Welchen Film habt ihr als letztes gesehen?

    • Boogie Nights
      Erstaunlich wie interessant und facettenreich ein Film über die Pornoindustrie sein kann, wenn man mit sehr vielen talentierten Schauspielern, wovon die meisten hier ihren Durchbruch erlebten, gute Charaktere darstellt. Vordergründig geht es um die Pornoszene der späten 70er und frühen 80er Jahren. Später folgt der Wandel durch die Diskriminierung der Pornodarsteller mit den wiedererwecken sozialen Bewegung der 80er, Homophobie und Intoleranz, welches den gesellschaftlichen Niedergang der Szene einläutet. Mark Wahlbergs Rolle als Eddie / Dirk Diggler referenziert den echten Pornodarsteller John Holmes. Daneben finden sich noch viele andere gute Charakterdarsteller wie von Don Cheadle, Philip Seymour Hoffman oder Julianne Moore wieder.
      Was Regisseur Paul Thomas Anderson hier groß in Fokus setzt ist die menschliche Nähe zu den Charakteren, dass diese ihre Lebensträume versuchen zu verwirklichen und stilistisch sich voll und ganz in diese Zeit und Lebensstyle wiederfindet. Der Film stellt eine Hommage an die Filme von Martin Scorsese dar, welchen PTA als einer seiner größten Idole ansieht.

      Ganz besonders muss ich die Kameraarbeit von Robert Elswit loben. Was für tolle long-takes der Film hat. Gerade die Poolparty Szene. Besonders in der Szene wird das Gefühl erweckt, dass man selbst vor Ort ist, denn die Gespräche sind nicht forciert, sondern nur am Rande bekommt man die wichtigsten Sätze der Konversation mit und kann sich durch die lange zuvor etablierten Charaktere und ihre Wünsche den Kontext erschließen. Die meisten Szenen werden einfach umwerfend mit der musikalischen Untermalung getragen, die dazu noch super zum Stil der 70er passen. Dadurch entsteht im Film stets eine lockere und entspannte Lebensfreude.
      Kann Anderson überhaupt schlechte Filme machen? Sehr empfehlenswert.
      9/10

      @Gomorrha Freut mich das du ihn geschaut hast und er dir gefallen hat. Wie viele Filme von PTA hast schon gesehen? Also die fünf, die ich bisher gesehen habe, kann ich auch nur weiterempfehlen, hehe. Warst du auch überwältigt von dieser sehr eigenen Filmart + den umfangreichen Themen, die der Film sich annimmt?


      I’m just watching a bad dream I never wake up from.

      - Spike Spiegel from Cowboy Bebop
    • Noa schrieb:

      Gomorrha Freut mich das du ihn geschaut hast und er dir gefallen hat. Wie viele Filme von PTA hast schon gesehen? Also die fünf, die ich bisher gesehen habe, kann ich auch nur weiterempfehlen, hehe. Warst du auch überwältigt von dieser sehr eigenen Filmart + den umfangreichen Themen, die der Film sich annimmt?
      Da bist Du mir, glaube ich, jetzt schon um einiges voraus. Bisher gesehen habe ich Magnolia, There Will Be Blood, The Master und Inherent Vice, dank Dir jetzt auch Punch-Drunk Love. Ich wusste auch gar nicht, dass Der Seidene Faden zu seinen Werken gehört, sonst hätte ich ambitionierter darauf gedrungen, den Film noch vor der Oscar-Verleihung zu sehen. Leider hatte ich ihn ja verpasst. Aber Du hast Recht, Anderson macht wirklich großartige Filme, die einen richtig packen können. Ich kann es nur immer wiederholen, aber insbesondere There Will Be Blood hat mich regelrecht umgehauen. Wirklich toller Regisseur! :)

      That's when you know you've found somebody really special,when you can just shut the fuck up for a minute and comfortably share a silence.
    • @Gomorrha Hehe. Dann haben wir beide fünf von acht seiner Filme gesehen. Mir fehlen Magnolia, Inherent Vice und sein Debüt Hard Eight. Von Magnolia habe ich bereits die DVD, aber mich schreckt die Laufzeit von 3 Stunden am späten Abend immer ab. Bei Inherent Vice bin ich sehr gespannt wie der so ist, da höre & lese ich immer verschiedene Meinungen. Anderson zählt inzwischen zusammen mit Oshii (Anime & Live Action) zu mein Lieblingsregisseur.


