Beiträge von Milhouse

    Kokon

    Habe ihn mir angesehen, weil Leute mitspielen, die ich kenne. Die Story ist ganz unterhaltsam und kein langweiliger Ripoff von Call Me By Your Name, die Jugendlichen dürfen Berliner Jugendliche sein und es ist kein Ausflug in den Menschenzoo wie bei Fack Ju Göhte. Das wars aber auch schon, ein paar Sachen sind wirklich nervig und kommen in dieser Form auch nur in deutschen Filmen so aufdringlich vor - Smartphone-Aufnahmen sind mit reingeschnitten (auf Hochformat im Kinofilm sollten generell schwere Strafen stehen) und die den ganzen Film über sichtlich gelangweilte Anja Schneider darf fragen, warum man heutzutage "auf Koran schwört". Ich habe gerade nachgesehen, die Regisseurin ist zehn Jahre älter als ich und kommt trotzdem mit "How do you do, fellow kids?" um die Ecke. Wenigstens die Smartphone-Nutzung an sich ist erfrischend organisch eingebaut, den Dialog "Willst du drüber reden?" - "Nee, ich hab schon ein Tutorial geguckt" fand ich ziemlich smart und von aufploppenden Nachrichten und schlimmerem Schund, wie man ihn z.B. aus How to Sell Drugs Online (Fast) kennt, bleibt man zum Glück verschont. Netter Film, wenn man mal wieder ein paar Euro in ein Arthouse-Kino stecken will, das seine Corona-Auflagen halbwegs ernst nimmt.


    Porträt einer jungen Frau in Flammen

    Wieder ein sehr guter Film aus dem letzten Jahr zum Abhaken. Adèle Haenel ist natürlich wunderschön und die Liebesszenen bestes französisches Kino. Der Film hat aber deutlich mehr zu bieten als die Romanze und er nutzt sein Genre des auf Frauenrechte bezogenen Historienfilms noch intelligenter als der von mir auch geschätzte Little Women von 2019. Am Schluss hat man sich eindeutig von Call Me by Your Name inspirieren lassen, aber auf eine clevere Art angepasst. Sounddesign generell der Hammer. Haenel, Merlant und Sciamma haben einen beeindruckenden Film umgesetzt.


    Chocolat

    Netter Klassiker, das auf YouTube zu findende Marketing dafür ist natürlich dreist irreführend, denn der Film zeigt stellenweise harten Tobak. Schön ist auch, dass der Film einen exzentrischen französischen Mikrokosmos abbildet, ohne so dermaßen debil wie die Welt der Amélie zu werden. Ob das daran liegt, dass es eine amerikanische Miramax-Produktion ist, darf aber bezweifelt werden, denn in der Szene, in der englischsprachige (!!) Flyer verteilt werden, habe ich laut geflucht. Bonuspunkte für Musik von Django Reinhardt.

    Knives Out

    Er ist wirklich sehr, sehr lustig und Chris Evans tut es wirklich gut, mal wieder nicht Captain America zu spielen.


    1917

    Ist den Hype definitiv wert. Diesen Film musste ich erst einmal verdauen. Der getrickste One-Take und die immens gut hergerichteten Schauplätze haben mich bis zum Schweißausbruch gestresst, aber auf eine gute Art. In der Nachtszene ist der Apocalypse-Now-Vibe dann perfekt. Allgemein passiert im letzten Drittel des Films in dem Chaos noch so viel Ruhiges, dass ich erst dahinterkommen muss, was der Film aussagen will. Vermutlich, dass der absolute Wahnsinn des Kriegs zwischen den Schützengräben nur darstellen lässt, wenn man unbarmherzig draufhält. Wenn ein Programm- oder auch nur das örtliche Unikino den zeigt, sollte man ihn sich unbedingt auf der Leinwand angucken, um sich so richtig hineinzustürzen und sich alle fünf Minuten schier einzupinkeln.

    Codename U.N.C.L.E.

    Merkt man eigentlich, dass ich in Armie Hammer verliebt bin? Nicht der beste Film von Guy Ritchie, aber es ist dennoch jammerschade, dass er wegen des schlechten Einspielergebnisses wohl keine Fortsetzung bekommen wird. Die Gadgets sind auf jeden Fall der Hammer; ich liebe ja Mythen über die Technologie des KGB und der UdSSR im Allgemeinen und hier liefert der Film absolut ab. Bonuspunkte dafür, dass er mir den in anderen Großproduktionen so stoischen Henry Cavill sympatisch gemacht hat (obwohl er mit gespieltem amerikanischem Akzent nur halb so viel Charme hat).


