Entscheidend ist die Region des eShops; wo die Konsole her kommt, ist egal. :)
(Sprich: Du bekommst das Spiel zum deutschen Release.)
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Arks Tagebuch Part 23
Dumbars Möwe brachte mich zurück nach Liotto, sobald ich nach meinem Ausflug ins Pinguindorf zu ihr zurückkehrte. Ich hatte das Gefühl, dass sie mehr als froh war, diese von Schnee und Eis beherrschte Einöde endlich wieder verlassen zu können.
Am liebsten hätte ich den Vogel gebeten, mich direkt am Tempel der Astarika abzusetzen, doch als ich bemerkte, wie erschöpft er bei unserer Ankunft in Südamerika war, brachte ich es nicht übers Herz, nach einem Flug über die Anden zu fragen.
Daher bedankte ich mich lediglich höflich bei dem ausgelaugten Tier und machte mich auf den Weg zum Hafen, um meinen ursprünglichen Plan wieder aufzugreifen und ein Schiff zu finden, das mich an die Westküste bringen würde.
Ich hatte erwartet, dass der Hafen wegen vermehrtem Tourismusaufkommen in der Karnevalssaisson besonders geschäftig sein würde, und war entsprechend ernüchtert, als ich die Docks bei meiner Ankunft größtenteils verwaist vorfand. Die meisten Hafenarbeiter schienen in der Stadt zu sein, um zu feiern, und der Großteil der Händler schien diesen Ausnahmezustand bei der Routenplanung zu berücksichtigen und Liotto in dieser Zeit nicht anzufahren.
Dadurch schrumpften meine Chancen, ein geeignetes Schiff zu finden, natürlich deutlich zusammen und ich nagte nervös auf meiner Unterlippe, als plötzlich hinter mir eine mir vage vertraute Stimme erklang: "Ark? Dich habe ich ja schon ewig nicht mehr gesehen!"
Überrascht wirbelte ich herum und entdeckte vor einer erstaunlich sauber wirkenden Hafenkneipe genau jenen Kapitän, in dessen Auftrag ich vor langer Zeit die Dämonen aus dem Nixenturm vertrieben und damit die Fischer der Region vor dem Ruin gerettet hatte. Als Dank für meine Leistungen hatte er mir versprochen, mich jederzeit überall hinzufahren.
Welch glückliche Fügung des Schicksals!
Ich winkte dem alten Seebären erfreut zu, während ich mich bemühte, zu begreifen, wieso Fortuna mir derzeit derart gewogen war.
Erst kaufe ich mein Mittagessen zufälliger Weise bei genau der Frau, die mir etwas über den Tempel erzählen konnte, der wahrscheinlich das Gebäude aus Ma-Jos Vision war, dann half Dumbar mir ungefragt bei der Suche nach dem vierten Mondstein und nun fand ich auch noch jemanden, der mich an mein Ziel bringen konnte, kaum dass ich angefangen hatte, mich nach Möglichkeiten umzusehen.
Dass in letzter Zeit alles vollkommen reibungslos verlaufen war, war mir regelrecht unheimlich und ich suchte bereits nach einem Haken...
Während ich im Kopf verschiedene Möglichkeiten durchging, was doch noch schief laufen konnte, ging ich mit schnellen Schritten auf die Schenke zu und rief: "Kapitän Sanchez! Du kannst dir nicht vorstellen, wie froh ich bin, ausgerechnet dich hier zu treffen!"
"Wieso das?" Mein Bekannter zog fragend die Augenbrauen in die Höhe und grinste mich dann schelmisch an. "Irgendetwas sagt mir, dass du nicht nur mein hübsches Gesicht vermisst hast." Als er sah, wie ich bei diesen Worten nur halb gespielt mit den Augen rollte, zogen sich seine Mundwinkel noch ein wenig weiter in die Höhe und er entblößte eine Reihe gelblicher, aber erstaunlich gerader Zähne.
