"Zelda goes genderqueer" oder "Die Sache mit den Geschlechtern"

    • "Zelda goes genderqueer" oder "Die Sache mit den Geschlechtern"

      Hi,

      weil mich ein paar Beiträge im UF "Ocarina of Time" (Lieblingscharas) an eine bestimmte Zelda-Situation meiner Jugend erinnerten, mache ich dazu mal einen Thread auf. Dort wurde Shiek thematisiert und was mir auffiel war, dass er/sie sehr unterschiedlich wahrgenommen wird in Bezug auf seine/ihre Geschlechtsidentität. Er/Sie bildet diesbezüglich keine Ausnahme in Zelda-Spielen, weil es auch andere Charaktere/Situationen gibt, die nicht dem klassischem Rollenbild entsprechen.

      Nichtsdestotrotz ist Shiek mir persönlich speziell in Erinnerung geblieben, vielleicht weil es das erste mal war dass ich innerhalb eines Spiels mit dem Thema "Sexuelle Orientierung & Geschlechterrollen" konfrontiert wurde. Wenn Link die Tempellieder lernt, wenn sich der Blickkontakt zwischen Shiek und ihm mit jedem Lied zu verändern schien und die wechselnden Perspektiven irgendwie doppeldeutiger wurden. Spätestens beim Wassertempel hatte Teenie-Ursa ein riesengroßes Fragezeichen mit den Worten "Sind die zwei jetzt schwul, oder was?" im Kopf (im Sinne von "Hä?"). Später im Spiel erfolgte zwar die Auflösung rund um das Mysterium Shiek ... allerdings ändert es nichts an der Tatsache, dass vorher bestimmte Stilmittel bewusst eingesetzt wurden um eine gewisse Doppeldeutigkeit/Kontroverse entstehen zu lassen (was nicht nur bei Shiek der Fall so war, sondern öfter vorkommt in Zelda Spielen). Ich persönlich finde das super spannend.

      Wenn man jetzt schon früh einen Spleen für Animes, Mangas oder Games wie Zelda entwickelt, dann stößt man relativ bald und sogar häufig auf derlei "Gender-Themen". Das hat den einfachen Grund, dass es in dem Genre m.M. nach nichts ungewöhnliches ist. Die Reaktionen darauf fallen wahrscheinlich sehr unterschiedlich aus, je nach Alter, persönlicher Einstellung/Erfahrung etc. Vielleicht geht es sogar unbemerkt an einem vorüber oder wird komplett anders interpretiert? Wenn ich "Gender-Thema" schreibe meine ich u.a.: Frauen die sich in Männer verwandeln (wirklich verwandeln) oder umgekehrt, geschlechtertypische oder geschlechteruntypische Charaktere, tlw. extrem idealisierte Körperdarstellungen (z.B. übergroße Brüste oder aufgepumpte Muskelberge), klischeehafte Rollenverteilung vs. offene Geschlechterrollen usw. Alles schon gesehen in Zelda und diversen Anime-Serien die Nachmittags im Kinderprogramm laufen.

      Das Thema bietet (finde ich) extrem viel Diskussionsmaterial. Da ich es aber bewusst ins Zelda-UF gepflanzt habe, würde ich gerne bei Zelda-Charakteren/Situationen bleiben . Welche Zelda-Charaktere oder Situationen passen für euch zu diesem großen "Gender-Thema" und warum? Wie war/ist es für euch mit diesen Themen in den Spielen konfrontiert zu werden?

      Vielleicht haben ja ein paar Leute Bock drauf etwas zu schreiben. :)

      Viele Grüße,
      Ursa (aka Dr. Sommer-Team *muahaha* ;) )
    • Uh, das ist ja für mich als studierte Sozialwissenschaftler, die in ihrer Ausbildung viel zu "Gender Studies" gemacht hat, genau das richtige Thema. :D (Tatsächlich hab ich sogar meine Abschlussarbeit in einem ähnlichen Gebiet geschrieben; wobei es da aber ausschließlich um die Darstellung von klar ersichtlich weiblichen Figuren ging und ich mich auch nicht mit Zelda, sondern "Final Fantasy X" beschäftigt habe.)

