich, was das Aussehen anging konnte es in unserer Klasse wohl keiner mit ihr aufnehmen.


    Sie setzte sich auf den Platz neben mir und flüsterte mir ein leises „Hallo“ zu. Ich versuchte lässig zu wirken und lehnte mich an die Stuhllehne, streckte dabei meine Beine ein wenig aus. Nur leider sah das ganz schön steif und unnatürlich aus. Eindruck verschaffte ich mir auf diese Weise jedenfalls nicht. Mit leiser und schon fast quietschender brachte ich nur ein weiteres „Hallo“ heraus. Zelda musste leise lachen und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken.


    Die ganze Stunde lang konnte ich mich absolut nicht konzentrieren, meine Gedanken waren nur bei ihr. „Was soll das, man?“, dachte ich mir die ganze Zeit über und hätte mir mehrere Male selbst eine reinhauen können, um wieder klarer zu denken. Immer wieder blickte ich unauffällig auf die Uhr und hoffte, dass der Unterricht bald zu Ende war, aber es kam mir vor wie eine Ewigkeit und die Abstände, in denen ich mich nach der Uhrzeit vergewisserte wurden auch immer kürzer. Mit jeder Minute wurde ich ein wenig angespannter, ich konnte nur hoffen, dass ich nicht schon längst rot wie eine Tomate war.


    Da war er, der erlösende Gong. Mrs Clarence verabschiedete sich schließlich von uns und verließ das Klassenzimmer. Ich atmete – unauffällig - erleichtert aus und sah kurz darauf zu Zelda herüber. Sie hatte ihre Sachen bereits in ihre Handtasche gepackt und lächelte mich leicht an, ihre Hände hatte sie in den Schoss gelegt. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie auf ihrem linken Handrücken ein großes Pflaster trug. „Was hast du da gemacht?“, fragte ich sie und hätte mich direkt danach für diese Frage umbringen können, diese Frage kam so unpassend.


    „Oh, das hier meinst du?“ Sie zeigte mit einem Finger auf die Wunde. „Ach, nichts besonderes. Ich habe mich hier vor ein paar Tagen ziemlich tief geschnitten und der Arzt meinte ich soll das Pflaster hier…. sehr lange tragen.“ „Achso…“, brachte ich daraufhin nur heraus und starrte ihre Verletzung an. Ich hoffte inständig, dass sie nicht bemerkte wie nervös und angespannt ich war. Ich hörte die Anderen ganz deutlich hinter meinem Rücken über uns tuscheln, scheinbar fanden sie es total lustig, dass der „Elfenkopf“, der ja sonst immer so mutig war und jeden Scheiß mitmachte, bei einem Mädchen die schüchterne Seite raushängen lässt. Aber ich bin mir sicher, dass sie nicht anders reagiert hätten, würde neben ihnen das schönste Mädchen, das sie je gesehen hatten, sitzen und sie anlächeln. Da kann man schon mal kalte Füße bekommen, denke ich.


    Die peinliche Stille war wirklich unerträglich, konnte sie nicht irgendjemand brechen? Anstatt über uns zu lästern konnten sie ruhig hierher kommen und vor Ort mit dem neuen Schüler sprechen. Zelda musterte mich derweil sorgfältig, bis sie ihren Blick auf meinem „Tattoo“ ruhen ließ. Ihre Augen wurden auf einmal ganz schön groß, vermutlich dachte sie nun ich wäre so ein total schlimmer Kerl, der sich mit 15 Tattoos stechen lässt und in den Pausen fleißig ein paar Zigaretten raucht, natürlich durfte der Alkohol bei Nacht dabei nicht fehlen.


    Sie ließ den Mund leicht offen stehen. „Woher hast du das?“, fragte sie mich leicht verwirrt und sah mir wieder in die Augen. „Äh…“, ich konnte nicht wirklich klar denken und wusste dem entsprechend nicht was ich antworten sollte, hoffte aber inständig, dass sie wirklich nicht der Ansicht war, ich hätte mir das stechen lassen. Ich mochte Tattoos im Allgemeinen, aber für mich war es dann wohl doch noch etwas zu früh. Und überhaupt, wenn schon, dann garantiert kein solches Motiv, besonders nicht in Gold. Also beschloss ich einfach zu sagen, was ich darüber wusste, ohnehin hatte ich davon bereits jedem erzählen müssen „Also, das Ding hier habe ich glaube ich seit meiner Geburt, keine Ahnung woher das kommt. Vielleicht ’ne Art Muttermal oder so. “ Ich grinste und hielt dabei meine linke Hand hoch, damit sie sich das genauer anschauen konnte, wenn sie denn wollte. „Oh…“, kommentierte Zelda meine Erklärung und sah sich meine Hand wirklich genau an.


    „Willst… willst du dich vielleicht heute nach dem Unterricht mit mir treffen? Ich bin noch neu hier und würde mich freuen, wenn du mir etwas von hier erzählst und mir alles erklärst.“ „Öh…“ Okay, das kam unerwartet. Sie fragte mich so schüchtern und unsicher, da konnte ich einfach nicht nein sagen. Und ich freute mich natürlich auch riesig darüber, dass sie mich gefragt hatte. Vielleicht konnten wir tatsächlich so was wie Freunde werden.
    „Natürlich, ich würde mich gerne mit dir treffen.“



    Endlich, da war er. Der Schulgong, der das Ende des Unterrichttages bestätigte. Es war Freitag, also stand das Wochenende bevor. Glücklich warf ich mir den Rucksack über die Schultern und wartete nur noch darauf, dass Zelda fertig wurde. Sie nahm sich ihre Tasche, warf sie sich auf die Schulter und lächelte mich, wie schon den ganzen Tag über, an. Ich tat es ihr gleich und gemeinsam machten wir uns auf den Weg, das Gebäude zu verlassen. Die anderen musterten uns mit großen Augen und breitem Grinsen, ich war mir sicher, dass irgendjemand sagte „Uh, da läuft was“ und das auch noch mit einem dämlichen Grinsen untermalte. Wenn ich gewusst hätte wer es war hätte ich ihm ordentlich meine Meinung gesagt – und zwar mit meiner Faust. Aber ich wollte auch vor Zelda nicht wie ein hirnloser Schläger rüberkommen. Also ignorierte ich die anderen und folgte Zelda mit übertrieben stolzem Gang, um die anderen ein wenig zu provozieren, das Ganze rundete ich dann noch mit einem leicht kecken Lächeln ab.


    Nachdem wir das Gelände unserer Schule verlassen hatten führte Zelda mich von den anderen menschlichen Seelen weg, geradewegs zu einer recht einsamen Gasse. Ich dachte fürs erste nicht wirklich darüber nach was dieser Ort für eine Bedeutung hatte, nicht zuletzt, weil ich zuvor eigentlich noch nie hier vorbeigekommen war, und folgte ihr weiter, bis sie abrupt zum Stehen kam. Sie drehte sich zu mir um und sah mich mit funkelnden Augen an. „Könntest du vielleicht jetzt schon… mit zu mir kommen?“, fragte sie mich mit schon fast erstickender Stimme. Ich sah ihr freundlich in die Augen und meinte: „Aber natürlich, mein Onkel ist nicht so streng bei so etwas. Er vertraut mir. Ich dachte ja eigentlich sogar, dass wir schon auf dem Weg zu dir waren, mein zu Hause liegt ja auf einem ganz anderen Weg.“ Erleichtert sah Zelda mich an. „Dann folge mir.“


    Sie betrat die Gasse, die von innen etwas weniger beleuchtet war als außerhalb, aber das war auch irgendwo logisch, immerhin war das eine Gasse. Da erwartete man nicht unbedingt wunderbaren Sonnenschein, auch nicht im Hochsommer. Warm war es hier allerdings trotzdem noch ganz schön. Ich folgte Zelda immer weiter und wartete darauf, dass wir bald das Ende erreichen würden. Knappe zehn Minuten liefen wir durch den doch recht engen Gang, bis wir am Ausgang ankamen. Warum war der Weg so lang? Jedenfalls verließ ich anschließend die Gasse und Zelda schloss eine Tür, die den Ausgang dieses düsteren Weges versperrte.


    Ich riss meine Augen leicht auf und blickte mich voller Erstaunen um. So ein großes Gelände hatte ich bei weitem nicht erwartet. Das Gebiet war groß und weitreichend, als hätte es kein Ende! War das in einer Stadt überhaupt möglich, selbst wenn es nur eine Kleinstadt war? Saftig grünes Gras wuchs auf dem Boden und kleine bunte Blumen besprenkelten das Grün wie kleine Farbtupfer. Ein kleines Baumhaus in dem prächtigsten Holz war etwas weiter weg aufgestellt. Auf der anderen Seite des Grundstückes erstreckte sich eine riesige Villa, aufgebaut aus schönstem und strahlend weißem Marmor. Man könnte meinen, es sei ein winziger Palast. Riesige Fenster zierten das Gebäude, vollkommen makellos, ohne Kratzer, Flecken oder sonstiges. In der Mitte stand eine Art See, oder mehr ein Teich, mit kristallklarem Wasser, aus dem ich sogar getrunken hätte, selbst einen kleinen Brunnen gab es hier. Die Sonne schien auf das Wasser drauf und ließ es wunderschön glitzern. Ungefähr im Zentrum des Teichs war eine riesige Statue aufgestellt, die eine Frau darstellte, bestehend aus weißem Gestein. Sie hielt eine Art Harfe in die Höhe und hatte einen ernsten Blick aufgesetzt. Ich wusste einfach nicht, wie ich das Ganze hier beschreiben sollte. Es wirkte schon fast… magisch.


    „Wohnst du hier?“, fragte ich Zelda mit vollster Bewunderung und großem Erstaunen, aber auch leichter Ungläubigkeit. Etwas verlegen senkte sie ihren Kopf. „Ja, das ist mein zu Hause. So besonders ist es nun auch nicht.“ „Machst du Witze? Es ist wunderscherschön hier. Ich würde sofort hierher ziehen“, widersprach ich ihr, mit einer leicht belustigten Stimme, wobei man das Staunen immer noch heraus hören konnte. „Ja ja, hör auf, ich werde ja noch ganz rot. Komm, oben in dem Baumhaus haben wir unsere Ruhe.“ Ich nickte und folgte ihr, selbst wenn ich der Ansicht war, dass es am Ufer des Teichs sicher noch viel schöner sein würde, aber so ein Baumhaus hatte natürlich auch seinen Reiz.


    Sie bedeutete mir als erstes die Leiter hochzusteigen. Ich machte mich auch sogleich daran und kletterte die hölzerne Leiter hoch. Oben angekommen öffnete ich die Bodenplatte und stieg in das kleine Mini-Gebäude hinein. Und selbst hier drin sah es einfach nur umwerfend aus. Kleine, gemütliche Sessel und Sitzkissen waren auf dem Boden verteilt und ein kleiner Tisch stand in der Mitte, so klein, dass man sich hinknien musste, um etwas darauf machen zu können, Stühle ergaben da keinen Sinn. Zelda kam hinterher und setzte sich auf eines der Kissen. Mit ihrer rechten Hand tippte sie auf ein Kissen neben ihr um mir zu zeigen, dass ich mich dorthin setzen sollte. Ich nickte zur Bestätigung und ließ mich auf dem weichen Sitzplatz nieder.


    Ihre Miene verfinsterte sich ein wenig, als sie mein „Tattoo“ anblickte. „Ich… ich muss dir etwas zeigen“, flüsterte sie mir leise zu. Ich sah sie ein wenig verwundert an. „Ach ja? Und was?“ Leicht zitternd führte sie ihre Hand zu ihrer Mütze und nahm diese vorsichtig ab. Sie legte die Kopfbedeckung auf den Boden und strich ihre Haare hinter ihr linkes Ohr. Was ich dann sah ließ meine Augen um einiges wachsen. „Du.. du hast ja auch…“ Sie nickte. „Ja, ich habe auch solche Ohren wie du. Mein Vater hat sie auch, aber er meinte, ich solle sie in der Öffentlichkeit nicht zeigen. Das könnte nur Probleme bedeuten oder ungebetene Menschen anlocken.“ Verwirrt starrte ich sie an. Was sollte das denn für Probleme bereiten? Ohren waren immerhin noch Ohren, ob sie nun spitz waren oder nicht. „Aber ich zeige meine doch auch ständig. Ich wurde zwar früher gemobbt deswegen, aber das ist jetzt auch schon längst vorbei.“ Ratlos schüttelte Zelda ihren Kopf und sah mich betrübt an. Dieser Gesichtsausdruck passte überhaupt nicht zu ihr, dieses traurige und ratlose, so war ich der Ansicht. „Ich weiß es ja nicht. Ich habe noch nie jemand anderes mit solchen Ohren getroffen. Ich hatte gehofft du wüsstest etwas…“ Ich sah nun gleich noch verwirrter und auch sehr viel dümmer aus, da war ich mir ziemlich sicher. Wollte sie sich etwa nur deshalb mit mir treffen? Dieser Gedanke gefiel mir nicht ganz so gut, deshalb schlug ich ihn schnell aus meinem Kopf.


    „Aber das ist noch nicht alles…“, sagte sie nach einer kleinen Weile und hob ihre linke Hand. Ich konnte mir bereits denken, was sie mir nun zeigen wollte und ich hielt schon fast unbemerkt meinen Atem an. Vorsichtig nahm sie das Pflaster ab und eine Art Zeichen war zu erkennen. Meine Augen weiteten sich, irgendwie konnte ich es trotz meiner Befürchtung nicht wirklich glauben. Ich blickte daraufhin meine linke Hand an und wechselte den Blick hin und her, zum Vergleich. „Aber du hast ja dasselbe wie ich… du hast dich überhaupt nicht geschnitten…“ Sie nickte. „Es tut mir Leid, dass ich nicht die Wahrheit gesagt habe, aber in der Schule waren zu viele andere. Ich wollte nicht, dass sie es auch mitbekommen.“ Ja, das war verständlich. Aber immer zu mit Pflaster rumlaufen? Irgendwann würde auch das auffallen.


    „Und weißt du vielleicht was es bedeutet?“, fragte ich sie. Zelda schüttelte ihren Kopf und sah auf einmal noch enttäuschter aus. Doch hielt das nicht lange, nur kurz darauf setzte sie wieder fröhliche Gesichtszüge auf. „Aber ich weiß vielleicht, wo wir eine Antwort finden können. Mein Vater hat ein ziemlich altes Buch. Auf dem Einband ist genau dasselbe Zeichen abgebildet. Er hat mir ausdrücklich verboten es zu lesen, aber ich kann und will jetzt nicht mehr warten. Ich muss es einfach wissen.“ Ohne auf eine Reaktion meinerseits zu warten sprang sie auf und ging zum Ausgang. „Warte, ich bin gleich wieder da.“ Und dann war sie auch schon weg. Immer noch sehr verwirrt senkte ich meinen Blick und starrte weiterhin dieses „Tattoo“ an. Aber ich wollte auch schon immer wissen, was es mit dem Ding auf sich hatte, selbst wenn ich mich bereits mit dem Ding angefreundet hatte. Vor allem freute ich mich aber darüber jemanden getroffen zu haben, der dieselben Merkmale wie ich hat, die ich immer für einzigartig gehalten hatte, bei denen ich immer gedacht hatte, ich wäre der Einzige.



    Mein Blick erhellte sich ein wenig, als die Bodenplatte sich bewegte und Zelda zurück in das Baumhaus hineinkletterte. Sie war schneller wieder zurück, als ich es vermutet hatte. Ihr Lächeln war breiter als je zuvor. Sie setzte sich zurück auf ihr Kissen und stellte das dicke Buch mit dem braunen Einband vor unseren Füßen ab. Es war mit demselben goldenen Zeichen verziert, dass ich und Zelda auf unserem Handrücken trugen, genauso wie sie es mir erzählt hatte. Mit großen, leuchtenden und neugierigen Augen betrachtete Zelda das Stück Schrift und auch mein Herz begann vor Aufregung ein wenig schneller zu schlagen. Was mochte wohl darin niedergeschrieben sein? Gab es darin tatsächlich Antworten auf alles, was ich mir nie erklären konnte?


    Ich blickte Zelda in ihre Augen und sie erwiderte meinen Blick freudestrahlend. „Wollen wir?“, fragte sie mich. Ich nickte vorsichtig und sah ihr dabei zu, wie sie langsam die erste Seite aufschlug. Zelda las mit sanfter Stimme vor was dort geschrieben stand.


    „Vor langer Zeit, als unsere Erde noch nicht existent war, durchstreiften drei Göttinnen das kalte und leere Weltall – die Göttin des Mutes Farore, die Göttin der Weisheit Nayru und die Göttin der Kraft Din. Ihr Ziel war die Erschaffung einer ganzen, neuen Welt, mit ihren ganz persönlichen Eigenheiten. Ein bewohnbarer Planet mit zahlreichen Lebewesen und einer einzigartigen Umwelt. Din begann mit der Arbeit und brachte den ersten, großen Stein ins Rollen. Mit ihrem feurigen Odem und ihren flammenden Armen schuf sie das Grundgestein, auf dem diese Welt geschaffen werden sollte. Nayru führte die Arbeit fort und schenkte dieser Welt die Gabe der Weisheit und bestimmte alle Gesetze der Physik, alle Logik stammt aus ihrer Hand. Der letzten Aufgabe widmete sich schließlich Farore. Sie war letzten Endes diejenige, die alle Formen des Daseins schuf; Pflanzen, Tiere, Insekten. Auch schuf sie intelligente Lebensformen, welche sich weiterbilden können und den Großteil der Bevölkerung ausmachen sollten. Die Goronen – das Volk des Feuers und eine stolze Gemeinschaft – schickte sie in die Berge. Die Zoras – Wesen des Wassers – ließ sie Meer und Fluss bevölkern. Die Dekus – hölzernes Waldvolk – sollten den Wald bewohnen. Die Menschen hatten als Abbild ihrer selbst die Aufgabe, die restliche Welt zu bereisen und sich ihren eigenen Wohnsitz zu suchen. Im Gegensatz zu heute hatte der Großteil spitze Ohren und waren der Magie bemächtigt. Nur einige wenige besitzen diese Eigenschaften heute noch.“ Zelda ließ ihre Stimme senken und betrachtete mich. Sie hatte solche Ohren wie beschrieben, genauso wie ich sie hatte.


    „Aber… aber wieso haben nur noch so wenige diese Eigenschaft?“, fragte ich mit vorsichtiger Stimme. „Ich weiß nicht“, wusste Zelda nur zu sagen. „Ich schätze, das wird hier noch irgendwo stehen. Mich würde noch mehr interessieren, was mit den ganzen anderen Wesen geschehen ist. Mit den Goronen zum Beispiel.“ Ich nickte zustimmend. Was war wohl mit ihnen geschehen? Stimmte das, was in dem Buch stand, oder war das bloß eine erfundene Geschichte? Und wenn das alles tatsächlich der Wahrheit entsprach, wie konnte es sein, dass ich noch nie von alledem gehört hatte? Die Schöpfungsgeschichte war doch eine ganz andere, selbst wenn ich nicht wirklich religiös war und nicht unbedingt an sie glaubte. Und auch wie bereits erwähnt wunderte ich mich über der Verbleib der anderen Kreautren, von denen etwas geschrieben stand. Man musste doch irgendwas von ihnen erfahren können, warum waren sie so gänzlich unbekannt?


    Zelda blätterte ein wenig weiter. „Hier steht noch etwas über andere Wesen.“ „Ach ja? Lies vor“, bat ich sie. Selbst wenn ich dem ganzen doch etwas skeptisch entgegen trat interessierte der Inhalt des Buches mich sehr. „Also gut. Zu sehr alten Zeiten existierten noch viele andere Bewohner, welche allerdings im Laufe der Zeiten ausgestorben sind, ein Beispiel wäre das alte Wasservolk der Parakwa, zumindest ist über eben diese nichts weiteres mehr bekannt, seit Ewigkeiten hat man nichts mehr von ihnen gehört. Einige andere unsterbliche Wesen haben sich gewandelt und verändert… Hier steht noch etwas über Menschen. Das wichtigste Menschenvolk waren die Hylianer, sie waren diejenigen, die die spitzen Ohren besaßen. Es lag inmitten vom Königreich Hyrule, das wohl wichtigste Land der vergangenen Zeiten. Ein Schattenvolk diente dem Königshaus, die Shiekah. Doch wurden sie von der königlichen Familie verraten und starben mit der Zeit ebenfalls fast vollständig aus, nur noch wenige Überlebende existieren… Wie alt ist dieses Buch denn? Wenn das stimmt könnte es schließlich bedeuten, dass es heute noch immer solche Shiekah gibt.“ „Hm…“ Ich wusste nicht, was ich hätte sagen sollen. Die gesamte Geschichte klang für mich einfach so unwirklich.


    „Oh, hier ist etwas wichtiges!“, sagte Zelda etwas aufgeregter als zuvor. „Ich glaube etwas über das Zeichen auf unseren Händen. Warte ich lese vor… Nachdem das Werk der Göttinnen vollbracht war hinterließen sie ihrer Welt noch ein letztes Geschenk. Ein göttliches Artefakt, auf das sie selbst keinen Zugriff haben sollten. Es besteht aus drei Fragmenten: das Fragment der Kraft, das Fragment des Mutes und das Fragment der Weisheit. Sie nannten es das Triforce. Ihm wohnt die Kraft inne einem jedweden Wunsch zu erfüllen, vollkommen gleich von welchen Überzeugungen dessen Herz erfüllt ist. Doch müssen die Eigenschaften des Artefakts in der Person, die den Wunsch ausspricht, im Gleichgewicht stehen, ansonsten zerspringt es in seine drei Fragmente. Dabei wird dem, der den Wunsch aussprach das Fragment überreicht, dessen Tugend er am meisten verkörpert, die anderen suchen sich einen Träger, der es am meisten wert ist ihre Eigenschaft zu verkörpern…“ „Aber das würde ja bedeuten, wir tragen so ein Fragment in uns…“ Zelda blätterte um, musste aber schließlich verdutzt feststellen, dass die folgenden Seiten allesamt leer waren. Hektisch blätterte sie darin hin und her, doch auch die Vorderseiten waren nicht mehr beschriftet, so als hätte ein magischer Radiergummi sie alle ausradiert. „Was soll das? Wie ist das möglich?“, fragte sie verwirrt, mehr zu sich selbst, als zu mir. „Ich habe keine Ahnung…“, antwortete ich nichts desto trotz.


    Vorsichtig klappte Zelda das Buch zu und legte es auf dem Boden ab. Ich starrte sie mit leicht geöffnetem Mund an und wartete auf eine Reaktion ihrerseits. „Jetzt wissen wir wenigstens ein bisschen mehr“, sagte sie und brachte ein fröhliches Lächeln zustande. Es steckte mich ein wenig an, sodass sich meine Mundwinkel ebenfalls ein kleines bisschen nach oben bewegten. „Und jetzt… lass uns etwas essen. Ich habe Hunger.“ Das verwunderte mich dann doch ein wenig. Zuerst war sie enttäuscht, weil das Buch aus welchem Grund auch immer leer war und dann wollte sie etwas essen? Ich musste wohl sehr verwirrt ausgehen haben, Zelda hielt sich bei meinem Anblick die Hand vor den Mund und begann leise zu kichern, bevor sie sich von ihrem Platz erhob. Ich stand ebenfalls auf und folgte ihr.


    Zelda öffnete die Falltür und stieg die Leiter hinab. Sie rief mir von unten hinterher und rannte anschließend in das Haus. Ich sah ihr zufrieden nach und wollte ihr schließlich folgen, wurde allerdings von einem dumpfen Geräusch hinter mir aufgehalten. Ich drehte mich langsam um und sah, dass das Buch, warum auch immer, aufgeschlagen war. Es hatte sich irgendwie von selbst geöffnet. Ich war mir unsicher, beschloss allerdings zu dem Buch zu gehen und es mir genauer anzusehen. Bücher konnten sie schließlich nicht von selbst öffnen, das musste irgendeine Bedeutung haben. Ich kniete mich davor und betrachtete eine der leeren Seiten.


