ich interessiere mich sehr für die japanische kultur, immerhin ist das land deraufgehenden sonne, mein lieblingsland. was würd ich doch dafür geben, dort zu wohnen, oder es wenigsten mal für eine woche zu besuchen.
Ich liebe dieses Land einfach. Früher gab es die ninjas, und denkt mal nach, ohne japan würde dieses forum gar nicht existieren.^^
Ich liebe die animes und mangas, sowie die Musik!!!
Wie findet ihr die japanische kultur
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Japan ist ein wirklich interessantes Land, welche tief mit ihren Traditionen und der Kultur verbunden ist. Der gegenseitige Respekt und der Fleiß, sowie der nationale Wille etwas voran zu bringen, sind nur einige von vielen Aspekten die mich faszinierend. Leider habe ich noch keine Gelegenheit gehabt, das Land mit mein eigenen Augen zu sehen, aber hoffentlich wird das eines Tages / in naher Zukunft was.
Was mich persönlich aber am meisten begeistert ist sowohl der Kontrast und zugleich die Anziehung vom stressigen Alltag in Großmetropolen wie u. a. in Tokyo und zugleich auch die fließende Ruhe in den Tempel, inmitten der umher ziehenden Menschen..
Selbstverständlich spielt auch meine Faszination gegenüber Anime und Manga hierbei eine Rolle, das Bedürfnis zu haben, um das Land und seine Verschrobenheit, Freundlichkeit, Bedachtheit und auch freie und offene Art selbst zu erleben. -
Ich kenne die japanische Kultur nur aus Film, Fernsehen, Erzählungen und Bildern von guten Freunden die entweder schon langjährig dort wohnen oder dort zu besuch waren. Was ich davon gehört habe, fasziniert mich. Wobei es auch viele eher fragwürdige Aspekte der Kultur gibt. Vergleicht man viele Dinge mit unserer Lebensweise in Mitteleuropa wirkt einiges schon fast kitschig romantisch, andere Dinge, wie eben der Krasse Bezug zur Ehre und Tradition ist für uns hier schon fast nicht vorstellbar. Ich könnte mir schon vorstellen in Japan zu leben, aber als "Ausländer" werde ich halt ewig derselbe bleiben und werde nie dort integriert, zumindest beim traditionelleren Teil der Bevölkerung. Bestimmt gibt es auch eine jüngere Generation, die nicht so stark nach traditionellen Normen lebt und etwas liberaler mit Ehrbarkeit umgeht und "was man eben tut". So ist es ja hierzulande auch, da gibt es eben dieses Verschieben der Paradigmen.
Reizen würde mich in Japan in erster Linie das Leben abseits der Mega-Großstädte. Mir ist Wien und München als Stadt schon zu groß, wie soll ich mich denn dann in Tokyo wohl fühlen? Lieber wäre mir das Leben in einer Kleinstadt mit allem, was dazu gehört. Dazu ordentlich Karaoke singen und Sushi essen. -
Der Begriff Kultur ist ja ziemlich weitläufig, daher versuche ich, mich nur kurz zu äußern.
Dabei kann ich mich eines für mich sehr wertvollen Erfahrungsschatzes bedienen, da ich für einen Monat in Japan war und in dieser Zeit eine sehr interessante Lebensart und unterschiedliche Städte kennenlernen durfte.
Die japanische Kultur ist breitgefächert, sehr alt und wird zum Teil auch von modernen, westlichen Prägungen beeinflusst und neuorientiert. Daher kann man bewusst sagen, dass sich Japan zumindest zu einem Teil immer mehr der westlichen Lebensart anpasst, was man beispielsweise an der sehr ausgeprägten Popkultur in Ballungszentren wie Tokio beobachten kann.
Für den Fan von Elektronik und Unterhaltungsmedien, Anime, Manga, Videospiele - insbesondere Japans großer Stolz Nintendo -, Spielecenter und viel mehr ist Tokio ein wahres Wunderland. Ortschaften wie die Elektronikmeile Akihabara oder das IT-Bezirk Shibuya sind nur einige, die mit ihrer Größe, den Menschenmassen und dem Lichtermeer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dass Japan vernarrt in Technik ist, kann man in vielen Städten sehen - am besten natürlich in Tokio - und erstreckt sich von dessen Begeisterung von der Kybernetik über die Hi-Tech-Toiletten bis hin zum genannten großräumigen Ausbau der Elektronik. Das ist nur eines der Aspekte, die mich immer wieder, am meisten aber in Tokio, begeistert haben, wenn ich die riesigen und vielfältigen Einkaufsstraßen und -center und diverse Retro-Läden besucht hatte.
Aber auch und ganz besonders bin ich von dem traditionellen Lebensstil begeistert. Die japanische Sprache und ihre Schrift interessieren mich seit einiger Zeit, weshalb ich sie sogar erlerne. Noch bin ich nicht sehr gut darin, aber in einigen Jahren möchte ich verständliche Sätze auf einem Anfängerniveau sprechen und schreiben können. Es ist ein besonderes Gefühl, sich an die Schriftzeichen ranzusetzen, mehr aber noch, sie nach und nach zu beherrschen und Sätze konstruieren zu können. 日本語は面白いです! (dt. Japanisch ist interessant!) Da ich das lediglich in meiner Freizeit machen kann, bin ich zwar nicht so schnell wie jemand, der es aktiv lernt, aber ich bin zufrieden mit dem Lerntempo und habe außerdem mit Sylph eine tolle Japanischlehrerin, die mir hilft. Da ich außerdem im Rahmen meines Studiums ein wenig Chinesisch lerne, habe ich das Glück, beim Lesen eines Satzes so manche chinesische Schriftzeichen, die ins Japanische übernommen wurden, wiederzuerkennen.Ein bisschen Englisch können die Japaner zwar, aber längst nicht alle und auch nicht immer korrekt und verständlich, weshalb die englische Sprache das Minimum ist, was man einigermaßen können sollte, wenn man sich nicht vor dem ersten Urlaub gleich die ganze japanische Sprache antun will, welche aufgrund ihrer vielen Höflichkeitsstufen komplex werden kann.
