Der Release von Kingdom Come: Deliverance II hat mich dazu veranlasst mich endlich ausgiebig mir Teil 1 zu befassen.
Ich hatte mir mal die "Royal Edition" für PS 4 gekauft.
Wer Interesse hat kann bis zum 27.02.2024 auch Teil 1 in der Royal Edition (die enthält alle DLCs und Updates) für läppische 9,99 Euro im PS Store bekommen.
Wenn ich ein Rollenspiel starte, bin ich es meist gewohnt, direkt der Auserwählte zu sein. Magie, Drachen, übernatürliche Kräfte – das volle Programm und am Ende bin ich eine unaufhaltsame Maschine.
Kingdom Come: Deliverance geht einen völlig anderen Weg. Hier bin ich nur Henry, Sohn eines Schmieds, und muss mich in einer gnadenlosen Welt beweisen. Eine ziemlich authentische Mittelalter-Erfahrung und genau das macht es so besonders.
Gespielt wird in der First-Person, bei Dialogen wechselt es auf Außenansicht, so das man seinen Charakter auch regelmässig zu Gesicht bekommt.
Man möge an Skyrim oder Oblivion denken, aber KCD spielt sich völlig anders als die Elder Scrolls spiele.
Das Spiel beginnt in Skalitz, einem kleinen Dorf, in dem Henry mit seinen Freunden herumlungert. Mein erster „großer Auftrag“? Mein Vater, ein Schmied, braucht Kohle, Bier und das Geld eines Schuldners. Klingt simpel, aber schon hier zeigt sich, wie frei ich tatsächlich bin.
Ich kann das Geld ehrlich verdienen, indem ich Botengänge erledige und den Schuldner komplett ignorieren.
- Ich kann es mir ergaunern, indem ich den Schuldner überrede oder ihm eine reinhaue.
- Ich kann es vom Schuldner stehlen, wenn ich mich geschickt anstelle, aber wehe, ich werde erwischt.
Diese Freiheit zieht sich durchs ganze Spiel. Jeder Konflikt hat mehrere Lösungswege, und meine Entscheidungen haben echte Konsequenzen.
Dann schlägt das Schicksal zu: Skalitz wird von Söldnern überfallen. Hier gibt es kein episches „Rette das Dorf“-Szenario – ich bin machtlos. Die einzige Option? Die Beine in die Hand nehmen. Der Moment, in dem ich auf meinem Pferd fliehe, während hinter mir alles in Flammen aufgeht, gehört zu den intensivsten Eröffnungen, die ich in einem RPG erlebt habe.
Eines meiner Lieblingsfeatures ist, dass die Spielwelt unabhängig von mir weiterläuft. In vielen RPGs kann ich ewig warten, ohne dass sich an einer Quest etwas ändert, nicht hier.
Beispiel: Später im Spiel soll ich einen Verdächtigen aufspüren. Ich trödele herum, erledige Nebenquests, und als ich mich endlich um ihn kümmern will, ist er längst über alle Berge. Keine Questmarkierung, die ihn für immer einfriert, ich habe meine Chance verpasst.
Das gilt auch für andere Situationen. Wenn ich einem NPC verspreche, ihm zu helfen, und mir dann tagelang Zeit lasse, kann es sein, dass er stirbt, das Problem sich von selbst erledigt oder sich sogar verschlimmert. Das macht das Spiel so glaubwürdig.
Ausgenommen ist davon die Hauptquest, es ist also immer möglich das Spiel zu beenden.
Speichern war zu Release von Kingdom Come: Deliverance ein heiß diskutiertes Thema. Es gibt keine klassische „Speichern und Laden“-Funktion. Stattdessen gibt es automatische Speicherpunkte nach wichtigen Ereignissen
Speichern durch Schlafen im eigenen Bett
Speichern durch das Trinken eines „Retterschnaps“ – eine teure Spirituose, die mich leicht betrunken macht.
