Beiträge von Vince

    Als Zoltan viele Jahre nach diesem Tag auf dem Sterbebett lag, kam ihm immer noch keine rationale Erklärung dafür in den Sinn, was an diesem Ort um Anya und ihn herum passiert war. Er war sich jedoch ziemlich sicher, dass nicht immer, wenn zwei Menschen sich ihre Liebe gestanden, ein spirituelles Schauspiel um sie herum stattfand. Gewiss, sie sollten gemeinsam noch viele wunderliche Dinge erleben, die über ihren menschlichen Verstand hinausgingen, doch das sind Geschichten für einen späteren Zeitpunkt.


    Nun saßen Anya und Zoltan also da und genossen ihr junges Glück. Und Zoltan war immernoch überwältigt von diesen Eindrücken. Aber das Wichtigste in diesem Moment war: Anya erwiederte seine Gefühle, und sie würden den kommenden Weg gemeinsam bestreiten. Viel zu schnell holte sie ihn zurück in die Realität.

    Es ändert aber alles nichts daran, dass ich... dass wir zum Stall müssen. Ich bin meinen Eltern zumindest schuldig, ihnen all das zu erklären. Wenn ich das hinauszögere, wird Tom ihnen das Leben zur Hölle machen.

    Sie ließ die Schultern sinken, und Zoltan drückte sie an sich, während sein Blick in die Ferne schweifte. Er hatte für diese Lage durchaus Verständnis. Er wusste nun einmal zu gut um Anyas Pflichtbewusstsein, welches sich so oder so Bahn brach. Das dämmt jedoch nicht seine Wut auf ihre Eltern. Sie waren bereit, ihre einzige Tochter - ein menschliches Wesen - wie einen billigen Teppich an einen so gut wie fremden Mann zu verschachern, bloß, um sich ein Dach über dem Kopf und ihr Ansehen zu erhalten. Vielleicht steckte mehr dahinter und sie waren nicht die kaltherzigen Bestien, die er sich ausmalte, sondern gewissermaßen selbst nur Opfer der Umstände. Daher lag die Lösung für ihn so gut wie auf der Hand.

    Deine Eltern müssen sich aber um nichts sorgen. Wir können sie zu Hogbert schicken. Oder nach Kakariko. Nach allem, was du geleistet hast, werden sie dort mit Kusshand aufgenommen!

    Anya schüttelte resigniert den Kopf.

    Stell dir das nicht so einfach vor. Mein Vater... es wäre möglich, dass er sich insgeheim für mich freut. Aber meine Mutter.... diese Gemeinschaft ist ihr Leben. Sie kennt nichts anderes. Sie wird weinen, sie wird mich beschimpfen, sie wird mir Vorwürfe machen. Und ich kann es ihr nicht einmal verdenken. Ich breche mit einer uralten Tradition. Das wird sie nicht so einfach hinnehmen. Darum... halte dich bitte erstmal im Hintergrund, wenn wir dort ankommen. Das wird schwierig genug, da müssen wir ihr dich nicht auch noch direkt unter die Nase reiben. Du verstehst das doch, oder?

    Zögerlich nickte Zoltan.

    Jaah.... macht Sinn. Aber wenn du mich brauchst, wenn dieser Tom dir zu nahe kommt, dann...

    Anya warf ihm einen halb verärgerten, halb belustigten Blick zu.

    Hör mal, nur, weil das zwischen uns nun geklärt ist, musst du nicht den männlichen Beschützer spielen. Ich kann immernoch sehr gut auf mich selbst aufpassen, klar?

    Zoltan seufzte.

    In Ordnung. Tu mir.... nur einen Gefallen. Wenn ich mich falsch verhalte und dich verärgere, sag es mir. Ich bin einfach nicht so gut mit Menschen, und das mit uns... ist nunmal eine Nummer größer. Ich will mir Mühe geben, kein kompletter Trottel zu sein, aber... er wedelte hilflos mit der Hand umher. Anya schenkte ihm ein Lächeln.

    Schön, du Holzkopf. Dann sei einfach kein kompletter Trottel. Ganz selten gelingt dir das bereits ganz gut...

    Sie sahen sich an, und ihre ohnehin nicht weit voneinander entfernten Gesichter kamen sich noch näher. Und noch näher. Und...


    Verzeiht's wenn ich eich störe, dröhnte eine tiefe Stimme hinter ihnen. Aber I bins dadsächlich gekomma, um eich hier abzuholn. So ungern I eichs auch unterbrech, aber mei Alde hat heit a Launen, die watschts mi über die Berge, wenn I zum Abendessen ned zuhaus' bin. Seid's also bereit?

    Wastl blickte sie erwartungsvoll an. Anya und Zoltan, die von seinem jähen Erscheinen erschrocken auseinandergefahren waren, warfen sich einen Blick zu, in dem alle frustrierten Seufzer dieser Welt lagen. Nun, dann würde dieser Moment eben auch noch warten müssen.

    Neee... ein plötzliches Ableben von Tom könnte ja durchaus den Verdacht auf Anya lenken und alles nur schlimmer machen. Da wird sich schon eine elegantere Lösung finden lassen, zumal Tom zwar kacke ist, aber Zoltans Meinung nach dafür nicht sofort den Tod verdient hat... :D

    Die Heftigkeit von Anyas Ausbruch rührte etwas in Zoltan, was er gerade eben erst hatte in sich vergraben wollen. Hätte er zu einer anderen Zeit in einer anderen Welt gelebt, hätte er seine Gedanken und Gefühle in diesem Augenblick mit einer Fahrt auf der Achterbahn verglichen. So kam er ihrer Bitte, sie weiterhin festzuhalten, nur allzu gern nach. Zum Teufel mit seiner Schroffheit, seiner Reserviertheit, seiner Unnahbarkeit. Wenn er Anya nicht für immer verlieren wollte, musste er sie endlich wissen lassen, wie es in ihm aussah. So, wie sie ihm mehrfach zu verstehen gegeben hatte, wie es in ihr aussah. Aber bisher war er zu stur, zu begreifen, was sie von ihm wollte. Er löste sich nur so weit aus ihrer Umklammerung, um ihr in die Augen blicken zu können.

