Ich sammele gerne Achievements ohne ein übertriebener Completionist zu sein und finde, dass hinter dieser Mechanik viel mehr schöne Effekte als nur ein sinnloser, kurzer Dopaminschub stecken können.
Vorab: Die wohl sinnlosesten und aufwändigsten Dinge in Videospielen für 100 % habe ich übrigens Nintendospielen getan, die keine Achievements bieten. Dazu zählen z.B. die 60 Geisterseelen in Twilight Princess, 100 Gold-Skulltulas sowohl in Ocarina of Time als auch Master Quest oder alle Trophäen in Super Smash Bros. Melee. Alles Spiele bedeuten mir jedoch enorm viel, Letzteres war sogar zehn Jahre lang mein Lieblingsspiel und alles davon ist noch zu einer Zeit entstanden, in der ich wenige Games besaß, während heute alle meine Spielebibliotheken überquillen und das Auswahlparadoxon sich bemerkbar macht. Da war es nur natürlich, dass irgendwann der Reiz zu diesen persönlichen 100 % kam, die in keiner Ingame-Liste vorgegeben waren.
Achievements sind für mich wie eine Art zeitliches Tagebuch, das sich während des Spielens von ganz alleine schreibt. Für mich ist es immer wieder schön auf Xbox, PlayStation oder Steam einfach meine Spieleliste zu öffnen und direkt auf den ersten Blick zu sehen, wie viele % der Achievements ich einst ergattert habe. Gerne klicke ich dann auch ein bestimmtes Spiel an und sehe z.B. "Kapitel 1 beendet am Tag X, Kapitel 2 am Tag Y, Durchgespielt am Tag Z" usw. und dann denke ich kurz einen Moment an diese Zeit zurück. Was habe ich in diesem Monat/Jahr sonst noch erlebt, wie ging es mir in der Zeit, als ich das Spiel gespielt habe usw. Außerdem erkennt man an den Uhrzeiten und Abständen, ob man das Spiel an 1-2 Tagen durchgesuchtet oder zwischendurch längere Pausen eingelegt hat. Insbesondere wenn ein Game bei mir nicht sofort Klick macht, erkenne ich in der Liste, dass ich eine Trophäe in 2021 hatte und dann die nächsten in 2025 und denke mir "Wow, ist das schon wieder vier Jahre her? Ich dachte es wären zwei gewesen!"
Noch schöner wird das, wenn Freunde das Spiel auch gespielt und ihre Achievements auf öffentlich oder zumindest für Freunde einsehbar gestellt haben, Letzteres ist auch meine bevorzugte Option. Dann kann man nämlich nicht nur direkt vergleichen, ob es Unterschiede in der Sammlung gibt, sondern auch sehen, wie schnell der andere es gespielt hat und ggf. daraus schließen, wie viel Spaß es der Person gemacht hat. Ich möchte mich nicht mit irgendwelchen Tryhard-Godgamern aus dem Internet vergleichen, die eh alles besser als man selbst können, aber bei meinen Lieblingsmenschen ist das schön.
Wer Achievements gar nicht mag, kann auf sämtlichen Plattformen die Benachrichtigungen deaktivieren, dann fühlt man sich, als gäbe es keine. Wer nicht mag, dass man seine Erfolge einsehen kann, der sollte in den Profil-/Privatsphäre-Einstellungen dies auf Freunde oder Privat stellen, falls nicht standardmäßig geschehen.
Meine zwei größten Positivbeispiele sind übrigens Halo Reach und Little Nightmares II, da beide Spiele jeweils Achievements dafür geben, wenn man (sehr gut) versteckte Eastereggs findet, auf die mindestens 95 % der Spieler sonst nicht gestoßen wären. Klar, dass man dann teils die Anforderungen im Internet nachlesen muss, aber diese Szenarien sind oft so charmant, liebevoll oder witzig, dass es dann zu schön ist sie selbst zu erleben. Gerade bei Halo Reach sind die Anforderungen zum Finden teils absurd oder auf Multiplayer beschränkt. Wenn man dann mit z.B. mit einem spaßigen Warthog-Rennen als Minispiel belohnt wird, dann ist es das jedoch total wert. Bei Little Nightmares II reicht theoretisch auch eine YouTube-Zusammenfassung, da die Eastereggs normalerweise keine spielerische Komponente mit sich bringen.
