Hateno-Festival

  • "Gut, vielen Dank, Sandro!"

    Ist es eigentlich normal, dass Schilde so leicht abgeschwächt werden? Kamui konnte nicht gerade sagen, dass er Ahnung von Magie hatte, trotzdem: Beim Kampf bewegte man sich halt, da schien es dem Orni arg ungeschickt sein, dass die Kugeln nur genau dann am effektivsten schützen, wenn man gar nichts machte. Aber egal: Jetzt habe ich den Plan schon vorgetragen. Jetzt rumzunörgeln, dass ich mir von seinen Fähigkeiten mehr erwartet hätte, wäre auch unfair... Obwohl, bevor ich hier blutend auf dem Boden liege und mir ein Felsen den Rest liege, wäre ein voll funktionsfähiger Schild natürlich hilfreich.


    Kamui zog sein Schwert, dann nickte er Zoltan zu. "Bereit?"
    Felsraubschleime können sehr anstrengend sein, besonders, wenn man allein ist... Wenn es seine Schwachstelle zeigt, muss alles schnell gehen. Ich will mich nicht zu lange hier aufhalten!

  • So richtig wusste Zoltan nicht, was er von dem heraufbeschworenen Schild halten sollte. Zwar war er Sandro für den zusätzlichen Schutz dankbar, doch ihm widerstrebte der Gedanke, die Schutzsphäre „ihren Job machen“ zu lassen, wenn der Raubschleim ihn unter Beschuss nahm. Am sichersten wäre es wohl, sich auf sein eigenes Geschick zu verlassen und dem Steinschlag auszuweichen.


    Probehalber ging er einen Schritt vor, einen zurück und zur Seite. Die schimmernde Sphäre bewegte sich mit ihm, geriet dabei jedoch ein wenig ins Flackern. Er drückte vorsichtig seine Hand dagegen und spürte Widerstand. So weit, so gut.


    Kamui signalisierte ihm, dass er bereit war. Der Orni hielt sich an der linken Seite des Tunnels, Zoltan an der Rechten, und so schritten sie langsam voran. Ihr schleimiger Widersacher bemerkte nun, dass sich Eindringlinge näherten und rumorte bedrohlich. Im nächsten Moment spie das Ungetüm tatsächlich einen Steinsbrocken von beachtlicher Größe aus. Er flog ein paar Meter weit, krachte zu Boden und rollte mit ziemlicher Geschwindigkeit durch die Mitte des Tunnels - der erste Angriff des Monsters ging schonmal daneben. Es zuckte herum und wandte sich nun direkt zu der Seite des Ganges, die Kamui beschritt. Das nächste Geschoss kam und der Orni wich aus. Der Felsen prallte gegen den Rand seines Schutzschildes, das durch den Schlag verblasste. Also war auf den Zauber zumindest etwas Verlass - beeindruckend.


    Zoltan nutzte die Gelegenheit, auf seiner Seite des Tunnels voranzueilen. Nach nur einigen großen Schritten stand er nah genug an dem Felsschleim, um ihn mit dem am Stock befestigten Schild zu ködern. Triumphierend hielt er der Kreatur die Konstruktion entgegen.


    Hallo, mein Hübscher!, machte er das Monster auf sich aufmerksam, und es wandte sich zu ihm.

    Ob du es glaubst oder nicht, ich komme in Frieden. Ich habe dir sogar etwas zum Mittagessen gebracht... das schiebe ich dir nun in dein hässliches Maul und dann...Gaaaaah!


    Das Biest schnappte so plötzlich nach dem Schild, dass Zoltan fluchend zurückweichen musste, das Gleichgewicht verlor und ungebremst auf sein Steißbein fiel. Der jähe, lähmende Schmerz ließ ihn aufkeuchen. Verdammt! Gab es eine unvorteilhaftere Stelle, auf der man bei einem Sturz landen konnte? Unfähig sich zu rühren starrte er auf den Felsschleim, der sich über ihm wand. Durch die schnellen Bewegungen hatte sein Schildzauber sich flackernd verabschiedet, und nun war er dem Monster schutzlos ausgeliefert, das blubbernd einen weiteren Felsbrocken heraufzuwürgen schien.


    Das war es dann wohl. Nur wenige Tage, nachdem er eine tödliche Pfeilwunde überlebt hatte, würde er nun in einer Höhle von einem Stein erschlagen werden. Was für eine lausige Art, Anya und Gustl für Ihre Bemühungen, ihn wieder aufzupäppeln, zu danken. Vielleicht würden sie trotzdem zu seiner Beerdigung kommen. Das wäre nett, denn sonst hatte er keine Freunde oder Angehörigen, die ihm die letzte Ehre erweisen könnten... gäbe es überhaupt eine Beerdigung, oder würde der Rest seiner Gruppe seine zerschundenen Überreste einfach hier liegen lassen? Bestimmt, denn wenn sich die Theorie mit den Binomischen Monstern bewahrheiten sollte, hätten sie andere Sorgen, als seinen Leichnam respektvoll zurück ans Tageslicht zu schaffen...


    So schloss Zoltan also bereits mit seinem bewegten Leben ab, als die Dinge sich zum positiven wandten: Anstatt einen großen Steinsbrocken auf ihn zu speien, stülpte das Monster etwas leuchtendes und pulsierendes aus seinem Schlund hervor. Das war die Schwachstelle, von der Kamui gesprochen hatte!


    Da er selbst es sich unfreiwillig auf dem Boden bequem gemacht hatte und Kamui sich irgendwo hinter ihm an der anderen Tunnelseite befand, hatte Kotari mit seinem Bogen nun freie Schussbahn.

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    (My Chemical Romance - The End)

    2 Mal editiert, zuletzt von Vincent Delacroix ()

  • Kotari 18


    Kotari war kein Krieger, weshalb er einerseits für Sandros Schildmagie und andererseits für den Abstand, den ihm seine Waffe bot, dankbar war. Dennoch war er sicher genug mit dem Bogen, dass er zuversichtlich war, dem Monster den Garaus machen zu können, sobald er den Schwachpunkt offenbarte, von dem Kamui gesprochen hatte.


    Nachdem Sandro seinen Schildzauber angewendet hatte, sah Kotari dabei zu, wie sich Kamui und John dem Monster näherten. Kotari spannte seinen Bogen und richtete seine Aufmerksamkeit auf das Monster, das an der Decke hing.