    Da draußen glücklich werden? Ich wusste bevor ich dich getroffen habe nicht einmal, was glücklich sein ist. Der Gedanke, wieder dort hin zu müssen, während du für diesen Kerl die Socken wäscht und seine Kinder großziehst, macht mich krank. Vielleicht bin ich egoistisch. Vielleicht betrüge ich dich um ein normales, sicheres Leben, wenn ich dir sage, dass du dich gegen deine Eltern, Tom und ihre Bräuche wehren sollst, um bei mir bleiben zu können. Aber ich kann nichts dagegen tun, dass ich so empfinde. Ich habe durch dich endlich einen Platz in dieser Welt gefunden. Daran zu denken, diesen Platz aufzugeben... dich aufzugeben... das ertrage ich nicht. Das weiß ich jetzt. Ich kann dich nicht zwingen, dich von diesem Brauch loszusagen, wenn auch nur ein Teil von dir tun möchte, was von dir verlangt wird. Aber ich kann dir sagen, dass es mich zerstören würde. Und es tut mir leid, dass wir erst an diesen Punkt kommen mussten, damit ich dir endlich sage, was ich dir schon gestern oder in dieser Nacht am Fluss hätte sagen sollen... und dass ich dir zeigen kann, dass ich es auch genau so meine.

    Er atmete tief durch. Er zwang sich, weiterhin in Anyas Augen zu blicken. Sein Denken raste durcheinander, und er wusste nicht ob das, was er als nächstes sagen würde, alles verschlimmern oder ihm - ihnen beiden - die Erlösung bringen würden. Er fühlte sich wie ein Mann, der auf eine Klippe zurannte, um blindlings in das tiefe Wasser weit, weit unter ihm zu springen. Dem aber nichts anderes als dieser Sprung übrig blieb, weil hinter ihm ein wildes Feuer tobte.

    Ich liebe dich.

    Als Anya den Moment beendete, sich abwandte und ihn aufforderte zu packen, war etwas in Zoltan erneut zerbrochen. Sein Hochgefühl war verloschen. Er hatte einen letzten Versuch unternehmen wollen, Anya zu zeigen, dass die Welt größer war als ein Eheversprechen. Dass er an ihrer Seite bleiben wollte, um diese Welt zu sehen. Doch es hatte nicht genützt. Nichts, was er jetzt noch sagte oder tat, konnte Anya von ihrem Vorhaben abbringen. Sie wollte Tom heiraten. Dieses ganze Gerede von Ehre und Tradition... Geschwätz. Vielleicht, um ihn nicht vor den Kopf zu stoßen. So klein beizugeben würde jedenfalls nicht zu einer Frau passen, die noch vor wenigen Tagen dutzende Banditen mit Händen und Füßen abgewehrt hat. Nein, Anya hatte sich ausgetobt, und nun würde sie - wie sie es ausgedrückt hatte - ihr freies Leben beenden. Und damit wäre auch er aus ihrem Leben gestrichen, denn noch etwas war ihm bewusst:

    Wenn er sich wie ein halbwegs anständiger Mann verhalten wollte, würde er keinen weiteren Versuch unternehmen, sie aufzuhalten. Er würde sie zum nächsten Stall begleiten, ihr Lebewohl sagen, und dann....

    Dann wäre sein Leben wieder wie vor all den Monaten. Er wäre ein Reisender ohne Heimat, ohne Namen, ohne Freunde. Er würde zurückkehren in das Nichts, aus dem er gekommen war. Anya wäre nur noch eine Erinnerung, so wie er für sie eine bleiben würde.

    Zoltan hatte nie gewusst, dass ein Mensch so viel fühlen konnte, wie er gerade fühlte: Trauer, Wut, Hoffnungslosigkeit. Was immer sich da am letzten Abend im Wald abgespielt hatte, es war jetzt bedeutungslos. Zur Hölle mit geisterhaften Stimmen, die ihm Dinge versprachen, die nie geschehen würden.

    Nein, sich jetzt noch an Anya zu klammern, um ein gewisses Idyll aufrecht zu erhalten, wäre zwecklos. Er würde wie eine Witzfigur neben ihr herschleichen und von keinem Nutzen sein, während sie im Geiste ihre nächsten Tage und Jahre an der Seite eines Mannes plante, der ihr als Kind versprochen wurde, und den sie jahrelang nicht einmal gesehen hatte.

    Er sprach keib Wort, während sie ihre Habseligkeiten packten.

    Wozu machen wir das eigentlich?, fragte er.

    Lassen wir es hier einfach liegen oder verbrennen es. Du kannst ja behalten, was du brauchst. Ich bin mit dem zufrieden, was ich am Körper habe.

    Er wollte sich nicht anmerken lassen, wie verletzt und gedemütigt er war, doch aus jedem seiner Worte tropfte Bitterkeit. Er klang wieder ganz wie der Zoltan, den Anya einst kennenlernte. Und der würde er bleiben, schwor er sich. Es schmerzte einfach zu sehr, jemanden an sein Herz zu lassen.

    Vielleicht hätte er nicht zögern sollen bei Anya. Vielleicht hätte er tun sollen, was sie von einem Mann erwarten mochte - die Initative ergreifen, anstatt wie ein Wolf um sie herumzuschleichen und darauf zu warten, dass ein Bissen für ihn vom Tisch fiel.

    Ohne eine Antwort vn ihr abzuwarten, lief er in Richtung der Wehrmauern, um nach dem Orni Ausschau zu halten.

    Ja gut, Hyrule ist schon ein heißes Pflaster in der Zeit nach der Verheerung. Aber fände es trotzdem ein wenig seltsam, wenn da jetzt jeder konsequenzenlos tun und lassen kann, was er will. Ich weiß, jetzt bin ich wieder der Arsch, weil ich was zu meckern habe, aber ich dachte nur, dass man sich da so ein bisschen auf das Worldbuilding einigt :D

    Lel, wie geil das wäre. "Hab neulich in Duisburg so 'nem Typen den Kopf abgeschlagen, jetzt kommen wir in die Kneipe nicht mehr rein. Aber sonst alles gut, wir chillen jetzt in Düsseldorf."