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    • Als letztes habe ich "To the Bone" gesehen. Ein Netflix-Original Film mit der - meiner Meinung nach - sehr talentierten Schauspielerin Lily Colins. Da der Film sehr heftig in den Medien diskutiert wurde, sah ich ihn mir natürlich auch mal an. Und, dass Lily mitspielt, hat natürlich auch dazu beigetragen... Aber ich schweife ab.

      Der Film handelt von jugendlichen Essgestörten. Im Vordergrund steht Ellen (gespielt von Lily Colins), welche an Magersucht erkrankt ist. Sie zieht in von einer Wohngruppe in die andere, will sich allerdings nicht so recht helfen lassen. Ihre Stiefmutter schickt sie dann zu einer recht unkonventionellen Hilfegruppe, in welcher Ellen auch einige Zeit wohnen bleibt.

      Ich möchte hier nicht so viel vorwegnehmen, da eine Inhaltsangabe ohne Spoiler sehr schwierig ist.
      Grob kann jedoch gesagt werden, dass dieser Film den Wandlungs- sowie Selbstfindungsporzess der 20-jährigen darstellt und auf psychische Probleme eingeht.

      Meiner Meinung nach ist dieser etwas kürzere Film sehr gut gelungen. Medien kritisierten oft, dass "To the Bone" esstörungen romantisiere und verharmlose. Das sehe ich jedoch anders.
      Spoiler anzeigen
      Ellen bricht sehr oft zusammen, hat Black-Outs und große Schwierigkeiten bei der Bewöltigung ihrer Krankheit. Als Zuschauer hat man Einblicke in ihre Gedankenwelt und ihre gestörte Sichtweise auf die Welt. "To The Bone" verharmlost Essstörungen also gar nicht; es ist eine realistische Darstellung von Mager- un Ess-Brechtsucht mit liebenswerten Charakteren, für die man schnell Sympathien entwickelt.


      Als jemand, der lange aufgrund Essstörungen therapiert wurde, kann ich sagen, dass der Film nicht nur realistisch ist, sondern auch die großen Gefahren einer solchen Krankheit glaubwürdig darstellt, ohne etwas daran zu verharmlosen oder gar schönzureden. Natürlich wird oft gezeigt, was Ellen tut, denkt und wie sie sich fühlt und wie sie selbst ihre eigene Krankheit sieht - doch genau das passiert bei einer "normalen" Magersüchtigen auch.

      Für jemand, der selbst an Essstörungen leidet und damit nicht zurechtkommt, ist dieser Film vielleicht etwas ungeeignet - ich persönlich fand ihn nicht schlimm. Mir hat er wie bereits erwähnt sehr gut gefallen. Das muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden. :)
      Have the Courage
      To seek the Wisdom
      That will grant your Power
    • Gone Girl
      Wieder einmal ein guter Film von Fincher. Auch wenn dieser nicht so sehr von seinem Cinematografie und Kamera Ästhetik lebt. Die Handlung ist mal sehr anders, als was man sonst so von Thriller gewohnt ist. Gute Darstellung von Affleck und besonders Pike. Der Film lebt von seiner Spannung und Psychospielen. Der Film selbst gibt sich komplexer, als er eigentlich ist und sobald die erste Hälfte des Films vorüber ist, kommen die großen Twist.