    John hielt erneut sein Schildkonstrukt in die Höhe und versuchte damit, die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich zu ziehen. Dies gelang besser als gedacht und Kotari sah zu, wie es blitzartig nach der Konstruktion schnappte und John dabei so überraschte, dass er ins Taumeln geriet und rücklings hinüberfiel. Für eine Sekunde war Kotari erschrocken und wollte rasch zu den anderen blicken, ob jemand nahe genug war, um ihrem Verbündeten zu helfen. Doch er besann sich auf sein Ziel und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis der Raubschleim... Etwas hinaufwürgte. Kotari zögerte nicht lange und schoss seinen Pfeil direkt in das rötlich pulsierende Zentrum.


    Das schien dem Monster gar nicht zu gefallen: Mit einem schmerzerfüllten Geräusch fiel es gelähmt zu Boden. Erst da sah Kotari, wie groß der Raubschleim eigentlich war - so groß, dass er ihnen praktischerweise sogar etwas näher kam. Sogleich sprang Kamui hervor und hieb mit seinem Schwert auf das leuchtende Zungenherz ein, das noch immer aus dem bewegungslos daliegenden Raubschleimschlund ragte. Da Kotari keine nennenswerte Nahkampfwaffe besaß, steckte er schnell seinen Bogen ein lief auf John zu, um diesem aufzuhelfen. Er zog den ächzenden Hylianer hoch, der ihm dankend zunickte und sich dann ebenfalls auf das Monster stürzte.


    Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, einen Pfeil in das Getümmel zu... ah, nicht notwendig.


    Der Schleim versuchte noch, sich wieder an die Decke zurückzuziehen, aber gegen Kamuis und Johns Angriffe war er machtlos. Er wand sich und würgte etwas hervor, ehe er nach wenigen Augenblicken reglos liegen blieb und die zuvor pulsierende Kugel zu Stein erstarrte.

  • Sandro war aufgeregt. Er hielt sich hinter den anderen verborgen und schaute gespannt zu. Parallel blieb er jedoch stets wachsam. Alle verließen sich auf ihn und legten ihre Gesundheit in seine Hände. Es gab jedoch zwei Sachen, die er den anderen verschwiegen hatte. Erstens, die schwächsten Punkte sind nicht die Schilder, der schwächste Punkt ist er. Sobald sich ein Trauma in ihm löst, konnte er für nichts garantieren. Dies war auch der Punkt, warum sie sich nicht bewegen sollten, wenn sie direkt angegriffen werden. Beim Angriff auf seine Eltern waren diese hektisch hin und her gerannt, immer bemüht darum, die Familie nicht zu verlieren, aber auch selbst keinem Angriff zum Opfer zu fallen. Je weniger ihn an sein Trauma erinnert, desto unwahrscheinlicher, dass er nachgab.

    Der zweite Punkt war die Tatsache, dass seine Schildzauber nicht bloß Kugelform haben können. Diese Form war zwar weitaus schwerer, doch wenn es hart auf hart käme, wäre er in der Lage eine Schildbarriere zu erschaffen.

    Mit diesem Wissen begann ihr Angriff. Der Anblick des Felsmonsters führte bei ihm zu weniger Panik als erwartet. Vielleicht weil er nicht alleine war, vielleicht weil der Raubschleim nicht wie ein Bokblin aussah.

    Ein Stein rollte auf John zu. Der erste Härtetest. Und das Schild hielt. Als John jedoch hinten überkippte, hielt selbst der beste Schildzauber nicht. Sandro war angespannt ohne Ende. Er wusste, John würde sich nicht noch mal auf den Schild verlassen. Deswegen hielt er die Barriere bereit, und würde den Schleim bei der kleinsten Aktion vom Rest trennen. Zum Glück ging der Rest gut vonstatten. Kotari schoss seinen Pfeil, der Schleim spürte Schwerter und war sehr schnell tot. Sandros Schildzauber hatten gehalten, was sie halten konnten. Einen solchen Sturz durchsteht kein Schild der Welt. Doch das Wichtigste war, Sandro hatte gehalten.

  • [Hateno-Festival #10]


    Jetzt wusste M, dass sie eine mutige und einfallsreiche Gruppe von Abenteurern für ihre Expedition in die Tiefen der Höhle versammelt hatte. Eine Begegnung mit einem Felsraubschleim konnte gefährlich werden, doch mit geschicktem Zusammenspiel und einer cleveren Taktik hatte die Truppe das Scharmützel für sich entschieden.


    Mit ihrem Dolch hätte sie im Notfall eingreifen können, doch insgeheim war sie erleichtert, dass sie im Schutz des Schildes bleiben und die Szene nur beobachten durfte. Ihre eigenen Kampfkünste waren dürftig, das wusste sie nur zu gut. Stattdessen hatte sie die Zusammenarbeit ihrer Kameraden bewundert – und war ihnen dankbar. Dennoch blieb ihr Dank unausgesprochen, verborgen hinter der Mauer ihrer Zurückhaltung.

    Sandro war aufgeregt – sie hatte es an seiner Stimme und der Anspannung seines Körpers bemerkt. Als sie ihm auf die Schulter klopfte und an ihm vorbeiging, hoffte sie, dass ihr stilles Lob ankam. Bei Nathan hatte die Nervosität einen ganz anderen Grund, aber sie konnte ihn noch gar nicht deuten.


    Der neue Raum der Höhle öffnete sich vor ihr, kühler und dunkler. Direkt vor ihnen lag eine merkwürdige Kugel, die aus dem Schlund des besiegten Monsters gerollt war. Sie wirkte wie ein gewöhnlicher Stein, doch durch die tiefen Furchen im Gestein schimmerte ein grünlicher, kristallisierter Kern. M beugte sich näher, unsicher, ob es sich um etwas Wertvolles oder Gefährliches handeln mochte, weswegen sie dem Gegenstand keine Beachtung mehr schenkte.

    Stattdessen trat sie zu den Ranken, die sich wie dürre Finger emporstreckten und in einem dunklen Durchgang verschwanden, den sie von hier aus nur schemenhaft erkennen konnte. Vorsichtig zog sie an einer der Ranken. Sie fühlte sich trocken und spröde an, doch trotz ihres zerbrechlichen Aussehens hielt sie dem Zerren stand. »Ein alter Mann wird wohl kaum da hochklettern…«, murmelte sie nachdenklich, während ihr Blick zum anderen Gang glitt, dessen Schwärze so undurchdringlich war, dass es sie frösteln ließ. »Vielleicht ist der Weg dadurch sicherer?«, fügte sie hinzu, mehr zu sich selbst als zur Gruppe.