    Meine Augen weiteten sich, einerseits vor Verwunderung, andererseits vor Schock, als ich Folgendes zu sehen bekam. Auf dem Buch erschienen ganz plötzlich Buchstaben, wie von Geisterhand geschrieben. Sie bildeten Wörter und mit diesen Wörtern bildeten sich ganze, mehr oder weniger ausführliche Sätze.


    „Link…“, stand dort zunächst geschrieben. Ungläubig bückte ich mich weiter vor und nahm es schließlich in die Hand, legte dabei ungläubig meine Stirn in Falten „Auserwählter… Nachkomme der legendären Helden… du bist der Einzige, der es aufhalten kann.“ Mein Mund stand weit offen, nachdem diese wenigen Zeilen sich gebildet hatten. „W-was?“, stammelte ich und starrte das offene Buch weiter an. Wie war das möglich? „Doch um dich deine Bestimmung erfüllen zu lassen, musst du erst erfahren woher du kommst und wer du wirklich bist. Du musst von den verloren Geschichten erfahren und sie am eigenen Leib erleben.“


    Nach diesen Worten verschwand die Schrift und das Buch war erneut bloß ein Einband mit leeren Blättern. Zunächst stand ich wie paralysiert auf der Stelle, konnte mich aber wieder fangen und blätterte ein wenig in dem Buch herum, aber es war nichts Seltsames zu entdecken. „Halluziniere ich schon?“, fragte ich mich leise. Ich klappte das Buch zu und beschloss mich schließlich auf dem Weg zu Zelda zu machen, sie fragte sich sicher schon, wo ich so lange blieb. Gerade war ich dabei das Buch wegzulegen, doch schien das fürs erste nicht möglich zu sein. Das Buch öffnete sich erneut von selbst, diesmal in meinen Händen, und blätterte von sich allein in rasender Geschwindigkeit durch die Seiten, blies mir dabei einen leichten Wind ins Gesicht, bis es begann sich aufzulösen. Ich realisierte nicht wirklich, was passiert war. Wie war das...?


    Nur noch eine Art goldener Staub, der in der Luft schwebte blieb übrig. Vollkommen irritiert und fassungslos starrte ich es an und hatte aus irgendeinem Grund das seltsame Bedürfnis meine Hand hineinstecken zu wollen. Es besaß keine Materie, ich konnte nichts fühlen und auch ein Geruch fehlte vollständig, obwohl ich meine Hand hinein hielt konnte ich keinen großen Unterschied zum Gefühl an gewöhnlicher Luft feststellen. Aber ich konnte mich nicht vom Fleck bewegen, ich kam gar nicht erst auf die Idee von hier weg zu gehen. Wie hypnotisiert schaute ich dem Tanz des goldenen Staubes zu, der um meine Hand herum stattfand. Ich war auf gewisse Weise fasziniert von diesem Spektakel. Man könnte sogar sagen, dass ich mit dem Zeugs spielte.


    Doch plötzlich fror es in der Luft ein. Ich blinzelte ein paar Mal und konnte mich von meinem tranceartigen Zustand lösen. Langsam nahm ich meine Hand zurück und stand wie angewurzelt da, ohne glauben zu können, was sich vor ein paar Sekunden ereignet hatte. Eine gefühlte Ewigkeit stand ich auf der Stelle, mit dem Stillstehen des Goldstaubs schien auch die Zeit eingefroren zu sein.


    Alles was sich danach ereignete geschah so schnell, dass ich keine Zeit hatte, um zu reagieren. Mit einer viel zu schnellen Geschwindigkeit flog der Staub in Richtung meines Gesichtes, geradewegs in meine Augen. Ich stöhnte einmal qualvoll auf, für einen Moment brannte es höllisch in den Augen. Aber genauso schnell wie es sich ereignet hatte war es auch wieder vorbei. Es war so, als wäre nie etwas geschehen. „Das glaubt mir keiner“, flüsterte ich scherzhaft, um meine Verwirrtheit und den Unglauben zu überspielen und verließ das Baumhaus.


    In Zeldas riesiger Villa angekommen blickte ich mich wieder einmal erstaunt um. Die Eingangshalle zierte ein riesiger Kronleuchter und der Boden musste aus dem teuerstem Marmor gefertigt worden sein. Ein roter Teppich mit goldenen Fransen lag in der Mitte des Raumes und die Wände waren mit Bildern dieses ‚Triforce’ und Familienportraits verziert. Wie konnte man nur an so einem Ort wohnen, es war einfach unglaublich!


    Zelda stand am Ende des Raumes und lächelte mich leicht schief an. „Sei nicht so erstaunt. So toll ist es nun auch wieder nicht.“ Nicht so toll? Was verstand sie denn unter toll? Flüsse aus Schokolade und Häuser aus Lebkuchen? Wobei, das war vermutlich sogar tatsächlich besser…


    „Wo warst du denn so lange? Du siehst plötzlich so blass aus...“, fragte sie und riss mich damit aus meinen Gedanken. Ich sah blass aus? Kein Wunder, nachdem, was vorhin geschehen war. Nur leider konnte ihr nicht davon erzählen, das würde sie mir nie im Leben glauben. „Ich war… nichts Wichtiges. Tut mir Leid.“ „Achso? Na dann, wenn du meinst. Lass uns auf mein Zimmer gehen, dort können wir uns in Ruhe unterhalten.“ Ich war ein wenig erleichtert darüber, dass sie nicht weiter nachgefragt hatte, nickte und folgte ihr.


    Aber etwas war verdammt seltsam. Immer mal wieder hatte ich auf diesem kurzen Weg kleine Schwindelanfälle. Woher hatte ich die so plötzlich? Einmal musste ich sogar stehen bleiben und fasste mir an den Kopf, um nicht einfach umzukippen. Besorgt fragte Zelda mich, ob es mir gut gehen würde. Ich nickte immer wieder nur und folgte ihr weiter, wobei ich mir sicher war, dass sie mir nicht glaubte. Und ja, mir ging es total mies, dabei konnte ich mir nicht erklären, warum es auf einmal so war. Ich war seit Jahren nicht mehr wirklich krank gewesen, wie kam es also dazu, dass ich auf so kurzem Wege bereits mehrere Male fast das Bewusstsein verloren hatte und mir dazu mittlerweile auch noch speiübel wurde?


    In Zeldas Zimmer angekommen blieb mir schließlich keine Zeit, um mich umzusehen. Vor meinen Augen verschwamm auf einmal alles und sie wurden immer träger, ich konnte sie nicht mehr offen halten. Ich hatte die Befürchtung, dass dieser goldene Staub der Grund für das Verschlechtern meines gesundheitlichen Zustandes war, anders konnte mir das nicht erklären. Aber das war für das erste unwichtig. Das Letzte, was ich noch vernommen hatte, war, wie ich auf dem Boden aufschlug. Dann bemerkte ich nichts mehr von meinem Umfeld und wurde von absoluter Dunkelheit umhüllt.

  • Wow. Das ist richtig, richtig gut. Es ist spannend, ohne übertrieben zu sein. Es liest sich angenehm und realistisch (soweit das bei Fantasy möglich ist). Es ist alles schön beschrieben und erklärt. Wirklich, WOW.


    Am Anfang gibt es fast keine Fehler in Grammatik und Rechtschreibung, später häufen sich die Fehler aber etwas. Vielleicht solltest du die zweite Hälfte der Geschichte nochmal besser durchgucken.
    Ansonsten hätte ich nur über die Szene zu meckern, in der Link und Zelda diese dunkle Gasse folgen. Wie soll das gehen, dass man in einer Gasse wirklich nichts mehr sehen kann? Selbst mit engen Gängen und hohen Wänden kommt immer genug Licht rein, dass man noch einiges an Umrissen und Dingen erkennen kann, vor allem am Tag. Das musst du entweder genauer beschreiben, wie das sein kann, oder die Stelle abändern.


    Ansonsten bin ich begeistert. Schreib schnell weiter, ich will wissen, wie es weitergeht.


    You've met with a terrible fate...
    Haven't you?

  • Wow, vielen Dank für das Lob ^^ Ja, die Fehler habe ich auch bemerkt, ich werde bei Zeiten versuchen die Sache zu korrigieren. Nur was die dunkle Gasse angeht... anfangs fand ich die Idee noch gut, aber im Nachhinein finde ich es eher lächerlich ^^ Na ja, jetzt ist es so geschrieben und ich möchte auch nichts daran ändern.

  • Ich erwachte schwer. Der Boden unter mir war hart gewesen, in jedem Fall kein geeigneter Ort zum schlafen. Ich streckte mich einmal großzügig und versuchte meinen steifen Nacken zu entspannen, während ich ein herzhaftes Gähnen abließ, meine Augen allerdings hielt ich dabei noch immer geschlossen. Nachdem ich nach einer doch nur kurzen Zeit etwas wacher wurde öffnete ich sie schließlich vorsichtig. Aber irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl dabei…


    Vor lauter Schreck schnappte ich einmal reflexartig nach Luft und hielt danach meinen Atem an. Ich spürte, wie sich mein Herzschlag plötzlich um ein vielfaches beschleunigte und meine Augen mussten schon so groß sein wie Autoreifen. Warum auch immer, aber ich war nicht in Zeldas Zimmer. Stattdessen bestand mein Aufenthaltsort aus einer Gegend, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Es schien eine Art weit reichende Steppe zu sein, mit zertrocknetem Gras und verfaulten Bäumen. Wie war ich hierher gekommen, was war das hier? Der Schock saß tief, ich war fürs erste nicht in der Lage mich zu bewegen, ich realisierte die Situation nicht. Ich war vollkommen alleine in einer öden, großen Landschaft… wie konnte das denn sein? War ich hierher verschleppt worden? Etwa von Zelda…? Nein, warum sollte sie denn so etwas tun? Das ergab einfach keinen Sinn.


    Irgendwann fiel mir einfach keine bessere Lösung ein, als zu rennen. Meine Beine setzten sich in Bewegung, beschleunigten sich und führten mich einen langen Weg vorwärts. Die karge Landschaft raste an mir vorbei und verschwamm vor meinen Augen, als sich mit einem Mal Tränen in ihnen bildeten. Ich schloss sie und wischte das salzige Nass weg, ehe ich sie wieder öffnete.


    Verdammt, es sah einfach überall gleich aus! Es kam mir so vor, als würde ich auf der Stelle laufen. In diesem Moment war mir nun wirklich nach Weinen zumute. Das war sonst eigentlich überhaupt nicht meine Art. Anstelle von simplem Tränen vergießen war ich sonst eher der Typ, der nach Lösungen und Auswegen suchte, aber diese Situation war eine vollkommen andere, eine fremde, wie man sie keinem wünschen würde. Aber schließlich war ich irgendwo im nirgendwo, alles schien zerstört zu sein und ich war ganz allein, es war weit und breit keine Menschenseele zu sehen, noch nicht einmal ein Tier geschweige denn ein Insekt konnte ich ausfindig machen. Es war, als wäre die gesamte Umgebung vollständig ausgestorben.


    Ich lief immer weiter, eine gefühlte Ewigkeit tat ich nichts anderes. Wie lange war ich schon dabei zu rennen? Jedenfalls lange genug, um mich allmählich aus der Puste zu bringen und mir ein schönes Seitenstechen zu verpassen. Aber ich ließ mich davon nicht beirren, ich musste das ignorieren. Wenn ich stehen blieb war die Wahrscheinlichkeit Hilfe oder einen Ausgang zu finden gleich null, wenn ich unterwegs war hatte ich zumindest den Hauch einer Chance etwas von meinen Aufenthaltsort erfahren zu können.


    Irgendwann war es mir dann doch zu viel. Ich konnte nicht mehr laufen, meine dafür benötigte Energie war bereits vollkommen aufgebracht und das Seitenstechen brachte mich um. Abrupt blieb ich stehen und bückte mich nach vorne, um mich mit einer Hand an meinen Knien abstützen zu können, während ich mir mit der anderen die Seite stützte, die von dem Seitenstechen geplagt wurde. „Scheiße“, fluchte ich und atmete dabei ganz schön angestrengt. Was würde ich nicht für einen Schluck Wasser geben… aber es war noch nicht mal eine Pfütze aufzufinden, einen Bach konnte ich auch noch nicht sehen und einen Fluss schon gar nicht.


    Nach einer Weile konnte ich mich, den Umständen entsprechend gut, wieder beruhigen. Mein Atem normalisierte sich und ich konnte mich ohne weitere Probleme gerade hinstellen. Ich machte mich weiter auf den Weg, aber diesmal entschloss ich mich dazu nicht zu rennen. Stattdessen ging ich in gemächlichem Tempo weiter und sah mir meine Umgebung genauer an. Nur leider gab es da nicht wirklich viel zu sehen. Es war zumindest deutlich zu erkennen, dass das hier einmal ein wunderschöner Ort gewesen sein musste, jedenfalls hatte ich das im Gefühl. Was war hier passiert, dass alles so zerstört und… hässlich war?


    Wieder blieb ich stehen, aber diesmal hatte es sogar einen Grund, der mich in gewisser Weise für kurze Zeit freute. Nicht weit von mir entfernt konnte ich jemanden erkennen. Und es war nicht nur eine Person, sogar recht viele Menschen waren an einem Punkt versammelt. Seltsamerweise war es die einzige idyllische, schon beinahe unglaublich schöne Stelle in der gesamten riesigen Landschaft. Ich unterdrückte einen Freudenschrei und begann wieder zu rennen, geradewegs auf diese Versammlung von Leuten zu, aber je näher ich kam, desto schlechter wurde mein Gefühl bei der Sache. Ich hatte die Ahnung, dass die Menschen vor irgendwas Angst hatten, jedenfalls waren ihre Gesichter bleicher als eine weiße Wand, einige zitterten wie Espenlaub. Die Kinder unter ihnen weinten, deren Mütter hielten sie fest in den Armen und einige Männer stellten sich schützend vor sie, doch auch ihnen war die Panik ins Gesicht geschrieben, trotz größter Bemühungen diese zu überspielen. Ich verlangsamte mein Tempo, trotzdem wollte ich zu ihnen gehen, wollte wissen, was denn hier los und was das für ein Ort war.


    Meine Augen wurden groß, als ich die seltsamen Wesen sah, die sich um die Menschen herum versammelt hatten. Sie sahen so eigenartig aus, ich konnte sie nicht wirklich beschreiben, dazu waren es viel zu viele von ihnen. Von weiter Entfernung kamen immer mehr, es waren auf jeden Fall weitaus mehr, als die Zahl der Menschen. Manche wirkten groß wie Felsen, wieder andere wie Landfische, einige schienen mir wie lebendige Plüschtiere und es waren sogar ein paar Roboter dabei, wenn ich mich nicht irrte. Waren sie etwa der Grund für die Angst der Leute? Ich meine, ich würde es ihnen nicht vergelten.


    Recht schnell bemerkte ich, dass sie doch nicht der ausschlaggebende Punkt waren. Diese Wesen konnten scheinbar sprechen. Ich war zwar zu weit weg, um verstehen zu können, was sie da sagten, aber ich Münder bewegten sich und auch deren Gesichtsausdruck sagte mir, dass es beruhigende Worte sein mussten. Nach einer Weile des Starrens hatte ich keine Nerven mehr zum weiteren sinnlosen Rumstehen und wollte mich zu den ganzen Leuten dazu gesellen, um schließlich zu fragen, was genau hier vor sich ging und was das für ein seltsamer Ort war, unterließ es aber, als plötzlich alle verstummten und eine Frau in die Menschenmenge trat. Sie trug ein bodenlanges, weißes Gewand, ihr Haar besaß die Farbe von glänzendem Gold und tanzte majestätisch im leichten Wind, umspielte dabei ihr Gesicht – kurz gesagt, sie war wunderschön (und schien auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Zelda zu haben…).


    In ihrer rechten Hand trug sie eine recht kleine Art von Harfe, die mich an diese kleinen Engelsbilder erinnerte, wobei ich meinte dass manche von ihnen auch mit Trompeten oder ähnlichem abgebildet werden. Die gesamte Menge starrte sie gebannt an. Sie winkte einmal und wie auf Stichwort entfernten sich die Wesen langsam von den Menschen. Mit Zuversicht und sicherem Blick nickte sie der panischen Menge zu. Die Menschen begannen einer nach dem anderen vorsichtig zurück zu nicken und gaben sich gegenseitig die Hand.


    Die Frau lächelte müde, aber dennoch freundlich und warm, und hob ihre Harfe heroisch in die Höhe. Meine Augen weiteten sich bei dem Anblick erneut um ein vielfaches, was hier alles passierte konnte doch gar nicht sein! Es schien mir absolut unmöglich, doch bei der Frau musste es sich exakt um dieselbe Person wie die Statue in Zeldas Garten handeln. Sie glich ihr haargenau, bis auf das kleinste Detail, mit der Ausnahme, dass sie nicht aus Stein, sondern nun mal quicklebendig war.


    Die Harfe in ihrer Hand begann in einem hellen Licht zu leuchten und erstrahlte das komplette Umfeld, es war so hell, dass ich mir sicher war meine Augen würden auf der Stelle schmelzen, sollte ich direkt hinein schauen. Zeitgleich begann der Boden zu beben, ich bekam bereits die Befürchtung, dass sich der Grund unter meinen Füßen spalten würde. Nur dummerweise gab es nirgendwo etwas, woran ich mich festhalten konnte, was zur Folge hatte, dass die Erschütterung mich hinfallen und hart auf dem Boden aufschlagen ließ, natürlich mit dem Kopf voran. Ich hatte wirklich Glück, dass ich mich nicht ernsthaft verletzt hatte, aber dennoch tat es höllisch weh und ich konnte nicht anders, als einmal aufzuschreien. Langsam und vorsichtig hielt ich mir die schmerzende Stelle am Kopf, hatte schon die Befürchtung, er wäre aufgeplatzt. Die verwundete Stelle pochte schrecklich, aber sonst schien nichts weiter Schlimmes passiert zu sein. Ein Blick auf selbige Hand bestätigte diese Annahme, kein Blut war zu sehen. Ein wenig erleichtert atmete ich auf und stemmte mich vorsichtig hoch, wobei ich es nicht unterlassen konnte dabei stöhnen zu müssen, denn selbst wenn es zu keiner ernsten Verletzung gekommen war dröhnte mein Kopf wie verrückt. Für einen kurzen Moment war mein Gleichgewichtssinn so gut wie nicht vorhanden und ich wäre fast sofort wieder hingefallen, hätte ich mich nicht noch fangen können.


    Noch immer hielt ich mir den Kopf und presste meine Zähne ein wenig zusammen, damit der Schmerz erträglicher zum Aushalten war, zeitgleich folgte ich dem Geschehen vor mir. Ich wollte einfach wissen was da genau vor sich ging, wer diese Frau war, was das für seltsame Gestalten waren und überhaupt.


    Um die Menschenmenge bildeten sich riesige Risse im Boden, Unmengen von Staub wurden in der Luft aufgewirbelt. Reflexartig hielt ich meine rechte Hand schützend vor mein Gesicht, um nichts in Auge zu bekommen. Einen Moment lang konnte ich nichts Großartiges sehen, wie ein dichter Nebel hatte der Staub sich vor mir aufgetan. Einige Minuten mussten bereits vergangen sein, bis ich wieder etwas erkennen konnte, jedenfalls hatte es sich so angefühlt. Als es dann schließlich wieder möglich war halbwegs brauchbare Dinge erkennen zu können klappte mein Mund sich erstmal riesig weit auf, als ich das folgende Ereignis beobachtete. Das Stück Erde, auf dem die Menschenmassen sich versammelt hatten, schwebte in der Luft und bewegte sich langsam in Richtung Himmel. Da schwebte Land in der Luft und katapultierte verängstigte Menschen in die Luft! Fast wäre ich vor Überraschung wieder umgefallen, dass war einfach nur… unmöglich? Aber gut, wer beachtete denn schon die physikalischen Gesetze?


    Die Frau nickte einmal zufrieden und sah noch einige Zeit ihrem „Werk“ zu, bis es nur noch als kleiner Punkt am Himmel zu erkennen war, und drehte sie sich schließlich um. Diese seltsamen Wesen um sie herum taten es ihr gleich und schauten alle mit ernster Miene gerade aus. Ich hingegen verharrte noch eine Weile in meiner Position und starrte ungläubig dabei zu wie die schwebende Erde mitsamt der vielen Menschen immer schneller in Richtung Himmel stieg. Es dauerte von da an wirklich nicht mehr lange, bis gar nichts mehr davon zu erkennen war. Einzig der riesige Krater im Boden war ein Hinweis darauf, dass hier etwas geschehen war.


    Mittlerweile hatte ich meine Schmerzen völlig vergessen. Meine Augen waren größer als je zuvor und ich hatte dem dämlichsten Blick aller Zeiten drauf, da war ich mir sehr sicher. Mit steigender Nervosität folgte ich dem Blick der Frau und Gestalten, geradewegs auf eine dunkle, nebelartige Wolke. Sie schien sich immer weiter auszudehnen, immer größer zu werden, es wirkte schon so, als würde sie die gesamte Landschaft auffressen. Es war mir ein einziges Rätsel wie ich das hatte übersehen können.


    Ich verengte meinen Blick, um meine Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse von weiter weg fokussieren zu können, nachdem ich noch mehr seltsame Viecher sah, die ihren Weg durch die Wolke in die Freiheit fanden. Es hatte auf mich den Anschein, als würden sie gezielt in meine Richtung stürmen. Mit erhobenen Waffen – Schwertern, Keulen, Pfeil und Bogen, Morgensternen, Speeren und viel mehr – kamen immer mehr von ihnen aus der Wolke gerannt. Einige dieser Monster hatten eine gewisse Ähnlichkeit mit Schweinen, so sah es jedenfalls für mich aus, aber darunter waren auch noch viele weitere, teilweise undefinierbare Gestalten. Es kamen immer mehr von ihnen aus dem riesigen Nebel gerannt – untote Skelette, zombieartige Wesen, riesige Vögel, dinosaurierähnliche Ungetüme und noch anderes.


    Die Wesen um die Frau herum – die mir weitaus freundlicher vorkamen als der Neuzugang – stürzten sich mit lautem Gebrüll auf die Monster und griffen sie mit aller Kraft an. Es war ein einziges, riesiges Blutbad. Wenn eines dieser Monster getötet wurde verpuffte es und ließ lila Rauch aufsteigen, während die anderen Wesen leblos in sich zusammen sackte und deren Leiche auf dem Boden liegen blieb.


    Jeden Moment würde mein Herz stehen bleiben, da war ich mir schon fast sicher, so schnell wie es bereits schlug… das konnte nicht gesund sein. Diese Ereignisse vor mir waren einfach zu grausam für mich. War das wirklich real? Ich wollte nicht hinsehen, aber ich konnte mich auch nicht von der Stelle bewegen. Als wäre der Schock mir durch Mark und Knochen gefahren und hätte dabei alles, was für gewöhnlich beweglich ist, lahm gelegt.


    Mein Blick wandte sich fast automatisch dem dunklen Nebel zu. Ich war mir nicht zu hundert Prozent sicher, allerdings war ich davon überzeugt einen Schatten in der Wolke erkannt zu haben, weitaus größer jedes einzelne der Monster auf dem Schlachtfeld. Wie von selbst ging ich darauf zu, trotzdem wurde noch immer ein kleiner Sicherheitsabstand gewahrt. Und ich war wirklich froh darüber, das Letzte was ich wollte war in die Ereignisse mit hinein gezogen zu werden und als eines der Opfer zu enden. Von Glück konnte ich sagen, dass noch kein Einziger Notiz von mir genommen hatte.