In der Zwischenzeit hatte ich ihn erreicht und begrüßte ihn nun mit einem festen Handschlag, bevor ich zustimmte: "Auch wenn dein Antlitz natürlich eine wahre Freude für die Sinne ist, das ist tatsächlich nicht der Grund." Dann holte ich tief Luft und fasste für den Kapitän mit so wenig Worten wie möglich zusammen, was ich von ihm wollte.
Sanchez lauschte meinem kurzen Vortrag zunächst mit ernster Miene, die sich zum Schluss in ein wehmütiges Lächeln wandelte. "Du hast mit Angelina gesprochen, nicht wahr?" In den Augen des älteren Mannes glitzerte etwas, das ich nicht zuordnen konnte.
Reue? Trauer? Melancholie?
Die Stirn nachdenklich in Falten gelegt, antwortete ich: "Der Name sagt mir nichts."
"Angelina ist die junge Frau, die während des Karnevals den Fruchtstand betreibt", erklärte der Kapitän und ich nickte zustimmend. "Ah! Ja, ganz genau. Sie war diejenige, die mir von dem Tempel erzählt hat."
Sanchez zog eine Pfeife aus seiner Tasche, doch statt sie zu stopfen, drehte er sie lediglich zwischen den Händen und starrte mit seltsam leerem Blick aufs Meer hinaus, während er fortfuhr: "Ihr Vater war ein guter Freund von mir und ich habe ihn oft auf seinen Expeditionen begleitet - so auch, als er seine größte Entdeckung gemacht hat. Ich weiß also genau, wo du hin musst."
Noch mehr Glück...
Allmählich konnte ich mich gar nicht mehr so wirklich über meine anhaltende Glückssträhne freuen und fragte mich stattdessen argwöhnisch, ob sie der Ausgleich für zurückliegende Schwierigkeiten war oder ob ich bald eine gesalzene Rechnung präsentiert bekommen würde...
"Ich brauche etwas Zeit für die Vorbereitung", platzte mein Gegenüber in meine Gedanken. "Komm morgen früh zurück, dann bringe ich dich zu dem alten Tempel."
"Danke!" Am liebsten wäre ich dem alten Seebären um den Hals gefallen, doch da ich wusste, dass ihm dies unangenehm wäre, schüttelte ich ihm stattdessen nur die Hand.
Dann verabschiedeten wir uns und ich machte mich auf den Weg zum Stadtzentrum.
Ich überlegte für einen Moment, ob ich Angelina einen weiteren Besuch abstatten sollte, entschied mich dann aber dagegen. Sie schien eine gutherzige, liebenswerte junge Frau zu sein und ich wollte sie nicht in Verlegenheit bringen, indem ich fälschlicherweise den Eindruck erweckte, ein tiefergehendes Interesse an ihr zu haben.
Daher kaufte ich mir an einem anderen Stand eine Schale voll scharf gewürztem Eintopf mit Kartoffeln, Mais und zart gekochtem Fleisch und suchte einen ruhigen Platz, von wo aus ich das muntere Treiben der Karnevalsbetreiber ungestört beobachten konnte.
Goldene Sonnenstrahlen prickelten angenehm auf meiner Haut und ich spürte, wie sich meine Muskeln in der Wärme allmählich entspannten. Bis zu diesem Moment war mir überhaupt nicht bewusst gewesen, wie verkrampft mein gesamter Körper war.
Ich schätzte, ich hatte mich inzwischen derart lange in einem Zustand permanenten Stresses befunden, dass ich den Preis, den mein Leib für den anhaltenden Druck zahlte, gar nicht mehr wirklich wahrnahm. Es war so normal, dass meine Schultern steif waren und schmerzten, dass es sich regelrecht falsch anfühlte, als die Anspannung ein wenig aus ihnen wich...
