• Arks Tagebuch Part 25


    Ich kann bis heute nicht sagen, wie lange meine Seele im vollkommenen Nichts gefangen war, bevor ich wiedergeboren wurde und sich mein Bewusstsein zum ersten Mal wieder regte.

    Es mochten Wochen vergangen sein oder Monate oder sogar Jahre...

    Das Einzige, das ich weiß ist, dass das Erste, das ich wieder wahrgenommen habe, eine körperlose Stimme gewesen ist, die direkt in meinem Kopf zu sprechen schien.

    Anfangs war diese nichts weiter als ein Geräusch, doch je wacher mein Geist wurde, desto mehr Worte schälten sich aus dem ansonsten formlosen Hintergrundrauschen heraus: "... aus dem Gleichgewicht geraten... Retter der Welt erkoren... Höre ihre Stimmen..."

    Der Sprecher in meinem Kopf wechselte, doch ich konnte den neuen genauso wenig zuordnen wie den ersten: "... von der Natur entfremdet... wie du auch mich vom Moloch befreit hast..."

    Die Worte fielen durch meinen Geist wie Steine durch Wasser und versinken komplett, bevor ich sie wirklich erfassen konnte.

    "Der Himmel weint bittere Tränen." Die Stimme hatte erneut gewechselt und mein Bewusstsein rührte sich zum ersten Mal seit langer Zeit. Erste Lichtstrahlen drangen in die tiefe Dunkelheit, die mich umgab und so etwas wie der Schatten einer Erinnerung strich über mich hinweg.

    Der Sprecher in meinem Kopf wechselte ein weiteres Mal und wandte sich in flehentlich klingendem Ton an mich: "Hörst du mich, Ark? Ich bin es - Liam."

    Liam?

    Der Namer flutete meinen Geist und riss mein Bewusstsein endlich aus seinem Koma, während das Bild eines prächtigen Löwens vor meinem inneren Auge erschien.

    Die sanfte Stimme sprach unterdessen weiter: "Einst hast du mir bei meiner Prüfung beigestanden und mir geholfen, meinen Mut zu finden. Nun braucht die Welt deine Unterstützung."

    Ich wollte etwas entgegnen, doch mein Körper schien mir nicht zu gehorchen.

    Hatte ich überhaupt so etwas wie einen Leib?

    Ich war mir nicht sicher. Im Moment wusste ich lediglich, dass ich in irgendeiner Form existierte, weil Gedanken durch meinen Geist drifteten wie Treibholz.

    Die mein Bewusstsein umschlingende Stimme wechselte ein letztes Mal, wodurch der erste Sprecher wieder das Wort ergriff. Anders als zuvor war mein Geist nun wach genug, um mehr als nur ein paar kurze Satzfetzen aufzunehmen: "Hast du ihre Stimmen gehört?"

    Der Name 'Lord Kumari' ging mir durch den Kopf, während dieser mit strengem Tonfall forderte: "Erwache, Ark! Die Welt braucht ihren Helden!"

    Eine sonderbare Energie schien über mich hinweg zu rollen und ich schlug blinzelnd die Augen auf.


    Das Erste, was ich sah, war eine dunkle Wand aus grauen Ziegelsteinen und ein Fußboden aus gestampftem Lehm.

    Ein Keller...

    Waren die zurückliegenden Ereignisse womöglich nur ein sehr skurriler Traum gewesen und ich befand mich noch immer unter dem Haus des Weisen in Krysta?

    Hatte der Alte den Zugang hierher versperrt, weil irgendetwas hier unten heftige Halluzinationen auslöste?


    Doch dann drang ein erschrecktes Keuchen an meine Ohren und meine Traumtheorie fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Denn als ich mich umdrehte, starrten mich nicht etwa eine, sondern zwei Melinas aus kreisrunden Augen und mit offenstehenden Mündern an, als wäre ich eine Art Schreckgespenst.

    Mein noch immer etwas benebelter Geist brauchte einen Moment, um die Bedeutung dessen zu verstehen. Doch als ich endlich begriff, machte ich instinktiv einen Schritt auf meine Jugendliebe zu, die ich dank ihres Armbands leicht von ihrem Oberweltgegenstück unterscheiden konnte - immerhin hatte ich dieses Schmuckstück vor langer Zeit selbst gebastelt und ihr geschenkt, als ich ihr meine Liebe gestanden hatte.

    "Melina! Was machst du denn hier?!" Meine Stimme klang nach der langen Zeit des Nichtgebrauchs rau und fremd in meinen eigenen Ohren, doch das nahm ich nur am Rande wahr.

    Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, das Antlitz meiner früheren Freundin zu mustern und die Spuren der Zeit darin zu entdecken. Als ich sie verlassen hatte, waren wir beide noch halbe Kinder gewesen, doch nun war sie eine gestandene Frau mit ersten, zarten Falten um die Mundwinkel herum.

    Sie war noch schöner als ich sie in Erinnerung gehabt hatte, aber ihre Augen, die früher voller Wärme und Leben gewesen waren, wirkten nun stumpf und füllten sich mit Tränen - jedoch nicht vor Freude, wie ich erwartet hatte...

    Ihr Gesicht war leichenblass und sie sah aus, als stünde sie kurz vor einer Ohnmacht. Ohne ein Wort zu sagen, wandte sie sich ruckartig von mir ab und rannte, eine Hand fest vor den Mund gepresst, in Richtung Treppe davon.


    Ich warf Oberwelt-Melina einen fragenden Blick zu, doch sie schien genauso unter Schock zu stehen wie ihr Pendant. Als sie bemerkte, dass ich sie ansah, schüttelte sie in einer Geste der Überforderung den Kopf und schlang sich schützend die Arme um den Torso, was sie wie ein verängstigtes Kind wirken ließ.

    Bei diesem Anblick zog sich mein Herz schmerzhaft zusammen und ich streckte eine Hand nach ihr aus, um ihr beruhigend über den Oberarm zu streichen, aber sie wich vor mir zurück wie vor glühendem Eisen. Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn jedoch schnell wieder, da mir nichts Passendes einfallen wollte.

    Außerdem war der Drang, Unterwelt-Melina hinterher zu laufen, genauso groß wie mein Bedürfnis, ihrem Oberweltgegenstück Trost zu spenden.

    Da Letzteres offenbar im Moment nicht erwünscht war, wandte ich mich wortlos ab und hastete mit langen Schritten meiner Jugendliebe hinterher.


    Kurz vor der Treppe holte ich sie ein und legte ihr von hinten eine Hand auf die Schulter, um sie zu stoppen. Bei der Berührung spannte sich ihr gesamter Körper an und sie ließ resigniert wirkend den Kopf hängen, was mich verwirrt die Stirn in Falten legen ließ.

    Wieso wirkten beide Frauen, als wären sie alles andere als erfreut, mich zu sehen?

    Sicher, meine plötzliche Wiederauferstehung war vermutlich ein Schock für sie gewesen, aber Unterwelt-Melina machte nicht nur einen erschrockenen Eindruck. Sie wirkte, als wünschte sie sich ganz weit weg an einen anderen Ort.

    Nahm sie mir übel, dass ich sie damals verlassen hatte?

    Oder war sie aus einem anderen Grund wütend auf mich?

    Die Erinnerung an den Kuss, den Oberwelt-Melina und ich auf Burg Drachenfels geteilt hatten, tauchte aus den Tiefen meines Unterbewusstseins auf und ein schlechtes Gewissen brannte heiß in meiner Brust, auch wenn ich mich trotzdem nicht dazu bringen konnte, diesen kurzen Moment der Intimität zu bereuen.

    Machte mich dies zu einem schlechten Menschen?


    Die Gedanken in meinem Kopf waren derart laut, dass ich Unterwelt-Melinas leises Flüstern beinahe überhört hätte: "Ich wusste es nicht..."

    "Was meinst du?" Die Hand weiterhin auf ihrer Schulter, bewegte ich mich um sie herum und legte ihr anderen Zeigefinger unters Kinn, um sie mit sanfter Gewalt zu zwingen, mich anzusehen.

    Ihre haselnussbraunen Augen wirkten unendlich traurig und schwammen noch immer in Tränen, was mir die Kehle zuschnürte. Ich hasste es, sie traurig zu sehen... Damit hatte ich noch nie gut umgehen können.

    Ohne darüber nachzudenken, was ich tat, ließ ich meine Hand über ihren Kieferknochen und anschließend nach oben wandern, bis ich ihre Wange umschloss. Als ich ihr mit dem Daumen zart übers Jochbein strich, um eine Träne wegzuwischen, erwiderte sie zum ersten Mal meinen Blick und legte ihre Hand auf meine.

    Ich starrte wie gebannt auf ihre Lippen und erinnerte mich an das Gefühl, sie auf meinen zu spüren, während Melina die Lider senkte und ihr Gesicht gegen meine Handinnenfläche schmiegte.

    Ich hatte sie so sehr vermisst... Wie sehr, das wurde mir erst in diesem Moment wirklich bewusst. Doch gleichzeitig schoss mir ein stechender Schmerz wie von einer heißen Nadel durchs Herz, als ich daran dachte, was Oberwelt-Melina bei unserem momentanen Anblick wohl empfinden mochte.

    Während eine Hälfte von mir sich am liebsten herab gebeugt hätte, um die Frau in meinen Armen zu küssen, und trunken vor Wiedersehensfreude war, wollte der andere Teil sich abwenden und sich an die Seite der ehemaligen Prinzessin begeben.

    Wenn ich mich nicht so sehr über mein Gefühlschaos geärgert hätte, wäre ich fasziniert davon gewesen, dass sich etwas so richtig und gleichzeitig vollkommen falsch anfühlen konnte...


    "Es tut mir so leid, Ark!", platzte Unterwelt-Melina in meine Gedanken. Ihre Unterlippe zitterte und ich sah ihren Kehlkopf auf und ab hüpfen, als sie schwer schluckte. "Der Weise hat mich zur Oberwelt geschickt und gesagt, wenn ich diesen einen Auftrag für ihn ausführe, dann könntest du endlich nach Hause kommen."

    Sie warf sich gegen meine Brust und lehnte ihre Stirn gegen mein Schlüsselbein. Meine Arme schlossen wie von selbst um ihren Oberkörper und ich vergrub mein Gesicht in ihrem weichen, duftenden Haar.

    Für einen Moment war es, als wäre ich in der Zeit zurückgekehrt und wir wären zurück in Krysta, umgeben vom Kristallnebel.

    In einer einfacheren Zeit, wo es immer nur uns beide gegeben und ich nie den geringsten Zweifel gehabt hatte, dass dies für immer so bleiben würde...

    Doch dann sprach Melina weiter und holte mich zurück in die Realität: "Du hast mir so entsetzlich gefehlt! Ich war bereit, alles dafür zu tun, dich wiedersehen zu können - sogar... Aber... Aber ich wusste nicht..."

    Ihre Stimme brach und ihr Körper wurde von heftigem Schluchzen durchgerüttelt. Ich strich ihr beruhigend über den Rücken, während sie sich an mich klammerte wie eine Ertrinkende.

    "Du hast mir ebenfalls gefehlt", versicherte ich und hauchte ihr einen Kuss auf den Scheitel, was den Teil von mir, der Oberwelt-Melina zugetan war, wütend protestieren ließ.

    Unterwelt-Melina hob ihren Kopf und sah mich aus glänzenden Augen mit einer Mischung aus Freude und Entsetzen an. Ich ließ eine Hand zu ihrem Hinterkopf wandern und beugte mich zu ihr herab, woraufhin sie in Erwartung eines Kusses die Lippen leicht öffnete. Doch statt auf den Mund küsste ich sie lediglich auf die Stirn, was sie mit einem verwirrten Blick quittierte.


    Bevor sie etwas dazu sagen konnte, tauchte jedoch Fluffy wie aus dem Nichts auf und fuhr sie zornig an: "Worauf wartest du?! Töte ihn endlich! Nur deswegen wurdest du in die Oberwelt geschickt!"

    Die Bedeutung dieser Worte sickerte nur langsam in mein Bewusstsein, da ich mein Geist mit der Frage beschäftigt war, wie es möglich war, dass Fluffy hier war. Seine Truhe musste gemeinsam mit meiner Leiche noch immer am Südpol im Schnee liegen...

    Doch als ich endlich begriff, versteifte sich mein gesamter Körper und ich starrte Melina aus schockgeweiteten Augen ungläubig an: "D-Du bist hier, um mich zu töten?"

    Ich ließ meine Arme schlaff an meinen Seiten herabhängen und wich einen Schritt von meiner ehemaligen Freundin zurück. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass ihr Pendant uns aufmerksam, aber unendlich verwirrt beobachtete.

    Derweil sah Unterwelt-Melina mich derart verletzt an, als hätte ich sie geschlagen, und beteuerte: "Ich habe es nicht gewusst! Der Weise hat lediglich von einem Kind der Oberwelt gesprochen. Ich könnte dir niemals etwas antun!"

    "Aber du warst bereit, ein unschuldiges Kind zu töten?!" Ich wich einen weiteren Schritt zurück und schüttelte immer wieder den Kopf, als müsste ich betonen, dass ich mich von ihrem Vorhaben distanzierte.

    Melina stürzte auf die Knie und weinte bitterlich, doch anders als zuvor löste es dieses Mal in mir nicht das Bedürfnis aus, sie zu trösten. In diesem Moment empfand ich nichts anderes als Entsetzen und eine Spur Ekel.

    Wie hatte sie auch nur für einen Moment glauben können, dass es für mich in Ordnung wäre, einem Kind das Leben zu nehmen, um mir zu helfen?!

    Ich hatte plötzlich das Gefühl, das Mädchen, in das ich mich verliebt hatte, als es mich stolz angegrinst hatte, um mir seine erste Zahnlücke zu präsentieren, überhaupt nicht zu kennen...

    Während ich mich fragte, ob ich Jahre lang eine Person geliebt hatte, die es überhaupt nicht gab, schluchzte die auf dem Boden kauernde Frau: "Ich weiß, dass es falsch war! Aber der Weise hat gesagt, du seist in Gefahr und dies sei der einzige Weg, dich zu retten! Ich... Ich wollte doch nur..."

    "Aber ein Kind, Melina... Wie konntest du...?" Ich schüttelte erneut den Kopf, noch immer unfähig zu begreifen, wie sie eine derart abscheuliche Tat auch nur in Betracht hatte ziehen können.


    Fluffy, der von unserem emotionalen Tumult vollkommen unbeeindruckt zu sein schien, stieß ein genervtes Schnauben aus und verkündete: "Fein, dann mach ich's eben selbst!"

    Bevor ich in irgendeiner Weise reagieren konnte, wirkte mein Begleiter einen Paralysezauber und ich verlor die Kontrolle über meinen Körper. Kurz darauf tat sich ein tiefschwarzes Loch zu meinen Füßen auf, das langsam näher kam und drohte, mich zu verschlingen.

    Mit heftig schlagendem Herzen versuchte ich verzweifelt, mich von der Stelle zu bewegen, aber es war aussichtslos - ich schaffte es nicht einmal, auch nur einen Finger zu rühren.


    Als Melina den magisch erschaffenen Abgrund vor mir erblickte, wich auch noch das letzte Bisschen Farbe aus ihrem Gesicht, bevor sich zu meiner Überraschung ein entschlossener Ausdruck darauf breit machte. Ohne das geringste Zögern richtete sie sich wieder auf, trat neben mich und küsste mich auf die Lippen.

    Anschließend sah sie mir fest in die Augen und sagte mit feierlichem Ernst: "Ich liebe dich, Ark. Ich habe immer gehofft, dass du irgendwann zu mir zurückkommst und wir unseren Lebensabend miteinander verbringen können. Dafür hätte ich alles getan und geopfert, aber jetzt musst du mir versprechen, dass du dein Leben ohne Reue weiterleben wirst. Blick nicht zurück! Hass mich für das, was ich vorhatte, wenn es dir dabei hilft, nur nach vorn zu schauen. Werde glücklich und denk nicht zu viel an mich!"

    Dann schnappte sie sich mit einer schnellen Bewegung Fluffy, der einen empörten Laut ausstieß, sich aber nicht aus ihrem Griff befreien konnte, und sprang in das schwarze Loch hinab. Dieses schloss sich daraufhin mit einem leisen Zischen, was auch die Wirkung des Paralysezaubers schlagartig beendete.


    "MELINA! Nein! Nein! Nein! Komm zurück!" Ich stürzte an der Stelle, wo meine ehemalige Freundin von der Erde verschluckt worden war, auf alle Viere und schrie ihr trotz der Gewissheit, dass sie mich nicht hören konnte, verzweifelt hinterher, bis mir die Lungen brannten.

    Sie war fort, für immer fort und auch wenn ich in ihren letzten Momenten nicht nur Positives für sie empfunden hatte, war es nun, als müsste ich an den scharfkantigen Splittern meines gebrochenen Herzens ersticken. Ich konnte weder atmen, noch klar denken und bohrte meine Hände verzweifelt in den harten Lehmboden, obwohl ich genau wusste, dass ich sie nicht ausgraben konnte.


    Nach einer Weile näherten sich mir langsame, vorsichtige Schritte und kurz darauf spürte ich eine warme Hand auf meinem Rücken.

    "Was geht hier vor, Ark?" Die Stimme der ehemaligen Prinzessin zitterte und ich hörte deutlich, dass sie hin und her gerissen war zwischen ihrer Verwirrung und dem Bedürfnis, mich zu trösten.

    Ich ließ mich auf meinen Hintern fallen, schloss für einen Moment die Augen und holte mehrfach tief Luft, in der Hoffnung, meinen vibrierenden Atem dadurch beruhigen zu können. Oberwelt-Melina kauerte sich in meinem Rücken auf den Boden und schlang ihre Arme von hinten um meine Brust. Ihre Wärme war wie Balsam und ich legte dankbar eine Hand auf ihre, während ich noch immer um Fassung rang.

    Sie wandte derweil den Kopf, legte ihre Wange zwischen meine Schulterblätter und flüsterte dann: "Ich verstehe das alles nicht... Erst finde ich ein ausgesetztes Kind im Wald und nehme es mit nach Hause, um mich um es zu kümmern. Doch dann verschwindet der Säugling auf einmal aus seinem Bett, während ich in der Küche Milch für ihn hole. Dafür steht plötzlich die Kellertür weit offen, obwohl ich sie stets fest verschlossen halte. Unten finde ich das Kind in den Armen einer Frau, die genauso aussieht wie ich und dann leuchtet das Baby auf einmal golden und kurz darauf stehst du in meinem Keller und das Kind ist fort..."

    Ich spürte, wie sie den Kopf schüttelte bei dem Versuch, ihre sich in Aufruhr befindenden Gedanken zu sortieren, bevor sie weitersprach: "Und als wäre das alles noch nicht verrückt genug, taucht auf einmal auch noch dieses Ding auf und meine Doppelgängerin wird gemeinsam mit ihm vom Erdboden verschluckt..."


    Melina stieß einen langgezogenen Seufzer aus und schmiegte sich noch enger an meinen Rücken. "Du scheinst diese Frau gut gekannt zu haben. Wer war sie?"

    Ich wischte mir mit der Innenfläche der freien Hand ein paar verbliebene Tränen von den Wangen und zog geräuschvoll die Nase hoch, bevor ich leise antwortete: "Meine Jugendliebe. Wir sind zusammen aufgewachsen und ich dachte immer, sie sei die Frau, mit der ich alt werden würde - zumindest bis der Älteste meines Dorfes mir einen Auftrag gegeben hat, für den ich meine Heimat verlassen musste. Seitdem hatte ich sie nicht mehr gesehen."

    "Oh, ich erinnere mich! Du hast sie damals auf dem Schiff von Ahola nach Liberita erwähnt." Man hörte Melina deutlich an, wie stolz sie auf sich war, dass sie dieses Detail unserer damaligen Unterhaltung nicht vergessen hatte.

    Ich nickte, als ich mich ebenfalls an besagten Abend erinnerte und darüber wunderte, wie weit weg er mir erschien. Auch bei objektiver Betrachtung waren seitdem viele Jahre vergangen, aber es war seitdem so viel passiert, dass es sich eher so anfühlte, als hätte dieses Gespräch in einem anderen Leben stattgefunden.

    Melina ließ meinen Oberkörper los und rutschte neben mich, um mir ins Gesicht sehen zu können, als sie fragte: "Sie war der Grund, warum du mich damals nicht küssen wolltest, nicht wahr?"

    In ihren Augen flackerte etwas, das Gefahr verhieß, und sie schürzte angriffslustig die Lippen. Dennoch antwortete ich wahrheitsgemäß: "Ja, das ist richtig."

    "Aber auf Burg Drachenfels hast du es dann doch getan. Warum? Sie scheint dir ja selbst heute noch viel zu bedeuten!" Ihre Nasenflügel bebten leicht und der Zorn in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Auch wenn sie es in diesem Moment vermutlich niemals zugegeben hätte, war es überdeutlich, dass meine noch immer bestehenden Gefühle für meine Jugendliebe sie tief verletzten.

    Ein tiefes Seufzen entwich aus den Tiefen meiner Brust und ich griff nach ihrer Hand, die sie mir nur widerwillig überließ, bevor ich erklärte: "Ich dachte, ich sehe sie nie wieder..."

    Eigentlich hätte meine Antwort länger ausfallen sollen, aber Melina entriss mir mit zornig flackernden Augen ihre Hand, verschränkte die Arme vor der Brust und fiel mir empört ins Wort: "Also war ich für dich nur ein Ersatz?! Eine Art Trostpreis, der dem Original, das du eigentlich wolltest, aber nicht haben konntest, am nächsten kam?!"

    "Nein! ... ja... Himmel, ich weiß es doch selbst nicht!" Ich warf genervt die Arme in die Luft und schüttelte den Kopf. "Dich kennenzulernen, hat mich mehr verwirrt als alles andere in meinem Leben! Bitte glaub mir, wenn ich dir sage, dass ich definitiv etwas für dich empfinde - für dich als Person, nicht als Doppelgängerin meiner Freundin, auch wenn es so vielleicht angefangen hat. Aber müssen wir wirklich jetzt darüber sprechen? Ich habe gerade erst mitansehen müssen, wie sich jemand, der mir viel bedeutet, für mich geopfert hat... Ich kann gerade an nichts anderes denken, tut mir leid."

    Für einen Moment sah Melina aus, als wollte sie schnippisch reagieren, doch dann wurden ihre Gesichtszüge weich und sie antwortete: "Du hast recht, das war unsensibel von mir. Bitte entschuldige. Es ist nur... Du bedeutest mir wirklich sehr viel und dieser Kuss hat mich glauben lassen, du würdest meine Gefühle erwidern. Ich hoffe seitdem darauf, eine gemeinsame Zukunft mit dir haben zu können, sobald wir beide unsere Aufgaben erfüllt haben."

    Sie strich sich eine Strähne ihres langen Haares aus dem Gesicht und seufzte schwer. "Aber ich akzeptiere es, wenn ich mich da in etwas verrannt habe und du diesem Kuss nicht dieselbe Bedeutung beimisst wie ich. Nimm dir Zeit, um herauszufinden, was du fühlst und was ich für dich bin. Ich werde warten."

    "Danke." Ich schenkte ihr ein mattes Lächeln und nahm erneut ihre Hand in meine, um unsere Finger ineinander zu verschränken, bevor wir in Schweigen fielen und unseren Gedanken nachhingen.


    Vor meinem geistigen Auge sah ich immer wieder und wieder, wie Unterwelt-Melina von dem schwarzen Loch verschlungen wurde und fragte mich, ob es vielleicht doch noch eine geringe Chance gab, dass sie überlebt haben könnte.

    Nein.

    Fluffy hatte diesen Abgrund mit dem dedizierten Ziel, mich zu töten, erschaffen und wie ich ihn kannte, war er dabei auf Nummer Sicher gegangen.

    Es gab nicht die geringste Wahrscheinlichkeit, dass Melina dies überlebt haben könnte, und das wusste ich auch sehr genau. Der einzige Grund, warum ich den schwachen Funken Hoffnung in meinem Herzen nicht gänzlich ersticken konnte, war mein schlechtes Gewissen.

    Sie war gestorben, um mich zu retten! Wenn sie durch ein Wunder überlebt hätte, müsste ich diese Bürde nicht tragen...

    War es wenigstens schnell gegangen oder war ihr Ende lang und qualvoll gewesen?

    Übelkeit stieg in mir auf, während ich mir in düstersten Farben ausmalte, was meine ehemalige Freundin womöglich in Fluffys Abgrund erwartet hatte.

    Mir war bewusst, dass ich nichts damit gewann, dass ich mich mit den Bildern in meinem Kopf selbst folterte, und dass es klüger gewesen wäre, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, aber ich fühlte mich, als hätte ich diese Pein verdient. Es war wie ein gerechter Preis, den ich für Melinas Opfer zahlen musste, um die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.


    Nach einer Weile des stummen Beisammensitzens lehnte Oberwelt-Melina auf einmal ihren Kopf gegen meine Schulter und atmete schwer aus. Sie wirkte vollkommen ausgelaugt und das Feuer, das normalerweise stets in ihr brannte, war vollständig erloschen.

    Ich legte meinen Kopf schief, um meine Wange gegen ihren Scheitel zu lehnen und drückte sanft ihre Hand, während ich innerlich seufzte.

    Mein Herz war ein einziges Chaos...

    Auf der einen Seite genoss ich Melinas Nähe und fühlte mich, als hätte ich meinen Platz auf der Welt gefunden, aber gleichzeitig kam ich mir deswegen vor wie ein mieser, dreckiger Verräter.


    Doch nun war nicht der richtige Zeitpunkt, um mich mit meinem verkorksten Liebesleben zu beschäftigen!

    Jetzt, wo der Schock über meine Wiederauferstehung und die darauffolgenden Ereignisse allmählich abebben, wurde mir bewusst, dass ich aus einem bestimmten Grund wiedergeboren worden war: Ich musste Beruga aufhalten!


    Also wandte ich den Kopf, um Melina ins Gesicht zu sehen, wenn ich sie darüber informierte, dass ich aufbrechen musste. Stattdessen fiel mein Blick jedoch auf einen kleinen, würfelförmigen Gegenstand, der am gegenüberliegenden Ende des Kellers auf einem Podest stand und mir noch gar nicht aufgefallen war.

    Die bemalten Seiten der hölzernen Truhe strahlten in kräftigen Farben, was in dem dunklen Gewölbe ein wenig deplatziert wirkte. Entscheidender war jedoch, dass die Box mir sehr gut vertraut zu sein schien...

    Wie magisch angezogen stemmte ich mich auf die Füße und ging langsam auf das Podest zu.

    "Was ist das?", fragte ich über die Schulter hinweg, ohne meinen Blick von dem Holzkästchen zu nehmen.

    Melina trat neben mich und antwortete: "Der Schatz dieses Dorfes und der Grund, warum König Olaf meine Eltern und die anderen Dorfbewohner hat umbringen lassen und mich adoptiert hat, in der Hoffnung, ich würde ihm irgendwann alles verraten, was ich darüber weiß."

    Sie presste ihre Lippen fest aufeinander und schien für einen Moment in ihren Erinnerungen gefangen zu sein. Dann fuhr sie fort: "Kolumbo hat den Schatz auf einer Expedition zum Südpol gefunden. Anfangs hielt er ihn lediglich für ein historisches Artefakt, doch nachdem er seine wahre Bedeutung erkannt hatte, bat er meinen Vater, mit dem er gut befreundet war, die Truhe zu verstecken. Kurz darauf wurde er in Spanien gefangen genommen und nach Schloss Torronia verschleppt, so wie ich gehört habe."


    Ich nickte und streckte eine Hand nach der Box aus, doch Melina schlug meinen Arm beiseite und rief: "Nicht! In der Truhe ruhen die Waffen des wahren Helden! Niemand sonst darf sie berühren - dafür ist mein ganzes Dorf gestorben und ich werde auch für dich keine Ausnahme machen!"

    Ihre Augen loderten zornig und hatten ein wenig ihres üblichen Feuers zurückgewonnen, als ich ihr mein Gesicht zuwandte und erklärte: "Ich weiß, was sich in dem Kasten befindet. Die Terralanze und der Enigmapanzer. Kolumbo hat beides am Heldengrab gefunden - an... an meinem Grab."

    Es fühlte sich merkwürdig an, dies so zu formulieren, aber es stimmte. Seit meiner Wiedergeburt war ich zu gleichen Teilen Ober- und Unterwelt-Ark und damit war die Grabstätte in der Antarktis meine, auch wenn die Erinnerungen meiner Lichtseite verschwommen und schwer greifbar waren.

    Ich fragte mich, ob dies damit zusammenhing, dass mein Oberwelt-Ich vor unserer Vereinigung bereits seit vielen Jahren tot gewesen war und die Verbindung zu seinem vorherigen Leben bereits beinah vollständig verloren hatte.

    Melina starrte mich unterdessen aus geweiteten Augen überrascht an. "D-Du bist der legendäre Held?! Und ich habe mir solche Mühe gegeben, dich aus der Sache herauszuhalten..." Sie stieß angesichts der Ironie des Schicksals ein leicht hysterisches Lachen aus und auch ich konnte mir ein schiefes Grinsen nicht verkneifen.

    "Mach dir nichts draus", tröstete ich sie mit sanfter Stimme. "Bis vor kurzem war mir dies selbst nicht bewusst."


    Dann griff ich erneut nach der Truhe und dieses Mal ließ Melina mich gewähren. Der Deckel der kleinen Holzbox öffnete sich wie von selbst, kaum dass ich ihn berührt hatte, und aus dem Inneren schoss eine geflügelte, rosafarbene Kugel mit schwarzen Knopfaugen hervor. Melina wich bei ihrem Anblick einen Schritt zurück und stieß einen spitzen Schrei aus: "Eeek! Da ist wieder dieses Ding!"

    Ich ignorierte sie für den Moment und wandte mich stattdessen an die vor mir in der Luft flatternde Knutschkugel: "Du bist der Fluffy der Oberwelt, nehme ich an."

    Melina wunderte sich hörbar über den Gebrauch des Begriffes 'Oberwelt', während Fluffy antwortete: "Das ist vollkommen richtig. Und du bist der wahre Held. Ich bin so froh, dass du endlich angekommen bist!"

    "Er hat wirklich alles kopiert...", murrte ich flüsternd und schüttelte mit einer Mischung aus Ekel und Faszination den Kopf, bevor ich Melinas verwirrtem Blick begegnete. "Ich erklär's dir irgendwann", versprach ich und wandte mich dann wieder der Truhe zu, um die darin gelagerten Schätze hervorzuholen.

    Wenige Augenblicke später hielt ich eine wunderschöne aus Ebenholz gefertigte Lanze in den Händen. Ihr Schaft war mit verschnörkelten und in sich verschlungenen, rubinroten Intarsien und wie dunkles Blut schimmernden Halbedelsteinen verziert. Trotz ihres Alters war die silberne Spitze noch immer blitzblank und rasiermesserscharf.

    Eine wahrlich tödliche Waffe...

    Nachdem ich das prachtvolle Stück ausgiebig bewundert hatte, zog ich einen ebenso prunkvollen Brustpanzer aus rot eingefärbtem Stahl aus der Box. Dazu gehörte ein nachtschwarzes, gestepptes Untergewand, das sich kühl und weich auf der Haut anfühlte.

    Mit nur einem Blick erkannte ich die Rüstung als jene, die meine Lichthälfte getragen hatte, als sie mir am Heldengrab erschienen war.


    Ohne zu zögern legte ich Hemd und Panzer an, die beide passten, als wären sie mir auf den Leib geschneidert worden.

    Als ich mich anschließend zu Melina umdrehte, sah sie mich mit einem bewundernden Ausdruck im Gesicht an. "Der Enigmapanzer steht dir ausgezeichnet. Damit siehst du wirklich aus wie der Held der Legende."

    Ich verzog die Lippen zu einem einseitigen Lächel und fasste meine neue Lanze fester. "Dann wird es Zeit, dass ich meinem Titel und dieser traumhaften Ausrüstung endlich gerecht werde."

    Melina nickte zustimmend, doch als ich an ihr vorbei ging, packte sie plötzlich mein Handgelenk und hielt mich zurück. "Versprich mir, dass du zu mir zurückkommen wirst! Danach kannst du deiner Wege ziehen, wenn du willst, aber ich muss wissen, dass du deinen Auftrag wohlbehalten überstanden hast! Bitte!" Ihre Stimme klang derart flehentlich, dass sich ein Kloß in meiner Kehle bildete.

    Ich legte ihr meine freie Hand auf die Wange und küsste sie sanft auf die Stirn. "Versprochen. Ich komme zu dir zurück, sobald ich kann und dann... sehen wir weiter."

    Sie schlang ihre Arme um mich und drückte mich für einen kurzen Moment fest an sich, bevor sie wieder zurücktrat und mit Tränen in den Augen sagte: "Dann viel Erfolg. Nimm dir aus der Küche alles an Vorräten, das du gebrauchen kannst."

    "Danke." Mit Wehmut im Herzen nickte ich ihr ein letztes Mal zu und verließ dann das Haus, nachdem ich ihrem Angebot nachgekommen war und mich mit Essen eingedeckt hatte.


    Draußen überlegte ich gerade, welche Route am klügsten war, als ein kleiner Vogel auf meiner Schulter landete. Überrascht wandte ich den Kopf und entdeckte einen Streifen Papier, den jemand an sein Bein gebunden hatte. Das Federtier wartete geduldig, bis ich ihn von dem Brief befreit hatte und flog dann fröhlich zwitschernd wieder davon.

    Dies bekam ich jedoch nur noch am Rande mit, weil ich das Papier in meiner Hand bereits auseinander gefaltet und zu lesen begonnen hatte. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ich die wenigen Zeilen, die Ma-Jo mir hatte zukommen lassen, überflogen hatte.

    Offenbar hatte er sich mit Fyda, Roy, Perry und Mei-Lin zusammengetan, um Beruga das Handwerk zu legen und wartete nun gemeinsam mit ihnen an dessen Laborturm darauf, dass ich zu ihnen stieß.

    Die Kiefer hart aufeinander gepresst, knüllte ich den Brief zusammen und hastete so schnell meine Füße mich trugen in den vor mir liegenden Norfesta-Wald.

    Ich hatte keine Zeit mehr zu verlieren.

    Meine Freunde brauchten mich!

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Arks Tagebuch Part 26


    Ma-Jo hatte in seinem Brief geschrieben, dass sich der Laborturm, wo das letzte Gefecht gegen Beruga stattfinden sollte, im Osten Sibiriens befand. Leider war ich von diesem Teil der Erde durch eine Kette hoher, ohne ein Fluggerät kaum überwindbarer Berge abgeschnitten.

    Während ich durch den Norfesta-Wald hastete, stritt ich noch immer mit mir selbst, was nun das klügste Vorgehen war: einen gewaltigen Umweg in Kauf nehmen oder mich an den langsamen, schwierigen Aufstieg machen?

    Da ich nur sehr wenig Erfahrung im Bergsteigen hatte und befürchtete, mich beim Überwinden der vereisten Gipfel womöglich selbst umzubringen, entschied ich mich schließlich für einen Abstecher nach Amerika. Es fühlte sich falsch an, nicht auf direktem Weg zu meinen Freunden zu eilen, aber es gab in dieser Situation vermutlich nur einen Mann, der mir helfen konnte: Will.

    Also eilte ich so schnell wie möglich zum nächstgelegenen Hafen und bestieg dort das erstbeste Schiff, das mich nach Liberita brachte. Ich hoffte inständig, dass Ma-Jo und die anderen ebenfalls noch Zeit zur Vorbereitung brauchten und ich nicht erst zu ihnen aufschließen würde, wenn bereits alles vorbei war...


    Die vertraute Umgebung eines Segelschiffes erinnerte mich an die letzte Fahrt meines vergangenen Lebens und ich fragte mich, ob Sanchez sich an unsere Abmachung gehalten und seinen Männern die Abfahrt befohlen hatte, ohne vorher nach mir suchen zu lassen. Ich hoffte von ganzem Herzen, dass sich niemand in dem sinnlosen Versuch, mich zu retten, in Gefahr begeben hatte!

    Bei einem gemeinsamen Abendessen mit der Crew des Schiffes, das mich nun nach Amerika bringen sollte, fragte ich daher, ob einer der Anwesenden Sanchez kannte und wusste, wie es ihm und seiner Mannschaft ging.

