Dirty Harry

  • In 1971 löste er große Kontroversen aus, einige Schauspieler lehnten vor dem Dreh die Rolle des Harry Callahan ab.

    Heute geht es um Dirty Harry von 1971.



    Clint Eastwood spielte bereits vorher einige Rollen, vor allem für seine Rollen in Western war er zu dem Zeitpunkt bekannt.

    Mit Dirty Harry erlangte Eastwood jedoch Superstar status.

    Die "goldenen Zeiten" der Western endeten Ende der 60er Jahre, es wurden zwar immer noch Western produziert, sie erlangten aber nicht die Popularität die sie in den 60ern erreichen konnten.

    Auf dem Vormarsch waren Polizei Geschichten.

    Einen Anteil daran trug Dirty Harry, der Film sollte auch grossen Einfluss auf die Kinolandschaft haben, obwohl er mitunter als Kontrovers galt.

    Er ist der Prototyp des "Revenge" Movie Genres und eine Art Blaupause für "Maverick Cop" Filme die sich um Selbstjustiz drehen.

    Gerade die "Death Wish" Reihe mit Charles Bronson wurde sich bei Inspektor Callahan bedienen.


    Als das Drehbuch herumgereicht wurde wollte keiner so richtig den Harry Callahan spielen, zu schmutzig und zu Kontrovers.

    Mit Clint Eastwood fand man dann den richtigen Mann für die Rolle, der genau diese Art von Mann bereits in Western verkörpert hatte.

    Das Problem war Dirty Harry fühlte sich etwas zu nah an, "too close to home" wie man im Englischen sagt.

    Es war eine Sache so einem Mann der das Gesetzt selbst in die Hand nimmt einer vergangen Ära zuzuschauen, aber etwas anderes es im hier und jetzt zu tun und dann auch noch ein Polizist!


    Manche Filmkritiker nannten den Film "faschistisch" bei der Veröffentlichung.

    Sie lobten die Machart des Films und wie fesselnd er war, waren aber abgestoßen von der Thematik. Das ging aber nicht jedem Kritiker so.


    Regisseur Don Siegel bezeichnet sich selbst als Liberal und betonte das er seine Filme nicht politisch macht sondern es ihm um die Geschichte geht.

    Für heutige Verhältnisse ist Dirty Harry relativ zahm, was die Gewaltdarstellung anging.

    Damals war er aber ein ziemlicher Schocker, da die ganze Thematik eines Polizisten der sich nicht an die Gesetze hält, blutigen Schießereien und dem Versagen der Justiz eine brisante Mischung ausmachte.


    Nach heutigem Standard würde man Dirty Harry eher als Cop Thriller, anstelle eines Actionfilmes sehen. Action ist da, aber eingesetzt und nicht gehetzt (ohne Wertung, kommt auf Genre und Film an).


    Callahan ist kein guter Polizist, er missachtet Gesetze wie sich z.B. einen Durchsuschungsbefehl zu besorgen, was seine Arbeit unbrauchbar macht.


    In einer Szene sehen wir wie er Bankräuber auf offener Straße erschießt und danach den letzten Bankräuber mit leerer Trommel seiner Magnum stellt. Dabei sehen wir eine ikonische Rede die Callahan dem Bankräuber hält.


    "Do you feel lucky, Punk?


    Dirty Harry fühlt zuweilen Reaktionär und sehr konservativ an.

    Das liegt vor allen Dingen am Plot, den man aus Harries Perspektive sieht und bei dem die Gesetze der Jagd nach dem Scorpio Killer mehr im Wege stehen. Rechte der Opfer stehen gegen Rechte des Täters, jedenfalls thematisch.


    Ganz so simpel ist es jedoch nicht, auf der anderen Seite sehen wir eine Art Aktion-Reaktion zwischen Callahan und dem Scorpio Killer die dem modernen Batman und Joker Verhältnis gar nicht unähnlich ist.

    Nir das Challahan, anders als Batman, gewillt ist diesen Weg zu nehmen um schlussendlich nicht besser zu sein als der Killer selbst, nur auf der anderen Seite stehend.


    Callahan scheint das auch am Ende zu erkennen, wo er symbolisch seine Marke ins Wasser schmeißt.

    Die Reihe von Forsetzungen würden diese Thematik komplett ausblenden, sowie das Callahan bei der Polihei aufhört.

    Der 2te Dirty Harry "Magnum Force" würde sogar alles Versuchen sich für die Kontroverse von Teil 1 zu "entschuldigen".

    Dort steht er eine Gruppe Cops und Richtern gegenüber die Selbstjustiz verüben.


    Dirty Harry bietet sehr schöne Bilder des San Fransisco Anfang der 70er Jahre, toll eingefangen.

    Wir haben wirklich tolle Luftaufnahmen dabei, die Kamerafahrt im SF Stadion per Luft ist der Hammer.

    Die Action ist geradlinig inszeniert, Harry hat ein paar zynische Sprüche am Start.

    Durch das Alter des Filmes neigt er auch nicht zu Übererklärungen der Story oder des Plots.