    Call Me by Your Name

    Ich habe ihn jetzt das zweite Mal gesehen und ab der Hälfte nur geheult. Wo ich ihn prätentiös und verkünstelt fand, habe ich unruhig und in Erwartung der nächsten Szene gezappelt. Sollte ich je ein Musikalbum aufnehmen, kommt auf jeden Fall ein Sample von dem Gespräch zwischen Elio und seinem Vater gegen Ende in die Tracks. Ich wurde gestern auf den Altersunterschied zwischen Elio und Oliver angesprochen und wie abstoßend sie sei. Das Problem sehe ich zwar, ich finde aber auch, dass der Film mit Olivers Verhalten dazu Stellung bezieht und wenn ich mir die Geschichten zum Beispiel meiner Eltern anhöre, wie es sich im Westblock in den 70ern und 80ern gelebt hat, sehe ich da keine Glorifizierung von Altersunterschieden, sondern schlichtweg eine Anerkennung dessen, welche Romanzen damals entstanden sind, auch wenn sie vom zeitgenössischen Kino weniger abgebildet wurden. Der Film macht ja auch nie einen Hehl daraus, dass, so schön die Liebe hier dargestellt ist, die Beziehungsgefüge völlig verworren sind und sich nie auflösen können, ohne dass irgendjemand ohne Kränkungen oder Verletzungen aus ihnen heraus kann. Ob problematic fave oder nicht, dieser Film ist mit Abstand der zärtlichste, schönste und romantischste Film aus den Zehnerjahren in meinen Augen.

    Little Women

    Ich paraphrasiere einfach mal, was ich meiner Perle am Handy geschrieben habe:

    Ich fand den Film toll, die kleinen Details an den Kostümen, die eben nicht komplett auf Elend oder aber britischen Adel getrimmt waren, sondern kleine, manchmal aus heutiger Sicht schäbig wirkende Bestandteile enthalten hat, wie eine amerikanische Familie vom Einkommen der Marchs sie sich hätte leisten können. Gestört hat dabei ein bisschen, dass die Akzente der Schauspielerinnen all over the place waren, Saoirse Ronan und Emma Watson sind mit ihrer Betonung aus der Sprachfarbe der Familie (!) ein wenig herausgefallen. Noch etwas, was aber eher persönlicher Bias ist, nachdem ich zuletzt eher Filme aus anderen Ländern gesehen habe, ist, das ein bisschen weniger Hollywood-Polish dem Film gut getan hätte.

    Die feministischen Aspekte der Vorlage finde ich genau mit der richtigen periodentreuen Intensität und all ihren Widersprüchen umgesetzt. Ich hatte ein bisschen Angst, dass hier im Grunde schon weit emanzipierte Frauen, die sowohl geistig als auch materiell ihrer Zeit um Jahrhunderte voraus sind, wie es ein bisschen bei Watsons Schöne und das Biest rüber kam, künstlich in Geschlechterkonflikte ihrer Zeit versetzt werden. Das war aber zum Glück nicht so, es war alles sehr authentisch, hat mit jeder der Töchter eine andere Dimension des Themas eröffnet und die Familienszenen und die Art, wie die Figuren miteinander umgehen, ist wirklich in jeder Szene herzerweichend. Wirklich ein sehr guter und vor allem schöner Film.

    The Gentlemen


    Guy Ritchie kanns noch und er ist im Londoner Gangsterfilm völlig zu Hause. Der Humor ist bitterböse und für meinen Geschmack sind einige Witze schon "drüber", aber das gehört gewissermaßen zum englischen Charme dazu. Der beste Charakter des Films und auch des Kinos seit Langem ist übrigens der Coach (Collin Farrell), ich muss eine Woche nach dem Gucken immer noch über diese Figur lachen.

    • Bester Film des Jahres

    1. Parasite

    Ich hatte schon nach einem groben Abriss des Plots gedacht, dass der Film sofort zum Klassiker werden könnte, aber wie er schließlich ausgegangen ist, hat mich um einige Stufen mehr zerstört als erwartet. Für den Film herrscht wirklich ansehpflicht, sowohl Cinematographie als auch Humor als auch Sozialkritik sind hier on point.