    Der Kapitän, ein schlanker, braunhäutiger Mann in meinem Alter, huschte ein Grinsen übers Gesicht, bevor er antwortete: "Du bist mit dem alten Brummbären befreundet? Erstaunlich! Ich dachte immer, er hätte nichts übrig für Landratten!" Er schenkte sich etwas Wasser aus einem großen Krug in seinen Becher und schien auf eine Reaktion von mir zu warten.

    Als diese ausblieb, fuhr er schließlich fort: "Ich habe ihn vor einigen Wochen in einem afrikanischen Hafen getroffen. Seine Leute und er wirkten niedergeschlagen, aber ansonsten schien es ihnen gutzugehen."

    "Fehlte jemand aus der Mannschaft?", hakte ich nach, während ich meinen Teller mit einem Stück Weißbrot sauber wischte.

    Der Kapitän nahm einen Schluck aus seinem Humpen und zog ein nachdenkliches Gesicht. "Ich glaube nicht. Wieso fragst du?"

    "Nur so." Ich zuckte mit den Schultern und bemühte mich um eine möglichst ausdruckslose Miene, obwohl ich selbst nicht wusste, warum ich aus dem Grund ein Geheimnis machte. Vielleicht war es der abfällige Ton, mit dem er zuvor über Sanchez gesprochen hatte, aber möglicherweise lag es auch an dem raubtierhaften Blick, mit dem mich der Mann nun musterte, als hoffte er auf Gerüchte und schmutzige Wäsche. So oder so war ich mir sicher, dass ich keine Lust hatte, ihm zu erklären, in welchem Verhältnis Sanchez und ich zueinander standen.

    Leider war er derzeit meine einzige Möglichkeit, meinem Seefahrerfreund eine Nachricht zukommen zu lassen. Daher fügte ich nach einem Moment an: "Wenn du ihn das nächste Mal siehst, richte ihm bitte aus, dass es mir gutgeht und er sich keine Sorgen um mich machen oder irgendetwas bereuen soll."

    Mein Gegenüber wirkte verwirrt, nickte jedoch ohne zu zögern und versprach: "Wird gemacht, Ark."

    "Danke." Ich bedachte ihm mit einem breiten Lächeln, räumte mein benutztes Geschirr zusammen und stand vom Tisch auf, ohne ihm eine Gelegenheit für irgendwelche Nachfragen zu geben. Wenn er dies als unfreundlich empfunden haben sollte, so hat er darüber nie ein Wort verloren.


    Dank günstig stehender Winde erreichten wir Liberita in Rekordzeit, was die Matrosen mit einem feuchtfröhlichen Fest zu feiern gedachten. Ich war ebenfalls eingeladen, doch auch wenn ich mich mit den meisten Männern an Bord gut verstanden hatte, blieb ich nicht, um daran teilzunehmen.

    Stattdessen machte ich mich auf dem schnellsten Weg zum Flughafen außerhalb der Stadt, wo ich wie erhofft Will in einem Hangar fand, über und über mit Motoröl beschmiert und fröhlich vor sich hin pfeifend.

    "Es tut mir leid, dich schon wieder in meine Angelegenheiten hineinziehen zu müssen, aber ich brauche erneut deine Hilfe", fiel ich mit der Tür ins Haus, kaum dass ich meinen Freund erreicht hatte.

    Dieser hatte meine Anwesenheit jedoch noch nicht bemerkt und zuckte beim Klang meiner Stimme erschrocken zusammen, wodurch er sich den Kopf an der Abdeckung des Motors, an dem er gerade arbeitete, stieß. Sich den schmerzenden Hinterkopf reibend, linste er um die dünne Metallplatte herum und grinste breit, als er mich erkannte: "Ark! Was machst du denn hier?! Willst du Sarah besuchen?"

    Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als ich an das Mädchen aus Neo-Tokio dachte. Mit einem nervösen Brennen in der Magengegend ließ ich meinen Blick suchend durch die gigantische Halle schweifen und antwortete: "Eigentlich nicht. Wieso? Ist sie hier?"

    Nach unserem letzten, schmerzhaften Abschied hatte ich nun ein wenig Angst davor, sie wiederzusehen. Ich wollte ihr nicht noch einmal das Herz brechen müssen, weil ich wieder nicht bleiben konnte.

    Zum Glück schüttelte Will den Kopf und sagte: "Heute nicht. Sie kommt oft her, um Anita zu besuchen, aber in den letzten Tagen habe ich sie nicht gesehen. Ich glaube, sie lernt für wichtige Tests in der Schule oder so. Ani hat da so etwas erwähnt, aber ich gestehe, ich hab nicht wirklich zugehört."

    Erleichterung schwappte über mich hinweg wie eine warme Woge - zum einen, weil mir weitere herzzerreißende Szenen erspart blieben und zum anderen, weil Sarah in Anita eine Freundin gefunden hatte und sogar zur Schule gehen durfte. Es klang ganz so, als stünden ihr die Tore zu einer goldenen Zukunft so weit offen, wie es für jemanden mit ihrem Trauma möglich war.


    "Aber wenn du nicht wegen Sarah hier bist, wieso dann?", hakte Will noch einmal nach.

    Mit so wenigen Worten wie möglich fasste ich mein Anliegen zusammen und beobachtete dabei Wills Mienenspiel, wie es von beiläufig interessiert zu ernsthaft neugierig und schließlich zu begeistert wechselte.

    "Ich fasse also zusammen", entgegnete er mit leuchtenden Augen, sobald ich geendet hatte, "du willst, dass ich dich zu diesem Turm in Sibirien fliege."

    "Ja", bestätigte ich mit einem nachdrücklichen Nicken und fragte mich stumm, warum er angesichts dessen derart freudig erregt war. Als wir uns das letzte Mal gesehen hatten, hatte ich ihn auf einen Flug nach Afrika geschickt und davor hatte ich eines seiner Flugzeuge in Russland verloren.

    War er es nicht inzwischen leid, dass ich nichts als Chaos in sein Leben brachte?

    Die Antwort darauf ließ zu meiner Überraschung nicht lange auf sich warten. Vor Vorfreude auf der Stelle trippelnd und sich die ölbeschmierten Hände reibend, sagte Will: "Endlich eine Ausrede, mal wieder selbst ins Cockpit zu steigen! Seit ich den Job hier beim Liberita Rettungsteam angenommen habe, kann ich zwar täglich an Flugzeugen herumschrauben - was auch toll ist - habe aber kaum noch Gelegenheit, selbst zu fliegen. Das vermisse ich sehr. Daher kommst du mit deinem Anliegen gerade wie gerufen! Wann geht's los?!"

    Angesichts seiner kindlichen Begeisterung konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen und antwortete mit einem Lachen in der Stimme: "Sobald du bereit bist."

    Will jubelte und schmiss die Abdeckung des Motors vor ihm zu, bevor er mit schelmischem Gesichtsausdruck verkündete: "Ich sag nur schnell Ani Bescheid, damit sie sich keine Sorgen macht. Danach können wir direkt los. Soll sich doch jemand anderes darum kümmern, die Zündkerzen zu reinigen!"


    Nicht ganz eine Stunde später düsten wir bereits in Wills Privatmaschine über den nordamerikanischen Kontinent hinweg in Richtung Westen. Ich sah endlos weite Felder voll golden schimmernden Getreides, dichte, bunt belaubte Wälder, imposante, blau glitzernde Seen und eine karge, ausgeblichene Wüste unter uns hinweg ziehen, während Will munter über die neuesten Errungenschaften in der Luftfahrt plauderte.

    Auch wenn ich es bewundernswert fand, wie sehr er für seine größte Leidenschaft brannte, wechselte ich dennoch bei seiner ersten Sprechpause das Thema, da mir eine Frage unter den Nägeln brannte: "Wie war eigentlich dein Flug nach Afrika? Ist Liam gut zuhause angekommen?"

    Will nickte und kurz darauf ertönte seine Stimme erneut meinen Kopfhörern: "Wir hatten unterwegs ein paar Turbulenzen, aber Liam ist erstaunlich ruhig geblieben. Er ist wirklich ein tapferes, kleines Kerlchen! Da ich nicht wusste, wo genau sein Zuhause ist, habe ich ihn in der erstbesten Savanne abgesetzt, in der ich ohne Probleme landen und wieder starten konnte. Ich hatte den Eindruck, das war für ihn in Ordnung - er wirkte jedenfalls recht zufrieden, als er von Bord gegangen und in die Steppe gelaufen ist."

    Die Vorstellung, wie Liam wieder frei und wild durch seinen natürlichen Lebensraum streifte, zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen und ich klopfte Will von hinten anerkennend auf die Schulter. "Vielen Dank, dass du das für ihn gemacht hast!"

    "Es war mir eine Freude", versicherte dieser und wechselte zurück zum Thema Luftfahrt, um über die Größe eines neuen Passagierflugzeugs zu schwärmen.


    Ich lehnte mich mit einem Lächeln in meinem Sitz zurück, legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen, um mich von Wills fröhlichem Geplauder berieseln zu lassen. Doch anstatt wie erhofft ein wenig abzuschalten, wälzte mein Geist Fragen, wie die nächste Konfrontation mit Beruga wohl aussehen würde.

    Würde er sich erneut hinter seinen übermenschlich starken Androiden verstecken?

    Würde er seine Biowaffen auf uns einsetzen oder damit drohen, eine weitere Stadt auszulöschen, sollten wir uns nicht ergeben?

    Ich hoffte von ganzem Herzen, dass es uns gelingen würde, den gefährlichen Wissenschaftler zu überraschen und zu überrumpeln, bevor er auch nur die geringste Möglichkeit hatte, weiteren unschuldigen Menschen zu schaden oder sie als Druckmittel gegen uns einzusetzen.

    Mein eigenes Leben war mir nicht so wichtig - auch wenn ich Melina versprochen hatte, zurückzukehren, war ich bereit, mich notfalls zu opfern, um Beruga aufzuhalten - doch ich hatte große Angst vor dem Leid, das Beruga anderen bescheren konnte.

    Mir in den grausigsten Farben auszumalen, zu was dieser Größenwahnsinnige in der Lage war, half natürlich nicht dabei, das nervöse Brennen in meinem Magen einzudämmen oder den Kloß in meiner Kehle aufzulösen, aber ich konnte es trotzdem nicht lassen. Es war wie ein morscher Zahn, auf dem man die ganze Zeit herumkauen musste, obwohl die Schmerzen einem Tränen in die Augen trieben.

    Entsprechend erleichtert war ich, als wir Stunden später den von Ma-Jo beschriebenen Turm entdeckten, der wie ein schwarzer Spieß aus der ihn umgebenden Schneedecke emporragte. Solange ich mich bewegen und auf ein Ziel hinarbeiten konnte, ließen sich die quälenden Gedanken im Zaum halten. Es war die Untätigkeit, die meinen Geist dazu trieb, sich selbst zu malträtieren.


    Damit Beruga durch das Auftauchen eines unangemeldeten Flugzeugs keinen Verdacht schöpfte, flug Will eine weite Schleife und landete anschließend in einiger Entfernung zum Turm, sodass mir eine längere Wanderung bevorstand, bevor ich mich endlich Ma-Jo und den anderen anschließen konnte.

    Mein Pilotenfreund beobachtete mit gequält wirkender Miene, wie ich aus der Maschine stieg und sagte in entschuldigendem Ton: "Ich würde euch wirklich gerne bei eurem Kampf unterstützen. Was dieser Irre Neo-Tokio angetan hat, ist unverzeihlich! Aber ich bin kein Krieger und ein Feigling noch dazu. Ich wäre euch vermutlich nur im Weg..."

    "Hör auf, dich schlecht zu machen!", forderte ich, bevor ich ihn an die Verantwortung erinnerte, die er trug: "Anita braucht dich zuhause. Sie mag zwar inzwischen so gut wie erwachsen sein, aber du bist es ihr trotzdem schuldig, dass du dein Leben nicht leichtfertig aufs Spiel setzt. Ich würde deswegen überhaupt nicht zulassen, dass du dich uns anschließt!"

    Will nickte, wirkte jedoch nicht sehr überzeugt. Er rang noch einige Sekunden mit sich, bevor die Vernunft schließlich die Oberhand gewann und er sich resigniert seufzend verabschiedete: "Na gut. Aber versprich mir, dass du gut auf dich aufpasst! Und sorg dafür, dass Perry ebenfalls lebend aus der Nummer wieder rauskommt!"

    "Das werde ich", versicherte ich mit feierlichem Ernst und reichte ihm zum Abschied eine Hand. Zu meiner Überraschung packte Will meinen Unterarm so fest, dass seine Finger sich tief in mein Fleisch drückten und sagte: "Sollte es so etwas wie eine Gottheit auf dieser Welt geben, so hoffe ich, dass sie ihre schützende Hand über dich hält!" Seine Stimme klang rau, ganz so als mühte er sich krampfhaft, Tränen zurückzuhalten.

    Da ich nicht wusste, was ich darauf entgegnen sollte, wechselten wir lediglich einen letzten Blick und dann machte ich mich endlich auf meine Wanderung durch die sibirische Tundra.


    Der Turm war fast vollständig von hohen Bergen umgeben, doch trotz seiner geschützten und abgelegenen Lage wurde er von einer kleinen Armee Roboter bewacht, die unablässig über das umzäunte Grundstück patrouillierten und jeden noch so kleinen Winkel jederzeit im Blick zu haben schien.

    Ich kletterte auf eine in sicherer Entfernung gelegene Anhöhe, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, und observierte die Bewegungsmuster der Wachen in der Hoffnung, einen Schwachpunkt in ihrem feinmaschigen Überwachungsnetz ausmachen zu können.

    Zu meiner Frustration schien dieses jedoch absolut perfekt ausgeklügelt zu sein und ich fragte mich bereits, ob ich eine direkte Konfrontation riskieren und mir den Weg freikämpfen sollte, als einige Roboter auf einmal merkwürdiges Verhalten zeigten.

    Statt ruhig auf und ab zu gehen oder auf dem ihnen angedachten Posten zu verharren, gingen sie auf einmal auf ihre Kollegen los und schalteten diese aus. Ich beobachtete verwirrt, wie die Androiden mit schwertähnlichen Armaufsätzen nichtsahnende Gefährten niederstreckten, ihnen mit blanken Händen die Energiequelle aus dem stählernen Leib rissen oder mit heftigen Stromschlägen ihre Schaltkreis lahmlegten.

    Was war bloß der Auslöser für dieses plötzliche Morden innerhalb der eigenen Reihen?!

    Egal, wie angestrengt ich meine Augen auch über das Gelände wandern ließ, ich konnte nichts entdecken, dass diese sonderbare Verhaltensänderung erklärt hätte.

    Doch als ich bemerkte, dass die durchgeknallten Roboter dafür gesorgt hatten, dass ein Seiteneingang zum Turm nun unbewacht war, war mir der Grund für ihre Fehlfunktion augenblicklich vollkommen egal und ich kletterte so schnell ich konnte von meinem Aussichtsposten herunter, um unbemerkt ins Turminnere zu schlüpfen.


    "Da bist du ja endlich!"

    Ich hatte die Tür kaum hinter mir geschlossen, da warf sich mir auch schon eine junge Frau gegen meine Brust und schlang ihre Arme um mich. Es dauerte eine kurze Schrecksekunde, bis ich Mei-Lin erkannte, doch dann erwiderte ich die Umarmung umgehend. Während sie ihre Wange gegen meinen Brustpanzer drückte, fragte ich verwirrt: "Woher wusstest du..."

    "... dass du durch diese Tür kommen würdest?", vervollständigte sie meinen Satz, noch bevor ich ausgesprochen hatte, und grinste schelmisch zu mir herauf. "Von Opa natürlich! Er hat auch vorausgesehen, dass du Hilfe brauchen würdest, um es an den Wachen vorbei zu schaffen."

    Sie zog die Mundwinkel noch ein wenig höher und blickte mich mit einem sehr selbstzufriedenen Gesichtsausdruck an, wodurch es mir wie Schuppen von den Augen fiel: "Du warst das! Du hast deine Illusionsgabe genutzt, um die Roboter aufeinander losgehen zu lassen!"

    Meine junge Freundin hüpfte ein paar Mal leicht auf und ab und kicherte vergnügt. "Genial, nicht wahr?"

    Bevor ich antworten konnte, ertönte aus den Schatten eines massiven Pfeilers eine weitere, mir wohl vertraute Stimme: "Ich kann immer noch nicht glauben, dass das tatsächlich funktioniert. Wie kann eine Psychokraft auf eine Maschine ohne Bewusstsein wirken?!"

    Mei-Lin zuckte mit den Schultern und entgegnete irgendwas, das in meinem erfreuten Ausruf vollkommen unterging: "Perry!"

    Ich löste mich sanft aus Mei-Lins Umarmung, um zu dem jungen Mann herüber zu gehen und ihn meinerseits an meine Brust zu ziehen. Dieser klopfte mir auf den Rücken und sagte: "Es tut gut, dich zu sehen, Kumpel. Es ist viel zu lange her!"

    Nickend trat ich wieder einen Schritt nach hinten und fragte: "Wie hast du dich eigentlich in diesen Schlamassel hineinziehen lassen? Ich war überrascht, als ich deinen Namen in Ma-Jos Brief gelesen habe."

    Perrys perlweißen Zähne leuchteten hell in dem gräulichen Licht, das durch die wenigen Fenster fiel, als er grinsend antwortete: "Verrückte Geschichte. Das Schiff, auf dem ich gearbeitet habe, lag gerade im Hafen von Yamei, als plötzlich dieser alte Zausel aufgetaucht ist und etwas davon gefaselt hat, dass du dringend meine Hilfe brauchen wirst. Anfangs dachte ich, er spinnt, aber irgendwann wurde mir klar, dass er dich wirklich kennt und tatsächlich in die Zukunft schauen kann. Und darum bin ich hier: Wenn einer meiner Freunde Unterstützung braucht, dann bin ich zur Stelle - so einfach ist das."

    "Danke, Kumpel!" Ich boxte ihm sanft gegen die Schulter, bevor er mit ernsterer Miene anfügte: "Außerdem darf Beruga für das, was er in Neo-Tokio angerichtet hat, nicht ungeschoren davonkommen..."

    "Das wird er auch nicht." Ma-Jo trat aus einem Seitengang in die kleine Eingangshalle und richtete seinen Blick dann direkt auf mich: "Jetzt, wo du da bist, können wir endlich loslegen. Beruga befindet sich in einem der oberen Stockwerke. Fyda und Roy sind bereits vorgegangen, um seinen genauen Aufenthaltsort zu lokalisieren."

    Er unterbrach sich kurz, um seine Augen zu Perry, Mei-Lin und anschließend zu mir zurückwandern zu lassen. Dann sprach er in ernstem Ton weiter: "Perry und ich werden den Weg hier links nehmen. Mei-Lin und Ark, ihr folgt bitte dem Gang dort drüben." Er deutete auf einen Ausgang auf der gegenüberliegenden Seite des Raums und winkte dann Perry mit einer ungeduldigen Geste zu sich.

    Dieser klopfte mir wortlos gegen den Oberarm, bevor er Ma-Jo in die Dunkelheit folgte und auch Mei-Lin und ich uns auf den Weg machten.


    Eine Weile schlichen wir stumm durch die steril wirkenden und von Glas und Stahl beherrschten Gänge, immer auf der Hut vor möglichen Gefahren.

    Doch dann blieb Mei-Lin plötzlich stehen und platzte heraus: "Ich halte es nicht mehr aus - ich muss es einfach fragen! Stimmt es, was Lord Kumari erzählt hat? Warst du wirklich tot?!" Ihre Augen funkelten wie geschliffene Edelsteine und ihre Miene zeigte eine kuriose Mischung aus Sorge, Neugierde und Zorn.

    Ich ließ die Schultern kreisen, als wollte ich ein unangenehmes Gewicht abschütteln, und hatte das Gefühl, diese Frage nur falsch beantworten zu können. Dennoch versuchte ich es mit der Wahrheit: "Ja, das ist korrekt."

    Mei-Lins Gesicht verlor sämtliche Farbe und sie hakte überrascht nach: "So richtig tot? Mit Jenseits und Wiedergeburt und so?"

    Ihre Reaktion ließ mich verwundert die Augenbrauen in die Höhe ziehen. Irgendwie hatte ich erwartet, dass sie die Worte Lord Kumaris für bare Münze nehmen würde, ohne den geringsten Zweifel. Offenbar hatte ich mich diesbezüglich geirrt...

    Als ich bestätigend nickte, wurden ihre Augen noch größer und runder und sie fragte im Flüsterton: "Aber wie... Wie ist es möglich, dass du dann jetzt trotzdem als erwachsener Mann vor mir stehst und noch immer du selbst bist - mitsamt deinen Erinnerungen und allem?!"

    Ein tiefer Seufzer der Resignation drückte sich aus meiner Brust hervor, während ich gestand: "Ich weiß es nicht. Um ehrlich zu sein, verstehe ich das alles selbst nicht. Alles was ich dir sagen kann, ist, dass ich in der Antarktis getötet wurde. Dann habe ich plötzlich Stimmen gehört, die mich angefleht haben, aufzuwachen. Als ich anschließend wieder zu mir kam, stand ich im Keller einer Freundin, die sagt, sie habe ein Baby im Wald gefunden, das sich plötzlich in mich verwandelt habe."

    Mei-Lin legte den Kopf schief und sah mich rätselnd an, bevor ein Schatten der Trauer über ihr Gesicht huschte und ich mich fragte, ob sie an ihre verstorbenen Eltern dachte und bedauerte, dass diese nicht genauso zurückgekommen waren wie ich. Die Traurigkeit wich jedoch schnell Wut und sie schlug mir mit der Faust fest gegen den Oberarm.

    "Au! Wofür war das denn?!", beschwerte ich mich, während ich mir über die schmerzende Stelle rieb und mein Gegenüber erbost anfunkelte.

    Diese hielt meinem Blick stand, verschränkte die Arme vor der Brust und schob trotzig die Unterlippe vor. "Dafür, dass du dich hast umbringen lassen, obwohl du bei deiner Abreise aus Lhasa versprochen hattest, auf dich aufzupassen!"

    Mir lag eine schnippische Antwort auf der Zunge, doch als ich den Schmerz bemerkte, der durch den Zorn in ihren Augen hervor schimmerte, zog ich sie stattdessen in eine Umarmung. "Es tut mir leid, Mei-Lin, aber ich fürchte, ich kann nicht immer verhindern, dass ich mich Gefahr aussetze."

    Mei-Lin ließ ihre Stirn gegen meine Brust fallen und nickte. Da sie gegen meinen Panzer sprach, klang ihre Stimme gedämpft, als sie antwortete: "Ich weiß. Es ist nur... Auch wenn mir inzwischen klar geworden ist, dass meine frühere Schwärmerei für dich keine Liebe war, bist du mir trotzdem immer noch sehr wichtig. Außerdem hatte ich noch keine wirkliche Chance, wieder gutzumachen, was ich dir angetan habe. Du darfst nicht sterben und mich allein lassen, bevor ich Gelegenheit hatte, dir zu beweisen, dass ich eine gute Freundin sein kann!"

    Ich rieb ihr sanft über den Rücken und wartete geduldig, bis sie sich ein wenig beruhigt hatte. Es dauerte einige Sekunden, doch dann wischte sie sich verstohlen über die Augen, schob mich von sich und deutete mit dem Kinn den Gang hinab. "Entschuldige. Wir haben keine Zeit für sowas - die anderen warten sicher schon auf uns. Lass uns gehen!" Ohne darauf zu achten, ob ich ihr folgte, wandte sie sich um und rannte den Korridor hinab.


    Ich blieb etliche Meter hinter ihr, während meine Gedanken zu Oberwelt-Melina wanderten, die ich in Storkholm zurückgelassen hatte.

    Wie es ihr in diesem Moment wohl ging?

    Hatte sie den Schock meiner Auferstehung inzwischen verdaut?

    Machte sie sich schlimme Sorgen um mich oder vertraute sie darauf, dass ich unversehrt zu ihr zurückkehren würde?

    Und wie würde es mit uns weitergehen, wenn es soweit wäre?

    Das Auftauchen von Unterwelt-Melina hatte mir deutlich gezeigt, dass ich diese niemals völlig vergessen und immer an ihr hängen würde.

    War es unter diesen Umständen Oberwelt-Melina gegenüber überhaupt fair, ein neues Kapitel mit ihr aufzuschlagen, wenn doch ein Teil von mir an der Vergangenheit festhielt?

    Ich seufzte und konnte förmlich hören, wie sie mich anfuhr, dass es ihr allein zustand, zu bestimmen, was ihr gegenüber gerecht war und was nicht.

    Aber war es wirklich so einfach?

    Konnte ich die Verantwortung für die Entscheidung, ob wir eine Zukunft hatten, obwohl ein Teil meines Herzens für immer trauern und einer anderen Frau gehören würde, tatsächlich allein ihr überlassen?

    Machte ich es mir damit nicht viel zu leicht und drückte mich lediglich vor meiner eigenen Responsibilität?


    "Stopp!", platzte Mei-Lin auf einmal in meine Gedanken und schlug mir den lang ausgestreckten Arm vor die Brust, um mich anzuhalten. Ich war derart in meine Grübeleien versunken gewesen, dass ich nicht mehr auf meine Umgebung geachtet und nicht mitbekommen hatte, dass meine Begleiterin stehen geblieben war.

    Diese deutete nun in Richtung Decke und sagte: "Da vorne sind Überwachungskameras. Geh ohne mich weiter, Ark. Ich werde meine Gabe nutzen, um die Kameras mit einer Illusion zu täuschen. Ich schließe dann später wieder zu dir und den anderen auf."

    "Danke, Mei-Lin!" Ich legte ihr eine Hand auf die Schulter und drückte sanft, bevor ich anfügte: "Du bist eine tolle Freundin."

    Ihr huschte ein erfreutes Lächeln über die Lippen, wurde aber schnell wieder von einem angestrengten Gesichtsausdruck verdrängt. Um sie nicht weiter in ihrer Konzentration zu stören, ließ ich sie stehen und machte mich schnell alleine wieder auf den Weg.


    Dieser war erstaunlich ereignislos und frei von Gefahren, bis ich mich einem tiefen Abgrund gegenüber sah.

    Wer baute denn so etwas mitten in ein Gebäude hinein?!

    Ich trat vorsichtig an die Kante und blickte in die Tiefe. Wie es aussah, befand ich mich auf einer Art Galerie über dem Keller des Turms, in dem sich diverse Holzkisten stapelten, die mit schimmernden Metallteilen und merkwürdig gebogenen Glasgefäßen gefüllt waren.

    "Ark! Hier drüben!" Perrys Stimme schallte von der gegenüberliegenden Seite des Raumes zu mir herüber und ich entdeckte ihn beim Aufschauen auf einem zweiten Balkon, von wo aus er mir wild fuchtelnd zuwinkte.

    "Wie komme ich zu dir?", rief ich zurück, was meinem Freund ein amüsiertes Grinsen aufs Gesicht zauberte.

    "Warte einfach, wo du bist", wies er mich an. "Roy regelt das schon."

    "Häh?" Ich zog verwirrt den linken Nasenflügel in die Höhe und versuchte, mir vorzustellen, wie der arrogante Schwertkämpfer in dieser Situation hilfreich sein sollte.

    Mir war noch keine Antwort eingefallen, als über mir plötzlich ein an Schienen unter der Decke fahrender Greifarm auftauchte. Ich machte einen erschrockenen Satz zurück, was Perry laut auflachen ließ. Von irgendwo erklang Roys blechern verzerrt klingende Stimme: "Schön stillhalten, Hosenmatz. Jetzt wird's ein bisschen ruckelig!"

    Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend kniff ich die Augen fest zusammen und redete mir ein, dass ich Roy vertrauen konnte, wenn Perry und die anderen es taten. Kurz darauf schloss sich die Zange des Greifarms um meine Taille und ich wurde in die Luft gehoben.

    Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Roy mich neben Perry auf dem gegenüberliegenden Balkon wieder absetzte, aber es kam mir dennoch vor wie eine halbe Ewigkeit!

    Meine Knie waren derart weich, dass ich ehrlich überrascht war, nicht einzuknicken, als der Greifarm mich wieder freigab.

    Perry grinste mich schadenfroh an und sagte: "Du bist ganz schön blass um die Nase. Brauchst du eine Pause?"

    Obwohl ich mich tatsächlich am liebsten für einen kurzen Moment hingesetzt hätte, schüttelte ich den Kopf. "Nein, schon gut. Lass uns weitergehen." Eine derartige Blöße hätte ich mir vor Roy, mit dem mich seit unserem ersten Treffen eine von gegenseitiger Geringschätzung geprägte Rivalität verband, niemals freiwillig gegeben...

    Also marschierte ich trotz wackeliger Beine zielstrebig in den nächsten Gang hinein und freute mich, dass die Bewegung half, das flaue Gefühl in meinem Magen zu vertreiben.


    Nach wenigen Metern wurde ich jedoch schon wieder gestoppt, als ein Vorhang aus roten Lichtstrahlen meinen Weg versperrte. Ich hatte keine Ahnung, was es damit auf sich hatte, aber mein Instinkt riet mir zur Vorsicht. Meine Vermutung war, dass ein Alarm ausgelöst werden würde, sollte mich eines der Lichter berühren.

    Daher blieb ich stehen und beobachtete rätselnd die in einem bestimmten Muster hin und her springenden, dünnen Lichtsäulen, bis Perry neben mir auftauchte und erklärte: "Sei vorsichtig, Ark. Das sind Laserstrahlen. Wenn du von einem erwischt wirst, brennt er sich tief in dein Fleisch und verursacht wirklich fiese Verletzungen!"

    Dann deutete er auf einen Schalter, der durch die tanzenden Lichtstrahlen hindurch am anderen Ende des Ganges zu erkennen war, und fügte an: "Ich glaube, dahinten kann man die Laser ausschalten. Warte hier."

    Mein Freund legte sein Skateboard, das er bislang unter dem Arm getragen hatte, auf den Boden und wollte nach vorne rollen, aber ich hielt ihn an der Schulter fest. "Was hast du vor?! Du hast doch gerade selbst gesagt, dass diese Dinger gefährlich sind!"

    Perry legte lächelnd eine Hand auf meine und versicherte: "Mach dir keine Sorgen, Ark. Ich weiß, was ich tue. Mit meinem Board bin ich wendig genug, um den Strahlen auszuweichen."

    "Hm." Ich legte die Stirn in Falten und blickte nachdenklich auf die sich schnell hin und her bewegenden Laser. Sich in ihre Mitte zu begeben, erschien mir Selbstmord zu sein, wenn sie wirklich so gefährlich waren wie Perry sagte.

    Wäre es nicht klüger, nach einem alternativen Weg zu suchen?

    Wozu ein derartiges Risiko eingehen?

    Meine offensichtlichen Zweifel ließen meinen Freund ein spöttisches Lachen ausstoßen. "Vertrau mir, Ark! Ich weiß, was ich tue. Ma-Jo hat diese Situation vorausgesehen und ich habe deswegen auf dem Weg hierher intensiv für dieses Szenario trainiert. Und jetzt - siehe und staune!" Er streifte meine noch immer auf seiner Schulter liegende Hand ab und rollte in eine Lücke zwischen den tanzenden Strahlen aus rotem Licht hinein.

    Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich biss mir vor Anspannung die Unterlippe blutig, während Perry flink wie ein Wiesel zwischen den Lasern umher sauste. Dass ich dazu auch noch die Luft angehalten hatte, wurde mir erst bewusst, als mein Freund wohlbehalten auf der anderen Seite ankam und ich erleichtert aufatmete.

    Nur Sekunden später erloschen die Laser mit einem leisen Summen und gaben den Weg zum Ende des Korridors frei.


    Perry grinste mich stolz an und trat schwungvoll auf die hintere Kante seines Skateboard, damit es einen Satz in die Höhe machte und er es mit einer lässigen Bewegung auffangen und sich wieder unter den Arm klemmen konnte. "Ein Kinderspiel", lachte er mich an. "Habe ich dir doch gesagt!"

    "Das war wirklich beeindruckend!", bewunderte ich seine Leistung mit Nachdruck und schmeckte Eisen auf der Zunge, als ich mir mit ihr über die Unterlippe fuhr.

    Perry hob beim Anblick des Blutes, das noch immer aus der kleinen Bisswunde quoll, eine Augenbraue, kommentierte es jedoch nicht weiter. Stattdessen deutete er auf den nächsten Gang und sagte: "Geh schon mal vor. Ich warte hier auf Mei-Lin, damit ich hinter ihr die Laser wieder aktivieren kann. Wir wollen ja nicht, dass irgendeiner Wache auffällt, dass sie deaktiviert sind, und sie Alarm schlägt."

    Mir war nicht ganz wohl dabei, Perry alleine zurückzulassen - für mich war er noch immer der schlaksige Jugendliche, den ich vor Jahren in Liberita kennengelernt hatte. Aber ich erinnerte mich selbst daran, dass er bereits mehr als einmal unter Beweis gestellt hatte, dass er sehr gut auf sich selbst aufpassen konnte, und fügte mich daher dem Plan.

    Deswegen nickte ich meinem Freund wortlos zu und setzte meinen Weg fort.


    Hin und wieder begegnete ich einer von Berugas Wachen, doch die Androiden hatten der Terralanze nichts entgegenzusetzen und waren schnell zu Altmetall verschrottet.

    Ich fragte mich, ob der Roboter, der mich damals bei meiner ersten Begegnung mit dem Wissenschaftler fast getötet hatte, sehr viel stärker gewesen war als seine hiesigen Kollegen, ich seitdem spürbar stärker geworden war oder ob es allein an meiner neuen Waffe lag, dass die hier patrouillierenden Cyborgs mich nicht in Bedrängnis bringen konnten.

    Schlimmer als die gelegentlichen, fix beendeten Begegnungen mit den durch die Gänge marschierenden Androiden waren die endlos erscheinenden Korridore und Räume selbst. Sie sahen für mich alle gleich aus und gaben mir das Gefühl, wieder und wieder im Kreis zu laufen.

    Wie sollte sich jemand in diesem verschlungenen Labyrinth aus Beton, Glas und Stahl zurechtfinden?!

    Ich überlegte bereits, ob ich einen scharfkantigen Überrest einer Roboterwache zweckentfremden sollte, um damit Markierungen in die Wände zu ritzen und mir damit die Orientierung zu erleichtern, als ich mich einer breiten, verschlossenen Tür gegenübersah. Auf beiden Seiten des Tores war je eine Kontrolleinheit mit einem großen, rot leuchtenden Druckschalter aufgestellt worden.

    Die noch immer leicht nach Blut schmeckende Unterlippe zwischen die Zähne gezogen, blieb ich zwischen den zwei Terminals stehen und fragte mich, ob dies womöglich eine Falle war.

    Öffnete der richtige Knopf das Tor, während der falsche Alarm auslöste?

    Konnte ich es riskieren, auf gut Glück einen der beiden zu drücken oder brachte ich die anderen dadurch in Gefahr?


    Ich stand noch immer unschlüssig vor dem verschlossenen Tor und spielte gedanklich verschiedene Szenarien durch, als hinter mir eine leicht rauchige Stimme erklang: "Bin ich froh, dass ich dich noch rechtzeitig eingeholt habe! Man muss beide Schalter gleichzeitig aktivieren. Betätigt man nur einen, dann schließt sich der Ausgang und man sitzt hier in der Falle."

    "Sowas in der Art hatte ich mir bereits gedacht", beruhigte ich die auf mich zu eilende Frau, deren wallendes, rotes Haar wie loderndes Feuer hinter ihr durch die Luft flog.

    Das letzte Mal, dass ich Fyda gesehen hatte, war auf Burg Drachenfels gewesen, wo sie noch von den Folgen ihres schweren Fiebers gezeichnet gewesen war. Jetzt hingegen sah sie nicht nur aus, als wäre sie bei bester Gesundheit, sie wirkte von Grund auf verändert. Ihre tiefblauen Augen strahlten mit einem von innen kommenden Licht, das ich bei ihr noch nie gesehen hatte, und ihre Bewegungen waren energischer und beschwingter als je zuvor.