    Tief in mir wünschte ich, dass dieser Schatten kein Monster, sondern bloße Einbildung war. Aber damit lag ich natürlich komplett daneben. Ein riesengroßes Ungeheuer trat aus dem Nebel heraus und versetzte der Erde mit jedem Schritt ein kleines Beben. Es war mindestens fünf Meter groß, sehr muskulös gebaut und von einer Haut aus Schuppen überzogen, die so stark wie das härteste Metall wirkten. Die Haare – wenn man sie denn als solche bezeichnen konnte – schienen aus Feuer zu bestehen und flackerten auf seinem Kopf umher. In seiner Hand trug es ein riesiges, schwarzes, gezacktes Schwert. Ich war mir absolut sicher, dass es ausnahmslos alles aufschlitzen und zerschmettern konnte. Das Monstrum hatte ein Lächeln aufgesetzt, das die pure Mordlust widerspiegelte. Schon fast mit Faszination und auch Freude, sogar amüsiert, sah es dem „Spektakel“ zu.


    Die Frau lief ins Bild, ging ihren Weg durch das Gemetzel, ohne dass ihr selbst etwas angetan wurde. Sie starrte das riesige Monster ausdruckslos an und ging mit langsamen, bedachten Schritten weiter auf ihn zu. Mit jedem weiteren Schritt strahlte sie immer heller in einem gleißenden, goldenen Licht. Sie hob einmal mehr ihre Hand, hielt ihre Harfe dabei fest umschlossen.


    Noch während sie ihren Weg ging löste sich das Instrument in Luft auf und formte sich stattdessen zu einem Schwert aus dem edelsten Metall, welches leicht zu schimmern schien. Mit Erstaunen, ja sogar vollster Bewunderung, aber auch panischer Angst sah ich zu, wie sie plötzlich um ein vielfaches wuchs, bis sie ungefähr auf Augenhöhe mit dem riesigen Monster war. Belustigt sah es der Frau zu und machte keinerlei Anstalten sie aufhalten zu wollen, trotzdem ging er in Kampfstellung und hielt sein Schwert fest umschlossen in einer Faust. Die Frau holte mit ihrem kräftig, aber noch immer elegant aus und beide Schwerter klirrten aufeinander, der Aufprall verursachte eine gewaltige Druckwelle, die mich fast von den Füßen riss. Ich wollte weglaufen, mein Innerstes schrie mich an und forderte mich dazu auf so weit wie möglich von dort zu verschwinden, aber ich konnte mich einfach nicht bewegen. Wie aus Stein verharrte ich in meiner Position, unfähig auch nur einen kleinen Muskel anzuspannen. Doch dann verschwamm das Bild vor mir, ganz ohne Vorwarnung.


    Mit der Zeit fügte sich ein weiteres Bild zusammen. Ich war am selben Ort wie noch zuvor, aber es herrschte eine komplett andere, düstere und leere Atmosphäre. Unzählige Tote waren auf dem Boden verteilt. Vieles stand in Flammen. Es lag der Geruch von stickigem Rauch und in Ansätzen sogar bereits der Gestank von Verwesung in der Luft.


    Ich bewegte mich auf den Krater zu. Irgendwas sagte mir, dass ich dort etwas von Belang finden würde, selbst wenn ich am liebsten in die andere Richtung gerannt und von hier verschwunden wäre. Und tatsächlich war dort etwas aufzufinden. Im Zentrum der ausgehobenen Erde standen die restlichen Überlebenden, es waren wirklich nicht sehr viele. Auf den ersten Blick waren es wohl nicht mehr als Zehn. Ich betete dafür, dass noch mehr überlebt und sich bereits auf dem Weg an einen anderen Ort begeben hatten, diese Möglichkeit war schließlich nicht auszuschließen.


    Der kleine Rest stand um die Frau herum, die zum Glück auch überlebt hatte, wenn sie auch geschwächt und entkräftet zu sein schien. Sie atmete angestrengt, ich konnte es bis hier oben hin hören, und stützte sich im Sitzen an einer Art Stein ab, der im Boden befestigt war. Die anderen waren wohl ein wenig in Panik verfallen und schienen ihr etwas sagen zu wollen, doch sie befahl ihnen mit einem Wink mit der Hand zu schweigen, worauf auch Folge geleistet wurde – sofort waren alle verstummt und hatten in ihrer Bewegung inne gehalten.


    Nur kurz darauf begann sie erneut in einem strahlenden Licht zu leuchten, was die anderen dazu veranlasste ihre Hände, oder das was ihre Hände sein mussten, zusammen zu falten und ihre Augen schlossen, so als würden sie beten. Das goldene Licht, in das die Frau gehüllt war, stieg in den Himmel und wirkte wie ein Stern am bewölkten Abendhimmel. Ich starrte ihr hinterher. Was auch immer da gerade passiert war, es konnte einfach nicht real sein…


    Wieder wurde mir schwindelig, genau so stark, wie noch zuvor in Zeldas Zimmer. Und wieder spielte sich dasselbe wie dort ab – mir wurde komplett schwarz für Augen, ich kippte zur Seite und verlor das zweite Mal in Folge das Bewusstsein.

  • Wieder sind hier und dort ein paar Flüchtigkeitsfehler mit drinnen, aber nicht zu viele.
    Also lässt du mich wieder nur nach mehr schreiend zurück. :D
    Das ist wirklich bemerkenswert, vor allem in deinem Alter. Du hast einen Fan!


    You've met with a terrible fate...
    Haven't you?

  • Ah, danke :3 Das freut mich ^^ Aber ja, dass ich Fehler habe, dessen bin ich mir wohl bewusst. Ich lese den Text auch immer nochmal bevor ich ihn absende um möglich Fehler zu verbessern, aber wie es aussieht erkenne ich sie nicht immer sofort. Na ja ^^

  • Ich öffnete die Augen. Leicht stöhnend setzte ich mich auf. Mit einer Hand stützte ich mir den Kopf ab. Mein Sichtfeld war gänzlich verschwommen und mein Körper fühlte sich taub an. Ich brauchte meine Zeit um mich zu sammeln. Mein Blickfeld normalisierte sich langsam und ich begann wieder meine Gliedmaßen als auch die Umgebung um mich herum wahr zunehmen. Gleichzeitig begann ich auch einen plötzlichen stechenden Schmerz an meinem Hinterkopf zu spüren. „Au!“, schrie ich und presste meine Hände gegen die schmerzende Stelle. „Alles in Ordnung?“, fragte mich eine Stimme. Es war Zelda. Sie kniete vor mir und blickte mich etwas entsetzt an. „Ich… ich weiß nicht…“ „Du warst eine Stunde lang bewusstlos“, hörte ich eine fremde Stimme sagen. Es war eine tiefe und männliche Stimme. Trotz meiner noch immer benebelten Sinne konnte ich eine fremde Person erkennen. Es war offensichtlich ein älterer Mann, relativ rundlich gebaut und er hatte bereits weiße Haare sowie einen weißen Bart. Er trug einen schwarzen Anzug. Ernst sah er mich an. „Link… das ist mein Vater“, flüsterte Zelda mir zu. Er musterte mich ein wenig spöttisch. „Ihr habt also das Buch gelesen?“, fragte er und starrte dabei vor allem mich leicht wütend an. Ich war überrascht. Hatte Zelda es ihm verraten oder hatte er es selbst herausgefunden? „Ja, Vater“, sagte Zelda mit gesenktem Blick. „Hatte ich dir nicht verboten es zu lesen?“ Er lief langsam durch den Raum und hatte die Arme verschränkt. Würde Zelda nun bestraft werden? War ich daran schuld? „Nein, sie wollte schließlich das Bauch lesen, mir es relativ egal“, dachte ich mir, auch wenn ich mich noch immer schuldig fühlte. Ich musste einen sehr gequälten Blich gehabt haben, die Schmerzen an meinem Hinterkopf brachten mich förmlich um. Ich stellte mich langsam auf, doch das erwies sich als fataler Fehler. Vor mir verschwamm erneut alles und ich begann zu taumeln. Ich wäre sicher erneut auf den Boden geknallt, hätte Zelda mich nicht festgehalten. „Du solltest dich nicht überanstrengen“, sagte sie leise und führte mich zu einem Stuhl. Vorsichtig stützte ich mich daran ab und keuchte. Ich spürte wie sich Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten. „Oh man…“, sagte ich leise und ließ mich auf den Komfort fallen. Zeldas Vater hatte uns derweil nicht beachtet. Er lief weiterhin langsam durch das Zimmer und schien angestrengt nachzudenken. Zelda hatte sich an die Kante ihres Bettes gesetzt und die Hände in den Schoß gelegt. Plötzlich kam ihr Vater zum Stehen. Er seufzte tief und sah aus dem Fenster. „Früher oder später hättet ihre es sowieso erfahren müssen.“ Er drehte sich zu seiner Tochter um. „Zelda, bitte verlasse das Zimmer.“ Zelda fuhr hoch und sah ihm flehend in die Augen. „Aber Papa…“ „Zelda, bitte. Das muss ich mit Link klären.“ Zelda stand verwirrt vor ihrem Vater und schien nach passenden Worten zu suchen. „Na schön…“, sagte sie nur und verließ den Raum. Ich fühlte mich mit Zeldas Vater alleine in einem abgeschlossenen Raum nicht wohl. Er stellte sich vor das Fenster und starrte in die Ferne. „Link…“ Ich blickte auf und sah in seine Richtung. „Während deiner Ohnmacht hattest du einen Traum, nicht wahr?“ An den Traum hatte ich nicht mehr gedacht. „Jetzt wo Sie es erwähnen, ich hatte tatsächlich einen Traum“, sagte ich und versuchte angestrengt mich daran zu erinnern, doch meine Schmerzen machten es mir nicht unbedingt einfach. „Du musst mir alles erzählen, jedes kleinste Detail könnte von Bedeutung sein. Ich werde soweit es mir möglich ist versuchen, deinen Traum zu deuten.“ „Aber… was ist denn an dem Traum so wichtig?“, fragte ich vorsichtig. Er drehte sich zu mir um und blickte mir in die Augen. Ich schluckte einmal und wartete auf eine Antworte. „Nun… ich hatte eigentlich vor meine Tochter soweit es geht aus dieser Sache raus zuhalten. Ich wollte damit bis zu ihrem 18. Lebensjahr warten. Allerdings ist mir das Schicksal wohl zuvor gekommen…“ Er machte eine kurze Pause und dachte nach. „Ich muss dir scheinbar etwas erklären. Meine sowie deine Familie sind die letzten direkten Nachkommen eines längst vergangenen Königreichs, davon hast du sicher aus dem Buch erfahren. Kennzeichnend dafür sind die spitzen Ohren, die das Volk damals als besonders hervorheben sollten. Doch das Königreich ist nach einem langen und schrecklichen Krieg untergegangen, der Großteil wurde ausgerottet. Bloß einige wenige Flüchtlinge konnten überleben, unsere Vorfahren. Wir, Zelda und ich, stammen offensichtlich von der königlichen Familie ab. Link… das Buch hat dich als „Auserwählten“ bezeichnet, nicht wahr?“ Ich nickte vorsichtig, sagte allerdings kein Wort. „Wie ich es mir dachte… Link, dieses alte Königreich wurde des Öfteren von dem Bösen heimgesucht. Das Böse konnte nie gänzlich vernichtet werden, aber es gab immer einen auserwählten Helden, der das Böse besiegen und zur Versiegelung beitragen konnte. Du bist offenbar ein Nachfahre dieser Helden, wobei ich eine Reinkarnation für wahrscheinlicher halte.“ Ich nickte immer zu, wusste allerdings nichts Passendes zu sagen. „Die Erlebnisse dieser Helden wurden zu Legenden und sind im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, bloß noch meine Familie weiß darüber Bescheid. Scheinbar musst du zuerst selbst erfahren was damals geschehen ist, in Form von Träumen… deshalb musst du mir davon erzählen, damit ich dir erklären kann was sie bedeuten.“ Ich senkte meinen Kopf und versuchte zu verstehen. Einerseits klang es logisch, andererseits unwirklich. Zudem kamen langsam die Erinnerungen an meinen Traum zurück. Ich schloss meine Augen um mich besser konzentrieren zu können und berichtete ihm, an was ich mich noch erinnern konnte.

  • „Hm…“, kam es von Zeldas Vater, der seine Augen geschlossen hielt und mir aufmerksam zuhörte. Ich beendete meinen Bericht und seufzte einmal erleichtert. Erschöpft legte ich meinen Kopf auf die Stuhllehne. Die Schmerzen hatten langsam nachgelassen, dafür bildete sich an der Stelle nun eine dicke Beule. Ich fasste mit einer Hand die Stelle an und spürte, wie die Schmerzen dadurch kurzzeitig intensiver wurden. Ich stieß ein gequältes Geräusch aus und biss meine Zähne zusammen. „Ich muss schon krass auf dem Boden aufgeschlagen sein, wenn ich jetzt so ne Beule habe“, dachte ich mir und schloss meine Augen. „Ich bin mir nicht so sicher wovon dein Traum handelt… es muss ein sehr altes Ereignis sein. Bevor ich dir irgendetwas erzähle was nicht stimmt sollte ich mich noch einmal genauestens erkundigen.“ Ich seufzte einmal und richtete mich erneut richtig auf. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass ich bereits länger hier war als beabsichtigt. Der Himmel hatte sich in dem wunderschönen Rot gefärbt, dass ich immer gerne beobachtete, wenn die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Ich erhob mich von meinem Platz und hielt Zeldas Vater meine Hand hin. „Sie können mir ja Bescheid geben, sollten Sie wissen worum es in meinem Traum ging. Ich muss jetzt jedenfalls nach Hause, es ist schon spät. Mein Onkel fragt sich bestimmt warum ich so lange brauche.“ Zelda Vater zögerte kurz und warf einen flüchtigen Blick auf die Uhr, die in Zeldas Zimmer an der Wand hing. „Du hast Recht… der Tag war sicher lang für dich.“ Er erwiderte meine Geste und wir schüttelten uns die Hände. Er hatte einen festen Griff, so wie ich es mir gedacht hatte. „Du hast eine Menge durchgemacht. Es wäre sicher nicht schlecht sich noch einmal alles in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen.“ Ich nickte und wünschte ihm noch einen schönen Abend, ehe ich mich auf dem Weg zur Tür befand. „Nur eins noch“, kam es von Zeldas Vater. Ich drehte mich um. „Solltest du erneut solch einen Traum wie heute haben, lass es mich so schnell wie möglich wissen.“ Ich lächelte und nickte ihm zu. Langsam führte ich meine Hand zu dem Türgriff und verließ den Raum, behutsam schloss ich die Tür hinter mir. Vorsichtig ging ich durch den Flur, auf dem Weg zu dem Ausgang aus dieser prachtvollen Villa. „Das war einfach viel zu viel“, dachte ich mir und verließ das Haus. Im Garten saß Zelda auf dem Rand des Brunnens und fuhr sich durch die Haare. Sie starrte mit trübem Blick in die Leere und schien über etwas nachzudenken. Ich schaute zu ihr herüber und konnte mir kein Lächeln verkneifen. Ich bewegte mich kurz und sie wurde auf mich aufmerksam. Sie warf ihre Haare elegant zurück und erhob sich von ihrem Platz, ihr Gesicht hatte wieder dieses süße Lächeln aufgesetzt, das ich so mochte. Sie ging auf mich zu. „Und? Was wollte mein Vater denn so dringend mit dir bereden?“ „Also…“ Ich überlegte ob ich es ihr erzählen sollte. Ihr Vater hatte schließlich gemeint, er wolle Zelda nicht in diese Angelegenheiten mit hineinziehen. „Es war nicht wirklich wichtig“, meinte ich mit einem möglichst natürlichen Lächeln. „Ach so… und wie geht es dir jetzt?“, fragte sie ein wenig enttäuscht. „Du hattest ja solche Schmerzen.“ „Ach das… ja, die sind bereits zum Großteil verflogen, mach dir am besten gar keine Gedanken mehr darüber… Jedenfalls, wollte ich mich noch von dir verabschieden.“ Ich hielt ihr meine Hand hin. „Wir sehen uns ja am Montag wieder.“ Sie starrte meine Hand an als wäre sie etwas vollkommen Fremdes. Ich hatte ihr mit Absicht die Hand ohne dieses ‚Triforce’ hingehalten, um sie nicht noch neugieriger zu machen. Sie hob vorsichtig ihre Hand und legte sie in meine. Mein Herz begann ein wenig schneller zu schlagen. „Nicht dein Ernst oder? Sie gibt mir doch nur ihre Hand“, dachte ich mir in diesem Augenblick. „Also… auf Wiedersehen“, sagte ich zu ihr. „Warte, ich begleite dich noch bis zur Tür“, sagte Zelda mit einem Lächeln. Ich nickte und wir gingen gemeinsam zu dem Eingang in die Gasse. „Ich muss jetzt dringend in mein Bett“, dachte ich und bekam solch eine Sehnsucht nach dem warmen und gemütlichen Bett wie noch nie zuvor.

  • Wir waren an der Tür angekommen. Eine einfache, braune Holztür, befestigt an einer riesigen Steinmauer. Ich hatte bisher noch nicht darüber nachgedacht, doch langsam begann ich mich zu fragen, weshalb Zelda und ihr Vater so sehr von der Außenwelt abgeschnitten waren. Zelda kam vor der Tür zum Stehen und ich tat es ihr gleich. Zelda sah etwas beklemmt auf den Boden und spielte mit ihren Fingern. Ich sah sie an und hoffte auf eine baldige Reaktion, die unerträgliche Stille war bereits dabei mich umzubringen. Langsam hob sie ihren Kopf und bewegte ihre Mundwinkel leicht nach oben. Ich starrte sie an. Vorsichtig ging sie auf mich zu. Mein Herz begann wieder zu pochen. Behutsam legte sie ihre Arme um mich. Ich stand wie angewurzelt auf der Stelle und wusste nicht was ich tun sollte. Meine Augen wurden groß und meine Wangen leicht rot. Der Geruch ihrer Haare flog in meine Nase, es roch gut. Die paar Sekunden in denen sie mich umarmte waren unangenehm und kamen mir zugleich warm und schön vor. Ich war schon fast traurig, als sie sich wieder von mir löste. Sie lächelte mich an und ich stand ein wenig perplex auf der Stelle. Ich musste richtig bescheuert ausgesehen haben. Belustigt schloss sie ihre Augen und meinte: „Du bist süß.“ Mir schoss noch mehr Blut in die Wangen und ich sah verlegen zu Boden. „Also… man sieht sich“, sagte Zelda zu mir und hob zum Abschied ihre Hand. Vorsichtig hob ich meinen Kopf und sah sie erneut an. Ein kühler Wind kam auf, der Zeldas Haare majestätisch durch die Luft wehen ließ. Ich begann zu grinsen. „Ja… bis Montag.“ Ich bewegte meine Hand zu dem Griff und zog die Tür leicht zu mir hin. Sie knarrte ein wenig. Ich holte noch einmal tief Luft und lächelte Zelda ein letztes Mal an, ehe ich die Tür hinter mir schloss. „Was für ein Tag“, murmelte ich vor mich hin. „Oh, mein Rucksack!“ Ich wollte bereits zurückgehen, als die Tür sich hinter mir öffnete. Ich drehte mich um und sah Zelda, die mir meinen Rucksack entgegenhielt. „Ich glaube, du hast da was vergessen“, sagte sie. Ich nahm ihr meinen Rucksack langsam aus der Hand. „Vielen Dank, den hätte ich fast hier liegen lassen. Nun… jetzt aber wirklich auf Wiedersehen“, sagte ich scherzhaft zu ihr. „Bis bald“, kam es von ihr. Sie schloss die Tür und ich war wieder alleine. Ich seufzte einmal und warf mir den Rucksack über die Schultern.


    Ich schleppte mich durch die Gasse und dachte über den heutigen Tag nach. Als erstes kam mir das Buch in den Sinn. „Hätte ich das Teil doch nur nicht angefasst“, grummelte ich. „Wegen diesem Zeug werde ich noch Probleme kriegen. Was wenn ich…“ Ich blieb ein wenig entsetzt stehen. „Werde ich jetzt öfter umkippen? Wenn ich mitten im Unterricht umkippe, was ist dann? Oder in der Stadt? Oder bei einem Kumpel zu Hause? Oder irgendwo ganz allein, wo mir niemand helfen kann?!“ Ich begann mich total aufzuregen. Wütend stapfte ich weiter. „Das ergibt doch alles gar keinen Sinn! Ich hatte einen Traum, toll. Das ist jetzt auch nichts Ungewöhnliches. Aber da war auch dieses goldene Zeug… und das ist definitiv nicht normal… Wieso ist das so kompliziert? Ich verstehe das nicht! Und was soll ich denn sagen, wenn ich umkippe und mich danach jemand fragt was los ist? ‚Ach, ich bin bloß so ein Auserwählter der die Geschichten seiner Vorfahren noch mal neu erleben muss, stell dich also schon mal drauf ein, dass so was öfter passiert’, oder was? Damit komm ich doch sofort in eine Irrenanstalt! Und jetzt führe ich auch noch Selbstgespräche, Gott! Ich werde noch völlig verrückt!“ Ich steigerte mich urplötzlich immer mehr in die Sache hinein. Je mehr ich mich aufregte, desto mehr begann ich auch ein wenig mit den Armen zu fuchteln. „Ich bin ganz alleine in einer einsamen Gasse, wer sollte mich schon sehen?“, dachte ich mir immer wieder. „Und da ist dann auch noch Zelda… ich verstehe das nicht, normalerweise werde ich in der Gegenwart von Mädchen doch gar nicht so nervös. Aber… sie ist anders. Sie ist… ach keine Ahnung was sie ist! Sie ist…“ Ich senkte meine Stimme ein wenig. „…sie ist so wie ich und noch dazu wunderschön…“ Ich blieb stehen und seufzte einmal tief. Ich starrte in den Himmel, es war noch dunkler geworden, einige Sterne waren bereits zu erkennen. „Wie spät ist es?“ Ich griff in meine Hosentasche um mein Handy herauszunehmen. „Scheiße, schon halb zehn!“ Ich steckte das Handy wieder weg und begann meine Geschwindigkeit etwas zu erhöhen. „Mein Onkel ist zwar nicht allzu streng“, dachte ich mir, „aber wenn ich solange weg bin ohne vorher Bescheid zu sagen macht er sich bestimmt Sorgen…“

  • Ich stand vor meiner Haustür. Ich stieß einen Seufzer aus und starrte den Türgriff an. Es war ein langer Tag. Ich wollte jetzt nur noch schlafen. Oder etwas essen. Eins von beidem wäre auf jeden Fall in diesem Moment das tollste auf der Welt gewesen. Ich griff in die Tasche meiner Jacke und zog einen Schlüsselbund heraus. Die Schlüssel klirrten aneinander und machten ein Geräusch, das ich nicht unbedingt gut leiden konnte. Ich steckte den richtigen Schlüssel in das Schlüsselloch und drehte ihn einmal um.


