Ich habe es mir über Xbox Game Pass geholt und ich bin glaube ich im letzten Drittel des Spiels. Was ich sagen kann, ist, dass das Spiel zu den kreativsten Titeln gehört, die mir seit Jahren in die Hände gefallen sind. In den letzten Jahren sind mein Interesse und auch meine Begeisterung für Videospiele zurückgegangen. Spiele wie Zelda Botw, Hades und Mario Odyssey haben diese wieder neu wecken können, aber das ja sind Spiele, die wirklich nur alle paar Jahre rauskommen.
Was besonders heraussticht, ist der überaus abwechslungsreiche Artstyle, dem, weil man in die Psyche anderer Personen eintauchen muss, keine Grenzen gesetzt ist. Da die Gestaltung der verschiedenen Welten das ist, was Psychonauts 2 so besonders macht, möchte ich an dieser Stelle auch nicht mehr verraten. Nur eines: Trotz seiner Kreativität und Ausgeflipptsheit bekommt es das Spiel hin, dass alles wie aus einem Guss erscheinen zu lassen. Da kommen selbst Nintendogames nicht ran.
Hinzu kommt eine riesige Hubworld, in der es einiges zu entdecken gilt. Nach und nach wird mehr freigeschaltet. Am Anfang dachte ich, achso, das ist die Hubworld, reicht ja.. Dementsprechend ist es schön, dass hier die Erwartungen übertroffen werden und man nicht bloß Mario-64-like von einer semi-großen Hubworld aus von Level zu Level geht, sondern auch in der Oberwelt viel Zeit mit Erkundungen und Questslösen verbringt.
Die Frauen und Männer von Double Fine haben das geschafft, was die ehemaligen Banjo-Entwickler mit Yooka Laylee nicht geschafft haben: Das angestaubte Collectathon-Genre in die Gegenwart zu übersetzen. Eigentlich bin ich ein Videospieler, der nicht nach links und rechts schaut und brav der Story folgt. Hier bin ich aber irgendwie sehr motiviert, alles abzugrasen, zumindest das meiste. Das Streamlining zwischen Story und Erkundung funktioniert richtig gut.
Wobei wir jetzt bei der Story wären. Diese finde ich sehr mitreißend. Man fiebert mit den Charakteren mit und ich finde, dass man die Grundthematik, psychisches Wohlbefinden, sehr gut angeht. Natürlich muss man so wie ich, Fan von 90er Jahre Cartoons sein und den skurilen Humor eines Cartoons wie Rokos Modernes Leben mögen, um sich damit anzufreunden. Ich von meiner Seite aus, finde die Geschichte herzerwärmend und habe den bunten Haufen an Charakteren mittlerweile in mein Herz geschlossen. Und weil ich so selten in Videospielstorys invested bin, muss ich auch hier meinen Hut ziehen.
Mit der Story tut sich aber auch eine Schwäche des Spiels auf. Tatsächlich ist es so, dass man beim Spielen, ich finde es variiert von Abschnitt zu Abschnitt, von recht vielen Cutscenes oder Gesprächssequenzen gestört wird. Nicht, dass es schlechte Sequenzen sind, im Gegenteil, das Writing ist durchweg top-notch, nur kann sowas schon stark den Spielfluss stören. Ein Titel wie Mario Odyseey bekommt da einen deutlich besseren Spielfluss hin. Hier sollte jeder etwas Toleranz oder Geduld mitbringen.
Eine weitere Schwäche tut sich im Platforming auf. Hier funktioniert die Steuerung etwas ungenau, noch dazu ist die Fehlertoleranz etwas zu eng gezogen. Manche Sprünge müssen deshalb sehr genau abgestimmt sein. Da fühlt man sich an die alten Plattformer aus den 2000er erinnert, was einerseits recht nervig sein kann, andererseits auch seinen eigenen Charme hat. Selbiges gilt für die Kämpfe, die teilweise zu überladen wirken. Trotz dessen bereitet beides enormen Spaß. Zwar wirkt es nicht so hochpoliert wie ein Nintendoplattformer, aber es liegt noch unter der Frustrationsgrenze.
Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass, wenn jemand jemals einen würdigen Nachfolger zu Banjo Tooie bringen kann, dann die feinen Damen und Herren von Double fine.
Edit: Ich habe den ersten Teil übrigens nie gespielt. Meine Eindrücke basieren also unabhängig von diesem.
Edit2: Jetzt auch durchgespielt. Bleibe bei meinem durchweg positiven Urteil. Sehr schön anzumerken ist, dass es auch eine Art Postgame gibt. Man wird nicht auf den Speicherpunkt vor dem Endlevel zurückkatapultiert, um vor dem Spielende alles gesammelt zu haben/alle Sidequests erledigt zu haben. Nachdem die Story durch ist, kann man einfach weiterspielen. Es lohnt sich den Charakteren auch einen weiteren Besuch abzustatten, weil diese sich dann nochmal über die Geschehnisse im Finale äußern, das rundet die Geschichte nochmal ab.