    Sie wirkte befreit - als hätte sie es endlich geschafft, mit ihrer Vergangenheit Frieden zu schließen und die Last zurückliegender Sünden abzuschütteln, was mich unwillkürlich lächeln ließ.

    Ihre Taten waren grausam gewesen, aber sie waren aus Hilflosigkeit heraus geboren worden und seitdem hatte Fyda eine Menge getan, um Sühne zu leisten. Sie hatte es verdient, den alten Ballast abzuwerfen und ein neues Kapitel aufzuschlagen.


    Als sie mich erreicht hatte, blieb sie direkt vor mir stehen und ließ ihren Blick bewundernd von meinem Scheitel zu meinen Sohlen und zurück wandern, bevor sie einen leisen Pfiff der Anerkennung ausstieß. "Sieh dich einer an! Mit Enigmapanzer und Terralanze bist du wirklich eine beeindruckende Erscheinung!"

    Ich fühlte mich angesichts des Kompliments peinlich berührt, doch Fyda schien dies gar nicht zu bemerken. Stattdessen fuhr sie unbeirrt fort: "Mir war sofort klar, dass du etwas Besonderes bist. Das habe ich bereits bei unserer ersten Begegnung im Gasthof von Loire gespürt. Trotzdem hatte ich nicht erwartet, dass du dich eines Tages als der prophezeite Held entpuppen würdest."

    "Enttäuscht?", neckte ich grinsend, um mich selbst von meiner Verlegenheit abzulenken. "Hattest du statt mir auf einen Baum von einem Kerl mit dichtem Vollbart und einem Kreuz wie ein Schrank gehofft?"

    Fyda schnitt eine irritierte Grimasse und schüttelte den Kopf. "Nein, ganz und gar nicht. Ich mag zwar selbst nicht auf die Idee gekommen sein, dass du der Retter sein könntest, auf den wir schon seit Langem warten, aber als Ma-Jo es mir erzählt hat, war ich trotzdem nicht überrascht. Der Titel steht dir und ich bin mir sicher, du wirst ihm gerecht werden."


    In ihren Augen blitzte der Schalk auf, als sie anfügte: "Wenn ich so darüber nachdenke, hätte mir die Identität des legendären Helden eigentlich schon klar werden müssen, als Melina ihr Herz an dich verschenkt hat. Die holde Prinzessin und der strahlende Heros... wie im Märchen!"

    Mir schoss das Blut in die Wangen und brachte sie zum Glühen, was Fyda dazu anspornte, noch einen draufzulegen: "Wo wir gerade von ihr sprechen: Ich nehme an, ihr habt euch getroffen, als du in Storkholm warst, um die Waffen des Helden zu holen. Wie war euer Wiedersehen, hm? Als Melina und ich uns auf Burg Drachenfels wieder zusammengeschlossen haben, konnte sie kaum aufhören, von dir zu reden."

    Das Sommerhimmelblau ihrer Augen funkelte mich amüsiert an, während mein Gesicht immer röter und röter wurde. Ich hatte nie Geschwister gehabt, aber so ähnlich stellte ich mir das Gefühl vor, von der großen Schwester getriezt zu werden.

    Mein Gegenüber legte derweil den Kopf schief und fuhr mit unübersehbarer, diebischer Freude fort: "Ich frage mich ja, was damals zwischen euch passiert ist, dass Melina danach derart auf Wolken gewandelt ist..."

    "Fyda!", fiel ich ihr endlich mit schneidender Stimme ins Wort. "Können wir uns bitte aufs Hier und Jetzt konzentrieren?!"

    Angesichts meiner heftigen Reaktion grinste sie schadenfroh in sich herein, zwang sich dann aber zu einer ernsten Miene und stimmte zu: "Du hast recht. Kümmern wir uns zunächst um diese Schalter. Ich kann dich auch später noch ärgern!" Trotz ihrer Bemühungen, es zu verhindern, stahl sich ein Lachen zurück auf ihr Gesicht und ich stöhnte resigniert, bevor wir beide eine Hand auf je einen der rot blinkenden Knöpfe legten.

    "Bereit?", fragte Fyda und suchte den Blickkontakt mit mir. Ich nickte und bestimmte: "Auf Drei."

    "Eins... Zwei... Drei!", zählte meine Begleiterin laut und wir drückten in perfekter Synchronität unsere Schalter.

    Kurz darauf erklang ein schleifendes Geräusch und das Tor gab endlich den Weg frei.


    Ich hastete sofort hindurch, doch nach ein paar Schritten fiel mir auf, dass Fyda nicht an meiner Seite war. Daher drehte ich mich noch einmal zu ihr um und fragte: "Kommst du nicht mit?"

    Sie schüttelte den Kopf und erklärte: "Ich warte auf Roy. Wir beide sind ein Team. Ich will ihn nicht zurücklassen."

    Der sanfte Unterton in ihrer Stimme und das verträumt wirkende Lächeln, das um ihre Mundwinkel spielte, als sie von dem gerissenen Söldner sprach, ließ mich aufhorchen.

    "Oh-ho, verstehe!" Nun war es an mir, sie neckisch anzugrinsen, was sie damit quittierte, dass sie mir die Zunge rausstreckte und fragte: "Hast du's nicht eilig?"

    "Du hast recht. Ich kann dich auch später noch ärgern", wiederholte ich ihre Worte von zuvor, wandte mich ab und lief von Fydas Lachen begleitet den vor mir liegenden Gang hinab.


    Wie viele Stockwerke hatte dieser verdammte Turm bloß?!

    Ich kam mir vor, als liefe ich schon seit Stunden von einem Raum zum nächsten und hätte bereits Hunderte Treppen erklommen. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte ebenfalls, dass ich mich bereits viele Meter über dem Erdboden befand. Trotzdem schien das Ende des Turms noch immer nicht in Sicht zu sein und auch von Beruga fehlte unverändert jede Spur.

    Ob Ma-Jo sich womöglich geirrt hatte und der durchgeknallte Wissenschaftler befand sich überhaupt nicht hier?

    Bevor ich mich ernsthaft mit dieser Frage beschäftigen konnte, betrat ich einen in einer Sackgasse endenden Raum, in dem Roy an einer Art Geschützturm herum hantierte. Als er mich näherkommen hörte, wandte er überrascht den Kopf, wodurch sein langes, seidiges Haar sanfte Wellen in der Luft schlug.

    "Hallo Hosenmatz!", begrüßte er mich gewohnt abfällig und verzog die Lippen zu dem selbstgefälligen Grinsen, das er fast immer zur Schau trug.

    Was fand Fyda bloß an diesem affektierten Affen?

    Ich bedachte ihn mit einem gelangweilten Blick und entgegnete: "Roy, du alter Blindgänger! Wer hat dich denn zur Party eingeladen?"

    "Fyda." Sein Gesicht wurde weicher, als ihren Namen sagte und für einen Moment hatte ich den Eindruck, zum ersten Mal hinter seine sorgsam einstudierte Maske sehen zu können. Doch er zog seine Fassade blitzschnell wieder hoch und fügte an: "Sie meinte, du könntest Hilfe gebrauchen. Das ist mir persönlich ja vollkommen egal, aber ich konnte einer schönen Frau noch nie einen Wunsch abschlagen. Und außerdem..."

    Ein dunkler Schatten legte sich über das Wasserblau seiner Augen wie eine Gewitterwolke, die einen schweren Sturm ankündigte. "Ich habe noch eine persönliche Rechnung mit Beruga offen, sagen wir es so."

    Bei diesen Worten horchte ich interessiert auf, entschied mich dann aber doch dafür, die darin enthaltene Information vorerst zu ignorieren und nicht nachzuhaken. Stattdessen deutete ich auf die gegenüberliegende Wand und sagte: "Dieser Gang ist eine Sackgasse. Wir sollten umkehren und einen anderen Weg finden. Außerdem wartet Fyda weiter unten auf dich."

    Auch wenn ich Roy wohlwollender gegenüber gestanden hätte, hätte ich es ihm übel genommen, dass er unserer gemeinsamen Freundin offenbar nicht gesagt hatte, dass er alleine vorgehen würde.

    Was, wenn ihr etwas passierte, während sie sinnlos darauf wartete, dass er zu ihr aufschloss?


    Zu meiner Überraschung schüttelte der Söldner den Kopf und erklärte: "Man kann die Wand öffnen, aber man braucht dafür eine Fernbedienung, die Beruga selbst bei sich trägt."

    "Woher weißt du das?", fragte ich verblüfft und staunte, als Roys Gesicht daraufhin rosa anlief.

    "Ich habe es gesehen", gestand er nach kurzem Zögern mit gut hörbarem Zähneknirschen. "Ich habe Beruga in einem Laborraum entdeckt, als ich auf dem Weg zu Fyda war, und dachte, das wäre die große Chance, ihn zu stellen. Aber hat mich ausgetrickst und ist geflohen. Ich habe ihn bis hierher verfolgt."

    Am liebsten hätte ich Roy für seine Dummheit irgendetwas an den Kopf geworfen, doch da dies das Problem auch nicht gelöst hätte, sagte ich lediglich: "Verdammt. Und was jetzt?"

    "Jetzt gehst du aus dem Weg", entgegnete mein Gegenüber und deutete auf die imposante Waffe vor ihm. "Ich musste erst Munition besorgen, aber jetzt wird uns dieser Ballermann hier helfen, ein hübsches Loch in die Wand zu pusten!"

    Dann belud er den langen Lauf mit einer Kugel, die in etwa so groß war wie ein Säugling, während ich mich fragte, wozu Beruga derartiges überhaupt in seinem Turm hatte. Eine Waffe dieser Größenordnung erschien mir für den Einsatz in geschlossenen Wänden nicht geeignet.


    Die Kanone surrte laut, als Roy sie in Position brachte und ich schmiss mich sicherheitshalber zu Boden und bedeckte meinen Kopf schützend mit meinen Armen.

    Wie ich erwartet hatte, erzitterte der gesamte Turm und sämtliche Fenster zersplitterten zu einem klirrenden Scherbenregen, kaum dass Roy den Abzug betätigt hatte. Staub und Rauchschwaden trieben durch die Luft und machten das Atmen schwer, doch immerhin hatte der Plan funktioniert: in der hinteren Wand klaffte nun eine riesige Lücke, durch die wir in den Raum dahinter steigen konnten.

    Etwas benommen und mit klingelnden Ohren rappelte ich mich wieder auf und klopfte mir notdürftig Glassplitter und Betonreste aus Haaren und Kleidern, als vom Eingang eine erschrocken klingende Stimme ertönte: "Was zur Hölle war das?!"

    Perry streckte den Kopf zur Tür herein und ließ seinen geschockt wirkenden Blick durch den Raum wandern. Bevor ich antworten konnte, wurde er jedoch bereits grob von Fyda und Ma-Jo zur Seite geschoben.

    Während Fyda mit besorgter Miene zu Roy eilte, marschierte der alte Mönch schnurstracks auf das Loch in der Wand zu und bellte in gebieterischem Ton: "Mei-Lin! Perry! Ark! Kommt mit. Ich sehe, dass Beruga versucht, an Bord seines Luftschiffs zu entkommen. Ich brauche euch, um die Luke dorthin zu öffnen."


    "Was müssen wir tun?", wollte ich wissen, während ich mit langen Schritten zu ihm aufschloss.

    "Es ist wie bei der Tür, die du gemeinsam mit Fyda geöffnet hast - nur, dass es dieses Mal vier statt zwei Schalter sind", erklärte Ma-Jo und deutete auf die weit voneinander entfernten Terminals.

    Als hätten wir dies zuvor geprobt, verteilten wir uns in Windeseile auf die Kontrolleinheiten, ohne uns dabei gegenseitig im Weg zu stehen, und nickten uns anschließend zu.

    "Gib du das Zeichen, Ma-Jo", bestimmte ich und sah aus dem Augenwinkel, wie Fyda und Roy sich gegenseitig an den Händen haltend an uns vorbei auf die Luke zum Flugschiff zurannten.

    "Gut", stimmte Ma-Jo zu und holte tief Luft. "Jetzt!"

    Mei-Lin, Perry, Ma-Jo und ich drückten gleichzeitig unsere Schalter und das Rolltor über der Luke öffnete sich mit einem leisen Rumpeln. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern sprangen Fyda und Roy aus vollem Lauf durch sie hinab in die Tiefe und verschwanden aus meinem Sichtfeld.

    Mein Körper handelte daraufhin wie von selbst und ich sprintete den beiden so schnell ich konnte hinterher, ohne ein Wort an die anderen zu verlieren.

    Ich durfte die zwei in diesem Kampf nicht allein lassen!

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Arks Tagebuch Part 27


    Das Flugschiff hatte sich bereits in Bewegung gesetzt und ich musste mich beim Absprung mit voller Kraft abstoßen, um weit genug springen zu können und es noch zu erreichen. Trotzdem erwischte ich lediglich das Heck, wo meine Füße auf dem glatten, gebogenen Metall keinen Halt fanden und abrutschten.

    Ich stieß reflexartig einen spitzen Schrei aus und sah mich vor meinem geistigen Auge bereits in die Tiefe stürzen, als plötzlich kräftige Finger meinen Unterarm umschlossen und mich mit einem Ruck zurück aufs Schiff zogen. Mein Retter verlor dabei selbst das Gleichgewicht und wir fielen als ein verworrenes Knäuel aus Armen und Beinen aufs Deck.

    "Autsch... Hosenmatz, du bist schwerer als du aussiehst!" Roy mühte sich, mich von sich herunter zu schieben und wieder auf die Füße zu kommen.

    Ich stöhnte innerlich auf und schlug ihm bei dem Versuch, meinerseits so schnell wie möglich aufzustehen, versehentlich einen Ellbogen zwischen die Rippen.

    Die Auswahl möglicher Schutzengel war in dieser Situation zugegebenermaßen stark beschränkt gewesen, aber es widerstrebte mir dennoch, ausgerechnet von Roy gerettet worden zu sein. Dieser arrogante Fatzke war einer der letzten Menschen auf der Welt, denen ich etwas schuldig sein wollte...

    Fyda trat neben uns und musterte mich mit besorgtem Blick. "Das war knapp! Ist noch alles dran?"

    Obwohl die Frage mir gegolten hatte, war es Roy, der antwortete: "Natürlich! Ein Glück, dass ich so schnelle Reflexe habe und ein guter Sprinter bin. Nicht wahr, Kleiner?"

    "Hm-mh, du bist der Gipfel der menschlichen Evolution...", knurrte ich mehr zu mir selbst als zu den anderen und schaffte es endlich, mich wieder aufzurappeln.

    Roy hievte sich ebenfalls auf die Füße und schlug mir breit grinsend mit der flachen Hand auf den Rücken. "Endlich hast du's kapiert!"

    Ich rollte zur Antwort stöhnend mit den Augen und murrte: "Lass mich beim nächsten Mal einfach fallen, okay? Aus hundert Metern Höhe auf dem Boden aufzuschlagen, ist vermutlich erträglicher als diese Selbstbeweihräucherung... Insbesondere, wenn sie von dir kommt!"

    Nun war es Fyda, die ein genervtes Schnauben ausstieß und etwas murmelte, das verdächtig wie "Männer!" klang, aber größtenteils in Roys lautem Lachen unterging.


    Um unsere gegenseitigen Stänkereien zu unterbrechen, fragte sie lauter: "Hat einer von euch zwei Armleuchtern einen Plan, wie wir jetzt weiter vorgehen?"

    "Einfach. Wir suchen Beruga und ziehen ihn für seine Taten zur Rechenschaft - genauso wie wir es im Turm getan hätten, wenn nicht irgendwer es vermasselt hätte." Unter normalen Umständen hätte ich mir eine derartige Spitze verkniffen, aber in diesem Moment war ich noch immer angefressen, weil ich mich vor Roy blamiert hatte und von ihm hatte gerettet werden müssen. Dieses Gefühl der Erniedrigung ließ mich ungewohnt gemein werden und weckte in mir das Bedürfnis, dafür zu sorgen, dass er genauso Scham empfand wie ich.

    Diese Niederträchtigkeit bereute ich jedoch sofort, als ich aus dem Augenwinkel sah, wie der sonst so toughe Söldner bei meinen Worten getroffen zusammenzuckte.

    Wie ein verwundetes Tier ging er ebenfalls zum Angriff über und fauchte zurück: "Wenn irgendjemand Beruga damals erledigt hätte, als er die Gelegenheit dazu gehabt hätte, hätten wir diesen Schlamassel jetzt überhaupt nicht!"

    Wir starrten uns gegenseitig mit solch Intensität an, dass sprichwörtlich Funken sprühten, und bauten uns drohend voreinander auf - bereit, unseren Disput notfalls mit Fäusten zu lösen. Roys blasse Augen funkelten hart wie zentimeterdickes Eis, während ich mich fragte, woher er von meiner ersten Begegnung mit Beruga wusste.

    War es Ma-Jo gewesen, der es ihm verraten hatte, oder hatte Mei-Lin mein Versagen ausgeplaudert?

    "Schluss jetzt!", fuhr Fyda uns scharf an, woraufhin wir augenblicklich strammstanden wie zwei Schuljungen, die von der Rektorin bei einem Streich erwischt worden waren.

    "Ihr seid beide Idioten!", schimpfte sie weiter und strafte uns mit vernichtenden Blicken. "Meinetwegen könnt ihr später rumstänkern, bis ihr grün werdet, oder euch gegenseitig zu Mus schlagen, aber für den Rest der Mission werdet ihr ab sofort so tun, als wärt ihr die besten Freunde - ansonsten werfe ich euch eigenhändig von Bord! Ist das klar?!"

    "Glasklar..." Roy und ich zogen kleinlaut die Köpfe ein und schauten bedröppelt zu Boden, um dem brennenden Zorn in Fydas Augen zu entgehen.

    Diese strich sich mit einer ruckartigen Bewegung eine Strähne ihrer flammenden Mähne aus dem erhitzten Gesicht und atmete tief durch, bevor sie betont ruhig wiederholte: "Also, wie sieht der Plan aus?"


    "Hab ich doch schon gesagt: Wir suchen Beruga und strecken ihn nieder. Ganz einfach." Ich fasste meine Lanze fester, um zu demonstrieren, dass ich bereit war, zu tun, was getan werden musste.

    Roy hingegen setzte eine nachdenkliche Miene auf und erwiderte: "Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist."

    Als Fyda ihn daraufhin mit einem warnenden Blick bedachte, hob er abwehrend die Hände und verteidigte sich: "Das sage ich nicht, weil der Vorschlag von unserem Kleinen hier kam! Aber seht euch mal all diese Geschütztürme an. Beruga hat sie sicherlich nicht zum Spaß auf sein Luftschiff bauen lassen."

    Während Fyda verwirrt die Augenbrauen zusammenzog, verstand ich sofort, worauf Roy hinauswollte: "Du glaubst, er wird eine weitere Stadt angreifen, um ein Exempel zu statuieren und uns und der Welt zu zeigen, was passiert, wenn sich jemand gegen ihn auflehnt." Der Kloß, der sich bei diesem Gedanken in meiner Kehle geformt hatte, machte das Sprechen schwer und ließ meine Stimme rauer klingen als normal.

    "Ja, ganz genau", bestätigte Roy leise und mit einem traurigen Unterton in der Stimme, der klar verriet, dass er sich für jeden einzelnen Tod die Schuld geben würde, sollte es so weit kommen.

    Ein schlechtes Gewissen ließ mein Herz schwer werden und ich hätte mir für meine Stichelei von zuvor am liebsten die Zunge abgebissen. Niemand hatte es verdient, eine derartige Last auf den Schultern zu tragen und ich hatte auch noch Öl ins Feuer gegossen...


    Ich suchte noch nach den richtigen Worten, um mich bei Roy für meinen unfairen Vorwurf zu entschuldigen, als Fyda sich bereits auf die Suche nach einer Lösung für die Situation machte: "Also müssen wir zuerst dieses Schiff stoppen und dafür sorgen, dass es nicht in die Nähe einer Stadt kommt. Kann einer von euch so ein Ding fliegen?" Ihr Gesicht hatte angesichts des womöglich bevorstehenden Massakers sämtliche Farbe verloren und strafte den beherrschten, emotionsfreien Ton ihrer Stimme Lüge.

    "Ein Freund hat mir beigebracht, einfache Flugmaschinen zu steuern", erwiderte ich, woraufhin sich Fydas Miene sichtlich aufhellte. Bevor ihre Hoffnungen zu groß werden konnten, gab ich jedoch im gleichen Atemzug zu bedenken: "Allerdings glaube ich nicht, dass Beruga sich bei diesem Luftschiff auf eine manuelle Steuerung verlässt. Er wird seine Maschinen damit beauftragt haben, es zu kontrollieren."

    Roy nickte und stimmte zu, wobei er auf einen neben uns stehenden, schwarzen Kasten mit einer Reihe bunt blinkender Lichter deutete: "Ich denke ebenfalls, dass dieser Kahn von Computern wie diesem da geflogen wird."

    Fyda wirbelte zu der leise vor sich hin piependen Apparatur herum und überlegte laut: "Wenn wir also alle Computer an Bord zerstören, dann..."

    "... dann wird das Schiff vermutlich sämtliche Funktionen einstellen und abstürzen", vervollständigte Roy ihren Satz mit grimmigem Gesichtsausdruck.


    Zu meiner Überraschung verzog Fyda ihre Lippen daraufhin zu einem breiten Grinsen und jubelte: "Ein Glück, dass ich einige Bomben mitgenommen habe!" Sie griff in ihre schwer wirkende Umhängetasche und zog ein komisches Gebilde heraus, das aussah wie mehrere große Stangen Zimt mit einer daran befestigten Taschenuhr ohne Deckel.

    Als sie meinen verwirrten Blick bemerkte, erklärte sie: "Das sind Zeitbomben. Man kann sie zünden und hat dann ein vorher festgelegtes Zeitfenster lang Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, bevor sie explodieren. Damit können wir die Computer zerstören und dieses Schiff lahmlegen!" Sie drückte mir die erste Bombe in die Hand und langte anschließend erneut in ihren Beutel, um ein weiteres Exemplar hervorzuholen.

    Während ich sie dabei beobachtete, wie sie ihren explosiven Vorrat gleichmäßig auf uns drei verteilte, drängte sich mir die Überlegung auf, was aus uns werden würde, wenn wir das Flugschiff zum Absturz brachten. Wir würden in der Falle sitzen wie Ratten...

    Laut stellte ich jedoch eine völlig andere Frage: "Was machen wir, wenn es mehr Computer gibt als wir Bomben haben?" Beruga musste aufgehalten werden, zu jedem Preis. Da war das uns bevorstehende Schicksal zweitrangig.

    Roy zuckte mit den Schultern und antwortete leichthin: "Hoffen, dass der angerichtete Schaden trotzdem ausreicht, um diesen Kahn zu stoppen."

    Fyda hingegen machte ein besorgtes Gesicht und schien ernsthaft über meine Frage nachzudenken. Nach ein paar Sekunden schüttelte sie jedoch frustriert den Kopf und bestimmte: "Darüber können wir uns Gedanken machen, sollte der Fall tatsächlich eintreten. Jetzt sollten wir uns aufteilen und so schnell wie möglich die Bomben benutzen, die wir haben."

    "Ich nehme das obere Deck", verkündete Roy, kaum dass sie ausgesprochen hatte, und sprintete davon, ohne einem von uns die Gelegenheit für Einspruch zu geben.

    "Dann kümmere ich mich um das unterste Stockwerk und überlasse dir das Zwischendeck, wenn das für dich in Ordnung ist", sagte Fyda und warf mir einen fragenden Blick zu, den ich mit einem gleichmütigen Achselzucken beantwortete.

    Da sich daraufhin leichte Zweifel in ihren Augen breitmachten, verbalisierte ich meine Gedanken zusätzlich: "Soll mir recht sein. Mir könnte es nicht egaler sein, welcher Teil des Schiffes mir anvertraut wird."

    Dann verstaute ich meinen Bombenvorrat in der Truhe von Oberwelt-Fluffy, wobei sich mir die Erkenntnis aufdrängte, dass ich keine Ahnung hatte, wie diese Sprengkörper überhaupt einsetzte. Daher hielt ich den letzten von ihnen hoch und fragte: "Aber wie genau funktionieren diese Dinger?"

    "Das ist ganz einfach. Ich zeig's dir mit dem Computer hier", versprach Fyda und ging mit mir Schritt für Schritt durch, wie ich den Timer stellte, die Bomben an der Steuereinheit des Schiffes befestigte und den Zünder aktivierte.

    Anschließend legte sie mir für einen kurzen Moment eine Hand auf die Schulter und schien noch etwas sagen zu wollen. Doch nachdem sie einige Herzschläge lang mit sich gerungen hatte, warf sie mir lediglich ein melancholisch wirkendes Lächeln zu und hastete dann ohne ein weiteres Wort davon.


    Da ich nun keinen Grund mehr hatte, länger zu verweilen, machte ich mich ebenfalls auf die Suche nach zu sprengenden Computern, wobei mein Weg mich durch langgezogene Gänge aus nacktem Stahl führte. Zwar hatte ich auch zuvor nicht daran gezweifelt, dass dieses Luftschiff nicht für vergnügliche Kreuzfahrten gebaut worden war, doch das funktionale, spartanische Innendesign und der gänzlich fehlende Komfort führten mir noch einmal überdeutlich vor Augen, dass ich mich auf einer riesigen Kriegsmaschine befand.

    Dieses Schiff war nur zu einem einzigen Zweck gebaut worden und das war die Unterjochung der gesamten Welt!

    Während ich durch die kalten Korridore schlich und gelegentlich eine der hier patrouillierenden Roboterwachen ausschaltete, fragte ich mich, ob Beruga nach dem Anschlag auf Neo-Tokio bis jetzt von der Bildfläche verschwunden war, weil er mit der Entwicklung und Fertigstellung dieser fliegenden Festung beschäftigt gewesen war.

    Und was war Ma-Jos Motivation gewesen, die anderen ausgerechnet jetzt zusammenzurufen und in die Offensive zu gehen?

    Hatte der alte Mönch womöglich in einer Vision gesehen, dass das Flugschiff fertiggestellt war und welche Vernichtung es über das Land bringen würde, sollte Beruga nicht alsbald aufgehalten werden?


    Ein lautes, von einem Beben begleitetes Rumsen verriet mir, dass Roy oder Fyda einen weiteren Computer gefunden und zerstört hatten. Das Sonnenlicht, das durch die knapp unter der Decke angebrachten, an Scharten erinnernden Fenster fiel, änderte daraufhin seinen Einfallswinkel, was nur bedeuten konnte, dass sich der Kurs des Schiffs geändert hatte.

    Ich zog mir eine achtlos im Gang abgestellte, laut Beschriftung mit irgendwelchen Ersatzteilen gefüllte Kiste heran und spähte nach draußen. Dank meiner vielen Reisen durch dieses Gebiet konnte ich schnell erkennen, dass wir uns zuvor auf dem Weg nach Loire befunden hatten, doch nun war das Flugschiff abgedreht und steuerte in Richtung Osten.

    Hing die Kursänderung tatsächlich mit der Zerstörung des Computers zusammen oder gehörte sie womöglich doch zu Berugas Plan?

    Ich hatte keine Lust, die Antwort darauf herauszufinden. Daher hüpfte ich geschwind von der Kiste herunter und machte mich wieder ans Verteilen meiner Bomben.


    Mein Vorrat war bereits bis auf einen letzten Sprengkörper aufgebraucht, als ich im hinteren Teil des Luftschiffs auf Roy traf. Dieser stand mit grüblerischer Miene vor der sich hier befindlichen Steuereinheit und wandte beim Klang meiner näherkommenden Schritte überrascht den Kopf.

    "Ach, du bist es nur", begrüßte er mich mit einem erleichterten Aufatmen. "Ich hatte schon befürchtet, es wäre wieder einer dieser lästigen Androiden."

    "Was machst du hier?", wollte ich wissen und öffnete Fluffys Truhe, um meine letzte Bombe herauszuholen.

    "Unten scheint es keine Computer mehr zu geben, die ich noch nicht zerstört hätte. Daher habe ich auf dieser Ebene weitergemacht", erklärte Roy, wobei seine Stimme klar verriet, dass er in Gedanken nur halb bei unserem Gespräch war. "Leider sind mir die Bomben ausgegangen, deswegen überlege ich gerade, ob ich das Teil auch irgendwie anders auseinandernehmen kann." Er deutete auf das Steuerelement vor sich, das unbeeindruckt piepste.

    Mein letztes Exemplar in die Höhe haltend, schob ich ihn sanft zur Seite und sagte: "Lass mich das machen."

    Roy trat mir ohne Gegenwehr aus dem Weg und beobachtete über meine Schulter hinweg, wie ich die Bombe an dem Computer befestigte und den Timer einstellte. Dann überraschte er mich mit einer privaten Frage, die mich aus allen Wolken fallen ließ: "Was hast du mit deinem Leben vor, wenn das alles hier überstanden ist?"

    Für einen Moment starrte ich ihn mit offen stehendem Mund an, als hätte er mir soeben verraten, seine Eltern seien fünfbeinige Mondmenschen.

    Doch als ich meine Contenance endlich wiedergefunden hatte, antwortete ich ehrlich: "Weiß nicht. So weit ins Voraus plane ich selten. Ich habe Melina versprochen, zu ihr nach Storkholm zurückzukehren, damit sie sich selbst von meiner Unversehrtheit überzeugen kann. Aber danach... keine Ahnung."


    Der sonst so blasierte Söldner nickte und maß mich mit einem sonderbar abschätzenden Blick, der mich fürchten ließ, er würde mich wie ein besorgter Vater nach meinen Gefühlen für die ehemalige Prinzessin fragen. Stattdessen sagte er jedoch: "Ich werde ein neues Leben anfangen. Nochmal ganz von vorne starten, verstehst du? Fyda und ich werden die Welt bereisen, bis wir einen Ort finden, an dem wir beide uns zuhause fühlen und die Vergangenheit hinter uns lassen können."

    "Liebst du sie?" Die Frage schlüpfte mir durch die Lippen, bevor ich es verhindern konnte, wodurch ich mich wie ein Heuchler fühlte. Wie konnte ich die Dreistigkeit besitzen, meine Nase in die Gefühlslage anderer Menschen zu stecken, wenn es mir gleichzeitig furchtbar unangenehm wäre, selbst mit derartigen Fragen konfrontiert zu werden?!

    Ich hatte mit einer ausweichenden oder schnippischen Antwort gerechnet, aber Roy erstaunte mich damit, dass er sich verletzlich zeigte und offen zugab: "Ja. Sie ist das Beste, das mir in meinem Leben je passiert ist."

    Wir tauschten einen langen Blick, über den wir eine vollständige, stumme Konversation führten, uns für zurückliegende Feindseligkeiten entschuldigten und zum ersten Mal seit unserem Kennenlernen einen Funken Freundschaft zwischen uns keimen spürten.

    Nach einer Weile wandte ich schließlich als Erster die Augen ab, rieb mir verlegen über den Hinterkopf und gestand: "Irgendwie ist es unheimlich, wenn du zur Abwechslung mal kein Arschloch bist... Ich bin es derart gewohnt, dich zum Kotzen zu finden, dass ich jetzt überhaupt nicht weiß, wie ich damit umgehen soll, dass ich dich gerade tatsächlich beinahe so etwas wie mag."

    Roy lachte und seine Augen glitzerten amüsiert, als er entgegnete: "Keine Sorge. Das wird nicht allzu oft vorkommen, versprochen."

    Dann nickte er mit dem Kopf in Richtung Gang und fügte an: "Wir sollten uns lieber schnell vom Acker machen, bevor die Bombe hochgeht."


    Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und so hasteten wir gemeinsam den Korridor hinunter, bis hinter uns ein lauter Knall ertönte und ich das Gefühl hatte, meine Füße würden ein wenig die Bodenhaftung verlieren.

    Roy stolperte zum nächstgelegenen Fenster und spähte hinaus, was mich den heißen Stich des Neides spüren ließ, da er dazu keine Kiste brauchte. Anders als ich war er groß genug, dass es ausreichend war, wenn er sich lediglich auf die Zehenspitzen stellte.

    Nach einem kurzen Blick stellte er mit einer Mischung aus Freude, Erleichterung und Sorge in der Stimme fest: "Wir haben es geschafft! Das Schiff stürzt ab."

    Bevor ich etwas entgegnen konnte, tauchte plötzlich Fyda im nächstgelegenen Türrahmen auf und rief atemlos: "Endlich hab ich euch gefunden! Schnell! Folgt mir! Ich weiß, wo Beruga ist!"

    Anschließend wirbelte sie wieder herum, ohne auf unsere Reaktion zu warten, und sprintete davon.

    Roy und ich wechselten einen kurzen Blick, in dem neben Entschlossenheit und Anspannung überraschenderweise auch Dankbarkeit darüber, den jeweils anderen an der Seite zu haben, mitschwang. Dann stürzten wir wie auf ein geheimes Zeichen hin gleichzeitig los und rannten Fyda hinterher, wobei unsere Schritte laut auf dem stählernen Boden dröhnten.


    Als Roy schließlich Beruga auf einem kleinen Außendeck erblickte, riss er ohne zu zögern sein Schwert aus der Scheide und brüllte: "Dieses Mal sitzt du in der Falle, du feige Ratte! Jetzt wirst du endlich für Neo-Tokio und Projekt Vorbereitung bezahlen!"

    Seine gesamte Körperhaltung strahlte dabei nur mühsam in Zaum gehaltenen Zorn aus, doch unter der rasenden Wut konnte ich zusätzlich eine tiefe, alles erdrückende Trauer erkennen, die mir die Kehle zuschnürte. Obwohl ich noch nie von diesem Projekt Vorbereitung gehört und keinerlei Ahnung hatte, was es damit auf sich hatte, war mir bei Roys Anblick in diesem Moment zweifelsfrei klar, dass dies die offene Rechnung sein musste, die jener bei unserem Gespräch im Turm erwähnt hatte.

    Zu meiner Überraschung reagierte Beruga auf die offensichtliche Drohung jedoch nicht mit Furcht oder Wut, sondern mit Amüsement. "Ihr Narren!", lachte er uns ins Gesicht. "Habt ihr wirklich gedacht, mich zu stoppen wäre so einfach? Ihr seid in eurem Denken und eurer Vorstellungskraft so beschränkt, wie ihr dämlich seid!"

    "Was soll das heißen?", verlangte Fyda zu wissen und stellte sich schräg hinter Roy, um den Wissenschaftler böse anzufunkeln. "Wir haben dir jeden Fluchtweg versperrt und außerdem stürzt dieses Luftschiff unabwendbar ab. Du wirst in wenigen Minuten mit uns gemeinsam den Tod finden!"

    Ich warf ihr und dem zustimmend nickenden Roy einen schnellen Seitenblick zu, den sie jedoch nicht zu bemerken schienen, da ihre gesamte Aufmerksamkeit dem Mann vor ihnen galt. Während ich meine Bomben auf dem Schiff verteilt hatte, hatte ich mich mehrfach gefragt, ob den beiden bewusst war, was der Absturz für uns bedeutete.

    Nun hatte ich meine Antwort... Offenbar gingen wir alle sehenden Auges unserem Untergang entgegen.

    Aber weshalb hatte Roy mich dann nach meinen Plänen gefragt?

    Hatte er ein letztes Mal in der Vorstellung, eine Zukunft vor sich zu haben, schwelgen wollen?

    Oder war es ihm darum gegangen, sich vor Augen zu führen, was jeder einzelne von uns für den Erfolg dieser Mission aufgab?

    Ich dachte an Mei-Lin, Perry und Ma-Jo und verspürte unendliche Dankbarkeit dafür, dass die drei es nicht an Bord des Flugschiffs geschafft hatten. Wenigstens sie würden unversehrt nach Hause zurückkehren können.


    Berugas erneutes Lachen riss mich aus meinen Gedanken: "Dummes Weib! Es stimmt, ihr sitzt in der Falle, die ihr euch selbst gestellt habt. Aber ich werde mit Hilfe dieser Jet-Boots entkommen und Ragnaras Willen erfüllen. Ihr habt mich lediglich Zeit gekostet, mehr nicht." Er deutete auf die massiven Stiefel an seinen Füßen und grinste uns mit einem Ausdruck der Überlegenheit an.