Und das führt mich zu einem Aspekt japanischer Lebensweise, die mich vielleicht am meisten beeindruckt hat: Japaner sind nicht nur schüchterne, sondern auch außerordentlich höfliche, tolerante und freundliche Wesen, die aus einem Gefühl der Rücksicht ein respektvolles Miteinander und ein sauberes Umfeld geschaffen haben. In Japan sucht man vergeblich nach Papierresten und Zigarettenstümmeln auf den Straßen; an den Bahngleisen reiht man sich in Warteschlangen ein, ehe man in die blitzeblanken Züge einsteigt; essen, trinken, rauchen und Nase putzen tut man selten unterwegs, weil es als unhöflich gilt; die vielen Lotsen, die einem den Weg ins fünf Meter entfernte Ziel hinter der Ampel weisen; und als Kunde ist man immer der König, der den Willkommensgrüßen, Danksagungen und Verbeugungen nicht entkommen kann. Dies sind nur einige Beispiele, die mir zeigen, dass für den Japaner der Mensch und die Gesellschaft immer noch am wichtigsten sind.
Das Essen ist ebenso interessant wie mit Vorurteilen belegt. Wenn man denkt, dass Japaner nur Reis und rohen Fisch essen, wurde man getäuscht, da die Küche sehr vielfältig ist. Neben Reis und diversen Nudelgerichten sind auch Fleisch, Gemüse und Bohnen ebenso beliebt wie McDonald's, KFC, Matcha und Kartoffeln und grüner Tee ebenso wie Lagerbeer, Sake und Pflaumenwein. Für Obst muss man tiefer in die Geldbörse greifen, da zumeist Importware. Ich finde es toll, all die vielen, oft neuartigen Gerichte und Getränke zu probieren und den Umgang mit den Essstäbchen zu üben.
Oder irgendein anderes abgefahrenes Zeug, an das man noch nie gedacht hat. Vermische einen Bären mit einer Honigmelone, dann hast Du einen Melonkuma, der mancherorts eine eigene Abteilung in den Souvenirläden hat. Oder habt ihr mal Hot-Dog-Eis gegessen?... Japan kombiniert - und zwar alles.
Zu den wichtigsten und ausgeprägtesten Dingen der Kultur zählen wohl die unzähligen Schreine und Tempel. Die Schreine zeichnen sich durch ihre großen Eingangstore aus und sind Symbol der japanischen Urreligion, der Shinto. Die zweite große Religion, der Buddhismus, ist an den Tempeln erkennbar. Wenn man traditionelle Kultur in ihrer höchsten Dichte sehen möchte, ist Kyoto die erste Wahl. Kyoto ist eine Millionenstadt, in der es keine Hochhäuser gibt und es auffällig ruhig ist. Schreine und Tempel findet man dort gefühlt an jeder Straßenecke, von denen die einen größer und umwerfender als die anderen sind. Kyoto ist meine persönliche Lieblingsstadt geworden und für mich das kulturelle Zentrum schlechthin. Sie ist schon für sich genommen wie ein Unesco-Weltkulturerbe. Allerdings gibt es noch viele andere Städte mit beeindruckenden heiligen Stätten, etwa Nikko und Tokio.
Kultur kann man auch in Städten erleben, die sich durch ihre Burgen und Schlösser auszeichnen. Beispiele sind das Schloss Osaka und die Burgen in Himeji und Okayama. Die beiden Kaiserpaläste in Tokio und Kyoto sind ebenfalls ein beliebtes Reiseziel im Kaiserstaat.Ebenso schön finde ich japanische Gärten. Einige von ihnen kann man auch in Deutschland besichtigen, aber in Japan sind sie mindestens genauso toll. Hier zeigt sich Philosophie in ihrer sehenswerten Pracht.
Japanische Kultur erstreckt sich aber nicht nur über die gestaltete, sondern auch bis in die unberührte Natur. Das für mich eindrucksvollste Beispiel ist wohl der Fuji, höchster Berg und zugleich ehemals aktiver Vulkan. Sein majestätisches Aussehen und die märchenhafte Umgebung lassen den Besucher schnell mal Gänsehaut spüren. Obwohl der Fuji ein Stück Natur ist, zählt er für mich zu den Höhepunkten japanischer Kultur.
Auch sehr erwähnenswert ist Sakura, die Kirschblüte, dessen kurzes Aufblühen die Japaner und Touristen gleichermaßen nicht nur wie ein Magnet, sondern wie ein Staubsauger jeden Frühling aufs Neue magisch anzieht, wenn Japan in Rosa erstrahlt. Ebenso märchenhaft schön (aber leider noch nicht gesehen) ist die Blattfärbung im Spätherbst, wenn die Bäume plötzlich grün, gelb, orange und rot zugleich leuchten. Egal, zu welcher Jahreszeit man kommt: man ist ein Gewinner.Wie man sieht (auch an den beispielhaften Bildern von mir), ist japanische Kultur sehr weiträumig. Traditionelle und moderne Werte treffen aufeinander, vermischen sich und machen das Land zu einer eigenen, vor allem aber zu einer einmaligen Welt.