    Ich warf die Tür hinter mir zu. Innerlich stieß ich einen lauten Freudenschrei aus. „Endlich zu Hause“, murmelte ich. Ich warf meinen Rucksack in die nächste Ecke und mein Jackett direkt hinterher. Schnell schlüpfte ich aus meinen Schuhen und kickte sie unachtsam von mir weg. Ohne klar zu denken beschloss ich als erstes in die Küche zu gehen und mir etwas zum essen zu besorgen. Ich lief durch das Wohnzimmer. Mein Onkel saß auf der Coach und sah irgendwas im TV, er hielt eine Tüte Chips in der Hand und hatte seine Füße auf dem Kaffeetisch abgelegt. Mit einem „Hey“ machte ich ihn auf mich aufmerksam ehe ich in die Küche verschwand. „Alter“, sagte mein Onkel und pausierte das Programm. Ich öffnete den Kühlschrank und sah mich nach etwas essbarem um. Mein Onkel erhob sich von seinem bequemen Platz und ging zu mir herüber. „Wo warst du solange?“ „Bei wem zu Hause“, antworte ich während ich mir eine Dose Cola und einen Hot Dog vom Vortag schnappte. „Aha und bei wem?“, fragte er mit leicht hochgezogener Augenbraue. Ich schmiss meinen Hot Dog auf einen Teller und legte ihn in die Mikrowelle, für zwei Minuten und 30 Sekunden würde er nun auftauen. „Kennst du nicht, die ist neu.“ Zu spät bemerkte ich die Dummheit, die ich begangen hatte. „Wie konnte ich nur ‚DIE ist neu’ sagen?“, fragte ich mich wütend. Ich hätte mir auch gleich selbst eine reinhauen können. Wenn mein Onkel wusste, dass ich mich mit Mädchen treffe, zog er mich tagelang damit auf. „Interessant“, meinte er mit einem breiten und sehr dämlichen Grinsen. „So krass nun auch wieder nicht“, meinte ich während ich meine Dose öffnete. Ein zischendes Geräusch war zu hören und ein wenig spritzte es aus der kleinen Öffnung heraus. „Doch ich finde das SEHR interessant“, sagte meinen Onkel und ging näher zu mir. Ich kippte einen Schluck und legte die Dose danach zur Seite. „Ist sie hübsch?“, fragte er mich. Ich spürte wie mir das Blut in die Wangen schoss. Verlegen schaute ich zu Boden um ihm nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Sein Grinsen machte mich wahnsinnig. „Nun ja… schon…“, brachte ich hervor. „Oh diese Qualen“, ging es durch meinen Kopf. Die Mikrowelle begann zu piepen und ich nahm den Teller heraus. Er war heiß und ich war unvorsichtig. „Autsch“, sagte ich leise und biss meine Zähne zusammen. Ich legte den Teller auf die Theke. Mein Onkel klopfte mir auf die Schulter. „Du Kleiner du“, sagte mein Onkel lachend. Ich wurde noch roter, das spürte ich ganz deutlich. „Wie heißt sie“, fragte er mich neugierig. „Muss das sein?“, fragte ich ihn flehend. „Na ich werde doch wohl wissen dürfen mit welchen Mädchen mein Neffe sich trifft.“ Ich seufzte einmal tief. „Na schön… sie heißt Zelda.“ „Moment wie?“, fragte mein Onkel verdutzt. Das Grinsen war aus seinem Gesicht verschwunden. „Äh… Zelda…“, sagte ich noch mal und starrte ihn etwas perplex an. So hatte er noch nie reagiert. „Cool… schöner Name…“ , meinte mein Onkel. „Du kannst jetzt von mir aus auf dein Zimmer gehen, ich schaue noch weiter Fußball.“, sagte er zu mir und verließ die Küche wieder. Diese Reaktion von meinem Onkel war ungewohnt. Normalerweise kamen danach noch solche Kommentare wie ‚Du und Zelda, mögt ihr euch denn ganz doll?’ oder ‚Soll ich Zelda einladen und ihr zeigen wie unordentlich du bist?’ Langsam nahm ich mein Essen und die Cola und stieg die Treppe nach oben.


    Ich schmiss mich auf mein Bett und legte den Teller auf meinem Nachttisch ab, die Cola direkt daneben. Ich drückte mein Gesicht gegen ein Kissen und stöhnte. Ich könnte ewig in dieser Position verweilen, Hauptsache ich war einfach nur faul und musste mich nicht bewegen. Eine kleine Weile blieb ich so liegen. „Ich sollte mich mal umziehen“, sagte ich in Gedanken. Ich setzte mich langsam auf und ging zu meinem Schrank. Mit leerem Blick starrte ich hinein und griff sofort zu meiner Lieblingshose – eine bequeme dunkelgrüne Jogginghose. Grün war ohnehin meine Lieblingsfarbe. Ich schmiss meine Jeans zurück in den Schrank und schlüpfte in das gemütlichere Teil. Einen Moment lang blieb ich auf der Stelle stehen. Was konnte ich nun machen? Fern schauen? Was zocken? Musik hören? Mich weiter über den Mist von heute aufregen? Zelda anrufen? „Scheiße!“, rief ich und klatsche meine Hand gegen die Stirn. „Ich hab sie nicht nach ihrer Nummer gefragt!“ Ich ließ mich auf mein Bett fallen und starrte die Decke an. „Schöner Dreck“, murmelte ich und seufzte einmal lautstark. „Als erstes sollte ich essen…“

  • „Wo zum Teufel bin ich?“ Ich war an einem seltsamen und befremdlichen Ort. Alles vor mir war blau, himmelblau, dazu noch weiße Farbsprenkel… vermutlich Wolken? Es war kein fester Boden unter mir zu spüren, stattdessen fühlte ich mich leicht, sehr leicht. So als würde ich schweben. Vorsichtig blickte ich auf mich herab. Ich war… in der Luft! Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich keinen Körper besaß. „Was zum… Soll ich jetzt Angst haben oder was jetzt?“, murmelte ich aufgeregt vor mich hin. Vorsichtig hob ich meinen Blick und starrte die weißen… Wolken an. Sie verzogen sich langsam. Ganz schwach konnte ich etwas dahinter erkennen. Es war… eine Art Insel. Mitten in der Luft! Ich hätte verwundert sein müssen, aber angesichts der Tatsache, dass ich keinen Körper besaß und ebenfalls in der Luft schwebte, haute es mich nicht um. Doch ich konnte mir nicht helfen… dieses Szenario kam mir sehr bekannt vor. „Diese Insel… das ist doch die aus meinem Traum!“ Ich begann automatisch auf das Land zu zufliegen. Immer mehr näherte ich mich diesem Mysterium und entdeckte einige Menschen, die vergnügt ihrem Alltag nachgingen. So etwas hatte ich mir nie vorstellen können… eine schwebende Insel und Menschen, die dieses Geschehen vollkommen normal fanden! Als ich mich direkt darüber befand setzte ich eine Landung an und kam immer mehr Richtung Boden. Ich sah mich erstaunt um, es war alles komplett anders, als wie ich es selbst kannte. Befremdlich, aber dennoch faszinierend.


    Ganz ohne Vorwarnung sauste jemand an mir vorbei. Ich drehte mich zu ihm hin und konnte ihn wage von hinten erkennen, ehe er von einer Art Plattform sprang… „Ist der Typ lebensmüde?!“, schrie ich und bewegte mich schnell an seine Absprungstelle. Vorsichtig blickte ich in die Tiefe um nach der Person zu schauen. Doch dann sauste er auf dem Rücken eines riesigen Vogels in die Lüfte und zog mich mit einem kräftigen Luftstoß mit in die Höhe. Es war ein Kerl, gekleidet in seltsamen Klamotten. Ganz in grün. Dazu trug er noch eine etwas komisch aussehende Zipfelmütze, farblich abgestimmt mit seiner Kleidung. „Strange, der Typ…“, murmelte ich vor mich hin während ich ihm folgte. Er sprang von dem Rücken des Vogels geradewegs in ein gelbes Licht, welches ein Loch in den Wolken verursachte. Nachdem er unter der Wolkendecke verschwunden war verschwamm das Bild vor mir.


    Ich stand direkt vor einer mir unbekannten Person, an den Klamotten konnte ich mir zusammenreimen, dass es derselbe wie auf dem Vogel sein musste. Um uns herum war nichts außer gähnende schwarze Leere. Er streckte ein Schwert in die Höhe und starrte mit strengem Blick gerade durch mich durch. Eine seltsame Gestalt flog aus der Klinge seines Schwertes heraus. War es eine… eine Frau? Dieses… Ding… hatte jedenfalls weibliche Züge. Der seltsam gekleidete Typ nickte dem Ding zuversichtlich zu. Dann flog das Wesen an mir vorbei. Ich richtete meinen Blick auf das Etwas und sah zu, wie es vor drei großen Flammen stand. Die Flammen hatten jeweils eine andere Farbe, die eine war rot, die nächste blau und die letzte grün. Dieses Ding hob die ‚Arme’ in die Höhe. Sofort reagierten die Flammen und wurden größer, bis jedes einen Feuerball auf das Wesen schoss. Es wurde von Flammen umhüllt. Augenblicklich flog es durch die Luft und knallte immer wieder gegen unsichtbare Wände, bis es unmittelbar vor dem Kerl landete und ihn anstarrte. Er hielt sein Schwert fest umschlossen und hielt es vor das brennende Etwas. Kleinere Flammen schossen auf die Waffe zu und hüllten es in ein seltsames Licht. Die Flammen des Wesens erloschen mit der Zeit und es schwebte bloß noch in der Luft und sah den Taten des Typen zu. Heroisch hielt er das Schwert in die Höhe. Es wurde länger und auch der Griff hatte sich verändert. Zufrieden blickte das Ding den Kerl an. Er nickte es zu und es verschwand erneut in der Klinge. Dann verschwamm das Bild wieder.


    „Langsam nervt es…“, murmelte ich, nachdem ich schon wieder an einem anderen Ort war. Ich blickte auf einen… noch verrückter aussehenden Kerl als der grün gekleidete Typ. Er war komplett weiß und hatte einen mehr als nur seltsamen Haarschnitt, zudem trug er eine Art Umhang in einer roten Farbe. Er… tanzte? Ich war mir ziemlich sicher, dass er tanzte. Und das um ein in der Luft schwebendes Mädchen. Sie trug ein weißes Gewand und hatte goldblonde Haare. Sie schien nicht bei Bewusstsein zu sein, dennoch hatte sie ein gequältes Gesicht. Der Grünling stand vor ihm und hielt sein Schwert in die Richtung des tanzenden Typen. Er bekam scheinbar einen Wutanfall und schleuderte das Mädchen mehrere Meter weit Richtung Himmel. Eine Art Plattform erschien unter ihnen und sie wurden in die Höhe gehoben. Das Aussehen des seltsamen und schon fast gruseligen Typen begann sich drastisch zu verändern. Er hatte nun einen eher braunen Farbton und auch die Frisur hatte sich verändert. Dann begannen die zwei zu kämpfen.


    Der Kampf war nach einiger Zeit beendet und der komische braune Kerl starrte seinen Gegner fassungslos an. Doch mit einem Mal begann er laut zu lachen. „Was ist so lustig?“ Aus einem Stein kam ein seltsamer lilafarbener Nebel. Augenblicklich war ein seltsames Monster zum Vorschein gekommen. Es sah aus wie ein Wal mit Schuppen, zwei Beinen und vielen Zähnen, der Stein befand sich an seinem Kopf. „Das ist doch dieser Stein auf dem diese Frau in meinem Traum gelegen hat…“ Das Mädchen über ihm begann zu leuchten und zu schreien, ein goldenes Licht flog auf das gruselige Vieh zu. Sie fiel zu Boden. Der Grünling bekam Panik und rannte los um sie aufzufangen, aber diese Arbeit wurde ihm von einem… anderen sehr seltsam aussehenden Typen abgenommen. „Wieso sehen die alle so komisch aus?“ Der braune Typ lachte vergnügt und sah zufrieden dabei zu, wie das Monster begann sich zu verändern. Ich traute meinen Augen nicht. „Derselbe wie in meinem Traum!“, rief ich. Da ich offensichtlich nicht präsent war machte ich mir keine Sorgen darum, dass ich entdeckt werden konnte. Der braune Kerl verbeugte sich vor ihm, scheinbar war das Monster so eine Art König. Doch er streckte bloß seine Hand aus. Eine Art Energieschub schoss daraus hervor. Der braune Kerl sackte in sich zusammen und wurde in die Luft erhoben, sofort begann er herzhaft zu lachen, als dieses Monster etwas aus seinem Bauch heraus beschwörte. Er hatte nun wieder dieses riesige und bedrohliche Schwert und ließ den braunen Kerl darin verschwinden, genau wie das Wesen von diesem Grünling. Das Monster wandte seinen Blick an eben diesen und zog seine Mundwinkel nach oben. Gebannt sah ich der Situation zu. Doch dann verschwand meine Sicht. „Nein, nicht jetzt!“, rief ich.


    „Verdammter Dreck!“, kam es von mir. Das Bild, das sich mir nun bot fand ich sehr überraschend. Der Grünling hatte sein Schwert in den Bauch des Monsters gerammt. Schnell zog er es wieder heraus und machte einen Rückwärtssalto, geradewegs von dem Monster hinweg. Es kam keuchend und röchelnd auf die Beine und starrte den Grünling wütend an. Das Schwert begann sich in dessen Hand aufzulösen. Doch das machte ihm offenbar nicht wirklich etwas aus. Er begann krankhaft zu lachen, bevor er sich selbst ebenfalls in schwarzem Rauch auflöste. Der Grünling hob sein Schwert in die Höhe und absorbierte die Essenz darin. „Cool“, sagte ich erstaunt. „Ich weiß was jetzt kommt…“ Ich seufzte. „Szenenwechsel.“


    Der Grünling stand vor einer Art Fels. Es hatte ein Loch in der Mitte, genau die richtige Größe um das Schwert hineinstecken zu können. Er starrte betrübt das weiblich anmutende Wesen an. Es nickte ihm bloß aufmunternd zu und verschwand durch die Scheide in die Klinge des Schwertes. Der Kerl zog zögerlich sein Schwert. Mit ganzer Kraft, unterstützt durch einen heldenhaften Schrei, hämmerte er die Waffe in den Fels hinein. Ein weißes Licht ging davon aus und hüllte den Raum in seiner Pracht. Doch dann erneut…


    Schwärze.



    Ich fuhr erschrocken auf. Ich lag auf meinem Bett, ein leerer Teller war auf meinem Schoss platziert. Stöhnend rieb ich mir den Nacken. „Schon wieder so ein Traum…“

  • Es war still und dunkel, einzig in meinem Zimmer brannte das Licht. Ich war wohl eingenickt und hatte vergessen es auszuschalten. Ein einziger flüchtiger Blick aus dem Fenster verriet mir, dass es bereits sehr spät sein musste. Der Himmel war in ein dunkles blau, schon fast schwarz, getaucht worden. Eine dicke Wolkenschicht bedeckte den Himmel, sodass weder Mond noch Sterne zu erkennen waren. Übermüdet rieb ich mir über die Augen und gähnte dabei einmal kräftig. Um mich nach der Uhrzeit zu erkunden nahm ich mein Handy in die Hand und schaltete es kurz ein. „Drei Uhr früh…“ Zwar war es noch zu früh zum aufstehen, allerdings wollte ich auch nicht wieder einschlafen. Normalerweise war schlafen das größte für mich, doch so sehr ich den Schlaf auch liebte, so wenig hatte ich Lust auf einen weiteren Traum dieser Art. Ich nahm mir ein Kissen zur Hand, schüttelte es einmal kräftig aus und legte es sorgfältig an die Bettkante, um mich gemütlich hinsetzen zu können. Gedankenverloren fixierte ich einen unsichtbaren Punkt und dachte nach. Ja, ihr habt richtig gehört, ich dachte tatsächlich nach. Es grenzte fast schon an ein Wunder. So oft wie an diesen Tagen hatte ich noch nie wirklich angestrengt nachgedacht. Es war so viel auf einmal. Zu viel für meinen Geschmack. Ich war zwar immer offen für neues, aber es existierte definitiv ein Limit. Und dieses war bereits dabei überschritten zu werden. Ein Seufzer wurde von mir ausgelassen. „Zeldas Vater hat gemeint ich soll ihn kontaktieren, wenn ich wieder so einen Traum habe“, murmelte ich leise vor mich hin. „Aber ich habe keine Möglichkeit dazu…“ Kein Wunder, ich hatte schließlich weder die Telefonnummer, noch irgendeine andere Kontaktmöglichkeit. Und ich bezweifelte, dass er begeistert gewesen wäre, hätte ich ihn um diese Uhrzeit gestört. Ich beschloss am Montag Zelda zu fragen, ob ich erneut zu ihr zu Besuch kommen könnte, und beließ es dabei.


    Einige blonde Strähnen hingen mir ins Gesicht. Ich strich sie behutsam zur Seite. Mir wurde schon oft gesagt ich solle zum Friseur gehen und mir die Frisur schneiden lassen, aber ich mochte meine Struppelfrisur. Bei dem Gedanken daran musste ich leicht schmunzeln. Ich fand es immer sehr lustig, wenn andere anfingen über meinen einzigartigen Haarschnitt zu diskutieren. Meist stand ich daneben, hörte aufmerksam zu und musste versuchen nicht laut loszuprusten. Vor allem die Mädchen, meist in der Klasse, führten hitzige Diskussionen darüber. Das sah dann immer ungefähr so aus:


    „Er sollte sich die Haare dringend kürzer schneiden lassen! Das sieht doch abnormal aus!“
    „Nein! Ein Link mit kurzen Haaren geht nicht! Er braucht diese Frisur, sonst ist er nicht so süß!“
    „Pah, den findest du süß? Mit den Haaren sicher nicht!“
    „Halt die Klappe, du hast ja keine Ahnung!“
    „Erzähl mir nichts! Ich habe in Bezug auf solche Sachen immer viel mehr Ahnung als du!“
    „Wer sagt das?“
    „Jeder sagt das.“
    „Ach ja? Ich glaub dir nicht. Link behält diesen Schnitt, Basta!“
    „Glaub mir, irgendwann werd ich ihn noch zu einem Haarschnitt zwingen…“
    „Wenn du das tust!“
    „Was ist dann?“
    „Dann lernst du mich richtig kennen!“
    „Ich geb dir gleich kennen lernen!“


    Es war schon seltsam. Wenn ich diese Aufmerksamkeit zu mir heute mit früher verglich, erkannte ich immer sofort den gewaltigen Unterschied. Früher war ich DAS Mobbingopfer schlecht hin. Es wurde sogar schon fast zu einem Trend mich wegen meiner Ohren fertig zu machen. Sogar vollkommen fremde Leute sahen mich deshalb schief an. Ich wusste noch ganz genau, wie wenig Selbstvertrauen ich damals hatte, wie sehr ich mich für meine eigenen einzigartigen Merkmale hasste, wie sehr ich mir gewünscht hatte, dass alle auf der Stelle tot umkippten und ich am besten gleich mit. Es war der pure Horror für mich. Am meisten verletzte die Tatsache, dass es ihnen Spaß machte, mich leiden zu sehen. Irgendwann wollte ich nicht mehr… bis wir endlich umgezogen waren. Ganz weit weg von der alten Stadt. Ich hatte zwar Zweifel, dass ich an der neuen Schule besser empfangen werden würde als an meiner alten, da meine Ohren schließlich immer noch spitz waren, bis ich allerdings den ersten Tag dort hatte. Die Ohren fielen natürlich allen sofort auf, ich wurde schief angestarrt und einige mussten lachen. Ich wurde hochrot und setzte mich alleine auf einen Platz. Dann kam Sven zu mir stolziert – mein bester Kumpel. Er setzte sich neben mich und lächelte mich verschlagen an. Ich hatte schon mit einer Beleidigung gerechnet. Aber das… es war so fremd für mich…


    „Hey du, du bist neu, stimmts? Ich bin Sven!“
    „H-hallo. Ich heiße Link…“
    „Nicht so schüchtern, wir sind alle ganz nett! Na ja, fast alle.“
    „Freut mich zu hören.“
    „Interessante Ohren hast du da!“
    „…“
    „Nein, im Ernst! Ich find die sau cool!“
    „Ja klar…“
    „Nein wirklich, glaub mir! Erinnert mich an Elfen! Ich finde Elfen toll, das sind meine Lieblingswesen of all time!“
    „Findest du?“
    „Na logisch, Junge! Los komm, setzt dich zu uns. Wir beißen nicht! Jedenfalls haben wir gerade keinen Hunger….“


    Ich lächelte, als ich daran zurückdachte. Ohne ihn wäre ich wohl heute noch ein nervliches Wrack gewesen. Einen besseren Kumpel konnte man sich einfach nicht vorstellen.

  • Ein tiefer und genervter Seufzer entglitt meinen Lippen. Das Wochenende war ein einziger Reinfall, keine wirkliche Entspannung und kein richtiger Schlaf. Mit müden Augen saß ich auf dem unbequemen Stuhl und gähnte einmal herzhaft.
    „Junge, du siehst total fertig aus. Was ist los?“
    Ich richtete meinen Blick auf und sah Sven vor mir stehen. Er musterte mich ein wenig besorgt, hatte allerdings noch immer dieses für ihn typische Grinsen im Gesicht.
    „Nichts besonderes, Alter. Hab nur schlecht geschlafen.“
    Die Augen meines Kumpels wurden vor Irritation größer, bis er anfing laut zu lachen.
    „Ich kann es nicht fassen, der Elfenkopf konnte nicht richtig schlafen! Du schläfst doch sonst immer so fest, dass man dir heißes Wasser über den Kopf kippen könnte ohne das du es merkst!“
    Ich rollte meine Augen und verschränkte meine Arme hinter meinem Kopf.
    „Ja man, schon kapiert, mach dich ruhig lustig über mich wenn du keine anderen Hobbys hast.“
    Er hatte daraufhin nichts zu sagen, sondern boxte mir nur leicht gegen meinen Arm. Als Antwort hielt ich ihm meinen Mittelfinger ins Gesicht und lächelte dabei wie besessen.
    „Ja ja, du mich auch“, kam es von Sven, der mich danach alleine zurückließ und sich auf seinen Platz setzte. Ich grinste ihm hinterher.


    Immer wieder warf ich einen flüchtigen Blick auf die Tür. Ich war zwar heute etwas früher dran als sonst, allerdings hoffte ich darauf, dass Zelda sich bald blicken lassen würde. Ich musste noch etwas mit ihr bereden. Aber auch einfach nur so wollte ich sie in meiner Nähe haben. Ein breites Lächeln huschte über meine Lippen, als ich an sie dachte.
    „Es ist schon komisch“, ging es durch meinen Kopf, „ich kenne sie gerade mal seit zwei Tagen und trotzdem kann ich sie richtig gut leiden.“
    Mein Lächeln wurde breiter als ich sie endlich durch die Tür spazieren sah. Sie grinste mich an und ließ sich auf den Platz neben mir fallen. „Na du?“, sagte sie und streckte ihre Hände aus um mir eine Umarmung zu geben. Ich starrte sie an und war mir nicht sicher, ob ich sie hier in der Klasse in die Arme schließen sollte, die anderen würden sich bloß wieder irgendeinen Blödsinn zusammenreimen. Zelda stöhnte merkbar gespielt.
    „Vielleicht heute noch?!“, sagte sie mit einem genervten Ton, allerdings hatte sich noch immer dieses süße Lächeln auf den Lippen. Kurzerhand entschloss ich mich sie einfach zu umarmen. Sollte man doch von uns denken was man wollte, solange ich selbst wusste, dass es bloß freundschaftlich gemeint ist, war alles okay.
    „Hey du, ich hab dich noch gar nicht nach deiner Nummer gefragt“, sagte ich zu ihr in einem möglichst lässigen Ton.
    „Ja?“, kam es von ihr.
    „Also… kannst du mir deine Nummer geben?“
    „Klar doch… warte.“ Sie nahm einen Zettel und einen Stift aus ihrer Handtasche, legte es auf den Tisch und begann zu schreiben. „Das hier ist meine Handynummer und das hier die Hausnummer… so, bitteschön!“
    Sie nahm den Zettel eilig in die Hand und streckte ihn mir entgegen. Dankend nahm ich ihn ihr ab und steckte ihn in mein Mäppchen.