    Ich mische mich ja so ungern in eurer Spiel ein, aber ich lese halt interessiert mit. Öhm, fällt das nicht irgendwie auf die Gruppe zurück, dass Eve da so unschuldige Leute grausam abschlachtet? Eure Truppe, die da durch Hyrule wandert und sich zunehmend einen Namen macht, ist eh nicht gerade unauffällig. Da wird doch irgendwie irgendjemand Rechenschaft dafür fordern, dass da so ein armer, im Weg stehender Kerl einfach so entzweigehackt wurde? :z11:

    Wenige Stunden, nachdem Hella die bsorgniserregende Nachricht des Orni erhalten hatte und die Dunkelheit sich über den Stall gesenkt hatte, tat Tom, was er jeden Abend tat: Er saß mit seinen zwei besten Freunden und Feldarbeitern Petrek und Golja bei einer Karaffe Wein (auf die für gewöhnliche etliche mehr folgten), an einem Tisch in der Mitte des großzügigen Raumes, den sie in den wenigen Wochen des Aufenthaltes hier zu "ihrem Tisch" erkoren hatten. Er war heute besonders guter Dinge: Hella hatte ihn aufgesucht und ihm berichtet, dass sie einen Brief nach Anya geschickt hatte, mit der unterschwelligen Aufforderung, sie möge sich endlich wieder der Sippe anschließen und auf ihren zukünftigen Gemahl - ihn - treffen. Dieses Luder hatte ihn weiß Gott lange genug warten lassen - zog kurz vor der Vermählung von dannen, um als Händlerin die Welt zu bereisen. Und ihre Eltern, diese leichtfüßigen Trottel, ließen sie ziehen. Natürlich, im Dorf von Tabanta konnten sie sich einen gewissen Lebensstandard erlauben und waren so schnell auf eine Mitgift nicht angewiesen - doch nun konnte Tom deutlich spüren, wie diese klapperige alte Schnepfe von Hella darum buhlte, noch ein wenig Zeit zu verschaffen, um seine Angetraute heranzuschaffen und selbstverständlich davon zu profitieren. Und nun sollte es endlich so weit sein.


    Zugegeben, die Kleine hatte es ganz gut geschafft, ihn in seinem Stolz als Mann anzugreifen. Als junger Bursche hatte er sich wenig daraus gemacht, dass dieses rothaarige Ungeheuer einst seine Frau werden sollte - Tradition war Tradition, und so nahm er es einfach achselzuckend hin, als sein Vater ihm eines Tages stolz verkündete, er würde die junge Dorfschönheit zur Gemahlin bekommen. Als sie beide dann ins heiratsfähige Alter kamen, begriff er die Tragweite all dessen - Anya hatte sich von einem Wildfang, der scheinbar nur aus Knien und Ellenbogen bestand, zu einer ansehlichen Frau entwickelt. Himmel, diese Titten!, hatte er oft gedacht, bevor der Tag der Vermählung näher rückte. Doch dann war sie verschwunden. Und er wurde darauf vertröstet, dass sie lediglich ein wenig umherreisen würde, die Welt kennenlernen, bevor sie ihren Pflichten als Frau nachkommen würde.


    Ein Jahr verging, dann zwei. Nach fünf Jahren bekam er regelrechte Wutanfälle, wenn er darüber nachdachte, wo sich dieses Miststück rumtreiben mochte - ohne ihm zwischenzeitlich auch nur eine kurze Nachricht zu schicken. Nun, nach acht Jahren, platzte ihm der Kragen. Fast täglich suchte er Bjarne und Hella auf und erinnerte sie daran, dass es dringend an der Zeit wurde, dass er sich vermählte und Nachfolgen zeugte - und dass es ihre Pflicht war, dafür zu sorgen, bevor er ihre armseligen Ärsche mithilfe des Einflusses seines Vaters an die Luft setzte. Doch dann schien sich das Blatt ein wenig zu wenden. Im Dorf wurde es zunehmend unsicherer, und der Rat beschloss, die Siedlung aufzugeben und vorerst am nahegelegen Stall der Orni zu residieren, bis sich eine Lösung gefunden hatte. Tom hatte getobt wie ein Wahnsinniger. Wie ein Zigeuner sollte er, Sohn des größten Bauern des Dorfers, in einem Zelt umherreisen, während dieses verdammte Luder sich nicht sehen ließ und seinen Ruf als Mann ins Wanken brachte, indem er als Junggeselle darben musste?


    Und nun saß er hier, umgeben von reisendem Pöbel, zusammen mit diesen beiden Idioten, und Anya ließ und ließ auf sich warten. Aber nicht mehr lange. Hella hatte ihm und seinem Vater ihr Wort gegeben, dass ihre Ankunft nahte. Einige Konflikte im Osten des Landes hatten sie aufgehalten. Zur Hölle mit Konflikten im Osten! Er wollte endlich, nach all den Jahren, bekommen, was ihm zustand. Er hatte seinem Vater sogar ein eigenes Zelt abgeschwatzt, in dem sie nach ihrer Ankunft mit ihm wohnen würde. Tom lächelte, und er sah dabei aus wie eine fette Kröte, die soeben eine saftige Fliege verspeist hatte. Oh ja, ein eigenes Zelt. Und dort würde es mit ihr erst einmal zur Sache gehen. Er hatte lange genug gewartet. Und er musste sich vergewissern, dass er vor der Hochzeit nicht die Katze im Sack kaufte, oder? Er lachte, und trank seinen Becher Wein in einem Zug leer, um direkt nachzuschenken.


    Seine beiden Gefährten grinsten zwangsergeben, warfen sich jedoch einen besorgten Blick zu. Sie kannten Tom zu gut, und diesem armen Mädchen würden schwierige Zeiten bevorstehen, sobald sie einen Fuß auf dieses Gelände gesetzt hatte.

    Sowohl der einsetzende Regen als auch seine unbequeme, lehnende Position waren es, die Zoltan nach wenigen Stunden Schlaf weckten. Es war immernoch mitten in der Nacht, und so beschloß er, ebenfalls die trockene Sicherheit des Zeltes aufzusuchen. Anya schien zu schlafen, doch warf sie sich unruhig hin und her. Er breitete ihre zerwühlte Decke über ihrem Körper aus, wagte es aber nicht, wie in den vergangenen Nächten drunterzuschlüpfen und so die Nähe ihres Körpers zu suchen. Was würde sie davon halten, wenn sie in wenigen Stunden aufwachte und ihn auf gebührendem Abstand liegen sah? Wäre sie erleichtert, dass er ihr die körperliche Distanz ermöglichte? Oder wäre sie verletzt, weil sie denken würde, er würde sie von nun an behandeln, als hätte sie eine ansteckende Krankheit? Letztlich entschloss er sich, sich einfach nur mit einer Armbreite zwischen ihnen neben sie zu legen, wandte ihr dabei aber den Rücken zu, um sich auf der Seite liegend selbst zu wärmen. Immer wieder dämmerte er weg, nur um sogleich vom hämmern des Regens auf dem Zeltdach oder eine jähe Bewegung Anyas wieder aus dem Schlummer gerissen zu werden. Irgendwann - vielleicht waren es Minuten, vielleicht Stunden - gab es neben ihm Bewegung. Er lauschte, wie Anya sich anzog und sich bereit machte, aus dem Zelt zu schlüpfen, stellte sich jedoch schlafend. Er hörte, wie ihre Schritte sich entfernten. Hatte ein menschliches Bedürfnis sie nach draußen getrieben? Oder versuchte sie ihre eigene Schlaflosigkeit mit Ertüchtigung zu kompensieren? Als sie nach einigen Minuten immernoch nicht zurück war, legte er sich auf Ersteres fest. Es brachte nichts, er selbst würde nun auch nicht mehr zu Ruhe kommen.