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Hat die Gesetzeslage nicht auch entfernt was mit der Kultur zu tun? Jedenfalls bin ich kürzlich auf einen Artikel gestoßen, der mich verwunderte. In Japan gibt es kein gemeinsames Sorgerecht. Das heißt ein Elternteil kann seine Kinder legal entführen und das andere Elternteil kann nichts dagegen machen. Man schätzt jährlich auf bis zu 150.000 dieser Kindesentführungen. Der verlinkte Artikel geht auf ein Einzelschicksal genauer ein, wo man bereits den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen und Europäischen Parlament konsultierte (der Vater der Kinder ist Franzose), doch bisher wurde nichts erreicht. Auf Nachfrage sagte die japanische Polizei sogar, dass wenn sich das andere Elternteil nun den Kindern nähert, man diesen wegen Entführung verhaften kann.
Nüchtern betrachtet bin ich gewaltig negativ überrascht, vor allem über die Stellungsnahme der Polizei. Ich weiß nicht, was ich von einem Staat halten würde, wenn ich von sowas selbst betroffen wäre.
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Nüchtern betrachtet bin ich gewaltig negativ überrascht, vor allem über die Stellungsnahme der Polizei. Ich weiß nicht, was ich von einem Staat halten würde, wenn ich von sowas selbst betroffen wäre.
Das Rechtssystem in Japan ist für uns Europäer ohnehin sehr ungewohnt. Wenn du in Japan verhaftet wirst, kann die Polizei dich dort mehrere Wochen festhalten, was gängige Praxis ist. Selbst ein erfahrener Anwalt, der da befragt wurde, gab den Rat, die Tat einzugestehen, selbst, wenn man sie nicht begangen hat, weil man dann eben eine Strafe bezahlt, aber aus dem Gefängnis kann. Tut man das nicht, kann die Polizei dich eben eine gewisse Zeit festhalten, wodurch quasi ein Geständnis "erpresst" wird. In Japan gibt es kaum Freisprüche, sondern einen sehr hohen Prozentsatz an Verurteilungen, weil die Leute eben durch dieses System ein Geständnis ablegen. Dazu kommt, dass man in Japan das Gericht von seiner Unschuld überzeugen muss, da man sonst als schuldig gilt, bei uns ist es bspw. umgekehrt, da wird im Zweifel freigesprochen.
Das klingt ziemlich willkürlich, aber in den Berichten, die ich sah, wurde zumindest nichts darüber gesagt, dass wie bspw. in China oder Türkei Dissidenten grundlos verhaftet werden oder es zu politisch motivierten Verhaftungen kommt. Ich weiß natürlich nicht, ob das stimmt, aber zumindest medial wäre mir davon nichts bekannt. Das System ist sehr streng und kann sogar als unfair gesehen werden, aber es scheint, als würde nur wenig Missbrauch stattfinden? Weil sonst könnte man ja einen unliebsamen Nachbarn einfach anzeigen und wenn er keine Beweise liefern kann, ist er geliefert?! Japan ist aber auch eines der Länder mit der niedrigsten Kriminalitätsrate und das, obwohl es dort immer noch organisierte Kriminalität gibt.
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Da es so ziemlich in dieses Thema rein passt, hol ich das mal aus der versenke.
Wie jeder weiß, liebe ich Animes und damit verbunden Japan und die dortige Kultur die man eben über jene so erfährt. Träume ja auch seit Jahren davon mal nach Japan zu fliegen und es live zu erleben. Könnte ich japanisch, hätte ich mir sogar vorstellen können, dort hin aus zu reisen.
Jetzt hab ich aber 2 Punkte kürzlich durch ein Video erfahren, dass mir zufällig in die Youtube Timeline gespült wurde was mich von letzteren Plänen etwas abgeschreckt hatte.
Das eine betraff die Arbeitszeit. In der Regel werden da wohl auch 40 Arbeitsstunden festgelegt, soweit so gut. Was mich dann aber überraschte, war, dass die ersten 20 Überstunden inklusive sind, also man nichts extra bekommt, wenn man 60 Stunden in der Woche arbeitet. Erst wenn man diese 60 Stunden überschreitet bekommt man wieder Überstunden vergütet. Und bei 80 Stunden die Woche muss der Arbeitgeber Gegenmaßnahmen ergreifen, weil man dann in Japan als überarbeitet gilt und das gesundheitliche folgen hat. Tatsächlich kommt das in Japan nicht so selten vor das jemand mal 80 Stunden die Woche macht. Wahnsinn, ich hab mit meinen nicht ganz 40 schon genug, im Leben käme ich nicht dazu 80 Stunden zu arbeiten. Machte mich sprachlos.
Der zweite Punkt der angesprochen wurde und der mich noch mehr abschreckte: Urlaubstage. Der Youtuber, übrigens war das ein deutscher der in Japan lebt, berichtete, dass man sich in Japan gut überlegen sollte "krank zu machen". Sowas wie AU gäbe es in Japan nicht. Ist man krank und muss zuhause bleiben, wird das vom Urlaub abgezogen und davon hätte man am Anfang sehr wenig, weil man irgendwie mit nur 5 Urlaubstagen bei einer Firma beginnt, und Kollegen ihm damals deshalb gewünscht haben, dass es nicht krank wird. Pro Jahr das man bei einer Firma arbeitet, bekommt man jährlich einen Urlaubstage dazu, meinte er, bis zu einer gewissen Grenze (glaube es waren 15 Urlaubstage). Zu diesen Urlaubstagen kämen dann aber noch die Feiertage, diese hat man nicht regulär automatisch frei, so wie in Deutschland. Aber man bekäme zum Ausgleich eben entsprechende viele Urlaubstage gutgeschrieben (glaube es waren 17). Das heißt wenn man in einer Firma neu anfängt, hat man 22 Urlaubstage (inkl. Feiertage und Krankheitstage). Das fand ich echt hart.