    2. Marriage Story

    Der beste Netflix-Film bisher, glaube ich. Ich habe den Film im Flugzeug auf meinem kleinen, zerbrochenen Handybildschirm gesehen und er hat mich trotzdem emotional mitgenommen. Wo einen der Film berühren will, da greift er wirklich durch und mir gefallen auch alle Figuren unheimlich.


    3. Mid90s

    Hätte nicht gedacht, dass mir ausgerechnet ein Film übers Skaten so gut gefällt, aber auch hier haben mich die zwischenmenschlichen Szenen noch lange nach dem Schauen beschäftigt. Jonah Hill kanns als Regisseur!


    Honourable mention: The Lighthouse


    • Beste Serie des Jahres

    1. Die sechs Hände der Rache

    Netflix hat hier still und heimlich einen absoluten Kracher ins Programm geschmuggelt. In diesem Fall ist das wenige Tamtam noch ärgerlicher als beim gnadenlos unterrepräsentierten Neon Genesis Evangelion, da es sich hier um ein Netflix Original handelt. Zombie-Kungfu-Western-Zombie-Mexploitation-Anime, was will man mehr?


    2. Sex Education

    Alles, was die Schauspieler sagen, ist 10000000mal lustiger, weil sie Engländer sind.


    3. The Witcher

    Ich hatte nicht damit gerechnet, aber die Serie hat mich gegen Ende doch abgeholt. Auch hier liegt es vor allem am britischen Charme, da ich immer noch nicht weiß, was genau die ganze Staffel über eigentlich vor sich gegangen ist.


    Honourable mention: Stranger Things


    • Flop Film des Jahres

    Star Wars IX: Der Aufstieg Skywalkers

    Ich wollte zuerst über Alita: Battle Angel schreiben, aber in dem Film hatte ich wenigstens Spaß (ebenso natürlich in CATS). The Rise of Skywalker ist dagegen ein Film, der mich wütender macht, je länger ich darüber nachdenke und dabei hat er einige sehr interessante Konzepte erkundet - nur eben halbherzig, zynisch, anbiedernd und mit maximaler Studiograpscherei. Während Marvel-Filme zwar zynische Studioproduktionen sind, aber immer wieder ihre lichten und großartigen Momente haben, zeigt Episode IX, dass Disney im Zweifelsfall, wenn dumme Schweine im Internet penetrant genug schimpfen und Filmbeteiligte doxxen, auf jede künstlerische Handschrift eines Regisseurs scheißen - selbst auf die des Regisseurs, der die Trilogie begonnen hat und das Chaos jetzt aufräumen muss, obwohl er es gar nicht will. Ausgerechnet Star Wars hat mir nachhaltig für das kommende Jahrzehnt die Franchise-Filme vergrault, so sehr regt er mich auf.


    • Flop Serie des Jahres

    Game of Thrones

    Man muss aber sagen, dass es ein typischer Fall von "so bad it's good" war, da diese Staffel wenigstens deutlich kürzer als die anderen war und im Gegensatz zu diesen endlich offen blöde. Was für eine Verschwendung von Geld, Arbeitskraft, schauspielerischer Leistung und einer literarischen Grundlage.


    • Most Wanted Film des Jahres 2020

    The Gentlemen

    Endlich wieder ein Gangsterfilm von Guy Ritchie! Also das einzige, was bei ihm wirklich Spaß macht, es sich anzusehen.


    • Bester Darsteller (Männlich)

    Adam Driver

    Driver ist schon seit Jahren einer meiner Lieblinge, aber dieses Jahr hat er den Vogel abgeschossen. In Marriage Story fand ich ihn ungeheuer berührend, auch wahnsinnig überzeugend als Vater (in der besagten Szene im Schlafzimmer, in der er seinem Filmsohn Dinge erklärt) und in Star Wars war er das einzige, was den ganzen Film über nicht kacke war.


    • Beste Darstellerin (Weiblich)

    Katherine Waterston

    Ich glaube, ich werde alt, denn sie fand ich letztes Jahr deshalb so toll, weil sie die Mutterrolle so überzeugend, aber auch voller Konflikte gespielt hat.


    • Beste Szene

    Die Szene aus The Irishman, in der

    Honourable mentions: Der große Streit in Marriage Story, die Szene im Schlafzimmer am Ende von Marriage Story, die Pfirsichtaktik in Parasite, das Ende von The Lighthouse, das Ende von Stranger Things, Leonardo DiCaprios Flammenwerfer in OUATIH, Avengers Assemble!