    Der Gong ertönte und wie auf Stichwort trat ein Lehrer ein.
    „Hm? Haben wir nicht jetzt Geschichte bei einer Frau?“, fragte Zelda mich leicht verwirrt. Wir stellten uns hin und begrüßten ihn.
    „Ja schon… keine Ahnung wer das da ist“, gab ich ihr als Antwort zurück.
    Der Lehrer war abnormal groß gewesen, mindesten zwei Meter, kleiner war auf keinen möglich. Er hatte sehr dunkelbraune Haut und seine roten langen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Stechend gelbe Augen und eine große Nase schmückten sein Gesicht. Im Allgemeinen musste er sehr muskulös gewesen sein. An Kleidung trug er ein schwarzes Hemd und eine blaue Jeans. Mit einer tiefen und finsteren, schon fast unwirklichen Stimme begann er zu sprechen: „Mein Name ist Herr Dragmire. Ich werde fürs nächste eure Geschichtslehrerin vertreten, da sie einen… Unfall… erlitten hat. Es wäre hilfreich, wenn ihr ein paar Namensschilder aufstellen würdet.“
    Als Herr Dragmire einen Unfall erwähnte, begann das Gemurmel in unserer Klasse. Die Klassensprecherin – Leonie – hob ihre Hand und wurde von dem neuen Lehrer aufgefordert zu reden.
    „Was ist mit Frau Kramm denn passiert?“, fragte sie mit leicht besorgter Stimme. Herr Dragmire rümpfte die Nase und machte eine abweisende Handbewegung.
    „Das geht euch nichts an“, meinte er streng.
    „Den Typ kann ich jetzt schon nicht leiden“, murmelte ich leise in mich hinein. Ich stellte mein Namensschild auf und verschränkte leicht genervt die Arme. Ich wusste nicht ob es bloß reine Einbildung war, allerdings hatte ich das Gefühl, dass er vor allem mich und Zelda immer wieder mit einem strengen Blick musterte, sein gruseliges Gesicht dabei war mir unheimlich. Ich lugte kurz zu Zelda herüber und auch sie schien sich mit dem neuen Lehrer nicht ganz anfreunden zu können.

  • „Och nö“, murmelte ich in mich hinein, nachdem ich die letzten Hausaufgaben für den Tag in meinem Timer eingetragen hatte. Es war viel zu viel auf einmal. In nahezu jedem Fach gab es eine Aufgabe zu erledigen und vor allem in Geschichte wurde die Klasse von Herr Dragmire nicht verschont. Entnervt und nicht gerade motiviert warf ich den Rucksack auf meine Schulter und verließ den Raum.
    „Ich glaub ich spinn!“, hörte ich Sven hinter mir rufen. „Fünf Seiten über die Französische Revolution! Und dabei haben wir das Thema schon vor fast einem Jahr abgeschlossen!“
    „Das kannst du laut sagen Alter“, gab ich stöhnen von mir. Mein Kumpel trottete zu mir und kam vor mir zum Stehen. Er fuhr sich gelangweilt durch sein schwarzes, leicht lockiges Haar, so wie immer wenn er genervt war.
    „Wie auch immer. Bis morgen Bro“, sagte er. Wir gaben uns zum Abschied die Faust und trennten uns fürs erste. Nun liefen noch und Zelda miteinander.
    „Ich weiß nicht…“, sagte sie mit nachdenklicher Stimme. Während dem Laufen starrte sie immerzu den Boden an, nicht für eine Sekunde hatte sie ihren Kopf angehoben und mich zumindest kurz angelächelt. Seit Herr Dragmire den Raum betreten hatte, hatte sie diesen betrübten Gesichtsaudruck angenommen.
    „Was?“, fragte ich sie, nachdem einige Zeit vergangen war und Zelda keinen Ton mehr von sich gegeben hatte.
    „Dieser Dragmire… irgendwas stimmt mit ihm nicht. Ich weiß nicht wie ich das erklären soll. Es ist viel mehr ein Gefühl, das mir sagt, ich soll mich von ihm fernhalten.“
    „Jetzt wo du es sagst.“
    Nachdenklich verschränkte ich meine Arme vor der Brust. So etwas in der Art spürte ich auch, doch ich machte mir keine großen Gedanken darüber.
    „Nun, er kommt auch nicht gerade sympathisch rüber.“
    „Hattest du auch das Gefühl, dass er uns die ganze Zeit beobachtet hat?“, fragte sie mich mit einem schon fast sorgenvollen Unterton. Ich wollte ihr nicht sagen, dass es mir ebenfalls so vorkam, dass würde ihre Sorgen vermutlich nur erhöhen. Ich war mir sicher, sie steigerte sich bloß in etwas hinein.
    „Ach, ich bin sicher der hat nur die ganze Zeit auf meine Ohren gestarrt. Die fallen nun mal auf. Du trägst ja die ganze Zeit eine Mütze, also denke ich eher, es war wegen mir.“
    „Gut möglich…“


    Erschöpft ließ ich mich auf mein Bett fallen. Zelda war bereits bei sich zu Hause, wir hatten uns bereits vor einer Weile voneinander verabschiedet. Mein Onkel war wohl noch auf der Arbeit, jedenfalls war ich nun alleine. Erschöpft schloss ich meine Augen und stöhnte laut. Wegen diesen seltsamen Träumen hatte ich nicht wirklich schlafen können. Über das Wochenende hinweg träumte ich zwar nichts dergleichen, allerdings hatte ich auch nicht wirklich versucht zu schlafen.
    „Ich sollte jetzt Zeldas Vater anrufen.“
    Genervt schwang ich mich von meinem Bett und griff zu meinem Handy. Den Zettel mit Zeldas Telefonnummern hatte ich in meine Hosentasche gesteckt. Schnell zog ich ihn heraus und wählte die Nummer für ihr Festnetz. Am Hörer piepte es. Ich wartete darauf, dass jemand abnahm und hoffte, dass nicht Zelda rangehen würde. Was sollte ich ihr wohl sagen? Wenn ich ihr sagen würde, ich wolle mit ihrem Vater reden, würde sie sicher denken es geht um den Vorfall von Freitag, doch ich wollte nicht, dass sie dachte, ich würde ihr etwas verheimlichen.
    Was ich im Prinzip auch tat, allerdings mehr oder weniger unfreiwillig.
    „Major, hallo?“
    Ich atmete erleichtert aus, als ich die tiefe Stimme von Zeldas Vater am Hörer vernahm.
    „Hallo, hier ist Link.“
    „Ah Link, du rufst gerade recht an, ich habe herausgefunden worum es in deinem Traum ging.“
    „Freut mich zu hören. Ich wollte auch noch sagen, dass ich letztens wieder so einen Traum hatte. Ich kann mich zwar nicht mehr genau an alles erinnern, aber wenn Sie wollen, kann ich Ihnen soviel wie möglich davon berichten.“
    „Alles Klar, dann fang du zuerst an.“
    „Okay“, antwortete ich und berichtete ihm von dem Traum, den ich am letzten Wochenende gehabt hatte.
    „Hm, wie es aussieht finden die Ereignisse in deinen Träumen in chronologischer Reihenfolge statt. Dein Traum müsste genau nach dem Krieg aus deinem Traum, den du während deiner Ohnmacht hattest, stattgefunden haben.“
    „Und wovon genau?“
    „Dein erster Traum handelte von dem Siegelkrieg. Die Göttin Hylia befand sich im Kampf gegen den Todbringer und seine Gefolgschaft. Um die Menschen in Sicherheit zu wissen hat sie einen Teil der Erde in den Himmel gehoben, wo sie in Frieden leben konnten. Mit den letzten Bewohnern aus dem Erdland, so wurde die Erde damals genannt, hat sie sich dem Todbringer gestellt. Goronen, Kyus, Parakwa, Mogma und antike Roboter waren die Wesen, von denen du gesprochen hast. Nachdem Hylia den Todbringer besiegen konnte, hatte sie ihn in dem Stein versiegelt, dem Siegelstein. Doch sie wusste, dass dieses Siegel nicht ewig halten würde, genau so wie sie wusste, dass sie ihn kein zweites Mal besiegen konnte. Also hat sie ihren göttlichen Körper aufgegeben, damit sie im Falle eines erneuten Angriffs als Mensch wiedergeboren werden konnte und mithilfe des Triforce das endgültige Ende des Tobringers wünschen konnte. Denn Göttern war es nicht möglich einen Wunsch davon gewährt zu bekommen. Ihre Reinkarnation hast du auch in deinem letzten Traum gesehen. Sie war das Mädchen, um das dieser seltsam aussehende Kerl getanzt hatte. Dieser Kerl war ein Untergebener des Tobringers, der mit ihrer Hilfe seinen Meister wieder zum Leben erwecken wollte. Sein Name war Ghirahim. Er war ein Schwertgeist, sozusagen die Waffe des Feindes.“
    „Die Waffe?“
    „Ja. Er war ein Schwert. Die große, schwarze Waffe des Todbringers war er.“
    „Ok…“
    „Genauso wie dieses feminine Wesen aus dem Schwert des Grünlings. Sie ist so etwas Ähnliches wie Ghirahim, das gute Gegenstück könnte man sagen. Sie wurde zusammen mit dem Schwert geschaffen um dem auserwählten Helden zur Seite zu stehen.“
    „Und der Held war der Grünling?“
    „Korrekt. Dieser Held war dein Vorfahre, Link.“
    „Und was hat es mit diesen farbigen Flammen auf sich?“
    „Das waren die drei Flammen der Göttinnen. Anfangs war das Schwert nicht sonderlich stark, erst durch die Stärkung dieser Flammen und den Segen Hylias konnte es seine wahre Kraft erhalten und zur legendären Klinge werden. Dem Masterschwert. Dieses Schwert kann nur von dem Auserwählten geführt werden. Es müsste auch heute noch in einem Stein stecken, ich wüsste nur nicht wo.“
    „Sehr interessant…“
    „Ich hoffe ich konnte dir helfen. Hast du denn auch alles verstanden?“
    „Ja, habe ich. Ich müsste jetzt auflegen, ich muss noch Hausaufgaben machen. Jedenfalls rufe ich Sie an, wenn ich wieder träume. Auf Wiedersehen.“
    „Ich warte auf deinen Anruf, Link. Bis dann.“


    Ich legte das Telefon zur Seite. Es waren schon wieder so viele Informationen auf einmal gewesen. „Es nervt…“

  • Die Tür gab ein knarrendes Geräusch von sich, als sie geöffnet wurde. Ich trat erschöpft ein und sprang direkt auf das Sofa um mich auszuruhen. Eine Woche war bereits vergangen, vollkommen traumlos und ohne jegliche Komplikationen. Allerdings sollte man in diesem Fall Herr Dragmire nicht dazuzählen. Er war definitiv der schrecklichste Lehrer den es gab und er hatte es eindeutig auf mich abgesehen. Sein Ekel mir gegenüber war nicht zu übersehen. Meinen Namen sprach er stets mit einem solchem Spott und Hass aus, dass es mir jedes Mal eiskalt den Rücken runter lief. Ich wünschte mir sehnlich unsere Lehrerin zurück. Bei ihr hatte Geschichte immerhin noch Spaß gemacht, es war sogar eines meine Lieblingsfächer gewesen. Aber nun war es das meistgehasste Fach in der gesamten Klasse. Sein Verhalten grenzte schon an Mobbing. Die Klasse hatte beschlossen, sollte er sich morgen erneut so aufführen, würden wir es dem Direktor melden. Wie konnte solch ein Lehrer nur zugelassen werden?


    Mein Onkel saß ebenfalls auf dem Sofa. Er starrte mich besorgt an. Diesen Blick sah ich seit meiner Verabredung mit Zelda öfters auf seinem Gesicht.
    „Man, wieso bist du denn erst so spät zurück?“ „Nachsitzen“, antwortete ich. Ungläubig zog er eine Augenbraue hoch. Immerhin war ich sonst immer so lieb und brav wie kein anderer, nicht einmal in der Grundschule hatte ich auch nur eine kleine Strafarbeit erledigen müssen. „Bei dem Dragmire“, fügte ich noch hinzu. Geräuschlos öffnete er seinen Mund um mir zu verstehen zu geben, dass er verstand.
    „Und was hast du so schlimmes angestellt?“ „Wenn ich das wüsste. Er kam nach dem Unterricht zu mir, hat mich wütend angesehen und mir die Strafe aufgelegt. Ich musste dann da bleiben und er hat mich dabei die ganze Zeit beaufsichtigt. Mit einem richtig gruseligen Gesicht. Richtig creepy.“
    Als Antwort bekam ich bloß ein Einfaches „Hm“ zu hören. Genervt stand ich wieder auf und machte mich auf den Weg in mein Zimmer.
    „Hey, willst du nichts essen?“ „Ne hab kein Hunger.“ „Wie du meinst….“


    Sofort warf ich mich auf das Bett. Ich zog meine Hose aus und warf sie achtlos auf den Boden, mein T-Shirt behielt ich an. Gemütlich kuschelte ich mich in meine Decke ein und versuchte zu schlafen. Und es funktionierte überraschend einfach und schnell.


    Ein Junge. Ein kleiner Junge gekleidet in dem Grün der Wiesen. Auf seinem Rücken trug er ein kurzes Schwert und einen Schild aus Holz mit einem aufgemalten Zeichen in roter Farbe. Er müsste um die zwölf Jahre alt sein, vielleicht auch etwas jünger. Um ihn herum schwirrte eine leuchtende blaue Kugel mit kleinen durchsichtigen Flügeln. Es zog eine Spur aus funkelndem Glitzer hinter sich her. Dem Jungen stand ein hübsches kleines Mädchen gegenüber. Sie musste ungefähr in demselben Alter sein. Ihre Haare waren in eine Art Kopftuch gehüllt und ihre Kleidung bestand aus einem königlich anmutenden Kleid. Ich stand unmittelbar neben ihnen, doch sie schienen mich nicht zu bemerken.
    Es musste sich erneut um einen Traum handeln. Allerdings besaß ich dieses Mal einen physischen Körper.
    Das Mädchen wollte von dem Jungen, dass er durch das Fenster in ein prächtiges Gebäude sah. Ich stellte mich vorsichtig neben ihn und sah ebenfalls hinein. Ein riesiger Hüne kniete sich vor einem Thron nieder. Er hatte rote Haare und war braun gebrannt, seine Nase war recht spitz. Seine stechend gelben Augen zeigten keinerlei Emotionen, auch wenn ich mir sicher war, dass ich eine Spur von Habgier und Schadenfreude in ihnen erkennen konnte. Dieser Mann kam mir unheimlich bekannt vor. Ich dachte scharf darüber nach, es musste jemanden geben den ich kannte und der so aussah wie der kniende Hüne vor dem Thron. Nach kurzem Überlegen blieb mir kurz die Luft weg. Die Erkenntnis fiel mir wie die Schuppen von den Augen. Er sah aus wie Dragmire, haargenau so. Einzig und allein in der Kleidung unterschied er sich von der Vertretung meiner Geschichtslehrerin.


    Mit einem Mal drehte er seinen Kopf zu dem Fenster und starrte mich an. Oder er starrte den Jungen an, ich war mir nicht sicher. Sein Blick war von purem Hass getränkt. Augenblicklich schreckte der Junge zurück und wandte sich sofort wieder an das Mädchen. Sie unterhielten sich. Zumindest sah es so aus. Ihre Münder bewegten sich, aber kein Ton war zu hören, obwohl sie sich direkt neben mir befanden. Überhaut herrschte hier eine unheimliche Stille. Kein einziges winziges Geräusch konnte ich vernehmen, kein Tier, kein Insekt, nicht einmal das Pfeifen des Windes, obwohl ich ihn ganz deutlich auf meiner Haut spürte.


    Ein relativ kurzes Gespräch zwischen dem Jungen und dem Mädchen endete und der Junge verließ den Ort. Ich folgte ihm, wenn auch mehr oder weniger unfreiwillig. Meine Beine bewegten sich von selbst hinter ihm her.


    Außerhalb bemerkte ich, dass ich mich in einem Schloss befunden haben musste. Es war wahrscheinlich das Schloss der königlichen Familie wovon Zeldas Vater mir erzählt hatte. Jetzt gerade im Moment befand ich mich wohl in der Hauptstadt. Es gab einen riesigen Markt mit viel Trubel, an jeder noch so kleinen Ecke war etwas los. Hektische Menschen in Eile, gaffende Bewunderer der zum Verkauf stehenden Gegenstände, ruhige Leute mit guter Laune und viel Spaß, Wachen in ritterlichen Rüstungen und auch einige Obdachlose hielten sich in dieser großen Stadt alleinig am Marktplatz auf. Der Junge rannte geradewegs aus dieser Stadt hinaus. Mithilfe einer Zugbrücke konnte man den Graben überwinden, welcher die Stadt von einer großen Ebene trennte. Es dämmerte bereits und der Einbruch der Nacht stand kurz bevor. Die Tageszeit änderte sich unnatürlich schnell. Der Junge war bereits verschwunden und ich stand alleine vor dem Eingang zur Stadt. „Jetzt könnte ich auch aufwachen.“


    Die Nacht dauerte viel länger, als der Tag gedauert hatte, gefühlte zehn Stunden war es bereits stockdunkel. Nachdem die Sonne untergegangen war wurde die Zugbrücke hochgefahren, ich konnte also nicht zurück in die Stadt gehen und mich genau umsehen. Genauso wenig hatte mein Gehirn es wohl nötig endlich wieder aufzuwachen. Aus dem Boden kamen immer wieder untote Skelette heraus gekrochen und wandelten orientierungslos durch die Gegend. Mich selbst ignorierten sie gekonnt. Ich hatte mich hingesetzt und versucht es mir gemütlich zu machen. Doch ich langweilte mich unglaublich stark. In Wirklichkeit waren mit Sicherheit nur ein paar Minuten vergangen und ich saß hier in dem Traum gefühlte Stunden fest. Ein kräftiger Seufzer entglitt meinen Lippen und ich beschloss kurzerhand mich hinzulegen.


    Die Sterne glitzerten wunderschön am Nachthimmel des mir unbekannten Landes. Aus purer Langeweile versuchte ich ein paar Sternenbilder zu erkennen, aber ich fand keines, dass mir bekannt war. Vermutlich lag es an dem extremen Zeitunterschied, der zwischen der damaligen und der heutigen Zeit bestand.
    Plötzlich kamen in einem rasendschnellen Tempo dunkle Wolken auf, die jeden noch so kleinen Fleck des Sternenhimmels bedeckten. Ein riesiger Blitz erhellte die Düsternis der Nacht und sofort begann es wie aus Eimern zu regnen. Doch die seltsame Stille herrschte noch immer, sodass ich weder das Prasseln des Regens noch einen Donner hören konnte. Aber spüren konnte ich ihn ganz deutlich, binnen weniger Sekunden war meine Kleidung vollkommen durchnässt und eine fröstelnde Kälte durchfuhr mich. Wäre es kein Traum gewesen hätte ich sofort versucht einen Unterschlupf zum trocken bleiben zu suchen. Ich stellte mich auf und gab erstmal ein fluchendes Wort von mir. Wieso musste alles in diesen Träumen auch so realistisch sein? Etwas weiter weg konnte ich bei genauerem hinschauen etwas Grünes erkennen, das immer näher in meine Richtung kam. Es war sicher der Junge aus dem Schloss. Als er nahe bei mir war blieb er sofort stehen und starrte an mir vorbei. Ich drehte mich um und sah, dass die Zugbrücke sich langsam öffnete. Sofort rannte ein Pferd mit Höchsttempo aus der Stadt heraus, auf seinem Rücken trug es das kleine Mädchen und eine ältere Frau. Ich konnte sie nicht genau erkennen, das Pferd war zu schnell unterwegs. Der grün gekleidete Junge sah ihnen mit einem irritierten Gesichtsausdruck hinterher. Das Mädchen warf etwas Blaues in den Wassergraben. Ich rannte an die Stelle wo es landete und konnte wage einige Umrisse im Wasser erkennen. Genau konnte ich nicht deuten, was das darstellen sollte, aber ich tippte darauf, dass es sich um ein Instrument handeln musste. Ein seltsam geformtes Blasinstrument oder ähnliches. Langsam drehte ich mich um und wartete darauf, dass der Junge dieses Etwas aus dem Graben fischte. Doch dieser wurde aufgehalten. Von dem riesigen Mann aus dem Schloss auf einem pechschwarzen Pferd. Der Junge hatte sein Schwert gezogen und starrte den Hünen mit einem ernsten Blick an. Allerdings zeigte dieser sich vollkommen unbeeindruckt und lachte belustigt. Jedenfalls sah es so aus als würde er lachen. Abweisend hob er seine Hand. In dieser lud er eine Art gelbe Kugel aus Energie auf und schoss den kleinen Jungen damit ab. Er hielt dem Druck des Angriffs nicht stand und fiel einige Meter weit von dem Mann weg. Empört richtete er sich auf und sah in mit einem schmerzlichen Gesichtausdruck vom Boden aus in die Augen. Ich wollte schon los schreien und dem Jungen zur Hilfe eilen, doch in dem Traum konnte mich so oder so niemand wahrnehmen, es würde sich also nicht lohnen etwas zu versuchen. Ohne sich weitere Gedanken um das Kind zu machen ritt er weiter in die Schwärze der Nacht.


    Das Kind richtete sich auf und klopfte sich den matschigen Dreck so gut es ging von seiner Kleidung. Nachdem der Mann verschwunden war hatte es sofort aufgehört zu regnen, doch ich war noch immer klatschnass. Die fliegende Kugel flog aus seiner Mütze heraus und der Junge schien sich offenbar mit ihr zu unterhalten. Das Gespräch dauerte nicht lange, kurze Zeit später begab das leuchtende Etwas sich wieder unter die Kopfbedeckung des Jungen und dieser sprang sofort in das Wasser um das Artefakt von dem Mädchen hervor zu holen. Ich hatte wohl recht mit meiner Vermutung, es handelte sich dabei definitiv um ein Blasinstrument. Just in dem Moment war die Sonne aufgegangen und die Zugbrücke wurde erneut ausgefahren. Der Junge stieg aus dem Wasser und ging in die Stadt hinein. Ich folgte ihm.


    Der Junge ging dieses mal an einen Ort, der mir bei meinem ersten Aufenthalt in dieser Stadt nicht aufgefallen war. Es war ein großes Gebäude ganz in braun, wohl eine Art Kirche oder etwas Ähnliches. Ich folgte dem Kind in das Innere und staunte nicht schlecht. Es hatte etwas Mysteriöses an sich. Der Raum war komplett in weiß gehalten, der Boden musste aus einem noch edleren Stein als das in Zeldas Villa gemacht sein. In der Mitte befand sich eine Plattform, auf der das Triforce abgebildet war und etwas weiter weg ein Podest. Neben diesem gab es eine Treppe, die zu einer großen verschlossenen Tür führte. Gleichzeitig mit meinem Eintreten meldete sich auch mein Gehörsinn wieder. Ich konnte jeden einzelnen Schritt hören, der von dem Jungen getan wurde, jedes einzelne Tun echote im gesamten Raum. Langsam folgte ich ihm in die Richtung des Podests. Davor kam er zum Stehen. Vorsichtig nahm er drei verschiedene, wunderschön aussehende Edelsteine aus seiner Tasche, einer war grün, einer rot und der andere blau. Jeder hatte jeweils eine individuelle Form und war mit etwas Gold geziert. Der Junge legte die Steine behutsam auf dem Podest ab. Unmittelbar danach zog er sofort das Instrument von dem Mädchen aus der Tasche und begann eine liebliche und mir fern vertraute Melodie zu spielen.


