Trigger in Videospielen

  • Ich wollte mal ein Thema in die Runde werfen, das mir in letzter Zeit öfter begegnet ist – und zwar Trigger in Videospielen.


    Erstmal zur Einordnung, weil der Begriff ja gern durcheinandergeworfen wird:


    Mit „Trigger“ meine ich hier nicht die klassischen Altersfreigaben oder Inhaltskennzeichnungen à la „Gewalt“, „Drogen“, „sexuelle Inhalte“ usw. Das sind ja Rating-Auszeichnungen, die grob einordnen, was in einem Spiel vorkommt. Sondern ich meine damit Inhalte, die bei bestimmten Menschen sehr konkrete, teils starke emotionale oder körperliche Reaktionen auslösen können – etwa durch Phobien oder traumatische Erfahrungen.


    Beispiele könnten sein:

    • Spinnengegner (Arachnophobie)
    • Darstellungen von Selbstverletzung
    • Szenen mit toten oder leidenden Tieren


    Was mich konkret auf das Thema gebracht hat, war die größere Diskussion um Spinnengegner in Resident Evil 9, weil es dort – anders als in manchen anderen Spielen – keine Option gibt, diese auszutauschen oder zu deaktivieren. Das hat online für einige Debatten gesorgt.


    Und da dachte ich mir: Eigentlich wäre das doch mal ein spannendes Forenthema.


    Meine Fragen an euch:

    1. Findet ihr, dass es verpflichtend sein sollte, Trigger-Warnungen an Games anzubringen?

    2. Sollten Spiele immer einen Modus haben, mit dem man z. B. die Modelle von Spinnengegnern austauschen kann, um es zugänglicher zu machen?


    Ich glaube, ich habe da eine eher „unpopuläre“ Meinung.


    Wenn sich ein Entwickler freiwillig dazu entscheidet, Vorkehrungen zu treffen – sei es durch Trigger-Warnungen oder durch einen Arachnophobie-Modus – dann finde ich das eine nette Geste. Es zeigt, dass man sich Gedanken macht und Barrieren abbauen möchte. Aber ich finde nicht, dass es zu einer Pflicht werden sollte.


    Gerade bei Videospielen empfinde ich die verpflichtende Einführung von z. B. Arachnophobie-Modi schon ein Stück weit als Beschneidung der künstlerischen Intention. Nicht jedes Spiel muss für jeden Menschen zugänglich sein. Spiele sind – bei aller Kommerzialisierung – immer noch ein Luxusgut und für mich auch eine Form von künstlerischer Ausdrucksweise.

    Vor allem im Horror-Genre wird ja bewusst mit Unbehagen gearbeitet. Natürlich kann man fragen: „Braucht es Spinnen wirklich aus einem tiefsinnigen Grund?“ – aber selbst „Schockvalue“ ist in Horror-Games meist Teil der Intention. Angst, Ekel, Stress – das sind Werkzeuge des Genres.


    Wenn man anfängt, alles potenziell Belastende grundsätzlich optional austauschbar zu machen, stellt sich für mich irgendwann die Frage: Wo zieht man die Grenze?


    Ähnlich sehe ich es bei Trigger-Warnungen generell. Wenn ein Entwickler sie einbauen möchte – vollkommen okay. Aber sobald es verpflichtend wird, sehe ich es gespalten. Persönlich empfinde ich Trigger-Warnungen oft auch ein Stück weit als „Spoiler“, weil sie einem schon vorab sagen: „Achtung, hier kommt etwas Bestimmtes.“ Das kann Spannung vorwegnehmen.

    Wenn solche Warnungen allerdings optional sind – z. B. in einem separaten Menüpunkt einsehbar – würde mich das überhaupt nicht stören. Dann kann jeder selbst entscheiden, ob man diese Information möchte oder nicht.


    Für mich persönlich handhabe ich das so: Wenn ich weiß, dass mich etwas potenziell triggern könnte, informiere ich mich vorher. Bei Games war das bisher noch nicht nötig. Aber ich habe z. B. vor einem bestimmten Horrorfilm gegoogelt, ob darin die Katze stirbt, weil ich mich darauf hätte vorbereiten wollen.