    Als er aus dem Zelt trat und in die regnerische Nacht blickte - der Himmel färbte sich allmählich grau vom Morgen - war sie nirgendwo zu sehen. Sie wird sich da draußen den Tod holen, dachte er besorgt... was ihn auf eine Idee brachte. Er hatte am Waldesrand einige Kräuter gesehen, aus denen sich vorzüglicher Tee brauen lassen würde. So machte er sich auf, diese zu sammeln. Da er bei Nacht die dunklen Gläser nicht zu tragen brauchte, wurde seine Suche erleichtert. Dennoch brauchte es eine Weile, bis er einige Kräuter und Gräser beisammen hatte, die eine vorzügliche Mischung abgeben würden. Als er zurück kam, saß sie bereits wieder unter der Zeltplane. Trotz umschlungener Decke zitterte sie, und die Lippen in ihrem blassen Gesicht waren bläulich. Dies bestätigte ihm, dass seine Idee gar nicht mal so verkehrt war.

    Ich koche uns einen Tee, verkündete er. Anya nickte nur, das sprechen fiel ihr in ihrem jetzigen Zustand offensichtlich schwer.

    Bald brannte das Feuer (der nächtliche Regen hatte dankenswerter Weise nachgelassen), und die im Wasser treibenden Kräuer entfalteten ihr Aroma. Als er befand, dass der Sud fertig war, schöpfte er zwei Becher mit dem heißen Gebräu voll, und "verfeinerte" es mit einem Schluck seines Schnapses. Dankend nickend nahm Anya ihren Tee und begann daran zu nippen. So saßen sie eine Weile schweigend da, trinkend und beobachtend, wie der Himmel im Osten allmählich heller wurde. Die Farbe war in Anyas Gesicht zurückgekehrt, und sie war sogar kühn genug, auch ihre Decke abzustreifen. Zoltan trank den letzten Schluck seines Tees und stellte den Becher beseite. Eine Idee ergriff von ihm Besitz.

    Komm mit, sagte er, stand auf und bot ihr seine Hand, um sie emporzuziehen. Sie ergriff sie.

    Wohin? fragte sie.

    Er lächelte. Eine Überraschung. Wir müssen nur ein klein wenig klettern.


    Minuten später standen sie nebeneinander auf eine der zerstörten Wehrmauern des Plateaus und beobachteten, wie die aufgehende Sonne Hyrule in ihr morgendliches Licht tauchte. Das Land erwachte nach der dunklen, ungemütlichen Nacht zu neuem Leben. Einmal mehr würde die Welt weiterhin für die Stunden des Tages ihren Lauf nehmen. Menschen, die ihrem Tagewerk nachgingen, Tiere, die auf der Suche nach Futter weiterzogen, Flüsse, die sich durch ihr Bett schlängelten und in irgendeinen Ozean mündeten. Trotz der Schlaflosigkeit der vergangenen Nacht fühlte Zoltan, wie sich etwas in ihm regte - neue Kraft. Neuer Mut. Die Dinge standen nicht zum besten, doch der erhabene Anblick vor ihnen ließen ihn hoffen, dass aus jeder Dunkelheit ein neuer Tag wie dieser geboren werden konnte. Er blickte zu Anya, welche von dem Naturschauspiel ebenso ergriffen zu sein schien. Sie bermerkte seinen Blick und fing ihn auf. Ein sanftes Lächeln legte sich um ihre Lippen.

    Danke, flüsterte sie, und das Wort war mehr auf ihren Lippen zu lesen als wirklich zu hören.

    Wie automatisch bewegte sich Zoltans Arm zur Seite, und er ergriff zögerlich Anyas Hand. Für den Bruchteil einer Sekunde schien sie die Geste ablehnen zu wollen, doch dann verschränkten sich ihre Finger erst zögerlich, dann fest mit seinen. Noch einmal tauschten sie ein Lächeln - diesmal war es das friedliche Lächeln zweier Menschen, die der Dinge harrten, die da kommen mochten.

    Dann widmeten sie sich wieder gemeinsam dem Sonnenaufgang über Hyrule.

    Als Zoltan nach - wie viel Zeit auch immer verstrichen war - zum Lager zurückkehrte, fand er Anya dabei vor, wie sie sage und schreibe zwei nicht eben kleine Steine stemmte. Und etwas daran tröstete ihn - sie schien nach ihrem voherigen Zusammenbruch ihren Kampfgeist zurückgewonnen zu haben. Und einmal mehr kam er nicht umhin, ihre Fähigkeit, sich innerhalb kürzester Zeit von jedem Schlag - körperlich oder seelisch - zu erholen.

    Großer Gott, dachte er. Dieser Kerl muss völlig irre sein, sie zu einer Ehe zwingen zu wollen. Entweder das, oder er scheint sie nicht sonderlich gut zu kennen.

    Eine Weile sah er ihr aus einiger Entfernung zu. Entweder hatte sie sein Kommen nicht bemerkt, oder sie ließ sich von seiner Abwesenheit nicht ablenken. Dann riss er sich jedoch aus seiner Träumerei zurück. Er stand hier herum wie ein Kartoffelsack und glotzte sie an! Also löste er sich aus seiner Starre und trat - wie es sich anfühlte, leicht unbeholfen - auf sie zu.

    He, grüßte er.

    Selber He, erwiederte Anya, ohne sich zu ihm umzuwenden.

    Was machst du da? Ernsthaft!? Plumper geht es nicht?

    Ich lese gerade ein spannendes Buch, kam es schnippisch von Anya zurück. Siehst du das nicht? Noch immer schien sie nicht gewillt, sich ablenken zu lassen.

    Naja, ich sehe schon, dass du..., doch weiter kam er nicht.

    Fang!, rief Anya plötzlich, und einer ihrer Steine flog auf ihn zu. Zwar ließen Zoltans ausgezeichnete Reflexe ihn den Stein auffangen, aber seine Überraschung ließ sich nicht vermeiden.