    Verlegen drehte sie sich zu dem kleinen Trupp um und räusperte sich. »Oder wollt ihr erst mal eine Pause einlegen?« Schließlich hatten die anderen die ganze Arbeit gemacht. Und nur, weil sie unbedingt das Geheimnis aufdecken wollte – ein Geheimnis, das vielleicht nichts weiter als ein Hirngespinst war – durfte sie nicht egoistisch sein. Rücksichtnahme, das war doch der Kern davon, gemeinsam zu reisen, oder? Sie atmete tief durch und zwang sich, den Drang, weiterzugehen, für einen Moment zu unterdrücken. Die Gruppe war wichtiger.

  • Nach einem kurzen Kampf kam Kamui keuchend zum Stehen. Das ging ja überraschend leicht... Aber wir hatten ja den Vorteil, in einer Gruppe zu sein.


    Sein Blick wandte sich zu M. Nachdem sie Sandro auf die Schulter geklopft hatte, fiel ihr Interesse auf den Raubschleim-Stein, den der Gegner hinterlassen hatte. Kamui wollte ihr die Einsatzmöglichkeiten des Objekts schon erklären- doch dann wandte sie ihr Interesse zu den Ranken und fing an, sich laut zu wundern, ob die Zielperson wirklich dort hochgeklettern sein konnte.


    Kamui seufzte. Fängt das schon wieder an... Haben wir uns nicht schon vorher die Köpfe darüber zerbrochen, welche Route der alte Mann genommen hat beziehungsweise, wie er die Monster dann wieder aus der Höhle rausbekommen will? Ich hoffe wirklich, dass es mehrere Wege zu seinem Aufenthaltspunkt gibt, denn die Alternative, dass M uns über den Tisch ziehen könnte, gefällt mir gar nicht...


    Als M vorschlug, dass die Gruppe eine Pause machen sollte, warf der Orni seinen Mitreisenden prüfende Blicke zu, dann meinte er: "Wenn es nach mir ginge, können wir gerne hier noch bleiben. Keiner von uns scheint ja zu wissen, wie lange wir noch unterwegs sind..."

    Sollte M den Seitenhieb verstanden haben, zeigte sie es nicht.

    "Außerdem würde ich mir gerne noch den Raubschleim-Stein da drüben anschauen. Dieses Teil kann man im Bestfall gut zu Medizin verarbeiten, und ich will schauen, ob es noch zu etwas nütze ist..."

  • Eine Pause war Zoltans Meinung nach eher kontraproduktiv, denn sie schienen nach den anfänglichen Diskussionen endlich einen Lauf zu haben und voranzukommen. Doch der Vorschlag wurde wohlwollend angenommen, und er sah keinen Zweck darin, als einziger zu widersprechen. Immerhin könnte er die Zeit nutzen, um Nathan auf den Zahn zu fühlen, nur gab es da ein Problem: Nathan war gar nicht mehr da.


    War er aus der Höhle und runter nach Hateno geeilt und schlug jetzt gerade Alarm, dass fünf Leute, darunter ein Kind aus dem Dorf, in Schwierigkeiten steckten? Eine Meute aufgebrachter, besorgter Dorfbewohner hätte ihm jetzt gerade noch gefehlt. Mal davon abgesehen dass sie genug Lärm veranstalten würden, um jeden aufzuscheuchen, der sich irgendwo in dieser Höhle versteckt halten mochte würden sie sicher darauf bestehen, dass zumindest M von hier verschwand, wenn die vier Fremden sich schon in eine eventuell gefährliche Situation begeben wollten.


    Es wäre sogar ganz vernünftig, denn wenn tatsächlich noch bedrohlicheres als der Felsschleim auf sie wartete, könnte das Mädchen im Kampf nicht viel ausrichten. Dennoch: Auch wenn ihr Wissen über die Vorgänge in diesen Höhlen bereits erschöpft war - so viel stand mittlerweile fest - so war es immerhin mehr, als er und die drei Orni zusammen besaßen.


    Seine Bedenken schien allerdings niemand zu teilen, denn die anderen Mitglieder der Gruppe waren mehr oder weniger mit anderen Dingen beschäftigt. Kotari und Sandro standen etwas abseits und unterhielen sich leise, Kamui hantierte mit dem Klumpen, den der Schleim hinterlassen hatte, und M selbst stand vor dem weiterführenden Gang und starrte hinein.


    Weil es sonst nichts sinnvolles zu tun gab, trat er zu ihr und dachte selbst darüber nach, was als nächstes geschehen sollte. Der Weg vor ihnen war von so totaler Finsternis erfüllt, dass es schon unnatürlich wirkte. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch dadurch, dass das Licht der Fackel, das ihnen bis hierher gut gedient hatte, kaum mehr als ein paar kurze Schritte weit in den Tunnel reichte.

    Ich glaube, dieser Weg ist tatsächlich der richtige, teilte er M seine Gedanken mit.

    Aber das heißt natürlich nicht, dass er weniger gefährlich ist. Es ist so stockduster, da könnten alle möglichen Fallen auf uns warten, und wir würden nicht einmal sehen, wo sich ihre Auslöser befinden... ich glaube nämlich nicht, dass unser Freund viel Wert auf unangemeldeten Besuch legt.

    Was sollten sie also tun? Auf dem Boden herumrutschen und sich vorarbeiten, indem sie nach und nach einen Umkreis von wenigen Zentimetern nach Verdächtigen Steinen oder Drähten absuchen? Damit wären sie vermutlich Tage beschäftigt. So besessen war er dann auch wieder nicht davon, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen.


    Während er überlegte, bemerkte er etwas. Als er vorhin die Höhle betreten hatte, war ihm sogleich der intensive, erdige Geruch in die Nase gestiegen, der einer Höhle nunmal eigen war, doch seine Nase hatte sich nach einigen Minuten daran gewöhnt und ihn nicht mehr wahrgenommen. Umso mehr fiel ihm jetzt ein neuer Geruch auf, der aus dem Gang vor ihnen zu kommen schien. Wenn ihn nicht alles täuschte, war das...