Beides hat mich ziemlich abgeschreckt und mich nochmals meinen Traum vom auswandern überdenken lassen. Vielleicht kann Sylph ja zu dem Thema noch etwas sagen und ihre Erfahrungen teilen, würde mich echt interessieren.
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Puh, also ganz ehrlich: Bevor man überhaupt ernsthaft über das Auswandern nachdenkt, sollte man das Land, in das man auswandern möchte, erst einmal über einen längeren Zeitraum selbst erlebt haben. Gerade bei dir habe ich aber häufig das Gefühl, dass du schon im Vorfeld Gründe suchst, warum ein solcher Aufenthalt nicht möglich sein wird.
Ich habe selbst einmal in Japan gearbeitet, allerdings im Rahmen meines Studiums, weshalb das natürlich nicht eins zu eins mit einem dauerhaften Leben und Arbeiten dort vergleichbar ist. Trotzdem habe ich dadurch einen kleinen Einblick bekommen, und gerade deshalb glaube ich ehrlich gesagt, dass Japan für jemanden mit deiner aktuellen Lebenssituation eine ziemlich große Herausforderung wäre – und zwar völlig unabhängig von der Sprachbarriere und davon, welche Arbeit du dort letztendlich machen würdest.
Was einen Urlaub in Japan angeht, bin ich ja tatsächlich meistens die Erste, die dir dazu rät. Japan einmal zu bereisen, sich Anime- und Unterhaltungs-Viertel anzusehen, Gameshops zu besuchen, das Essen auszuprobieren und die Kultur kennenzulernen, kann eine tolle Erfahrung sein. Aber aus „Ich liebe Anime und Games“ abzuleiten, dass man deshalb auch gut in Japan leben könnte, halte ich für ziemlich naiv.
Japan ist nicht wie in Anime.
Das klingt banal, ist aber ein entscheidender Punkt. Als Tourist erlebt man Japan in erster Linie als faszinierendes, gut organisiertes und kulturell außergewöhnliches Land. Als Einwanderer bist du dagegen mit einem völlig anderen Japan konfrontiert: Behörden, Versicherungen, Wohnungssuche, Arbeitswelt, soziale Erwartungen, Steuer- und Rentensystem, medizinische Versorgung, Sprachkenntnisse, gesellschaftliche Hierarchien und die Frage, wie gut du dich dauerhaft in bestehende Strukturen integrieren kannst.
Und gerade bei dir sehe ich dabei mehrere Punkte, die problematisch werden könnten.
Zum einen müsstest du dich darauf einstellen, dass viele Dinge, die in Deutschland relativ selbstverständlich erscheinen, in Japan nicht unbedingt genauso funktionieren. Gerade bei Behinderungen oder chronischen beziehungsweise psychischen Erkrankungen sollte man sich vorher sehr genau informieren, welche deutschen Diagnosen und Nachweise tatsächlich anerkannt werden und welche zusätzlichen Untersuchungen oder Nachweise in Japan erforderlich wären. Auch das japanische Gesundheitssystem und die entsprechenden bürokratischen Abläufe müsstest du selbst bewältigen können. Dasselbe gilt für mögliche Unterstützungsleistungen oder steuerliche Vergünstigungen.
Und gerade bei psychischen oder „unsichtbaren“ Erkrankungen kann die Situation zusätzlich schwierig sein. Psychische Erkrankungen sind in Japan zwar keineswegs unbekannt und es gibt entsprechende medizinische Versorgung, trotzdem bestehen weiterhin gesellschaftliche Stigmatisierungen und hohe Erwartungen daran, im Berufsleben zu funktionieren. Das bedeutet nicht, dass jemand mit einer psychischen Erkrankung dort automatisch keinen Arbeitsplatz finden kann, aber es ist weitaus schwerer mit den Erwartungen dort zurecht zu kommen.
Auch das Thema Körpergewicht würde ich nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Japan ist gesellschaftlich deutlich stärker auf ein bestimmtes Erscheinungsbild und auf Schlankheit ausgerichtet als Deutschland. Starkes Übergewicht kann deshalb nicht nur gesundheitliche oder praktische Auswirkungen haben, sondern auch soziale. Man sollte sich schon bewusstmachen, dass der eigene Körper dort möglicherweise stärker auffällt und bewertet wird, als man es aus Deutschland gewohnt ist. Dazu kommen ganz praktische Dinge: Kleidung, Sitzplätze, bestimmte Einrichtungen (sogar die eigene Wohnung) oder die Frage, wie komfortabel man sich in einem Umfeld fühlt, in dem die durchschnittliche Körperstatur deutlich kleiner und schlanker ist.
Und dann kommt für mich noch ein Punkt hinzu, bei dem ich bei dir tatsächlich besonders skeptisch wäre: dein Umgang mit Geld beziehungsweise deine Kaufsucht.
Gerade Japan ist für jemanden, der Schwierigkeiten damit hat, sein Konsumverhalten zu kontrollieren, möglicherweise kein besonders unkompliziertes Umfeld. Die japanische Popkultur ist nicht nur voller Anime und Games, sondern auch von Merchandise, Sammelfiguren, Kooperationen, limitierten Produkten, Character Goods, Arcade-Spielen, Trading Cards, Convenience-Store-Aktionen und natürlich Gacha-Systemen geprägt.