    • Bester Soundtrack

    El Camino

    Breaking Bad Mukke immer beste Mukke. Honourable mention für den fantastischen Einsatz von Musik in Parasite.

    Opening credits:

    Zugezogen Maskulin - Was für eine Zeit


    Waking up:

    Enter Shikari - Sorry You're Not a Winner


    First day at school:

    Periphery - Scarlet


    Falling in love:

    Baroness - Isak


    Fight song:

    The Ocean Collective - Mesopelagic: Into the Uncanny


    Breaking up:

    The Offspring - Genocide


    Prom:

    At the Drive-In - Pendulum in a Peasant Dress


    Life is good:

    Lamb of God - Redneck


    Mental breakdown:

    Bad Religion - American Jesus


    Driving:

    Sodom - Ausgebombt


    Flashback:

    Kylesa - To Walk Alone


    Getting back together:

    Empowerment - Unter meiner Haut


    Wedding:

    Zugezogen Maskulin - Vor Adams Zeiten

    Spalte den Salatkopf wie Leonidas einen Perserschädel / Bruder, fliegst du mal nach Sparta, dann sag, du hast mich kämpfen sehen


    Paying the dues:

    The Smiths - This Charming Man


    The night before the war:

    Shindy, Bushido & Haftbefehl - Stress mit Grund


    Final battle:

    Eminem - Lose Yourself


    Moment of triumph:

    Siouxsie and the Banshees - Spellbound


    Death scene:

    Boy Harsher - Pain


    Funeral song:

    Eisenfunk - Pong


    End credits:

    Iron Maiden - Aces High

    Meine Freundin hat zu viel Marie Kondo geschaut und ich zu wenig. Deshalb hat sie ihr gewaltiges Bücherregal ausgemistet und ich habe die Briefe aus dem Gefängnis von Rosa Luxemburg, Bolivianisches Tagebuch von Che Guevara, Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch von Alexander Solschenizyn und Jacobowsky und der Oberst von Franz Werfel abgestaubt.


    Eine Woche eher habe ich einen kleinen Medimops-Haul unternommen und Bescherelle - L'Art de conjuguer (ein sehr praktisches Französisch-Grammatik-Lernbuch), Les Belles Images von Simone de Beauvoir und Soumission von Michel mit dem unmöglich beim ersten Versuch richtig zu schreibenden oder auszusprechenden Namen gekauft, um mein Französisch ein bisschen zu pushen.

    Ich war vor einer Woche bei The Ocean Collective in Leipzig. Herod als Vorband waren ziemlich cool und brutal, Downfall of Gaia waren mir fast ein bisschen zu black, der Headliner war wesentlich besser, als ich das nach dem Doom Over Leipzig vom letzten Jahr erwartet hätte. Letztes Mal hatte der Sänger nen gebrochenen Arm in der Schlinge und die Jungs haben nen durch und durch abgekämpften Eindruck gemacht. Dieses Mal waren sie wieder komplett wild (also, so wild es geht, wenn du auf die 40 zugehst und in jüngeren Jahren Vergleichswerte wie "mit Instrument in der Hand crowdsurfen" gesammelt hast). Das Set war glaube ich das fetteste, das ich bisher bei einer Band erlebt habe, coolerweise auch mit sehr viel Material von Pelagial-Album. Was zu lachen gab es auch, als der Sänger für einen sehr geschreilastigen Part crowdsurfen wollte und die Leute, die ihn hochheben sollten (aus dem Stand, nicht beim Sprung von der Bühne, keine Sorge), nicht genug Kraft hatten. Wie immer also eine uneingeschränkte Empfehlung, dieser Band live zu sehen - ich hätte es um ein Haar nicht getan und hätte mords was verpasst!