    Öl, murmelte er. Er wandte sich an seine Begleiter.

    Riecht ihr das auch? Dieser Gang ist voller Öl. Solche Mengen, dass es kaum zu ignorieren ist. Ich glaube, wir haben unsere Falle.

    Eine clevere Idee. Ihr unbekannter Widersacher schien sich darauf zu verlassen, dass jemand mit einer Fackel den Tunnel betrat und diese, um in der Dunkelheit nicht zu stolpern, möglichst nah an den Boden hielt. Und dann, ohne Vorwarnung, würde dieser Jemand selbst zur Fackel werden.

    Wir können dort nicht mit einer entzündlichen Lichtquelle rein, sonst... Er vollführte mit den Händen in der Luft eine Geste, die eine Explosion andeuten sollte.

    Leider wüsste ich nicht, womit wir sonst Licht machen sollten, es sei denn... Er wandte sich an Sandro.

    Du hast nicht zufällig einen solchen Zaubertrick auf Lager, oder?

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  • Puh, diese Pause kam Sandro gerade recht, da er echt vollkommen am Ende war. In den letzten 24 Stunden war so viel passiert, dass er körperlich, aber vor allem emotional völlig ausgelaugt war. Er wurde ohne Vorwarnung bei sich zu Hause angegriffen, musste alles hinter sich lassen, ist mehrere Stunden lang einen Berg heruntergeglitten. Er ist in einer Höhle eingeschlafen, nur um von ein paar Psychopathen geweckt zu werden, die im Nachhinein doch keine Psychopathen, sondern eigentlich ganz nett waren. Sie hatten ein wildes Monster erlegt und er hat eine wichtige Rolle gespielt.


    Als John nun ihr Problem erläuterte, war Sandro wieder hellwach. Ja, das ist in der Tat ein Problem. Der Gang ist zu schmal, als dass Kotari oder Kamui drin fliegen könnten. Der erste Ansatz scheint jetzt das Öl anzuzünden, aber das ist zu gefährlich. Wenn in es hier irgendwo enger wird, besteht in der Tat die Gefahr einer Explosion und selbst wenn nicht, wird unser Ziel doch garantiert wissen wollen, wenn wir ankommen. Ich tippe auf eine Schnur, die im Falle der Entzündung durchbrennt und ihn warnt. Aber das Ganze hat auch eine gute Seite. Wenn hier Fallen sind, dann sind wir auf dem richtigen Weg.


    Sandro beherrschte in der Tat einen Lichtzauber. Im Vergleich zu der Hexe, bei der er trainierte, war seiner zwar mickrig, doch hierfür müsste es reichen und langsam ließ er aus seiner Hand ein schädelgroßes Werlicht hervorsteigen.

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  • [Hateno #11]


    M zog die Augenbrauen hoch. Erst jetzt, während der Diskussion um das Öl, bemerkte sie, dass die Gruppe um eine Person geschrumpft war – Nathan war verschwunden. Sofort geriet ihr Vertrauen ins Wanken: Was, wenn der alte Mann zu ihm gehörte, sie ausspioniert wurden und Nathan nun durch einen geheimen Gang Vorsprung erlangte, um eine Warnung auszusprechen?


    Die Pause, die sie selbst vorgeschlagen hatte, schien ihr plötzlich keine gute Idee mehr zu sein. Sie nickte zögerlich. »Wenn hier bereits Fallen auf uns warten, sollten wir besser keine weitere Zeit verlieren«, sagte sie, spürbar verunsichert, weil der Plan ursprünglich von ihr stammte. »Aber wir dürfen nicht unvorsichtig werden, nur weil wir glauben, zu wissen, was uns erwartet … Es könnte noch mehr Gefahren geben.«


    Sie ließ ihren Blick durch die Runde wandern. »Seid ihr alle bereit?«

  • Während sich seine Kameraden in eine Diskussion über Öl, Fallen und Lichtquellen verstrickten, machte sich Kamui daran, den Raubschleim-Stein zu untersuchen.


    Nach einer kurzen Untersuchung kam er zu dem Schluss, dass es noch heil genug wäre, um zu Medizin verarbeitet zu werden. Ich kann ja in einem ruhigen Moment ein paar Experimente machen, in welchem Fall es noch am effektivsten wäre. Nur... Er lies seinen Blick schweifen. Ich sehe hier keinen Kochtoch, mit dem ich sie anstellen könnte. Vielleicht hat ja der alte Mann einen, aber ich glaube, selbst wenn wir nicht das Öl benutzen, um ihn in die Luft zu jagen, wird er wohl nicht daran interessiert daran sein, ihn mir zu leihen...


    Beinahe hätte er aufgelacht, als ihm die Absurdität der Situation einfiehl. Irgendein Schurke will vielleicht Hyrule zerstören und ich denke erst einmal an seine Küche... Er warf M einen Blick zu. Einerseits ist ihr die Sache ja wichtig genug, dass sie uns zusammentrommelt. Andererseits ist es schwer, sich für ihre Mission zu begeistern, wenn sie so verschlossen ist...


    Während Kamui den Raubschleim-Stein bei sich verstaute, ergriff M bereits das Wort und sprach davon, dass die Gruppe vorsichtig sein sollte, auch, wenn sie glaubte, zu wissen, was kommt, und fragte schließlich, ob sie bereit waren, weiterzugehen.

    Nach einigen Sekunden nickte Kamui. "Ich wäre auf jeden Fall so weit! Und mach dir keine Sorgen wegen den Gefahren..." Soll ich passiv-aggressiv witzeln, dass die einzige Person, die mehr wissen könnte, ja keine große Hilfe ist und sich lieber zurückhält? ...Besser nicht. Wenn ich zu fies bin, verschließt M sich bestimmt ganz.

    Stattdessen versuchte er es lieber diplomatisch. "Ich bezweifle, dass ich zumindest übermutig sein werde. Leider muss ich sagen, dass ich nicht wirklich etwas über dieses Höhlensystem weiß, denn ich bin hier auch zum ersten Mal. M, wenn dir zufällig noch ein paar Informationen zu den Räumen einfallen, die noch vor uns liegen könnten, wäre es wirklich nett, wenn du sie mit uns teilen könntest! Es ist leichter, vorauszuplanen, wenn wir mehr als Vermutungen haben, was denn vor uns liegen könnte!"