Und das Entscheidende ist: Viele dieser Dinge funktionieren gerade über künstliche Verknappung und den Reiz, etwas nur für kurze Zeit oder nur in begrenzter Stückzahl bekommen zu können.
Wenn jemand ohnehin Probleme damit hat, sich beim Kaufen zu kontrollieren, würde ich deshalb nicht davon ausgehen, dass sich dieses Problem durch einen Umzug nach Japan plötzlich erledigt. Im Gegenteil: Du würdest dich möglicherweise permanent in einer Umgebung befinden, in der genau die Interessen, für die du dich begeisterst, unmittelbar mit Konsumangeboten verbunden sind.
Hinzu kommt, dass du in Japan nicht nur Tourist wärst. Du könntest nicht einfach sagen: „Heute gebe ich eben 200 Euro für Merchandise aus und morgen fliege ich wieder nach Hause.“ Du müsstest gleichzeitig Miete, Krankenversicherung, Steuern, Lebensmittel, Transport und alle anderen laufenden Kosten finanzieren.
Und auch gesellschaftlich dürfte die Umstellung für dich nicht ohne sein. Japan ist eine sehr stark strukturierte Gesellschaft. Es gibt viele unausgesprochene Regeln, Erwartungen und soziale Konventionen. Man muss nicht alles davon mögen, aber man muss lernen, damit umzugehen. Als Ausländer kann man sich dabei nicht darauf verlassen, dass einem jeder Fehler großzügig verziehen wird, nur weil man die Sprache oder die Gepflogenheiten noch nicht perfekt beherrscht. Gerade Behörden sind bei Einwanderern nicht gerade wohlwollend.
Auch deshalb würde ich deine Situation nicht mit der eines Menschen vergleichen, der beispielsweise jung, gesund, finanziell unabhängig, beruflich sehr gefragt und bereits seit Jahren mit der japanischen Sprache und Kultur vertraut ist. Das sind völlig unterschiedliche Ausgangssituationen.
Und genau deshalb finde ich den Gedanken „Ich mag Japan und Anime, also könnte ich dort leben“ zu kurz gegriffen.
Du müsstest dir eigentlich ganz andere Fragen stellen:
Kannst du dich langfristig an ein anderes Gesundheitssystem anpassen?
Kannst du deine Finanzen zuverlässig kontrollieren?
Kannst du mit einer Gesellschaft umgehen, in der bestimmte soziale Erwartungen stärker ausgeprägt sind?
Kannst du mit möglichen Vorurteilen gegenüber Ausländern, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen umgehen?
Und vor allem: Würdest du Japan auch dann noch als Ort zum Leben sehen, wenn Anime, Games, Merchandise und Urlaubserlebnisse einmal komplett aus der Gleichung herausgenommen werden?
Denn genau das wäre für mich der entscheidende Test.
Ich kenne beispielsweise einen Fall aus meinem Umfeld, der mir gerade deshalb im Gedächtnis geblieben ist: Ein Bekannter von mir lebt mit einer japanischen Frau zusammen, hat einen festen Vollzeitjob und ein zweijähriges Kind. Er hatte ansonsten keinerlei nennenswerte Probleme mit seiner Eingliederung und sich seine behördlichen Verpflichtungen über Jahre hinweg erfüllt. Trotzdem wurde sein Antrag auf Daueraufenthalt nach seiner Darstellung deshalb abgelehnt, weil es innerhalb der vergangenen fünf Jahre einmal zu einer Verzögerung bei einer behördlichen Zahlung gekommen war – lediglich um einen halben Tag, weil er krank war.
Bevor es harsch rüberkommt: Ich liebe Japan und ich sage nicht, dass es keine Fälle gibt, in denen nicht alles einen glücklichen Lauf nimmt. Auch traue ich dir einen Urlaub zu, wenn du es denn wirklich wollen würdest. Aber ein Leben dort? Im Augenblick überhaupt nicht. Selbst wenn du in einer deutschen Firma unterkommen würdest, die aus Japan operiert. Tut mir auch leid, dass ich das so direkt sagen muss.
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Danke für deine Meinung und vorweg, es war wie gesagt ein Traum ein flüchtige Idee, die darauf beruht das ich mich hier in Deutschland mit der Ausländerflut überhaupt nicht mehr wohl fühle. Wobei ich nichts direkt gegen Ausländer habe, nur ihre Ausstrahlung macht mir Angst. Die meisten geben mir das Gefühl, ich braucht nur ein falsches Wort sagen und hab gleich die Faust im Gesicht. Ich habe tatsächlich immer mehr Angst vor dir Tür zu gehen und hatte mir dann überlegt, wohin, wenn auswandern. Das erste Land das mir dazu einfiel ist Japan. Aber es war wirklich nur eine Überlegung, ich bin noch weit davon entfernt es wirklich in Erwägung zu ziehen.
Zumal das Video auf das ich mich auf meinem letzten Post bezogen habe, nicht das erste Video dieser Art war. Irgendwie bekomme ich immer wieder Videos von deutschen die in Japan leben bzw gelebt haben in die Timeline gespült. Und alle warnen vor einer Auswanderung nach Japan, das soll man sich bloß nicht zu einfach vorstellen, es wäre nicht dieses freundliche Land das man in den Animes sieht, es hat auch viele Schattenseiten, die man eben nicht sieht.