Am Anfang fand ich das anstrengend, aber mit der Zeit verstand ich den Reiz: Jede Entscheidung zählt. Wenn ich einen Fehler mache, muss ich mit den Konsequenzen leben. Kein endloses Experimentieren durch ständiges Laden. Das macht Kämpfe, Diebstähle oder riskante Quests für mich viel spannender.
Das Kampfsystem ist schwer, aber belohnend
Vergesst einfaches Draufhauen – das Kampfsystem von KCD basiert tatsächlich auf echten mittelalterlichen Fechttechniken.
Ich kann Angriffe aus fünf Richtungen führen, Parieren, Kontern und muss meine Ausdauer im Blick behalten. Wer einfach wild zuschlägt, hat schnell verloren.
Auch cool: Rüstung macht einen riesigen Unterschied. Ein Bandit in Kettenhemd lacht mich erstmal aus, wenn ich mit einem Schwert auf ihn einhaue – ich brauche eine stumpfe Waffe wie einen Streitkolben, um durch seine Verteidigung zu kommen. Andersherum: Trage ich selbst eine gute Rüstung, bin ich schwer zu verwunden, aber langsamer.
Für Spieler, die lieber hinterhältig vorgehen, gibt es auch Alternativen:
Nachts in ein Banditenlager schleichen und deren Essen vergiften. Eine der cleversten Methoden, Feinde loszuwerden.
Schlafende Gegner im Lager ausschalten, statt einen offenen Kampf zu riskieren.
Gift auf Waffen auftragen, um Gegner zu schwächen.
Mir gefällt besonders, dass Kingdom Come: Deliverance nicht von mir erwartet, jeden Kampf frontal anzugehen. Ich kann kreativ sein – oder einfach wegrennen, wenn es zu brenzlig wird.
Das System ist sperrig und benötigt Einarbeitung, wenn man es aber verinnerlicht hat fühlen sich Kämpfe wichtig und richtig an.
Fordernd und dadurch fühlt es sich richtig gut an wenn man einen Kampf gewinnt.
Selbst kleine Banditen können grossen Schaden anrichten oder einen töten wenn man unachtsam ist.
Ich spiele die PS4-Version auf der PS5 und es ist definitiv eine gute Art KCD auf Konsole zu genießen.
Kürzere Ladezeiten – Auf der PS4 dauerten die Ladezeiten teilweise ewig, auf der PS5 sind sie deutlich schneller.
Stabilere Performance – Die Framerate ist spürbar besser als auf der PS4, auch wenn sie keine konstanten 60 FPS erreicht.
Weniger Bugs – Viele der berüchtigten Bugs von früher wurden mit den neuesten Patches behoben.
Trotzdem merkt man, dass es sich um ein PS4-Spiel handelt. In Städten gibt es hin und wieder kleine Ruckler, und manche Texturen laden spät nach. Aber im Vergleich zur ursprünglichen PS4-Version ist das ein riesiger Fortschritt.
Auch Bugs findet man immer noch, pop-ins, NPCs die sich mal komisch verhalten usw inklusive. Aber das tut der Erfahrung tatsächlich für mich keinen Abbruch.
Kingdom Come: Deliverance ist kein Spiel für Ungeduldige. Es verlangt und braucht Geduld, taktisches Vorgehen und die Bereitschaft, sich auf seine Mechaniken einzulassen. Aber genau das macht es so einzigartig.
Die lebendige Welt, die realistische Kampfmechanik und die Entscheidungsfreiheit machen es zu einem der immersivsten Rollenspiele, die ich je gespielt habe. Wer auf Mittelalter-Realismus steht und eine echte Herausforderung sucht, wird hier glücklich.
Ich merke, jetzt wo ich mir wirklich die Zeit genommen habe...ICH LIEBE DIESES SPIEL.
Zum Abschluss noch der Launch-Trailer von 2018