    Das war für mich der unkomplizierteste Weg – ohne dass das Werk selbst angepasst werden musste.


    Mich würde wirklich interessieren, wie ihr das seht.

    Ist mehr Rücksicht gleich mehr Zugänglichkeit – oder verliert man damit irgendwann auch etwas an künstlerischer Freiheit?

  • Ich stimme dir zu, dass eine verpflichtende Triggerwarnung oft die Spannung raus nehmen würde.

    Ich finde auch, dass es wieder zu vielen Diskussionen sorgen kann, weil nicht jede Phobie oder Angst berücksichtigt wird oder werden kann.

    (Es gibt ne Angst gegen das Geräusch wenn man mit Edding auf Luftballons schreibt)


    Allerdings fände ich individuelle Einstellungen zum Thema Triggerwarnungen schon manchmal erwünschenswert.


    Ich habe die Baron-Quest in Witcher III beispielsweise kurz nach meinem Verlust gespielt und bin froh, dass ich vorgewarnt wurde. Trotzdem war das keine leichte Kost.


    Bei Spinnen bin ich zwiegespalten. Können Menschen mit Arachnophobie in ihrem Empfinden unterscheiden ob da jetzt ne echte Spinne ist oder ob sie "nur" ein digitaler Gegner ist? Und ab wann sollte man dann anfangen Warnungen zu setzen?

    Nur bei riesigen Endbossmonster Spinnen oder schon bei Spinnen wie beispielsweise denen aus Zelda TP? Es ist irgendwie schwierig da ne Grenze zu ziehen so generell.


    Und gerade bei Horror-Games finde ich, weiß man ja worauf man sich einstellt.

  • Das ist eine wirklich sehr gute Frage. Ich persönlich, und das ist wirklich nur meine Meinung, brauche heute keine Triggerwarnung in Spielen. Ich brauche auch keine Triggerwarnungen auf Social Media oder sonst wo. Das heißt aber nicht, dass andere sie nicht vielleicht gebrauchen könnten. Vielleicht gibt es irgendwann mal ein Spiel, wo am Anfang gefragt wird, Hallo, möchtest du das Spiel mit Triggerwarnungen spielen oder ohne? Technisch sollte das ja eigentlich einfach umzusetzen sein.


    Lasst mich euch noch eine langweilige Geschichte erzählen, die niemand hören möchte. Als ich 14 war, habe ich das Videospiel Arx Fatalis gespielt und da kommen diverse dicke, fette, lilane Spinnen vor. Das Spiel ist ab 16. Ich war nicht 16 und mein Gehirn fand das wohl auch nicht so witzig. In der Nacht hatte ich auf jeden Fall starke Albträume von eben jenen lilanen Spinnen. Das Spiel kann ich heute problemlos spielen. Alles gut, kein Problem. Aber jetzt habe ich gerade so überlegt, hätte mich eine Triggerwarnung davon abgehalten, das Spiel zu spielen? Wenn jemand gesagt hätte, "hey Kiba, pass auf, da kommen dicke, eklige Spinnen vor, du wirst heute Nacht Albträume haben." Hätte ich es dann gelassen? Wahrscheinlich nicht. Aber immerhin gibt es jetzt diese Geschichte zu erzählen.

    Oo TSig


    Userbar-ZFZZ9.png

    Einmal editiert, zuletzt von Kiba. ()

  • Ich habe da keine festgelegte Meinung, tendiere aber eher zum Schutz der künstlerischen Freiheit. Das heißt, es sollte nicht rechtlich bindend sein, Alternativen anzubieten, sondern freiwillig sein.


    Grund: in anderen Medien ist es auch nicht gängige Praxis. Ja, ich weiß: Whataboutism ist kein gutes Argument. Ich denke nur: wenn ich einen Film sehe, der vielleicht unerwartet blutig oder eklig ist, dann erwarte ich nicht, dass mir ein Alternativfilm hätte angeboten werden sollen, der Szenen mit Blut oder Spinnen herausschneidet oder durch etwas anderes ersetzt. Ich kann höchstens auf die Uncut-Version verzichten oder eben den Fernseher ausschalten und die Rechte des Erschaffers respektieren.