Ein paar haben daher bereits wieder aufgegeben wegen zu größerer behördliche Hürden, andere wiederum berichten von ihrem täglichen Kampf gegen die Behörden. Es wäre für Ausländer echt nicht einfach dort Fuss zu fassen. U.a. berichtete einer, dass er wegen irgendwas dazu gezwungen war, seine deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben um in Japan bleiben zu dürfen etc. (genauen Umstände weiß ich gerade nicht mehr)
All diese Videos machen mir immer mehr Angst weshalb ich mittlerweile glaube, daß diese Idee auch eine Idee bleiben wird. Ich hätte niemals die Kraft dazu, diese Behördenkampf von dem sie da in den Videos berichten auch nur 1 Jahr durchzuhalten, ich hab ja schon Schwierigkeiten mit den deutschen Behörden und werde von denen schon in die Knie gezwungen.
Das Video auf das ich mich in meinem letzten Beitrag bezog war dann das was mich am meisten schockierte. Ich hatte ja schon in einem Anime mal am Rande mitbekommen, was für eine Arbeitsmoral da in Japan herrscht (in dem Anime ging es um Spieleentwickler, weiß gerade nicht mehr wie der heißt, hatte aber glaube ich 2 Staffeln). Da haben sie einfach den ganzen Tag auf der Arbeit gewohnt und gingen wenn überhaupt nur am Wochenende nach Hause. Dachte das wäre in dem Anime nur überspitzt dargestellt oder die Ausnahme in der Branche. Aber als ich dann das Video anschaute, und heraushörte, dass das in Japan scheinbar eher die Regel ist, war ich schockiert. Das wäre ganz und gar nicht mein Ding, ich brauche meine Freizeit, die würde ich niemals für meine Arbeit opfern.
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Ergänzend zu Yuffies Beitrag (dem ich im Großen und Ganzen zustimme) möchte ich noch auf ein paar einzelne Punkte eingehen, zumal du auch nach meiner eigenen Erfahrung gefragt hast.
Vorweg: Ja, es gibt Firmen, die sich nicht an Gesetze halten und ihre Mitarbeiter ausbeuten, aber das ist schlichtweg nicht legal und leider auch in Deutschland (Stichwort Fleischindustrie oder Paketdienstleister) nicht unüblich. Damit meine ich selbstredend nicht, dass es deshalb "ok" wäre oder so - nur möchte ich darauf aufmerksam machen, dass das kein rein "japanisches" Problem ist.
weil man irgendwie mit nur 5 Urlaubstagen bei einer Firma beginnt, und Kollegen ihm damals deshalb gewünscht haben, dass es nicht krank wird.
Ich weiß nicht, in was für einem Unternehmen der Youtuber arbeitet, aber an seiner Stelle würde ich mir einen Anwalt oder nach Möglichkeit ganz schnell einen neuen Job suchen. Fünf Tage Urlaub sind nach japanischem Recht schlichtweg illegal.
Rechtlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, mindestens zehn Urlaubstage zu geben, und jedes Jahr dann einen mehr, bis man am Ende auf 20 kommt. Natürlich steht es Firmen frei, auch mehr zu gewähren - so hatte ich in meinem vorherigen Job (Rathaus) bereits von Anfang an 20 reguläre Urlaubstage (+ 3 Sommer-Urlaubstage).
Seit Kurzem arbeite ich in einem (japanischen) Unternehmen und sobald meine Probezeit im Februar um ist, bekomme ich erst zehn und dann ab April nochmal zehn Tage extra, womit ich wieder bei 20 Tagen bin.
Zu diesen Urlaubstagen kämen dann aber noch die Feiertage, diese hat man nicht regulär automatisch frei, so wie in Deutschland.
Auch das zu verallgemeinern schlichtweg falsch. Ich habe bisher so ziemlich jeden Feiertag frei gehabt und ganz viele meiner Freunde auch (16 pro Jahr, und die meisten montags, da es keine Feiertage am Wochenende gibt).
Es gibt Branchen (z.B. Autoindustrie), in denen das nicht der Fall ist. Ich habe damals ein Praktikum in einem solchen Unternehmen gemacht. Statt normaler Feiertage hatte ich dafür jedoch zu festgesetzten Zeiten im Sommer und Winter jeweils eine Woche einfach so frei (zusätzlich zu den "großen" Feiertagen wie Neujahr, die dann doch frei waren). Das ist bei Freunden von mir, die in dem Bereich arbeiten, auch so gelöst.
Ich habe zu genau obigen diesen beiden Punkten auch schon mal einen Beitrag abgesetzt, den du sogar gelesen hast, daher bin ich überrascht, das hier zu lesen.
In der Regel werden da wohl auch 40 Arbeitsstunden festgelegt, soweit so gut. Was mich dann aber überraschte, war, dass die ersten 20 Überstunden inklusive sind, also man nichts extra bekommt, wenn man 60 Stunden in der Woche arbeitet. Erst wenn man diese 60 Stunden überschreitet bekommt man wieder Überstunden vergütet.Das System nennt sich minashi zangyô und wird hier sehr vereinfacht (um nicht zu sagen falsch) dargestellt.
Einige Unternehmen in Japan rechnen standardmäßig 20 Stunden Überstunden pro Monat (nicht Woche!) ab. Diese werden bezahlt, egal ob sie tatsächlich erarbeitet werden oder nicht, und müssen im Arbeitsvertrag festgeschrieben sein.
Viele Informationen zu Arbeitszeit (z.B. 80-Stunden-Woche oder Leuten, die quasi in ihrer Firma wohnen) sind veraltet und erzählen von der Nachkriegszeit, in denen solche Dinge gang und gäbe waren - ohne darauf zu achten, dass auch Japan mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen ist und es home office, flexible Arbeitszeiten und Elternzeit gibt.