    Der Junge beendete sein Spielen und sofort öffnete sich die schwere Tür hinter der Treppe wie von Geisterhand ganz von selbst. Der Junge entfernte sich von seinem Aufenthaltsort und stieg die Treppe nach oben, langsamen Schrittes folgte ich ihm, geradewegs durch die Tür. Etwas weiter weg in der Mitte des nächsten Raumes gab es einen Stein, wo etwas drinsteckte. Ein einzelner Lichtstrahl viel darauf und sorgte dafür, dass dieses Ding das erste war, worauf man in diesem Raum achtete. Die Kugel flog sofort aus der Mütze des Kindes und bewegte sich in einem rasanten Tempo darauf zu. So als wäre es aufgeregt tanzte es schon beinahe um den Gegenstand in dem Stein herum. Der Junge kam mit Ehrfurcht langsam näher. Er atmete einmal tief ein und aus, bevor er seine Hände um den Griff des Gegenstandes legte und ihn vorsichtig herauszog. Nun konnte ich erkennen worum es sich handelte. Es war ein Schwert, dasselbe Schwert wie das des Helden aus meinem vorigen Traum. Ein grelles Licht kam aus dem Spalt des Steins geschossen und blendete mich. Ich hörte bloß noch ein dunkles Lachen…


    Schnell schlug ich meine Augen auf. Ein seltsames Geräusch hatte mich aus meinem Schlaf gerissen, was ich allerdings nicht unbedingt schlecht fand. Einige Zeit brauchte ich um meine Sinne vollständig wahrzunehmen. Es war noch mitten in der Nacht. Schlaftrunken stieg ich aus meinem Bett und schaltete das Licht ein. „Was zum…“ Ich war komplett nass, meine Haare als auch meine Kleidung trieften vor Wasser. So wie es in meinem Traum war, vollkommen durchnässt von dem Regen. „Zum Teufel?“

  • Sofort griff ich zu meinem Handy und wählte die Nummer von Zeldas Festnetz. Es war zwar gerade mal vier Uhr in der Früh, aber ich musste unbedingt wissen, warum ich nun so verdammt nass war. Nachdem ich gewählt hatte führte ich das Gerät an mein Ohr und lief währenddessen nervös durch mein Zimmer. „Hoffentlich geht er ran und ist nicht wütend…“, murmelte ich geistesabwesend vor mich hin. „Link, bist du das?“ Mit einem Mal blieb ich stehen und spürte, wie die Farbe aus meinem Gesicht wich. Es war die Stimme von Zelda, die ich am Ende des Hörers vernehmen konnte. „Wieso rufst du mich um die Zeit an? Ich habe gerade noch im Bett gelegen.“ „Oh tut mir Leid“, sagte ich zu ihr und überlegte angestrengt, was ich ihr nun sagen sollte. „Ich wollte mit deinem Vater reden.“ „Mit meinem Vater?“, fragte sie mich überrascht. „Warum denn mit dem?“ „Ja weißt du…“ Nun befand ich mich in einer echt blöden Situation. Was war nun eine Option? „Mein Onkel wollte, dass ich über etwas mit ihm rede.“ Die Worte „Bitte kauf mir das ab!“ gingen in diesem Moment an die tausendmal in meinem Kopf umher. Ich konnte ein Seufzen hören. „Na gut“, sagte sie, „mein Vater ist gerade wach geworden. Ich geb ihn dir mal.“ Erleichtert atmete ich einmal ein und wieder aus. „Danke! Ich hoffe ich habe dich nicht geweckt.“ „Keine Sorge, ich konnte heute sowieso nicht wirklich schlafen.“


    „Link“, hörte ich nun die tiefe Stimme von Zeldas Vater. „Was ist der Grund für deinen Anruf?“
    „Es tut mir wirklich sehr Leid, dass ich so früh anrufe, aber nach meinem Traum diese Nacht ist etwas verdammt Komisches passiert und ich muss unbedingt wissen woran es liegt.“
    „Etwas Komisches sagst du? Ich höre.“
    „In meinem Traum hat es ganz plötzlich angefangen wie aus Eimern zu regnen. Als ich dann aufgewacht bin war ich so nass wie es in dem Traum war. Ich bin immer noch total nass und mir ist kalt.“
    „Hm… das ist nicht gut Link.“
    „Was meinen Sie.“
    „Wenn meine Vermutung stimmt, dann ist dein physischer Körper mit dem aus deinem Traum verbunden. Insofern du in deinen Träumen also einen Körper besitzt, überträgt sich alles was mit dir passiert auch auf deinen Körper in der Realität.“
    „Wie bitte?!“
    „Link, ich weiß es ist schon etwas länger her, aber bist du in deinem ersten Traum auf den Kopf gefallen?“
    „Ich…“ Sofort legte ich meine Stirn in Falten. Genau konnte ich mich wirklich nicht mehr erinnern, aber ich meinte, da wäre etwas in der Art gewesen. „Ich glaube schon. Nach einem Erdbeben oder so. Warum?“
    „Als du wieder aufgewacht bist hattest du schreckliche Schmerzen an deinem Hinterkopf. Ich schätze, dass kommt auch daher, dass du dir in deinem Traum weh getan hast.“
    „Hä? Ich dachte ich wäre einfach nur auf den Kopf gefallen, als ich ohnmächtig geworden bin.“
    „Selbst wenn, es wäre nie im Leben so schlimm gewesen wie es letztendlich war. Du bist immerhin auf einem sehr weichen Teppich gelandet. Außerdem hat Zelda mit damals erzählt, dass du zur Seite gekippt bist und nicht gerade nach hinten.“
    Meine Augen weiteten sich. Wenn das stimmte, was er mir gerade erzählte, dann konnte ich sterben sollte ich mir im Traum eine ernsthafte Verletzung hinzufügen. Auf einmal war die ganze Sache nicht nur nervig und verwirrend, sondern auch noch extrem gefährlich.
    „Mach dir am besten nicht allzu viele Gedanken darüber und halte dich in deinen Träumen so weit wie möglich von Extremsituationen fern. Wenn die Personen dich weiterhin nicht wahrnehmen können wirst du auch nicht angegriffen werden.“
    Ich nickte mit dem Kopf, als Zeichen, dass ich ihn verstanden hatte, auch wenn es nicht viel Sinn machte, da Zeldas Vater mich über das Telefon nicht sehen konnte.
    „Ich muss jetzt auflegen, Link. Es ist noch sehr früh. Gute Nacht wünsche ich dir noch.“
    „Ich Ihnen auch“, sagte ich, ehe das Piepen am Ende des Hörers zu vernehmen war. Fassungslos senkte ich meinen Arm und warf das Handy auf mein Bett.


    Der nächste Tag in der Schule war grauenvoll gewesen. Zelda war anscheinend krank, jedenfalls hatte sie Niemandem Bescheid gesagt, und auch Sven hatte sich aufgrund eines Fußballspiels im Ausland, wo er mit seinem Verein teilnahm, abgemeldet. Nun war ich also alleine in der Klasse, wo mir alle auf die Nerven gingen und ich konnte mit keiner einzigen Person vernünftig reden. Als wäre das noch nicht genug wollte mir der Gedanke, ich könnte in meinen Träumen umkommen, nicht aus dem Kopf gehen. Herr Dragmire war ebenfalls keine große Hilfe, im Gegenteil, jetzt da Zelda nicht da war begann er mich unaufhörlich zu terrorisieren. Das schon teilweise so krass, dass unsere Klasse beschlossen hatte es beim Direktor zu melden. Jeder darauf folgende Tag lief so ab. Zelda war nicht da und die Geschichtsvertretung ging mir gehörig auf den Geist. Immerhin konnte ich einen kleinen Lichtblick erkennen, nachdem mein bester Kumpel wieder zurück war. Allerdings bereitete es mir Sorgen, dass Zelda nach ungefähr zwei Wochen noch immer nicht in den Unterricht gekommen war und so beschloss ich, dass ich sie besuchen und fragen würde, was los war.


    Da war ich also nun, vor dem Eingang in die Gasse, der Weg zu Zeldas wunderschönem zu Hause. Wie sie wohl reagieren würde, wenn sie mich vor ihrer Tür sah? Würde sie glücklich darüber sein, überrascht oder was konnte ihre Reaktion sein? Ich wollte sie zwar anrufen und Bescheid sagen, aber sie war weder an ihr Handy noch an das Festnetz gegangen. Ich lief den elendig langen Gang entlang und versuchte mein Herzklopfen gekonnt zu ignorieren. Das war das letzte was ich brauchte, Herzklopfen wegen einem verdammten Mädchen. Ein verdammt hübsches Mädchen. Aber immerhin hatte ich sie zwei Wochen lang nicht mehr gesehen, meine Nervosität war mit Sicherheit nicht unbegründet.


    Die knarrende Holztür schloss ich ganz vorsichtig hinter mir. Wieder stand ich in diesem wunderschönen Garten. Es verschlug mir jedes Mal die Sprache. Langsam ging ich in Richtung der Villa um zu klingeln. Oder doch lieber anklopfen? Was würde weniger aufdringlich sein? Und warum dachte ich wieder über solch unwichtige Kleinigkeiten nach? Ich würde nie eine Antwort darauf bekommen. Auf halbem Weg konnte ich erkennen wie jemand am Rand des Brunnens saß. Ein Mädchen, mit Sicherheit Zelda. Nun wurde ich noch viel nervöser als vorher, na toll. Mit einem Ruck ging ich näher zu ihr heran, und mit jedem Schritt überkam mich ein immer schlechter werdendes Gefühl. Zelda sah schrecklich aus. Ihre Kleidung war komplett zerfetzt und dreckig, ihre Haare zu einem unordentlichen Pferdeschwanz hochgesteckt und ihre Arme…. Was sah ich da? Ich war mir nicht sicher, aber ich hatte ein ungutes Gefühl. Ohne einen Ton zu machen stellte ich mich unmittelbar neben sie, aber sie bemerkte mich nicht, so wie die Figuren in meinem Traum. So als wäre ich unsichtbar. Mit starrem und leerem Blick sah sie in die Ferne, ihr Gesicht war fleckig, vermutlich weil sie geweint hatte. Und allem Anschein nach sprach sie mit sich selbst, allerdings in einer Sprache, die ich nicht kannte. Jedenfalls konnte ich nicht genau verstehen was sie von sich gab, sie sprach sehr undeutlich und leise. Sehr vorsichtig musterte ich sie. Mit einem gewaltigen Schrecken stellte ich fest, dass meine Vermutung stimmte… sie hatte sich geritzt. Ihre Arme waren blutverschmiert und mit lauter tiefen Kratzern übersehen, anscheinend war das letzte Mal, als sie diese Tat begangen hatte, noch nicht so lange her. Mit geweiteten Augen und pochendem Herzen starrte ich Zelda an – ein deprimiertes Mädchen, das sich schon beinahe selbst umbrachte. „Zelda?“, fragte ich sie mit zittriger Stimme. Keine Reaktion ihrerseits, also versuchte ich es noch einmal. „Zelda? Ich bin es, Link. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, weil du so lange in der Schule gefehlt hast. Was ist passiert?“ Ich starrte sie weiterhin fassungslos an. Endlich tat sie etwas. Langsam drehte sie ihren Kopf zu mir. „Link?“, fragte sie so leise, dass man es kaum verstehen konnte. Augenblicklich begannen ihre Augen sich mit funkelnden Tränen zu füllen. Sie stand vorsichtig auf und musterte mich ein wenig ungläubig. Doch dann fiel sie mir plötzlich um den Hals und begann bitterlich zu weinen. Ich wusste nicht was ich tun sollte, ich war sichtlich überfordert. Stocksteif stand ich wie angewurzelt auf der Stelle, unfähig mich auf irgendeine Art und Weise zu bewegen.


    Nach einer gefühlten Ewigkeit gab ich mir einen Ruck und legte vorsichtig meine Arme um sie. Das Geräusch von ihrem kläglichen Weinen gefiel mir überhaupt nicht, es machte mich traurig und depressiv. Ich wollte sie unbedingt aufheitern, ihr helfen. Aber dazu musste ich erst einmal herausfinden, was sie so schrecklich bedrückte. „Zelda, was ist passiert?“, fragte ich sie noch einmal, dieses mal noch vorsichtiger. Langsam löste sie sich von mir und sah zu Boden. „Mein…“ Ihre Stimme brach ab und sie begann wieder laut zu schluchzen. Ihre Tränen wurden mehr und sie schlug ihre Hände vor das Gesicht, nur um noch lauter weinen zu können. Ich geriet in Panik und reagierte instinktiv – beide Hände legte ich auf ihre Schultern und zwang sie dazu, mir ins Gesicht zu sehen. Ihre Lippen bebten und ihre Augen waren knallrot geworden. „Zelda, du musst mir sagen, was passiert ist!“, sagte ich in solch einem befehlenden Ton, dass es mir im Nachhinein zu übertrieben vorkam. „Mein… mein…“, begann sie wieder, doch erneut begann sie wieder zu schluchzen und zu weinen, ihr Kopf senkte sich und das Schluchzen wurde noch lauter. „Zelda!“, schrie ich aus lauter Frust und hoffte auf eine Antwort. Irgendwie musste ich ihr doch helfen können. „Mein Vater ist tot!“, schrie sie mir ins Gesicht und riss sich von mir los. „Was?“, fragte ich sie mit leiser Stimme. Ich konnte nicht glauben, was ich gerade gehört hatte. „Tot! Ermordet! Gefoltert! Er ist einen schrecklichen Tod gestorben!“, rief sie weiter, während sie zu Boden sank und weiter weinte.

  • Etwas, ganz egal was, musste ich doch für sie tun können. Aber was bitte, was? Diese Art von Situation war so neu für mich, so fremd. Zelda war nun ein verwaistes Mädchen, hatte eine wichtige Person in ihrem Leben verloren und vermutlich auch keine Verwandten, bei denen sie nun leben konnte. Sie hatte gesagt er wurde ermordet. Wer war für solch eine schlimme und unmenschliche Tat verantwortlich? Die Wut übernahm Besitz von meinem Körper, ließ mich meine Zähne zusammenbeißen und meine Hände zu Fäusten ballen. Ich schwor mir der Person, die dafür verantwortlich war, schlimmeres anzutun als wie der Tod je sein könnte. Wer auch immer so etwas tat, für so jemanden war der Tod zu gut. So jemand hatte es verdient in der hintersten Ecke der dreckigsten Höhle zu verrotten und einsam einen langwährigen qualvollen Tod zu sterben in Hunger, Not und Verzweiflung. Für so jemanden kam jede Hilfe bereits zu spät.


    Ich starrte sie an. Mehr tat ich nicht. Ich starrte sie einfach nur an! Zelda heulte, schluchzte, lag auf dem Boden und schlug immer wieder auf das Gras ein. Und ich konnte nichts tun. Ein toller Auserwählter war ich, der noch nicht einmal einer Freundin aus so einer Lage heraushelfen konnte? Aber was sollte ich auch tun? Ich wusste zwar wie es war ohne Eltern zu leben, aber anders als Zelda konnte ich meine nie kennen lernen, konnte nie eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Und Zelda hatte ihr ganzes Leben mit ihrem Vater verbracht, war mit ihm aufgewachsen, hatte vieles mit ihm erlebt und hatte ihn geliebt. Und nun war er plötzlich fort, für immer, ohne Aussichten auf eine Rückkehr. Ganz plötzlich und ohne eine Vorwarnung. Was war denn eigentlich mit ihrer Mutter? Es würde wohl besser sein sie nicht nach ihr zu fragen, sie war wahrscheinlich schon verstorben. Würde ich sie jetzt darauf ansprechen dann würde es ihr bloß noch viel schlechter gehen. „Verdammt!“, schrie ich innerlich in mich hinein. Es machte ich krank sie so zu sehen, es machte mich krank ihr nicht helfen zu können, in diesem Moment machte ich einfach alles krank! Warum musste es auch ausgerechnet sie so schlimm treffen? Zelda war so ein liebes Mädchen, sie war die Letzte, die so etwas verdient hatte. Das Schicksal konnte einfach nur grausam sein.


    Eine gefühlte Ewigkeit tat sich nichts. Einfach gar nichts. Ich stand weiterhin einfach nur da, versuchte die unkontrollierbare Wut in mir zu bändigen, starrte sie an und hörte immer wieder ein Schluchzen, das an mein Ohr drang und sämtliche Sicherungen in mir durchbrennen ließ. Wenn sich nicht bald etwas tat würde ich noch durchdrehen und hier Amok laufen, dabei krankhaft nach dem Mörder suchen und ihn eigenhändig bestrafen. Aber ich wollte ganz bestimmt nicht, dass mir ausgerechnet jetzt schwindelig wurde. „Scheiße, scheiße, scheiße, scheiße. Nicht jetzt verdammter Dreck noch mal!“ Doch die Gedanken halfen mir auch nicht weiter. Ich wusste bereits zu gut, dass ich die Träume nicht verhindern konnte. Trotzdem versuchte ich mich dagegen zu wehren. Es war der schlechteste Zeitpunkt, den man sich hätte aussuchen können. Vor mir drehte sich alles immer schneller, mir wurde übel, meine Beine fühlten sich an wie Pudding, aber ich musste wach bleiben. Ich musste wach bleiben und Zelda beistehen. Ich musste gegen die Müdigkeit und den Schwindel ankämpfen! Aber es half alles nichts. Ich war zu schwach. Meine Beine gaben nach und ich fiel auf die Knie, im letzten Moment stützte ich mich noch mit den Händen ab. Immer wieder gab ich mir kleine Ohrfeigen und flüsterte: „Bleib wach, bleib wach, bleib wach, bleib wach, …“ Es war ja sogar ein Brunnen in der Nähe! Wenn ich mir etwas von dem kalten Wasser ins Gesicht spritzte würde ich mit absoluter Sicherheit etwas wacher werden. Aber ich schaffte es nicht mehr. Gerade als ich mich umdrehte und meine Hand nach dem Brunnen ausstreckte knallte ich auf den Boden und verlor das Bewusstsein.


    „So ein Scheißdreck… hoffentlich dauert das nicht zu lange…“, murmelte ich verärgert in mich hinein. Es musste auch ausgerechnet in solch einem unpassenden Moment passieren! Nach zwei Wochen! Hätte es nicht früher sein können? Gestern oder so? Aber nein, natürlich musste es jetzt sein! Vielen Dank, an wen auch immer. Ich. Hasse. Dich. Vorsichtig atmete ich einmal tief durch um mich zu beruhigen. Mich jetzt aufzuregen würde niemandem weiterhelfen. Aber es war auch verdammt scheiße, dass es ausgerechnet jetzt passieren musste, das konnte niemand abstreiten.


    Nachdem ich eine kleine Weile weiter in mich hinein geflucht hatte bemerkte ich, dass ich mich in exakt demselben Raum befand wie zum Schluss von meinem letzten Traum. Allerdings herrschte hier nun eine komplett andere Atmosphäre. Es war düster und kalt, nur mattes Sonnenlicht, das durch die großen Fenster schien, spendete dem riesigen Saal ein wenig Licht. Letztes Mal kam mir das Gebäude wie eine Heiligkeit vor, nun schien sie jede Heiligkeit verloren zu haben. Es war derselbe Ort, aber er lag in einem sehr krassen Kontrast zu meinem letzten Traum. Direkt neben mir befand sich eine kleine Erhebung, in der zuletzt, dieses Schwert in einem Stein gesteckt hatte, nun war dort nichts mehr. Dieser Stein hatte mit Sicherheit eine noch größere Bedeutung, bloß wüsste ich nicht welche. Ich wusste nur, dass das Schwert sehr wichtig sein musste. Das „Masterschwert“ oder wie auch immer Zeldas Vater es genannt hatte. Es sah schon ganz cool aus, es wäre schon ziemlich geil es mal selbst verwenden zu dürfen. Aber das war jetzt im Moment nur Nebensache. Vor dem Stein erschien ohne jegliche Vorwarnung eine in einem kräftigen Blau leuchtende Lichtsäule. Sie verschwand so schnell wie sie gekommen war und ließ bloß einen jungen Mann zurück. Er sah den anderen Jungen aus meinen letzten Träumen sehr ähnlichen, vermutlich war es sogar derselbe wie aus meinem letzten, er war bloß älter. Ich schätze ihn auf 17 oder 19 Jahre. Er mutete sehr muskulös an, jedenfalls war er deutlich stärker als ich. Aus seinem Rücken trug er das „Masterschwert“ und einen Schild. Er unterhielt sich eine Weile mit der blau leuchtenden Kugel, auch wenn ich kein Wort verstehen konnte. Ja, ich konnte sie dieses Mal sprechen hören, aber sie sprachen eine mir fremde Sprache, auch wenn sie mir bekannt vorkam. „Moment…“, flüsterte ich. „Das ist doch…“ Nun fiel es mir wieder ein. Es war exakt dieselbe Sprache, die auch Zelda gesprochen hatte, bevor sie mich bemerkt hatte. Das musste irgendeine Bedeutung haben.


    Nun war ich mir sicher, dass die Kugel ein Lebewesen sein musste. Sie machte Geräusche und sprach die Sprache auch. Vielleicht war es ein sprechendes, leuchtendes Insekt oder ähnliches.


    Nach nur kurzer Zeit machte das Ding es sich unter der grünen Zipfelmütze des Jungen gemütlich. Er wollte sich gerade umdrehen und zum Ausgang begeben, als plötzlich ein seltsames zu hören war. Ich konnte es nichts zuordnen, genauso wenig konnte ich irgendetwas Verdächtiges finden. Der Mann vor mir blieb augenblicklich stehen und verharrte einen Moment in seiner Position. Angespannt starrte ich ihn an und wartete auf eine Reaktion. Schnell zog er Schwert und Schild von seinem Rücken und drehte sich um, fixierte dabei mit ernstem Blick einen anderen Mann. Ich hatte nicht mitbekommen wie er hierher gekommen war. Für mich sah er aus wie eine Kreuzung aus Ninja und Assassine. Seine Haare waren in eine Art Kopftuch gehüllt, trotzdem hingen noch eine Menge Strähnen heraus, er schien längere Haare als ich zu haben und das auch noch in einem goldenen Blond. Dazu kam noch, dass er ein Mundtuch trug, welches ihm bis zur Nase hochgezogen wurde und nur noch seine stechend roten Augen zu sehen waren. Sie unterhielten sich noch etwas länger, bis der Junge plötzlich kehrt machte und aus der ‚Kirche’ oder was auch immer das hier war verschwand.

  • Natürlich folgte ich dem Typen nach draußen, was hätte ich auch sonst tun sollen? Ach wenn es hier nicht mehr ganz so schön war wie beim letzten Mal. Es war seltsam kalt hier draußen und ein kräftiger, peitschender Wind sauste an meinen Ohren vorbei, ließ meine Kleidung mitsamt Haaren tanzen und die Pflanzen um mich herum beinahe umknicken. Der Himmel war in ein blutiges Rot getaucht und die gesamte Stadt vollends zerstört. Dazu kam noch, dass hier überall irgendwelche Zombies herumliefen und schreckliche Schreie von sich gaben. Ich war zwar ein Fan von Zombieapokalypsen und solchen Geschichten, aber trotzdem hatte ich nie vorgehabt selbst einem zu begegnen. Ganz langsam und vorsichtig folgte ich dem Mann. Ohne irgendwelche Anstalten zu machen die untoten Viecher auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen lief er einfach an ihnen vorbei und verließ den Marktplatz über die Zugbrücke und damit gleichzeitig auch die Stadt. Diese ganzen ‚Helden’ aus meinen Träumen waren schon verdammt krank. Der eine sprang einfach von einer Plattform in die Tiefe und kämpfte gegen ein riesiges Monster, der andere wollte es mit einem überdimensional großen Typen mit magischen Kräften aufnehmen und ignorierte Zombies. Wenn ich der Nachfahre von ihnen war musste ich dann auch solche Sachen tun? Mit Schwert und Schild bewaffnet gegen untote Monster und Riesen bestehen… ich war mir nicht ganz so sicher, ob ich wirklich für solche Sachen geschaffen war. Immerhin hatte ich in meinem ganzen Leben ein richtiges Schwert noch nicht einmal angefasst und damit gekämpft schon gar nicht.


    Stumm folgte ich dem Typen durch die riesige Landschaft. Wenn ich im wirklichen Leben so extrem viel laufen müsste wäre ich mit absoluter Sicherheit schon längst verreckt. Ich war zwar nicht der Schlechteste in Sachen Sport, aber für so etwas war ich dann doch zu faul. Man müsste mir schon etwas gigantisch Tolles dafür anbieten. Jedes Computerspiel meiner Wahl umsonst… für immer. Also das wäre schon eine Überlegung wert.