    Bist du irre!?, herrschte er sie an, konnte sich ein Lächeln aber nicht verkneifen.

    Ein bisschen. Aber nicht irrer als der Rest dieser verdammten Welt, oder? Mach schon, wirf ihn zurück!

    Okay... Zoltan kam ihrer Aufforderung nach, warf allerdings nicht zu heftig. Anya fing den Brocken mühelos wieder auf.

    Weichei!, lachte sie. Das geht besser. Hier! Sie scheluderte den Stein wieder auf ihn zu, diesmal fester. Er fing ihn an seiner Brust auf.

    Wie du willst!, entgegnete er, und stieß den Stein kräftig in ihre Richtung zurück. So ging es eine zeitlang hin und her.

    Warum genau machen wir das?, fragte Zoltan zwischen zwei Pässen.

    Weil es Spaß macht!, rief Anya zurück.

    Jetzt, wo du es sagst.... Und so setzten sie ihr seltsames Wurfspiel für eine weitere Weile fort.

    Okay, das reicht!, schnaufte Anya schließlich, und warf den Brocken beiseite. Verschwitzt ließ sie sich in der Nähe des Feuers zu Boden plumpsen, und Zoltan folgte ihrem Beispiel. Dabei bemerkte er, dass seine unberührte Schüssel mit dem Ragout noch dort stand. Natürlich war es inzwischen wieder eiskalt, aber dennoch - seit dem Morgen hatte er nichts gegessen, und so löffelte er es. Es war auch in diesem Zustand köstlich. Als er sein Mahl beendet hatte, saßen sie noch eine Weile schweigend nebeneinander. Schließlich nahm Zoltan seinen Mut zusammen.

    Hör mal... was ich vorhin sagte... dass ich mit dir zum Stall gehen werde... das habe ich so gemeint. Ich kann verstehen, wenn du es nicht willst, weil das nunmal eine sehr persönliche Sache ist... aber du musst das nicht allein tun. Wir finden eine Lösung! Das ist alles nicht rechtens, das ist... Anya unterbrach ihn.

    Zoltan, bitte. Ich will heute nicht mehr darüber reden. Ich will heute gar nicht mehr reden. Dieser Tag war... in jeder Hinsicht ein Desaster. Ich bin müde. Lass mich über alles schlafen. Wenn die Welt morgen anders aussieht... Sie strich flüchtig über seinen Unterarm, und diese kleine Geste erleichterte ihn. Zwischen ihnen war noch nicht alles zerbrochen. Sie war nicht zerbrochen. Sie schenkte ihm ein kleines Lächeln.

    Bleib noch wach, wenn du möchtest. Ich werde schlafen wie ein Stein, es stört mich nicht. Ich wette, du kannst es kaum erwarten, deinen Schnaps und deine Zigarette zu genießen?

    Nun musste auch Zoltan lächeln.

    Erwischt. Ich brauche nur meine...

    Anya streckte sich in ihr Zelt und reichte ihm das gewünschte Utensil.

    Tasche, vollendete sie seinen Satz.

    Ja, Tasche, bestätigte Zoltan, und für einige Sekunden blickten sie sich im Schein des Feuers in die Augen, bis Anya sich ins Zelt schob.

    Gute Nacht, murmelte sie.

    Gute Nacht, erwiederte Zoltan. Dann verschwand Anya ganz im Zelt, und Stille umgab ihn. Er lehnte sich an den nahegelegenen Baum, und eine ganze Weile verbrachte er damit, in den Sternenhimmel blickend zu rauchen und gelegentlich einen Schluck aus seiner Flasche zu nehmen.

    Ich sollte wirklich ein wenig kürzer treten mit dem rauchen und trinken, dachte er. Sei es Anya zuliebe, falls irgendeine Hoffnung auf eine Zukunft besteht... falls.

    Er schaffte es noch, die Flache und den Tabakbeutel sorgfältig in seiner Tasche zu verstauen, bevor er einschlief. Er bemerkte nicht mehr die niedergehende Sternschnuppe über den fernen Zwillingsbergen.


    Der Stall der Orni ist vielen Hylianern bekannt als ein Ort der Begegnungen - unweit von den Toren des Dorfes des gefiederten Volkes gelegen, findet hier täglich kultureller Austausch statt - insbesondere musizierende Orni, die mit ihrer Kunst ihr täglich Brot verdienen, locken Freunde der Unterhaltung von nah und fern herbei. Ein dichter Forstbestand macht diesen Gasthof auch zu einem wichtigen Punkt für den hylianischen Holzhandel - die gute Befahrbarkeit der hierherführenden Routen lassen das Geschäft blühen und sorgen somit für den Großteil der Einnahmen. Erwähnenswert ist auch der üppige Beerenwuchs, der dem Stall den Ruf einbringt, eine der besten Konfitüren Hyrules anzubieten - sofern man bereit ist, für derlei Gaumenfreuden ein paar Rubine mehr auf den Tresen zu legen. Doch nicht nur Reisenden, Händlern, Feinschmeckern und Musikanten bietet der Stall Unterkunft - auch haben sich die Bewohner des östlich gelegenen Tabanta-Dorfes in Zelten ringsherum angesiedelt, um den unruhigen Zuständen im nördlichen Hyrule zu entfliehen. Aller Multikultur zum Trotz bleiben diese jedoch eher unter sich und pflegen ihre über Generationen gelebten Bräuche.