    Besonders, da wir ja nur anhand von dem planen können, was direkt vor unseren Augen liegt...


    Er warf noch kurz einen Blick zu seinen anderen Gruppenmitgliedern- und bemerkte, dass Nathan fehlte. Schon wieder jemand verschwunden... Irgendwie passiert hier seit Stunden nur das gleiche!

    "Aber wenn von euch keine Einsprüche kommen, können wir gerne weitergehen!"

  • Kotari 19


    Offenbar doch keine Pause. Aber sie haben Recht, wir sollten nicht länger als unbedingt notwendig hier bleiben, dachte Kotari, während er dabei zusah, wie Kamui den Stein, den der Raubschleim zurückgelassen hatte, verstaute, wahrscheinlich, um daraus Medizin herzustellen.


    Die Höhle war ihm immer ungeheurer - nicht nur wegen der Fallen. Er war es nicht gewohnt, sich so lange an einem engen Raum aufzuhalten. Seit sie die Höhle betreten hatten, war kein Raum groß genug gewesen, dass er hätte die Flügel ausbreiten können. Das verunsicherte ihn und er fragte sich, ob sich Kamui und Sandro genauso fühlten.


    Deshalb nickte er zustimmend in Richtung Kamui. "Ich denke auch, dass wir weitergehen sollten."

    Da von den anderen kein Widerspruch kam und von Nathan jede Spur fehlte, ging er vorsichtig auf den Gang zu, vor dem bereits M und John standen. Er blickte über Ms Schulter hinein, konnte jedoch nicht vel erkennen, da es stockduster war. Der Gedanke, in einen finsteren Gang voller Öl zu laufen, gefiel ihm absolut nicht - was, wenn der alte Mann nur darauf wartete, dass sie hineingingen, und dann ein Feuer entzündete? Bei dem Gedanken erschauderte der Orni und seine Federn stellten sich auf.


    "In dem Gang sind wir Gegnern hilflos ausgeliefert. Selbst wenn wir Sandros Licht benutzen, reicht nur ein Funke aus, um alles in Flammen zu setzen", sprach er seine Gedanken aus. "Vielleicht sollten wir doch den anderen Weg versuchen." Er blickte zu den Ranken. "Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass der alte Mann dort hochgeklettert ist..." Irgendwie ergibt keiner der Wege einen Sinn.


    Er dachte nach. "Kannst du das Licht ein wenig vorausschicken, damit wir sehen, was uns in der Höhle erwartet?", wandte er sich an Sandro. "Mir behagt der Gedanke nicht, da einfach hineinzuspazieren. Oder wie seht ihr das?", fragte er, an niemand Speziellen gerichtet.

  • Auf Gefahren vorbereitet sein... das war ein guter Punkt. Zoltan ärgerte sich über sich selbst. Zwar hatte er das vor ihnen liegende Hindernis erkannt und es konnte eine simple Lösung gefunden werden, aber Kotari zeigte eine Eventualität auf, wie sich das Blatt doch noch gegen die Truppe wenden konnte.


    Es war ärgerlich weil er nicht zum ersten Mal glaubte, einer Situation gewachsen und einem Gegenspieler einen Schritt voraus zu sein - und dabei irgendeine mögliche Konsequenz nicht berücksichtigte. Heute mochte er Leute an seiner Seite haben, die seine Überlegungen weitersponnen, aber irgendwann würde ihm sein Übermut noch zum Verhängnis werden, wenn er nicht an seinem taktischen Geschick arbeitete. Wenn er vorhatte sich für eine Weile in Hateno niederzulassen, könnte er vielleicht damit anfangen Schach zu spielen. Dann hätte er sogar mal ein sinnvolles Hobby außer irgendwelche Tresen zu belagern und Unholde zu Hackfleisch zu verarbeiten.

    Schön, wäre das also schon einmal geklärt. Ich gehe unter die Brettspieler. Einer meiner besseren Pläne für die nahe Zukunft..


    Er nahm seine Feldflasche zur Hand und genehmigte sich einen großzügigen Schluck. Die Höflichkeit, jemandem etwas anzubieten, konnte er sich dabei ersparen. Er war sich ziemlich sicher, dass Orni mit Schnaps nicht viel anfangen konnten, und M war ganz offensichtlich zu jung zum trinken. Aber auf ihn hatte es die gewohnt wohltuende Wirkung. Apropos wohltuend...


    Wie konnte es sein, dass er nach seinem Sturz auf das Steißbein vorhin so schnell wieder auf die Beine gekommen war? Normalerweise war der Schmerz an der betroffenen Stelle so arg, dass zumindest für eine Weile nicht daran zu denken war, sich wieder aufzurichten, als wäre nichts gewesen. Und diesen Schmerz hatte er beim Aufprall auch gespürt... doch er zog sich innerhalb weniger Sekunden wieder zurück. Hatte es etwas damit zu tun, dass dieser Krog seine Heilmagie auf ihn angewandt hatte? Steckte noch etwas davon in ihm, genug, um kleinere Verletzungen zu mildern? Vielleicht hätte er bei ihrer nächsten Verschnaufpause einen stillen Moment für sich, um das zu erproben.


    Genug geträumt. Er richtete seine volle Konzentration wieder auf die Gruppe und den vor ihnen liegenden Weg.

    Kotari hat Recht. Selbst wenn am anderen Ende niemand darauf wartet, uns in den Flammen zu rösten, könnte irgendwo in dem Gang noch etwas sein, das ein Feuer auslöst. Das magische Licht da scheint mehr zu bewirken als der Fackelschein. Wenn es tatsächlich irgendwie vorausschweben könnte...


    Er nahm sein Schwert vom Gürtel und blickte zu Sandro.

    Wieder einmal dein Einsatz. Geh mit deinem Licht voran, wir bleiben dicht hinter dir. Sollte irgendwas oder irgendwer versuchen dich zu attackieren, ist die Kavallerie zur Stelle.


    Er zeigte ein Grinsen, und es gelang dadurch, dass ihm tatsächlich danach zumute war. Der Gedanke, dass er sich hier in der Höhle endlich mal an einem richtigen Gegner abarbeiten könnte, erfüllte ihn mit Vorfreude. Aber irgendetwas sagte ihm, dass er sich noch ein wenig gedulden musste.