Die japanische Regierung hat vor vielen Jahren die Arbeitsgesetze umfassend reformiert, um solche Verhältnisse wie oben beschrieben stark einzugrenzen. Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern derart hohe Überstunden (die Grenze liegt, wenn ich mich recht erinnere, bei 60 Überstunden pro Monat) aufbürden, unterliegen sehr strenger Beobachtung und sind an bestimmte Bedingungen gebunden.
Und noch einmal: JA, es gibt Firmen in Japan, die ihre Mitarbeiter ausbeuten und von ihnen das Unmögliche verlangen. Diese sind aber nicht legal.
JA, es gibt überarbeitete Menschen. ABER das ist nicht so "normal", wie es random Leute im Internet einen glauben lassen wollen. Oder wieso sieht man sonst draußen, mitten an einem Werktag, so viele Familien und alte oder junge Leute herumlaufen? Das werden nicht alles Arbeitslose sein.
Ich bin es leid, dass mich Leute, wenn ich ein Foto aus meinem Urlaub schicke, fragen, wie ich es denn "geschafft" hätte, einen Tag frei zu nehmen. Das ist kein Hexenwerk. Das ist Arbeitsrecht.
U.a. berichtete einer, dass er wegen irgendwas dazu gezwungen war, seine deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben um in Japan bleiben zu dürfen etc. (genauen Umstände weiß ich gerade nicht mehr)
Das klingt so, als hätte die Einwanderungsbehörde an der Tür geklingelt und ihm mit Staatsentzug oder Deportierung gedroht.
Die betroffene Person hat die japanische Staatsbürgerschaft angenommen und deshalb die deutsche abgegeben: Japan erlaubt bei Erwachsenen keine Doppelstaatsbürgerschaft. Mir ist jedoch kein Fall bekannt, in dem jemand "gezwungen" wurde, die japanische Staatsbürgerschaft anzunehmen, zumal das auch nicht einfach so zu bewerkstelligen ist und mit einer "Bewerbung" vonseiten der betroffenen Person erfolgen muss. Die wird es also von sich aus gemacht haben.
Ich möchte auch als einen weiteren Punkt noch das Klima und Naturkatastrophen nennen. Neben Extremwetter (ich glaube, du hast es auch nicht so mit Sommer, Endymion - japanischer Sommer ist brutal) haben wir auch mit regelmäßigen Taifunen (es ist schon wieder einer auf dem Weg, dabei ist der letzte erst einen Tag her...) und Erdbeben zu rechnen. Das letzte spürbare war heute morgen um 6 Uhr. Das davor war am Abend zuvor. Das davor vorgestern. Es ist kein schönes Gefühl, nachts um 4 Uhr unsanft geweckt zu werden, weil die Erde unter einem wackelt. Oder einen um 2 Uhr das Handy anschreit, weil es irgendwo heftig bebt.
Wie jeder weiß, liebe ich Animes und damit verbunden Japan und die dortige Kultur die man eben über jene so erfährt. Träume ja auch seit Jahren davon mal nach Japan zu fliegen und es live zu erleben. Könnte ich japanisch, hätte ich mir sogar vorstellen können, dort hin aus zu reisen.
Das ist leider etwas, das man leider sehr, sehr oft hört und ich muss auch ehrlich sagen: Das sind i.d.R. die Leute, die völlig desillusioniert nach kurzer Zeit bereits das Handtuch werfen.
Ich weiß, dass Japan online oftmals regelrecht glorifiziert wird, aber Japan ist ein Land wie jedes andere auch, mit eigenen Problemen, einer Wirtschaft, die den Bach runter geht, kaum Tierschutzgesetzen und einer Regierung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Ausländern das Leben zur Hölle zu machen.
Es ist aber auch ein Land mit unfassbar schöner Natur, tollen Ortschaften, spannender Geschichte, gütigen Menschen und neuen interessanten Erfahrungen an jeder Ecke.
Ich sage NICHT, dass Leben und Arbeiten in Japan ein Zuckerschlecken sind. Es gibt große Herausforderungen, sei es in der Bürokratie, im Arbeitsleben, im sozialen Leben, bei der Sprachbarriere oder einfach, weil vieles anders ist als z.B. in Deutschland. Selbst, wenn man die japanische Sprache beherrscht, gibt es immer noch viele Dinge, die so anders und ungewohnt sind. Auch politisch ist derzeit vieles am brodeln, denn wie viele andere Länder verzeichnet auch Japan gerade einen Rechtsruck. Dein Beitrag hat perfektes Timing, denn erst gestern wurden die Visa-Kosten für ausländische Bürger extrem angehoben (teilweise verzehn- oder verzwanzigfacht), was einer Regierung zu verdanken ist, die der Meinung ist, dass 3% Ausländeranteil zu viel ist.
Es gab und gibt Tage, da bin ich unfassbar gestresst, weil ich schon wieder von etwas Unerwartetem durcheinander gebracht wurde und mich frage, ob ich hier überhaupt willkommen bin.
Es gab und gibt aber auch Tage, da kann ich mein Glück kaum fassen, dass ich hier Fuß fassen konnte, Freunde fürs Leben finden konnte und abends mit einem Lächeln ins Bett gehe.
Ich rate jedem, der auch nur ein Fünkchen Interesse an Japan hat, das Land zu besuchen, denn einen Besuch ist es allemal wert. Ob man darin leben möchte und kann, ist jedem selbst überlassen und hängt von denen eigenen Prioritäten und den eigenen Vorstellungen von Glück ab.
