*Staub wegwedel* *hust* *Text hinschmeiß* *abhau*
[...]
Eigentlich war alles wie immer: Der König saß auf seinem Thron, etwas tiefer und versetzt neben ihm seine Gattin. Aber am Rande des Wasserbassins vor ihm saß jemand... Und wenn Link sich weiterhin auf seine Sinne verlassen konnte, hatte dieser jemand... einen Fischschwanz.
Eine Nixe.
Link blinzelte. Aber die Nixe blieb. Sie sah nicht besonders zufrieden aus und wandte den Blick ab.
„Ich sehe, du bist genauso überrascht wie ich“, sagte König Zora und stützte amüsiert das Kinn in die Hand. „Wenn ich euch vorstellen darf: Link, das ist Aarja. Eine Nixe, wie du wohl selbst sehen kannst. Aarja, triff den jungen Held von Hyrule, der uns alle gerettet hat.“
Die Nixe sagte nichts. Ihre Haut war weiß und schillernd, wie eine Perle, aber auch fahl, als bekäme sie nicht viel Sonnenlicht ab. Ihr langer, grüner Fischschwanz löste sich auf Bauchhöhe auf, einzelne Schuppen liefen ihre Seiten hinauf, bis zu den kleinen, spitzen Brüsten. Ihre Haare waren lang und schwarz, ebenso ihre abgrundtiefen Augen. Der Teil an ihr, der menschlich war, sah den Zora gar nicht unähnlich. Dieselben spitzen Züge, stromlinienförmig, wunderschön. Ihr Mund war etwas schmaler, zwischen ihren Fingern glänzte Schwimmhaut.
Und dennoch war da etwas Fremdes an ihr, etwas Kaltes, dem Link intuitiv misstraute.
Link schüttelte leicht den Kopf, um sich an seine Aufgabe zu erinnern. Und dann fiel ihm auf: „Ihr wisst bereits...?“
König Zora lachte leicht. „Das Meer und die Seen haben viele Augen und Münder. Und alle unterstehen meinem Befehl.“
„Wisst Ihr auch“, begann Link zu sagen, verstummte aber.
Das Lächeln auf den Lippen des Königs verschwand, und er nickte. „Ja. Es sind furchtbare Nachrichten. Aber komm, setz dich zu uns – holt einen Stuhl!“, rief er den Wachen zugewandt zu. Ein Schemel aus Koralle wurde für Link zum König und seiner Frau gestellt, direkt gegenüber der Nixe, die noch immer kein Wort gesagt hatte. Link zögerte einen Augenblick, fühlte sich unwohl mit dieser Situation, setzte sich dann aber an die Seite der Königin, die er mit einem Nicken begrüßte – und dann erst sah, dass sie ein Bündel in den Armen hielt.
Link musste fragend geguckt haben, denn die Königin lächelte. Ihre Augen waren heller, als Link sie in Erinnerung hatte. Wie ihr Gatte trug sie als einzige Zora Kleidung, ein weites Kleid aus weichem Stoff, das in denselben Farben schimmerte wie ihre Haut und ihre fast durchsichtigen Flossen.
Als Link den Zora vor einiger Zeit mit der Wasserverunreinigung geholfen hatte, waren alle sehr besorgt um das Wohl ihrer Königin, die kurz vor der Niederkunft gestanden hatte. Soweit Link das komplette Geburtsritual verstanden hatte, musste die Königin dafür unter Wasser sein – nicht denkbar zu dieser Zeit. Sie hatte Schmerzen gehabt und ihr Zustand wurde immer schlechter. Jetzt saß sie da, erhaben und schön wie eh und je, völlig gesund, und hielt ihr Kind im Arm.
„Unser Nachkomme“, sagte König Zora stolz und legte seiner Gattin die Hand auf die Schulter. „Du kommst gerade rechtzeitig. Er hat gerade erst Arme und Beine bekommen.“
„Sie werden als Quappen geboren“, sagte Königin Zora sanft und schlug das Tuch etwas auseinander, um Link das Kind zu zeigen. Es hatte tatsächlich noch einen kleinen Schwanz, wie ein junger Frosch, und kleine Arme und Beine... Selbst für ein Kind einer anderen Rasse als seiner eigenen fand Link es erstaunlich hübsch. Es hatte kleine, schwarze Augen, mit denen es ab und zu blinzelnd aufblickte, schien aber ansonsten ruhig an der Brust seiner Mutter zu schlafen. „Wir haben ihn gestern das erste Mal aus dem Wasser genommen. Jetzt lernt er, auch Luft zu atmen.“
Link wusste nicht recht, was es treffend zu sagen gab. Er entschied sich für: „Ich bin erleichtert zu sehen, dass sich hier alles zum Guten gewandt hat.“
König Zora nickte andächtig, besann sich dann seiner Position und sagte: „Nun gut, aber wir haben dringende Angelegenheiten zu klären. Die Prinzessin ist verstorben, das Land gerettet, soviel weiß ich. Nun Link – was bringt dich zu mir? Sicherlich nicht nur die Botschaft darüber. Wenn doch tut es mir leid, dass du den Weg umsonst gekommen bist.“
„Nein.“ Link schüttelte den Kopf. „Tatsächlich ist es so, dass...“ Er zögerte kurz. „Es ist so, dass ich glaube, dass die Seele der Prinzessin noch nicht verloren ist und ich sie zurückholen kann“, sagte er dann, ohne groß um die Sache herumzureden.