    Nach einem viel zu langen Fußmarsch kamen wir bei einer Farm an. Der Typ trat ein und ich wollte ihm logischerweise folgen, aber mir wurde direkt das Tor vor meiner Nase zugeknallt. Nun heiß es wohl wieder abwarten und zu Tode langweilen. Hoffentlich dauerte es nicht wieder so lange wie beim letzten Mal. Am Ende würde es sogar wieder anfangen zu regnen und ich würde extrem nass werden. Das waren wirklich tolle Aussichten. Ich freute mich schon darauf – nicht. Zu meinem Glück (Oh Wunder, ich hatte auch mal Glück) kam er schnell wieder zurück. Aber nicht auf normale Weise, so wie in das Tor öffnen und einfach weitergehen, sondern mit einem Pferd über das Tor springend und mich dabei fast erschlagen. Im letzten Moment konnte ich noch zur Seite springen und mich ganz gut abrollen. Es war ein stattliches und elegantes Pferd in einem wunderschönen Braun. Leider waren sie zu schnell davon galoppiert, sodass ich es mir nicht genauer anschauen konnte. Wie ein Wirbelwind sauste es durch die Steppen, der Staub wurde hinter ihnen aufgewirbelt und hinterließ eine riesige Wolke. Und ich war natürlich viel zu langsam und wurde von dem fliegenden Dreck eingehüllt. Blitzartig schlug ich die Hände vor mein Gesicht um keinen Dreck in die Augen zu bekommen. Jetzt fehlte bloß noch, dass ich auf den Kopf knallte und alles wäre wieder wie beim ersten Mal.


    Als ich langsam meine Augen öffnete, war ich nicht mehr auf der Steppe und auch von der Farm fehlte jede Spur. Stattdessen befand ich mich im… Weltall oder so. Ein sehr seltsames Weltall ohne Sterne, Kometen und was es nicht alles für gewöhnlich im All gab. Einfach nur gähnende schwarze Leere und ab und zu mal eine riesige Säule in blauer Farbe. Ich selbst stand auch auf solch einer. Der Boden sah so aus, als würde es dort Wasser geben, aber dem war allem Anschein nach nicht so. Gewöhnlicher Boden mit Lichteffekten. Direkt unter mir war dieses Triforce in goldener Farbe auf dem Boden abgebildet. Ich selbst wurde von sechs Gestalten umringt. Einige sahen menschlich aus, andere wiederum ganz und gar nicht. Mir direkt gegenüber stand ein alter, dicklicher Mann. Er hatte keine Haare direkt auf dem Kopf, dafür aber einen interessant aussehenden Bart und buschige Augenbrauen komplett in weiß. Zudem hatte er spitze Ohren, genauso wie ich, Zelda, mein Onkel und noch ein paar andere. Im Allgemeinen erinnerte mich sein Aussehen stark an einen Mönch. Links von ihm stand ein kleines Mädchen in komplett grüner Kleidung. Ähnlich wie die von all den ‚Helden’, allerdings mehr in Richtung Jumpsuit mit kurzer Beinbekleidung und Ärmeln. Darunter trug sie einen dunkelgrünen Pullover und dazu noch dunkelgrüne Stiefel. Ihre Taille wurde mit einem Gürtel geschmückt. Ihre großen und freundlichen Augen waren himmelblau und auch ihre Haare hatten eine grüne Farbe, mitsamt einem Haarreif. Die spitzen Ohren waren bei ihr ebenfalls vorhanden. Neben ihr stand ein muskulöses… Etwas mit einem dicken Bauch. Er erinnerte mich an ein paar von den Wesen, die in meinem ersten Traum gemeinsam mit der Göttin gekämpft haben. Seine Haare sahen schon fast so aus wie die Mähne eines Löwen in einem grauen Farbton. Er mutete männlich an (falls diese Wesen ein Geschlecht hatten) und trug keine Kleidung, bloß Arm- und Fußbänder. An seinen Oberarmen hatte er jeweils dasselbe Zeichen in einer roten Farbe, was ein wenig Ähnlichkeit mit einem Fußabdruck hatte. Allerdings hatte es bloß drei Zehen, vermutlich der Abdruck von der Kralle eines Vogels oder ähnliches. Neben ihm stand ein weiteres Etwas. Aber dieses Mal mutete es weiblich an. Sie sah aus wie eine Kreuzung aus Mensch und Fisch. Auch sie trug kein bisschen Kleidung und hatte komplett blaue Haut. An ihren Armen wuchsen flossenähnliche Dinger, die sie ebenfalls auch an ihrer Hüfte vorhanden hatte. Ihr Kopf war weiter oben etwas breiter als unten, und an den Rändern sah es so aus, als hätte sie dort ein weiteres Paar Augen. Das sah etwas gruselig aus. Sie wurde von einer jungen Frau benachbart. Sie war muskulös und braungebrannt, ihre Kleidung erinnerte mich an einen Dschinni. Ihr langes, feuerrotes Haar war zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden worden und das Haargummi hatte einen dicken Kristall als Schmuck. Allgemein trug diese Frau sehr viel, aber wirklich sehr viel Schmuck. Von Ringen, zu Halsketten und Ohrringen war wirklich alles dabei, selbst auf ihrer Stirn hatte sie einen Edelstein befestigt. An Schminke fehlte es ihr auch nicht. Anders als die anderen menschlichen Wesen hier hatte sie aber runde und keine spitzen Ohren. Neben ihr stand eine weitere Frau. Ich konnte ihr Alter nicht einschätzen, einerseits hatte sie kurze weiße Haare, andererseits war sie sehr muskulös und strotzte nur so vor Energie. Ihre Augenfarbe war in einem stechenden Rot gehalten und auch sie hatte wieder spitze Ohren. Ihre Kleidung war wirklich sehr seltsam, ich wusste bei bestem Willen nicht, wie ich das beschreiben sollte. Ich konnte bloß ein Zeichen erkennen, ein Auge mit einer Träne. Sie alle machten irgendeine komische Handbewegung und beschwörten Lichter in verschiedensten Farben. Das Farbenspiel tanzte in der Luft über mir herum, bis es auf mich zuflog und mir die Sicht versperrte.


    Wieder befand ich mich in dieser Kirche. Der Held und dieser Ninja-Assassinentyp standen sich erneut gegenüber und unterhielten sich. Natürlich wieder in einer fremden Sprache, die ich nicht verstand.


    Das Gespräch dauerte so seine Zeit. Ich wünschte, ich hätte es verstanden. Aber was hätte ich auch groß machen sollten? Immerhin tat sich jetzt etwas. Der Ninja hob seine linke Hand und ein goldenes Triforce leuchte auf, wobei das linke Symbol in einem ganz besonderen Licht erstrahlte. Es war dasselbe, das auch Zelda und ich auf unseren Handrücken trugen. Der Raum wurde in gleißendes Licht getaucht und brannte in den Augen, schnell schloss ich sie und wartete auf eine Besserung der Dinge. Es dauerte auch nicht allzu lange. Aber statt des Ninjas stand dort nun eine hübsche junge Frau mit goldgelbem Haar und einem eleganten Kleid. Sie sah Zelda sehr ähnlich, sofort musste ich an sie denken, als ich sie sah. Der Kerl neben mir schien sehr überrascht über ihr Auftauchen zu sein. War sie die ganze Zeit der Ninja gewesen? Dann lag ich ja völlig daneben mit der Vermutung, dass sie ein Kerl war. Sofort führte sie das Gespräch fort, aber mit großer Verwunderung konnte ich ein Wort verstehen. Sie sagte ‚Zelda’. Hatte sie denselben Namen wie meine Freundin? Es konnte sich dabei entweder bloß um einen Zufall handeln, oder aber sie und Zelda hatten eine engere Verbindung zueinander. Aber kurze Zeit später erwähnte sie auch meinen Namen. Das konnte kein Zufall sein. Hieß der grüne Typ etwa auch Link? So wie ich? Ich würde wohl Zeldas Vater… nein, niemand konnte mir meine Träume nun erklären. Ich musste damit leben, dass ich kein bisschen hier verstehen konnte.


    Zelda hob ihre Arme und wurde von goldenem Licht umgeben. Der andere Link trat ehrfürchtig von ihr zurück und beobachtete sie mit großen Augen. Pure Energien sammelten sich in den Händen der Frau und leuchtende Pfeile erschienen, die dem Jungen in die Hände flogen. Für einen Moment schien alles perfekt – Zelda hatte sich Link offenbart und ihm eine offenbar mächtige Waffe verliehen. Aber dieser Moment war nur von kurzer Dauer. Von einem Augenblick auf den Anderen begann die Erde zu beben und das Mädchen wurde von einem roten Kristall eingeschlossen. Sie schrie und hämmerte panisch gegen das Glas, der Junge befreite sich aus einem Schockzustand und versuchte ebenfalls verzweifelt ihr Gefängnis zu zerstören. Aber es half alles nichts. Eine dunkle und angsteinflössende Stimme begann aus dem Nichts heraus zu sprechen. Wieder die selbe Sprache wie sonst auch, aber ich brauchte keine Kenntnisse in dieser um zu verstehen, dass keine guten Nachrichten übermittelt wurden. Das Kristallgefängnis erhob sich in die Höhe und verschwand, bloß noch ein dunkles Lachen war zu hören. Wütend ballte Link die Fäuste und rannte so schnell er konnte aus der Kirche heraus. Ich folgte ihm sofort.


    Schon nach kurzer Zeit befanden wir uns an dem Zielort. Hier hatte beim letzten Mal ein wunderschöner und prachtvoller Palast gestanden, jetzt war hier genau das Gegenteil von einem schönen Schloss. Das Gebäude war potthässlich und hatte für meinen Geschmack auch etwas zu viel schwarz. Der Graben war mit glühend heißer Lava gefüllt. Wie konnte man es hier nur aushalten? Also schön wohnen war das nicht.


    Lichter in allen Farben des Regenbogens rieselten vom Himmel herab in den Graben des Schlosses und eine Regenbogenbrücke entstand. Sie passte zwar überhaupt nicht in die Atmosphäre dieses Ortes, aber immerhin konnte man nun das Gebäude betreten. Der andere Link war sichtlich nervös und angespannt, aber er schien vollkommen überzeugt von dem zu sein, was er jetzt tun musste. Er atmete einmal tief durch und ging langsamen Schrittes auf die andere Seite der Brücke, dicht gefolgt von mir.


    Im Schloss gab es eine riesige Treppe mit einem roten Teppich. Leise konnte ich Orgelmusik wahrnehmen. Wütend funkelte Link mit den Augen und stieg die Stufen herauf. Je weiter wir kamen, desto lauter wurde das Spiel des Instruments. Am anderen Ende befand sich eine riesige Tür. Der Typ zog einen großen Schlüssel aus seiner Tasche hervor und öffnete sie mit einem lauten Geräusch. Wir traten ein. Sofort fiel mein Blick auf einen riesengroßen Mann, der tatsächlich an einer Orgel spielte. Das Stück gefiel mir ehrlich gesagt gar nicht und ließ auch in mir Wut aufkeimen, obwohl ich die Person nicht kannte. In der Luft hing das Kristallgefängnis, in dem Zelda gefangen gehalten wurde. Der grüne Typ neben mir starrte den Orgel spielenden Mann mit einem wütenden Blick an und hörte sich an, was er zu sagen hatte.


    Nach einem kurzen Wortaustausch stand der offenbare Gegner des anderen Links ruckartig auf und drehte sich. Als ich sein Gesicht sah, blieb mir die Luft weg. Nicht nur, dass es derselbe war, der in meinem letzten Traum im Schloss vor dem König gekniet hatte, nein, er hatte auch noch eine erschreckende Ähnlichkeit mit Herr Dragmire. Das musste etwas zu bedeuten haben. Er fackelte nicht lange und begann direkt mit einem Kampf. Schnell hob er sich in die Höhe und der Boden um mich herum begann in sich einzustürzen. Ich lief schnell in die nächste Ecke des Raumes, in der Hoffnung, dass mir hier nichts passieren würde. Link zog sein Masterschwert und visierte seinen Gegner an. Besagter hob seine linke Hand in die Höhe und erschaffte einen Ball aus purer Energie, mit dem er Link beschoss. Zum Glück nicht mich, wer weiß ob ich eine Berührung mit diesem Ding überleben würde. Link schleuderte die Kugel mit seinem Schwert auf seinen Gegner zurück und der Andere machte genau das gleiche. Und so ging es ewig weiter. Immer wieder wurde der Energieball hin und her geschleudert, ohne dass irgendjemanden etwas passierte. Trotz meiner Anspannung begann ich langsam mich zu langweilen.


    Endlich tat sich etwas. Der Energieball war zu schnell für Links Gegner geworden und er wurde direkt frontal davon getroffen. Sofort wurde er paralysiert und war bewegungsunfähig. Link überlegte nicht lange und zog sofort einen Bogen. Ein leuchtender Pfeil wurde von ihm abgeschossen und traf seinen Gegner direkt. Er sank keuchend zu Boden und konnte nicht mehr viel machen. Sofort sprintete der Held los und rammte ihm sein Schwert in den Bauch. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Er hatte den Kerl vor meinen Augen umgebracht. Sofort schlug er Link von sich und richtete sich unter grauenhaften Schmerzen auf. Er fasste sich an seine Verletzung und begann grünes Blut zu spucken. Grün… er war definitiv nicht normal. Wütend schrie er auf und begann in einem grellen Licht zu leuchten. (Fragt mich nicht, warum hier irgendwie alle leuchten, ich habe keine Ahnung.) Das Dach des Schlosses zersprang und er sackte in sich zusammen. Nun musste er tot sein. Das Kristallgefängnis von Zelda löste sich auf und sie war wieder frei.


    Man konnte die Erleichterung in den Gesichtern der Beiden gut erkennen. Ich hätte gerne gewusst was der Feind vorgehabt hatte. Aber jetzt war es vorbei und ich wartete sehnlich darauf, dass ich wieder aufwachte. Aber es passierte nicht. Es war doch nun zu Ende, oder etwa nicht? Die Erde begann wie verrückt zu beben und das gesamte Schloss fiel nach und nach in sich zusammen. Offenbar doch nicht. Link und Zelda begannen zu flüchten und ich lief ihnen schnell hinterher. Man konnte kaum gerade stehen und riesige Trümmer fielen von oben herab. Jetzt war ich in mehr Gefahr als je zuvor. Wenn mich ein zu groß geratener Fels auf dem Kopf treffen würde könnte ich tödlich verenden. Und das wollte ich mit absoluter Sicherheit nicht. Mir fiel nichts Besseres ein, also rannte ich den Beiden einfach hinterher und hoffte, dass ich den Ausgang schnell finden würde. Es war ja bloß die Treppe, die ich herunter laufen musste und dann war ich draußen.


    Vor dem Ausgang musste es natürlich passieren. So oder so war ich schon überrascht, dass ich diese Höllenflucht heil und unbeschadet überlebt hatte, aber so kurz vor dem Ende wurde ich doch noch getroffen. Ein Stein fiel mir mit einer gewaltigen Wucht direkt auf den Fuß. Ein schmerzerfüllter Schrei entglitt meine Kehle und sofort biss ich mir die Zähne zusammen. Ich zwang mich selbst dazu mit meinen Schmerzen klar zu kommen. Ich war ja nur knapp vor dem Ausgang, also musste ich nicht weit laufen. Aber das Auftreten fiel mir unfassbar schwer. Ich betete, dass er nicht gebrochen war.


    So schnell es mir nur möglich war humpelte ich so weit von dem einstürzenden Gebäude weg wie nur irgend möglich. Ganz vorsichtig setzte ich mich hin, aber die Bewegung würde mir teuer zu stehen kommen. Der Schmerz intensivierte sich und wurde für einen kurzen Augenblick unerträglich. Eine seltsame Mischung aus lachen und stöhnen kam aus meinem Mund, was ich immer tat, wenn ich mich schlimm verletzt hatte. „Scheiße. Ich muss jetzt sofort aufwachen und mir den Fuß ansehen.“


    Ein polterndes Geräusch war zu hören. Ich hätte Link gerne gefolgt und auch nachgesehen woher es kam, aber mein Fuß machte es mir unmöglich mich zu bewegen. Also konnte ich nur zusehen und abwarten. Ganz langsam und vorsichtig ging der Held auf die übrig gebliebenen Trümmer des Schlosses zu. Zelda hatte beide Hände vor ihren Mund gelegt und sah ihm mit einem nervösen Blick hinterher. Offenbar erwarteten sie nichts Gutes von dem Lauf der Dinge. Ehrlich gesagt hatte auch ich kein gutes Gefühl. Leider täuschte dieses Gefühl mich nicht. Der Feind von Link und Zelda flog aus den Trümmern empor. Gleichzeitig bildete sich eine undurchdringliche Feuerwand, die mich und Zelda von Link trennte. Das Gesicht des Gegners strotzte nur so von Wahnsinn und man konnte ihm klar und deutlich ansehen, dass er auf Rache sinnte. Gebieterisch ballte er seine linke Hand zur Faust und das Triforcefragment auf seinem Handrücken begann zu leuchten. Er setzte ein teuflisches Lächeln auf und begann sich vor meinen Augen in ein riesiges Monster zu verwandeln. Als Waffen trug er zwei gewaltige, goldene Schwerter in den Händen. Er hatte eine große Ähnlichkeit mit einem Schwein, aber trotz dieses eigentlich lächerlichen Aussehens sah er furcht erregend und krank aus. Er schlug wie besessen auf Link ein und riss ihm das Schwert aus der Hand. Es flog durch die Lüfte und landete knapp in der Nähe von Zelda, blieb in dem Boden stecken und Link hatte keine Waffe zum Kämpfen mehr. Es war dunkel geworden und bloß am Himmel zuckende Blitze spendeten Licht, gleichzeitig tauchten sie das Monster in ein gruseliges Licht.


    Hinter dem Feuer konnte ich nicht viel von dem Kampf erkennen. Ich glaubte zwar nicht an ein Versagen des Helden, aber man konnte nie genau wissen. Angespannt ballte ich meine Hände zu Fäusten


    Das Feuer erlosch und Zelda rief Link etwas zu. Schnell sprintete er zu ihr hin und hob sein Masterschwert auf. Das Monster lag bewegungsunfähig auf dem Boden und atmete schwer. Mit festem Blick fixierte er das Monster und ging langsam auf ihn zu. Zelda streckte ihre Arme nach dem Gegner aus und entsendete ein goldenes Licht in seine Richtung, welches ihn offenbar gefangen hielt. Das Schwert in Links Händen begann blau zu strahlen und mit voller Bewunderung betrachtete der Träger es. Nun stand er unmittelbar vor ihm, wahrscheinlich fest dazu entschlossen ihn jetzt ein für alle mal zu töten. Er stieß einen Schrei aus und rammte ihm das Schwert in den Kopf. Für einen Augenblick war nichts außer Stille. Dann begann der besiegte Feind zu schreien und sich zu winden. Zelda streckte ihre Arme gen Himmel. Eine goldene Kugel aus Energie bildete sich in der Luft. Alles um mich herum wurde in Gräulichkeit getaucht.



    Geschockt schreckte ich hoch. Ein Schmerz machte sich in meinem Bein breit. Ich stöhnte und biss meine Zähne so fest zusammen, dass es schon fast weh tat. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass ich in einem Bett lag und nicht auf dem Boden in Zeldas Garten. Wie ich wohl hierher gekommen war? Neben mir auf dem Bett lag Zelda und schlief. Hatte sie mich getragen? Hoffentlich war ich nicht allzu schwer für sie gewesen. Sie wirkte seelenruhig, man konnte ihr den Schmerz durch den Verlust ihres Vaters schon beinahe nicht mehr ansehen. Ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, während ich sie so beobachtete.

  • „Ah Shit, scheiße… Oh gosh…“ Ich fluchte und winselte, während ich ganz vorsichtig meinen Schuh und anschließend meine Socke von meinem verletzten Fuß auszog. Es tat schon weh, wenn ich mich nur ein kleinen wenig bewegte, aber jetzt wo ich direkten Kontakt mit dem Fuß hatte war es ein brennender und höllischer Schmerz, der meinen ganzen Körper erschaudern ließ. Qualvoll verzog ich das Gesicht, kniff immer mal wieder kräftig meine Augen zusammen, biss meine Zähne aufeinander, alles nur damit der Schmerz auch nur für eine kleine Millisekunde nachließ, aber es half leider überhaupt nicht. Und dazu musste ich auch noch leise leiden, ich wollte Zelda in ihrem momentanen Zustand ganz bestimmt nicht aufwecken. Etwas Ruhe würde ihr mit Sicherheit gut tun, einfach um sich mal eine Auszeit von der harten Realität zu gönnen.


    Ganz langsam und extrem vorsichtig versuchte ich mein Bein anzuwinkeln um mir meinen nackten Fuß genauer anzuschauen. Aber schon auf halber Strecke bereute ich es. „Au, ah, autsch! Ganz schlechte Idee…“ Sofort hörte ich auf damit und versuchte es anschließend damit ihn ganz normal aus gewöhnlicher Entfernung zu betrachten, auch wenn ich meinen Fuß leicht in der Luft hielt. Die kleinste Belastung konnte unsagbare Schmerzen bedeuten.


    Vielleicht hätte ich lieber doch nicht nachsehen sollen. Mein Fuß hatte eine ganz unnatürliche Form angenommen, es war seltsam nach außen gebeugt. Dazu kam noch, dass es total blau angeschwollen war. „Also wenn der nicht gebrochen ist, dann weiß ich auch nicht weiter…“ „Mit wem redest du?“ Ich erschrak mich und zuckte zusammen. Dabei knallte ich meinen Fuß natürlich direkt und mit voller Wucht gegen den Boden. Der Schmerz wurde sofort schlimmer und mir stiegen leicht Tränen in die Augen, ich begann sogar schon mir auf die Lippe zu beißen. Aber ich konnte mir schon denken, von wem diese Frage kam. Ich warf meinen Blick über meine Schulter und konnte sehen, wie Zelda sich ein wenig aufgerichtet hatte, noch immer etwas schlaftrunken rieb sie sich die Augen. „Ach mit niemandem. Hoffentlich habe ich dich nicht geweckt.“ „Nein nein, keine Angst.“


    Noch immer hatte sie einen leicht geknickten Gesichtsausdruck. Für einen Moment vergaß ich meinen Fuß, als ich die Schnittverletzungen auf ihrem Arm sah. Sie litt in diesem Moment viel mehr als ich. Seelischer Schmerz konnte oft viel schlimmer sein als körperlicher und ich wusste in der Beziehung wovon ich sprach. Aber das Pochen an der Bruchstelle meldete sich in zehnfacher Geschwindigkeit zurück und ich verzog wieder das Gesicht. Besorgt musterte Zelda mich. Warum sah sie mich besorgt an? SIE war doch in diesem Moment viel ärmer dran als ich, ein verletzter Fuß war gar nichts gegen den Tod des eigenen Vaters. ICH müsste sie eigentlich trösten, ganz egal wie, aber natürlich musste ich mir wegen diesen verdammt dummen Träumen den Fuß brechen. Aber trotzdem zwang ich mich dazu, sie anzulächeln, auch wenn es sicher total unecht und dazu noch dumm aussah. „Hast du irgendwas?“, fragte sie mich und kam näher an mich heran, bis sie an der Kante direkt neben mir saß. Ich starrte zuerst sie an und anschließend wieder meinen Fuß.


    „Na ja“, kam es von mir. „Wie man ’s nimmt.“ Zuerst schien sie nicht ganz zu verstehen, folgte dann aber meinen Blick und, wider meiner Erwartungen, schnappte sie erschrocken nach Luft und hatte einen entsetzten Gesichtsausdruck angenommen. „Was zum Teufel hast du gemacht?“, fragte sie mich mit leicht quietschender Stimme. Ich konnte es ihr ja nicht vergelten. Zuerst brach ich einfach so ohne ersichtlichen Grund in ihrem Garten zusammen und jetzt wachte ich auf und hatte einen entstellten Fuß. „Äh… lange Geschichte.“, gab ich ihr bloß als einfache Antwort. „Ist der gebrochen?“ „Ich schätze mal schon.“ „Ach du scheiße.“ Das war das erste Mal, dass ich Zelda fluchen hörte. War ziemlich ungewohnt, wenn ihr mich fragt.