    Roy schwang daraufhin sein Schwert, um ihm die scharfe Klinge an die Kehle zu legen, und herrschte ihn an: "Ragnara?! Wer ist das? Arbeitest du für ihn?"

    Eine Antwort auf diese Fragen sollten wir jedoch nie bekommen...


    Noch bevor Roy ausgesprochen hatte, aktivierte Beruga den Raketenantrieb seiner Stiefel und erhob sich mit einem irren Kichern in die Luft.

    Ich stieß meinen perplexen Freund grob zur Seite und sprang in die Höhe, um Beruga noch zu erwischen und ihn zurück zu Boden zu ziehen. Dieser wich jedoch geschickt aus und lachte höhnisch, als ich mit einem schmerzerfüllten Stöhnen hart auf dem Deck aufschlug und mich dabei auf die Nase legte.

    Fyda eilte an meine Seite, um mir aufzuhelfen, aber ich schob ihre Hände mit einer abwehrenden Geste von mir, rappelte mich alleine hoch und fasste die Terralanze fester, um sie auf Beruga zu schleudern und ihn aufzuspießen wie einen Fisch beim Speerfischen.

    Doch bevor ich meine Waffe werfen konnte, wurde Beruga plötzlich vom Luftsog einer sich noch immer drehenden Turbine erwischt und in Richtung des scharfkantigen Propellers gezogen. Auf dem Gesicht des Wissenschaftlers machte sich absolute Panik breit, als er registrierte, dass er beim Ausweichen einen Fehler gemacht hatte und der Turbine zu nahe gekommen war.

    Er versuchte verzweifelt, sich aus dem an ihm zerrenden Luftstrom zu befreien, doch vergebens...

    Nur Sekunden später wurde sein Körper von den sich schnell drehenden Rotorblättern zerfetzt und Blut, Gewebe und Knochensplitter spritzten in sämtliche Richtungen.

    Obwohl sie als ehemalige Soldatin sicherlich wohl vertraut mit grausigen Ansichten war, beeilte Roy sich, vor Fyda zu springen, um sie vor dem Schlimmsten abzuschirmen und sicherzustellen, dass sie nicht von den herumfliegenden Überresten getroffen wurde.

    Ich beneidete sie ein wenig darum...

    Der Anblick, wie Berugas Körper Stück für Stück aufgerieben wurde, brannte sich von der ersten Sekunde an unauslöschlich in meine Erinnerungen.

    Und die Geräusche erst...

    Ich war mir sicher, dass sie mich für lange Zeit in meinen Albträumen begleitet hätten, hätte ich noch Zeit für schlechte Träume gehabt. Angesichts dessen war es ein beinahe tröstlicher Gedanke, dass das Luftschiff in wenigen Minuten endgültig abstürzen und damit all meinen Sorgen ein Ende bereiten würde.


    "Was eine schreckliche Art zu sterben..." Fyda presste ihr Gesicht gegen die Brust ihres Partners und ließ in fassungslosem Unglauben den Kopf hin und her rollen.

    Roy strich ihr sanft übers Haar, während er grimmig zu dem blutbefleckten Propeller empor schaute und leise murmelte: "Nach allem, was er getan hat, hätte er etwas noch viel Grausameres verdient..."

    Dann wandte er sich an mich und fragte: "Hast du schon einmal etwas von diesem Ragnara gehört? Steckt er in Wahrheit hinter allem?"

    Ich nickte, als ich mich dunkel an das Gespräch mit meiner Lichtseite am Heldengrab erinnerte. "Ich habe den Namen schon mal gehört, aber ich hatte bislang den Eindruck, dass es sich dabei eher um ein theoretisches Konzept, eine Art Gottheit, handelt - nicht um eine reelle Person."

    "Nun, du wirst es für uns herausfinden müssen", forderte Roy mit überraschendem Optimismus in der Stimme. "Wenn es tatsächlich noch jemanden gibt, der Beruga aus den Schatten heraus kontrolliert hat, dann muss der Kerl ebenfalls zur Strecke gebracht werden - selbst wenn er ein Gott sein sollte!"

    Fyda nickte zustimmend, während ich ein genervtes Gesicht zog und blaffte: "Und wie soll ich das machen, Schlaumeier? Du weißt genauso gut wie ich, dass wir diesem Schiff nicht entkommen werden."

    "Da wäre ich mir nicht so sicher", wandte Fyda ein und deutete mit einem wehmütigen Lächeln hinter mich.

    Ich wandte den Kopf, um zu sehen, was sie meinte und staunte nicht schlecht. Auf der Reling des Decks saß eine von Dumbars Möwen und sah mich aus funkelnden, schwarzen Augen abwartend an.

    "Wie kann das sein?!" Mein verwirrter Blick wanderte an den Horizont, um unsere Flughöhe zu schätzen. Das Luftschiff sank beständig, aber noch flogen wir höher als es für die meisten Vögel möglich war.


    Roy wischte sich einen Spritzer von Berugas Blut von der Schulterplatte seiner Rüstung und sagte: "Ist doch egal. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Nimm die Möwe und bring dich in Sicherheit!"

    "Was?! Niemals!" Ich wirbelte mich auf der eigenen Achse drehend zu ihm herum und starrte ihn geschockt an.

    Wie konnte er derartiges von mir verlangen?!

    "Ich werde euch nicht einfach eurem Schicksal überlassen und mich aus dem Staub machen!", betonte ich mit Nachdruck, während allein die Vorstellung mich vor Schuldgefühlen zittern ließ.

    Fyda legte ihre Hände auf meine Schultern und bohrte ihren Blick in meinen. "Doch. Genau das wirst du tun", bestimmte sie in einem Ton, der deutlich sagte, dass sie keinen Widerspruch zulassen würde. "Du bist der prophezeite Held und vermutlich der Einzige, der diesen Ragnara aufhalten kann. Du musst überleben."

    Ich schüttelte den Kopf wie ein trotziges Kind und weigerte mich, die Sinnhaftigkeit ihrer Worte anzuerkennen. "Nein! Wir lassen uns etwas einfallen und suchen gemeinsam einen Ausweg, wie wir drei es hier raus schaffen!" Panik breitete sich in meiner Brust aus wie ein Ballon, der aufgeblasen wurde, und drückte mir auf Herz und Lunge, bis ich das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen.

    Die beiden zurückzulassen, würde mich umbringen - da war ich mir sicher!

    "Wir haben keine Zeit, zu diskutieren!", herrschte Fyda mich ungeduldig an. "Nimm die verdammte Möwe, Ark!"

    "Wir werden einen Weg finden, zu überleben", versprach Roy überraschend sanft und lächelte mich warm an. "Menschen sind hart im Nehmen und halten eine Menge aus. Wir können diesen Absturz überstehen."

    Ich bedachte ihn mit einem Blick, der deutlich zeigte, dass ich sehr genau wusste, dass uns allen schmerzlich bewusst war, dass dies nicht stimmte. Doch bevor ich etwas entgegnen konnte, legte mein ehemaliger Rivale mir eine Hand auf den Oberarm und sah mich mit überraschender Wärme und Anerkennung im Blick an. "Wir würden uns bei der Suche nach einem Ausweg jedoch besser fühlen, wenn wir wüssten, dass unser Held in Sicherheit ist. Bitte, Ark, nimm diese Möwe und rette dich. Tu's für uns."

    Dass Roy in diesem Moment seine arrogante Fassade vollkommen fallen ließ und mich sogar zum ersten Mal, seit wir uns kannten, beim Namen nannte, statt einen herabsetzenden Spitznamen zu verwenden, brach etwas in mir.

    "Gibt es denn gar nichts, das ich sagen oder tun könnte, um eure Meinung zu ändern?", fragte ich tonlos und mit Tränen in den Augen.

    Fyda schüttelte den Kopf und zog mich in eine feste Umarmung. Mich an ihre Brust gedrückt, flüsterte sie mir ins Ohr: "Kümmere dich für mich um Melina. Sag ihr, dass es mir leid tut, dass ich mein Versprechen nicht länger halten kann."

    Dann schob sie mich zu der wartenden Möwe, die daraufhin ihre Greiffüße in meine Schultern schlug und mich in die Höhe hob.


    Während der Vogel mich langsam davon trug, sah ich, wie Roy seine Arme tröstend um Fyda legte, die sich schutzsuchend gegen ihn lehnte, um auf das unvermeidliche Ende zu warten.

    Dieser Anblick brannte sich tief in mein Herz und die Tränen strömten mir nun ungehemmt Sturzbächen gleich über die Wangen.

    "Fyda! Roy!" Ich brüllte mir die Seele aus dem Leib, auch wenn mir bewusst war, dass die beiden mich vermutlich schon lange nicht mehr hörten. Doch solange zumindest noch eine geringe Chance bestand, dass der Wind meine Stimme an ihre Ohren tragen würde, mühte ich mich verzweifelt, meine Freunde wissen zu lassen, dass ich in Gedanken noch immer bei ihnen war.

    Das Luftschiff, das sich trotz der stetig größer werdenden Entfernung noch immer als schwarzer Fleck vor dem Abendhimmel abzeichnete, sank immer schneller und schneller, bis es mit einer gigantischen Detonation irgendwo in Südamerika auf dem Boden aufschlug.

    Als die Stichflamme in die Höhe schoss, explodierte ein animalischer Schrei voll Schmerz und Zorn in meiner Brust, was meine Transportmöwe erschrocken zusammenzucken und mich beinahe in den indischen Ozean fallen lassen ließ.

    Die Hände so fest zu Fäusten geballt, dass sie zitterten und meine Nägel mir tief ins Fleisch schnitten, schwor ich mir, Ragnara für all die Pein, die er zu verantworten hatte, leiden zu lassen - mochte er auch noch so sehr ein Gott sein!


    Nach einem langen, erschöpfenden Flug erreichten wir Australien und die Möwe setzte mich auf dem flachen Gipfel des Ayers Rock ab.

    Zu meiner Überraschung befand sich der Mann, von dem ich einen der Mondsteine bekommen hatte, noch immer oder schon wieder hier und starrte mich zunächst verwirrt, dann mit Erkenntnis in den Augen an. "Hey! Du bist doch derjenige, dem ich meinen besonderen Stein gegeben habe. Der Junge mit dem Stab! War mein Schatz hilfreich?", rief er aufgeregt und kam breit lächelnd auf mich zu, aber ich rannte an ihm vorbei, ohne ihm auch nur ein Wort zu schenken.

    Mir war bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Fyda und/oder Roy überlebt hatten, verschwindend gering war. Trotzdem drängte es mich mit Macht, an der Stelle ihres Absturzes nach ihnen zu suchen.

    Ich musste mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass sie tatsächlich tot waren. Bis dahin weigerte ich mich, die Hoffnung aufzugeben!


    Daher hastete ich so schnell ich konnte zur nächstgelegenen Stadt, um von dort aus weiterzureisen.

    Meine Füße waren voller Blasen und ich war dehydriert und vollkommen erschöpft, als ich schließlich Goldküste erreichte, aber das ließ mich nicht innehalten. Stattdessen eilte ich zu dem erst vor kurzem eröffneten Flughafen und bestieg die erste Maschine, die nach Liberita flog. Dort angekommen, begegnete ich zufällig Anita, die genauso müde und ausgelaugt aussah wie ich mich fühlte.

    "Ark!", begrüßte sie mich überrascht. "Was machst du denn hier? Hat Will dich nicht gerade erst nach Sibirien geflogen?"

    Ich ignorierte ihre Frage wie auch die dunklen Schatten unter ihren Augen und entgegnete: "Weißt du etwas von einem Luftschiffabsturz vor ein paar Tagen?"

    Sie blinzelte mich angesichts meines ungewohnt unhöflichen Verhaltens irritiert an, bevor sie antwortete: "Ja. Das Rettungsteam ist deswegen ununterbrochen im Einsatz. Die Explosion und das ausgetretene Kerosin haben schreckliche Brände ausgelöst. Inzwischen scheint die Situation unter Kontrolle zu ein, aber Will und ein paar Kollegen fliegen noch immer mit Löschflugzeugen über den Dschungel, um die letzten Brandherde zu beseitigen."

    Erleichterung machte sich in mir breit, als ich registrierte, dass mein Pilotenfreund offenbar wohlbehalten in seine Heimat zurückgekehrt war, nachdem er mich in Sibirien abgesetzt hatte. Laut sagte ich jedoch: "Weißt du, wo genau das Flugschiff abgestürzt ist?"

    "Nordwestlich von Liotto." Anita zog die Brauen zusammen, sodass tiefe Falten über ihrer Nasenwurzel entstanden, während die Irritation in ihren Augen weiter zunahm. Es war offensichtlich, dass sie sich über mein Interesse an dem Absturz wunderte und sich Sorgen machte.

    Dennoch bombardierte ich sie weiter mit Fragen, ohne ihr die geringste Erklärung zu liefern: "Wurden Überlebende gefunden? Oder Tote?"

    Mein Gegenüber schüttelte den Kopf. "Soweit ich weiß, wurden keine Menschen gefunden - weder lebendig noch tot."

    "Hm..." Ich zog die Unterlippe zwischen die Zähne und überlegte, ob dies bedeutete, dass Fyda und Roy sich gerettet und die Absturzstelle selbstständig verlassen hatten oder ob ihre Körper durch den Aufprall derart auseinandergerissen worden waren, dass sie nicht mehr als menschliche Überreste zu erkennen waren.

    "Ark... Was ist eigentlich los?", fragte Anita vorsichtig und sah mich etwas ängstlich an, wodurch ich mich fühlte wie ein Arsch, als ich sie dennoch hängen ließ. "Ich erklär's dir später irgendwann", versprach ich hastig, wirbelte herum und eilte zum Hafen, um das nächste Schiff nach Liotto zu besteigen.


    Der Schaden, den die Waldbrände verursacht hatten, war wie eine Fährte aus Brotkrumen, die mich zielsicher zur Absturzstelle führte.

    Zu meiner Überraschung handelte es sich dabei um genau jenen Ort, an dem ich vor so vielen Jahren die Oberwelt betreten hatte. Damals hatte sich das Portal hinter mir geschlossen, doch nun klaffte es wieder als tiefes, dunkles Loch in der mit Schrott übersäten Erde.

    Ich ging langsam zwischen den Überresten von Berugas Luftschiff umher und suchte nach Anzeichen für das Schicksal meiner Freunde, als ich plötzlich eine menschliche Silhouette entdeckte. Mit wild schlagendem Herzen rannte ich auf die Person zu, doch leider handelte es sich dabei nicht um Fyda oder Roy, sondern Kolumbo, der mich mit einer Mischung aus Neugier und Überraschung musterte.

    Als unsere Blicke sich begegneten, sagte er: "Also bist du der legendäre Held. Ich hätte es mir bereits denken müssen, als du mich aus Schloss Torronia befreit hast."

    "Was machst du hier?", fragte ich verwirrt und hoffte, dass die Enttäuschung in meinem Herzen mich nicht zu unwirsch klingen ließ.

    Kolumbo holte tief Luft, bevor er antwortete: "Mir wurde vor langer Zeit prophezeit, dass ich hier den wahren Helden treffen würde, wenn das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht."

    "Aha", entgegnete ich gelangweilt und wandte meine Aufmerksamkeit wieder dem Wrack zu. Über die Schulter hinweg fragte ich mit wenig Hoffnung: "Hast du zufällig eine Frau oder einen Mann hier irgendwo gesehen?"

    Der alte Entdecker schüttelte mit trauriger Miene den Kopf. "Nein, tut mir leid. Du bist die erste Person, die mir hier begegnet."

    Dann ging er mit energischen Schritten auf mich zu, packte mich an der Schulter und zwang mich, mich umzudrehen und ihn anzusehen. "Aber du hast auch keine Zeit, weiter nach Überlebenden zu suchen", sagte er eindringlich, während sein Blick sich in meinen bohrte. "Mit jeder Sekunde, die verstreicht, wird Ragnara stärker und stärker und sein Einfluss auf diese Welt wächst weiter und weiter. Du musst dich schnellstens in die Unterwelt begeben und dich ihm stellen, sonst ist er bald gar nicht mehr aufzuhalten!"

    Alles in mir sträubte sich bei dem Gedanken, die Suche nach Fyda und Roy ohne Befund abzubrechen, aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass Kolumbo recht hatte. Also fügte ich mich zähneknirschend in mein Schicksal und begab mich an den Rand des Portals.

    Aus dem pechschwarzen Abgrund wehte mir ein eisiger Wind ins Gesicht, doch statt Furcht verspürte ich plötzlich eine seltsame Ruhe.

    Meine lange Reise hatte ihr Ende gefunden und der Kreis meiner Bestimmung schloss sich.


    Es war endlich Zeit, nach Hause zurückzukehren und mich meinem Schöpfer zu stellen!

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Arks Tagebuch Part 28


    Laut heulende, wütende Stürme rissen an mir und schlugen mir Strähnen meines eigenen Haares wie Peitschen ins Gesicht, während ich durch die vollkommene Dunkelheit zwischen den Welten fiel. Ich wurde hin und her geworfen wie eine alte Puppe und wirbelte wild umher, bis ich keine Ahnung mehr hatte, wo oben und unten war.

    Entsprechend landete ich mit einem schmerzerfüllten Grunzen auf der Schulter und rollte einige Meter über den trockenen, staubigen Boden, als das Portal mich endlich ausspuckte. Nach der unruhigen Reise war mein Magen völlig durcheinander und ich blieb einen Moment lang flach auf dem Rücken liegen, um die heftige Übelkeit niederzukämpfen.

    Erst dann rappelte ich mich mühsam auf und warf nach mehr als einem Jahrzehnt einen ersten Blick auf die Unterwelt.

    Es war unbestreitbar, dass die allgegenwärtigen, in allen Farben des Regenbogens funkelnden Kristallformationen einen mystisch-magischen Charme hatten, aber nach all der Zeit, die ich in der Oberwelt mit ihrer bunten und abwechslungsreichen Natur verbracht hatte, wirkte die Umgebung hier unten mehr als nur ernüchternd auf mich. Die heißen, giftige Gase ausdampfenden Lavaströme, der blaugraue, nur von wenigen Flechten und Moosen bewachsene Kiesboden...

    Alles wirkte tot und atmete Verwesung...

    Während ich zielstrebig auf den einzigen Ort der Unterwelt, der sich lebendig anfühlte, zuwanderte, fragte ich mich, ob der Oberwelt ein ähnliches Schicksal bevorstehen würde, sollte ich den Kampf gegen Ragnara verlieren. Mit Schaudern erinnerte ich mich an ihren Zustand, als ich sie das erste Mal betreten hatte: klamme Luft, kein sauberes Wasser und nirgendwo eine einzige Pflanze oder ein Tier.

    Ich durfte nicht zulassen, dass es wieder so weit kommen würde!


    In derlei Gedanken vertieft, trat ich durch den großen, hölzernen Bogen, der den einzigen Ein- und Ausgang meines Heimatdorfes markierte, und erstarrte in der Bewegung. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht...

    Zunächst konnte ich nicht den Finger darauf legen, was mich störte, aber etwas fühlte sich schrecklich falsch an.

    Ich hatte das Haus des Weisen bereits erreicht und wollte gerade die Hand auf den Türknauf legen, als es mir endlich wie Schuppen von den Augen fiel, warum sich die Atmosphäre hier derart surreal anfühlte: Krysta wirkte, als hätte jemand die Zeit eingefroren!

    Es war totenstill - es gab kein Vogelgezwitscher oder Hühnergegacker, kein Kreischen und Lachen von spielenden Kindern, keines der üblichen, mit der Feldarbeit verbundenen Geräusche wie das Kratzen und Scharren eines Pfluges - und nirgends war die geringste Bewegung zu sehen. Selbst die Wipfel der das Dorf säumenden Bäume waren vollkommen unbewegt und der Kristallnebel schien in der Luft zu stehen, anstatt sanft wabernd auf und ab zu steigen.

    Was hatte das alles zu bedeuten?

    Eisige Schauer liefen mir über den Rücken und ließen mir die Haare zu Berge stehen, während ich mich langsam in Richtung des Dorfzentrums vorwagte.

    Ich fühlte mich, als würde ich die aufwändig gearbeitete Kulisse für ein Theaterstück betreten und spürte tief empfundene Bitterkeit in mir aufsteigen, als mir bewusst wurde, wie nah dies der Wahrheit kam. Krysta war in Wirklichkeit nichts anderes als eine Kopie Storkholms, die Ragnara einzig und allein deswegen geschaffen hatte, damit sie als Bühnenbild für diese Tragödie, in der ich unfreiwillig die Hauptrolle spielte, dienen konnte...


    Nach wenigen Minuten erreichte ich den kleinen Dorfteich, auf dessen glatter Oberfläche rund ums Jahr die flachen, blassgrünen Blätter einer Seerose trieben. An dessen Ufer stand ein Mann, der in etwa mein Alter zu haben schien und mich aus leeren Augen anstarrte. Sein Gesicht war eine perfekte Maske der Ausdruckslosigkeit und er stand vollkommen still wie eine steinerne Statue.

    Er wirkte wie eine leere Hülle oder eine Aufziehpuppe, deren Antrieb ausgelaufen war...

    Nervosität kribbelte in meinem Nacken, während ich langsam und vorsichtig auf ihn zuging und meinen Blick dabei wachsam schweifen ließ.

    Als ich näher kam, erkannte ich den Mann am Teich als einen früheren Nachbarn, der schon früher nichts lieber getan hatte, als aufs Wasser zu blicken und seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Das Komische war, dass er keinen Tag älter aussah als in meiner Jugend.

    Die hätte ich mir vielleicht noch irgendwie schönreden können - immerhin alterte nicht jede Person in gleichem Maße - doch dann bemerkte ich aus dem Augenwinkel eine weitere, ebenso unbewegt herumstehende Person, die jeden Versuch einer Erklärung im Keim erstickte. Vor einem Haus, das auf einem niedrigen Hügel hinter dem Teich erbaut worden war, stand ein Junge, der mich stets aus mir unklaren Gründen bewundert und mir mit Freude bei jedem meiner Streiche geholfen hatte.

    Er sah noch immer aus, als wäre er gerade mal fünf Jahre alt...


    "Was geht hier bloß vor?!" Mein Flüstern hallte laut in der vollkommenen Stille und mein Herz trommelte derart wild gegen meine Rippen, dass ich beinahe überrascht war, dass sie nicht brachen.

    Ich wandte suchend den Kopf und entdeckte die beiden Zwillingsmädchen, die früher oft mit Melina gespielt hatten. Wie der Junge und der Mann am Teich waren die beiden keinen Tag gealtert und so unbewegt wie Mannequins, die jemand aufgestellt hatte, um sein Bühnenbild belebter aussehen zu lassen. Selbst die Hühner auf der kleinen Wiese vor der Weberei waren wie eingefroren!

    "Natürlich... Die Leute hier waren alle nur Statisten, deren einzige Aufgabe es war, mir vorzugaukeln, dies sei ein echtes Dorf. Als ich gegangen bin, gab es für Ragnara keinen Grund mehr, sie weiterhin ein normales Leben führen zu lassen", schoss es mir durch den Kopf und Übelkeit breitete sich in mir aus.

    Aber wieso hatte Melina dann gealtert ausgesehen, als sie in Storkholm gewesen war, um mich zu töten?

    Hatte Ragnara sie nur für diesen Anlass älter gemacht, um mir etwas vorzugaukeln, oder war sie womöglich als Einzige nicht erstarrt und hatte Jahre lang mutterseelen alleine unter diesen Puppen gelebt?!


    Bevor ich mich näher mit diesem Gedanken beschäftigen konnte, färbte sich der Himmel plötzlich blutrot und eine körperlose Stimme ertönte: "Willkommen zuhause, Ark. Ich würde dir gerne sagen, dass du hier ein langes, zufriedenes Leben führen kannst, aber leider hast du auf deiner Reise mehr erfahren und gelernt, als du solltest. Du musstest deine Nase ja schon immer unbedingt in Dinge stecken, die dich nichts angehen... Ohne dieses Wissen könntest du hier sehr glücklich sein, aber so wie die Dinge nun liegen, steht dir stattdessen eine Welt des Schmerzes bevor. Komm zu mir in mein Studierzimmer, Junge."

    Der Weise... War er in Wirklichkeit Ragnara oder nur ein Mittelsmann?

    So oder so war ich nicht überrascht. Mein gesamtes Leben in diesem Dorf war nichts weiter als eine gigantische Lüge gewesen - da war es lediglich passend, dass auch mein Ziehvater in Wahrheit nicht war, wer er vorgab zu sein.

    Eines hatte sich jedoch nicht geändert: Der Alte hatte absolut keine Geduld!

    Kaum, dass seine Stimme verklungen war, lösten sich die Körper der Dorfbewohner auf einmal auf und zurück blieben kleine, leuchtende Energiebälle, die sich auf mich stürzten wie Piranhas. Wo immer sie nackte Haut berührten, versenkten sie diese und ließen schmerzende Pusteln und Blasen zurück.

    Offenbar wollte der Weise mich wirklich dringend sehen...

    Also nahm ich die Beine in die Hand und rannte von den angriffslustigen Lichtkugeln verfolgt zurück zu dem Haus, in dem ich aufgewachsen war. So schnell ich konnte, riss ich die Eingangstür auf und stürmte durch die leeren Räume, bis ich schließlich vor der kleinen Kammer im hinteren Teil des Gebäudes stoppte.

    Mit geschlossenen Augen legte ich eine Hand auf die Klinke und hielt einen Moment inne. In mir herrschte ein emotionaler Tumult, der mir die Kehle zuschnürte und die Füße schwer werden ließ.

    Auf der einen Seite drängte es mich, endlich für den Tod meiner Freunde und all das andere Leid, das direkt oder indirekt von Ragnara zu verantworten war, Rache zu nehmen und allen Zorn und alle Enttäuschung, die ich um meinetwillen dem Gott der Unterwelt gegenüber empfand, in Hiebe meiner Lanze fließen lassen zu können.

    Aber auf der anderen Seite hatte ich mir zuvor noch nie Gedanken darum gemacht, dass Ragnara womöglich ein mir wohlvertrautes Gesicht trug, dessen Anblick nicht nur Hass in mir auslöste.

    Ein Brennen an meinem Oberarm rief mir schmerzhaft in Erinnerung, dass ich leider keine Zeit hatte, meine Gefühle zu sortieren, bevor ich meinem Ziehvater gegenübertrat - und wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann wusste ich auch überhaupt nicht, ob ich diesen Knoten je würde entwirren können.

    Daher atmete ich ein letztes Mal tief durch und trat dann ein.


    "Da bist du ja endlich", begrüßte mich der gebrechlich erscheinende Greis mit einem breiten Lächeln und richtete sich mühsam auf seinem mit Seide bezogenen Sitzkissen auf. "Und sieh dich einer an! Du bist erwachsen geworden, Junge. Aber hast noch immer diesen rebellischen Blick, den ich dir nie austreiben konnte..."

    "Sprich nicht mit mir, als wärst du mein Vater und ich der nach langer Reise heimgekehrte Sohn!" Meine Stimme war ein leises Flüstern und die neben meinem Körper zu Fäusten geballten Hände zitterten vor unterdrückten Emotionen.

    Seit ich erfahren hatte, dass der Alte mich manipuliert und benutzt hatte, hatte ich mich oft gefragt, wie es sein würde, ihm eines Tages wieder gegenüberzustehen. Doch egal, wie detailliert ich mir dieses Wiedersehen auch ausgemalt hatte, ich hatte unterschätzt, wie intensiv und kompliziert meine Gefühle für meinen Ziehvater waren.

    Allein von seinem Anblick drehte sich mir der Magen um und ich wollte mich blindlings auf ihn stürzen und ihm sein falsches Lächeln aus dem Gesicht prügeln. Aber ich wollte auch zu ihm herüber gehen, mich von ihm in den Arm nehmen und mir sagen lassen, dass alles gut werden würde - so wie er es früher immer getan hatte, wenn ich mit Fieber im Bett gelegen hatte und von ihm gepflegt worden war.

    Er war derjenige gewesen, der sich persönlich darum gekümmert hatte, dass ich eine umfassende Grundlagenbildung bekommen hatte und lesen, schreiben und rechnen konnte. Zudem hatte er mir das Kämpfen mit dem Stab beigebracht und mich gelehrt, wie man in der Wildnis überlebte.

    Natürlich war mir inzwischen klar, dass seine Motivation dafür keine väterlichen Gefühle mir gegenüber gewesen waren. Er hatte lediglich sicherstellen wollen, dass ich auf die Aufgabe vorbereitet war, die er für im Sinn gehabt hatte.

    Aber das änderte nichts daran, dass ich mit einigen dieser Erinnerungen positive Gefühle verband und Wärme im Herzen spürte, wenn ich an bestimmte gemeinsame Erlebnisse dachte.

    Als ich dem Weisen in die sturmgrauen Augen blickte, sah ich wieder vor mir, wie gelacht hatte, als ich ihm stolz einen selbst gefangenen Frosch präsentiert hatte. Ich musste damals vier oder fünf Jahre alt gewesen sein...

    "Reiß dich zusammen! Du hast eine Aufgabe zu erfüllen. Denk an all die furchtbaren Dinge, die in seinem Namen noch geschehen werden, wenn du jetzt zu sentimental bist, um zu tun, was getan werden muss!", ermahnte ich mich selbst stumm und zwang mich, die zarten Bande zwischen uns auszublenden und in dem Weisen lediglich ein grausames, blutrünstiges Monster zu sehen, das nicht einen Funken Menschlichkeit in sich trug.

    Ragnara hingegen schien kein Problem damit zu haben, uns als kleine Familie zu betrachten, und fragte mit einem amüsierten Glitzern in den Augen: "Warum nicht? Genau das ist doch die Wahrheit."

    Ich schnaubte, als müsste ich ein Lachen unterdrücken, und murrte flüsternd: "Als würdest du auch nur den geringsten Wert auf die Wahrheit legen..." Falls mein Gegenüber meinen Einwurf gehört hatte, entschied er sich, diesen zu ignorieren und fuhr ungerührt fort: "Ich habe dich geschaffen und aufgezogen. Macht mich das nicht zu deinem Vater?"

    "Vielleicht", gab ich widerwillig zu und presste die Kiefer fest aufeinander. "Aber das hat dich auch nicht daran gehindert, mich wegzuwerfen wie einen alten, dreckigen Lappen, als ich meinen Zweck für dich erfüllt hatte. Ich bin nicht dein Sohn. Ich bin deine verdammte Marionette!" Die Bitterkeit und der Schmerz in meiner Stimme überraschte mich selbst ein wenig. Nach all den Jahren hatte ich geglaubt, diese Tatsache zumindest zum Teil akzeptiert zu haben, doch nun wurde mir bewusst, dass ich noch immer tief verletzt war.

    Der Alte sah mich mit ehrlich wirkender Verwirrung an und entgegnete: "Ich verstehe deine Wut nicht. Jedes Lebewesen auf dieser Welt hat eine Aufgabe zu erfüllen und sobald diese erledigt ist, ist der Tod der nächste logische Schritt. Das Leben über den eigenen Zweck hinaus ist Verschwendung. Der wahre Sinn des Lebens ist der Tod."

    Ich starrte ihn fassungslos an und versuchte, mir einzureden, dass er das nicht ernst meinen konnte, obwohl offensichtlich war, dass er genau das tat. Ragnaras Metier waren Tod und Zerstörung - eigentlich hätte es nicht überraschend für mich sein sollen, dass er den wahren Wert eines Lebens nicht verstand.

    Trotzdem wandte ich ein: "Aber hat Beruga nicht in deinem Namen gehandelt, als er den richtigen Menschen", ich malte mit Fingern Anführungsstriche in die Luft, "ewiges Leben bringen wollte? Das passt doch nicht zu dem, was du gerade gesagt hast."

    Mein Gegenüber stieß ein keckerndes Lachen aus und winkte ab. "Das war allein seine Vision. Ich habe ihn gewähren lassen, weil er mir mit seiner Arbeit an diesem Eitelkeitsprojekt vorerst in die Hände gespielt hat, aber am Ende hätte er einsehen müssen, dass auch er nur ein nützlicher, sterblicher Idiot war."

    "Huh..." Ich wusste nicht, was ich darauf entgegnen sollte, daher machte ich nur einen Laut, der gleichzeitig Überraschung und Verstehen ausdrückte. Dann verfielen wir für einen Moment in Schweigen, bis der Alte sich auf die Füße stemmte und sagte: "Aber du bist nicht hier, um mit mir zu plaudern. Ich schätze, es ist unhöflich, dich länger warten zu lassen. Komm mit, dies ist nicht die richtige Bühne für unseren Kampf."

    "Ich brauche keinen epischen Kampf", gab ich zu bedenken. "Es reicht mir völlig, dich einfach hier und jetzt niederzustrecken."

    Ragnara grinste mich verschlagen an und reichte mir eine Hand. "Glaubst du wirklich, ich bin so dumm, dir in dieser wehrlosen Gestalt gegenüberzutreten?"

    Die Augenbrauen verwirrt zusammengezogen, versuchte ich, den mir dargebotenen Arm zu ergreifen, aber meine Finger gingen durch ihn hindurch wie durch Luft. Ich machte erschrocken einen Schritt zurück und stammelte: "Was... Was geht hier vor?!"

    "Dieser Leib ist nur eine Astralprojektion", erklärte der Weise. "Du kannst ihn nicht verletzen. Meine wahre Gestalt erwartet dich am Ragnarastein. Daher bitte ich dich: Komm mit, Junge. Lass es uns hinter uns bringen."

    Bei dem Gedanken, mich Ragnara in seiner göttlichen Form stellen zu müssen, legte Nervosität ein unsichtbares, sich langsam zuziehendes Eisenband um meine Brust, das mir den Atem abschnürte. Doch gleichzeitig war ich auch dankbar dafür, denn es würde mir leichter fallen, ihn niederzustrecken, wenn er dabei nicht das Gesicht meines Ziehvaters trug.

    Daher schluckte ich meine Angst tapfer herunter und folgte ihm brav nach draußen.


    Kaum, dass ich durch die Haustür ins Freie getreten war, nickte der Alte mir zu und wir wurden beide von einem grellen, blauen Licht eingehüllt, das mich zwang, die Augen fest zusammenzukneifen, um nicht geblendet zu werden. Für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als würde ich schweben, dann hatte ich plötzlich wieder festen Boden unter den Füßen und die intensive Helligkeit hinter meinen Lidern ließ nach.

    Ich schlug vorsichtig blinzelnd die Augen wieder auf und erblickte vor mir eine beinahe unendlich wirkende, steinerne Treppe, die auf beiden Seiten von imposanten Statuen gesäumt wurde. Am anderen Ende der vielen Stufen befand sich eine massive, breite Plattform, die in etwa so groß war wie halb Krysta.

    Bevor ich mich darüber wundern konnte, wo ich mich befand und wie ich hierher gekommen war, erklang die Stimme des Dorfältesten von oben: "Dies ist der Ragnarastein - das Innere der Sonne der Unterwelt und Zentrum meiner Macht! Komm zu mir hoch und ich werde gegen dich kämpfen. Aber bedenke, dass dein Vorhaben zum Scheitern verurteilt und dies deine letzte Chance ist, mir stattdessen die Treue zu schwören, wie es ein guter Sohn tun würde."

    Ich trat auf die unterste Stufe und rief trotzig: "Du hättest mich ruhig am oberen Ende der Treppe absetzen können! Oder hast du etwa Angst und willst meine Kräfte vor unserem Kampf sicherheitshalber mit Treppensteigen erschöpfen?!"

    Es gab für mich keinen Weg zurück...

    Also erklomm ich tapfer Stufe um Stufe und konzentrierte mich dabei auf all die furchtbaren Dinge, die Ragnara direkt oder indirekt verursacht hatte, um mein Blut in Wallung zu bringen und mich in den richtigen mentalen Zustand für einen Kampf auf Leben und Tod zu versetzen.

    Ragnara hatte die Seelen von Beruga, Wong, König Olaf und der Königin von Torronia korrumpiert und sie zu ihren Gräueltaten getrieben.

    Er war schuld daran, dass Melina ihre gesamte Familie verloren und ein schreckliches Trauma erlitten hatte.

    Er war schuld daran, dass König Olaf von Fyda verlangt hatte, gegen ihr Gewissen zu handeln und den größten Teil ihres Lebens beinahe unter ihren Schuldgefühlen zu zerbrechen.