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    (My Chemical Romance - The End)

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  • Das dürfte tendenziell kein Problem sein, solange das Licht in Sichtweite bleibt. Sandro besah sich ihre Gruppe. Zwei Orni, einer ein Schwertkämpfer und Monsterexperte, einer ein Bogenschütze. Mit Orni hatte er aufgrund seiner Geschichte ja tendenziell ein Problem, aber diese beiden sind sehr sympathisch und verständnisvoll. John war zwar etwas ruppig, aber äußerst zielorientiert, eine Eigenschaft, die Sandro sehr zu schätzen wusste. Nur auf diese M wusste er sich keinen Reim zu machen. Sie war wahrscheinlich jünger als er, aber führte die Gruppe an, obwohl allen klar war, dass sie etwas verheimlichte. Und zu dem Neuankömmling …

    Moment wo ist Nathan.


    Leute, wo ist Nathan? Es kann uns zwar eigentlich egal sein, aber mir gefällt der Gedanke nicht, dass er uns ausspioniert hat und jetzt hinrennt, wo auch wir hinwollen und dort Alarm schlägt.

  • [Hateno #12]


    M schüttelte den Kopf. »Selbst wenn er vorgelaufen ist … dann müssen wir eben schneller sein«, sagte sie entschlossen. Gleichzeitig ärgerte sie sich, dass ihr erst so spät aufgefallen war, dass Nathan sich aus dem Staub gemacht hatte. Ursprünglich hatte sie ihn nicht als Gefahr eingestuft, doch nun nagte sein Verschwinden an ihr. Was, wenn er sie direkt in eine Falle manövriert hatte – oder schlimmer noch, dem alten Mann die Flucht ermöglichte bevor sie bei ihm ankamen?


    Nachdenklich fügte sie hinzu: »Falls es tatsächlich einen zweiten Eingang in diese Höhle gibt, muss Nathan das Gewölbe erst einmal verlassen und dorthin gelange … und ihr habt die anderen Wege gesehen. Keiner von denen ist ein Spaziergang!«


    Mit einem entschlossenen Blick wandte sie sich an Sandro und legte ihm die Hand auf das Gefieder. »Ich weiß, ich habe euch alle hier reingezogen, und jetzt lastet eine Menge Druck auf dir – aber wir haben keine Zeit zu verlieren!« Ob Sandro von ihrer Entschlossenheit mitgerissen wurde oder selbst den nötigen Willen aufbrachte, konnte sie nicht sagen. Doch sie zog ihn regelrecht mit sich in den dunklen Gang.


    Unter ihren Stiefeln fühlte sich der ölige Boden unangenehm glitschig an. Sie musste aufpassen, nicht auszurutschen.


    Plopp.

    Plopp.


    Im ersten Moment dachte M, das Öl sei auch an die Decke der Höhle geschmiert. Doch als eine zähe Substanz auf ihre Schulter tropfte, verzog sie angewidert das Gesicht und wischte sie schnell ab. Es fühlte sich kein bisschen wie Öl an. Es war dickflüssig, glibberig und hinterließ ein unangenehm klebriges Gefühl an ihren Fingern.


    »Schleime …«, murmelte sie leise, bis sie plötzlich die Augen vor Schreck aufriss. »Schleime!«, wiederholte sie diesmal lauter. Ihr Blick wanderte zur Höhlendecke, und was sie in dem schummrigen Licht Sandros ausmachen konnte, gefiel ihr gar nicht. Der Boden war nicht nur mit Öl bedeckt – an der Decke hingen Dutzende ruhende Schleime, die nur darauf zu warten schienen, herunterzutropfen.


    Schleime gab es in allen möglichen Farben und Formen. Manche hatte sie friedlich durch Wiesen und Wälder rollen sehen. Doch eine bestimmte Spezies kam ihr in den Sinn – eine gefährliche Art, deren Membran Feuer fing, sobald sie sich bedroht fühlte… Feuer-Schleim.

  • Während Kamui direkt hinter M und Sandro durch den Gang lief, fragte er sich, ob er vielleicht doch nicht etwas nachdrücklicher sein sollen. Ich sollte mir echt da etwas überlegen... Auf meine Einladung, mehr zu sagen, ist sie nicht eingegangen, tut stattdessen so, als ob nichts wäre. Vielleicht sollte ich sie in einem ruhigen Moment mal zur Seite ziehen und fragen, warum sie so wenig mit uns teilt! Es kann ja nicht sein, dass sie uns warnt, dass wir unsere Fähigkeiten leicht überschätzen können, wenn wir glauben, zu wissen, was kommt, und uns dann fast schon in solche Situationen bringt...


    Kamui taumelte erschrocken zurück, als er feststellte, dass er beinahe in M reingerannt wäre, die irgendetwas von Schleimen redete. Verwirrt folgte er ihrem Blick- und stellte fest, dass ein paar von ihnen an der Decke hingen.

    "Och, nee... Tatsache!"

    Die Schleime hingen weit genug an der Decke, dass er nur anfangs schwer sagen konnte, was es für Schleime waren. Doch dann zuckte er zusammen.
    "Sandro... Wirken deine Schutzkugeln auch gegen Feuer? Ich bin mir nicht ganz sicher, aber das da oben könnten Feuer-Schleime sein. Und sollten sie runterfallen, müssten wir schnell sein, um sie zu erledigen, denn wenn nicht... Du kannst es dir ja denken!"

    Sicherheitshalber zog Kamui schon sein Schwert. "Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es vielleicht durch den Gang, ohne, dass sie uns als Bedrohung sehen!"

  • Kotari 20


    Kotari widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen. Eigentlich hatte er mit seinem Argument, der Gang voller Öl sei gefährlich, damit nicht gemeint, dass sie einfach hineinspazieren sollten. Das war auch der Grund, weshalb er noch vor dem Tunnel stand und zusah, wie seine Gefährten einer nach dem anderen hineinstiefelten - nur Sandro sah mehr oder weniger gezwungen aus, so wie M an ihm zerrte. Der grüne Orni seufzte, denn er wusste, dass ihm keine Wahl blieb. Ihm fielen nicht viele Dinge ein, die er jetzt weniger gerne tun würde als mit den anderen durch eine Höhle voller Öl zu waten, aber alleine durch eine Höhle voll Öl zu waten gehörte sicherlich dazu.