    Komme gerade aus Captain Marvel. Der Film ist bei weitem nicht so ... sagen wir, irritierend, wie viele Kritiker tun, ich fand den Charakter von Carol Danvers nachvollziehbar und die Geschichte absolut in Ordnung. Brie Larsons Rolle ist tatsächlich sehr auf einem snarky popfeministischen Trip, dafür macht sie mit ihren Sprüchen über alte, weiße, männliche (hab ich beim Identitätenbingo was vergessen?) Kritiker ja auch gute Werbung, aber ich empfand es nicht als störend. Im Gegenteil waren diese Stellen von ihrer Seite recht subtil und haben zu ihrer Charakterentwicklung beigetragen. Der Endkampf war ein bisschen langweilig und Phil Coulson kam viel zu wenig vor, dafür gibts Abzüge. 7/10, grundsolides Marvelprodukt, aber eher auf dem Niveau von Homecoming und Ultron als von Dr. Strange oder Civil War.


    Vor Kurzem habe ich mir Alita: Battle Angel angesehen. Der war überraschend langweilig, dafür, dass ihn alle für seinen extrovertierten Anime-Charakter gelobt haben, aber vielleicht gucke ich dafür einfach zu viele Animes. Was er aber nicht war, ist ein schlechter Film - der Plot ist zwar ähnlich generisch wie bei Johanssons Ghost in the Shell, aber wesentlich persönlicher und das CGI ist wirklich, wirklich gut. Die Actionszenen können sich sehen lassen. Was der Film auch nicht ist: für Zwölfjährige geeignet, was soll der Mist? Entweder man lässt Robert Rodriguez seine Grindhouse-Freiheiten mit einer sehr gewalttätigen Vorlage, oder man lässt nicht mehr Menschenkörper zerschnitten zurück als die Star-Wars-Prequels zusammen. 8/10, hoffentlich macht James Cameron trotz des Kinokassenflops die klare Ansage: Ich kriege mein Alita-Sequel oder ihr keine Avatar-Filme mehr.

    Call me by your name

    Oh wow, ich bin gerade durch Noas Post wieder daran erinnert worden. Würde ich meine Liste für 2018 noch einmal schreiben, wäre der auf jeden Fall in meinen Top 3. Ich fand ein paar der Einstellungen zu gewollt artsy, aber die Anleihen bei "Die Reifeprüfung", die absolut authentischen Liebesgeschichten und die herzzerreißenden Blicke der beiden Protagonisten haben mich noch lange wachgehalten und ich hätte am Ende um ein Haar im Vorlesungssaal des Unikinos angefangen zu schluchzen.

    • Bester Film des Jahres

    3. Operation Finale

    Auf jeden Fall die Netflix-Produktion des Jahres und, in einem Jahr, in dem ich sooo viele Kracher verpasst habe, ein Film, der wirklich etwas in mir ausgelöst hat.


    2. BlacKkKlansman

    Erst macht es einen fast schon Tarantino-esken Eindruck einer bösen Komödie - ich muss unbedingt mehr von Spike Lee gucken - und dann schlägt einem das Ende mit voller Wucht in den Bauch. Das Hauptdarsteller-Duo ist Gold und ich fand es sehr witzig, herauszufinden, dass Laura Harrier sowohl hier als auch in Spider-Man: Homecoming mitgespielt hat.


    1. Avengers: Infinity War

    Der Hype war real und auf Blu-Ray wurde mir noch mal klar, wie unfassbar crisp und geil er noch dazu aussieht.


    • Beste Serie des Jahres

    3. Devilman Crybaby

    Netflix hat mächtig rausgehauen dieses Jahr, aber bei den Animes war dieser groteske Clusterfuck auf jeden Fall die Perle. Ultraviolence und japanische Freestyles, so muss es sein.


    2. Fauda

    Die zweite Staffel hatte gegen Ende schon einige Schwächen heutiger Serien, aber die emotionalen Tiefschläge waren real. Lior Raz wieder fantastisch, die Showdowns und Machtkämpfe mit dem Bösewicht auch.


    1. Daredevil

    Was soll man zu der Serie überhaupt noch sagen? Ein absolut brachiales Ende für Netflix-Marvels Kronjuwel. Eine Serie, bei der ich mich ausnahmsweise mal wieder in das nächstgelegene Textil gekrallt habe.


    • Flop Film des Jahres

    Solo: A Star Wars Story

    Re: Zu wenige Filme gesehen: Er konnte einfach nicht liefern, was er versprochen hatte. Oder eher: Genau so banal, wie man es erwartet hatte. Aber kein schlimmer Flop jetzt.


    • Flop Serie des Jahres

    Vikings

    Lawd pls end our suffering. Ich suchte es für die swaggy Söhne Ragnars natürlich immer noch, aber der Plot ist einfach völlig in der Belanglosigkeit abgestürzt und jeder Tod wird noch geschmackloser. Größte Sünde: Jennie Jaques so immens zu verschwenden.