    Er war schuld daran, dass Kolumbo Jahre lang auf Schloss Torronia gefangen gehalten und gefoltert worden war.

    Er war schuld daran, dass Beruga ganz Neo-Tokio ausgelöscht hatte.

    Er war schuld daran, dass Fyda und Roy beim Versuch, Beruga aufzuhalten, ihr Leben gelassen hatten.

    Und er hatte mich mein Leben lang belogen, benutzt und schlussendlich verraten...


    Während ich die Treppe nach oben eilte und aus den Augenwinkeln die wie grotesk deformierte Menschen aussehenden Statuen betrachtete, versuchte Ragnara, an meinen Verstand zu appellieren und mich zum Aufgeben zu überreden: "Es gibt kein Licht ohne Schatten und keinen Schatten ohne Licht. Wo es Geburt und Neubeginn gibt, muss es auch Tod und ein Ende geben. So war es schon immer und so wird es immer sein. Daher kannst du mich nicht vernichten!"

    "Aber ich kann es zumindest versuchen!" Ein wenig atemlos überwand ich die letzte Stufe und sah mich einer hünenhaften, aus Kristall bestehenden Gestalt gegenüber, die vage an die Statuen neben der Treppe erinnerte. In ihrer Körpermitte leuchtete eine silbern schimmernde Lichtkugel, die mich an die körperlosen Seelen erinnerte, die ich auf meiner Reise getroffen hatte.

    Bedeutete dies, dass Ragnara als einziges Wesen der Unterwelt eine vollständige Seele hatte?!

    Doch bevor ich mir darüber ernsthafte Gedanken machen konnte, entgegnete der bläulich schimmernde Riese mit enttäuscht klingender Stimme: "Dann soll es so sein. Bereite dich auf dein Ende vor, Junge!" Um den letzten Worten mehr Nachdruck zu verleihen, schleuderte der bläulich schimmernde Riese eine Hand voll scharfkantiger Kristallscherben in meine Richtung.

    Ich brachte mich mit einem Hechtsprung in Sicherheit und schlug meinerseits mit der Terralanze zu, erwischte jedoch nur Luft. Trotz seiner einschüchternden Größe von mehr als drei Metern war der Kristallmann erstaunlich schnell und wendig.

    Er lachte dröhnend und hob einen Arm, woraufhin aus den Augen einer in der Nähe stehenden Statue Laserstrahlen hervorschossen. Die auf dem Boden verteilten Splitter machten das Ausweichen schwer und ich drohte mehr als einmal, das Gleichgewicht zu verlieren.

    Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass Ragnara wirklich ernst machte. Ich kam mir stattdessen vor wie die sprichwörtliche Maus, die vor ihrem unausweichlichen Tod noch zur Belustigung der Katze herhalten musste.

    Als der Laserbeschuss schließlich endete, wirbelte ich daher zu meinem Gegner herum und brüllte zornig: "Lass diese Spielchen und stell dich mir endlich richtig!"

    Als Antwort darauf schleuderte Ragnara mir wortlos eine dünne, rasiermesserscharfe Scheibe aus durchsichtigem Kristall entgegen, die mit einem leisen Summen die Luft durchschnitt. Ich hatte keine Ahnung, wo er das Material dafür hergenommen hatte und lenkte mich einen Moment lang selbst ab mit der Frage, ob er es aus dem Nichts erschaffen hatte.

    War dies der Grund dafür, dass so vieles in der Unterwelt aus Kristall bestand?

    Das bedrohliche Funkeln der schnell näher kommenden Scheibe erinnerte mich daran, dass nun nicht der richtige Zeitpunkt für derlei Überlegungen war. Es gelang mir nur mit Mühe und Not, gerade noch rechtzeitig in die Höhe zu springen, bevor sie mir den Oberschenkel aufschlitzen konnte.

    Ragnara kicherte dunkel und ließ zwischen seinen Fingern bereits das nächste Projektil heranwachsen.


    Ich musste mir dringend etwas einfallen lassen und in die Offensive gehen! Solange ich nur seinen Angriffen auswich, war der Gott der Unterwelt klar im Vorteil und konnte den Verlauf des Kampfes bestimmen. Um das Ruder zu meinen Gunsten herumzureißen, musste ich ihn überraschen und irgendetwas tun, mit dem er nicht rechnete.

    Daher ließ ich mich bei der nächsten heran rasenden Kristallscheibe trotz Scherben zu meinen Füßen auf den Boden fallen und rutschte über den ebenmäßigen Stein nach vorne. Die scharfkantigen Kristallbruchstücke zerschnitten meine Hose und ritzten mir die Haut auf, bis ich aus vielen, kleinen Wunden blutete.

    Wichtiger war jedoch, dass mein Plan aufging und Ragnara sich nicht von der Stelle bewegt hatte, als auf der anderen Seite der Scheibe wieder auf die Füße sprang und meine Waffe mit einer schnellen, schwungvollen Bewegung auf ihn niedersausen ließ.

    Die Klinge traf mit einem schrillen Kreischen auf die glatte, harte Oberfläche des Riesenkörpers und rutschte schließlich ab, ohne in ihn einzudringen. Doch die Wucht des Aufpralls hatte im Torso des Giganten einen tiefen Riss entstehen lassen und Ragnara stieß ein wütendes Grollen aus, bevor er mich erneut mit Lasern beschoss.

    Anstatt auszuweichen, holte ich erneut mit meiner Lanze aus und rammte ihre Spitze mit voller Kraft in die soeben entstandene Fissur. Ein Laserstrahl traf mich an der Seite, durchschlug meine Rüstung und verbrannte mir die Rippen, aber ich biss tapfer die Zähne zusammen und konzentrierte mich darauf, meine Waffe zu drehen und den Riss dadurch weiter aufzustemmen.

    Ein lautes Krachen ertönte, als der Oberkörper des Hünen in der Mitte auseinanderbrach und zu Boden fiel. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, während ich angespannt darauf wartete, was nun passierte.

    Dies konnte unmöglich bereits das Ende sein...


    Nach einigen Sekunden begannen die kristallenen Überreste hell zu glühen und sich zu verformen.

    Mit einer Mischung aus Faszination und Sorge beobachtete ich, wie aus dem gigantischen Kristallmann eine imposante, an einen Hybriden aus Mensch und Drache erinnernde Gestalt wurde. Ihr Schwanz war länger als ich groß war und die Spannweite ihrer in vielen bunten Farben schillernden Schwingen war so breit wie die Fassade eines mittelgroßen Hauses.

    Bei diesem Anblick stahl sich ein zynisches, halbseitiges Grinsen auf mein Gesicht und ich rief: "Ist das jetzt deine wahre Gestalt, in der du mich angeblich bereits hier erwarten wolltest? Offenbar hast du mich da mal wieder angelogen... Welch unerwartete Wendung des Schicksals!"

    Statt zu antworten, schlug Ragnara mit seinem langen Schweif nach mir. Meine schmerzende, verbrannte Seite machte meine Bewegungen langsamer als normal, weshalb es mir nicht gelang, mich rechtzeitig aus dem Weg zu drehen. Der schuppenbewehrte Schwanz traf mich hart auf der Brust und schleuderte mich etliche Meter zurück.

    Beim anschließenden Aufprall überschlug ich mich mehrfach und rollte über den Boden, wobei sich ein großer Kristallsplitter unter den Schulterschutz meines Panzers und tief in mein Fleisch bohrte. Ich versuchte, den Arm probehalber zu heben, aber ein heftiger Schmerz im Gelenk ließ mich sofort innehalten und die Bewegung abbrechen.

    Zum Glück war ich Rechtshänder...

    Ich schmeckte auf einmal Blut auf der Zunge und registrierte mit Verzögerung, dass ich mir zudem das Gesicht zerschnitten hatte und mir der rote Lebenssaft nun in einen Mundwinkel sickerte.


    Ragnara ließ mir jedoch keine Zeit, neue Kräfte zu sammeln. Stattdessen ließ er aus seinen funkelnden Schwingen heraus Funken aus verschiedenfarbigem Licht auf mich niederprasseln. Dort, wo der schillernde Regen auf dem Boden auftraf, stieg von einem Zischen begleitet eine dünne Rauchsäule auf, die mir deutlich verriet, dass ich mit diesem Zeug besser nicht in Berührung kommen sollte.

    Mein Körper protestierte heftig, aber ich schaffte es trotz meiner Verletzungen irgendwie, zwischen den gefährlichen Lichttropfen hindurch zu tänzeln und mich dadurch auch noch nahe genug an den dunklen Gott heran zu bringen, dass ich ihm die Schneide meiner Lanze über die Brust ziehen konnte. Doch die Haut seiner neuen Gestalt war noch härter als zuvor und ich musste mit Schrecken feststellen, dass ich meinem Gegner nicht einmal einen winzigen Kratzer zugefügt hatte.

    "Ich habe dir doch gesagt, dass du mir nichts anhaben kannst", höhnte Ragnara, wobei er noch immer klang wie mein Ziehvater, was angesichts seines drastisch veränderten Körpers mehr als irritierend war. "Gib auf", forderte er in beinahe mitleidig klingendem Ton, aber ich schüttelte stur den Kopf und hieb erneut mit meiner Waffe auf ihn ein. "Niemals!"

    Von einem enttäuschten Schnauben begleitet, schlug Ragnara mir seinen Flügel mitten ins Gesicht und ein widerliches Knirschen verriet mir zweifelsfrei, dass er mir damit das Nasenbein zertrümmert hatte. Ein Schwall heißen Blutes schoss aus meinen Nasenlöchern, tropfte von meinem Kinn und zwang mich, ab jetzt durch den Mund zu atmen.

    Trotzdem setzte ich meine Attacken weiterhin unablässig fort und hoffte verzweifelt, dass einer meiner Schläge ihn endlich verletzen würde.


    Dem nächsten Lichtregen konnte ich nicht so geschickt ausweichen wie dem ersten und ein Tropfen landete auf meinem rechten Fuß, wo er ein tiefes Loch in Leder und Fleisch grub. Vor Schmerz knickte mir das Bein ein und ich stürzte zu Boden. Bei dem Versuch, meinen Fall abzufangen, schnitt ich mir zu allem Überfluss auch noch die Handinnenflächen auf.

    Ich war vollkommen am Ende meiner Kräfte und hatte keine Ahnung, was ich noch versuchen konnte.

    Wie es aussah, hatte Ragnara leider recht gehabt: Es war unmöglich, ihn zu vernichten...


    Doch trotz allem war ich noch immer zu dickköpfig zum Aufgeben und kämpfte mich mühsam wieder hoch, wobei ich mich schwer auf meine Lanze stützte wie auf einen Gehstock. Mein gesamter Körper zitterte vor Schmerzen und Erschöpfung, aber ich schwor mir, weiterzumachen, solange auch nur ein einziger Funken Leben noch immer in mir war.

    Bei diesem Anblick schüttelte Ragnara den Kopf und seufzte: "Du hast noch nie gewusst, wann du besser aufgeben solltest, Junge... Aber dieser Kampf fängt an, mich zu langweilen. Bringen wir es also endlich zu Ende!"

    Mit diesen Worten öffnete er eine Art Rosette auf seiner Brust und ein stetig breiter werdender Strahl aus grellem Licht bewegte sich auf mich zu. In dem weißen Lichtkegel zuckten pulsierende, lilafarbene Blitze, die ein statisches Knistern von sich gaben.

    Ich war mir sicher, mit einem von ihnen in Berührung zu kommen, wäre eine schmerzhafte Erfahrung.

    Noch wichtiger als dies war jedoch, was ich durch das blendende Licht hindurch erkennen konnte: In der Mitte der Öffnung auf Ragnaras Brust pochte das Herz des dunklen Gottes! Ruhig, beständig und vollkommen ungeschützt...


    Ich stürzte nach vorn und wurde sogleich dafür bestraft, als einer der Blitze meinen Arm streifte. Ein massiver Stromstoß schoss durch meine Muskeln und ließ sie augenblicklich erschlaffen, sodass meine komplette rechte Körperhälfte in Sekundenbruchteilen vollkommen paralysiert war. Von meiner Haut stieg ein Geruch von verbranntem Fleisch auf, aber ich schob mich trotzdem mühsam weiter nach vorn, wobei ich meine Lanze um mich wirbeln ließ wie einen Schutzschild, um weitere Blitze abzuwehren.

    Ragnara schien nicht zu realisieren, was ich vorhatte, bis ich ihn fast erreicht hatte. Doch dann beeilte er sich, die Öffnung in seiner Brust wieder zu schließen.

    Der Kristallsplitter in meiner Schulter schmerzte höllisch, als ich ausholte und die Terralanze auf meinen Gegner schleuderte. Die elegante Waffe durchschnitt beinahe lautlos die Luft und versenkte sich tief in Ragnaras Herz - er hatte es nicht mehr rechtzeitig geschafft, es wieder zu verstecken.

    Während ich kraftlos auf den Boden sank, versuchte der dunkle Gott verzweifelt, die Lanze wieder aus seiner Brust zu ziehen. Doch zu spät... Sein Körper zerfiel bereits zu Kristallstaub, der sanft und fein auf mich nieder rieselte wie frischer Schnee.

    Es war tatsächlich vorbei...


    Mein Sichtfeld wurde von den Rändern ausgehend schwarz, als eine Ohnmacht nach mir griff. Aber statt das Bewusstsein zu verlieren, spürte ich plötzlich ein Reißen in meiner Brust und kurz darauf trat die strahlende Gestalt meiner Lichtseite aus meinem Körper.

    Oberwelt-Ark sah noch immer genauso aus wie bei unserem Treffen am Heldengrab - mit einem einzigen Unterschied: ein in etwa Weintrauben großer Punkt über seinem Herzen leuchtete nicht länger golden, sondern schimmerte schwarz wie Onyx.

    Unter normalen Umständen hätte ich mich darüber gewundert, doch in diesem Moment war ich dafür viel zu müde. Daher wischte ich mir lediglich langsam verkrustendes Blut vom Kinn und grinste meinen Doppelgänger erschöpft an. "Es... ist... vollbracht." Das Sprechen fiel mir schwer und ich hatte Mühe, die Augen offen zu halten.

    Entgegen meiner Erwartungen reagierte mein Gegenüber nicht euphorisch, sondern schenkte mir ein melancholisch wirkendes Lächeln, als er antwortete: "Ja, es ist geschafft. Du hast dich hervorragend geschlagen." In seiner Stimme schwang neben Stolz auch eine Wehmut mit, die ich nicht zuordnen konnte. Allein von dem Versuch schwirrte mir bereits der Kopf...

    Zum Glück musste ich nicht lange auf eine Erklärung warten, denn Licht-Ark fügte mit traurigem Blick an: "Zeit für mich, Abschied zu nehmen."

    Trotz meines Zustandes ließen mich diese Worte aufhorchen und ich fragte irritiert: "Was meinst du? Ich dachte, durch diese Sache mit der Wiedergeburt wären wir eins geworden." Die Schnitte in meinem Gesicht brannten, als ich die Stirn verwirrt in Falten legte.

    Mein Pendant schüttelte den Kopf und erklärte: "Nicht ganz. Ich hatte vorübergehend dein Bewusstsein an meine Seele gebunden, damit wir uns einen Körper teilen und unsere Kräfte vereinen konnten. Als Dauerlösung ist dies jedoch leider nicht praktikabel. Mit zwei Bewusstseinen in einem Leib würden wir auf Dauer verrückt. Allerdings..."

    Er legte sich eine Hand auf den dunklen Fleck in seiner Brust und warf mir einen liebevoll wirkenden Blick zu. "Allerdings habe ich mich dennoch erdreistet, einen winzigen Teil deines Bewusstseins zu behalten."

    Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, zu fragen, wie dies möglich war und welche Folgen das für mich haben würde, da ich mir sicher war, dass ich es in meinem erschöpften Zustand sowieso nicht verstanden hätte. Daher wollte ich stattdessen lediglich wissen: "Wieso das?"

    Mein Doppelgänger atmete tief durch, bevor er in leicht verbittertem Ton antwortete: "Ragnara mag vorerst vernichtet worden sein, aber seine Seele ist unsterblich und Divina wird ihr eines Tages eine neue Form geben. Wenn es soweit ist, wird die Welt wieder einen Helden brauchen - und ich kenne keinen größeren Heros als dich, mein Freund. Wenn ich in meinem nächsten Leben Ragnara erneut gegenüberstehen werde, dann werde ich mich besser fühlen, wenn ich einen Teil von dir an meiner Seite weiß."


    Da ich nicht wusste, wie ich auf das Kompliment reagieren sollte, grinste ich nur dümmlich, bis die restliche Bedeutung seiner Worte zu mir durchsickerte.

    "Warte!" Ich hob eine Hand, als wollte ich meinen Gesprächspartner notfalls festhalten. "Ragnara wird wiedergeboren werden?! Und wer ist diese Divina?!"

    Oberwelt-Ark blickte an mir vorbei ins Nichts, als er tonlos erklärte: "Man könnte sagen, Divina ist Ragnaras Kehrseite. Gemeinsam bilden sie die Seele unseres Planeten. Ragnara ist der Herr über die Unterwelt und Divina die Göttin der Oberwelt. Sie schafft Leben, er bringt den Tod. Und ja, sie wird auch Ragnara ein neues Dasein schenken."

    "Ich dachte, sie wäre eine gute Gottheit... Wie kann sie Ragnara zurückbringen?!" Alles in mir sträubte sich vor dem Gedanken, dass meine Bemühungen eines Tages negiert werden sollten.

    Ich hatte doch nicht derart gelitten, damit irgendwann alles von vorne anfing!

    Mein Pendant zuckte mit einer eleganten Bewegung die Achseln. "Die menschlichen Konzepte von Gut und Böse greifen hier zu kurz. Ragnara und Divina sind die Verkörperungen der beiden Grundprinzipien, aus denen alles Existierende besteht. Aufstieg und Fall, Anfang und Ende, Geburt und Tod... Divina schafft Leben, weil dies ihre Natur ist - nicht mehr und nicht weniger. Sie folgt dabei keinem höheren Plan und erst recht nicht der menschlichen Vorstellung vom Guten. Der einzige Grund, warum sie niemals gegen Ragnara unterliegen darf, ist, dass ohne sie alles zum Stillstand kommen und unser Planet sterben würde, weil der Kreislauf des Lebens ohne sie niemals mehr neu gestartet würde."

    Ich nickte, als würde ich verstehen, doch in Wirklichkeit war ich einfach nur zu müde, um ein derart philosophisches Gespräch fortzusetzen.

    Wir schwiegen uns einige Sekunden lang an, dann griff Oberwelt-Ark einen Gedanken von zuvor auf: "Als Ausgleich für den Teil deines Bewusstseins, den ich dir gestohlen habe, habe ich übrigens ein Stück meiner Seele mit dem Rest verschmolzen. Ich hoffe, dass es genug ist, damit du auch ohne mich von Divina wiedergeboren wirst. Und wenn es soweit ist, hoffe ich, dass ich dich dann einen Bruder nennen darf. Ich wollte schon immer einen Zwilling!"

    Er legte mir eine Hand auf die unverletzte Schulter und sah mich mit einer Mischung aus Zuneigung und Trauer an. Sein Blick gab mir das Gefühl, dass er etwas wusste, das mir unbekannt war, aber ich hatte keine Energie mehr, um darüber nachzudenken.

    Der Schmerz in seinen Augen nahm sogar noch zu, als er anfügte: "Komm, lass uns nach Hause gehen."

    Warmes Licht hüllte mich ein und für einen kurzen Moment schwebte ich schwerelos im Nichts. Doch nur wenige Herzschläge später stand ich vor dem Haus des Weisen in Krysta und blickte meinem Doppelgänger hinterher, der ohne ein weiteres Wort als golden leuchtender Ball davon schwebte.


    Das Dorf lag in vollkommener Dunkelheit vor mir, was mich verwirrte. Es war eigentlich noch viel zu früh, um Nacht zu sein...

    Ein Blick an den pechschwarzen Himmel verriet mir den Grund für die unerwartete Finsternis: Die Sonne war erloschen und hing nun als tote Kugel aus angelaufenem Kristall am Firmament.

    Ich wunderte mich, ob dies mit der Vernichtung Ragnaras zusammenhing und was dies für die Unterwelt bedeutete. Wobei letzteres eigentlich gar nicht so wichtig war.

    Krysta war nichts weiter als eine zur Gänze ausgestorbene Geisterstadt. Außer mir gab es in der Unterwelt kein einziges lebendes Wesen mehr.

    Als wollte er diesen Gedanken Lüge strafen, tauchte plötzlich Fluffy neben mir auf und verkündete: "Für mich wird es ebenfalls Zeit, zur Oberwelt zurückzukehren und die Ausrüstung des Helden bis zu dessen Wiedergeburt an einem sicheren Ort zu verstecken."

    "Du bringst sie nicht zurück nach Storkholm?", hakte ich nach, auch wenn mir die Antwort auf diese Frage eigentlich egal war.

    Fluffy nickte. "Die Bewohner dieses Dorfes haben die Last, diesen Schatz zu hüten, bereits zu lange getragen. Wenn du jetzt bitte die Terralanze und den Enigmapanzer zurück in die Truhe legen könntest."

    "Der Panzer hat ordentlich was abbekommen", wandte ich ein und deutete auf die ramponierte Rüstung, die noch immer meinen geschundenen Oberkörper bekleidete und von Schrammen, Dellen, Löchern und Brandflecken übersät war. "Ich bin mir nicht sicher, ob er noch einmal jemandem von Nutzen sein kann."

    Eine wegwerfende Bewegung mit einem seiner Flügel machend erklärte Fluffy: "Sorg dich nicht deswegen. Der auf der Truhe liegende Zauber wird ihn reparieren."

    "Praktisch! Schade, dass ich mich nicht auch einfach für ein paar Tage in die Truhe legen und dann vollkommen genesen wieder aufstehen kann..." Ich quälte mich unter Schmerzen aus der Rüstung, verstaute sie gemeinsam mit der dazugehörenden Waffe in der kleinen Holzbox und dachte dabei an mein Gegenstück aus der Oberwelt.

    So wie es geklungen hatte, war der arme Tropf dazu verdammt, mit jeder Reinkarnation den Mantel des Helden überstreifen zu müssen. Ich beneidete ihn nicht...

    Fluffy nickte zufrieden und nahm lächelnd seine Truhe entgegen, die in seinem Griff auf Erbsengröße zusammenschrumpfte. "Ich danke dir. Dann ist es jetzt an der Zeit, Lebewohl zu sagen."

    "Vorher hätte ich noch eine Frage", überraschte ich mich selbst. Auch Fluffy hob erstaunt die Brauen und sah mich auffordernd an.

    "Es tut mir leid, wenn ich dir damit zu nahe trete", entschuldigte ich mich prophylaktisch, "aber ich frage mich dies, seit ich deinen Doppelgänger das erste Mal gesehen habe. Was genau bist du eigentlich?"

    Fluffy lachte, was mich aufatmen ließ, weil er anscheinend nichts Verwerfliches an meiner Frage fand. Dann erläuterte er: "Ich bin die Urform. Vor langer, langer Zeit sahen alle Lebewesen der Welt aus wie ich. Doch dann hat Divina sie in immer ausgefeilteren Körpern wiedergeboren - ihr Menschen nennt dies Evolution."

    "Das heißt, du bist Äonen alt!", stellte ich perplex fest, was Fluffy stolz grinsen ließ. "Fast so alt wie die Erde, Ragnara und Divina selbst!"

    Dann nickte er mir ein letztes Mal zu und sagte: "Leb wohl, Ark. Wir haben nur wenig Zeit miteinander verbracht, aber ich habe jeden Augenblick genossen. Du hast dich als einen würdigen Helden erwiesen!"

    "Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder", entgegnete ich, was einen Schatten in Fluffys Knopfaugen auftauchen ließ. Doch bevor ich fragen konnte, was dies zu bedeuten hatte, erhob sich die kleine Knutschkugel auch schon in die Luft und flog davon.


    Ich warf einen letzten Blick auf das Haus, in dem ich aufgewachsen war. Nicht alle Erinnerungen, die ich an diesen Ort hatte, waren schlecht, dennoch verspürte ich erstaunlich wenig Wehmut bei dem Gedanken, ihm für immer den Rücken zu kehren. Auch für mich war es Zeit, zur Oberwelt zurückzukehren und endlich ein neues, ruhiges Leben ohne permanentes Kämpfen zu beginnen.

    Ich freute mich auf Melinas erleichtertes Gesicht, ihre Umarmung und unsere gemeinsame Zukunft, sofern sie mich noch immer wollte. Der Gedanke, einer einfachen Arbeit nachzugehen und abends zu ihr nach Hause zu kommen, erfüllte mich mit Wärme und Glück, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte.

    Doch als ich mich von Krysta abwandte, um zu dem Portal zwischen den Welten zu humpeln, tauchte vor mir plötzlich eine wunderschöne, hünenhafte Frau aus goldenem Licht auf. Ihr langes, schimmerndes Haar war voller bunter Blüten, ihr sanft wallendes, dünnes Kleid war von Efeuranken durchwirkt und auf ihrem ebenmäßigen Gesicht lag ein sanftes Lächeln.

    Ihre liebliche Erscheinung ließ ihre Worte noch härter erscheinen, als sie sagte: "Du kannst nicht in die Oberwelt zurückkehren."

    "Warum nicht?" Ich sah verwundert zu ihr hoch und fragte mich, was ich getan haben könnte, damit mir die Rückkehr nun verwehrt wurde.

    Die Lichtfrau, Divina, wie ich annahm, sah mich aus emotionslosen, goldenen Augen an und erklärte: "Ragnara wurde vernichtet und alles von ihm Geschaffene wird bald ebenso vergehen - das gilt auch für dich."

    Mir klappte der Mund auf und ich fühlte mich, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. "Aber... aber ich wurde doch von dir wiedergeboren...", stammelte ich hilflos, doch die Göttin schüttelte nur den Kopf. "Ich habe dir vorübergehend einen Körper geliehen, den du gemeinsam mit deinem Gegenstück bewohnen konntest. Das ändert jedoch leider nichts daran, dass du eine Kreatur Ragnaras bist und dein Ende bevorsteht."

    Meine Knie gaben nach und ich stürzte auf den sandigen Boden. Ich war also von Anfang an dazu verdammt gewesen, durch den Kampf mit dem dunklen Gott mein Leben zu verlieren - völlig unabhängig von dessen Ausgang. Und wieder hatte mir im Vorfeld niemand etwas dazu gesagt...

    War ich denn wirklich nicht mehr als eine Marionette?!

    Ins Leere starrend erinnerte ich mich an die Worte von Oberwelt-Ark und legte mir eine Hand übers Herz. Er hatte gewusst, welches Schicksal mir bevorstand. Deshalb hatte er mir einen Teil seiner Seele überlassen, um mir eine Chance auf Wiedergeburt zu geben. Es war ein Versuch gewesen, sein schlechtes Gewissen zu beruhigen...

    Doch egal, was seine Motivation gewesen war, ich hoffte von ganzem Herzen, dass dieser Seelensplitter ausreichend war, mir eine zweite Chance auf ein freies, selbstbestimmtes Leben zu geben.


    Divina legte den Kopf schief und betrachtete mich neugierig. "Du wirkst enttäuscht", stellte sie fest, was mir ein trockenes Lachen entlockte. Meinen derzeitigen Gemütszustand als Enttäuschung zu betiteln, war die Untertreibung des Jahrtausends. Aber ich machte mir gar nicht erst die Mühe, der Göttin meine Gefühle zu erklären.

    Für sie, die unablässig Leben schuf und alten Seelen eine neue Hülle gab, war der Tod nur eine kurze Verschnaufpause vor dem nächsten Durchlauf. Sie konnte unmöglich begreifen, wie es war, mit der reellen Möglichkeit des eigenen endgültigen Endes konfrontiert zu sein und das Herz von Reue und Trauer erfüllt zu haben, weil es so viele Dinge gab, die man nun niemals mehr erleben würde.

    Als ich nicht antwortete, fuhr Divina fort: "Nun, du hast mir einen großen Dienst erwiesen, indem du Ragnara gestoppt und in seine Schranken verwiesen hast. Als dein Gegenstück besiegt wurde, hatte ich schon gedacht, dieses Mal würde es ihm tatsächlich gelingen, die Oberhand zu gewinnen... Als Dank für deine Heldentat schenke ich dir einen Tag deines Lebens, wie es eigentlich hätte sein sollen. Genieße ihn!"

    Bevor ich etwas entgegnen konnte, verschwand die Göttin in einem grellen Lichtblitz und ich kniff geblendet die Lider zusammen.


    "Hörst du mir überhaupt zu, Ark?!"

    Melinas Stimme durchdrang die Dunkelheit und ich schlug blinzelnd die Augen auf.

    Unterwelt-Melina stand mit in die Hüften gestemmten Händen vor mir und sah mich mit einer Mischung aus Wut und Sorge an. Wir befanden uns in ihrem Arbeitszimmer in der Weberei und durch die blitzblank geputzten Fenster fiel silbriges Morgenlicht.

    "M-Melina! Aber wie... Ich dachte, du wärst tot!", platzte ich ohne nachzudenken heraus. Meine Freundin machte daraufhin ein überraschtes Gesicht, das sich schnell in eine sorgenvolle Miene verwandelte. "Was? Geht es dir nicht gut? Du bist auf einmal kreidebleich!"

    Sie legte mir sanft eine Hand auf die Wange und musterte mich aufmerksam, als könnte sie mir die Antworten auf ihre Fragen an den Augen ablesen. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie jünger aussah, als bei unserem letzten Treffen - ganz so, als hätte jemand die Zeit zurückgedreht und sie in ihr siebzehnjähriges Ich zurückverwandelt.

    Doch sie war nicht das Einzige, das verändert war. Auch meine Schmerzen waren auf einmal wie weggeblasen und ich warf einen verstohlenen Blick auf meine Hände, die plötzlich vollkommen intakt statt voller Schnittwunden waren.

    "Entschuldige mich!", presste ich atemlos hervor und sprintete ins Bad, wo ich mich einschloss und mir das Hemd vom Leib riss. Meine Brust kam mir schmaler vor als zuvor und war nur von wenigen Haaren bewachsen. Entscheidender war jedoch, dass ich auch an meinem Oberkörper keine einzige Verletzung mehr feststellen konnte. Meine Beine hatten keinen Kratzer, meine Seite war nicht verbrannt und mir steckte kein Kristallsplitter in der Schulter.

    Mit wild schlagendem Herzen wagte ich endlich einen Blick in den blank polierten Spiegel, von wo mir das weiche Antlitz eines Jugendlichen entgegen blickte. Mein Gesicht war vor allem am Kiefer weniger kantig und dort, wo eigentlich der Schatten eines voll entwickelten, dichten Bartwuchses hätte sein sollen, sprießte lediglich feiner Flaum.


    Wie konnte das sein?!

    Hatte ich mir die letzten Jahre bloß eingebildet?

    War nichts davon tatsächlich passiert und ich hatte noch immer die Chance auf ein Leben, das mir wahrhaftig selbst gehörte?!

    Doch gerade, als Hoffnung in mir aufkeimte, verstand ich endlich, was wirklich vor sich ging.

    Divinas Geschenk...

    Nichts hier war real. Es war lediglich eine Illusion, um mir einen letzten, sorgenfreien Tag zu gewähren.

    Mein Magen verknotete sich zu einem harten, schmerzenden Klumpen, als meine Gedanken zu Oberwelt-Melina wanderten. Sie hatte bereits ihre gesamte Familie verloren und nun würden auch Fyda und ich niemals zu ihr zurückkehren. Sie war nun vollkommen allein auf der Welt...

    Diese Erkenntnis brach mir das Herz und ich musste mich für einen Moment auf den Boden setzen, als eine heftige Welle der Übelkeit über mich hinweg rollte.

    Verfluchte Divina!

    Sie hatte mir meinen siebzehnjährigen Körper zurückgegeben, aber versäumt, auch meine Erinnerungen auf den Stand meines jugendlichen Ichs zurückzusetzen.

    Wie sollte ich an meinem letzten Tag auch nur das kleinste bisschen Freude empfinden, wenn ich immer wieder vor meinem geistigen Auge sah, wie Oberwelt-Melina verzweifelt hoffend auf meine Rückkehr wartete?!


    Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken.

    "Ark? Ist alles in Ordnung? Ich mache mir Sorgen!" Unterwelt-Melina stand vor der Badezimmertür und ich hörte ihrer Stimme deutlich an, dass sie nervös am Saum ihres Kleides nestelte. Das hatte sie schon als kleines Kind jedes Mal getan, wenn sie angespannt war.

    Ich atmete tief durch, zog mein Hemd wieder an und mühte mich, jeden Gedanken, der nicht das Hier und Jetzt betraf, tief in meinem Unterbewusstsein zu vergraben.

    Reue und Selbstmitleid änderten nichts an der Situation. Es hatte keinen Sinn, ihnen nachzuhängen.

    Also setzte ich trotz des Gefühls der Leere in mir eine fröhliche Maske auf und öffnete die Tür. "Ja, es geht mir bestens. Tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe."

    Melina musterte mich skeptisch. Schon seit frühester Kindheit konnte sie spüren, wenn ich log. Daher war ich mir absolut sicher, dass sie auch nun meine Fassade ohne Probleme durchschauen konnte. Doch irgendetwas an meinem Gesicht bewog sie, dieses Mal nicht nachzubohren und stattdessen mitzuspielen.

    "Gut", sagte sie mit einem Nicken. "Dann kann ich ja meine Frage von vorhin wiederholen: Was hast du heute vor?"

    Ich nahm ihre Hand sanft in meine und antwortete ohne zu zögern: "Das Beste aus diesem Tag machen!"


    Wir verbrachten unsere letzten gemeinsamen Stunden an dem kleinen, versteckt gelegenen Teich hinter der Mühle. Wir picknickten, redeten und lachten wie früher, aber trotz meiner Bemühungen, an nichts anderes zu denken, fühlte es sich hohl an.

    Nichts hier war echt... Krysta und seine Bewohner waren erneut nur ein Bühnenbild und spielten für mich Theater. Ich war es leid, so unendlich leid...

    Daher verabschiedete ich mich früh und zog mich in mein Zimmer zurück, ohne auch nur einen Blick in die Stube des Dorfältesten zu werfen. Ich wollte überhaupt nicht wissen, ob er Teil von Divinas Groschenoper war oder nicht.

    Stattdessen setzte ich mich ohne Umweg an meinen Schreibtisch, um meine Erlebnisse niederzuschreiben, auch wenn nie jemand meinen Bericht lesen wird. Er wird sich schon bald mit dem Rest der Unterwelt auflösen. Genau wie ich...


    Und damit sind wir endlich in der Gegenwart angekommen.

    Ich werde jetzt bald ins Bett gehen, meinem Ende entgegen schlafen und mich dabei an die Hoffnung klammern, eines Tages wiedergeboren zu werden und eine zweite Chance zu bekommen.

    Wenn ich ganz großes Glück habe, darf ich vielleicht sogar noch zu Melinas Lebzeiten auf die Oberwelt zurückkehren und kann mein Versprechen ihr gegenüber halten, indem ich in reinkarnierter Form zu ihr zurückkehre.

    Daran muss ich einfach glauben!

    Ich werde zu ihr zurückkehren...

    Irgendwann...

    Irgendwie...

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Heute habe ich mit dem Spiel angefangen. Als der Titelbildschirm anging, genoss ich erst mal die Musik und die Intro-sequenz. Dann startete ich ins Game.

    Ich benannte den Helden nach mir, weswegen er jetzt Fee heißt. Was eigentlich lustig is, da ich auf Englisch spiele. Deswegen heißt er jetzt eigentlich Gebühr. Naja. Komische Namensvergabe haben die da, in Krysta.


    Fee wälzt sich hin und her. Dunkle Träume überkommen ihn. Wie nahezu jede Nacht. Schweißgebadet wacht er auf und blickt, noch nicht ganz wach, in das hübsche Gesicht seiner rothaarigen Freundin Melina. Die fürsorgliche Weberin steht bereits mit einem feuchten Tuch bereit. Besorgt tupft sie Fee die Stirn ab und versucht ihn zu beruhigen.