      Allerdings muss ich gestehen, dass ich im Zusammenhang mit Zelda noch nie auf die Idee gekommen bin, mich mit einem solchen Thema zu beschäftigen. Zwar bringt die Serie einige schräge Charaktere hervor, die auch aus sozialwissenschaftlicher Perspektive interessant sind (Tingle z.B.), aber queere Figuren oder Charaktere, die mit Geschlechterrollen bzw. den daran geknüpften Erwartungen spielen, fallen mir so spontan nicht ein. Da sind andere Spielreihen deutlicher (Ich muss da z.B. An einen Charakter aus "Fire Emblem - Awakening" denken, der aussieht wie eine Frau, klingt wie eine Frau und auch von allen anderen im Team für eine Frau gehalten wird, in Wirklichkeit aber ein Mann ist. Das führt zu einigen interessanten Gesprächen innerhalb des Teams.)

      Als erstes möchte ich auf Shiek eingehen, der/die ausschlaggebend für Eröffnung dieses Threads war und für mich die einzige Zelda-Figur ist, die für mich zum Thema "queer" passt.
      Bis heute können Fans und auch Nintendo selbst sich nicht einigen, ob Shiek nun männlich oder weiblich ist (In einem SmashBros-Teil steht, sofern ich mich richtig erinnere, sie sei die verkleidete Zelda, im Manga sieht es so aus als hätte Zelda sich mit Hilfe von Shiekah-Magie tatsächlich in einen Jungen transformiert (wobei sie dort nicht ganz konsequent sind und es später so aussieht als würde Link Zelda erkennen, bloß weil Shiek den Geschtsschutz verliert).). Allerdings spielt das eigentlich auch gar keine große Rolle, denn wie @Ursa schon so wunderbar angeführt hat, ist das wirklich Interessante, was eine "undefinierte"/sich nicht den Geschlechterklischees zuzuordnende Figur mit den Spielern und deren Erwartungen macht.
      An dieser Stelle muss ich jedoch gestehen, dass mir, als ich OoT zum ersten Mal gespielt habe, nie etwas Merkwürdiges an Shiek oder seinem/ihrem Verhältnis zu Link aufgefallen ist - auch später nicht. Zumindest nicht bewusst. Dass ich in meine OoT-Geschichte trotzdem so etwas wie homoerotisches Knistern zwischen Link und Shiek und die daraus resultierende Verwirrung Links über seine eigenen Gefühle, eingebaut habe, spricht aber wohl dafür, dass ich unterbewusst wohl doch so etwas in der Art wahrgenommen habe.
      Allerdings sind die Spielereien mit Geschlechterrollen(-erwartungen) bei Shiek sehr subtil gemacht, was aber auch wohl der damaligen Grafik zuzuschreiben ist, wo Mimik und vor allem daran ablesbare Emotionen noch sehr schwer darstellbar waren. Ich müsste bei Gelegenheit nochmal das 3DS-Remake spielen, ob es dort deutlicher ist.
      Das irgendwie Frustrierende an Shiek ist allerdings die Auflösung seiner/ihrer Identität: Jahre lang hat sich Zelda als Shiek (als Mann) wunderbar alleine durchgeschlagen. Sie hat sich frei im von Ganindorfs Schergen besetzten Land bewegen können, was voraussetzt, dass sie entweder gut kämpfen kann oder sehr geschickt darin ist, sich vor Gegnern zu verbergen - egal was, die Quintessenz ist: Zelda alias Shiek kann gut auf sich alleine aufpassen. Und nicht nur das: Sie hilft dem Herrn der Zeiten immer wieder mit Informationen und den Liedern weiter. Ohne Shiek/Zelda wäre Link im Erwachsenenabschnitt von OoT ganz schön aufgeschmissen und ahnungslosen. In gewisser Weise ist Shiek dadurch, in ihrem/seinem Wissen immer einen Schritt voraus zu sein, Link überlegen. Und wenn man sich jetzt noch überlegt, dass sie/er auch ohne heiliges Master Sword gut zurecht kommt, wäre zumindest die Überlegung, ob Shiek Link auch im Kampf besiegen könnte, nicht ganz abwegig. Und dann zeigt diese mächtige, unabhängige, vermeintlich männliche Figur ihr echtes weibliches Gesicht und mutiert innerhalb von Sekunden zur wehrlosen, zu rettenden Jungfrau in Nöten. Das regt mich immer noch auf! Und noch dazu ist diese Rückkehr zur klassischen Geschlechterrolle eine Ohrfeige an die Räume zur möglichen Geschlechterpluralität, die Shiek zuvor eröffnet hat. Im Grunde ist die Figur Shiek/Zelda damit kein Botschafter für Geschlechteridentitäten außerhalb der läufig Klischees, sondern ein Zementierer der gängigen Stereotype. Ganz überspitzt und zynisch könnte man die Wirkung der Identitätsoffenbarungsszene und der folgenden Situationen, in denen Link Zelda retten muss, wie folgt zusammenfassen: Egal, wie unabhängig und stark sich eine Frau geben mag, am Ende bleibt sie ein schwaches Objekt, das den Schutz eines Mannes bedarf.
      Ganz ähnlich verhält es sich mit Terra aus "Wind Waker", die sich bei Offenbarung ihrer wahren Identität von einer starken, unabhängigen, weiblichen Führungspersönlichkeit zur langweiligen, klassischen "Damsel in Distress" verwandelt...
      (Zu Shiek und Terra bzw. ihrer möglichen feministischen Wirkung gibt es übrigens einen interessanten Beitrag in "The Legend of Zelda and Philosophy - I link therefore I am".)