Langeweile war mir stets ein Graus gewesen, aber ich musste dennoch zugeben, dass mir dieser Moment des Müßiggangs guttat.
Die Wärme der Nachmittagssonne machte mich schläfrig und ich nahm mir in dem kleinen Hotel nahe des Stadteingangs ein Zimmer.
Ich hoffte, erschöpft genug zu sein, um trotz der noch noch vorherrschenden Helligkeit direkt einschlafen zu können, bevor das Nichtstun meinen Geist wieder dazu bringen würde, in düstere Sphären abzuwandern.
Zu meiner Freude fiel ich tatsächlich in einen tiefen, traumlosen Schlaf, kaum dass mein Kopf das Kissen berührt hatte und ich wachte erst wieder auf, als die Morgensonne bereits wieder am Himmel stand. Ihre langen Strahlen kämpften sich durch die dünnen Vorhänge vor meinem Fenster und malten lustige Muster auf den mit vielen kleinen Teppichen bedeckten Boden.
Ich blieb für einen kurzen Moment liegen, streckte mich und beobachtete den langsamen Tanz der feinen Staubpartikel, die in der Luft schwebten und sanft schimmerten, wann immer sie von einem Sonnenstrahl berührt wurden.
Dann schwang ich die Beine aus dem Bett, zog mich schnell an und machte mich auf den Weg zum Hafen.
Nach dem turbulenten treiben des Vortags wirkte Liotto nun wie eine Geisterstadt.
Abgesehen vom Zwitschern der Vögel und dem gelegentlichen Bellen eines Hundes herrschte vollkommene Stille und die Straßen waren nahezu menschenleer. Hier und da konnte ich den in sich zusammengesunkenen Leib eines Feiernden entdecken, der es nicht mehr in sein Bett geschafft hatte und seinen Rausch nun unter freiem Himmel ausschlief, doch dies verstärkte meinen Eindruck, durch eine tote Stadt zu wandeln, nur noch.
An einem einzelnen Stand verschenkte ein Knabe mit tiefen Augenringen die restlichen Speisen, die sich am Tag zuvor nicht verkauft hatten. Ich bediente mich dankbar und verließ mit einem ganzen Sack voller kleiner, fluffiger Fladenbrote mit verschiedenen Füllungen die Stadt. Dank der unglaublichen Konservierungsfähigkeiten von Fluffys Truhe hatte ich nun wieder genügend Proviant für mehrere Tage.
Kapitän Sanchez erwartete mich bereits an derselben Schenke, an der wir uns gestern getroffen hatten und brachte mich zu seinem Schiff, wo ich vom Rest der Crew mit herzerwärmender Euphorie begrüßt wurde. Auch ich freute mich sehr, all die Matrosen wiederzusehen, mit denen ich vor etlichen Monaten während der Überfahrt nach Yamei diverse Wochen auf See verbracht hatte. Nach so viel geteilter Zeit auf engstem Raum waren die Männer mir spürbar ans Herz gewachsen.
Die Umsegelung des südamerikanischen Kontinents nahm deutlich weniger Zeit in Anspruch als unsere letzte gemeinsame Reise und die Tage flogen nur so dahin, während ich den Geschichten der Seemänner über ihre Erlebnisse seit unserem letzten Treffen lauschte.
Der Gesprächsstoff war uns auch dann noch nicht ausgegangen, als Sanchez seine Männer den Anker auswerfen ließ und mich in einem kleinen Beiboot an den nächstgelegenen Strand ruderte.
Dort angekommen, deutete der alte Seebär zum Horizont und sagte: "Halte dich von hier aus immerzu nördlich und du wirst den Tempel in etwa zwei Tagen erreichen."
"Du kommst nicht mit?", hakte ich nach und fühlte leichte Enttäuschung in mir aufsteigen. Nachdem Sanchez erwähnt hatte, er sei bei Angelinas Vater gewesen, als dieser das antike Gebäude entdeckt hatte, hatte ich darauf gehofft, auf diesem Abenteuer nicht allein zu sein.