König Zora machte kurz große Augen, dann sagte er etwas zu seiner Frau, das Link nicht verstand, sie nickte und verschwand aus dem Thronsaal. Aarja allerdings saß noch immer am Bassin, den Fischschwanz im Wasser, und starrte vor sich hin. Ob sie seine Sprache nicht sprach? Aber der König hatte sie ja auch angesprochen.
„Zurückholen?“, sagte der König nach einer langen Pause. „Ich glaube, dass das nicht möglich sein wird.“
„Ich bin weit gereist und habe viel erlebt“, sagte Link kühl. „Ich habe so manches gesehen, das ich nicht für möglich gehalten habe.“
König Zora sah ihm in die Augen. Link hielt seinem Blick stand, und irgendwann seufzte der König, erhob sich und ging auf und ab. „Wie stellst du dir das vor? Jemanden zurückholen...“
„Impa riet mir, Euch aufzusuchen“, sagte Link und erhob sich ebenfalls, froh, eine Entschuldigung dafür zu haben. „Wir wollen noch geheim halten, was passiert ist, bis ich weiß, ob ich die Prinzessin aus dem Reich der Mahre befreien kann.“
König Zora nickte und setzte sich langsam wieder hin, starrte lange vor sich hin. „Das Reich der Mahre“, seufzte er. „Wie beim Trigestirn ist das möglich. Wie kann jemand wie die Prinzessin... Ein schlechter Streich, sehr schlecht.“
Link spürte seinen Mut sinken, als er zusah, wie König Zora dort auf seinen Thron saß, die Schultern eingesunken, mit den Fingern auf den Armstützen trommelnd. Er starrte lange einfach nur vor sich hin.
„Link“, sagte er, „ich weiß es nicht. Ich kenne viele Legenden über das Reich der Mahre, wenngleich mein Volk ein anderes Schicksal ereilt nach einem unrühmlichen Leben. Natürlich gibt es ein oder zwei Geschichten, dass jemand entkommen konnte. Aber du weißt, wie das mit den Legenden dieses Landes ist. Es gibt so viele, manche widersprechen sich, andere versteht man erst, wenn man alle kennt.“
„Die meisten Legenden über unser Land kenne ich, seit ich klein war“, sagte Link mit ernstem Blick. „Damals hielt ich das alles für Märchen. Aber ich war klein und kannte die Welt nicht. Seit ich die Wälder verlassen habe, habe ich viel gelernt und manches, was hier als Märchen erzählt wird, mit eigenen Augen gesehen. Und daher weiß ich auch, dass in jeder Geschichte etwas wahres steckt.“
Er starrte König Zora so lange an, bis der seufzte und nachgab. „Ich weiß trotzdem nicht, ob du auf die Geschichten vertrauen kannst.“
„Jalhalla.“
König Zora und Link drehten sich beide überrascht um. Die Nixe Aarja hatte jetzt den Blick aus pupillenlosen Augen auf Link gerichtet und starrte ihn an. „Jalhalla“, sagte sie wieder. Link sah sich außerstande, etwas zu erwidern, aber die Nixe schüttelte den Kopf und setzte fort: „Der Herr über die Nachtschwärmer, der über das Schattenreich herrscht und somit auch über das Reich der Mahre.“
„Jalhalla?“ Link probierte den Namen aus. Er kam ihm so bekannt vor, aber er wusste nicht woher.
„Bist du schwer von Begriff?“, fuhr die Nixe ihn an. Link war überrascht, wie viel Temperament sie auf einmal besaß, nachdem sie all die zeit nichts gesagt hatte. „Ich denke, du willst dein Liebchen zurückholen. Nimm Haltung an, schau nicht so dumm, deine Vorfahren würden sich schämen!“
Link schluckte und besann sich. „Wo finde ich Jalhalla?“, fragte er, ohne nachzuhaken, was sie mit seinen Vorfahren gemeint haben könnte. Wie alt wurden Nixen eigentlich?
„In der Gespensterwüste“, kam die Antwort etwas hochnäsig.