Ich möchte dir weder zu- noch davon abraten, über eine Ausreise nach Japan nachzudenken. Ich bitte dich nur, dir realistische Vorstellungen zu machen und dich umfassend zu informieren, auf was du dich einlassen würdest. Das fängt auch bereits dabei an, dass es auch nicht einfach ist, mal eben auszuwandern. Um ein Visum (eine Aufenthaltserlaubnis) zu bekommen, brauchst du im Idealfall einen Job. Unternehmen in Japan sind ohnehin vorsichtig (seit Corona noch mehr), Bewerber aus dem Ausland anzuheuern, und ohne jegliche Sprachkenntnisse wird dich kaum ein Unternehmen einstellen wollen.
Ich bin trotz allem immer noch hier (und das gerne) und habe aktuell auch keine konkreten Pläne, demnächst zurückzukehren. Irgendwann? Vielleicht. Bestimmt. Aber noch nicht.
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Ich weiß nicht, in was für einem Unternehmen der Youtuber arbeitet, aber an seiner Stelle würde ich mir einen Anwalt oder nach Möglichkeit ganz schnell einen neuen Job suchen. Fünf Tage Urlaub sind nach japanischem Recht schlichtweg illegal.
Ich will nicht abstreiten das ich die Zahlen falsch im Kopf habe, es könnten auch 10 gewesen sein, auf jeden Fall fand ich es extrem wenig, zumal Krankheitstage angeblich auch noch davon abgezogen werden. Wenn man dann mal ein paar Tage zuhause bleiben muss, weil man erkältet ist (was mir kürzlich wieder passiert ist), blieben mir dann ja kaum noch Tage um mich wirklich zu erholen. Da will ich meine 30 Urlaubstage (und zusätzliche Kranktage) hier in Deutschland nicht missen.
Aber mir lässt da eine andere Sache gerade keine Ruhe:
Auch das Thema Körpergewicht würde ich nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Japan ist gesellschaftlich deutlich stärker auf ein bestimmtes Erscheinungsbild und auf Schlankheit ausgerichtet als Deutschland. Starkes Übergewicht kann deshalb nicht nur gesundheitliche oder praktische Auswirkungen haben, sondern auch soziale. Man sollte sich schon bewusstmachen, dass der eigene Körper dort möglicherweise stärker auffällt und bewertet wird, als man es aus Deutschland gewohnt ist. Dazu kommen ganz praktische Dinge: Kleidung, Sitzplätze, bestimmte Einrichtungen (sogar die eigene Wohnung) oder die Frage, wie komfortabel man sich in einem Umfeld fühlt, in dem die durchschnittliche Körperstatur deutlich kleiner und schlanker ist.
Damit bestätigt Yuffie im Grunde etwas, das ich schon lange befürchte. Mir ist nämlich schon oft aufgefallen, dass in Animes dicke Leute oft die Loserrolle haben und mit deutlicher Ausgrenzung zu kämpfen haben. Umso schlimmer wenn sie Nerds sind. In Deutschland hab ich damit bereits zu kämpfen, aber Animes übermitteln mir manchmal das Gefühl, dass es in Japan noch extremer ist. Das geht so weit, das ich mich manchmal von Animes sogar diskriminiert fühle, als wären Übergewichtige wie ich der soziale Abschaum, die ihr Leben nicht im Griff haben. Wenn ich Yuffies Text so lese, scheint es tatsächlich so, als wenn Übergewichtige in Japan einen immens niedrigen Stand haben. Schrecklich, dabei sind wir genauso Menschen wie andere auch, wie gesagt, das geht mir schon in Deutschland auf die Nerven wie ich hier auf Grund meines Gewichts manchmal ausgegrenzt und behandelt werde.
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Noch einmal: Anime sind keine Reflektion der Realität. Das Menschen mit Übergewicht oft diskriminiert werden, ist leider etwas, was über all vorkommt. In manchen Bereichen mehr, in manchen weniger. Gesundheitliche Probleme werden z. B. auch hier oft damit abgetan, dass der Patient ja "einfach nur" abnehmen muss.
Du wirst also auch in Japan nicht aktiv diskriminiert und offen ausgelacht (im Regelfall, es gibt immer Ausnahmen), aber alleine strukturell sind viele Bauten (Hotels, Wohnungen) eher ungünstig für beleibtere Menschen. Es liegt eben auch daran, dass Gebäude dort prinzipiell eher vertikal gebaut werden.
Auch gibt es in vielen Berufen (verpflichtete) Gesundheits-Checks. Die führen nicht dazu, dass du gefeuert wirst (zumindest offiziell - ich weiß nicht ob es da eine Dunkelziffer gibt), aber dir wird halt gesagt, dass du abnehmen sollst.
Klamotten fallen dort auch im Regelfall kleiner aus. Ich bin ein S (meistens) hier. In Japan finde ich selbst M manchmal zu eng geschnitten. Kommt immer auf den Brand an, aber mal so pauschal gesagt. Da fühle sogar ich mich vergleichsweise dick.
Einige Bekannte von mir konnten auch schon machen Transport-Möglichkeiten oder Sitzgelegenheiten nicht in Anspruch nehmen, weil es einfach nicht gepasst hat. Erinnere mich da vor allem an einen Lift bei Fuji. Und sie ist jetzt nicht so dick, dass das ihr je in Deutschland passiert wäre.
Ist das jetzt an jedem Eck? Nö. Aber es fällt weitaus häufiger auf, als es hier der Fall ist. Auch Zugsitze fallen recht klein aus und Konbini usw. sind relativ eng.
Wie gesagt: es ist nicht, als würde dir jemand dafür ins Gesicht spucken. Der Druck, schlank zu sein, ist dort nur höher und wird in vielen Bereichen auch indirekt oder direkt so kommuniziert.
Hier ein ganz interessantes Video dazu:
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