Mein Gegenüber schüttelte jedoch mit dem Kopf, was die Sonne über die Schweißperlen auf seiner Stirn tanzen und sie bunt schillern ließ. "Tut mir leid, Ark, aber ich muss zu meinem Schiff zurückkehren - wir haben eine Lieferung zu erledigen. In einer Woche sind wir wieder zurück. Solltest du bis dahin nicht wieder hier sein, werden wir auf dich warten, aber wir haben nur drei Tage Zeit, bevor wir uns wieder auf den Weg machen müssen. Ist das in Ordnung für dich?"
Ich knirschte genervt mit den Zähnen. Ich hasste Zeitdruck und fühlte mich zudem ein wenig übers Ohr gehauen.
Hätte er nicht schon früher erwähnen können, dass er und seine Crew einen halbwegs strikten Zeitplan hatten?!
Da ich jedoch kaum eine andere Wahl hatte, als mich in mein Schicksal zu fügen, nickte ich lediglich, verabschiedete mich via Handschlag und machte mich auf die Suche nach dem alten Tempel.
Wie Sanchez vorausgesagt hatte, erreichte ich die heilige Stätte der Astarika, als die Nacht des zweiten Tages bereits herein gebrochen war. Der Mond stand voll und hell am Himmel und tauchte die vor mir liegende Szenerie in sein silbriges Licht.
Angesichts seines Alters schien der Tempel auf den ersten Blick in erstaunlich gutem Zustand zu sein. Der grob behauene, cremefarbene Sandstein war von Flechten, Moos und verschiedenen Schlingpflanzen überwachsen und vor dem Eingang war eine Ziersäule umgestürzt, doch abgesehen davon schien das Gebäude noch vollständig intakt zu sein.
Ich schritt langsam auf die Eingangspforte zu und betrachtete nachdenklich die dämonischen Fratzen, die von den Kapitellen der den Weg säumenden Säulen zu mir herunter grinsten. Auch wenn ihre Gesichter alle unterschiedliche Formen hatten, schienen sie bis auf die langen Reißzähne und den teuflisch wirkenden Blick menschlich zu sein.
Ob diese Gruselgestalten Unbefugte von dem Tempel hatten fernhalten sollen?
Mir lief bei ihrem Anblick jedenfalls ein eisiger Schauer über den Rücken und ich war froh, als ich ins Innere des flachen, quadratischen Bauwerks trat und die schaurigen Steingesichter hinter mir lassen konnte.
Dank strategisch klug gewählter Aussparungen in der Decke war die Eingangshalle lichtdurchflutet und ich konnte an der gegenüberliegenden Seite einen niedrigen Altar erkennen. Abgesehen davon schien der Raum vollkommen leer zu sein, was mich ein wenig überraschte. Hatten die Rituale der Astarika unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden oder hatte das einfache Volk stehen müssen, während es seinen religiösen Anführern bei der Ausführung ihrer Aufgaben zugesehen hatte?
Im starken Gegensatz zu dieser spartanisch ausfallenden Einrichtung standen die erstaunlich detaillierten Reliefs, die in mühevoller Kleinstarbeit in den Stein gehauen worden waren und sich über alle Innenwände zogen. Obwohl ich mich beeilen musste, wenn ich rechtzeitig zurück am Strand sein wollte, um von Sanchez und seiner Crew wieder eingesammelt zu werden, verschwendete ich einige Minuten mit dem erfolglosen Versuch, die in ihnen erzählte Geschichte zu verstehen. Ich nahm an, dass die gemeißelten Figuren die hier abgehaltenen Rituale nachstellen sollten und entnahm der Bilderabfolge, dass sie etwas mit Gottesverehrung und Fruchtbarkeit zu tun gehabt hatten, aber ich konnte mir keinen Reim auf die dämonischen Fratzen machen, die immer wieder zwischen den kleinen Steinmenschen auftauchten.