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    Mit wachsender Unruhe erwartete Hella die Rückkehr des Orniboten, den sie mit ihrem Brief an Anyanka betraut hatte. Sie hatte das Gefühl, dass sie sich mit der Aufforderung, ihre Tochter möge nun endlich heimkommen, ein wenig zu lange Zeit gelassen hatte - es erschien ihr mit jedem Jahr unwahrscheinlicher, dass sie überhaupt jemals gedachte, zurückzukehren. In keinem ihrer Briefe hatte sie je auch nur angedeutet, ihre Reisen abzubrechen und ihrem Versprechen nachzukommen. Und genau dies war es, was sie so enorm beunruhigte - denn mit der Zeit barg Anyas Abwesenheit, ihr Streifzug durch das ganze Land, eine Gefahr für dieses Versprechen - die Gefahr, dass sie einen Mann kennenlernen würde und somit mißachten würde, was sie ihrer Familie schuldig war. Und nun hatte Hella es nicht mehr hinauszögern können. Denn auch Tom hatte längst das Mannesalter erreicht, und er und sein Vater machten allmählich deutlich, dass es langsam an der Zeit für die versprochene Vermählung war. Sie seufzte. Ehrlich gesagt mißfiel ihr, wie sich Tom entwickelt hatte - mit seinen 25 Jahren war er, obwohl ein fleißiger und aufrechter Arbeiter, immernoch das verwöhnte Kind, das die anderen herumschubste und mit dem Wohlhaben seines Vaters prahlte. Sie wusste, wie störrisch Anya sein konnte, und sie wusste, welche Erwartungen der junge Mann an seine Zukünftige hatte - ihre abenteuerlichen Reisen wären nichts mehr weiter als Erinnerungen, der Rest ihres Lebens würde beinhalten, das Heim und die Kinder zu hüten. Doch sie wusste, dass ihre Tochter, wenn die Umstände es erforderten, sich mit einer Situation arrangieren konnte. Dies gab ihr die Hoffnung, dass sie ihre Pflicht erkennen und ihrem Ruf folgen würde. Denn seit sie das Dorf verlassen hatten, waren ihre Lebensumstände mehr als bedauerlich. Das Zelt war alles andere als wohnlich, und dazu dieser ständige Lärm vom Stall! Wenn alles so lief, wie es sollte, dann würde nun also Anya Tom ehelichen, und dieser konnte ihnen ein besseres Leben ermöglichen. Wenn...


    Gnädige Frau? Die jähe Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Ohne dass sie es bemerkt hatte, war der Ornibote, den sie geschickt hatte, auf sie zugetreten. Er deutete eine Verbeugung an.

    Ich bin erfreut, Ihnen mitteilen zu können, dass ich Ihre Tochter antreffen konnte und sie bei bester Gesundheit ist. Obschon sie sich an einem sonderbaren Ort aufhält - Sie haben vom Vergessenen Plateau gehört?

    Natürlich hatte sie das. Sonderbar war es allerdings - vor 50 Jahren wurde dieser Ort von der Verheerung völlig zerstört, unbewohnbar gemacht und obendrein unzugänglich. Was verschlug eine Händlerin, wie Anya es sein wollte, an diesen verlassenen Ort? Sie legte die Stirn in Falten.

    Was tut sie dort? Soweit ich weiß, gibt es dort keine Menschenseele. Dieses Mädchen und ihre Flausen...

    Der Orni lächelte leicht.

    Es scheint, als würde sie dort... Urlaub machen. Wie Ihnen sicherlich zu Ohren kam, war sie jüngst in die Unruhen in den Dörfern von Necluda verwickelt. Wahrlich beeindruckende Geschichten! Nun, jedenfalls hält sie sich mit jemand anderem, der an ihrer Seite kämpfte, dort auf. Ein junger Mann namens Zoltan. Kann ich annehmen, dass sie ihn kennen?

    Die Worte trafen Hella wie ein Schlag. Anya! An diesem verlassenen Ort! Mit einem Mann! In ihr schrillte eine Alarmglocke. Ihr schlechtes Gefühl schien sich zu bewahrheiten.

    Nein, ich kenne ihn nicht! Und ich verlange zu wissen, was sie dort mit ihm treibt! Ist sie mit diesem Mann etwa... liiert?

    Der Bote zuckte mit den Schultern.

    Bei allem Respekt, Gnädigste. Mein Beruf ist es, Briefe zuzustellen und Grüße zu übermitteln. Nicht, meine Kundschaft über ihr Liebesleben auszufragen. Nun, vielleicht kann Ihre Tochter Ihnen diese Frage demnächst selbst beantworten. Wenn Sie mich nun entschuldigen...

    Mit einer weiteren Verbeugung machte er sich von dannen.

    Hella zitterte. Bleib ruhig, redete sie sich ein. Vielleicht waren dort auch noch andere Leute, die der Bote nicht gesehen hat. So muss es sein. Anya würde nicht wagen...

    Würde sie das wirklich nicht? Wer konnte ihr garantieren, dass sie nicht ihre Pflicht vergessen hatte? Dass sie nicht mit diesem Kerl liiert war? Vielleicht - bei allen Göttern! - von ihm in Umständen war?

    Welche Blamage, welche Schande das wäre... sie brauchte einige weitere Momente, um sich zu sammeln. Warte erst einmal ab. Noch ist sie nicht hier. Vielleicht... ja, vielleicht erwartet sie inzwischen schon selbst sehnsüchtig die Hochzeit. Himmel, sie ist mittlerweile erwachsen und weiß, dass ihre Träumereien keine Zukunft haben!

    Fürs Erste konnte sie sich davon überzeugen, dass Anyas haarsträubendes Abenteuer im fernen Necluda der Abschluss ihrer Reise war, dass sie anstandslos - und vor allem allein - heimkehren würde. Ja. So wird es kommen. Ganz sicher.


    Hella hätte wissen müssen, dass es so ganz sicher nicht kam.


    Yuffie Ist es eigentlich möglich, dass ein Startpost nur NPCs beinhaltet?

    Hyro und ich würden am Stall der Orni gern schonmal Tom und Anyas Eltern ins Spiel einführen, damit wir sie auch schonmal "kennenlernen" können, bevor wir dann richtig mit ihnen interagieren, schließlich werden sie bald vorübergehender Bestandteil unserer Story, da hätten wir gern schonmal ein wenig Gefühl für ihre Charakteristika und Denkweisen :D

    Lange noch stand Zoltan da. Umarmte Anya, versuchte, ihren Schmerz zu lindern. Während in seinem Kopf nur ein Gedanke kreiste.

    Sie ist einem anderen versprochen. Gedanken, wie Anya, deren Willen durch eine uralte Familientradition gebrochen war, einen gesichtslosen Fremden heiratete. Ein anderer. Dieser Tom.

    Er wusste, wie stark Anya war. Wie einfach sie widersprechen konnte. Doch er wusste auch um ihre Loyalität. Wenn es ihr etwas bedeutete, dass ihre Eltern in Frieden in dieser Gemeinschaft von... inzüchtigen Schweinebauern weiterleben konnten, dann... würde sie sich dem vielleicht fügen. Vielleicht. Aber es war ein großes "Vielleicht". Bilder von Anya schossen durch seinen Kopf.

    Anya, als er sie zum ersten Mal leichtfüßig in die Taverne in Angelstedt tänzeln sah...

    Anya, wie sie ihn besorgt pflegte, nachdem er von den Yiga niedergeschossen wurde...

    Anya, wie sie ihm mit einem Lächeln auf den Lippen sein Frühstück in Hateno servierte...