    „Du musst sofort ins Krankenhaus!“, begann sie auf einmal.
    „Ja toll, erstens wie und zweitens wie soll ich denen das erklären?“
    „Was hast du denn jetzt bitte gemacht?“
    „Das ist kompliziert…“
    „Los, sag es mir!“
    „Kann ich nicht…“
    „Warum nicht?“
    „Weil…“


    Ich wollte ihr nicht sagen, dass ihr Vater sie nicht da mit reinziehen wollte. Das würde sie vermutlich wieder in Trauer stürzen. Außerdem war er jetzt so oder so nicht mehr hier und da sie ja mehr oder weniger etwas damit zu tun hatte, hatte sie auch das Recht es zu erfahren. Ich seufzte einmal und begann zu erzählen.


    „Also gut. Weißt du noch, als ich letztens umgekippt bin?“
    „Wie soll ich das denn vergessen?“
    „Ok, alles klar. Als ich danach alleine mit deinem Vater geredet habe, hat er mir etwas erzählt. Die Sachen, die in diesem Buch standen, stimmen.“


    Zelda verzog keine Miene. Offenbar konnte sie es sich bereits denken. Es klang immerhin alles recht plausibel, was in dem Buch gestanden hatte und sie selbst hatte ja schon die ganze Zeit geahnt, dass irgendetwas unnormal war.


    „Hast du dich nicht darüber gewundert, dass das Buch auf einmal verschwunden war?“
    „Na ja, eigentlich schon. Als du weg warst wollte ich es holen, aber es war einfach verschwunden.“
    „Das mag jetzt vielleicht sehr seltsam klingen, aber kurz nachdem du gegangen bist und ich alleine im Baumhaus war hat es sich von selbst aufgeschlagen und Sachen wie „Auserwählter“ und so geschrieben.“
    „Warte, warte, warte. Du willst mir erzählen, dass das Buch von selbst etwas geschrieben hat?“
    „Yep.“
    „Ok… erzähl weiter.“
    „Danach hat es sich zu Goldstaub aufgelöst und sich mit mir „vereint“.


    Erst im Nachhinein fiel mir auf, wie furchtbar zweideutig das klang. Ich hätte mir am liebsten dafür gegen die Stirn geschlagen. Zelda schien es nicht aufgefallen zu sein, jedenfalls hatte sie nichts dazu gesagt. Wahrscheinlich war ihr nicht wirklich nach reden zumute, dass konnte ich in Anbetracht ihrer jetzigen Lage auch gut verstehen. Auch wenn es sie etwas irritierte, dass es sich in „Goldstaub“ verwandelt hatte.


    „Seitdem habe ich ständig irgendwelche Träume von GANZ alten Zeiten. Über Erlebnisse von meinen Vorfahren. Dein…“


    Ich verstummte. Sollte ich ihren Vater erwähnen? Würde sie es mir übel nehmen? Es war so furchtbar kompliziert, für so etwas war ich einfach nicht geschaffen! Es wunderte mich, dass ich mit meinem schmerzenden Fuß überhaupt alles so gut erklären konnte.


    „Du brauchst dir keine Gedanken zu machen. Erwähne ihn ruhig. Du kannst ja nichts dafür.“ Als sie das sagte klang sie verdammt traurig. Es machte ihr noch immer zu schaffen. War ja auch kein Wunder. Etwas beschämt starrte ich den Boden an, nickte dann aber in ihre Richtung.


    „Dein Vater hat mir erzählt, dass ich eine Art „Reinkarnation“ von diesen Typen aus meinen Träumen bin. Und um meine „Bestimmung“ oder whatever zu erfüllen müsste ich erst einmal die „verlorenen Geschichten“ nachholen. Er hat mir meine Träume immer gedeutet. Außerdem hat er irgendwas davon erwähnt, dass er und du die Nachfahren von der königlichen Familie seid.“


    „Dann könnte das ja bedeuten, dass ich eine Prinzessin bin und… mein Vater… ein König war.“
    „Vermutlich, ich weiß es nicht…“
    „Das klingt alles so komisch. Warum wollte er mir nichts davon erzählen?“
    „Ich weiß nicht. Er wollte dich nicht in Gefahr bringen. Wenn du eingeweiht würdest könnte etwas passieren. Er wollte warten bis du 18 bist. Aber jetzt hast du es wohl doch früher erfahren.“


    Jetzt schien das Erstaunen und die Verwirrtheit sie wohl doch eingeholt zu haben. Ihre Augen hatten sich geweitet, wenn auch nur einen kleinen wenig, und sie hatte einen richtig krassen „WTF“ Gesichtsausdruck. In einer anderen Situation hätte ich bestimmt gelacht.


    „So habe ich auch reagiert, als ich es erfahren habe“, sagte ich locker zu ihr, in der Hoffnung sie würde nicht mehr ganz so seltsam dreinschauen.
    „Und was ist jetzt mit deinem Fuß?“
    „Weißt du noch als ich einmal mitten in der Nacht angerufen habe?“


    Zelda zögerte für einen Moment und starrte ins Leere, als ich diesen Moment erwähnte. Es war so, als würde sie sich nicht daran erinnern wollen. Ich wartete auf eine Reaktion, wollte sie nicht bedrängen, aber es war schon seltsam. Sie nickte dann doch nach relativ kurzer Zeit mit dem Kopf.


    „In der Nacht hatte ich auch so einen Traum. Als ich dann aufgewacht bin war ich klatschnass. Ich hab dann deinen Vater gefragt warum ich so nass aufgewacht bin, er hat mir die Antwort gegeben.“
    „Und die wäre?“
    „Er sagte, dass mein echter Körper mit dem aus meinen Träumen verbunden ist. Alles war mit mir im Traum passiert wirkt sich auch auf mich in der Realität aus. Ich war nass, weil es in dem Traum wie bekloppt geregnet hat.“


    Wieder hatte sie diesen Gesichtsausdruck, nur diesmal noch viel krasser. Es war wohl sehr viel auf einmal, was ich auch gut nachvollziehen konnte. Wer rechnete schon damit, dass zuerst sein Vater ermordet wurde und man anschließend so einen unwirklichen Mist an den Kopf geworfen bekommt? Richtig. Kein Schwein.


    „In meinem Traum vorhin ist mir ein fetter Stein auf den Fuß gekracht, seitdem ist das so.“
    „Das klingt ja schrecklich! Hast du deine Träume überhaupt unter Kontrolle? Nicht, dass du irgendwann irgendeinen Blödsinn machst.“
    „Zum Großteil schon, ja.“
    „Gut. Darf ich dich fragen, wovon du geträumt hast?“
    „Na ja, ich kann mich meist nur wage daran erinnern, wie das nach dem Aufwachen eben so üblich ist mit Träumen, aber ich weiß noch, dass dort ein Mädchen und ein Junge waren, die dieselben Namen wie wir hatten. Ich bin mir sicher, das hat irgendeine Bedeutung. Aber ich weiß nicht welche.“
    „Das klingt seltsam.“
    „Total.“
    „Und wie sollen wir das erklären?“
    „Das mein’ ich ja. Was soll ich dem Arzt sagen?“
    „Du bist irgendwie runter gefallen oder so…von meinem Baumhaus.“
    „Das ist doch lame…“
    „Aber glaubwürdig.“
    „Hm, stimmt.“


    Ich starrte sie an, sie starrte auf den Boden. Zu gerne würde ich sie wegen ihrem Vater ausfragen, aber ich wollte nicht aufdringlich sein und genauso wenig wollte ich, dass sie wieder in Tränen ausbrach, weil sie sich daran erinnerte. Aber ich hatte ihr meine Geschichte erzählt, vermutlich würde sie mir dann auch ihre erzählen. Ich gab mir einen kleinen Ruck und beschloss das Thema anzusprechen.


    „Ich würde dich gerne etwas fragen. Darf ich?“ Sie nickte langsam mit ihrem Kopf.
    „Wegen deinem Vater… wie war das denn jetzt genau?“


    Zunächst sagte sie nichts. Immerzu starrte sie den blöden Boden an, oder sah viel mehr hindurch direkt ins Leere. Aber auch sie gab sich einen Ruck und hob ihren Blick in Richtung Decke. Sie nahm einmal ganz tief Luft und sah dann zu mir herüber.


    „Es war in der Nacht, als du wegen dem Traum angerufen hast. Kurz nachdem er aufgelegt hatte schickte er mich wieder ins Bett. Das hab ich dann natürlich getan, aber ich konnte nicht schlafen, so wie die ganze Zeit nicht. Ich war den Tag zuvor mit einem ganz miesen Gefühl aufgewacht. Und immer wenn ich das hatte konnte ich mich darauf einstellen, dass irgendetwas schlimmes passierte, egal ob es mich oder jemand ganz anderen betrifft. Und dieses mal war es halt… das.“


    Ihre Stimme begann ein wenig unsicher zu werden und auch ihre Augen röteten sich, ihre Hände begannen zu zittern. Ohne darüber nachzudenken was ich eigentlich tat nahm ich ihre Hand und drückte sie leicht. Dankbar sah sie mich an und umschloss den Griff um meine Hand, was wohl bedeutete, dass ich nicht los lassen sollte.


    „Ich konnte einfach nicht schlafen und wälzte mich ständig in meinem Bett hin und her. Irgendwann reichte es mir und ich stand auf um mir etwas zu trinken zu holen, aber in der Küche… es war der blanke Horror.“


    Ihr Gesicht wurde auf einmal käsebleich und ihre himmelblauen Augen glasig. Ganz kleine Tränen liefen ihr die Wangen herunter und sie begann zu schniefen. Schnell nahm sie tief Luft um sich wieder fangen zu können.


    „Er lag dort auf dem Boden, neben der Theke. Mit leerem Blick, blutüberströmt, zerfetzter Kleidung und übersät mit Stichwunden, er schwamm in einer Blutlache. Der ganze Raum war verwüstet, so als hätte ein Kampf stattgefunden. Wieso hatte ich das nicht gehört? Zuerst konnte ich meinen Augen nicht trauen, realisierte es nicht, es konnte nicht Wirklichkeit sein. Aber es war und ist nun mal die bittere Realität. Sofort brach ich in Tränen aus, heulte so schlimm wie noch nie, sank auf die Knie und ließ mich auf seinem Bauch nieder, nahm seine Hand und wollte, dass er wieder aufwachte. Aber es schlug kein Herz, er hatte keinen Atem, kein Leben, kein gar nichts. Es war mir so egal, ob ich voller Blut sein würde, wenn ich auf seinem zerstochen Bauch lag, es war mir total egal. Warum musste er auch so grausam ermordet werden? Womit hatte er das verdient?“


    Sie drückte meine Hand noch fester, es begann bereits weh zu tun, aber ich ignorierte es und hörte ihr zu. Es klang schrecklich, was sie mir da erzählte. Er hatte es wirklich nicht verdient. Nach diesem Erzählen konnte sie sich nicht mehr kontrollieren und weinte erneut. Ohne lange zu warten nahm ich sie in den Arm, unterdrückte dabei die Schmerzen in meinem Fuß, die durch diese ruckartige Bewegung ausgelöst wurden. Zelda brauchte nun eine Schulter, an der sie sich ausheulen konnte, und es war mir eine Ehre, dass ich diese sein konnte. Sie krallte sich an meinem Rücken fest und wurde noch lauter, durchnässte mein T-Shirt, aber ich ließ es über mich ergehen. Warum sollte ich mich auch über ein nasses T-Shirt aufregen?


    Sie schluchzte ein paar Mal, bevor sie sich wieder von mir löste. Mit einem schiefen Lächeln sah ich sie an. „Besser?“, fragte ich sie vorsichtig. Sie nickte, während sie ihre Tränen mit der Hand trocknete. Hätte ich doch bloß ein Taschentuch bei mir gehabt.


    „Jedenfalls“, begann sie weiter zu sprechen, „bin ich irgendwann eingeschlafen. Und als ich dann am nächsten Tag auf dem Boden aufwachte war er weg. Alle Kampfspuren beseitigt. Keine Ahnung, wie das möglich war, aber seit diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr ich selbst. Wie besessen begann ich plötzlich unverständliches Zeug von mir zu geben, verletzte mich selbst, aß und trank kaum etwas, an das meiste kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Dieser gruselige Zustand hielt so lange an, so lange… bis du gekommen bist. Ab da konnte ich mich wieder selbst finden. Ich schätze, ich sollte mich wohl dafür bei dir bedanken.“


    Ich wank ab. „Was? Bei mir bedanken? Ich hab nichts gemacht, ich hab mir nur Sorgen gemacht, weil du so lange gefehlt hast ohne irgendwem Bescheid zu sagen. Aber… ich sollte dir dafür danken, dass du dich mir anvertraut hast.“


    Sie lächelte mich leicht an. Es tat ihr sicher gut, endlich mit jemandem darüber sprechen zu können. Was ja auch sehr verständlich war, keine Frage. Mir hatte es auch gut getan, als ich endlich über meine Probleme an meiner alten Schule reden konnte. Manchmal brauchte es einfach nicht mehr, als einen Gesprächspartner.


    „Wie wäre es, wenn du fürs’ nächste bei mir bleibst? Ich denke mir was aus, damit mein Onkel dich lässt und dann sehen weiter.“ Zur Antwort nickte sie mit dem Kopf und ich war sichtlich erleichtert darüber.


    „Aber zuerst sollten wir sehen, dass du in ein Krankenhaus kommst. Dein Fuß sieht echt nicht gesund aus.“ Ich besah mir noch einmal kurz meine Verletzung und musste mir eingestehen, dass sie Recht hatte.


    „Ich rufe mal eben meinen Onkel an, der holt mich dann ab.“
    „Alles klar, ich komme mit“, sagte Zelda noch schnell und warf sich ein langarmiges Oberteil über, damit man ihre Schnittverletzungen nicht sehen konnte.
    „Gut.“ Ich nahm mein Handy heraus und wählte die Nummer.


    „Link, wo bleibst du denn?“, fragte mich mein Onkel unnatürlich besorgt. Ich lachte leicht und schilderte ihm die Lage.
    „Du bist verletzt?! Wo soll ich dich abholen?“
    „In der Blümstraße. Ich stehe vor einer Gasse und warte auf dich.“
    „Ok ich komme sofort.“ Und damit legte er auch auf. Ich steckte das Gerät wieder ein und versuchte aufzustehen, was aber nicht so leicht war. „Warte ich helfe dir“, kam es hastig von Zelda und sie begann mich zu stützen. Ich war ihr dankbar, auch wenn mir die Situation sehr peinlich war. Und so humpelten wir beide den scheinbar endlosen Weg aus Zeldas Grundstück, durch die Gasse bis zu dem Ausgang lang.

  • Mein Arm war um Zelda geschlungen, mein gesamtes Gewicht auf nur ein Bein verlagert. So gut sie konnte stützte sie mich, was sicher nicht leicht war, schließlich war ich nicht der Leichteste. Die Straße war nicht viel beschäftigt, wenn das Glück auf unserer Seite war würde niemand Bekanntes vorbei kommen und uns so sehen. Die Leute aus meiner Klasse wären am schlimmsten. Nicht auszudenken was dann passieren würde. Am meisten graute es mir vor Chiara. Die kleine Tratschtusse würde es sofort jedem erzählen und spätestens nächste Woche würde die ganze Schule denken, dass wir zwei ein Paar wären. Oder das ich mich von einem Mädchen verprügeln ließ.


    Mein Onkel ließ sich ganz schön Zeit. Zu Fuß waren es nur 10 Minuten von zu Hause bis hierher und wir standen schon viel länger hier. Er hatte doch hoffentlich das Auto genommen, ich hatte keine Lust jetzt auch noch nach Hause zu humpeln, außerdem war ich definitiv ein Fall für das Krankenhaus. Ich schaute zur Seite und musterte Zelda vorsichtig. Sie sah schon viel besser aus, war aber noch immer etwas mitgenommen. Sie trug eine graue Jogginghose und einen schwarzen, bequemen Pullover, dazu auch noch diese quietschbunten Sneaker von „Nike“. Ihr blondes Haar war ungleichmäßig zu einem lockeren Pferdeschwanz hochgesteckt worden, einige Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Jeder Andere hätte sie sicher für asozial gehalten, aber mich störte das nicht. Die fettige Schicht auf ihrem Haar glänzte in der prallen Sonne. Wäre ich in ihrer Lage gewesen, ich hätte auch keine Lust gehabt mich zu waschen. Auch wenn das Duschen oft hilft um einfach mal abzuschalten.


    „Hey, Zelda“, sagte ich nach ein paar Minuten des Stillschweigens. Sie drehte ihren Kopf zu mir und starrte mich fragend an. „Du hast keine Mütze auf. Man sieht deine spitzen Ohren.“ Ungläubig fasste sie sich an besagte Stelle und musste geschockt feststellen, dass ihre Ohren tatsächlich sichtbar waren. Schnell öffnete sie ihr Haargummi und warf sich die Haare so über die Schultern, dass ihre spitzen Ohren nicht allzu sehr auffielen. „Vielleicht sieht es keiner. Und wenn doch, dann ist das jetzt auch egal“, sagte sie daraufhin zu mir und lächelte. Sie lächelte ihr Lächeln, kein gezwungenes, kein gequältes, einfach nur ihr süßes Lächeln, das Lächeln, bei dem ich immer mit lächeln muss, auch wenn die Schmerzen in meinem Fuß mich beinahe umbrachten. „Geht’s?“, fragte sie vorsichtig, als sie mein schmerzverzerrtes Gesicht bemerkte. „Joah“, gab ich wahrheitsgemäß zurück. Es war zwar hart an der Grenze, aber noch immer ertragbar.


    Nach gefühlt 500 Jahren kam mein Onkel auch endlich bei uns an, zu meinem Glück mit einem Auto. Wie von der Wespe gestochen sprang er aus dem Fahrzeug und lief auf uns zu. Ohne mir die Möglichkeit zu einer Begrüßung zu geben begann er mich mit Fragen wie „Alles in Ordnung?“ oder „Was ist passiert?“ zu durchlöchern. Natürlich fiel sein Blick sofort auf meinen verkrüppelten Fuß und er begann damit mich erwartungsvoll anzustarren. „Lass uns erstmal ins Krankenhaus fahren. Unterwegs erkläre ich dir alles“, bot ich ihm an. Widerwillig stimmte er zu und ließ uns Zwei endlich einsteigen. Mich jetzt hinzusetzen war wie eine grauenvolle Last, die von mir wich. Vorsichtig setzte Zelda sich neben mich und achtete darauf, nicht aus Versehen meinen (höchstwahrscheinlich) gebrochenen Fuß zu berühren. Mein Onkel vergewisserte sich noch schnell darüber, ob wir richtig saßen, ehe er losfuhr.


    „Also“, begann er mit der Fragerei wieder von vorne, „was zum Teufel hast du gemacht?“ „Äh.“ Ich überlegte fieberhaft. Mit der Wahrheit konnte ich nicht rausrücken, es war viel zu absurd und unrealistisch, aber wenn ich damit kommen würde, dass ich von dem Baumhaus gefallen bin, würde er mich mit Sicherheit auslachen.
    „Ich-“ „Es war meine Schuld“, fiel Zelda mir ins Wort. Verwirrt starrte ich sie an. „Er hat mir dabei geholfen etwas Schweres durch die Gegend zu schleppen, aber ich war nicht stark genug und dann ist es genau auf seinen Fuß gekracht.“


    Überrascht ließ ich meinen Blick immer wieder von ihr zu meinem Onkel hin- und herschweifen. Sie konnte wirklich verdammt überzeugend sein. Statt einer Antwort kam von meinem Onkel einfach nur ein „Hm“. „Es tut mir Leid, Herr…“ „Tom. .Nenn’ mich bitte einfach nur Tom.“ Zelda nickte und gab zu verstehen, dass sie verstanden hatte, während sie sich auf ihrem Sitz zurückfallen ließ.



    Eine Stunde lang saßen wie Drei bereits im Wartebereich des Krankenhauses und mit jeder weiteren Minute könnte ich wie ein Irrer laut aufschreien. Hier waren Menschen mit einem Wehwehchen am Finger, die früher dran kamen als ich.
    „Was dauert denn das so lange?“, fragte mein Onkel, der offenbar langsam auch an mangelnder Geduld litt. „Ich gehe mal fragen“, sagte er, stand auf und verschwand. Das war die perfekte Gelegenheit, um kurz alleine mit Zelda zu reden. Ich beugte mich vorsichtig zu ihr rüber und versuchte so leise zu sein, dass kein Fremder uns verstehen konnte.
    „Warum hast du nicht die Geschichte mit dem Baumhaus erzählt?“
    Eine bescheuerte Frage, aber sie brannte mir auf der Zunge.
    „Ganz einfach“, begann sie mit ihrer Erklärung, „wenn du von irgendwo heruntergefallen wärst, dann wäre dein Knochen sicher nur durchgebrochen. Aber du hast erzählt, ein Stein ist auf deinen Fuß gekracht. Der Knochen könnte zertrümmert sein und weil der Arzt dich mit Sicherheit röntgen wird, wird er uns die Baumhausgeschichte nicht abkaufen. Dass etwas Schweres auf deinen Fuß gefallen ist, ist weitaus glaubwürdiger und entspricht mehr oder weniger der Wahrheit.“
    Verblüfft starrte ich sie an. Über die Art von Bruch hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Sie dachte wirklich an alles. „Du bist klasse“, flüsterte ich ihr begeistert zu. Sofort wurde sie leicht rot und drehte sich von mir weg. „Ach was. Tut doch nichts zur Sache.“ „Und wie das was zur Sache tut“, kam es von mir. Innerlich musste ich unaufhörlich grinsen.


    Nach einiger Zeit kam mein Onkel schließlich wieder. Er hatte sich nun etwas entspannt, vermutlich gab es gute Neuigkeiten. Als er langsam auf uns zuging, musterte ich ihn gründlich. Immerhin hatte er sich etwas Ordentliches angezogen. Zu Hause lief er immer mit einer schlabberigen Hose und einem weiten Oberteil herum, seine Haare standen ständig unordentlich in alle möglichen Richtungen ab. Aber heute hatte er sich für eine Jeanshose und ein hellblaues Polo-Shirt entschieden. Sogar passende Schuhe trug er. Schwarze Turnschuhe, die nicht auffällig waren und an ihm sogar ganz gut aussahen. Selbst seine schwarzen Haare hatte er sich gekämmt! Wirklich sehr beeindruckend, auch wenn es seltsam für mich war ihn so zu sehen. In seinen blauen Augen lag etwas besorgtes, etwas, das ich in seinem Blick noch nie gesehen hatte. „Komm, wir sind dran“, sagte er und hielt mir seine Hand hin, um mir hoch helfen zu können. Dankbar nahm ich seine Hilfe entgegen. Sofort sprang auch Zelda auf und begann damit mich zu stützen.


    „Tja, Ihr Fuß ist schon beinahe komplett hinüber“, erzählte mir der Arzt, während er meine Röntgenaufnahme betrachtete. Ein unwohles Gefühl machte sich in meinem Bauch breit. Hoffentlich ging das Ganze gut aus, ich brauchte meinen Fuß schließlich noch. „Ich weiß nicht, ob die Knochen jemals wieder komplett verheilen können“, fuhr er mit seinen Erklärungen fort. „Ich werde Ihnen zunächst ein Gipsverband um Ihren Fuß binden und ein paar starke Schmerzmittel verschreiben. Nehmen Sie diese bitte nur ein Mal pro Tag ein, andernfalls können unschöne Nebenwirkungen auftreten.“
    Der Arzt nahm sich einen Zettel hervor und schrieb die Medikamente auf, anschließend übergab er mir das Rezept. Ich schaute einmal kurz darauf, ehe ich es meinem Onkel in die Hand drückte. Ich macht mir gar nicht erst die Mühe auch nur zu versuchen die Schrift zu entziffern, die Sauklaue eines Arztes war einfach unlesbar. Ich warf einen unsicheren Blick zwischen Zelda und meinem Onkel hin und her, starrte dann schließlich den Arzt an. Das war der mit Abstand beschissenste Tag seit die ganze Sache mit den Träumen begonnen hatte.