      Interessant war hier die Medienpräsenz und wie sie direkt den Mann als Mörder darstellen, bevor überhaupt handfeste Beweise da sind. Mir selbst kam zwar der Mann auch immer komisch vor, aber ich ging nie davon aus, dass er der Mörder ist. Ebenfalls eine nette Thematik ist hier der trügerische Schein der Ehe. Hab zwar nicht nachvollziehen können, wieso er am Ende meint er muss bei ihr bleiben, aber ansonsten ein guter Film der voll und ganz über seine lange Laufzeit spannend bleibt und ein am Ball behält.
      8/10


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    • Magnolia
      Vom leichten Wind werden lose Schicksalsfäden zusammen gesponnen wie bei einem fabelhaften Mosaik zu ein Spinnennetz, welches schlussendlich im aufkommenden Sturm eine Bandbreite von Gefühle und Frösche auf den Zuschauer niederprasseln lässt. Es ist nachvollziehbar wie intensiv hier die eigentümliche Wechselwirkungen zwischen den Leben von mehreren Personen dargestellt wird.
      Paul Thomas Anderson hat mich vollkommen begeistert und ist zu mein absoluten Lieblingsfilmemacher geworden. Erstaunlich wie er es wieder und wieder schafft so ein lebendigen Film an der Seite von Kameramann Robert Elswit zu kreieren. Wir sind als Zuschauer ebenso im Akt der gefühlsvollen und intensiven Ballade des Lebens. Das Bild verschmilzt zu Szenen die passend zum Thema des Films nicht den Zufall überlassen werden. Die Schauspieler, und wir haben hier viele tolle und großartige Darstellungen, überzeugen alle in ihren Rollen. Besonders möchte ich aber Tom Cruise sein Charakter, sowie sein Schauspieler hervorheben; womöglich seine beste Leistung.
      Die schönen, melancholischen und inspirierenden Lieder von Aimee Mann mit ihrer fabelhaften und passenden Stimme fügen sich in das Fundament der Soundkulisse und spiegeln die Tonalität tragisch wider.

      Anderson hat ein weiteren Film aus Meisterhand geben, der sich nicht schüchtern hinter seine anderen Werke verstecken braucht. Das dramatische und poetische Werk zugleich bekommt ne 10/10.

      @Hyrokkin (unter mir); Abgesehen davon, dass der Film ne billige Nachmache vom Anime "Perfect Blue" ist, jo, overrated.


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    • Black Swan

      Schon länger wollte den Film angucken, da ich von sämtlichen Leuten gehört oder gelesen habe, dass dieser Film "krass", "genial" und "spannend" sei. Und da ich viel von Natalie Portman halte, hab ich dem Urteil einigermaßen vertraut.

      Ich fand den Film "langatmig", "vorhersehbar" und "plump".

      Weder fühlte ich mich besonders unterhalten, noch würde mir nur eines der im ersten Absatz verwendeten Attribute einfallen. Letztlich bedient der Film in meinen Augen zu viele Stereotypen: Eine technisch perfekte, aber verklemmte Ballettänzerin, die von ihrer Mutter bewacht wird, welche wiederum ihre Ballettkarriere fürs Kind aufgab - wird von einem testosterongesteuertem Trainer bedrängt und genötigt. Und es sind die Drogen, die plötzlich eine Art Alter Ego entstehen lassen. Dazu eine handvoll neidischer Konkurrentinnen und ein abgetackelter Superstar.
      Das ganze spielt ausnahmslos in diesem Miniversum des Balletts, ohne Nebengedöns wie urbaner Alltag oder irgendwas.

      Natalie Portman ist erschreckend dünn und knochig; die eigentlich bildhübsche Schauspielerin sieht aus, als würde sie auf die 50 zugehen in manchen Szenen. Und da sie in fast jeder Szene von ganz nahem gezeigt wird, war ich die meiste Zeit einfach nur entsetzt.

