Legend of Kartia

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    • Legend of Kartia


      In Japan wurde das Strategie-Rollenspiel aus dem Hause Atlus (in Europa von Konami vertrieben) unter dem Namen Rebus im März 1998 vertrieben, in Amerika kam es im August 1998 unter dem Namen Kartia: The Word of Fate und bei uns schließlich im Dezember 1999 unter dem Namen The Legend of Kartia auf der PlayStation heraus.

      Der Clou an dem Spiel war, dass sich die Geschichte praktisch in zwei Teile aufspaltet. 18 Kapitel im Toxa Classico-Szenario und 18 Kapitel im Lacryma Christi-Szenario – beide Szenarien bieten einen eigenen Hauptcharakter und generell einen individuellen Cast, wobei sich die Story an vielen Stellen überschneidet.



      Grundgeschichte dreht sich um die mächtigen Kartia: Karten, welche dazu in der Lage sind dem Menschen jeglichen Herzenswunsch zu erfüllen. Angefangen bei der fruchtbaren Erde auf der man Früchte und Gemüse anbauen kann, bis hin zu dem köstlichen Wein mit dem man am Abend seine Kehle befeuchten könnte. Doch so harmonisch die Welt von Rebus über unzählige Jahre mit diesem Luxus auch war, die Natur der Menschen sickerte mehr und mehr durch und schon bald werden die Kartia dazu missbraucht mächtige Waffen und sogar Monster zu erschaffen – nun liegt die einst friedvolle Welt in einem Trümmerhaufen des Krieges.

      Das Spiel ist sozusagen das Kind von Cozy Okada (auch unter dem Namen Okada Kōji bekannt), welcher die Shin Megami Tensei-Reihe ins Leben gerufen hat und zu den Gründern von Atlus gehört, sowie Amano Yoshitaka – welchen hier einige sicherlich als Künstler und Charakter-Designer der Final Fantasy-Reihe kennen.

      Kennt jemand dieses Spiel?

      Das Spiel habe ich als Erstes auf einer Demo kennengelernt, doch vor allem das Design von Yoshitaka und meiner schon damaligen großen Liebe für Final Fantasy haben ich dazu bewogen, das ich mir die Vollversion gewünscht und auch bekommen haben – und je mehr ich dieses Spiel gespielt habe, umso glücklicher war ich über die Entscheidung es mir zu wünschen!

      Kartia ist eine SRPG-Perle und ist; meines Wissens nach; leider an sehr vielen (Genre)Fans vorbei gegangen. Zumindest sehe ich das Spiel nie in Listen, Favoriten und die meisten Leute denen ich darüber erzählt habe, konnten mit dem Titel nichts anfangen. Vielleicht, habe ich ja hier Glück!

      Das Spiel hat eine sehr eigenartige Weise um die Geschichte voran zu treiben, denn was wir in diesem Game bekommen, mutet fast schon an einen interaktiven Film an. Der Aufbau der einzelnen Schlachten bzw. Kapitel ist sehr einfach zu erklären: Man schaut sich eine sehr texthaltige Sequenz an, welche den Plot voran treibt und wird dann auch schon in den nächsten Kampf geschmissen. Außerhalb dieser Kämpfe gibt es kein „Gameplay“, denn alles was du erlebst ist Punkt genau vorherbestimmt. Demnach gibt es keine Städte zu erkunden, Gegenstände aus dem Haus von Dorfbewohner A zu stehlen oder so etwas wie eine Weltkarte. Alles was geschieht; mit Ausnahme der Kämpfe; lässt dich lediglich ein Beobachter sein.

      Umso wichtiger ist, dass diese zwei Elemente gut umgesetzt sind und ich für meinen Geschmack empfand sie als extrem gut umgesetzt:

      Fangen wir bei der Geschichte an. Diese versucht nun gar nicht mit cleveren Twists um sich zu werfen, schafft es aber dennoch eine spannende Handlung an den Spieler heranzutragen. Zum einen liegt es gewiss auch daran, dass die schriftsprachliche Ausführung sehr schön ist, aber vor allem kann man es auch den vielschichtigen Charakteren zuschreiben, deren Ängste und Träume immer im Fokus stehen, während das Drumherum sich nach und nach weiterentwickelt. Obwohl man hier praktisch nur Text-Form hat und niemals wirklich in die Haut einer Persönlichkeit schlüpft (man steuert sie schließlich nicht) hat man am Ende einen extrem starken Cast mit vielen außergewöhnlichen Individuen. Hier kann man gar keine getrennte Kritik geben, denn die Story lebt von den Charakteren und beide Seiten der Geschichte bieten eine völlig eigene Perspektive für den Spieler. Die Toxa Classico-Szenarien wirken weitaus weichherziger und rosiger, doch in LAcryma Christi wird es dann durchweg düster. Ein schöner Kontrast um eine Vielseitigkeit der Welt, ihrer Menschen und auch des Krieges zu zeigen. Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten.