„Beim Wüstenkoloss?“
„Nein, gefährlicher, viel tiefer hinein.“
Link wurde etwas mulmig. „Beim Richtergrund?“, fragte er. Er hatte nur von diesem schon lange verlassenen Gefängnis gehört, das am äußersten Rand des Landes lag, viele Tagesreisen hinein in die Wüste. Vom Wüstenkoloss aus hatte er die Türme weit, weit in der Ferne blitzen sehen können, aber nicht gewagt, so tief in die Wüste vorzudringen. Er war erfahrener Wanderer, hatte schon weite Teile Hyrules und des Umlandes bereist, viel gesehen, vieles überstanden. Aber das...
„Noch viel tiefer ins Land der Geister hinein“, sagte Aarja und klang, als würde sie genießen, Link so zu verunsichern. „Dort gibt es einen See, der eine Oase speist. Manche deiner Vorfahren haben geglaubt, dort sei gar das heilige Reich.“ Sie lachte, als sei das völliger Unsinn. „Einige meines Volkes leben dort. Und manchmal Jalhalla.“
„Manchmal? Es ist also nicht sicher, dass er dort sein wird?“ Link beschlich das Gefühl, die Nixe wolle ihn nur in sein Unglück locken.
„Soweit ich verstanden habe, ist das deine einzige Chance.“ Aarja legte kokett den Kopf schief. Link war sich sicher, dass sie mit ihm spielte. Er war kurz davor, sein Schwert zu ziehen und alles, was sie wusste, aus ihr heraus zu zwingen, aber er beherrschte sich.
„Kannst du mich hinbringen?“, fragte er nur.
Sie wirkte doch eine Sekunde lang überrascht. Dann grinste sie. Ihre Zähne waren klein und spitz, was ihr Lächeln alles andere als freundlich erscheinen ließ. Sie nickte.
König Zora seufzte und sagte: „Ich werde dir ein paar meiner Männer mitgeben, falls–“
„Nein“, unterbrach Link. „Ich gehe allein.“ Er ging immer allein.
König Zora bedachte ihn unzufrieden, aber er kannte den jungen Held. Und er wusste um seine Fähigkeiten. Seufzend gab er nach. „Wie du willst, Link. Aber bitte erlaube mir, dir etwas Ausrüstung schenken zu dürfen.“ Da wiederum zögerte Link nicht lange, und der König wies ihn an, in der Halle zu warten. Aarja nahm einen der Wasserwege und tauchte schon auf, als Link noch die steilen, glitschigen Gänge hinunterbalancierte. Sie sah ihm amüsiert zu und Link machte sich eine mentale Notiz, dass er ihr nicht über den Weg trauen durfte, ganz egal, was passierte. „Sieht unpraktisch aus“, kommentierte sie, als sie die Arme am Ufer des Bassins abstütze und ihm zusah.
„Was?“
„Beine.“
Link war neben ihr angekommen. „Versuch mal, dich an Land zu bewegen“, entgegnete er, was sie verstummen ließ. Damit war er zufrieden.
Ihm wurde etwas Ausrüstung von einigen Wachen gebracht, sein Köcher wurde aufgefüllt, ebenso seine Flaschen, außerdem ein paar Flossenschuhe und Handschuhe mit Schwimmhäuten. Link nahm sie dankbar entgegen und tauschte sie gegen seine Schuhe und Handschuhe aus. Er hatte beides schon einmal benutzen dürfen, als er den Zora vor einiger Zeit geholfen hatte. König Zora hatte ihm angeboten, beides zu behalten, aber Link gab sie dankbar zurück und hatte nur das Tuch behalten, das ihn unter Wasser atmen ließ.
So ausgerüstet sollte er Aarjas Schwimmkünsten jedenfalls in nichts nachstehen. Sie benahm sich hochnäsig und Link gönnte ihr keinen Triumph.
Sie wollten sich schon auf den Weg machen, als die Königin zu ihm trat. „Link“, sagte sie und fasste ihn an der Schulter. „Bitte, nimm dies. Es ist nicht so heldenhaft wie die Geschenke meines Gatten, aber ich hoffe, dass du auf der Suche nach der Prinzessin trotzdem davon Gebrauch machen kannst.“ Sie reichte ihm ein gefaltetes Tuch aus dünn gewebten Stoff, das es war halb durchsichtig, so filigran gearbeitet war es. „Ich habe es selbst gemacht“, erklärte die Königin, „aus dem Seidenfaden eines Arachnos. In den dunkelsten Stunden deiner Reise soll es dich warm halten.“
Link nahm das Tuch dankend an und verstaute es in einer seiner Gürteltaschen. Er war sich nicht sicher, ob ein so dünnes Tuch tatsächlich Wärme spenden konnte, aber es wog nichts und er wollte kein Geschenk der Königin höchstselbst ablehnen. Beobachtet von ihr und einigen Wachen zog er sich das Zoratuch über Mund und Nase, grüßte ein letztes Mal mit einem Kopfnicken, dann sprang er ins Wasser und tauchte Aarja hinterher, die vorausschwamm.
tbc.
Sorry für die extrem lange Wartezeit. Aber aufgegeben ist es nicht. ^^;