    Hätte Fee die Träume selten, hätte das geklappt. Aber durch die immer wiederkehrenden Träume schiebt er es auf den Kristallnebel, der hin und wieder in der Luft über Krysta liegt.

    Melina macht sich auf den Weg zurück in die Weberei und Fee steht auf. Wie ein wild gewordener Pavian hüpft er erst mal durch sein Zimmer (um wieder in die Steuerung zu kommen) bevor er das Zimmer verlässt um in den Tag zu starten und die Albträume hinter sich zu lassen.


    Die Mitbewohner des Hauses beneiden Fee um seine tiefe Freundschaft mit Melina und spielen scherzhaft auf ihre Liebe an. Auch der Kristallnebel, der heute stark auftritt, wird immer wieder thematisiert. Als Fee das Haus verlassen will, wird ihm mitgeteilt, dass er Älteste nach ihm verlangt. Fee weiß genau, das heißt nichts Gutes, aber er hat wohl keine Wahl.


    Kleinlaut betritt Fee das Zimmer des Ältesten, der auf einem Fellteppich sitzend über komplett Krysta wacht. Die Ausstrahlung des Ältesten wirkt einschüchternd. Fee soll Rechenschaft gegenüber den Webern ablegen, da er am Tag zuvor ein paar Hühner in die Weberei jagte und alles verwüstete. Der Älteste befielt Fee sich bei den Webern zu entschuldigen, die Weberei ist wichtig für Krysta.


    Hier finde ich es übrigens spannend, da ich ja auf englisch spiele, wie sich die "Entschuldigungs-Textbox" verhält. Im Deutschen steht da ja "Entschuldigung" und "Tut mir Leid" was überhaupt keinen Sinn ergibt, weil Beides das selbe bedeutet. Ich hab das nie verstanden, aber wenn man die untere Antwort ausgewählt hat war der Älteste sauer auf einen.
    Im englischen steht da "Apologize" und "Make an Excuse" also eine Ausrede suchen. Da hat der gute Moyse leider ziemlich schlechte Arbeit geleistet. Na na na...


    Fee hat nicht wirklich ein schlechtes Gewissen, möchte sich aber weder beim Ältesten noch bei Melina unbeliebt machen. Aber das hat noch Zeit. Fee genießt erst einmal das Wetter, den Kristallnebel und unterhält sich noch ein wenig mit den Leuten im Dorf.

    Nicht alle Dorfbewohner sind von Fee angetan. Er treibt oft Unfug und bringt den Kindern Unsinn bei. Eine Mutter beschwert sich bei ihm darüber, dass die Kinder alle Vasen im Haus zertrümmerten.


    Ein Mann am See erzählt Fee, dass er im Wasser oft Dinge sieht, die ihn an Kontinente erinnern.

    Außerdem erzählt ein kränkliches Kind Fee, dass sie immer wieder Albträume hat, wie alle Dorfbewohner zu Eis erstarren.


    Nun hat Fee aber genug Zeit vertrödelt. Er spielt noch kurz mit einem kleinen Jungen fangen, bevor er endlich tief durchatmet und die Weberei betritt. Fee hofft überzeugend zu wirken und entschuldigt sich bei der Mutter Melinas für das Unheil, welches er am Vortag anrichtete. Er gibt zu es übertrieben zu haben. Melinas Mutter ist über die Einsicht überrascht (Wenn die wüsste!) und bedankt sich für die Entschuldigung. Sie erklärt Fee noch einmal wie wichtig die Weberei für das Dorf ist. Auch Melina scheint erleichtert. Hätte Fee sich nicht ordentlich entschuldigt, hätte sie sich nicht mehr mit ihm treffen dürfen. Dabei liegt ihr doch so viel an ihm - auch wenn er ein Scharlatan ist.
    Und ja, ich wollte einfach irgendwo das Wort Scharlatan unterbringen!


    Auf dem Rückweg zum Haus des Ältesten, spielt Fee noch mit ein paar Kindern und besiegt sie gnadenlos bei einem Springwettbewerb. Außerdem wirft er noch ein paar Kürbisse und Kohlköpfe in den Fluss, einfach so weil ihm danach ist.


    Im Haus des Ältesten angekommen, möchte Fee von der erfolgreichen (aber gelogenen) Entschuldigung berichten um sich ins Rechte Licht zu rücken, doch er erfährt, dass der Älteste außer Haus ist.

    Schon seit jeher, befindet sich im Haus des Ältesten eine blaue Tür. Die Öffnung eben dieser ist strengstens verboten, doch genau diese Tatsache macht die Junggesellen des Dorfes neugierig.
    Sie nutzen die Gunst der Stunde und versuchen die Tür zu öffnen. Da Fee in Sachen Blödsinn normalerweise ja sehr kreativ ist bitten seine Kumpels ihn um Hilfe. Fee will sich nach der Entschuldigung von eben, aber eher nicht die Hände schmutzig machen. Er lehnt ab den Burschen zu helfen. "Na gut, aber erwarte nicht dass wir dich an einem möglichen Schatz beteiligen", gibt einer der Buben zum Besten und schafft es so doch, Fee zur böswilligen Tat zu überreden.


    Wie er den Kindern die Tage zuvor schon beigebracht hat, nutzt Fee einfach die umherstehenden Vasen und zerbricht damit die Tür völlig.

    Kaum liegt die Tür völlig zersplittert vor den Füßen der Männer hören sie eine seltsame Stimme die zu ihnen spricht.

    Vom Heldenmut und Tatendrang der Großkotze ist plötzlich nichts mehr zu hören und einer nach dem anderen findet eine andere Ausrede um jetzt nicht durch den Türrahmen hindurch zu schreiten. Die beste Chance für Fee, der immer noch einen Schatz im Kopf hat. Vielleicht kann er Melina mit ein paar Juwelen beeindrucken.


    Hinter der Tür führt eine Treppe tief nach unten ins Gewölbe. Es gibt keinen Lichteinfall, der Keller wirkt düster, kalt. Von einem Schatz ist nicht sehr viel zu sehen, zumindest kein Schatz wie Fee ihn sich vorstellte. Keine Goldmünzen, keine Kristalle, Juwelen oder sonstige Klunker. Nur eine kleine Schatulle, die mitten im Bunker auf dem Boden steht. Die Schatulle strahlt eine abweisende Aura aus. Trotzdem interessiert Fee der Inhalt und er versucht die Schatulle zu berühren und wird von einer magischen Barriere zurück geworfen. Doch einer inneren Stimme folgend atmet er noch einmal tief ein und berührt die kleine Schachtel ein zweites mal.


    Als er die Augen wieder öffnet, erblickt er vor sich ein kleines, fliegendes Wesen, welches sich als "Fluffy" vorstellt.


    Anmerkung der Redaktion: Was für ein bescheuerter Name, mein lieber Moyse... Fluffys japanischer Name lautet Yumi (oder so ähnlich) und dies wurde auch in den meisten anderen Sprachen so übernommen. Im Deutschen klingt der Name plötzlich niedlich... Und macht im Verlauf der Geschichte absolut keinen Sinn mehr, aber um nicht zu viel vorweg zu nehmen, hole ich da erst aus, wenn wir am Punkt in der Story angelangt sind, an dem es nennenswert ist. (WAS FREUE ICH MICH DARAUF)


    Fluffy erklärt Fee, dass die Schatulle ein verzaubertes Artefakt ist und lädt Fee auf eine Führung darin ein. Schon während der Führung fällt Fee auf, dass im Waffenraum etwas blinkt. Nach der Führung soll Fee eben dieses, seine Aufmerksamkeit erregende Ding erhalten.


    Ich hab früher, als ich die Steuerung in der Kiste hatte übrigens gedacht der Rüstungsraum sei der Waffenraum, weil das Logo über der Tür für mich wie eine Schleuder aussah - Genau genommen sehe ich die Schleuder da immer noch und muss mich richtig anstrengen die Rüstung zu erkennen. Da ich aber mittlerweile ja weiß, dass Ark mit Speeren kämpft, macht das Speersymbol als Waffenraum aber natürlich auch viel mehr Sinn.


    Fee betritt die Waffenkammer und schaut sich den Speer an. Dieser glaube ich zumindest... oder spricht da Fluffy? spricht zu ihm erklärt, dass das Siegel breche, wenn er den Speer in Empfang nimmt. Ganz seiner Art entsprechend denkt Fee nicht über die Konsequenzen nach und nimmt den Kristallspeer entgegen. Fluffy teilt Fee mit, dass sich außerhalb der Truhe ein Besucher ins Kellergewölbe einfindet.


    Aus der Kiste entschwunden sieht Fee, wie Melina besorgten Blickes auf ihn zukommt. Sie hat ein ganz schlechtes Gefühl und macht sich Gedanken, dass etwas ganz Schlimmes geschehen könnte. Und just in dem Moment kommt der von Fee entfesselte Fluch zu tragen und die gesamte Bewohnerschaft Krystas erstarrt zu Eis. Schockiert von diesem Ereignis will Fee natürlich Fluffy zur Rechenschaft ziehen, doch dieser gibt stumpf zum Besten, dass Fee ja das Siegel brach und deswegen verantwortlich ist und macht sich aus dem Staub. Na toll.


    Fee ist aufgewühlt und ängstlich. Das hat er wirklich nicht gewollt. Weder für die Dorfbewohner noch Melina. Doch was sollte er jetzt tun? Wie kann er den Fluch brechen? Auf der Suche nach Antworten geht Fee wieder nach oben und überlegt ob der Wahrsager vielleicht vom Fluch verschont blieb und er dort Rat suchen könnte. Doch soweit kommt es gar nicht. Der Älteste (welch Segen ihn zu sehen) steht in der Eingangstür seines Hauses.


    Erzürnt über Fees Regelmissachtung und den daraus resultierenden Folgen erklärt er ihm trotzdem, wie der Fluch zu brechen ist. Fee muss das Dorf verlassen. Außerhalb der bekannten Grenzen warten 5 Türme auf Fee die er erklimmen muss um den Fluch zu brechen. Von diesmal einem wahrhaftig schlechten Gewissen geplagt macht sich Fee sofort auf den Weg.


    Ich liebs übrigens wie alle Bewohner des Dorfes vereist werden, sogar die Hühner aber halt die Händler und der Wahrsager nicht, damit der Spieler immer die Möglichkeit hat auf die Spielmechaniken dieser zurück zu greifen. Und damals war sowas noch voll okay. Klar hat man sich darüber n bisschen lustig gemacht, aber hinterfragt hat das einfach keiner. Heutzutage (hab ich zumindest das Gefühl) wäre sowas nicht mehr ohne Erklärung möglich. Das Internet würde ausflippen...


    Auf mysteriöse Art und Weise erschien genau vor dem Haus des Ältesten ein Tor um das Dorf zu verlassen und Fee schreitet, getrieben von der Hoffnung die Dorfbewohner retten zu können hindurch und betritt die Außenwelt.


    Diese ist kalt, trostlos. Lavaflüsse durchqueren steinige Pfade, die von kalten Kristallen übersäht sind. Doch Fee kann sich davon nicht aufhalten lassen, schon in der Nähe kann er einen der besagten Türme erkennen. Dort angekommen spricht der Torwächter Fee mit Namen an (Woher weiß er den?!?) und Fee erörtert sein Anliegen. Der Torwächter gewährt ihm Zutritt.


    Im Turm warten Monster auf Fee, doch dieser hat ja den Kristallspeer um sich zu verteidigen. Er kämpft sich Raum für Raum durch die einzelnen Stockwerke, bis er an die Spitze gelangt. Einmal muss er sogar todesmutig an einer rostigen Kette aus dem Fenster klettern!


    Im obersten Raum des höchsten Turmes angekommen wartet jedoch keine Prinzessin auf Fee, sondern ein mysteriöser Mann, der sich als Wächter vorstellt.


    Es gibt ja einige wilde Theorien darüber, wer der Wächter nun letztendlich ist und dass der Älteste auch der Wächter sein könnte. Ich persönlich glaube das ja nicht, finde die Theorie als solches aber ziemlich spannend. Würde auch erklären, warum der Wächter den Namen des Protagonisten kennt.


    Der Wächter lässt Fee durch ein Portal schreiten und dieser bekommt gezeigt, dass Eurasien aus den Tiefen des Meeres an die Oberfläche zurück gekehrt ist. Außerdem wurde Melina und auch die anderen Weber vom ewigen Eis befreit.


    Die Cutscenes am Ende der Türme finde ich übrigens auch jetzt, Jahre später und mit neuen grafischen Möglichkeiten verwöhnt, immer noch großartig. Imposant und wunderschön. Es ist immer wieder eine Freude die Weltportale zu betreten und der Erde beim Erwachen in Pixelgrafik zusehen zu können.


    Nach einem kurzen Abstecher nach Krysta um sich über Melinas Wohlbefinden zu versichern stellt sich Fee den weiteren Türmen.

    Im zweiten Turm muss Fee einige Statuen verschieben um bis an die Spitze des Turms zu gelangen. Auch hier trifft er auf den Wächter, dieser lässt Fee aber einfach gewähren.


    Südamerika kehrt an die Oberfläche zurück und die Müller werden gerettet.


    Im dritten Turm muss sich Fee über schwebende Plattformen bewegen. Doch auch hier schafft er es die oberste Etage zu erreichen und unterwegs hat er sogar noch ein Traumsiegel gefunden. Wie praktisch.

    For real? Ich spiele dieses Spiel seit... keine Ahnung... sehr sehr vielen Jahren mindestens einmal jährlich durch und hab immer noch keine Ahnung was genau das Traumsiegel eigentlich macht. Ich glaube es bewahrt Ark davor von diesen Glitzerattacken von den lila Monstern getroffen zu werden und einzuschlafen, aber ich bin mir überhaupt nicht sicher und hab das Siegel zwar immer ausgerüstet, aber nie bewusst genutzt.


    Oben angekommen findet Fee das Weltenportal verschlossen vor. Der Wächter ist nirgends zu sehen, allerdings führt ein Weg auf eine Plattform in die Mitte des Raumes. Dort angekommen erscheint der Wächter und Fee muss sich einer Prüfung unterziehen. Drei Hexen tauchen auf, wovon zwei nur Illusionen sind. Fee muss die reale Hexe besiegen um ins Portal zu gelangen.

    Nach einigen Lanzenhieben (denn Speere wirft man, also sind das also Lanzen... Wieso heißt das Ding Kristallspeer?!? Jetzt bin ich selbst verwirrt) kehrt die Hexe zurück ins Reich des Todes und Fee errettet Afrika aus den Tiefen des Meeres und die Familie mit den zwei Kindern vom ewigen Eis.


    Habt ihr übrigens Tipps wie man hier den realen Geist erkennt? Ich weiß nicht wie das geht. Ich mach immer auf gut Glück und irgendwann hat sich die Sache. Aber das kann ganz schön zeitaufwändig werden, wenn man Pech hat.


    Schon über die Hälfte geschafft. Zuversichtlich betritt Fee den 4. Turm und wird diesmal schon vom Wächter begrüßt. Wieder schickt der Wächter seine Hexen ins Gefecht, aber Fee ist im Kampf gegen diese ja mittlerweile geübt. Somit kämpft er sich den Weg in den Turm frei und muss diesmal erst nach unten fallen um die Spitze zu erreichen. Unterwegs findet er den Kristallfaden, ein perfektes Geschenk für Melina!

    Auch hier gelingt es Fee natürlich zur Spitze zu gelangen, auch wenn sich der Weg diesmal als viel verworrener und verwirrender erwies. Der Wächter erwartet ihn bereits. Mit einem fiesen Grinsen teilt er Fee mit, eine Überraschung für ihn zu haben und wirft ihn in eine Art Arena. Dort muss sich Fee einer Hubba-Schlange stellen. Doch auch dieser Kampf ist bald gewonnen und Nordamerika kehrt an die Oberfläche zurück. Außerdem werden alle Bewohner des Haus des Ältesten vom ewigen Eis befreit.


    Nur noch ein Turm zu besteigen. Fee ist auf der zielgeraden! Und genau deswegen... geht er erst einmal zurück nach Krysta. Schließlich hat er ein tolles Geschenk für seine Liebste gefunden. Diese nimmt den Kristallfaden mit Freuden entgegen (Woher weiß sie eigentlich dass das Kristallfaden ist? Woher kennt sie den?)


    Melina verspricht Fee etwas aus dem besonderen Faden zu weben und bittet ihn am nächsten Morgen erneut bei ihr vorbei zu schauen. Von den vielen Kämpfen im Turm erschöpft, nimmt Fee den Rat Melinas an und legt sich erst einmal schlafen. Doch wieder plagen ihn Albträume und ein Durchschlafen ist ihm nicht möglich. Er wälzte sich im Schlaf so sehr herum, dass er aus dem Bett fiel.

    Noch vom Traum aufgewühlt weiß Fee, dass er jetzt sowieso nicht sofort wieder einschlafen kann und er vertritt sich etwas die Beine. Wie so oft tragen sie ihn zu seinem liebsten Menschen in ganz Krysta - Melina. Noch bevor er ihr Zimmer betritt hört sie sprechen. Sie betet für Fees Sicherheit und dafür, dass er ihr nicht genommen und weg geschickt wird.

    Als Fee zu ihr tritt und sie sich über das Gebet unterhalten versichert er ihr, dass er nicht gehen wird.

    Fees Mission ist es schließlich die Dorfbewohner zu retten. Er hat keinen Grund danach irgendwo hin zu gehen.

    Außerdem erklärt er Melina liebevoll, dass er das Dorf liebt, eben weil Melina dort lebt.


    Erleichtert atmet Melina auf. Es gibt ihr Hoffnung, dass ihre Bedenken unbegründet sind. Sie möchte gern weiter weben, damit die Weste am nächsten Tag fertig ist und schickt Fee zurück in sein Bett.


    Am nächsten Morgen stattet Fee nach dem Aufwachen dem Magier einen kurzen Besuch ab, bevor er sich auf den Weg zu Melina macht. Wie versprochen war sie die ganze Nacht am Arbeiten und überreicht ihrem Freund die Titaniumweste die im englischen übrigens Elle's Cape heißt, was VIEL besser passt btw. Diese soll Fee vor sämtlichen Gefahren schützen, da Melina beim Weben für ihn gebeten hat.


    Ausgerüstet mit seinem neuen Kleidungsstück macht sich Fee auf den Weg zu seiner letzten großen Prüfung. Dem 5. Turm.

    Schon im Eingangsbereich von diesem, erscheint der Wächter und versucht Fee zu vertreiben, doch die Gebete Melinas schützen ihn und er kann im Turm voran schreiten.


    Ganz oben im Turm erscheint der Wächter ein weiteres Mal und leitet für Fee die finale Aufgabe ein... Den Kampf gegen den Dämonenskorpion.


    Ich mag übrigens den Weg zum Skorpion mit den Fackeln die da dann angehen, wenn man auf ihn zuläuft. Das hat immer sowas... theatralisches.


    Fee stellt sich dem riesigen Skorpion und mithilfe der magischen Schatulle schafft er es das Ungetüm zu besiegen und auch die restlichen Dorfbewohner zu befreiten. Ebenso wie Ozeanien, das aus den tiefen des Meeres an die Oberfläche zurückkehrt.


    Der Wächter erscheint erneut und kündigt an, dass Fees wahre Reise nun beginnen kann.

    Auf dem Weg zurück nach Krysta um dem Ältesten von den jüngsten Erfolgen zu berichten lässt Fee noch die zwei Inseln Mu und Polynesien aus dem Meer emporsteigen.


    Der Älteste ist beeindruckt von den Erfolgen Fees und erklärt ihm, dass dieser nur das Land an die Oberfläche der Welt zurück geholt hat, nicht jedoch das Leben, welches die Kontinente einst bevölkerte. Er zeigt Fee ein großes Loch. Der Älteste erklärt, dass das Loch der Weg zur anderen Welt ist. Diese war einst grün, belebt mit Fauna und Flora. Verschiedene Pflanzen, Tiere und Menschen lebten dort, doch nun herrscht dort nur Ödnis. Der Älteste wünscht sich Erholung für diese Welt.


    Er vertraut Fee diese unendlich große Aufgabe an.

    Eine Rückkehr nach Krysta ist allerdings erst möglich, wenn Fee seine Bestimmung erfüllt hat.


    Fee schluckt. Er kann spüren, dass dies seine Bestimmung ist. Dass er es sein muss, der das Leben wieder zurück bringt, ebenso wie er auch die Kontinente wieder zurück gebracht hat. Doch das bedeutet auch, dass er gehen muss. Dass er Krysta - und Melina - hinter sich lassen muss.


    Fee will die nötigen Reisevorbereitungen treffen und sich von Melina verabschieden, bevor er in das Loch springt.


    Zuerst macht er sich auf den Weg zu seiner Freundin. Er will ihr Zimmer betreten, doch Melina verbietet es ihm. Sie möchte ihn nicht sehen.

    Woher zur Hölle weiß sie überhaupt, dass er dem Wunsch des Ältesten nachgeht. Der Älteste steht noch am Loch und außer ihm und Fee weiß es keiner...

    Sie möchte Fee mit einem Lächeln verabschieden, aber aus einem Grund, den sie sich nicht erklären kann, muss sie unaufhörlich weinen. Aber sie weiß, dass Fee eines Tages sicher zurückkehren wird. Bis zu diesem Tag will sie warten um ihn dann mit einem Lächeln wieder begrüßen zu können.


    Fee geht Melinas Wunsch nach und lässt sie allein in ihrem Zimmer.

    Wer macht sowas?!? Ich glaube jeder Mensch den ich kenne wäre ins Zimmer gegangen und hätte sie, GERADE wenn sie weint, nochmal in die Arme geschlossen und versuchen zu trösten. Herzloser Eisklotz Ark!


    Noch ein paar Heilknollen und Gegengifte gekauft, wer weiß was ihn da oben erwartet, macht sich Fee zurück auf den Weg zum Ältesten. Er steht vor der unendlichen Schwärze des Lochs, atmet nochmal tief durch... und springt.



    Zwischenstand:

    Level: 7

    Gold: 611

    Kristalle: 8 (+9 die ich für Zauber ausgegeben habe)

  • IBNs erstes Mal:

    TERRANIGMA


    1. Kapitel: Versunkene Kontinente


    1.1 Nenn mich Fluffy!


    So, nun bin auch ich unter die Terranigmen gegangen, um der großen LaBarbara huldigen zu können, hehe.


    Bisher habe ich noch nicht viel gemacht. Zuerst habe ich Ark kennengelernt, der ein ziemlicher Randalierer zu sein scheint. Treibt einfach unschuldige Hühner in Webereien. Geht ja gar nicht, du Schuft! Findet auch der Weise, der ihn prompt losschickt, sich zu entschuldigen. Und was macht man(n) nicht alles, um bei der eigenen Geliebten, der schönen Melina, landen zu können? Genau, Ark entschuldigt sich! Der Mutter schmeckt das zwar nicht, nimmt die Entschuldigung dann aber halbgar an.


    Brav, wie er mit mir als sein Gewissen ist, geht Ark zum Weisen. Doch Sappalott, der alte Mann ist außer Haus! Dafür treiben aber irgendwelche Tagediebe Unfug und wollen die geheimnisvolle Tür aufbrechen. Auch Ark soll helfen. Aber nein! Nicht unser Ark. Trotz vehementem Nachbohren bleibt Ark standhaft und sagt nein. Doch das Unglück nimmt seinen Lauf und die Idioten fummeln ohne Ark an der Tür.

    Dann ein Licht!

    Als Ark erwacht, sind die Tagediebe weg, nur einer meint, die Tür hätte sie verschluckt. Ark seufzt und will ihnen helfen - alles für sein Karmakonto! Er bricht die Tür mit Krügen auf - ja, nicht nur ein gewisser grüngekleideter Feen-Kerl kann Krüge zertümmern - und tritt ein. Eine Stimme bittet um Hilfe.


    Der Keller des Weisen ist eine blaue Höhle, die dringend gekehrt gehört. Prompt findet Ark die Tagediebe, doch diese sind erstarrt! Wie das?

    Wieder eine Stimme!

    Ark folgt ihr und öffnet ein Siegel. Aus jenem steigt eine Abscheuchlichkeit, die ihres gleichen sucht, allein ihr Name lässt das Blut gefrieren...

    Fluffy!!!!!

    Der Dämon dankt und gibt Ark die Fähigkeit, eine magische Truhe zu betreten (was ist ein Select-Knopf?, fragt sich Ark). Doch diese Macht hat ihren Preis! Melina und fast alle im Dorf, außer dem Weisen (und dem übermächtigen Händler - denn nichts hat mehr macht, als der schnöde Mammon), werden zu Eis. Um sie zu retten meint der Weise, dass Ark fünf Türme aufsuchen muss, um dort einen Weg zur Rettung zu finden. Fluffy will ihm zum Dank helfen.


    Endlich kann Ark das Dorf verlassen, doch die bunte, weite Welt ist... gewöhnungsbedürftig. Lava, karge Ebenen, zackiges Gebirge. Nicht sehr einladend. Doch dafür kann man schnell die gesuchten Türme sehen!


    Ark betritt Turm 1 und steigt die Etagen hinauf. Er stellt sich tapfer den dortigen Bestien entgegen, erlöst gefangene Seelen und erreicht schließlich die oberste Etage. Dort erwartet ihn ein Wächter. Dieser beschwört einen Haufen Dämonen. Doch für den erfahrenen Helden, der bereits seit einer Stunde auf Abenteuer ist, sind diese Gegner keine Gefahr. Ark schlägt sie nieder und so kann er den versunkenen Kontinent (ah, daher der Name des Kapitels!) Eurasien hervorholen.


    Zurück in der Heimat, stellt Ark fest, dass es Melina zwar besser geht, aber nach wie vor viele Dörfler noch erstarrt sind. Es bleibt dem Helden also nichts weiter übrig, als den nächsten Turm zu suchen...




    Fortschritt:


    Level: 5

    Türme: 1/5

    Kristalle: 3


    Ruhmeshalle Sinnoh (Strahlender Diamant Edition)


  • Geheime Gedanken einer Göttin


    Ich beobachte den Jungen aus der Unterwelt nun schon seit etlichen Jahren. Er ist das, was die Menschen wohl einen Tunichtgut oder Taugenichts nennen würden. Anstatt sich produktiv in die Gemeinschaft seines Heimatdorfes einzubringen, hat er sich einen Namen als Randalierer und Problemmacher erarbeitet, indem er durch das Herumwerfen von Kürbissen und Kohlköpfen ganze Ernten zerstört, seinen Mitmenschen allerlei Streiche gespielt und die Hühner des Dorfes dazu gebracht hat, diverse Haushalte zu verwüsten.

    Selbst die Weberei, die der Mutter seiner Geliebten gehört, ist vor seinem destruktiven Treiben nicht sicher - und das, obwohl er aufrichtige Liebe für das Mädchen zu empfinden scheint. Lange Zeit glaubte ich, ihm läge außer ihm selbst kein einziger Mensch am Herzen, aber wenn er mit Melina zusammen ist, verändert er sich plötzlich.

    In diesen Momenten erinnert er mich immer wieder an ihn, auch wenn der Junge ansonsten sehr viel mehr nach seinem Vater zu schlagen scheint, was mich mit Sorge erfüllt.

    Ich werde ihn weiter beobachten.


    ...


    Der Junge hat Pandoras Truhe gefunden, nachdem er aus Zorn darüber, zu einer Entschuldigung für eine seiner Untaten gezwungen worden zu sein, die verbotene Tür mit einem schweren Krug eingeschlagen hat!

    Als er das auf der Truhe liegende Siegel gebrochen hat, setzte dies einen Fluch frei, der beinah jedes Lebewesen in seinem Heimatdorf zu Eis erstarren ließ. Der Älteste wies ihn an, in der Außenwelt nach den fünf Türmen zu suchen, um die dort gefangenen Seelen zu befreien und auf diese Weise das Dorf zu retten, doch seinem ganz und gar nicht heldenhaften Charakter entsprechend versuchte der Junge zunächst, sich davor zu drücken. Erst als ihm bewusst wurde, dass er tatsächlich die einzige verbliebene Hoffnung und noch dazu verantwortlich für die Situation war, machte er sich auf den Weg.


    Ihn bei seiner Aufgabe zu beobachten, ist interessant.

    Die auf ihm lastende Verantwortung scheint seinem Leben endlich einen Sinn zu geben. Vielleicht ist es aber auch nur das in ihm erwachte Kriegerherz. Jedenfalls kann ich eine Verwandlung in ihm erkennen. Er wirkt ernster, entschlossener und ich sehe immer mehr von ihm in ihm.

    Womöglich kann er mir doch nützlich sein...


    ...


    Er hat die Herausforderungen der fünf Türme gemeistert und die Kontinente der Oberwelt aus den Tiefen des Meeres wieder aufsteigen lassen.

    Seine erste gute Tat!

    Doch dies scheint ihn kaum zu interessieren. Für ihn ist diese Heldentat lediglich ein Beiprodukt; ihm ging es von Anfang an nur um die Befreiung seines Dorfes.

    Er sieht das große Ganze noch nicht...

    Aber ich werde warten. Und wenn es eines Tages soweit sein wird, dann werde ich bereit sein!





    Endlich wieder Terranigma! Was hab ich das Spiel vermisst! Letztes Jahr habe ich meinen jährlichen Playthrough verpasst, weil meine Schwester mein Spiel ausgeliehen hatte. Ich habe also sozusagen Entzugserscheinungen und freue mich daher umso mehr, dass wir dieses wunderbare kleine Projekt gestartet haben. Alleine zu spielen wäre zwar auch super gewesen, aber das mit euch zusammen zu machen, ist absolut grandios! :love2:

    Danke dafür, Ich-bin-Niemand  DreizehnteFee  Purah !


    Wie andernorts bereits erwähnt, spiele ich dieses Mal auch wieder am TV mit meinem alten SNES und dem original Modul, das ich seit 1996 besitze und hege und pflege. (Es ist sogar noch der allererste Speicherstand drauf!)

    Da aber weder Konsole noch Modul die jüngsten sind, ist das nicht ganz ohne technische Problemchen und ich hatte bislang zwei Freezes, weil wohl eine minimale Erschütterung dafür gesorgt hat, dass Modul und Konsole kurz den Kontakt verloren haben. Der erste war im Intro (also noch vor Erstellen des Spielstands), das war nicht weiter schlimm, aber der zweite ist bei Betreten des ersten Turmes passiert und war daher etwas nervig, weil ich den kompletten Kellerabschnitt nochmal spielen musste. :tired2:

    Aber seitdem wurde ich verschont und ich hoffe, dass sich das Ganze jetzt eingegroovt hat.


    Damit dieses Projekt für mich mehr ist als einfach nur zum 375ten Mal Terranigma durchzuspielen, nehme ich mir für diesen Playthrough richtig viel Zeit, rede mit jedem NPC* und nehme vor allem Antwortmöglichkeiten, die ich sonst eher nicht nehme. (Auf die Idee hat mich quasi Sylph mit ihrem dümmlichen Isaac bei unserem Golden Sun-Durchlauf gebracht.)


    Dadurch hatte ich schon die ein oder andere Textbox, von der ich mir nicht sicher bin, ob ich sie dafür auch nur einmal gesehen habe und die mich haben grinsen lassen. (Ich hab mich z.B. sehr darüber amüsiert, dass Ark, wenn man die Frage, ob man den Dorfbewohnern helfen wird, verneint, einfach stumpf den Ältesten fragt, warum er das nicht selbst macht. :z12: Durchaus berechtigte Frage - immerhin scheint der ja magische Fähigkeiten zu haben!) Mein Ark ist dieses Mal also ein ziemlicher Rüpel und mir wird dadurch wieder richtig bewusst, wie sehr ich es mag, dass Ark kein klassischer Held ist, sondern nur widerwillig und gezwungenermaßen in diese Rolle hineinwächst.


    Durch das gründliche Lesen der NPC-Texte sind mir auch wieder ein paar Dinge aufgefallen, über die ich mich seit jeher wundere:

    • Wieso hat bei den Stickerinnen nur eine der vier einen anderen Text?
      Ich könnte verstehen, wenn es 2/2 wäre oder alle immer dasselbe sagen, aber zwei Textboxen haben, die sich abwechseln. Aber einer einen anderen Text zu geben, während die anderen drei dasselbe sagen, ist merkwürdig.
    • Wieso kommentieren nur so wenig (wieder aufgetaute) Dorfbewohner, was mit ihnen passiert ist?
      Der Großteil behält denselben Text, den er auch vor dem Fluch hatte. Ist das ein Fall von Verdrängung und die Leute wollen so tun, als wäre nichts passiert?
    • Wohin verschwinden nachts die Leute?
      Wenn man sich während des Abschnitts zwischen Turm 4 und 5, wo Ark nachts aus dem Bett fällt, im Dorf umschaut, wird man feststellen, dass die meisten NPCs nicht an ihrem üblichen Ort stehen und man sollte meinen, sie seien ins Bett gegangen. Die meisten Betten im Dorf sind aber leer! Wo sind die Leute also hin?!




    Fortschritt


    Spielerlevel: 7

    Türme: 5/5

    geheime Schreine: 2/2




    *BONUSRUNDE


    "Sag niemals Holerö!" - Das Spiel


    Wer mit von Claude M. Moyse übersetzten Spielen groß geworden ist, weiß: Der Mann hat(te) nicht nur einen etwas speziellen Humor, sondern (in den 90ern) ein ganz spezielles Lieblingswort, das er in so ziemlich jedes von ihm übersetzte Spiel eingebaut hat: Holerö! (Was auch immer das bedeuten mag...)


    Und Terranigma ist die absolute Krönung dessen! Ich glaube, in keinem anderen Spiel gibt es so viele Fälle von "Holerö!".


    Allerdings habe ich mich noch nie mit harten Zahlen beschäftigt - dies soll sich jetzt aber mit Hilfe einer Strichliste ändern!


    Spielregeln:

    • Jede Textbox zählt nur 1x; es sei denn, das Spiel öffnet denselben Text automatisch mehrfach, während ich storyrelevanten Kam mache (Ich denke da an eine ganz bestimmte Situation in einer Schlucht.) - dann zähle ich das eiskalt jedes Mal.
    • Ich rede mit jedem NPC; wenn sich an der Situation irgendwas verändert (z.B. durch das Auftauen), spreche ich mit den NPCs erneut.

    Counter: 0


    Ich bin selbst ganz geschockt, aber in der Unterwelt sagt tatsächlich niemand "Holerö!"

    Ich hab gestern tatsächlich noch etwas Neues über das Spiel gelernt, das mir bislang gar nicht bewusst war, weil ich nie drauf geachtet habe.
    (Näheres dazu demnächst in meinem Bericht, wenn ich Zeit hatte, ihn zu schreiben (also vermutlich am Wochenende). Ist nur eine Kleinigkeit, aber ich fand's trotzdem interessant.)

    Daher meine letztens angesprochene Erkenntnis:


    "Holerö" ist offenbar Oberwelt-Slang.




    Fluffys japanischer Name lautet Yumi (oder so ähnlich)

    Yomi

    Der Name kommt aus der japanischen Mythologie und steht für die Unterwelt bzw. das Land der Toten.


    Die Cutscenes am Ende der Türme finde ich übrigens auch jetzt, Jahre später und mit neuen grafischen Möglichkeiten verwöhnt, immer noch großartig. Imposant und wunderschön. Es ist immer wieder eine Freude die Weltportale zu betreten und der Erde beim Erwachen in Pixelgrafik zusehen zu können.

    Ja!

    100%ige Zustimmung!


    For real? Ich spiele dieses Spiel seit... keine Ahnung... sehr sehr vielen Jahren mindestens einmal jährlich durch und hab immer noch keine Ahnung was genau das Traumsiegel eigentlich macht. Ich glaube es bewahrt Ark davor von diesen Glitzerattacken von den lila Monstern getroffen zu werden und einzuschlafen, aber ich bin mir überhaupt nicht sicher und hab das Siegel zwar immer ausgerüstet, aber nie bewusst genutzt.

    Genau das.

    Die Wächter funktionieren ein bisschen wie die Deckengrapscher in Zelda: Wenn sie Ark mit ihrem Geschoss treffen, schläft dieser ein und dann saugen sie ihn zu sich. Wenn sie es schaffen, ihn ganz zu sich zu holen, bevor er aufwacht, schmeißen sie ihn aus dem Turm.