      Ansonsten fallen mir zu diesem Thema noch die Gerudos ein, die bei genauerer Betrachtung aber auch eher enttäuschen, was die Eröffnung neuer Geschlechterräume angeht: starke, kompetente Kriegerinnen, die aber - natürlich - einem Mann folgen (OoT) oder an kaum etwas anderes denken können als daran, wie sie sich einen Vooi angeln und diesen dann bekochen können (BotW). Lediglich die Gerudo-Piraten aus "Majora's Mask" scheinen tatsächlich völlig selbstbestimmt zu sein, was eine nette Abwechslung ist. Dass diese Gerudo im Gegensatz zu jenen aus anderen Spielen durch die Bank negativ und geldgierig dargestellt werden, passt allerdings schon wieder ins Geschlechterklischee.

      Ansonsten fällt mir noch Links cross-dressing-Szene aus "Breath of the Wild" sowie der Verkäufer der Gerudo-Kleider ein.
      Letzterer ist tatsächlich recht interessant. Auf den ersten Blick sieht es zwar so aus als hätte er sich in die Gerudo-Stadt geschlichen, um die Gerudo zu begaffen, aber dass er Link - von dem er ja weiß, dass dieser ein Mann ist - nach dem Umkleiden ein ziemlich deutliches Angebot macht, bricht mit diesem ersten Eindruck und öffnet zumindest Spekulationsraum dafür, ob hier eine transgender-Figur gezeigt wird, deren sexuelle Orientierung ebenfalls auf transsexuelle Männer ausgerichtet ist, weswegen ihn die Gerudo mit ihren muskelbepackten Körpern faszinieren, auch wenn sie durch große Brüste und vor allem ihre krass ausladenden Hüften gleichzeitig hyperfeminin sind.

      Links cross-dressing-Szene selbst erinnert mich an eine ganz ähnliche Szene aus "Final Fantasy VII", wo Cloud sich ebenfalls als Frau verkleiden muss, um Zugang zur Villa eines Zuhälters/Mafioso (?) zu bekommen und dort Tifa zu retten. Deswegen fällt es mir schwer, diese Idee Zelda zuzuschreiben, wo sie ganz ähnlich schon in einem anderen, deutlich älteren Spiel vorkam und dort sogar interessanter war. Ich meine, dass sich die Gerudo, die ja selbst totale Muskelberge sind, nicht über Links zwar schmalen, aber nichtsdestotrotz kräftigen Körperbau wundern, ist nicht weiter überraschend. Aber dass der cross-dressende Cloud, der eine ähnliche Statur wie Link hat, zwischen Tifa (Miss Boobs) und Aerith von einem anderen Mann zur hübschesten Frau des Abends gewählt wird (bzw. gewählt werden kann; kommt auf die Items an, die man zum Verkleiden gesammelt hat), ist schon interessant.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Zelda zeigt in meinen Augen schon Ansätze, mit Geschlechterklischees zu spielen, verwirft diese aber sehr häufig zu Gunsten klassischer Geschlechterrollen. Da sind andere Spiele/Spielreihen weiter und offener. Allerdings zeigt BotW sich diesbezüglich schon aufgeschlossener als frühere Zelda-Teile, was mich neugierig darauf macht, wie die Serie zukünftig mit derlei Themen umgehen wird.
    • Ich sehe es weit pragmatischer. Zelda wurde in einer Zeit geschaffen, als Transgendering noch nicht ernsthaft wahrgenommen wurde, crossdressing und eben Männer die sich als Frauen anziehen und umgekehrt wurde damals noch als humoristische Einlage gesehen - ist mir schon aus vielen Spielen in Erinnerung, wo eben Crossdresser als comedic reliefs und nicht als Kritik an der Gesellschaft gesehen wurden.
      Im Speziellen bei Sheik denke ich eher, dass die Intention war, eine Pointe zu erzeugen, nämlich, dass Sheik in Wahrheit Zelda ist (zumindest in den Games), daher war es zumindest ein Stück weit nötig, auch ihre (seine) Geschlechterrolle zu ändern. Diese sexuelle Spannung zwischen den Beiden ist eher so ein Mulan Effekt - Frau gibt sich als Mann aus aber tief drinnen weiß der andere schon Bescheid und verliebt sich in die Frau hinter der Fassade. So einfach, wie genial, dieses Thema wurde übrigens in so vielen anderen Filmen und Spielne aufgegriffen, dass ich es nicht einmal als Novum oder besonders Herausragend ansehen würde, dass Zelda sich damit auseinandersetzt - selbst in den 90ern. Ich weiß jetzt nicht im speziellen, wie Bigot Japaner so sind, habe aber das Gefühl, dass sie sich nicht an Homosexuellen oder Transgender stören, va da in deren Popkultur, grad im Visual Kai doch auch oft zu beobachten ist, wie sich Männer gern bewusst feminin geben - auch beim Cosplay sehr beliebt und die dazugehörigen Erotika, die ja auch nicht unbeliebt sein dürften, sonst gäbs sie ja nicht, zeigen das ja auch auf, dass selbst hinter verschlossenen Türen, wo anscheinend alles, was irgendwie mit Sex zu tun hat in Japan, auch Platz für sowas ist.