    Dagegen kann man einwenden, dass ein Film und ein Videospiel nur bedingt vergleichbar sind. Den Verlauf eines Spiels gestalte ich durch meine Aktionen aktiv mit und ich kann mich dadurch vielleicht in die Hauptfiguren intensiver hineinfühlen, während ich bei einem Film passiver Zuschauer bin. Trotzdem denke ich, dass die Rechte des Künstlers als hohes Gut über diesen Unterscheidungen stehen.


    Am Ende muss man auf die angebrachten Labels zurückgreifen und sich im Zweifelsfall die Handlung oder Rezensionen durchlesen. Ein Label wie Darstellung von Gewalt ist noch allgemein formuliert. Vielleicht ist Gewalt gegen Menschen für mich okay, Gewalt gegen Tiere aber nicht. Wenn der Publisher darauf Rücksicht nimmt, also beim Labelling extra differenziert oder sogar den Inhalt ändert: wunderbar!


    Als jemand, der selbst recht starke Spinnenphobie hat, können mich Szenen mit Spinnen manchmal triggern. Ich weiß noch, wie unangenehm ich im Film Harry Potter und die Kammer des Schreckens immer die Szene im Wald mit den vielen Spinnen fand. Früher hatte ich auch starke Emetophobie, weshalb ich in Harry Potter und der Stein der Weisen nie hingucken und -hören konnte, wenn Ron die Schnecken spuckt. Aber ich mag die Filme bis heute sehr gerne, daher schaue ich sie weiter und gucke in den besagten Szenen weg. Beim ersten Mal konnte ich es natürlich nicht vorhersehen.


    Auch, welche Emotionen berücksichtigt werden sollen, spielt für mich eine Rolle. Bei Angst und Ekel sind wir uns wahrscheinlich einig, dass es gut ist, dass es Labels gibt. Wie sieht es aus, wenn ich in bestimmten Spielszenen weine oder zornig werde? Das sind ja auch Trigger, selbst, wenn es nicht mit einem Trauma verbunden ist (zum Beispiel Abschiedsszenen oder Verrat). Wie sieht es allgemein aus, wenn eine Person stirbt (nicht zwangsläufig durch Mord)? Man müsste es abwägen. Die einen bleiben ruhig, andere brechen in Tränen aus; außerdem können solche Emotionen bewusst intendiert sein, weil sie irgendwo auch etwas Schönes sind (im Sinne von: ich habe in einem Spiel mehrmals geweint, deshalb bedeutet es mir etwas). Man verliert sich da in Differenzierungen und muss da auch immer das Thema des Spiels berücksichtigen.


    Es gibt zumindest eine Kennzeichnung, die mir oft fehlt, und das ist bei Flackern. Ich habe zwar keine Epilepsie, kann aber bei solchen Effekten gar nicht hinsehen. Finde das generell nicht schön, wenn es in Spiel- oder Filmszenen flackert. Manche Anbieter warnen mit einem Hinweis wie stroboskopische Effekte, aber in den meisten Fällen nicht. Ich denke beispielsweise daran, als ich das erste Call of Duty: Black Ops spielte, wo die Cutscenes fast durchgängig aus buntem Flackern bestehen, weshalb ich mich auch kaum auf den Inhalt konzentrieren konnte. Das hatte mir das ganze Spielerlebnis ein wenig vermiest und da hätte ich mir durchaus einen Hinweis gewünscht. Steam selbst warnt nur vor Blut und Verstümmelung.


    Ich weiß, in diesem Thread geht es auch explizit um die Modifikation von Spielinhalten und nicht nur ums Labelling. Dazu kann ich leider kaum etwas sagen. Das Franchise Serious Sam ist für gewöhnlich sehr blutig und in den alten Spielen gab es die Möglichkeit, das Blut auch ganz zu deaktivieren oder einen Hippie-Modus einzustellen. Dann sprudelt es nicht Blut, sondern lauter Blumen. Ich fand das ganz witzig, aber das war wahrscheinlich nur eines der vielen kleinen Spielereien des Entwicklers, hehe.