    • Most Wanted Film des Jahres 2019

    Star Wars Episode IX

    Ja was denn sonst. Wehe, JJ setzt die grandiose Vorlage von Johnson in den Sand.


    • Bester Darsteller (Männlich)

    Donald Glover

    Lando Swagrissian. Man muss ihn einfach lieben.


    • Beste Darstellerin (Weiblich)

    Mélanie Laurent

    Fanboymodus aktiv: Es hat gut getan, sie mal wiederzusehen.


    • Beste Szene

    Der Flurkampf-Longtake in Daredevil Staffel 3. Ist kein Spoiler, weils so einen eh in jeder Staffel gibt. Charlie Cox hat fast alle Stunts selbst gedreht und das ist hier absoluter Zucker.


    • Bester Soundtrack

    Black Panther

    Kendrick Lamar feat. Ryan Cooglers bester Freund von der Filmakademie = $$$ Profit.

    Aquaman

    Er ist vielleicht nicht der beste Superheldenfilm aller Zeiten, das war Captain America: Civil War. Er war auch nicht der revolutionärste, das war der erste Sam Raimi Spider-Man. Er ist auch nicht der schönste, das war Dr. Strange. Der Film ist auch, wie der eindeutig als Inspiration dienende Black Panther, extrem überladen, ohne ansatzweise die Message des letzteren rüberzubringen. Aber kein Superheldenfilm war jemals so dermaßen Metal und wem bei den Seemonstern nicht das Pacific-Rim-Theme durch den Kopf ging, der hat sehr wenig Spaß am Leben. 7/10, hoffentlich wird James Gunns Suicide Squad 2 genau so geil.

    Tut euch was Gutes und schaut Operation Finale auf Netflix. Materialtechnisch 10/10, da es eine Verfilmung der realen Festnahme und Extraktion des nationalsozialistischen Massenmörders Adolf Eichmann aus dem argentinischen Exil durch Peter Malkin und co. ist. Casttechnisch 20/10, weil mit Oscar Isaac, Mélanie Laurent und Lior Raz (Hauptrolle in Fauda) drei meiner absoluten Lieblingsschauspieler am Start sind - und als Sahnehäubchen noch der gute Sir Ben Kingsley, der positiv damit überrascht, Eichmann nicht sympathisch zu verkörpern, sondern als widerwärtige Gestalt. Plottechnisch dann doch eher so 7/10, weil man eine reale Geschichte nur so weit über einen konventionellen filmischen Spannungsbogen strecken kann ... aber hey, das sind umgerechnet immernoch 12,3/10 Punkten!

    Ich habe den dritten Teil natürlich schon innerhalb eines schwitzigen Tages durchgesuchtet und kann nur eine eindeutige Empfehlung aussprechen - für alle drei Spiele. Die Story ist harter Tobak und trotz Anleihen aus Fantasy und Mythen wirkt sie nie clichéhaft, sondern in ihrem apokalyptischen Ausmaß immer extrem persönlich, was ich sehr wichtig finde bei so einem Telltale-ähnlichen Spiel. Das Kampfsystem und die Missionen haben über die drei Teile hinweg sehr kleine, schleichende Verbesserungen erfahren, im dritten Teil kommen jetzt einige Sonderfähigkeiten hinzu, die viel mit RNG arbeiten. Sowas ist Geschmackssache, das Spiel ist deswegen aber nicht irre schwer. Ich werde die Reihe sicher noch einige Male durchspielen, da es noch so einige Endings freizuschalten gibt und die auch angenehm unterschiedlich ausfallen.

    WhiteShadow:


    Habe mir gerade Solo: A Star Wars Story angesehen und wurde nicht enttäuscht. So ziemlich alle Fragen, die man über Han haben konnte, wurden erklärt und der Film ist alles andere als besonders oder weltbewegend, sondern einfach nur amüsant und voller kleiner Winks zu der klassischen Trilogie. Nur zwei Dinge haben mich gestört: Han war über den ganzen Film hinweg zu nett und nobel und ein Querverweis am Ende hat mich etwas aus dem Film geworfen.


    Bonuspunkte kriegt der Film aber für seinen MacGuffin, bei dem ich schon nach den ersten paar Sekunden des Films breit grinsen musste und der hoffentlich endlich mit einem großen Bullshit-Argument der Last-Jedi-Gegner aufräumt.