    Das Traumsiegel verhindert, dass Ark einschläft und damit indirekt auch, dass er aus dem Turm geschmissen wird.


    Habt ihr übrigens Tipps wie man hier den realen Geist erkennt?

    Leider nicht.


    Ich habe mir dieses Mal eingebildet, dass er minimal weniger transparent ist, wenn die drei sich aufteilen, aber es kann auch purer Zufall gewesen sein, dass das 3x geklappt hat - zumal ich dazwischen einige Versuche hatte, wo mir keiner der drei weniger transparent vorkam als die anderen.


    Woher weiß sie eigentlich dass das Kristallfaden ist? Woher kennt sie den?

    Vielleicht ist das gar kein so rares Material und als Weberin hat sie sowas schon mal gesehen oder zumindest davon gehört. Hat mich jedenfalls nie irritiert, dass sie sofort erkennt, was das ist und von den besonderen Eigenschaften des Fadens weiß.


    Wer macht sowas?!? Ich glaube jeder Mensch den ich kenne wäre ins Zimmer gegangen und hätte sie, GERADE wenn sie weint, nochmal in die Arme geschlossen und versuchen zu trösten. Herzloser Eisklotz Ark!

    Zu seiner Verteidigung:

    Sie macht es SEHR deutlich, dass sie ihn in dem Moment nicht sehen will, weil es das Ganze für sie nur schwerer machen würde. (Tatsächlich habe ich es sogar immer so interpretiert, dass sie sich eingeschlossen hat und er buchstäblich die Tür eintreten müsste, um ihr zu kommen.)

    Und wenn eine Person(, die mir auch noch sehr am Herzen liegt,) felsenfest davon überzeugt ist, dass dies die für sie bessere/weniger schmerzhafte Herangehensweise an unseren Abschied ist - wer bin ich, mich über ihr Urteil und ihren Wunsch hinwegzusetzen?

    Ich verstehe Ark da durchaus, dass er Melinas Wunsch respektiert und nicht versucht, sie zu einer Form des Abschiedes zu zwingen, die er sich vielleicht mehr wünschen würde.

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Auf geht's. Terranigma. Und ich muss sagen, ich finde es bisher echt ziemlich cool, das Spiel läuft an sich ganz gut. (für mich, nicht von der Performance her) Also... größtenteils jedenfalls, lol.


    Ich sag's wie es ist: In Turm 3 und Turm 4 steckte ich unironisch öfter mal fest. Ich verstehe aktuell noch nicht allzu viel von dem, was da abgeht, aber das wird mir das Spiel sicher später noch erklären. Hoffe ich zumindest. Was ich aber jetzt schon sagen muss: Dieser „Raum“ bzw. diese Sequenz, nachdem man einen Kontinent zurückgeholt hat, sieht einfach krank gut aus. Lieben wir sehr, visuell absolut eine 10 von 10. Die 5 Türme habe ich erledigt.


    Gefunden habe ich jedenfalls auch schon einiges (Das Traumsiegel zB). Polynesien ist jetzt auch am Start und dann war da noch... Mu? Oder wie das heißt. Das Ding war halt einfach überhaupt nicht auf der Karte eingezeichnet, hä? Na ja, egal. Ich habe am Ende, glaube ich, alles gefunden. Da ich zwischenzeitlich dezent zu viel Geld hatte, habe ich die Kohle auch direkt komplett rausgefeuert. Man kann ja zur Not immer noch nachfarmen, von daher juckt mich das recht wenig.


    Die Story verstehe ich btw immer noch nicht so ganz, aber das liegt safe auch einfach an mir, lol. Aber kurz mal Real Talk: Ist das korrekt, dass die Welt oben komplett tot ist und einfach nur im Untergrund noch ein einziges Dorf mit Menschen existiert hat? Und Ark muss jetzt den Retter spielen und alles im Alleingang geradebiegen? Aber wie kam es überhaupt dazu? Und wieso ist ausgerechnet Ark der Held, der Typ hat doch am Anfang nur Scheiße gebaut? Fragen über Fragen, die ich mir wohl im Laufe des Spiels selbst beantworten muss. Ich bin auf jeden Fall mega gespannt, wie es weitergeht. Da ich nun an der Oberwelt stehen kann, denke ich mal, ich habe das Tutorial jetzt offiziell abgeschlossen und werde nun die Kontinente abarbeiten. Cool, Bock ist da!


    Das war's dann auch schon wieder für heute. Tschööööß.

    "Im Nichtwissen liegt keine Schande, denn es birgt die Gelegenheit, neues Wissen zu erlangen."


    Heiji Sig

  • IBNs erstes Mal:

    TERRANIGMA


    1. Kapitel: Versunkene Kontinente


    1.2 Du Unhold!


    Ein Turm geschafft, vier wollen noch erklommen werden! Ark ist nicht zu bremsen - kein Wunder, ich treibe ihn ja auch an!


    Also ab in den zweiten Turm, der den einprägsamen Namen "Turm 2" trägt. Ich denke, hier sind wir richtig. Im Inneren erwarten mich ein paar Schieberätsel. Doch weil ich die befreite Seele zu hektisch angesprochen habe, war prompt die Hilfestellung weg. Aber Ark ist schon fast ein Veteran des Heldentums, längst kein Tunichtgut. Also wird die Lösung gefunden und der Turm erklommen. Größtes Hindernis hier: diese vermaledeiten Magier! Blickkontakt gleich Rage-Mode!!!


    Nach zwei kommt drei, also ab in den nächsten Turm. Der hier hat ein paar nette Einlagen, was die schwebenden Plattformen betrifft, aber ist jetzt kein Hexenwerk. Also ist auch dieser Turm schnell erklommen. Und so nun insgesamt drei Kontinente wieder aufgetaucht.


    Was dezent unbequem ist, sind die Abspeichermöglichkeiten... Nur in Krsyta? Echt jetzt? Oder bin ich zu doof?!


    Turm 4 ist etwas... nerviger. Runterfallen will gelernt sein und Loch ist nicht gleich Loch. Bis ich den richtigen Weg gefunden habe, dauerte etwas. Aber unterwegs kann Ark auch den Kristallfaden ergattern und dann das allererste antike "SNAKE"-Spiel entdecken.

    Hallöchen Kontinent Nummer Vier!


    Im fünften Turm werde ich vom Wächter immer wieder herausgeworfen. Ark wollte bereits zur heiligen LaBarbara beten, doch als ich zufällig mit Melina spreche, nachdem ich nur abspeichern wollte, erhalte ich alsbald die Titaniumweste. Sie ermöglicht mir den Weg in den Turm. Und somit erreiche ich schließlich mein Ziel.


    Auf dem Weg zurück befreit Ark Polynesien und er erfährt in Krysta vom Weisen, dass er am Erdspalt die Oberwelt erreichen kann - dort erwartet Ark sein Schicksal.

    Doch als er sich von Melina verabschieden will, lässt sie ihn nicht zu sich. Ihr Lachen soll ihn begleiten, nicht ihre Tränen. Noch während Ark das Haus verlässt, ruft ihm Melinas Mutter hinterher, was für ein Unhold er ist, dass er Melina zum Weinen brachte...


    Ark tritt seine weitere Reise an und damit geht der Spaß wohl erst richtig los!




    Fortschritt:


    Level: 9

    Türme: 5/5

    Kristalle: 8 (oder so

    Gold: 1540


    Ruhmeshalle Sinnoh (Strahlender Diamant Edition)


  • Aus dem Gedächtnis eines Baumes


    Im ersten Moment nach meiner Erweckung verspürte ich nichts weiter als Erleichterung und Freude, doch dann setzten mit einem Schlag die Schmerzen wieder ein. Der Moloch, der sich in meinen Eingeweiden festgesetzt hatte, bevor die Landmasse, in die ich meine Wurzeln geschlagen hatte, im Meer versunken war, war mit mir gemeinsam wiederauferstanden und fraß sich erneut durch mein Innerstes.

    Wäre ich ein Mensch oder Tier, ich hätte vor Elend laut geschrien! Doch als Pflanze war ich dazu verdammt, die Pein stumm und stoisch zu ertragen.


    Ich weiß nicht, wie lange die Qualen bereits andauerten, als plötzlich ein junger Mann hier in Lumina auftauchte.

    Die meine Wurzeln umgebende, ausgetrocknete Erde vibrierte sanft bei jedem seiner zögerlichen Schritte und ich hörte, wie er zu sich selbst sprach und den schrecklichen Zustand der Welt um uns herum betrauerte. In dem melodischen Singsang seiner leisen Worte schwangen letzte Schatten eines zurückliegenden Stimmenbruchs mit, wodurch vor meinem geistigen Auge das Bild eines an der Schwelle zum Erwachsenenalter stehenden Knabens entstand.


    Für einen Moment war ich von dem unerwarteten Besuch derart abgelenkt, dass ich das quälende Nagen des Molochs in meinem Inneren vergaß.

    Was machte ein Mensch hier?!

    So wie es derzeit um die Oberwelt bestellt war, konnten diese fragilen Wesen niemals überleben! Es gab keine Nahrung, kein trinkbares Wasser, es war viel zu heiß und selbst die Luft war zu dünn, um ihre Lungen über längere Zeit mit genügend Sauerstoff zu versorgen.


    Und trotzdem logen meine Sinne nicht. Da war eindeutig ein junger Mann und er kam langsam auf mich zu.


    Als die Überraschung über sein Erscheinen langsam verblasste, kehrten die Schmerzen in mein Bewusstsein zurück und ich wurde jäh an den Parasiten in meinen Eingeweiden erinnert. Wenn dieser nicht bald aufhörte, sich immer tiefer in mich hinein zu fressen, gab es keine Rettung mehr für mich...


    Meinem Instinkt folgend konzentrierte ich mich auf den Fremden und flehte ihn im Geiste an, mir zu helfen.


    Kurz darauf stoppten dessen Schritte und seine irritiert klingende Stimme hallte über die toten Ebenen Luminas, als er mich aufforderte, mich zu zeigen.

    Da ich mich - selbst wenn ich nicht bereits direkt vor ihm gestanden hätte - nicht eigenständig bewegen konnte, wiederholte ich lediglich wieder und wieder meine stumme Bitte.

    Nach kurzem Zögern kam der Knabe wieder näher und legte mir sanft eine Hand auf den Stamm. Dann ließ er sich auf die Knie fallen und kroch durch das große Loch, das vom Moloch in meinen Körper gebohrt worden war, in mich hinein.


    Es war ein merkwürdiges Gefühl, zu spüren wie er sich durch mein Innerstes bewegte, aber da das Kitzeln seiner flotten Schritte von dem stechenden Schmerz, den der Parasit verursachte, ablenkte, wollte ich mich nicht beschweren.

    Und zum Glück dauerte es nicht sehr lange, bis mein Retter den gefräßigen Gliederfüßer in meinen Eingeweiden fand und erschlug! Dieser versuchte zwar, sich mit seinem Gift zu wehren, aber der Knabe schützte sich gekonnt mit einem Tautropfen, den er von einem meiner in meinen Wurzeln lebenden Kinder bekommen hatte.


    Ich hatte erwartet, meine Kraft würde nach dem Ableben des Molochs langsam zurückkehren, doch stattdessen war es wie ein Dammbruch. Meine Macht rollte schlagartig über mich hinweg wie eine donnernde Flutwelle, kaum dass der Parasit sein Leben ausgehaucht hatte, und innerhalb weniger Sekunden sprossen überall um mich herum meine geliebten Kinder aus dem Boden.

    Die kräftigen Farben ihrer bunten Blätter breiteten sich wie ein Lauffeuer über die Welt aus, die Temperaturen sanken auf eine milde Wärme und das nun wieder klare Wasser reflektierte erneut das strahlende Blau des Himmels.


    Als mein Retter nach vollbrachter Tat wieder aus mir heraus kroch, stieß er angesichts der plötzlichen Schönheit und des blühenden Lebens um ihn herum ein überraschtes Keuchen aus.

    Ich bedankte mich bei ihm und erfuhr, dass er den Namen Ark trug.

    Am liebsten hätte ich mich lange mit ihm unterhalten, aber in seinem Herzen ruhte ein unsteter Geist und es zog ihn bereits nach wenigen Minuten schon wieder in die Ferne. Daher schenkte ich ihm lediglich meinen Segen, damit er auf seinen Reisen stets bei Kraft bleiben sollte, und ließ ihn gehen.


    Meine Kinder berichteten mir, dass er nach Norden reiste, wo er das Grecliff-Gebirge fand und dessen höchsten Gipfel bestieg. Ganz oben angekommen, fand er den Dämonenvogel Infernalos und dessen Gefährten. Wie auch schon beim Moloch machte Ark hier ebenfalls kurzen Prozess mit den Plagegeistern und kurz darauf kehrten die Vögel in die Welt zurück.

    Wäre ich nicht in der Erde festgewachsen, hätte ich einen Freudensprung gemacht, als meine gefiederten Freunde endlich wieder über die Äste meiner ausladenden Krone hüpften und ihre Lebensfreude in die Welt hinaus trällerten. Was hatte ich ihre Lieder vermisst!


    Die Pausen zwischen ihren Gesangseinlagen füllten die Vögel mit Geschichten über Ark, der seinen Status als ihr Held zementiert hatte, indem er die starken Winde geweckt hatte, die von nun an wieder Zugvögeln dabei helfen würden, zwischen den Kontinenten der Oberwelt hin und her zu reisen.

    Dies hatte sich wohl auch Ark zunutze gemacht und hatte sich von einer Möwe nach Afrika tragen lassen, weshalb Neuigkeiten über seine Taten seltener und langsamer geworden waren.


    Ich betete stumm zur Göttin, ihre schützende Hand über den Knaben zu halten.

    Die Welt brauchte ihn!




    Ich liebe den Abschnitt, wo man die Oberwelt nach und nach wieder mit unterschiedlichen Lebewesen bevölkert. Ich glaube, "Ankunft in der Oberwelt" bis "Aufeinandertreffen mit dem berühmtberüchtigten Boss des Spiels"* ist tatsächlich mein Lieblingsteil des Spiels.

    Ich freu mich jetzt schon wieder auf den nächsten Dungeon!


    *Ich halt's mal extra vage für unsere Erstspieler, aber wer das Spiel kennt, weiß, von welchem Boss ich rede.


    Die Oberwelt das erste Mal nach Erweckung der Pflanzen zu sehen, ist für mich auch jedes Mal wieder ein Highlight der nostalgischen Gefühle.

    Meine erste Berührung mit Terranigma war damals über den Nachbarssohn(, der auf meine Schwester stand und deswegen immer wieder unter dem Vorwand, mir neue Spiele zeigen zu wollen, rüber gekommen ist :z12: ) - und der war zu dem Zeitpunkt bereits auf der begrünten Oberwelt angekommen, weshalb mich das Reisen über die von Pflanzen bevölkerte Karte der Oberwelt immer an meinen Erstkontakt mit dem Spiel erinnert.

    Ich weiß noch, dass ich im ersten Moment enttäuscht war, weil er mir eigentlich versprochen hatte, ein anderes Spiel zu zeigen (Ich glaube, ALttP; aber ganz sicher bin ich mir nicht mehr.).

    Diese Enttäuschung war aber ganz schnell vergessen, als Terranigma über den Bildschirm flimmerte. Diese Musik! Und die Tatsache, dass das Ganze auf unserer "echten" Erde spielt... Ich war schockverliebt! (Und jeder, der mich kennt, weiß, das hat sich gehalten. :z11:)

    Überhaupt ist die Musik in dem Spiel grandios! (Wer an einer etwas aufgepeppten Version interessiert ist, dem kann ich die "Terranigma Revisited"-Cover von Roman Heuser ans Herz legen. Die laufen bei mir ganz oft und der Dude ist super sympathisch.) Ich freue mich jetzt schon wieder wie ein kleines Kind auf einen ganz bestimmten Track, den man nur zweimal im Spiel hört, dann aber jedes Mal so verdammt episch ist! :z17:


    Technische Probleme hatte ich zwar dieses Mal keine, dafür aber eine Situation, die ärgerlich gewesen wäre, wenn der Boss nicht so ein Lappen wäre: Ich bin nämlich genau in dem Moment, in dem ich Infernalos besiegt habe, von der Plattform gefallen und musste den Kampf nochmal von vorne anfangen. :z12: Da ich aber derzeit etwas überlevelt bin, einen kritischen Treffer gelandet habe und der Boss eher darauf ausgelegt ist, schwer zu treffen zu sein anstatt viel auszuhalten, war der blöde Vogel bei Versuch Nummer 2 mit nur einem Schlag besiegt.

    Daher hat mich dieses kleine Whoopsie nicht weiter gestört.


    Apropos Infernalos: Ich frage mich immer noch, wie es damals zu der Entscheidung gekommen ist, dessen Helfer Ark auf den Kopf kacken zu lassen, wenn dieser zu lange still steht. Bei dem Planungsgespräch wäre ich gern dabei gewesen...

    Details wie dieses sind aber der Grund dafür, warum ich mit Claude M. Moyses Übersetzung in diesem Spiel gut leben kann, auch wenn der Herr einen speziellen Humor hat und mit seinen Texten manchmal ziemlich weit weg ist vom Original. Da das Spiel sich aber selbst nicht übermäßig ernst nimmt, ist der typisch moyse Klamauk hier tonal nicht völlig daneben.


    Zum Abschluss möchte ich noch berichten, dass ich auch dieses Mal tatsächlich wieder etwas Neues über das Spiel gelernt habe, das mir bislang nicht bewusst war bzw. das ich nicht gewusst habe:


    1. Sich mit dem L-Knopf weiterführende Details anzeigen zu lassen, funktioniert auch mit den Türen innerhalb der Truhe. Wenn man also gerade mal nicht sicher ist, wohin eine Tür führt, einfach L drücken und schon ist man klüger. Dasselbe gilt für alle Objekte in der Bibliothek der Truhe.


    2. Wenn man mit der einen Blume im Sonnenbaum(dungeon), von der man den Tautropfen erhält, nochmal spricht, nachdem man selbigen bereits getrunken hat, erhält man einen weiteren Tautropfen.

    Das hab ich echt nicht gewusst! Ich hatte bisher immer gedacht, das sei ein einmaliges Item, das man nicht nochmal bekommen kann.




    Fortschritt


    Spielerlevel: 13

    Türme: 5/5

    geheime Schreine: 2/2

    wiedererweckte Lebewesen: Pflanzen, Vögel, Wind




    "Sag niemals Holerö!" - Das Spiel


    Holerö-Counter: 0


    (Versprochen, der bleibt nicht mehr lange auf 0...)

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Ich glaube, "Ankunft in der Oberwelt" bis "Aufeinandertreffen mit dem berühmtberüchtigten Boss des Spiels"*

    Mag ich auch am Liebsten tatsächlich. Da is alles irgendwie noch so neu unf aufregend und... unschuldig.


    wobei ich Zoe immer ein bisschen anstrengend finde. Ich bin da grundsätzlich immer unterlevelt und muss die Gegner bis zu 1 oder 2 Levelups später halt gefühlt noch 100 mal treffen um sie zu besiegen...


    Generell ist das Level-Pacing in Terranigma glaub mein größter Kritikpunkt am Game. Und ich meine nicht nur die Boss-Gegmer sondern ganz generell

  • IBNs erstes Mal:

    TERRANIGMA


    2. Kapitel: Flora und Fauna


    1.2 Der Moloch


    Ark ist durch den Spalt in die Oberwelt gereist! Angekommen im Amazonas ist alles ziemlich karg und leblos. Doch der tapfere Held schreitet mutig voran.


    Erster Stopp ist eine unterirdische Höhle, die ich leichte hätte übersehen können, habe ich aber nicht, hehe. Recht schnell wird mir klar, dass das hier ein Dungeon ist. Etwas ärgerlich, dass der Speer/die Lanze (nennt es wie ihr wollt, Fee und Labrynna :z11:) nicht mehr heilt. Das war praktisch!


    Doch gesichert durch ein Buch zum Speichern (yeah!), erkunde ich die Höhle und tue, was ich bei solchen Gelegenheiten immer tue: die hiesige Monster-Population ausrotten, sodass ich leveln kann.


    Während der Erkundung klettert Ark irgendwann eine Wurzel hinab und erreicht einen unterirdischen Teich, samt Wasserfällen. Hier bekommt er ein Blatt zum Schwimmen - richtig praktisch. Die Höhle sowie die Kletterpartie hatten mir gut gefallen.


    Nach weiterer Erkundung und der Nutzung des noch gefundenen Zauberblatts, kann ich die Höhle des Moloch betreten. Boah, wie schon der Skorpion in Turm 5, sieht auch dieser Boss gut aus! Und es ist auch ziemlich hektisch. Doch ich schaffe ihn, sodass der Sonnenbaum und Lumina wiederauferstehen. Die Blumen sind mir dankbar. Sie bitten mich, nun die Vögel zu retten. Klar doch, ich bin gut zu... lassen wir das!


    Das Abenteuer geht weiter.


    (Kurze Frage an die Experten: die Pflanzen sagen, ich soll nach Norden, also vorbei an dem Portal und dann weiter? Hab sorge, den richtigen Ort zu verpassen...)




    Fortschritt:


    Level: 14

    Türme: 5/5

    Kristalle: 9

    Gold: 3750 (nach Einkauf in Lumina)

    Befreites: Pflanzen


    Ruhmeshalle Sinnoh (Strahlender Diamant Edition)


  • Hier bekommt er ein Blatt zum Schwimmen

    Das interessiert mich als Vielspielerin jetzt gerade.

    Fandest du es offensichtlich, dass du das Blatt im Wasser ansprechen musst? Ich kann mir nämlich denken, dass hier einige Neulinge irritiert sein könnten.


    die Pflanzen sagen, ich soll nach Norden, also vorbei an dem Portal und dann weiter? Hab sorge, den richtigen Ort zu verpassen...)

    Keine Sorge, du kannst den nächsten Ort nicht verpassen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Spiel noch sehr linear und du kommst nur so weit wie du sollst ^.^

  • (Kurze Frage an die Experten: die Pflanzen sagen, ich soll nach Norden, also vorbei an dem Portal und dann weiter? Hab sorge, den richtigen Ort zu verpassen...)

    Wie Fee schon sagt, man kann zum jetzigen Zeitpunkt nichts verpassen. (Generell kann man auf der Oberwelt so gut wie alles auch später noch holen, wenn man es zum angedachten Zeitpunkt nicht getan hat. Gibt nur eine Ausnahme, aber da warne ich nochmal, wenn du kurz davor bist.)


    Aber wenn du meinst, dass du nicht sinnlos rumirren willst, hier mehr Informationen, wo's weiter geht:


    Und noch ein Tipp für nach dem nächsten Dungeon, weil ich in LPs gesehen habe, dass Erstspieler da oft richtig Probleme haben:


    Und zu guter Letzt noch ein wichtiger Hinweis:

    Wirf NIEMALS, unter keinen Umständen, die Waffe weg, die du im nächsten Dungeon findest.

    (Macht man es doch, kann man sich selbst einen Gamebreaker bauen.)

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Als Fee die Augen öffnet und sich umblickt, sieht er nur Ödland ohne Leben. Keine Farben, kein laues Lüftchen. Absolute Stille. Nur seine Atmung ist wahrnehmbar.

    In dieser absoluten Stille wird Fee bewusst wie groß die ihm vorliegende Aufgabe ist und dass keine Rückkehr nach Krysta möglich ist.

    In einem Anflug plötzlicher Überforderung fragt er sich, ob er vielleicht (mal wieder) zu vorschnell handelte... Als der Weise ihn fragte ob er sich der Aufgabe stellt, zögerte Fee schließlich keine Sekunde. Er hielt nur inne um sich von Melina zu verabschieden, nicht aber um über die Konsequenzen seiner künftigen Aufgabe nachzudenken.


    Fluffy taucht auf und schickt Fee an, los zu legen. Dieser versucht sich zu verteidigen, doch Fluffy hat schon Recht. Vom Jammern wirds nicht besser. Fee setzt sein Abenteuer also fort und setzt seine ersten Schritte auf der trostlosen Oberwelt.


    Als Fee nach einem Anhaltspunkt zur Orientierung sucht, schließlich hat er keine Ahnung WIE er denn das Leben zurück holen soll, landet er bei einem verdorrenen Baum. In der noch immer vorhaltenden Stille meint Fee den Baum zu ihm sprechen zu hören. Er fragt sich ob die Einsamkeit und dass nicht ein Mucks zu hören ist ihn jetzt schon verrückt werden lassen, aber er hat ja nichts zu verlieren. Er tritt näher an den Baum und sieht einen kleinen Eingang.


    "Ich muss vollkommen übergeschnappt sein", denkt Fee sich noch in dem Moment als er krabbelnd das Innere des Baumes erreicht. Der Gestank im Gehäuse des Baumes kriecht ihm die Nase hoch und hinterlässt einen stechenden Schmerz. Die Luft hier scheint giftig zu sein.

    Fee stellt sich vor wie es wäre, wenn der Baum ein Mensch wäre. Dann wären die Gänge in denen er sich gerade befindet die Arterien.


    Fee dringt weiter ins Innere des Baumes vor und befreit weiter Seelen, in dem er die Monster bekämpft die sich hier tümmeln.


    Im englischen wird übrigens angezeigt welches Item voll ist.

    Als ich im Baum an den Blumen meine Items aufheben wollte, stand immer dran S.Bulb oder M.Bulb are full. Und nicht einfach "davon habe ich reichlich". Da waren unsere deutschen Übersetzer ganz schön faul. Ich glaub ich spiel ab jetzt immer auf englisch xD


    Eine der befreiten Seelen verrät Fee, dass die Welt wieder ergrünt wenn der Sonnenbaum RA gerettet wird. Fee ist erfreut darüber, nun endgültig zu wissen, dass er hier auf dem richtigen Weg ist um die Pflanzen zurück auf die Erde zu bringen.


    Eine weitere gerettete Seele bittet Fee ihr zu folgen und führt ihn tief in den Untergrund, weit in den Wurzeln des Sonnenbaumes. Fee ist überrascht, als er das saubere Wasser erblickt und nimmt erst einmal einen tiefen Atemzug frischer, gesunder Luft.

    Die Seele gehörte zu einer Pflanze namens Lily, die ihrem Retter erklärt, dass in der Tiefe bereits neues Leben entsteht. Sie vermacht ihm ein paar Blätter als Schwimmhilfe, um ihm seine Mission den Sonnenbaum zu befreien möglich zu machen.


    Fluffy taucht auf und macht sich über Fee lustig, da dieser nicht schwimmen kann. Danke für deine wertvolle Freundschaft Fluffy. Fee lässt sich von dieser Schmach nicht beeinflussen. Wofür hätte er in Krysta schwimmen lernen sollen?


    Mithilfe der Schwimmblätter findet Fee einen anderen Weg nach unten in weitere Wurzeln. Auch dort haben es sich ein paar Pflanzen am Wasser gemütlich gemacht und konnten trotz der Ödnis an der Oberfläcje gedeien. Eine dieser Pflanzen vermacht Fee einen schützenden Tautropfen. Dieser vermag jegliches Gift zu verdrängen und die Person die den Tautropfen zu sich nimmt vor eindringenden Giften zu schützen.


    Perfekt um endlich der Ursache des stichigen Gestankes der Baumhöhle auf den Grund zu gehen. Von einer Höhle hielt sich Fee bisher fern. Der Höhle, die der Ursprung des Giftes zu sein scheint.

    Erhobenen Speeres betritt Fee eben diese Höhle und sieht sich dem Höllenmolloch und seinen Auswüchsen gegenüber.


    Einen schweißtreibenden Kampf später, versiegt das Gift des Mollochs und der Sonnenbaum RA kann sich erholen. Die Pflanzen kehren zurück auf die Erde. Die Ödnis weicht einem satten Grün und gesunden Wiesen. Fee jedoch spürt, noch ist es zu früh für die Wiedererweckung der Welt.


    Die Pflanzen-Cutscene ist von allen Erstehungscutscenes meine Liebste. Ich finde es so schön wie dieser Pusteblumen-Samen erst ganz allein über die vertrocknete Erde fliegt unf sich dann überall das grün ausbreitet. Das hat mir immer am Meisten gefallen.


    Der Sonnenbaum RA bedankt sich bei Fee für die Errettung der Pflanzen und seinen Sieg über den Höllenmolloch. Er schenkt ihm einem mächtigen Zauber.

    Fee unterhält sich noch mit einigen Pflanzen, erfreut nun nicht mehr allein auf der hiesigen Welt zu sein, und erfährt, dass im Norden einst Vogelgezwitscher zu hören war, dies aber völlig verstummte.


    Das scheint ein guter Anhaltspunkt zu sein um weiteres Leben auf die Erde zurück zu holen. Nachdem Fee noch ein paar Baumfrüchte verspeist hat, macht er sich also auf die Suche nach den Vögeln, im Norden des Kontinents.


    Er landet an einem felsigen Canyon der von schlammigen Monstern und Steingegnern besiedelt ist. Na das sieht doch richtig aus.


    Fee kämpft sich hier an den Gipfel des Berges, lernt Steine zu zermalmen und findet einen Weg um an den rauen Wänden empor zu klettern, bis er schließlich bei den dämonischen Vögeln landet. Diese versuchen Fee von der Klippe zu stoßen, doch dieser kann den Windangriffen der Dämonen trotzen und schafft es auch hier den Sieg zu erringen.


    Nun, da die Gefahr gebannt ist, können die Vögel zurück in ihren natürlichen Lebensraum kehren.


    Die Vögel, wunderschön anzusehen mit ihrem bunten Gefieder, teilen Fee mit, dass Dumbar, das Oberhaupt der Vögel gern mit ihm sprechen würde. Er befindet sich am obersten Punkt der Klippe. Also packt Fee seine Kletterklauen aus und macht sich auf den Weg nach oben.


    Auch hier ist das im Englischen wieder eindeutiger, wo Dumbar ist...


    Einige Vögel finden, dass Dunbar ein bisschen ZU fett ist und als Fee dem Oberhaupt gegenüber steht, kann er diese Aussage nachvollziehen. Dumbar ist ein Vogel, der an Größe und Masse wohl kaum zu überbieten ist. Tief schlummernd bekommt er gar nicht mit, wie Fee ihn beobachtet. Erst als Fee ihn direkt anspricht, schreckt er hoch.


    Dumbar ist dem Helden dankbar für die Rückkehr der Vögel, doch noch sind nicht alle Probleme gelöst. Damit die gefiederten Tiere wieder glücklich sein und sich über die ganze Welt ausbreiten können, müsste wieder Wind wehen. Doch wie Fee schon bei seiner Ankunft feststellte, weht hier kein einziges laues Lüftchen.

    Eine der Möwen, die Fee schon auf dem Weg zu Dumbars Nest traf, wüsste wohl wie man zum Wind kommen kann.

    Besagte Möwe trägt Fee direkt zum besagten Ort um den Wind, der in tiefen Schlaf gesunken ist aufzuwecken. Ein paar Steine in ein Loch geworfen und zack, erwacht der Wind aus seiner Stille.


    In diesem Teil gibt es so viele Logiklücken, das stört ein bisschen die Immersion. Wenn kein Wind da ist, wie konnten sich die Pflanzen verteilen. Da es ja auch noch keine Insekten gab, ist das nicht wirklich möglich. Die Vögel können wegen des fehlenden Windes nicht fliegen. Außer Supermöwe Nr. 1, die einen zur Windschlucht trägt. Und dann noch etwas das mich persönlich einfach stört... Ich hätte irgendwie lieber nen Dungeon an der Stelle gehabt. Und nicht einfach nur 3 Steine in ein Loch werfen. Diese ganze Wind Quest fühlt sich so... nichtssagend an irgendwie. Wäre da irgendein Dämon der den Wind zurück hält, hätte ich persönlich es cooler gefunden. Oder die ganze Quest komplett weg lassen. Irgendwie is die obsolet.

    Naja...


    Zurück beim König der Vögel erhält Fee einen weiteren mächtigen Zauber zum Dank fürs Erretten der Vögel. Dumbar döst weiter und Fee zieht auf Anfrage einer Möwe mit ihr nach Safarium, dem Reich der Tiere! Doch dort angekommen ist außer dem Vogelgezwitscher kein Geräusch zu vernehmen, dass auf andere Tiere hindeutet...


    Zwischenstand:

    Keine Ahnung, hab ich vergessen aufzuschreiben 😂


  • Missionsbericht eines angehenden Königs


    Als die Dämonen über unser Reich herfielen und das Land anschließend im Meer versank, befand ich mich gerade in der Schlucht südlich des Tierfelsens, um dort die Prüfung zu absolvieren, die jeder zukünftige König der Tiere meistern muss, bevor er eines Tages Anspruch auf diesen Titel erheben darf.

    Entsprechend befand ich mich noch immer in diesem dämonenverseuchten Gebirgsspalt, als ich plötzlich wieder existierte. Dieser schlagartige Wechsel meiner Daseinsform irritierte mich, doch ein guter Anführer darf sich von derlei Kleinigkeiten nicht ablenken lassen.


    Also ignorierte ich das Prickeln unter meiner Haut, das dafür sorgte, dass mein Nackenfell sich aufstellte, und setzte meine Prüfung fort. Ich schätzte, auch eine zwischenzeitliche Apokalypse war für meinen Vater kein Grund, unvollrichteter Dinge nachhause zurückzukehren wie ein Feigling.


    Meine Mutter hatte Papa angefleht, mein Reiferitual aufzuschieben, da sie um mein Leben fürchtete. Kein früherer König habe sich zusätzlich zu dem tückischen Terrain der Schlucht auch noch Dämonen stellen müssen, hatte sie argumentiert. Doch Vater hatte sich nicht erweichen lassen.

    Er hatte gesagt, er sehe großes Potenzial in mir und glaube fest daran, dass ich auch diese Gefahr meistern und mir damit schon in jungen Jahren einen beeindruckenden Ruf erarbeiten würde. Ich würde irgendwann der größte aller Könige werden, hatte er gesagt!

    Seine Worte hatten mich mit derart viel Stolz erfüllt, dass ich Mama regelrecht angefleht hatte, mich gehen zu lassen und mir eine Chance zu geben, mich zu beweisen.


    Doch zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ihre Sorge nicht völlig unberechtigt war...

    So sehr ich auch versuchte, mich auf meine Umgebung zu konzentrieren und Bedrohungen zu erspüren, bevor es zu spät war, meine Gedanken drifteten immer wieder ab.

    Wie war es möglich, dass ich auf einmal wieder existierte und die Welt so gesund und vor Leben strotzend aussah wie schon lange nicht mehr?


    Ich war derart abgelenkt von den Fragen in meinem Kopf, dass ich eine Gruppe Vogeldämonen übersah, bis sie mich mit ihren scharfen Krallen attackierten und in eine Ecke drängten. Mit Klauen und Zähnen setzte ich mich tapfer zur Wehr, aber gegen mehrere dieser Monster auf einmal hatte ich kaum eine Chance.


    Mein Herz wurde bereits schwer und ich glaubte, mein Ende stehe kurz bevor, als sich plötzlich eine scharfe Klinge durch einen der Dämonen bohrte und dieser sich in Luft auflöste. Seine Artgenossen schlugen erschrocken mit den Flügeln, doch auch sie wurden niedergestreckt, bevor sie flüchten konnten.


    Mein Retter war ein junger Mann mit flammendem rotem Haar, der mich nun, da die Vogeldämonen besiegt waren, breit angrinste und fragte: "Du bist Liam, oder? Deine Mutter schickt mich. Ich soll dir bei deiner Prüfung helfen."

    Ich hatte noch nie zuvor einen Menschen gesehen und nur wenig Gutes über diese Wesen gehört, aber das warme Licht in den Augen des Fremden ließ jeden Zweifel daran, ob ich ihm vertrauen konnte, verstummen. Daher bestätigte ich meine Identität und ließ mich von dem Mann tiefer in die Schlucht hinein begleiten.


    Dieser stellte sich als Ark vor und erwies sich als eine erstaunlich große Hilfe. Zwischen den Felskluften hier unten lebten weit mehr Dämonen als mein Vater und ich angenommen hatten, aber für Ark und seine mit einer scharfen Spitze versehene Stabwaffe stellten diese kaum eine Herausforderung dar.