Hinweise darauf, dass die Erbauer dieses Gebäudes die Mondsteine für ihre Rituale genutzt haben könnten, entdeckte ich den Wandverzierungen leider auch nicht...
Hatte ich mich womöglich von meinem eigenen Wunsch, die Steine so schnell wie möglich zu finden, in die Irre leiten lassen und stand nun im falschen Tempel?
Aufkeimende Nervosität nagte an meinem Magen, während ich mich von den Reliefs abwandte und an den Altar trat, um diesen genauer in Augenschein zu nehmen.
Direkt über ihm befand sich eines der Dachfenster, sodass das direkt auf ihn fallende Mondlicht es so aussehen ließ, als würde er leuchten. Ein langer, schmaler Läufer bedeckte die steinerne Oberfläche und hing zu beiden Längsseiten gleich lang herab. Der Stoff war stark verwittert und die Farben beinahe vollständig verblichen, doch man konnte trotzdem noch immer erkennen, wie prachtvoll diese Zierdecke zu ihren besten Zeiten gewesen sein musste.
In der Mitte des Altars stand ein golden glänzender Kandelaber, dessen Arme Überreste von fast vollständig herabgebrannten, blutroten Kerzen hielten. Eine dicke Spinne mit einem gelben Muster auf dem Hinterleib hatte sich in dem prunkvollen Leuchter ihr Netz gebaut und schien mich argwöhnisch zu beobachten.
Neben dem Kandelaber stand ein reich verzierter Silberkelch, in dem sich Regenwasser gesammelt hatte, das nun im Licht des Mondes schimmerte wie Quecksilber.
Sobald er mir das erste Mal ins Auge gestochen war, konnte ich meinen Blick nicht mehr von dem wertvoll aussehenden Becher lösen und ich starrte wie hypnotisiert auf die Flüssigkeit in seinem Inneren.
Es war, als zöge das Trinkgefäß mich magisch an, und ich hörte eine geisterhafte Stimme in meinem Kopf, die in herrischem Ton forderte: "Trink!"
Alles in mir sträubte sich dagegen, als ich an all die Bakterien und sonstigen Krankheitserreger dachte, die sich in dem abgestandenen Wasser eingenistet haben konnten.
Dennoch spürte ich, wie ich gegen meinen Willen den Arm ausstreckte und den Kelch ergriff.
Ich versuchte verzweifelt, mich aus meinem tranceartigen Zustand zu wecken und die Kontrolle über meinen Körper zurückzugewinnen, doch umsonst...
Das Silber war kalt an meinen Lippen und der gesammelte Regen schmeckte unangenehm modrig, was mich heftig würgen ließ, kaum dass ich ihn herunter geschluckt hatte.
Von meiner Speiseröhre ausgehend breitete sich brennende Hitze in meinem Körper aus, bis ich das Gefühl hatte, lichterloh in Flammen zu stehen, während sich eine unsichtbare Hand mit langen Krallen in meinen Bauch bohrte und meinen Magen scheinbar in Fetzen riss.
Mich um meine Körpermitte krümmend fiel ich auf die Knie und stieß einen animalischen Schmerzensschrei aus, der von den niedrigen Wänden auf mich selbst zurückgeworfen wurde, sodass es klang, als würde ich von einer Schar wütender Männer angebrüllt.
Die Welt um mich herum begann zu tanzen und sich viel zu schnell zu drehen, bis sich endlich eine schwarze Decke über alles legte und ich das Bewusstsein verlor.
Ich weiß nicht, wie lange ich ohnmächtig gewesen war, doch als ich die Augen wieder aufschlug, war die Tempelhalle in das warme, zuckende Licht vieler Kerzen und Fackeln getaucht und ich blickte in ein mir vertrautes Gesicht, in dem deutliche Sorge geschrieben stand.