    7/10, so stelle ich mir meine jährliche Portion Star Wars vor.



    Davor habe ich in den letzten beiden Tagen die ersten beiden Teile von Der Pate angesehen. Kann sein, dass ich einfach zu übermüdet war, um den Filmen wirklich zu folgen, aber ich kam nicht wirklich rein in diese Filme. Die dreiste Überlänge dieser Epen ist auch heute noch eine Frechheit in Filmen (einer meiner großen Kritikpunkte an Filmen wie Infinity War, Last Jedi und ja, auch Solo, ich meine, 135 Minuten für ein Spinoff?!) und sie hat alles andere getan, als zu einem ordentlichen Spannungsbogen beizutragen. Sehr gut fand ich wiederum, wie im zweiten Teil die Parallelen zwischen Vito und Michael gezogen wurden und Marlon Brando und Al Pacino fand ich zwar nicht so extrem imposant, wie die Fanboys dieser Filme immer tun, aber sie sind trotzdem über jeden Zweifel erhabene Schauspieler und Mannsbilder. EDIT: Ich korrigiere: Ihre Ausstrahlung ist krass, aber Marlon Brandos Beteiligung an der extrem widerlichen Produktion von "Der letzte Tango in Paris" ist so ziemlich das polare Gegenteil von "über jeden Zweifel erhaben".
    Das Schlimmste ist, dass ich, als ich kurz in den dritten Teil reingeschaut habe, wiederum irritiert von der mir sehr viel gewohnteren Machart der 90er war, nachdem ich mich gerade an die sehr ruhigen 70er-Teile mit ihren langen Einstellungen gewohnt hatte. Es sind gute Filme, aber sie sind einfach unheimlich anstrengend und ich bevorzuge lieber simplere Filme, die dafür einen tighten Plot haben, als solche Familienepen. Hier gibts keine Bewertung, die Grund sollte bei so uralten, genreprägenden, aber für mich einfach nicht mehr greifbaren Filmen klar sein.



    EDIT 2: Habe mir heute in einem sehr kleinen, intimen Kino (50 Sitze) auf einer ebenso kleinen, aber breiten Leinwand Dersu Uzala angesehen (netterweise hat das Kinoteam den Titel der DDR-Veröffentlichung, den ich bisher benutzt habe - "Uzala der Kirgise" - korrigiert, der war nämlich gar kein Kirgise). Es ist eine Verfilmung des, wenn ich mich richtig erinnere, halb-dokumentarischen Buches von Wladimir Arsenjew über dessen Expeditionen in die sibirische Taiga, auf denen er den namensgebenden Waldläufer Dersu Uzala getroffen hat. Interessant ist, dass es eine japanisch-sowjetische Koproduktion vom Altmeister Akira Kurosawa war. Der Film ist aber sehr ruhig und erinnert gar nicht an Kurosawas Samuraifilme, sondern fängt trotz der begrenzten Technik in krassen Farben und breiten Aufnahmen die Schönheit der sibirischen Natur ein. Ich hatte einen sehr kitschigen Plot über diese Männerfreundschaft zwischen dem Hauptmann und einem "edlen Wilden" erwartet, aber auch hier war die Geschichte sehr organisch und sehr berührend. Besonders cool fand ich die Raumeinteilung in einigen Shots, das breite Format bietet sich für einige Anordnungen an, die mich an Citizen Kane erinnert haben. Sehr geil waren auch die Stunts in der freien Natur, besonders an reißenden Flüssen oder in Szenen mit einem echten Tiger frage ich mich, wie sie das 1975 umgesetzt haben. Hier fand ich die Länge von fast zweieinhalb Stunden überhaupt nicht störend, weil ich so gefesselt von der Expeditionsgeschichte war. 9/10, der Film ist wirklich sehr cool und zumindest einmal sollte man den auf sich wirken lassen.

    Oh krass, es ist schon zwei Wochen her, dass ich Avengers: Infinity War gesehen habe. Ich war wirklich überrascht und begeistert, wie gut sie all diese bunten Superhelden in so wenig Zeit unter einen Hut kriegen, habe gemerkt, dass Marvel-Musik unterm Strich doch extrem geil ist und ich würde ihn mir eigentlich gern nochmal ansehen. Es gibt jetzt nur ein, zwei Dinge, die wirklich unvorhersehbar waren, aber was versprochen wurde, wurde auch mehr als stimmig umgesetzt. Nur das Ende hat mich persönlich wahnsinnig enttäuscht, aber es kommt ja noch ein vierter Avengers-Teil.