Auch erinnere ich mich sehr gerne an meine ersten 100 % Achievements, genauer gesagt die Platin-Trophäe in Dead or Alive 5 Last Round. Bekanntlich mit Abstand mein liebstes Fighting-Game mit sehr einstiegsfreundlichem Kampfsystem. Für alle Trophäen musste man u.a. für einen Charakter der eigenen Wahl alle Kombos in der Trainingshalle ausführen und das war teils so schwer, dass ich bei vielen Figuren wieder kapituliert hatte. Aber bei Rachel hab ich es nach stundenlangen Versuchen endlich geschafft und ja, ich bin auf den Knien jubelnd durchs Zimmer gerutscht. Einfach schön für die Erinnerung und das Game werfe ich bis heute regelmäßig an, ohne auch nur eine dieser monstermäßig schweren Kombos zu verwenden, he he.
Als ich meine PS4 frisch gekauft hatte, hab ich auch einmal gesündigt und mir für ca. 1,50 € zwei Games (Slyde und My Name is Mayo) gekauft, die sich jeweils in wenigen Minuten platinieren ließen. Das kam seitdem nicht wieder vor, aber ich musste es selbst ausprobiert haben, um überhaupt zu merken wie bekloppt die Aktion doch war. Aus Fehlern kann man lernen.
Achievements für Collectibles mag ich übrigens gar nicht, da diese oft keinen spielerischen Mehrwert für mich haben. Das Problem trifft eigentlich schon auf Collectibles an sich zu und weniger auf die Achievements, die dafür verliehen werden. Wenn mir am Ende nur noch eine handvoll fehlt und diese schnell über die Kapitelauswahl nachgeholt werden können, kein Problem. Wenn man aber alle in einem Rutsch sammeln und das Spiel neu beginnen muss, no way! Bei The Medium, Detention und Still Wakes the Deep ist es tatsächlich passiert, dass ich nur eine einzige Sache nicht eingesammelt hatte. Bei den ersten beiden wären es sogar die 100 % gewesen. Ich denke nicht, dass ich die Spiele zeitnah nochmal zocken werde und wenn, dann garantiert nicht mit Guide. Im Gegenteil, ich erhoffe bis dahin alles wieder vergessen zu haben und das Spiel quasi wie neu erleben zu können.
Was ich wiederum ganz gerne mag sind kleinere Herausforderungen, bei denen man sich absichtlich und völlig freiwillig einschränken muss. Bei Zelda machen viele Leute einen 3-Herzen-Run, das ist schon recht schwierig, aber manchmal gibt es auch kleinere Dinge nur für einzelne Kapitel oder Kämpfe, z.B. Megaolfs Zitat "bei einem Kampf nur mit den Arschbacken anzugreifen", die wirklich Spaß machen können. Bei Half-Life 2 gibt es einen Erfolg, wenn man Ravenholm nur mit Gravitron durchspielt. Das ist diese hammergeile Waffe, bei der man sämtliche Gegenstände zu sich zieht und wieder mit Wucht wegstoßen kann. Nicht nur ist dieses Konzept nahezu einzigartig, sondern das Level auch mein liebstes im Spiel. Plötzlich guckt man sich überall viel besser um, um zu überprüfen, was man zu sich ziehen kann und was nicht. Natürlich hab ich das mit großem Vergnügen gemacht, mehrere Headcrabs auf einmal mit Kreissägen geköpft oder Fässern geplättet und wäre von alleine wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen so zu spielen. Schließlich hat man noch ganz andere Waffen im Inventar, die auch genutzt werden wollen und an vereinzelten Stellen sicherlich effektiver gewesen wären. Aber normale Waffen gibts in jedem Shooter, das Gravitron eben nicht. Da schadet eine kleine extrinsische Motivation keinesfalls, im Gegenteil.
Bis heute werfe ich regelmäßig einen Blick in Achievement-Listen und nehme gerne einige mit, die ohne großen Aufwand oder Änderung meines persönlichen Spielstils erreichbar sind. Ich freue mich zudem immer, wenn man dadurch auf Ecken des Spiels aufmerksam wird, die man sonst übersehen hätte oder innovative Denkanstöße auf freiwilliger Basis erhält. Der Tagebuch-Effekt ist jedoch mein absolutes Highlight, das ich sehr genieße.
Xbox Gamerscore: OVER 70.000
PlayStation Platin Trophäen: 23
Steam 100 % Achievements: 59 Spiele
Steam durchschnittliche Komplettierung aller Games: 59 %