    DNXWATT.png


    » Oops! But you AREN’T a human anymore, are you? You’re a beast! Eeh hee! «

  • 1. Findet ihr, dass es verpflichtend sein sollte, Trigger-Warnungen an Games anzubringen?

    Nein!

    Weil: Students' Beliefs About Trigger Warnings - PubMed
    Trigger warning: Empirical evidence ahead - ScienceDirect

    Und es gibt etliche weitere Studien.
    Wie man diesen Studien entnehmen kann zeigen Triggerwarnungen keinen beweisbaren positiven Effekt. Es passiert genau das Gegenteil, emotionale Verletzlichkeit steigt, Resilienz wird zerstört.

    Ich bin selbst ein schwer traumatisierter Mensch, alles gut aufgearbeitet und inzwischen nur noch sehr schwer zu triggern. Ich bin ohne Triggerwarnungen groß geworden und hab mir ganz im Gegenteil schon mit ca 8 oder 9 meine ersten Horrorfilme angesehen. Es gibt Gründe warum sich gerade schwer traumatisierte Menschen Horrorfilme ansehen, wer mehr dazu wissen will den muss ich aufs selber recherchieren verweisen weil ich da jetzt nicht ausholen will.

    Als dann die ersten Triggerwarnungen aufkamen war ich schon damals gefühlt der Meinung das diese nicht gut sein können, das sie etwas mit den betroffenen Menschen machen werden und das wird nichts positives sein. Ich hab mir damals schon gedacht, entzieht man sich ständig jedem Trigger kann das nicht gut sein für die Resilienz. Und ich dachte mir auch Triggerwarnungen könnten dazu führen das traumatisierte Menschen in eine Opferhaltung gedrängt werden könnten. Damals gab es keine Wissenschaft dazu, ich konnte nur mit meinen Bauchgefühl argumentieren.
    Und inzwischen gibt mir die Wissenschaft recht.