      Kein Film für mich.
    • Lawrence von Arabien
      Endlich den Filmklassiker von 1962, welcher mit 10 Oscars nominiert und schlussendlich mit 7 ausgezeichnet wurde, nachgeholt.
      Es ist gar nicht so weit hergeholt zu sagen, dass solche Filme nicht mehr gemacht werden. Das Wüstenepos um die autobiografische Erzählung des Engl. Offiziers Lawrence ist ein Meisterwerk von Film. Regisseur David Lean Werk entfaltet in seiner knapp 4-stündigen Laufzeit ein Heldenepos mit unvergleichbaren schöne und klare Bilder, welche mit ein ebenso schön klingenden Soundtrack getragen wird. Der Film lebt von den meisterhaften Schauspiel Peter O' Tooles. Ich behaupte einfach mal, dass es die größte Errungenschaft der Schauspielkunst ist was O' Toole hier abliefert. Sehr guter Film über Politik, Menschen und Kultur. Verblüffend wie gut der Film heute noch aussieht.
      10/10


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    • Hyrokkin schrieb:

      Black Swan

      Schon länger wollte den Film angucken, da ich von sämtlichen Leuten gehört oder gelesen habe, dass dieser Film "krass", "genial" und "spannend" sei. Und da ich viel von Natalie Portman halte, hab ich dem Urteil einigermaßen vertraut.

      Ich fand den Film "langatmig", "vorhersehbar" und "plump".

      Weder fühlte ich mich besonders unterhalten, noch würde mir nur eines der im ersten Absatz verwendeten Attribute einfallen. Letztlich bedient der Film in meinen Augen zu viele Stereotypen: Eine technisch perfekte, aber verklemmte Ballettänzerin, die von ihrer Mutter bewacht wird, welche wiederum ihre Ballettkarriere fürs Kind aufgab - wird von einem testosterongesteuertem Trainer bedrängt und genötigt. Und es sind die Drogen, die plötzlich eine Art Alter Ego entstehen lassen. Dazu eine handvoll neidischer Konkurrentinnen und ein abgetackelter Superstar.
      Das ganze spielt ausnahmslos in diesem Miniversum des Balletts, ohne Nebengedöns wie urbaner Alltag oder irgendwas.

      Natalie Portman ist erschreckend dünn und knochig; die eigentlich bildhübsche Schauspielerin sieht aus, als würde sie auf die 50 zugehen in manchen Szenen. Und da sie in fast jeder Szene von ganz nahem gezeigt wird, war ich die meiste Zeit einfach nur entsetzt.

      Kein Film für mich.
      Bei aller Kritik hättest Du ruhig mal brav das Gefummel zwischen Portman und Kunis loben können! :ugly:

      Ich selbst habe übrigens vergangenen Freitag A Quiet Place im Kino gesehen. Der Horror-Thriller von und mit John Krasinski, zusätzlich toll besetzt mit seiner Ehefrau Emily Blunt, die ich ohnehin sehr gerne mag, hat mich insgesamt überzeugt. Die Idee fand ich mal erfrischend anders als den klassischen Grusel-Einheitsbrei. Spannung war durchweg da; manchmal sogar so sehr, dass man zwischendurch richtig hören konnte, wie die Leute sich nicht mehr getraut haben, ihr Popcorn weiterzufuttern. Das Sounddesign war ganz große Klasse und hat die Atmosphäre des Films insgesamt sehr speziell gemacht. Kleine Abstriche gab es für das in meinen Augen doch eher unkreative Ende, mit dem ich im großen und ganzen allerdings trotzdem gut leben konnte. Guter Film!

      That's when you know you've found somebody really special,when you can just shut the fuck up for a minute and comfortably share a silence.
    • Ich habe mir letzte Wochen The Escort von Will Slocombe auf Netflix angesehen. Kein weltenbewegender Film aber er hat ja doch Spaß gemacht anzuschauen. Vorallem die recht unbekannten Schauspieler waren sehr erfrischend und irgendwie sympathisch. Aufjeden Fall ein Film "dieser Art" den man sich echt mal anschauen kann. Den Regsiesseur kannte ich auch noch nicht.


      "Since we cannot change reality, let us change the eyes which perceive reality." - Nikos Kazantzakis