Manchmal kommt es mir vor, als hätten Videospiele für mich ihren Zauber verloren, als könnten sie mir nichts Neues mehr geben. Natürlich darf Unterhaltung auch einfach nur Unterhaltung sein, und selbst das hat seinen Wert. Doch mittlerweile bleibt des Öfteren ein leises Gefühl der Unzufriedenheit, als würde mir etwas Wichtiges fehlen. Das fällt mir vor allem auf, wenn ich neue Spiele ausprobiere, die ich noch nicht kenne. Oder doch mal wieder einen alten Bekannten anwerfe. Manche Comfy-Picks und Multiplayer-Spiele, die mich zum Treffen mit Freunden bringen, funktionieren weiterhin wunderbar. Es ist zum Glück nicht so eindeutig, dass ich diese Gefühle der Stagnation auch wirklich immer erwarten muss, und nun doch fühle ich mich einfach dazu darüber zu schreiben.
Also wieso ist das so? Wie kommt das vermutlich zustande? Ich denk es gibt mehrere Gründe die sich da zusammen tun.
Erstmal wird man zunehmend mit Videospielen vertraut. Man hat weniger blinde Erwartungen, man weiß wie Videospiele aufgebaut sind und was in ihnen enthalten sind. Diese Erfahrung kann einiges an Überraschung und Wunder nehmen, denn natürlich gibt es wiederholende Muster. Vor allem weil man auch Präferenzen entwickelt und man ironischerweise auch gern die selben Muster aufsucht, ob das jetzt ein Genre ist oder generell eine Art von Spiel. Nur schlecht wird man sich von dem Einfluss lösen können. Zumindest sehe ich da keine so gute Strategie für.
Dann kann man behaupten, dass Videospiele selbst stagnieren. Zumindest die Trends. Es gibt natürlich immer mal wieder kreative und neue Ideen, und vermutlich sind diese in absoluten Zahlen heutzutage schier reicher denn je zuvor. Aber oft werden sie dich nicht erreichen, weil sie in kleinen unbekannten Spielen vor kommen die du nicht mitbekommen wirst, viellleicht sind diese neuen kreativen Einflüsse in einem Spiel verpackt, dass dir ansonsten nicht gefällt oder wohlmöglich nicht mal gut ist. Oder sie sind ein nur so kleiner Snack, dass sie so schnell wieder verfliegen wie sie gekommen sind. Letztendlich referenzieren und standardisieren sich Videospiele so unglaublich oft, dass sich viele, trotz der vielen Möglichkeiten, komplett gleich anfühlen können. Das können Spielmechaniken, Steuerung, Menüführung, audiovisuelles Design oder Struktur sein. Und ich bin mir sicher, dass das einfach etwas mit einem macht.
Und jetzt kommt ein neuer Einwurf für mich: Ich finde die Technologie die sich um Videospiele entwickelt grundsätzlich einfach immer frustrierender. Von den Hardware-Preisen mal abgesehen, wenn man Videospiele spielen will ist die nächste Grube die man sich selbst gräbt immer die offensichtliche und leichte Wahl. Deine Daten werden verkauft, die Informationen werden gesammelt. Videospiele kannst du kaum noch kaufen und besitzen. Die Geräte sollen gefälligst genauso sein wie sie dir gegeben und verkauft werden. Tausende Doktorarbeiten wurden darüber geschrieben wie man dir möglichst viel Geld aus der Tasche verlocken kann mit möglichst wenig Selbstaufwand. Spiele die man als Kunstwerk ansieht verschwinden und kehren nie wieder zurück und das ganz wissentlich. Als Entwickler wird man von den dominantesten Firmen ausgebeutet und entlassen. "Soziale Medien" und allerlei Online-Features in Videospielen fördern meistens eher ein "kollektives Alleinsein" statt ein willkommenes Aufeinandertreffen. Und dabei schafft man es trotzdem Statushierarchien, Exklusion, Lügerei, Sozialer Neid und Leistungsdruck beizubehalten. Die größten und bekanntesten öffentlichen Personen sind meistens eher eine pure Katastrophe. Und K.I. ist nochmal eine ganz eigene Büchse der Pandora für sich.
Ich kann und WILL mich nicht solchen Dingen beugen. Mit jeder Entscheidung die ich in diesem Hobby fälle ist das eine Komponente über die ich nicht drüber hinweg sehen will. Das führt dazu, dass ich bei vielen technischen Lösungen auf Eigenlösungen setzen will, nicht nur bei Videospielen. Aber ganz ehrlich, manchmal wünsche ich mir einfach nur noch den Primaten im Urwald zurück.