    Anya, wie sie sterbend im Stall der Zwillingsberge lag.

    Und eine Stimme, die Stimme von Sebariell: Du liebst sie, oder?

    Anya, wie sie lachend mit ihm um die Wette zum Stall am Fluß lief.

    Anya, wie sie bei Regenschauer im Zelt an ihn gelehnt dasaß und ihre Geschichte - einen Teil davon - erzählte.

    Es wurde zu viel. Er konnte den Kloß in seinem Hals, die Tränen, die gegen seine verdeckten Augen drückten, nicht mehr ignorieren.

    Sanft schob er Anya von sich.

    Ich... ich muss mal kurz. Unpassender Moment, aber.. er lachte gekünstelt auf.

    Könntest du versuchen, das Essen nochmal aufzuwärmen? Etwas essen müssen wir trotzdem, weißt du? Ich... ich bin sofort zurück.

    Ohne ihre Reaktion abzuwarten, wandte er sich ab und stürmte in den Wald. Tiefer in den Wald, als er beabsichtigt hatte.

    Er nahm seine Sonnenblende ab und ließ zu, dass der Schmerz des Tageslichts sein verletztes Auge traf. Stechend. Unerträglich. Aber befreiend. Ein seltsames, warmes Gefühl breitete sich in seiner Magengrube aus. Tränen liefen über sein Gesicht. Nicht nur wegen des Schmerzes in seinem Auge. Auch Tränen ob des Schmerzes, dass er Anya an einen anderen Mann ob eines albernen Stammesrituals verlieren konnte.

    Warum? Warum jetzt? Jetzt, wo sie beide frei waren? Warum legte sich jetzt die nächste Schlinge um ihre Hälse?

    Zoltan wusste nicht, wie lange er da stand. Schluchzend, zitternd.

    Es geht hier nicht um dich, du Narr!

    Er fuhr herum. Wer hatte das gesagt?

    Wer ist da?, rief er in den stillen Wald hinein. Er glaubte, ein hohles Lachen zu hören. Spöttisch, aber doch... gutmeinend.

    Hör auf, dich zu bemitleiden. Tu, was ein Mann tut! Kämpfe! Aber dieses Mal nicht mit Waffen!

    Die Stimme schien aus der Richtung zu kommen, in die er sah... aber gleichzeitig von überall her. Es war seltsam. Seltsam war auch die plötzliche Ruhe, die sich um ihn legte. Behutsam setzte er seine Brille wieder auf.

    Wer bist du? Was bist du?, herrschte er die Präsenz im Wald an.

    Das geht dich nichts an, wie du so schön sagen würdest. Und nun, zurück mit dir! Sei ein Mann...

    Mit jedem Wort wurde die geisterhafte Stimme leiserer. Und Zoltan spürte... neuen Mut. Mut, den er an Anya weitergeben wollte.

    Mut, den er sonst nur verspürte, wenn er blutrünstigen Monstern gegenüberstand.

    Mut, der sagte: Versucht doch, an mir vorbeizukommen!

    Und mit diesem Mut kehrte er zum Lager zurück und schwor sich, dass weder dieser Tom noch Anyas Eltern sie jemals gegen ihren Willen zu etwas zwingen würden, was ihr Glück zerstörte.

    Und wenn er sein Leben dafür geben müsste. Als er sich wieder in Richtung Lager wandte, glaubte er, erneut das glucksende Lachen zu hören. Begleitet von einem Satz, der ihn erschauern ließ.

    Du bist nicht der einzige Mann hier, der bereit ist, sein Leben für eine geliebte Frau zu geben...

    Zoltan fuhr herum, doch wieder war niemand in Sicht, dessen Körper zu der Stimme gehören könnte.

    Zum Teufel, ich werde verrückt..., murmelte er.

    Doch er fühlte sich befreit. Als hätte er einen Heiligen Vater um Absolution gebeten.

    Nun, so weit war er davon nicht entfernt. Aber wie konnte er das wissen?

    Anyas nüchterne Feststellung, dass hinter den warmen Worten ihrer Mutter lediglich das Kalkül steckte, sie mit einem ihr nahezu unbekannten Mann zu vermählen, schockierte Zoltan. Er hätte diese Nebensatze, in denen es um diesen Tom ging, für nichts weiter als die naive Träumerei einer Mutter, die ihre Tochter in guten Händen wissen wollte, gehalten. Doch Anyas Blick sagte etwas anderes. Wut, Enttäuschung und Angst lagen darin. Er vermochte nicht zu sagen, welche Gedanken hinter welcher Emotion standen.


    Und ein Versprechen? Seit den Zeiten vor der Verheerung war es nicht mehr gang und gebe, zwei Menschen einander für die Ehe zu versprechen, und auch damals war so etwas eher am Königshof oder in anderen oberen Gesellschaftsschichten der Brauch. Ihr Gang zum Lager war nun von bedrückendem Schweigen erfüllt. Anya hatte ihm von Tom erzählt, ja, aber in ihren Worten war er nur ein rotznäsiger Bengel, den sie so gut es ging, gemieden hatte. Eine verblassende Kindheitserinnerung, mehr nicht. Und nun wartete dieser Tom (jedes mal, wenn er an diesen Namen dachte, ließ die Stimme in seinem Kopf ihn verächtlicher klingen) Anya zufolge darauf, dass sie ihre Reisezelte abbrach und zu ihrer Familie zurückkehrte, um ihm eine gute Ehefrau zu sein. Konnte man so etwas von Anya verlangen? Von Anya, die so lange für sich selbst in der Wildnis gesorgt hatte? Die so viel erlernt und erlitten hatte?


    Er wollte ihr Fragen stellen. Ob dies tatsächlich eine bindende Sache war, oder ob hinter diesen Worten vielleicht doch nur der Wunsch einer Mutter, ihre einzige Tochter wiederzusehen steckte - denn schließlich hatte sie die Kunde erreicht, was in den letzten Tagen in Necluda geschehen war, und wer darin verwickelt war. Doch Anya schritt stumm neben ihm her und blickte ihn nicht an. Vielleicht würde sie später reden wollen, doch dies schien nicht der Zeitpunkt zu sein. Und wie sollte er seine Fragen stellen, ohne dass aus jedem Wort die Eifersucht auf diesen ominösen Tom tröpfelte? Sein Unbehagen über diese neue Situation würden nicht unbedingt dafür sorgen, dass es ihr besser ging.