      Also diese Auseinandersetzung ist in den Zelda Spielen definitiv da, hat aber meiner Meinung nach keinen sozialkritischen Aspekt sondern wird eher light hearted behandelt und die Auseinandersetzung damit hat weder Zelda erfunden noch besonders forciert. Ich müsste zwar Recherchieren aber ich habe da schon einige NES und SNES Spiele im Hinterkopf, wo Crossdressing oÄ thematisiert wurde.
      Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

      #49: Piston Honda

      "Now I'm gonna pay you back, Banzai!"
    • Megaolf schrieb:

      Ich sehe es weit pragmatischer. Zelda wurde in einer Zeit geschaffen, als Transgendering noch nicht ernsthaft wahrgenommen wurde, crossdressing und eben Männer die sich als Frauen anziehen und umgekehrt wurde damals noch als humoristische Einlage gesehen - ist mir schon aus vielen Spielen in Erinnerung, wo eben Crossdresser als comedic reliefs und nicht als Kritik an der Gesellschaft gesehen wurden.

      Das Interessante an solchen Themen ist ja, dass sie größer sind als die bewusste Intention des Künstlers. Ich glaube auch nicht, dass derartige Figuren bewusst eingebaut werden, um zu provozieren oder dergleichen - zumindest nicht immer. Dennoch geben sie bzw ihre Darstellung Aufschluss darüber, wie eine Gesellschaft "tickt", wie mit Charakteren, die sich außerhalb der gängigen Norm bewegen, umgegangen wird (ob sie z.B. ins Lächerliche gezogen oder gar nicht weiter kommentiert werden). Außerdem können auch Videospiele als Teil medialer Produkte dazu beitragen, dass Räume für neue (Geschlechter-)Identitäten eröffnet werden - ganz egal, ob das jetzt die Intention des Erschaffers war oder nicht. Viel relevanter ist die Interpretation des Publikums.
    • Entschuldigung dass meine Antwort so lange auf sich warten lies, aber mein Berufs- und Privatleben waren ein wenig turbulent die letzten Wochen. Besser verspätet als nie, also wollen wir mal. :)

      Das Thema ist wohl wirklich eher etwas für "Sozi-Berufe" (btw. Hallo Frau Kollegin :)), oder einfach nicht interessant genug als dass mehr Leute etwas dazu schreiben möchten. Vollkommen ok, ich hoffe nur mir wird mein "Doppelpost" nicht allzu negativ angerechnet, denn die eine oder andere Kleinigkeit würde ich gerne noch ergänzend zum Topic schreiben.