    8/10 Gelungen, liefert absolut ab, das Ende habe ich mir wahrscheinlich selbst ein bisschen kaputtgemacht. Besser als die ersten beiden Avengers-Filme, trotz (glaube ich) anderer Bewertung von mir besser als Black Panther, nicht so gut wie die letzten beiden Captain-America-Teile.


    Gestern habe ich mir endlich mal Watchmen reingetan, der besonders amüsant ist, wenn man ihn schaut, nachdem man, wie ich, die letzten beiden Monate MCU-Filme inhaliert hat. Die Optik und die Höhepunkte sind immernoch top notch (habe den Comic nicht gelesen, kann also keine Vergleiche anstellen), es gibt da nur ein Problem. Die Dramaturgie des Films geht nämlich kreuz und quer, der Ablauf der Szenen fühlt sich eher an wie eine Kette von Assoziationen als wie ein geplanter Spannungsbogen - zugegeben, ich war beim Anschauen betrunken. Zack Snyder, lern endlich deinen Aristoteles. Trotzdem lohnt sich der Film gerade in unserer Zeit, in der ein Unternehmen mit dem Kapital eines kleinen ex-jugoslawischen Landes das Bild des Helden auf den Zeitgeist bringt, auch wenn natürlich der Biss fehlt, den Michael Moores Comic vor dem Ende des Kalten Krieges hatte. 6/10 Super für Genrefans.

    Black Panther
    Wird dem Hype definitiv gerecht, die haben mit ihrem Budget wirklich sehr viel in einen Film gepackt, ohne dass er zu unübersichtlich wird. Den relativ simplen und schon öfter in irgendeiner Form gesehenen Plot wertet der Antagonist Erik Killmonger extrem auf, meiner Meinung nach der beste Bösewicht im MCU bisher. T'Challa / Black Panther ist dafür leider ein eher langweiliger Protagonist, obwohl er in Captain America: Civil War noch einer der besseren Charaktere war. Vor allem auf die weiblichen Charaktere freue ich mich jetzt in Infinity War. Riesenspektakel, 50.000 Bonuspunkte für den Soundtrack von Kendrick Lamar.


    Logan Lucky
    Eine Perle, die letztes Jahr ein wenig untergegangen ist. Adam "Ben Swolo" Driver hat eine unfassbar lustige Rolle und auch Channing Tatum ist mit dem Südstaatendialekt in diesem Film irre charmant, aber die Show stiehlt definitiv Daniel Craig in jeder Szene. Wer Humor mit und über Rednecks mag, ist hier bestens bedient. Die kitschige Vater-Tochter-Story hat allerdings eher gestört und Tatums Charakter kaum weniger eindimensional gemacht.


    Shape of Water
    Pures Guillermo-del-Toro-Gold. Die Geschichte ist ziemlich simpel und ich hätte mir für den Wissenschaftler Bob mehr Hintergrunddetails gewünscht, aber der Film lebt von seiner Ästhetik und dem Charisma seiner Figuren und die sind zu hundert Prozent on point.

    Ich fand den Anime auch äußerst gelungen, wenn auch an einigen Stellen geschmacklos in der Darstellung - aber das ist ja schon dem gritty Ton des Originals geschuldet. Die Story war nachvollziehbar und interessant (auch, wenn man Ryo vielleicht etwas mehr Zeit vor dem Finale hätte einräumen können) und die Freestyles dope as hell. Die Optik hat mich leider in den Szenen mit wenig Action, insbesondere am Küchentisch, extrem unangenehm an die CDI-Zeldas Wand of Gamelon und Faces of Evil erinnert, abseits der ersten und der letzten Folge fand ich die Optik auch in Kampfszenen ziemlich grauenhaft. Dafür wären die guten Szenen extrem interessant anzusehen und der Mut zu etwas mehr Stilisierung ist der Produktion auf jeden Fall hoch anzurechnen. Na gut, und der Devilman-Run sieht genau so seltsam, befremdlich und abstoßend aus, wie er sollte. 7/10, angesichts der Kürze des Anime gibt es kaum ne Entschuldigung, den nicht zu gucken.