    Als Beispiel: Es wird einmal kurz erklärt das Harry seine Frau verloren hat, Verkehrsunfall, ein sinnloser Tod wie er ihn betitelt. That's it.

    Er würde es nicht wieder thematisieren, aber dass dies einer der Faktoren ist warum Harry tickt wie er tickt lässt sich aus seinen Handlungen erkennen, nicht aus Dialogen über seine tote Frau.


    Der Bösewichte ist ein übler Kerl, fast schon comichaft böse, aber wunderbar gespielt.

    Sein unschuldiges Gesicht steht im starken Kontrast zu seinem Charakter.


    Der Bösewicht ist angelehnt an verschiedene Serienmörder der damaligen Zeit die in San Francisco unterwegs waren.

    Am deutlichsten aber wohl dem Zodiac-Killer.

    Dabei spielt Dirty Harry auch eine Rolle in der weiteren Entwicklung von Polizeifilmen.

    Vor Dirty Harry ging es in der Regel gegen eine Gruppe von Verbrechern, also Waffenschieber, Drogenringe usw.

    Dirty Harry geht aber gegen einen Serienmörder vor, das war damals unüblich, während es heute zum Standard zählt.

    Damals waren es eher Horrorfilme die Serienmörder thematisieren.


    Für Dirty Harry ist auch signifikant in welcher Zeit der Film entstanden ist, es war eine turbulente Zeit in den USA.

    Die Proteste gegen den Vietnam Krieg, die Hippie Bewegung, eine hohe Kriminalitätsrate, Korruption innerhalb der Polizei und eine Welle von Serienmördern in San Francisco.

    Dazu kam das die Jugend die Popkultir bestimmte während sich die ältere Generation alleingelassen und ungehört fühlte.

    Dem Film wurde später auch Rassismus vorgeworfen, gerade wegen der Szene in der Harry die Bankräuber abknallt. Die sind nämlich Afroamerikaner.

    Ich finde das zu plakativ und auch irreführend.

    Im Film behandelt Harry Personen gleich und achtet nicht auf Hautfarben.

    Ein Freund Harrys und sein Arzt ist Afroamerikaner, es gibt später eine Szene in der Harry von einer Gruppe überfallen wird, diese verhalten sich genauso wie die Bankräuber, wie Thugs, diese Gruppe besteht jedoch nur aus Weißen.


    In 1971 war die Black Panther Bewegung voll im Gange, aus der auch radikale Splittergruppen entstanden, wie z.B. die Black Liberation Army.

    Die BLA war bewaffnet und für mehrere Gewalttaten, unter anderem Bombenanschläge verantwortlich. Zur Finanzierung führten die BLA mehrere Banküberfälle durch.

    Die BLA gründete sich in 1970 und waren bis 1981 aktiv. Dabei hatten sie auch ein relativ einheitliches Kleidungsbild.

    Wenn man jetzt Dirty Harry schaut sieht man das die Bankräuber aussehen wie BLA Anhänger. Das wird nicht gross thematisiert, da dies aber eine reale Gefahr war in 1971 wäre meine Interpretation, dass dies Absicht ist.


    Andererseits spiegelt Dirty Harry auch den Wunsch wieder Gerichte und Polihei würden härter durchgreifen, der damals weit verbreitet war, durch die hohe Kriminalitätsrate.

    Erst in 1970 nahm ein Richter das Gesetzt etwas in die eigene Hand, als er eine Verhandlung nicht abbrach.

    Charles Manson zeigte im Gerichtssaal den Geschworenen Zeitungsarrikel.

    Die Geschworenen durften aber keine Zeitung lesen und mussten für die Zeit abgeschottet sein, um Beinflussung zu vermeiden.

    Manson zeigte der Jury die Zeitungsartikel im Gerichtsprozess mit Absicht um einen Abbruch der Verhandlung zu erzwingen und seine Verurteilung abzuwenden.

    Der Richter ließ die Verhandlung trotzdem weiter laufen, auch wenn er sie hätte wegen Formalitäten hätte einstellen müssen.


    Manson war auch ein Faktor warum die Angst umging, ein wahnsinnigen Guru der junge Mädchen manipuliert bis sie für ihn töten, Serienmörder die in Californien Menschen abschlachten und der Polizei Briefe schreiben, militante Gruppen die Banken überfallen usw. Dirty Harry ist ein Spiegel dieser Zeit.


    Dirty Harry hatte massiven Einfluss auf das Kino der 1970er bis in die 80er und ist ein rundum gelungen Film.

    Mitunter etwas zynisch, aber durchweg spannend.

    Einer der Filme die man zumindest einmal gesehen haben sollte.

    Die Sequels sind per se keine schlechten Filme, verwässert das Konzept aber etwas und Harry mutiert zum "Supercop" der super Bad ass ist. Das war im Erstling noch nicht der Fall.

    Harry Callahan war hier noch ein Charakter mit Fehlern, schweren Fehlern, gerade das macht den Film interessant.

    Der moralische Abstieg Callahans ist für mich immer wieder einen Blick wert.