"Ma-Jo! Was machst du denn hier?!", fragte ich voller Verwunderung, während ich mich langsam wieder aufsetzte. Mein Schwindel schien verflogen zu sein und er hatte dankbarer Weise auch die Schmerzen mitgenommen.
Der neben mir stehende, alte Mann zog irritiert die Augenbrauen zusammen und erklärte: "Mein Name ist Mei-La, ich bin der oberste Priester dieses Tempels." Dann verschwanden Überraschung und Sorge aus seinen Augen, um Platz zu machen für Argwohn und väterliche Strenge, als er anfügte: "Du gehörst nicht zu unserem Volk. Wer bist du und was willst du? Bist du etwa hier, um das Ritual des Lebens zu stören?!"
Ich rieb mir mit dem Daumenballen der rechten Hand die Seite meiner Nase und ließ mir Zeit mit meiner Antwort. Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich, während ich mich nach Kräften mühte, zu verstehen, was geschehen war, nachdem ich aus dem Silberkelch getrunken hatte.
War ich etwa durch die Zeit gereist?!
"Das weiß ich leider selbst nicht. Ich habe keine Ahnung, wie ich hierher gekommen bin", gestand ich nach einer Weile und hoffte, Mei-La damit nicht gegen mich aufzubringen. Wer weiß, was die Astarika mit Eindringlingen angestellt hatten...
Der Hohepriester zog nachdenklich die buschigen Brauen über seinen haselnussbraunen Augen zusammen und sah mich derart intensiv an, dass ich das Gefühl hatte, er lese in meiner Seele.
Unfähig, seinem Blick standzuhalten, sah ich an ihm vorbei in den Eingangsbereich der Halle, wo ich zwei weitere Personen entdeckte, die aussahen wie Mei-Lin und Perry.
Was ging hier nur vor?
Wie konnte es sein, dass ich lebende Astarika traf und diese auch noch alle Doppelgänger von mir gut bekannten Personen waren?
Mein Kopf tat weh und ich hatte das Gefühl, dass sich etwas in meinem Hirn verkantete, wann immer ich nach einer logischen Erklärung für meine aktuelle Lage suchte.
Auf Mei-Las Gesicht machten sich Irritation und Frust breit und er murmelte: "Das ist seltsam. Ich kann deine Vergangenheit nicht sehen..."
Dann rief er seinen Begleitern über die Schulter hinweg zu: "Pela, Mei-Lia, was spürt ihr bei diesem Fremden?"
Die beiden kamen näher und betrachteten mich mit derselben Intensität wie zuvor der Hohepriester. Ich hätte mich nicht nackter und verletzlicher fühlen können, wenn ich nicht eine Faser am Leib getragen hätte...
Nur zu gerne hätte ich irgendetwas zu meiner Verteidigung gesagt, doch ich wusste nicht, was, und meine Zunge klebte mit am Gaumen.
Nach einer Weile schüttelte der junge Mann, Pela, wie ich annahm, den Kopf und antwortete: "Nichts. Absolut nichts. Es ist beinahe so, als existiere er gar nicht wirklich."
Bei diesen Worten merkte ich interessiert auf, wurde aber direkt von Mei-Lia abgelenkt, die mich warm anlächelte und verkündete: "Ich kann keine klaren Bilder erkennen, aber ich fühle, dass wir ihm vertrauen können. Sein Herz ist rein."
"Hm..." Mei-La ließ einen weiteren nachdenklichen Blick über mein Gesicht wandern, bevor er sich entschied, sich auf das Urteil seiner jungen Begleiterin zu verlassen und mir zunickte.
"Du siehst aus wie ein erfahrener Abenteurer", stellte der alte Mann fest, während ich mich endlich traute, mich zu bewegen, und mich auf die Füße hievte.
Mich stumm fragend, wohin dieses Gespräch führen würde, stimmte ich zu: "Könnte man so sagen."