    Gerade setzte er dazu an, den anderen zu folgen, da sah er, wie M plötzlich stocksteif stehen blieb, sodass Kamui beinahe ihn sie hineingelaufen wäre. Im faden Schein von Sandros Licht sah Kotari ihren angewiderten Gesichtsausdruck, während sie den Blick nach oben richtete und entsetzt "Schleime!" schrie. Auch Kamui blickte erschrocken hinauf und seine nächsten Worte ließen Kotaris Blut gefrieren.

    "Das da oben könnten Feuer-Schleime sein." Er sagte noch etwas anderes, aber dieser Satz war alles, was Kotari registrierte.


    Das könnten Feuer-Schleime sein.


    Feuer-Schleime.


    In einem Gang voll Öl.


    Mit einem für seine Verhältnisse doch eher untypischen Fluch machte Kotari zwei Schritte vorwärts, bedacht darauf, das Öl nicht zu berühren, während er sich in den Gang hineinlehnte und die Decke in Augenschein nahm. Es war zu dunkel, um genaue Details auszumachen, aber Kotari war sich sicher, dass zumindest einige der Schleime in der Dunkelheit verdächtig rötlich schimmerten...


    Kotari zögerte nicht lange und griff nach seinem Bogen, während er einen Pfeil aus seinem Köder zog. Er war vielleicht kein Monsterexperte wie Kamui, aber er wusste von seinen Reisen, dass Feuer-Schleime empfindlich auf Eis reagierten - so sehr, dass ihr Element sofort aufgehoben wurde, wenn sie mit Eis in Berührung kamen.


    Wie gut, dass sich in Kotaris Köcher auch Eispfeile befanden.

  • Eispfeile also. Die gute Vorbereitung des Orni war lobenswert, aber wenn sie es aus diesem Gang schaffen wollten, bevor die Schleime - insbesondere die brennenden - in Aufruhr gerieten, bliebe für Kotari kaum Zeit, viele davon zu nutzen.

    Spar sie dir lieber für den Notfall. Da hängen auch ein paar richtig große von diesen Dingern, die wirklich gefährlich werden können, wenn sie platzen...

    Er nickte der Gruppe zu.

    Machen wir einfach so schnell voran, wie es nur geht. Geht schnell, aber nicht zu schnell. Wenn jemand von uns ausrutscht, werden die Übrigen keine Zeit haben, umzukehren und ihm aufzuhelfen, bevor...

    Was mit einem zurückfallenden Gefährten dann geschehen würde, wenn unmittelbar ein Feuer ausbrach, brauchte er nicht auszusprechen. Sie hatten es hier mit einer Gefahr zu tun, bei der sich jeder selbst der Nächste sein musste, um es heil ans andere Ende des Tunnels zu schaffen. Es gehörte zum kämpfen leider nunmal auch dazu, dass man nicht immer den Helden spielen konnte und Verluste hinnehmen musste.


    Seine Begleiter schienen seine Worte zur Kenntnis zu nehmen. Ihre Blicke schienen jedoch zu fragen: Und du? Nimmst du einen tapferen Tod in Kauf, wenn du es bist, der zurückfällt? Oder vergisst du dann deine großen Worte und flehst um Rettung?


    Um ehrlich zu sein, wollte er nicht darüber nachdenken. In diesem Falle hätte Kotari vielleicht einen Gnadenschuss für ihn, damit er nicht langsam und qualvoll in den Flammen verenden musste. Vielleicht war er aber auch der einzige hier, der vom Allerschlimmsten ausging und der Rest fragte sich, was dieser arme Irre durchlitten hatte, dass er überall Tod und Verderben sah. Das wollt ihr nicht wissen.


    Okay. Setzen wir uns in Bewegung. Viel Glück! Er ging vorwärts in den Laufschritt und konnte hören, dass seine Kameraden es ihm gleichtaten. Sie kamen gut voran, auch wenn der Boden wirklich sehr glitschig vom Öl war und das ein oder andere abrutschen zur Seite sich nicht vermeiden ließ. Nun kam auch Leben in die Schleime an der Decke, und einige ließen sich vor Zoltan zu Boden fallen. Zum Glück nur die harmlose Variante.

    Platz da, fauchte er den wabbelnden Kreaturen entgegen und verlieh seiner Forderung Nachdruck, indem er im Lauf sein Schwert umherschwang, um die lästigen Dinger zu beseitigen. Das war eine ziemliche Schweinerei, aber sie zu umgehen wäre in dieser Eilsituation zu umständlich. Und: Er machte den Weg für seine knapp hinter ihm laufenden Komplizen frei, sodass Sandro sich auf seinen Lichtzauber konzentrieren konnte. Dieser Teil des Plans funktionierte trotz aller Hast. Gut.


    Das rettende Ende des Tunnels kam bald schon in Sicht. Er vernahm zwischendurch das Zischen von Kotaris Eispfeilen, wagte aber nicht, sich umzudrehen. Er musste sich zu sehr darauf konzentrieren, Schritt zu halten und nicht die Balance zu verlieren.


    Dann, als er das Ende fast erreicht hatte, geschah doch noch etwas. Er hörte ein Tosen, spürte Hitze in seinem Rücken und wurde mit voller Wucht nach vorn aus dem Gang hinausgeschleudert. Etwas war schiefgelaufen. Er knallte auf den Boden und spürte mehr als dass er hörte, wie seine vier Begleiter links und rechts von ihm ebenfalls unsanft aufschlugen.


    Aus dem Tunnel - der jetzt ein brüllendes Inferno war - hatten sie es geschafft, wenn auch nicht so unversehrt, wie sie es sich vorgestellt hatten. Sein Hemdsärmel war am Ellenbogen fast gänzlich abgerissen, und die Knie seine Hose waren ebenfalls aufgescheuert. Und er troff vor Schleim. Doch er schien unverletzt. Zum wegwerfen ist das noch zu schade, kam ihm ein alter Hausfrauenspruch in den Sinn und ließ ihn kurz aufkichern. Hatten die anderen Mitglieder der Truppe genauso viel Glück gehabt? Er blickte sich um und sah, wie sie sich ächzend und benommen aufzurappeln versuchten. Im hellen Schein des Feuers sahen sie wie er selbst zwar recht mitgenommen, aber nicht arg verletzt aus.

    If you look in the mirror and don't like what you see

    You can find out first-hand what it's like to be me.