      Es lässt sich wohl nicht von der Hand weisen, dass Zelda im Vergleich zu anderen Games bzgl. des Genderthemas eher schlecht abschneidet, allerdings gibt es m.M. auch Spiele die hinter Zelda stehen. Die Kontroverse rund im Shiek finde ich diesbezüglich schon auch am spannensten, einfach weil er/sie nicht karikiert dargestellt wird. Allerdings (wie @Megaolf bereits schrieb) ist Zelda auch kein Kind von Traurigkeit wenn es darum geht bestimmte Geschlechterrollen ins Lächerliche zu ziehen. Mir persönlich ist so ein wenig Satire oder Ironie allerdings immer sehr lieb, denn beide Stilmittel sind (finde ich) sehr schön in der Lage gesellschaftliche Klischees oder Missstände darzustellen. Allerdings begibt man sich mit diesen Stilmittel auch automatisch auf dünnes Eis, weil die Grenzen zwischen Diskriminierung und Ironie manchmal sehr, sehr Nahe beieinander liegen. Ob es bei Zelda diskriminierende Aspekte in punkto Geschlechterrollen gibt, mag ich aber nicht beurteilen.

      Was ich im gesamten Kontext spannend finde sind z.B. die Darstellungen von Bauarbeitern in verschiedenen Zeldas. Zimmerleute, Maurer etc. alles typische Männerdomänen, wenn es nach dem Gesellschaftsklischee geht. Umso interessanter, dass Zelda damit auf ironische Weise spielt. Bereits in OoT war zwar der Chef der Zimmerleute ein regelrechter Haudegen, seine Arbeiter verkörperten allerdings ganz und gar nicht das Bild des "typischen" Bauarbeiters. Genau umgekehrt verhielt es sich bei BotW, wo der Chef Landa bestimmt nicht der zu erwartende Bauleiter war, seine Arbeiter dem Klischee jedoch sehr gut entsprachen.

      Spannend finde ich auch, wenn man in OoT als Kind-Link mit der Gerudo-Maske verschiedene Leute anspricht. Bei manchen erhält man typische Antworten. Die etwas schrägeren Charakteren, reagieren allerdings doppeldeutig. Tagsüber Sakon am Marktplatz, oder der entstellten Sohn des Zimmermanns in Kakariko in der Nacht. Sie loben Link als schöne Frau etc. Fraglich ob das von ihnen satirisch gemeint ist, oder ob sie Link tatsächlich auf den Leim gegangen sind und ihn für eine Gerudo halten. Im übrigen ist die Reaktion der Köchin in Kokiri auch sehr spannend, denn sie sagt zu Link im übertragenen Sinne, dass er mit dieser Maske nie eine Frau abbekommen wird. Wie gesagt, die Grenze zwischen Diskrimierung und Ironie ist m.M. nach manchmal wirklich hauchdünn.

      In ZSS fällt mir spontan die Ehe zwischen Diomed und der Trankbrauerin Xia ein. Die zwei leben ihre Ehe außerhalb der üblichen Geschlechterrollen. Diomend kümmert sich um Haushalt und Baby und steht ziemlich unter der Fuchtel seiner sehr dominanten Frau, die wiederum das Geschäft schmeißt. Im Prinzip wird ein Klischee durch ein anderes ersetzt anstatt Gleichberechtigung zu zeigen. Wobei die Ehe zwischen Diomed und Xia nur als Beispiel dienen soll und ich damit nicht zum Ausdruck bringen möchte, dass Zelda generell so verfährt. Es ist ein ziemlich kontroverses und (für mich) durchaus spannendes Thema.

      Abschließend möchte ich nochmal den Kritikpunkt aufgreifen, dass Zelda in punkto Geschlechterdiversität im Gesamtvergleich eher hinten ansteht. Das entspricht (je nach Vergleichsspiel) unbestreitbar der Wahrheit und brachte mich dazu, noch einen Schritt weiter zu denken. Denn Diversität scheint generell keine große Stärke von Zelda zu sein. Es gibt zwar unterschiedliche Völker, allerdings sind die Völker im Inneren sehr monoton aufgebaut, besonders was das Erscheinungsbild der Lebewesen betrifft. Man nehme als Beispiel die Hylianer, die im Gesamten hauptsächlich der nordeuropäischen Bevölkerung ähneln. Es gibt meines Wissens keinen dunkelhäutigen Hylianer. Eine Ausnahme bildet hier vielleicht in TP der Priester Leonard und seine Tochter Luda in Kakariko, die vom Erscheinungsbild amerikanischen Ureinwohnern ähneln.Überhaupt hat TP ein klein wenig mehr Vielfalt ins Leben gerufen, weil z.B. auch Lucida bei den Zoras sich ebenso von dem "üblichen" Zora-Erscheinungsbild ein wenig abhob. Im weitläufigem Sinne könnte vielleicht noch der Terri-Händler (aus verschiedenen Spielen) einer anderen hylianischen Ethnie angehören, aber ansonsten ist Diversität wohl wirklich nicht gerade Zeldas Stärke.