    Nicht ganz zu Thema Videospiele passend aber zu Trauma und Trigger. Letzten Dienstag gabs im Kolleg (ich studiere Sozialpädagogik) eine Diskussion. Ich weiß nicht wo ich genau starten soll ohne zu weit auszuholen (da es ohnehin länger wird) aber im Prinzip gings darum das ich für einen fiktiven Fall eine konkrete Intervention vorgeschlagen habe. Innerhalb von Sekunden hab ich die Hälfte der Klasse gegen mich aufgebracht. Es fielen Sätze wie:
    "Das kannst du nicht machen, damit könntest du das Trauma triggern!"
    "Es ist nicht die Aufgabe der Sozialpädagogen Traumatherapie zu machen sondern tragfähige Beziehungen aufzubauen!"
    Und viele ähnliche Sätze.
    Ich weiß nicht ob ihr schon mal in so einer Situation wart, das plötzlich ihr Alleine gegen eine Wand aus Menschen gestanden habt, in dem Fall eine argumentative. Das macht was mit einen Menschen und ich war zum ersten mal seit sehr langer Zeit wieder in einem getriggerten Zustand. Scham kam in mir auf aber nicht weil ich etwas "falsches" gesagt hatte sondern weil mir die Sätze die da auf mich geschleudert wurden das Gefühl gaben das Trauma etwas ist das man nicht anfassen darf (außer man ist Traumatherapeut), das Trauma etwas ist das man in sich verstecken muss und in letzter Konsequenz muss man sich daher für das Trauma für das man nichts kann schämen.
    Da ich aber mein Trauma gut aufgearbeitet habe konnte ich auch in so einen getriggerten Zustand noch halbwegs reflektieren und konnte das Gefühl der Scham gleich eben zuordnen und mir sagen das ich mich dafür nicht schämen muss. Und das wiederum hab ich dann wieder als Argumente genommen um ihnen klar zu machen was sie da eigentlich gerade sagen.
    Das sie mit ihren Aussagen Trauma zu etwas unnormalen machen, dabei ist Trauma völlig normal, es ist eine Anpassungsreaktion und jeder Mensch hat ein Trauma, die einen sind halt mehr traumatisiert, die anderen weniger. Und wenn man wirklich eine tragfähige Beziehung zu den Klienten aufbauen will kann man Trauma nicht einfach ausklammern, es nicht sehen wollen. Es ist teil dieses Menschen und muss beachtet und gesehen werden.
    Allerdings kam nichts mehr davon an, ich wurde einfach weiter mit ähnlichen Sätzen zugeworfen. Rückblickend würde ich sagen, nicht nur ich war getriggert, sondern ich habe mit meiner Aussage den "Mob" ebenfalls getriggert aber zu dem Zeitpunkt war mir das nicht klar, konnte ich das nicht sehen, ich führte mich alleine und schwach, die anderen waren in der Überzahl.
    Am Weg nach Hause verschlimmerte sich mein Zustand, ich zweifelte an meiner Aussage, fragte mich ob die Methode doch falsch und so katastrophal wäre, fragte mich sogar ob ich die Ausbildung abbrechen sollte weil eventuell wäre ich ein ganz furchtbarer Pädagoge. Und ich fragte mich warum mich das jetzt überhaupt so getriggert hat das ich aufpassen muss nicht in dissoziative Zustände zu fallen.
    Am nächsten Morgen hab ich angefangen zu recherchieren, war das falsch was ich da gesagt habe? Kognitiv war ich mir sicher das ich nicht falsch lag aber meine Emotionen sagten leider gerade was völlig anderes. Aber ich fand passende Studien und damit meine Bestätigung, leider blieb ich weiterhin getriggert und die Emotionen blieben und das fragen und fragen und fragen ob ich was falsches gesagt habe, ob ich ein guter Pädagoge wäre. Jetzt hatte ich es hier schwarz auf weiß stehen das ich nicht falsch lag und dennoch blieb ich in dem Zustand, konnte ihn nicht abstellen. Mir wurde dann klar das wird wohl nur klappen wenn ich mit diesen Leuten nochmals in die Konfrontation gehen würde, ja genau, in eben jene Situation die mich erst so getriggert hat. Das was mich getriggert hat, darf ich nicht vermeiden sondern genau dort muss ich wieder hin, nur dort kann ich das wieder auflösen. Die andere Option wäre Flucht gewesen aber diesem alten Muster will ich nie wieder ohne wirklich guten Grund nachgeben.
    Gestern war dann ausnahmsweise auch Samstags Unterricht, das Fach Pädagogik. Am Weg ins Kolleg wurde mir schlecht, ich wollte wieder nach Hause, ich wollte fliehen aber ich hab darüber nachgedacht wie ich dieses Thema nochmals aufmachen könnte. Es war ja in einem anderen Fach und ich hatte auch Angst das die anderen glauben würden ich will mich in den Fordergrund stellen. Aber am Ende hatte ich Glück es wurde ein Thema angeschnitten das gar nicht so unähnlich war, es ging um Rassismus und Opferhaltung und über das Thema Opferhaltung hab ich den Bogen geschlagen und konnte das Thema nochmals ansprechen. Hab nochmals meine Sichtweise erläutert, was die Wissenschaft weiß und warum ich es für wichtig halte auch dem Trauma im Menschen zu begegnen. Ich sah schon wie sich einige regten um zu erwidern aber da hakte die Pädagogikvortragende ein und gab mir in allen Punkten Recht und zack, raus war ich aus diesen Kacktriggerzustand. Gut zu wissen ist hierbei natürlich das die Pädagogikvortragende auch eine Traumatherapeutin ist, also quasi eine Autorität was Trauma betrifft und als sie mir Recht gab war ich da wirklich endgültig draußen, keine selbstzerfleischenden Gedanken mehr sondern wieder gute Laune. Mit einem Wimperschlag getriggert und mit einem anderen wieder draußen.
    Und was anderes konnte man hier gut beobachten, Gruppendynamik. Also sich die Vortragende zu Wort meldete kamen plötzlich einige meiner Klassenkameraden und sagten das sie eigentlich von Anfang an meiner Meinung waren, aber der Widerstand kam sofort und so plötzlich und mit solcher Wucht und Lautstärke das sie sich gar nichts mehr sagen trauten weil sie an ihrer Meinung zweifelten. Das will ich ihnen auch gar nicht anlasten, weil jeder von uns war schon in einer ähnlichen Situation wo wir uns etwas nicht sagen trauten weil wir einen Shitstorm befürchteten oder uns die Gegenwehr verunsicherte.

