DLC-Roadmaps, „definitive Editions“, die das ursprüngliche Spiel im Nachhinein entwerten – das alles ist real und frustrierend. Dieses Gefühl, dass man zum Release oft nicht die beste Version eines Spiels bekommt, sondern eher eine Art Eintrittskarte in einen längeren Lebenszyklus, ist etwas, das es früher so schlicht nicht gab. Es hinterlässt bei mir auch regelmäßig einen faden Beigeschmack.
Bis hierhin bin ich also sehr bei dir.
Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass sich dieser Frust oft auch daraus speist, worauf man schaut. Du schreibst selbst von den „Big Boi AAA“-Erfahrungen – und ich glaube, genau da liegt ein großer Teil des Problems. Wenn man sich hauptsächlich an den großen Studios, den großen Marken und den riesigen Releases abarbeitet, bekommt man zwangsläufig ein sehr homogenes Bild von „modernen Spielen“. (Vor allem bei westlichen Entwicklern, sorry!)
Aber das ist ein bisschen wie mit Mainstream-Musik.
Im Radio laufen bestimmte Künstler rauf und runter. Hochproduziert, massentauglich, für eine möglichst breite Zielgruppe gemacht. Mit dem Großteil davon kann ich auch nichts anfangen. Aber ich würde daraus nicht schließen, dass „moderne Musik“ per se nichts mehr taugt. Ich stelle mir einfach meine eigene Playlist zusammen. Mit Sachen, die mich abholen, die vielleicht nicht jeder kennt, die nicht auf maximale Reichweite getrimmt sind.
Bei Videospielen ist es im Grunde dasselbe.
Neben den großen AAA-Produktionen gibt es unglaublich viele kleinere Studios, Mid-Budget-Titel, Indie-Games, die genau das bieten, was man oft vermisst: überschaubare Spielzeit, klare Mechaniken, Fokus auf ein zentrales Konzept, manchmal sogar bewusst alberne oder einfache Prämissen. Spiele, die nicht versuchen, alles auf einmal zu sein.
Ich glaube, wenn man seinen Blick etwas von den „üblichen Verdächtigen“ löst und bereit ist, anderen Studios eine Chance zu geben, kann sich dieses Gefühl von Übersättigung deutlich abschwächen.
Insofern: Ich verstehe die Frustration total – aber ich glaube nicht, dass sie zwangsläufig bedeutet, dass moderne Spiele an sich das Problem sind. Oft ist es eher der sehr enge Ausschnitt davon, den man ständig sieht.