    Auch überdachte er noch einmal seine Reaktion auf ihr voheriges Gespräch. Sicher zu sagen, dass sie von seinen Luftschlössern nicht sonderlich begeistert war. Denn im Grunde liefe es fast genauso ab wie mit Tom: Sie würde ihr neues, aufregendes Leben an den Nagel hängen, um ein Haus zu hüten und morgens mit den anderen Frauen am Dorfbrunnen die Wäsche zu waschen. Nicht nächste Woche, nicht im nächsten Jahr, aber irgendwann. Und dieses irgendwann, so dämmerte Zoltan jetzt, war für sie immernoch in zu naher Zukunft. Sein Geschwätz hatte sie offenbar mehr verletzt als begeistert.


    Doch auch dieses Thema jetzt nochmal aufzugreifen, schien unangebracht. Durch seinen dummen Kopf schossen stattdessen nun zig Dinge, die er stattdessen auf ihre Gefühlsoffenbarungen sagen könnte. Zig Dinge, die er hätte tun können. Beim nächsten Mal... wenn es ein nächstes Mal gibt, du Narr!, giftete seine Kopfstimme darauf los.


    Sie hatten ihr Lager erreicht, und ohne darüber zu kommunizieren, suchten sie sich irgendwelche Aufgaben, die dort anfielen. Jeder arbeitete in der gedrückten Stimmung still für sich. Die Leichtigkeit der letzten Tage hatte sie vorerst verlassen, tausend Jahre schien es her zu sein, dass sie ihr kindisches Wettrennen zum Stall veranstaltet hatten oder mit klopfenden Herzen die Ruine der Zitadelle erkundeten. Zoltan hatte darüber philosophiert, dass mit ihnen als Menschen nun etwas passierte und sie... erwachsen wurden. Betrübt seufzte er. Wenn komplizierte Gespräche über Gefühle und Erinnerungen an halbvergessene Eheversprechen Erwachsen sein bedeuteten, wollte er damit vielleicht lieber doch nichts zu tun haben.


    Ohne es bemerkt zu haben, hatte er das Lager mehrmals auf- und umgeräumt, es erinnerte nun mehr an ein Musterbeispiel für das perfekte Reiselager als an ein Zelt, in dem zwei Menschen zeitwilig hausten. Er bemerkte, dass Anya fertig gekocht hatte und ein Ragout-Eintopf im Kessel vor sich hindampfte, doch sie schien ebenso wenig Apettit verspürt zu haben wie er: Sie stand einige Meter weiter an einem Teich und war damit beschäftigt, Steine über die Oberfläche springen zu lassen. Zum zweiten Mal an diesem Tag nicht sicher, ob seine Anwesenheit überhaupt erwünscht war, schritt er langsam zu ihr herüber.

    Anya hatte im Prinzip nur das ausgesprochen, was Zoltan in den letzten Tagen immer stärker aufgefallen war: Zwischen ihnen hatte sich etwas grundlegend verändert. Im Großen und Ganzen war diese Veränderung positiv, und doch... merkwürdig. Das zeigte allein diese Situation: Innerhalb weniger Stunden war die Stimmung zwischen ihnen von einem Extrem ins Andere geschwankt. Erst der feucht-fröhliche Abend am Lagerfeuer, der Streit am Morgen, und nun eben... das.

    Mir geht es genauso, erwiederte er schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit, in der er diesen komplizierten Gedanken nachhing. Anyas Gesicht, welches nach ihrer Ansprache Scham ausdrückte, entspannte sich wieder.

    Und ich bin froh, dass du gesagt hast, was du gesagt hast. Aber es ist gerade ziemlich viel auf einmal. Es kommt mir vor, als würde ich gerade erstmal lernen, ein Mensch zu sein. Nicht einfach nur zu funktionieren und zu überleben, sondern als könnte ich endlich Frieden finden. Er lachte kurz auf. Das muss albern klingen. Das wären passende Worte für einen alten Mann. Aber das bin ich nicht. Wenn ich es richtig anstelle, habe ich noch viele Jahrzehnte vor mir. Die Frage ist nur, wie ich diese Jahrzehnte fülle... oder mit wem ich sie fülle.

    Er wusste nicht wirklich, ob das eine gute Antwort auf das von ihr Gesagte war, oder ob er nur vor sich hinplapperte und seine Worte für sie keinen Sinn ergaben. Doch nun wurde ihm auch bewusst, dass sie sich nicht ewig hier oben von der Welt abkapseln konnten. Zwei jungen Menschen, die begierig darauf waren, das Leben von der besseren Seite kennenzulernen, würde es nicht gut tun, dies abgeschottet vom Rest der Menschheit zu tun. Was hätten sie davon, ihre guten Eigenschaften, ihr Potenzial, zu erkennen, dies aber nicht nutzen zu können, weil sie sich im Chaos der Gefühle zu sehr aufeinander einschossen?

    Er erläuterte Anya diese Gedanken, so gut er sie in Worte fassen konnte. Sie hatten sich langsam wieder in Bewegung gesetzt, in Richtung ihres Lagers. Im Gehen zupfte Anya nachdenklich an der Sehne des gefundenen Bogens.

    Jedenfalls, fügte er hinzu, hast du dich vorhin nicht lächerlich gemacht. Es fühlt sich gut an, wie sagtest du noch gleich? 'Deinen Weg mit dir zu gehen'. Und ich will gern herausfinden, wohin dieser Weg noch führt. Ich zumindest... möchte nicht durch die Wildnis streifen, bis ich alt und grau bin und irgendwo vor Erschöpfung zusammenbreche. Möglicherweise... finden wir irgendwann irgendwo einen Ort, an dem wir zur Ruhe kommen können. Wirklich zur Ruhe kommen, nicht bloß ein Streßabbau an einem Ort, der seit Jahrzehnten verlassen und verwüstet ist...

    Nun war er es, der sich ein wenig für seine Worte schämte. Es war eine Sache, mit Anya seine Gedanken und Gefühle zu teilen. Aber ihr anzubieten, mit ihm seßhaft zu werden - war das nicht ein wenig zu sehr vorgeprescht?

    Verdammt, dachte er. Ich muss so etwas wirklich noch lernen.

    In der Hoffnung, seine Verlegenheit zu verbergen, täuschte er Interesse an der umliegenden Landschaft vor.

    Ea erhöht sich einfach die Angriffsstärke deines Charakters. Das macht sich vor allem beim Senken der Schwachpunkt-Anzeige bemerkbar. Spiel mit einem Charakter auf Lvl50 einfach die ersten Schlachten noch einmal durch und vergleiche es damit, wie du dich vorher geschlagen hast.