    Das Problem das ich sehe (und das bezieht jetzt die Triggerwarnungen mit ein) ist das wir gefühlt in einer Gesellschaft und Zeit leben in der Opferhaltung zelebriert wird und der Respekt vor dem Trauma zu groß ist. Wir wollen traumasensitiv sein und das ist gut und wichtig aber Traumasensitivität darf nicht in eine Vermeidung führen, darf nicht dazu führen das wir Angst haben Trauma anzufassen und damit zu interagieren. Auf der Beziehungsebene einen Teil eines Menschen nicht anfassen zu wollen weil man Angst hat irgendwas auszulösen macht was mit dem Menschen, gibt ihm das Gefühl etwas stimmt mit ihm nicht, er oder sie ist nicht richtig.
    Triggerwarnungen können traumatisierten Menschen vermitteln das sie schwach sind was Resilienz zerstört und anderen Menschen vermitteln das traumatisierte Menschen wären verletzlicher, fragiler, weswegen sie dann anders, eben falsch mit ihnen umgehen.
    Und was viele nicht wissen, Heilung ist nur im getriggerten Zustand möglich. Wer also jeden Trigger versucht zu vermeiden flieht vor der Heilung.

    "Ich war die Welt in der ich wandelte und was ich sah und hörte und fühlte kam nur durch mich selbst!"

    "Vielleicht werde ich ewig Leben oder vielleicht ist das auch nur ein allerletzter Traum vor dem ewigen Tod!"

    "What we know is a drop! What we dont know is an ocean!"

    "Chickens for KFC!"

  • Auch, welche Emotionen berücksichtigt werden sollen, spielt für mich eine Rolle. Bei Angst und Ekel sind wir uns wahrscheinlich einig, dass es gut ist, dass es Labels gibt. Wie sieht es aus, wenn ich in bestimmten Spielszenen weine oder zornig werde? Das sind ja auch Trigger, selbst, wenn es nicht mit einem Trauma verbunden ist (zum Beispiel Abschiedsszenen oder Verrat). Wie sieht es allgemein aus, wenn eine Person stirbt (nicht zwangsläufig durch Mord)?

    Ich finde den Einwand spannend, weil er die Diskussion noch mal auf eine andere Ebene hebt.


    Unabhängig davon, ob man Trigger-Warnungen nun grundsätzlich befürwortet oder ablehnt, könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass man das pragmatischer angeht – also über die Häufigkeit und Verbreitung bestimmter Reaktionen.


    Arachnophobie zum Beispiel ist vergleichsweise weit verbreitet. Sehr viele Menschen reagieren stark auf Spinnen. Das ist etwas, das statistisch gesehen einfach öfter vorkommt als, sagen wir mal, eine Phobie vor gelben Gummienten mit Zylinder. xD


    Irgendwo muss man ja eine Grenze ziehen, sonst landet man bei einer endlosen Liste an Eventualitäten, die man unmöglich alle berücksichtigen kann.


    Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass man sagt:

    Wenn ein bestimmter Trigger eine signifikante Anzahl an Menschen betrifft (wie eben Spinnen), dann ist eine Warnung oder vielleicht sogar ein optionaler Modus nachvollziehbarer, als wenn es sich um extrem seltene oder sehr individuelle Reaktionen handelt.


    Beim Thema Tod – gerade auch ohne Mord – sehe ich noch einen kleinen Unterschied. Ich glaube, viele von uns fürchten das Sterbe nicht wegen des „Sterbens“ an sich, sondern wegen dem Verlust eines echten Menschen.

    Natürlich kann man sich auch einem Spielcharakter stark verbunden fühlen und trauern, wenn er stirbt. Das passiert mir selbst ja auch. Aber ich vermute, dass die Trennung zwischen Fiktion und Realität hier für die meisten Menschen strikter ist als bei einer Spinne, bei der die Angst oft unmittelbar durch die Optik oder Bewegung ausgelöst wird. Da reagiert der Körper teilweise reflexartig, unabhängig davon, ob man weiß: „Das ist nur ein Modell auf dem Bildschirm.“