    Daher ging mein neuer Leibwächter stets ein gutes Stück vor mir und räumte jede Gefahr für mich aus dem Weg.

    Das fühlte sich für mich jedoch ein wenig nach Schummeln an und ich musste mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Schlucht frei von Monstern gewesen war, als mein Vater und unsere Vorfahren ihre Prüfungen abgelegt hatten - Ark sorgte also in gewisser Weise lediglich für Chancengleichheit. Außerdem musste ich noch immer Acht geben, dass ich nicht von einem Dämon überfallen wurde, der sich von hinten anschlich.


    Auf diese Weise erreichten wir nach langem Marsch das Ende der Schlucht, wo ein besonders mächtiger Dämon namens Schlammhados uns den Ausweg versperrte.

    Meine Instinkte verrieten mir, dass wir es hier mit einem sehr gefährlichen Gegner zu tun hatten, und auch Arks Gesicht, in dem während unserer gemeinsamen Reise stets ein leicht schelmischer, amüsierter Ausdruck gelegen hatte, wurde beim Anblick dieses Schlammmonsters schlagartig ernst.


    Der Unhold attackierte uns von einem erhöhten Plateau aus, wo Ark ihn mit seiner Waffe nicht erreichen konnte, aber gemeinsam schafften wir es trotzdem, ihn in seine Schranken zu verweisen!

    Zumindest dachten wir das...


    Doch als Ark gerade die aus der Schlucht herausführende Brücke, die Schlammhados hatte entstehen lassen, überqueren wollte, ließ der Schuft diese wieder in sich zusammenfallen und mein neuer Freund stürzte in die Tiefe. Dessen erbosten Rufen und Racheschwüren konnte ich entnehmen, dass er sich bei dem tiefen Fall zum Glück nicht ernsthaft verletzt hatte und nun vor Wut schäumte.


    Ark war jedoch nicht der Einzige, über den sich der rote Schleier des Zornes gelegt hatte...


    Noch bevor ich wirklich wusste, was ich da tat, bewegte sich mein Körper wie von selbst vorwärts und ich schlug meine scharfen Krallen und Zähne in den wabbeligen Körper des Dämons.

    Schlamm spritzte in alle Himmelsrichtungen und ich war schnell über und über mit stinkendem Modder bedeckt, aber das ließ mich nicht innehalten.


    Nach einem kurzen, aber intensiven Kampf gelang es mir schließlich, den Sieg zu erringen und den Ausweg aus der Schlucht zu sichern.

    Doch bevor ich nachhause eilte, kletterte ich zu Ark hinab, um mich zu vergewissern, dass es ihm gut ging.


    Bei meinem Anblick applaudierte mir dieser und gratulierte mir voll Stolz zu meiner ersten gewonnenen Schlacht. Anschließend schenkte er mir als Andenken für meine Großtat einen wunderschönen, schillernden Stein, den wir auf dem Boden der Felsspalte fanden.

    Ich war selten derart glücklich gewesen!


    Dann rannte ich so schnell mich meine Pfoten trugen nach Safarium zurück, wo ich eine Möve damit beauftragte, Ark aus seiner misslichen Lage zu befreien und hierher zu holen.


    Als ich meinem Vater von den Ereignissen in der Schlucht berichtete, sah ich Schrecken, ein schlechtes Gewissen, aber auch unermesslichen Stolz in seinen Augen aufleuchten.

    Für einen Moment hatte ich trotzdem Sorge, er würde meine Prüfung wegen Arks Hilfe für ungültig erklären, aber er nickte nur und wiederholte, ich würde eines Tages einen großartigen König abgeben.

    Zu meiner Überraschung bedankte sich Vater sogar bei Ark für dessen Eingreifen, bevor dieser sich auf den Weg nach Osten machte.


    Obwohl ich unbändige Freude über das positive Urteil meines Vaters verspürte, empfand ich zeitgleich große Trauer darüber, meinen neuen Freund schon wieder gehen zu sehen.

    Ich wollte ihm hinterher laufen und ihn bitten, zu bleiben, aber Mutter erklärte mir, vor ihm lägen noch große Aufgaben und ich dürfte ihn nicht aufhalten.

    Wie sich herausstellte, verdankte ich Ark mein Leben gleich auf doppelte Weise. Nicht nur hatte er mich in der Schlucht davor bewahrt, von Dämonen gefressen zu werden - er war auch derjenige, der Satadoros in Zue geschlagen und damit die Säugetiere in die Welt zurückgebracht hatte.


    Während ich vom Tierfels aus beobachtete, wie Arks Silhouette am Horizont verschwand, setzte ich mir selbst ein neues Ziel: Eines Tages würde ich genauso stark und mutig werden wie er!




    Zue!

    Als Kind fand ich den Dungeon furchtbar, weil ich mich ständig verlaufen und den Weg nicht gefunden habe. Deswegen hab ich mein Modul sogar mal dem Nachbarsjungen (dem, der mir das Spiel überhaupt erst gezeigt hatte) gebracht, damit er den Dungeon für mich spielt. :z12: (Der Dude war sowieso praktisch. Ich erinnere mich auch, dass er mindestens einmal das Grinden in Secret of Mana für mich übernommen und alle Zauber auf Level 8 gebracht hat.)

    Heute kann ich das nicht mehr verstehen, warum ich hier derartige Schwierigkeiten hatte. Eigentlich ist der Dungeon ja ziemlich straight forward: einfach alle Gegner umboxen, bis man vier Seelen gefunden hat und dann ab zum nächsten Regenaltar, wodurch sich der nächste Abschnitt des Gebiets öffnet.

    Ich war offenbar kein sehr cleveres Kind...

    Heute gehört Zue jedenfalls zu meinen Lieblingsdungeons im Spiel. So können sich die Dinge ändern!


    Ist euch aufgefallen, dass die Feuerkröten in Zue nur bei Sonnenschein explodieren und dabei mit Feuerkugeln schießen?

    Wenn es regnet, macht es einfach nur Puff und sie sind weg.


    Nach der Wiederauferstehung der Säugetiere geht es natürlich als Erstes in die Schlucht, um Liam bei seiner Prüfung zu helfen. Was auf dem Papier ein furchtbarer Abschnitt sein müsste (Jeder hasst Eskortmissionen!), bereitet mir in Terranigma immer wieder Freude.

    Liam ist einfach die niedlichste virtuelle Knutschkugel überhaupt und sein Musikthema trägt ebenfalls stark dazu bei, dass ich bei Laune bleibe, auch wenn Liam wohl der langsamste Löwe der Welt ist und ich vor jedem Bildschirmwechsel gefühlte Minuten auf ihn warten muss.


    Alles an diesem Teil des Spiels ist, zugegebenermaßen, sehr König-der-Löwen-esque, was vermutlich auch kein Zufall ist, wenn man bedenkt, dass der Film 1994 in die Kinos kam und Terranigma 1995 (in Japan; in Europa erst 1996) veröffentlicht wurde.

    Der Erfolg des Films fiel also offenbar/sehr wahrscheinlich (Ich bin mir nicht ganz sicher, wie lange das Team an Terranigma gearbeitet hat) voll in die Entwicklungszeit des Spiels und hat - ziemlich offensichtlich - für Inspiration gesorgt.


    Interessant an dem Abschnitt mit Liam fand ich aber immer, dass es der kleine Löwe ist, der den Boss schlussendlich besiegt und Ark rettet.

    Ark mag der Held der Geschichte sein, aber seine Macht ist begrenzt und hier und da ist er auf die Hilfe anderer angewiesen. Das sieht man in Spielen (vor allem aus der Zeit) nicht soooooo oft - und wenn, dann ist es häufig so gemacht, dass die Freunde von Anfang an unterstützen und man nie zu Gesicht bekommt, wie der Ausgang des Ganzen wäre, wenn der Held es allein versucht hätte. Ark geht Schlammhados hier aber tatsächlich in die Falle und würde ohne Liams Hilfe vermutlich in der Grube verdursten/-hungern.

    Dieses Scheitern hat Ark für mich immer zu einem der menschlichsten Helden gemacht.


    (Und, verdammt, ich will auch mit Tieren reden können!)




    Fortschritt


    Spielerlevel: 15

    Türme: 5/5

    geheime Schreine: 2/2

    wiedererweckte Lebewesen: Pflanzen, Vögel, Wind, Säugetiere




    "Sag niemals Holerö!" - Das Spiel


    Holerö-Counter: 2 (+3)

    Ja, ich habe eingangs in den Regeln gesagt, ich würde, Textboxen, die ohne aktives Ansprechen eines NPCs wiederholt auf dem Bildschirm aufploppen, auch mehrfach zählen, aber der kurze Abschnitt, wo Liam Ark beim Kämpfen folgt und jeden toten Gegner mit "Holerö, bist du aber stark!" kommentiert, ist da etwas schwierig, finde ich, weil es unterschiedlich sein kann, wie oft man den Text sieht. Das Maximum ist 4 (weil 4 Gegner), aber ich hab dieses Mal z.B. zwei Gegner gleichzeitig besiegt und den Text deswegen nur 3x gesehen. Daher hab ich den Text jetzt doch nur 1x gezählt und die anderen möglichen 3 Male laufen als mögliche Addition in Klammern mit.


    (Und: Ich hab euch gesagt, es würde nicht mehr lange dauern!)



    Im englischen wird übrigens angezeigt welches Item voll ist.

    Ein Traum!

    Das geht mir so oft auf den Keks, dass die Information im Deutschen fehlt!


    Die Pflanzen-Cutscene ist von allen Erstehungscutscenes meine Liebste. Ich finde es so schön wie dieser Pusteblumen-Samen erst ganz allein über die vertrocknete Erde fliegt unf sich dann überall das grün ausbreitet. Das hat mir immer am Meisten gefallen.

    Same.

    Die anderen sind auch schön, aber die Pflanzenszene ist trotzdem ein ganz anderes Level für mich. (Ich hab aber auch eine Schwäche für Pusteblumen...)


    In diesem Teil gibt es so viele Logiklücken, das stört ein bisschen die Immersion. Wenn kein Wind da ist, wie konnten sich die Pflanzen verteilen. Da es ja auch noch keine Insekten gab, ist das nicht wirklich möglich. Die Vögel können wegen des fehlenden Windes nicht fliegen. Außer Supermöwe Nr. 1, die einen zur Windschlucht trägt. Und dann noch etwas das mich persönlich einfach stört... Ich hätte irgendwie lieber nen Dungeon an der Stelle gehabt. Und nicht einfach nur 3 Steine in ein Loch werfen. Diese ganze Wind Quest fühlt sich so... nichtssagend an irgendwie. Wäre da irgendein Dämon der den Wind zurück hält, hätte ich persönlich es cooler gefunden. Oder die ganze Quest komplett weg lassen. Irgendwie is die obsolet.

    Naja...

    Ich hatte da bislang immer angenommen, dass das womöglich auch wieder eine Schluderei in der deutschen Version ist, aber wenn es da im Englischen keinen Unterschied gibt, habe ich dem Herrn Moyse da wohl Unrecht getan.

    Mein persönlicher head canon ist, dass es sehr wohl vorher schon Wind auf der Welt gibt, aber die großen, kräftigen Ströme, auf denen Vögel (die ja mehr wiegen als Pflanzensamen) über lange Strecken reisen können, noch fehlen.

    Also, dass man nicht Wind an sich erweckt, sondern bestimmte Formen an Wind. (Macht das Sinn?)


    Und ja, ich stimme zu, einfach nur die Steine ins Loch zu werfen ist super lame und bringt dem Spieler so wenig, dass man das auch komplett hätte rauslassen können, sodass man nach Sanktum sofort nach Safarium hätte reisen können, ohne Umweg über Orkania.


    Meine Vermutung ist, dass da Content/ein Dungeon geschnitten wurde - und das so spät in der Entwicklung, dass es zu aufwendig gewesen wäre, diesen Schlenker komplett zu entfernen, weswegen wir jetzt diese suuuuuuuper abgespeckte Version bekommen haben.

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Tagebuch einer Illusionistin


    Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich es wieder vor mir - das schrecklichste Ereignis meines Lebens.

    Die Nacht, in der Luran von Dämonen überrannt wurde. Die Nacht, in der meine Eltern starben...


    Papa hatte sich Jahre vor meiner Geburt mit meinem Großvater zerstritten und den Kontakt abgebrochen, weswegen ich diesen nie kennengelernt hatte. Doch als die Monster die Straßen fluteten, zerrte Mama mich trotzdem an der Hand bis zum Stadtrand und bläute mir immer wieder ein, nach Lhasa zu gehen, wo ich Opa finden sollte.

    Sie selbst kehrte an der Grenze zur Gobiwüste wieder um, weil sie nach Papa suchen wollte, der in dem Chaos unserer Flucht von uns getrennt worden war. Ich flehte sie schluchzend an, mit mir zu kommen, aber sie rannte immer schneller Richtung Stadtzentrum und rief mir wiederholt über die Schulter hinweg zu, bei Opa sei ich in Sicherheit.

    Ich höre ihre sorgenerfüllten Rufe noch immer in meinen Ohren. Höre, wie sie plötzlich zu einem feuchten Gurgeln werden und dann verstummen, weil ein Dämon ihr seine Klaue in die Kehle gerammt hat...


    Wie ich den Weg nach Lhasa gefunden habe, weiß ich selbst nicht. Es muss Instinkt gewesen sein.


    Doch obwohl Opa sich wirklich rührend um mich kümmert, komme ich einfach nicht zur Ruhe.

    Ich will zurück nach Hause!

    Ich will meine Eltern sehen!

    Ich muss...


    [...]


    Papa hat mir mal erzählt, er stamme von einer Linie mächtiger Medien ab. Opa, zum Beispiel, solle die Fähigkeit haben, in die Zukunft zu schauen.

    Ich habe das immer für eine seiner Geschichten gehalten, aber heute habe ich entdeckt, dass ich Illusionen schaffen kann, wenn ich mich auf ein bestimmtes Bild konzentriere!

    Mit ein wenig Übung könnten sie womöglich sogar derart real wirken, dass sie niemand - nicht einmal ich selbst - von der Realität unterscheiden kann...


    Ich habe eine Idee!


    [...]


    Es hat endlich geklappt!

    Heute konnte ich sogar Lord Kumari mit einer meiner Illusionen täuschen und habe ihn eine Suppe essen lassen, die überhaupt nicht wirklich existierte!


    Endlich ist es soweit!

    Ich werde zurück nach Hause gehen!

    Ich werde Mama und Papa wiedersehen und mit ihnen zusammen leben, als wäre nie etwas passiert!

    Ich werde wieder glücklich sein!


    [...]


    Der Fremde hat alles kaputt gemacht!

    Ich weiß nicht, was es ist, aber nachdem dieser Typ (Ark oder so) in Luran aufgetaucht ist und hier herumgeschnüffelt hat wie ein übermotivierter Spürhund, ist meine Illusion über Nacht plötzlich in sich zusammengebrochen und ich schaffe es einfach nicht, sie wieder neu zu errichten und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich vor den Zombies zu verstecken...


    Mama... Papa... Ich habe euch schon wieder verloren! Es tut so weh, so unendlich weh...


    ICH HASSE DEN FREMDEN!

    Ich hoffe, er wird von Zombies gefressen!


    [...]


    Ark hat mich und Deppi aus Luran gerettet.


    Zunächst wollte ich seine Hilfe nicht. Ich wollte nur, dass er verschwindet, damit ich meine Illusion (hoffentlich) wieder aufbauen und mein Leben mit meinen Eltern fortsetzen konnte.


    Doch dann hörte ich plötzlich die Stimme meiner Mutter, die von ihrer bevorstehenden Wiedergeburt sprach, und ich verstand endlich: Meine Eltern hätten nicht gewollt, dass ich in der Vergangenheit lebe. Sie hätten sich für mich gewünscht, dass ich nach vorne schaue und mir ein neues Leben aufbaue.

    Sie hätten gewollt, dass ich glücklich werde - in der Realität.


    Als mir dies bewusst wurde, musste ich unwillkürlich heulen. Ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen. Opa musste sich schreckliche Sorgen um mich machen!


    Trotz all der Gemeinheiten, die ich Ark zuvor an den Kopf geworfen hatte, zog er mich beim Anblick meiner Tränen ohne zu zögern in eine Umarmung und hielt mich sanft an seine Brust gedrückt. Wir waren uns so nah, dass ich das kräftige Pochen seines Herzen spüren konnte, das wie zarte Flügelschläge eines kleinen Vogels gegen meinen Oberkörper schlug, während Deppi eifersüchtig neben uns auf und ab hüpfte und besorgt fiepte.

    Ark roch nach all den Kämpfen, die er auf seinem Weg zu mir hatte ausfechten müssen, nach Schweiß und gammeligem Blut, aber seine Nähe war mir - zu meiner eigenen Überraschung - trotzdem nicht unangenehm.

    Und das aufmunternde Lächeln, das er mir schenkte, als meine Schluchzer endlich abebbten, war wirklich süß...


    Anschließend hat er Deppi und mich aus der Stadt gebracht und ich hatte unterwegs die Gelegenheit, ihm beim Kämpfen zuzusehen, was mich ernsthaft beeindruckte. Ark ist unglaublich stark und geschickt im Umgang mit seiner Waffe! Die Zombies und Dämonen hatten nicht den Hauch einer Chance gegen ihn!


    Opa wartete bereits am Rand der Gobi auf uns und ich hätte mich bei seinem Anblick am liebsten hinter Ark versteckt. Ich war mir sicher, er müsste fuchsteufelswild vor Zorn sein, aber als er mich entdeckte, zeigte sein Gesicht lediglich Erleichterung und Freude. Ihn zu umarmen und mich für mein furchtbares Verhalten zu entschuldigen, tat ausgesprochen gut - vor allem, weil er Verständnis für mich zeigte, statt zu schimpfen!


    Als Dank für meine Rettung lud Opa Ark zu uns nach Hause ein, aber dieser lehnte leider ab und sagte, er wolle so schnell wie möglich nach Westen, nach Europa, weiterreisen.

    Bei diesen Worten stellten sich mir die Nackenhaare auf! Der Weg nach Westen führt durch die Taklama, die von den Einheimischen nicht ohne Grund "die Todeswüste" genannt wird...

    Opa hingegen wirkte nicht sehr besorgt und gab Ark lediglich den Tipp, mit den im Norden campenden Nomaden zu sprechen, da diese den Weg durch die Wüste kennen.

    Anschließend verabschiedeten die beiden sich und Ark machte sich auf den Weg Richtung Nomadenlager.


    Ich kann seitdem an nichts anderes mehr denken...

    Ist Ark in Sicherheit?

    Hat er die Wüste inzwischen durchquert oder irrt er noch immer durch den glühend heißen Sand?

    Braucht er womöglich Hilfe?!


    Oh, ihr Mächte! Bitte, sorgt dafür, dass es ihm gut geht!

    Dieses Lächeln darf nicht von der Welt verschwinden...




    😢

    Ich werde niemals nicht den Tränen nah sein, wenn Ark den Widder in der verdammten Höhle zurücklassen muss...

    Als Kind habe ich ich-weiß-nicht-wie-viel Zeit damit verschwendet, nach einer Möglichkeit zu suchen, das arme Tier doch irgendwie zu retten. Natürlich vergebens... (Damn you, Quintet!) Und auch, wenn ich inzwischen natürlich schon im Vorfeld weiß, was mich erwartet, macht es das nicht einfacher! [Wer sich übrigens komplett zerstören will, kann die Höhle nochmal besuchen, nachdem Ark in Lhasa wieder zu sich gekommen ist. Viel "Spaß"! (Damn you, Quintet!²)]


    Hier eine Frage an DreizehnteFee: Mich stört seit jeher, dass Quintet für diese Szene Widder bzw. Gebirgsziegen benutzt hat, weil das "Ich fresse meinen toten Partner, damit ich bei Kräften bleibe und er in mir weiterlebt" mit Pflanzenfressern einfach keinen Sinn macht! Ein Widder/Eine Ziege würde niemals Aas/einen Kadaver fressen, weil das Verdauungssystem darauf überhaupt nicht ausgelegt ist... Ich hab mich deswegen immer gefragt, warum Quintet hierfür nicht eher einen Berglöwen oder so gewählt hat.

    Daher meine Frage: Wie ist das im Englischen?

    Fordert der Widder Ark da nur auf, seinen toten Partner zu essen, oder ist es da auch so, dass der Widder selbst seinen toten Kumpel annagt?


    Was gibt es zu Eklamata ansonsten zu sagen?

    Ich fand's immer spannend, dass die Yetis Ark tatsächlich nur dann attackieren, wenn er zuerst angreift. Eines von vielen Details, die Quintet eingebaut hat, um deutlich zu machen, dass die wenigsten Dinge auf der Welt eindeutig schwarz oder weiß sind und die eigenen Taten Einfluss darauf haben, wie unser Umfeld auf uns reagiert.

    Für solche "zwischen den Zeilen"-Philosophie liebe ich das Spiel!

    Wie man als Spieler selbst mit den Yetis umgeht, ist auch aus psychologischer Sicht ganz interessant. Als Kind habe ich die Yetis nie angegriffen, weil ich nicht wollte, dass Ark sinnlose Gewalttaten begeht. Als Erwachsene hab ich zu dem Ganzen etwas mehr Abstand und sehe in den Yetis wandelnde EXP-Pakete, weshalb ich sie meistens umbringe. (So auch dieses Mal. Passt ja auch durchaus dazu, dass ich meinen Ark in diesem Durchgang schon die ganze Zeit als etwas arschig spiele.)


    Außerdem habe ich dieses Mal - angeregt durch meine Erkenntnis, dass man den Tautropfen noch ein zweites Mal bekommen kann - ausprobiert, ob man auch ein zweites Eisblumenblatt bekommt, wenn man nochmal zu der Blume zurückkehrt, nachdem man das erste Blatt in die Quelle geworfen hat. Die Antwort: Ja, tut man!

    (Offenbar prüft das Spiel da nur, ob man den Gegenstand bereits im Inventar hat oder nicht. Durchaus interessant.)


    Apropos Quelle: Bin ich die Einzige, die es immer wieder mies findet, dass Ark diese nicht benutzen kann, um seine Wunden zu heilen?! Das wäre so praktisch!


    Und hat irgendjemand eine Ahnung, was es mit der komischen Wand auf sich hat? Also die, die aussieht wie ein Gebüsch vor einem Loch.

    Ich hab schon alles ausprobiert, was mir dazu eingefallen ist (draufgeschlagen, Feuermagie drauf gewirkt, etc.), aber nichts hat irgendwas bewirkt. Irgendwie scheint das einfach nur eine seltsam aussehende Wand ohne weitere Funktion zu sein. Sehr weird.

    (Wobei mir gerade der Gedanke kommt, dass ich einen bestimmten Gegenstand an der Stelle, glaube ich, nie ausprobiert habe. Hmmmm...)


    Der Morph-Dämon ist für mich eine "mixed bag".

    Die Yeti-Form ist einfach nur langweilig. Es ist absolut nicht schwierig den Kristallen auszuweichen und man kann nicht von der Plattform fallen. *schnarch*

    Die Magier-Form ist okay...? Nachdem Ark Link bereits gezeigt hat, wie man Parasiten aus Bäumen entfernt, ohne dass diese sterben, wollte er jetzt offenbar auch mit seinem Tenniskönnen angeben. Für mich geht der Punkt aber an den grün gewandeten Bengel mit den langen Ohren - was jedoch nicht an Arks Einsatz, sondern dem etwas starren Gegner liegt, der keinen einzigen Ball parieren kann.

    Die echte Form des Morph-Dämons fand ich aber immer ziemlich schwer und auch heute noch passiert es mir hin und wieder, dass ich mich von den Fledermäusen einkreisen lasse und viel zu viel Schaden fresse.


    Über Lhasa gibt's nicht so viel zu sagen, finde ich.

    Aber ich mochte immer den Dialog über die dort vorherrschende Bestattungsmethode (Klingt morbide, ich weiß.). Wenn sowas hierzulande möglich wäre, würde ich das für mich wollen: es ist sauber und gibt der Natur sogar noch etwas zurück.


    Luran hat mich als Kind total überrascht. Nie im Leben hatte ich mit einer Zombiestadt gerechnet! Hat mir damals auch ziemlich Angst gemacht.

    Inzwischen ist Luran für mich aber einer meiner liebsten Grindingspots und ich verbringe wesentlich mehr Zeit in der Stadt als nötig. (Was vermutlich auch an dem krassen Levelsprung über die letzten zwei Dungeons hinweg (15 --> 21) gut zu erkennen ist. :z12: )


    Allerdings frage ich mich immer wieder, ob es einen bestimmten Grund dafür gibt, dass weibliche Zombies gefährlicher zu sein scheinen als männliche.

    Bei den erwachsenen Untoten merkt man's gar nicht so (wobei da die weiblichen mehr aushalten als die männlichen; 80 HP vs 50 HP), aber bei den Kindern sehr: die Jungs halten zwar minimal mehr aus als die Mädels (60 HP vs 54 HP), aber dafür schmeißen letztere ihre explodierenden Köpfe hinter Ark her. Von denen nehme ich öfter Schaden als ich zugeben möchte...

    Frauen, die wahre Gefahr! (Oder so...)


    Weitere Frage an dich, Fee: Ist Ark im Englischen eigentlich freundlicher zu Deppi/Turbo als im Deutschen?

    Im Deutschen gibt er dem armen Tier ja wirklich viele Namen und keiner davon ist nett... (Flohteppich, Teppichbefeuchter, etc.)

    [Mag der gute Herr Moyse etwa keine (kleinen) Hunde?]


    Als Kind ist mir das nicht aufgefallen, aber eigentlich ist es super unlogisch, dass Ark Deppi Mei-Lins Schal bringen muss, damit dieser sein Frauchen findet.

    Erstens eignet sich nicht jeder Hund zum Spurenlesen und selbst die, die dafür eine Eignung haben, müssen dafür speziell trainiert werden und iiiiiiirgendwie bezweifle ich, dass Deppi derartiges Training je erhalten hat.

    Zweitens brauchen Spürhunde eine Geruchsprobe, weil sie nicht wissen, wie die Person, die sie suchen sollen, riecht. Deppi weiß aber sehr genau, wie sein Frauchen riecht. Wenn er also nah genug an ihr dran ist, dass er ihren Geruch wahrnehmen kann, dann läuft er so oder so zu ihr - egal, ob man ihm vorher ein schweißgetränktes Tuch unter die Nase gehalten hat oder nicht... (Aber ja... "It's a videogame - who gives a shit?!" Und ich sehe ein, dass es vom Gameplaystandpunkt aus durchaus Sinn macht.)


    Viele Leute regen sich hier über Deppi auf, weil er so laaaaaangsam ist.

    Kann ich durchaus verstehen, aber mich persönlich stört das nicht. Wenn man nämlich einmal weiß, in welches Haus man muss, muss man nicht auf Deppi warten. :z12:


    Ich find's übrigens jedes Mal wieder ulkig, dass Ark sich, wenn man das geheime Zimmer des Schriftstellers Morgan findet, dort einfach aufs Ohr haut, als würde er sich nicht gerade in einer zombieverseuchten Stadt befinden.

    Schätze, der Mann kann einfach überall schlafen...


    In Luran gibt es zudem eine optionale Szene, wo der gute Herr Moyse wieder etwas geschludert hat bei der Übersetzung:

    Wenn man sich in einem bestimmten Haus unter dem Tisch versteckt, tauchen zwei Zombies auf und unterhalten sich. Im Deutschen macht es vom Gesprächsverlauf her keinen wirklichen Sinn, dass Fluffy daraus schlussfolgert, dass den Zombies nicht bewusst ist, dass sie untot sind. (Im Englischen macht das mehr Sinn.)

    Das ist schon ziemlich harter Tobak: Die Zombies glauben, sie leben noch, und halten Ark für einen durchgeknallten Irren, der in ihrer Stadt einen Amoklauf macht...:z07: Uff!
    Hier ein Link, wo man sich die Szene angucken, kann, aber VORSICHT - das Video enthält noch mehr Szenen, die zu diesem Zeitpunkt ggf. Spoiler sein könnten; nur die erste Szene gucken: Terranigma - Secret Scenes


    Wenn man, nachdem man Luran abgeschlossen hat, wieder zurück nach Lhasa geht (z.B. um zu speichern :z08: ), ist Mei-Lin übrigens bereits wieder davon gelaufen, ohne ihrem Großvater zu sagen, wo sie hin will. Die beiden haben echt eine super Beziehung und Mei-Lin hat so viel Respekt vor Ma-Jo... :z11:




    Fortschritt


    Spielerlevel: 21

    Türme: 5/5

    geheime Schreine: 2/2

    wiedererweckte Lebewesen: Pflanzen, Vögel, Wind, Säugetiere, Menschen

    besuchte Ortschaften: Lhasa, Luran




    "Sag niemals Holerö!" - Das Spiel


    Holerö-Counter: 2 (+3)

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • haiaiai so wie du das schreibst, verlieb ich mich ja gleich mit in Ark. Ich mags, dass du den Text aus ihrer Sicht geschrieben hast und hoffe es folgen davon noch mehr. Sie is ja generell n sehr unbeliebter Charakter (ich mag sie auch nich unbedingt am Liebsten), aber sie is vom Spiel selbst mega gut geschrieben.


    Erfährt man eigentlich wo Deppi bleibt wenn Mei Lin wieder abhaut?


    Wie ist das im Englischen?

    Fordert der Widder Ark da nur auf, seinen toten Partner zu essen, oder ist es da auch so, dass der Widder selbst seinen toten Kumpel annagt?

    Leider ist es auch hier so, dass sie Ark dazu bringen will. Also sie sagt dass es Zeit fürs Frühstück is und dass Ark sich stärken muss wenn er auf seiner Reise voran kommen will.

    Im Englischen ist es übrigens ihr Ehemann.




    Als Erwachsene hab ich zu dem Ganzen etwas mehr Abstand und sehe in den Yetis wandelnde EXP-Pakete, weshalb ich sie meistens umbringe.

    Shame on me, aber so mach ich das auch xD




    Bin ich die Einzige, die es immer wieder mies findet, dass Ark diese nicht benutzen kann, um seine Wunden zu heilen?! Das wäre so praktisch!

    Jeden Playtrough reg ich mich darüber auf 😂 Gerade in Eklemata zieht der Schwierigkeitsgrad nochmal deutlich an und der Weg zurück zum Händler und/oder Speicherpunkt is weit. Das wäre so schön gewesen.




    Die echte Form des Morph-Dämons fand ich aber immer ziemlich schwer und auch heute noch passiert es mir hin und wieder, dass ich mich von den Fledermäusen einkreisen lasse und viel zu viel Schaden fresse.

    Wenn man hier den Blitzstich noch nicht beherrscht, kann das übel enden. Is halt auch mies, wenn die dich einmal haben kommste fast nicht mehr raus.





    Wenn sowas hierzulande möglich wäre, würde ich das für mich wollen: es ist sauber und gibt der Natur sogar noch etwas zurück.

    Wow das ist irgendwie cool. Ich will, sollte ich bis dahin noch einigermaßen gesund sein, meine Organe spenden. Aber die Lhasa Bestattung is eigentlich auch total interessant (und gut versteckt!, ich war früher nie am Altar)





    Inzwischen ist Luran für mich aber einer meiner liebsten Grindingspots und ich verbringe wesentlich mehr Zeit in der Stadt als nötig

    Ich mag Luran nicht. Weswegen ich nach dem Storyabschnitt immer unterlevelt bin xD

    Vielleicht versuch ich diesesmal nicht einfach nur so schnell wie möglicj aus der Stadt wieder raus zu kommen, sondern kämpf auch mal n bisschen 😅





    Weitere Frage an dich, Fee: Ist Ark im Englischen eigentlich freundlicher zu Deppi/Turbo als im Deutschen?

    Luran is mein nächster Wegpunkt, ich sags dir wenn ichs gespielt hab ^.^




    ich fands immer witzig Deppi nachzulaufen. Mich hat das nie gestört. Mich hat aucj die Löwenquest nie gestört. Ich begleite 100 mal lieber langsame Vierbeiner als mich in irgendwelchen Schlössern nicht von Wachen mit Taschenlampen entdecken zu lassen... (das ist mein Nemesis)




    : Terranigma - Secret Scenes

    Das is ja cool, Szene 3 kannte ich gar nicht. Ich finde übrigens das spricht für mich, dass ich das in meinen bestimmt an die 30 Durchläufen nie getan hab 😂

  • Ich mags, dass du den Text aus ihrer Sicht geschrieben hast und hoffe es folgen davon noch mehr.

    Mal sehen, aber vermutlich nicht. Ich wollte eigentlich in jedem Bericht eine andere Figur zu Wort kommen lassen. Auf Mei-Lin würde ich nur dann nochmal zurückgreifen, wenn mir kein anderer Charakter für einen Abschnitt, in dem sie vorkommt, einfällt.


    Sie is ja generell n sehr unbeliebter Charakter (ich mag sie auch nich unbedingt am Liebsten), aber sie is vom Spiel selbst mega gut geschrieben.

    Ich liebe es, sie zu hassen. :z12:

    Also, ich mag, dass sie im Spiel ist und finde, dass sie sehr gut eingesetzt ist, aber meine Hacke reg ich mich immer wieder über sie auf!


    Erfährt man eigentlich wo Deppi bleibt wenn Mei Lin wieder abhaut?

    Deppi bleibt in Lhasa.

    Wenn man in den Raum ganz unten rechts geht, läuft er da rum und winselt vor sich hin, weil er Mei-Lin vermisst. (Armes Wautzi!)


    Leider ist es auch hier so, dass sie Ark dazu bringen will. Also sie sagt dass es Zeit fürs Frühstück is und dass Ark sich stärken muss wenn er auf seiner Reise voran kommen will.

    Aber frisst sie auch selbst von dem Kadaver?


    Dass sie Ark dazu bringen will, sich zu stärken, finde ich nachvollziehbar (Fleisch ist für Menschen eine geeignete Nahrungsquelle, die viel Energie gibt). Aber im Deutschen ist es ganz klar so, dass sie selbst Teile ihres Partners frisst (Ark: "W... Was tust du?!" Widder: "Ich esse... [...]") und das ist, was mich jedes Mal so irritiert.


    Wow das ist irgendwie cool.

    In bestimmten Gegenden/Religionen wird diese Bestattungsform wohl auch immer noch praktiziert, wenn ich das richtig gelesen habe (Stichwort: Türme des Schweigens).


    sondern kämpf auch mal n bisschen

    Lohnt sich auf jeden Fall.

    Die Gegner da geben wirklich viel Exp, sodass man schnell einige Level aufsteigt.

    (Ich grinde z.B. auch nicht so richtig. Ich erkunde nur alle Gebäude/Bildschirme und bringe jedes Mal alle Gegner auf dem Screen um, bevor ich ein Gebäude betrete bzw. das Viertel wechsle. Ich glaube, ich hab dieses Mal max 1 1/2 Stunden im Luran verbracht. [Ich hab in der Session insgesamt um die 3 Stunden gespielt und hab Eklamata und Luran gemacht. Dazwischen bin ich viel in Lhasa rum gerannt, weil ich wegen des Holerö-Spiels jeden NPC-Dialog aufmerksam gelesen habe und sich manche Texte ändern, wenn Ma-Jo auftaucht, wenn man mit ihm gesprochen hat und nachdem man Luran beendet hat. Auch in Luran hab ich mit allen NPCs gequatscht.]


    das ist mein Nemesis

    Verständlich! :z11:


    Szene 3 kannte ich gar nicht.

    Same.

    Ich hab das auch nie gemacht und weiß auch gar nicht, wie man auf die Idee kommt!

    (Wobei ich schon versucht wäre, zu testen, wie der Dialog im Deutschen ist...)

    Sommersignatur.png

    Avatar-Artwork von 埜羽; Signatur-Artwork von Kamui Fujiwara

  • Aber frisst sie auch selbst von dem Kadaver?

    Ja tut sie. Mit der selben Begründung dass es sonst nur noch eine Bergziege weniger auf der Welt gibt wenn sie es nicht täte. Der Arterhalt steht über der Moral.


    Ich weiß gar nicht... wenn so n Pflanzenfresser kurz vor dem Verhungern is... würden die sicher kein Fleisch probieren um ihr Überleben zu gewährleisten?