    (My Chemical Romance - The End)

    5 Mal editiert, zuletzt von Vincent Delacroix ()

  • [Hateno #13]


    M fühlte sich erschüttert. Alles war so plötzlich geschehen. Die sengende Hitze der Schleime und das glitschige Öl hatten den Durchgang in die übel riechenden Eingeweide eines Biests verwandelt. Es war, als wäre sie im Magen von Lord Jabu-Jabu gefangen – und die Erfahrung würde sich wohl kaum unterscheiden.


    »Sind alle in Ordnung?“ Ihre Stimme klang rau, während ihre Augen vor Tränen brannten – die Hitze und der Qualm der kleinen Explosion stiegen in die Luft und reizten sie. Das gespenstische Knistern der Flammen hallte von den Höhlenwänden wider, während das feuchte Schmatzen der zerlaufenden Schleime die Stille durchbrach. Vielleicht lebten einige von ihnen noch; erkennen konnte M es nicht.

    Der Rauch füllte den Raum und machte es schwer, selbst die nächste Gestalt – sei es ein Mann oder ein Orni – auszumachen. Der Boden mochte trocken und aus totem Stein sein, doch sie wollte kein Risiko eingehen. Wer wusste schon, ob sich die Flammen nicht doch weiterfraßen?


    Während sich die restliche Gruppe noch sammelte, presste M den Stoff ihres Capes vor Mund und Nase, um den Rauch wenigstens etwas zu filtern. Mit zusammengekniffenen Augen ließ sie den Blick schweifen – sie waren ihrem Ziel näher, so viel stand fest. An den Wänden zeichneten sich fremdartige Symbole und Worte ab, deren Bedeutung ihr entging. Doch es blieb keine Zeit, sie zu analysieren. Falls noch alle unversehrt waren, mussten sie so schnell wie möglich verschwinden – bevor das Chaos sie verschlang.


    Diesmal gab es nur einen einzigen Weg. Ein langer Gang erstreckte sich vor ihnen, und überall fanden sich Hinweise darauf, dass sie dem Alten dicht auf den Fersen waren. Erloschene Fackeln hingen an den Wänden. Der verrückte, alte Mann könnte jederzeit hinter der nächsten Ecke auf sie warten.

  • Nachdem Kamui von den Feuermassen umgeworfen wurde und ein paar Meter über den Boden rollte, dauerte es ein paar Sekunden, bis er sich wieder gefangen hatte. Was fürn Scheißdreck... Und ich dachte, wir hätten es gerade noch sicher herausgeschafft!

    Langsam richtete er sich wieder auf, während sein Kopf anfing, zu pochen- und zuckte zusammen, als er bemerkte, dass sich der Raum mit Rauch füllte. "Och nee... M, ich schwöre, wenn wir hier rauskommen...“, begann er, ohne den Satz zu beenden, denn durch den Rauch wurde es imer schwerer, sich umzusehen.


    Panisch sah er sich um, dann fiel sein Blick auf den langen Gang ein paar Meter entfernt, der noch vor ihnen lag. "Leute, seht ihr das?", rief er, während er noch nie so schnell auf den Beinen wie in diesem Moment war.

    Ohne zu zögern, stolperte er in Richtung des Auswegs und schrie über die Schulter: „Folgt einfach meiner Stimme! Ich hoffe, dass wir dort in Sicherheit sein werden!“ Wenn jemand stürzt, kann ich ja immer noch zurückrennen...

  • Kotari 21


    Kotari gab sich Mühe, nicht zu stolpern, während er Kamui - oder eher Kamuis dumpfer Stimme - hinterher taumelte. Immerhin ist der Boden hier weniger glitschig, dachte er. Kein Öl und keine Schleime hinderten sie am Vorankommen. In seinen Ohren klang noch immer das Geräusch der Explosion nach und er war nicht sicher, wie er es von dem anderen Ende des Ganges - an dem er eben noch gestanden hatte - hierher geschafft hatte. Es war, als wäre diese Erinnerung vollständig aus seinem Gedächtnis gelöscht und er fragte sich, ob er vielleicht kurz das Bewusstsein verloren hatte.


    Der Orni versuchte, einen Blick zurückzuwerfen, doch es war schwer, etwas zu erkennen. Er konnte Schemen ausmachen, doch für mehr reichte es nicht aus. Der Rauch hing schwer in der Luft und er spürte bereits den Reiz in seinen Augen. Schnell blinzelte er die Tränen weg und richtete den Blick wieder nach vorne, hoffend, dass die anderen dicht hinter oder vor ihm waren. Immerhin konnten sie sich nicht verlaufen: Es gab nur einen einzigen Tunnel vor ihnen und der Weg nach hinten war voll Rauch und Flammen.


    Je weiter sie vorankamen, desto besser wurde die Sicht. Die Flammen hinter ihnen boten ein wenig Licht und Kotari erkannte neben erloschenen Fackeln merkwürdige Symbole an den Wänden, die er nicht deuten konnte. Er fragte sich, ob Kamui sie lesen konnte, doch der Forscher schien sie nicht bemerkt zu haben oder ignorierte sie, während er fluchend voranstapfte. Kotari konnte es ihm nicht verübeln; auch er wollte lieber früher als später hier hinaus.

    Nun konnte er auch seine anderen Gefährten besser erkennen. Erleichtert stellte er fest, dass alle es einigermaßen heil aus dem Gang geschafft hatten. Johns Kleidung war ziemlich lädiert, doch der Hylianer selbst schien weitestgehend unverletzt. Auch M sah etwas mitgenommen aus, genauso wie die beiden anderen Orni. Ihre Kleidung war etwas angesengt und sie alle troffen vor Schleim. Kotari war sicher, dass er nicht besser aussah.


    Er blickte wieder nach vorn und sah, dass Kamui stehengeblieben war. Vor ihnen endete der Gang in eine simple Tür. Kotari überlegte, nach Geräuschen dahinter zu lauschen, doch verwarf den Gedanken rasch wieder - das Klingen in seinen Ohren ließ glücklicherweise zwar langsam nach, aber er hatte noch immer Mühe, Kamuis dumpfe Stimme auch nur annähernd zu verstehen. Er neigte prüfend den Kopf von einer Seite zur anderen, was natürlich keinerlei Besserung brachte.


    Als sich alle vor der Tür versammelt hatten, warf er einen fragenden Blick in die Runde. Und jetzt?