      Speziell zu den Charakteren möchte ich auch noch mal sagen, dass selbst Nebencharaktere mit genug Inhalt bedacht werden und keine Rollen wirken als wären sie nur ein sinnloser Platzhalter oder ein Instrument um bestimmte Geschichtspunkte voran zu bringen. Es ist schwer sich nicht mit einigen der Persönlichkeiten zu identifizieren und mit ihnen mitzufühlen.

      Hier sie aber gesagt: Man sollte die Geschichte wirklich erst bewerten, wenn man BEIDE Seiten gespielt hat, sonst fühlt sich das Ganze nicht komplett an und man merkt sehr deutlich, dass man nicht alle Aspekte kennt, die man kennen müsste. Irgendwo muss aber ja auch der Anreiz sein sich mit beiden Strängen zu befassen und demnach war es für meine Seite vollkommen in Ordnung.

      Was das Gameplay angeht, hat man es hier mit einem simplen Strategie-RPG zu tun, welches aber dank dem Karten-System einen netten Twist hat. Monster, Magie und sogar Rüstungen: Alles wird durch das verbinden verschiedener Kartia (bzw. die Worte auf den Kartia) bestimmt und dies ist auch der Weg zum Sieg. Man muss manche Kartia auch erst in Schatztruhen auf dem Feld oder von menschlichen Gegnern erhalten, sodass man im Fortlauf des Spiels immer mehr Kreationen erschaffen kann. Das Spiel ist; was den Schwierigkeitsgrad angeht; nicht sonderlich anspruchsvoll, macht durch das einzigartige System aber dennoch irgendwie Spaß. Wer nun also ein hardcore-Strategie-Spezialist ist, dem würde ich nicht empfehlen sich hier eine Herausforderung zu suchen, als Anfänger (und vor allem als ich es zum ersten Mal gespielt habe, auch noch ein Kind) war es aber ein für mich angenehmer Schwierigkeitsgrad.

      Wer ein wenig Herausforderung möchte, der kann sich an der Arena versuchen. Diese dient dazu um neue Kartia zu erhalten, sind aber schwerer als die regulären Kämpfe und können nur am Ende jedes Kapitels gespielt werden. Außerdem gibt es wohl noch einen Zwei-Spieler-Modus – diesen konnte ich leider nicht ausprobieren, aber soweit ich weiß, konnte man hier seine Charaktergruppe von der Memory-Card laden und gegeneinander antreten. Hier dürften dann aber sicherlich auch die Strategen auf ihre Kosten kommen.

      Was die Grafik des Spiels ausmacht, sind definitiv die außergewöhnlichen Artworks bzw. Designs von Amano. Hier wurde auch sehr viel Sorgfalt an den Tag gelegt – was aber auch wichtig ist. Da das Spiel so geschwängert an Text ist, wäre es ziemlich schade, wenn man mit halbgaren Charakter-Portraits abgespeist werden würde. In dieser Hinsicht war das Spiel ein Augenschmaus. Wenn es jedoch um den Rest geht, dann ist das Game im Vergleich eher schwach. Leider scheint es nur eine niedrige Anzahl an Polygonen zu geben und die Texturen sind stark limitiert, sodass es an vielen Stellen an Details fehlt. Das Designs der einzelnen Maps ist zwar ganz nett, aber Alles in Allem kann man es nicht mit seinem Genre-Konkurrenten wie Final Fantasy Tactics vergleichen, auch wenn die Kampffelder in Legend of Kartia dafür größer sind, was auch einen Vorteil bietet und die Einschnitte für mich dahingehend vertretbar gemacht hat. Dafür sahen einige Magie-Sprüche ziemlich gut aus und haben mich staunen lassen! Insbesondere später im Verlauf des Spiels, wo Zauber schier wirken als würde man die Tore zur Hölle öffnen.

      Tatsächlich kann ich mich kaum an ein spezifisches Stück erinnern, wenn ich von dem Stück aus der Opening-Sequenz absehe. Demnach würde ich den OST nicht unbedingt als besonders Positiv herauskristallisieren – und jetzt auch spontan, beim Durchklicken auf Youtube kann ich nichts finden, was mir irgendwie im Ohr geblieben ist. Es ist offensichtlich nicht schrecklich und soweit ich es beurteilen kann, hatte es auch eine relativ hohe Variation… aber ich erinnere mich eben nicht wirklich daran. Ach, hätten sie doch noch Uematsu-san ins Boot geholt.

      Trotz der Schwächen kann ich sagen: Es ist wirklich ein tolles Spiel und auch wenn die Konkurrenz mit Fire Emblem-Titeln oder eben auch den Final Fantasy Tactics-Ablegern sehr stark ist, so wird Legend of Kartia für mich immer ein ganz besonderen Platz (ganz weit oben) in diesem Genre einnehmen und jeder der SRPGs mag, der sollte vielleicht mal einen Blick riskieren – auch wenn man eben Obacht geben sollte: Das Spiel fühlt sich teilweise an wie ein Besuch im Kino, hat aber auch eine starke Geschichte.