"Wir könnten die Hilfe von jemandem wie dir gebrauchen", gestand Mei-La und sah mir dabei tief in die Augen, als suchte er dort noch immer nach einem Beweis für meine Vertrauenswürdigkeit.
Einen kurzen Moment lang fragte ich mich, ob ich nicht lieber einen Weg zurück in meine eigene Realität suchen sollte, statt kostbare Zeit dafür zu opfern, diesen Fremden zu helfen. Doch auch wenn mein Verstand mir sagte, dass dies klüger wäre, konnte ich nicht aus meiner Haut und fragte: "Was kann ich tun?"
"Jedes Jahr zu dieser Zeit halten wir hier das Ritual des Lebens ab", setzte der Hohepriester zu einer Erläuterung an. "Dabei muss eine zuvor durch Begleitrituale auserwählte Maid aus einer Reihe verschiedener Kelche einen auswählen und seinen Inhalt trinken. Der richtige Becher beschert ihr ein Jahr lang Unsterblichkeit, die anderen den sofortigen Tod."
Mir klappte die Kinnlade herunter und ich wollte mein Gegenüber empört fragen, was seiner Meinung nach rechtfertigte, jedes Jahr aufs Neue das Leben einer jungen Frau aufs Spiel zu setzen. Mir fiel jedenfalls kein einziger Grund ein, der nicht in sich zusammenfiel wie ein Soufflé, wenn man auch nur ein kleines Bisschen darüber nachdachte.
Doch während ich noch nach den richtigen Worten suchte, fuhr Mei-La bereits fort: "Überlebende Maiden werden von uns wie Göttinnen verehrt und in die Kammer der Ewigkeit im hinteren Teil des Tempels gebracht, wo sie bis zum nächsten Ritual in spiritueller Einsamkeit meditieren. Durch ihre ununterbrochenen Gebete sorgen die heiligen Unsterblichen auf diese Weise für reiche Ernten und ein Leben in Wohlstand für unser Volk."
"Warte, warte, warte!", unterbrach ich den alten Mann und hielt mir in einer abwehrenden Geste die erhobenen Hände vor die Brust. "Nur damit ich das richtig verstehe: Ihr verdammt immer wieder junge Frauen dazu, sich entweder selbst mit tödlichem Gift umzubringen oder ein Jahr in absoluter Isolation zu verbringen, weil ihr glaubt, dass eure Feldfrüchte dann besser wachsen?!"
Mei-La sah mich mit Verwunderung über meine Entrüstung an und fuhr dann unbeirrt fort, als hätte ich nichts gesagt: "Das letzte Ritual liegt bereits ein Jahr zurück. Daher habe ich zwei Priester zur Kammer der Ewigkeit geschickt, um die letztjährige Unsterbliche zu holen und mit ihr gemeinsam den diesjährigen Ritus vorzubereiten. Das war vor zwei Tagen, doch seitdem habe ich nichts mehr von ihnen gesehen oder gehört."
Er deutete auf eine unscheinbare Tür hinter dem Altar, die mich noch gar nicht aufgefallen war und fügte an: "Als ich nach dem Rechten sehen wollte, musste ich leider feststellen, dass sich Dämonen im Inneren des Tempels eingenistet haben. Daher mache ich mir nun Sorgen, dass den beiden etwas zugestoßen sein könnte."
Die Augen fest auf mein Gesicht gerichtet, schloss er in einem Ton, der mehr nach einer Forderung als einer Bitte klang: "Ich bin kein Kämpfer, aber du siehst aus, als hättest du eine Chance gegen diese abscheulichen Monster. Geh und finde meine Priester und die Unsterbliche und bring sie sicher zu mir."
Alles an diesem Ritual ließ mir die Haare zu Berge stehen und es widerstrebte mir massiv, jemandem zu helfen, der derartigen Traditionen frönte. Die raubtierhaften Blicke, mit denen Mei-La und seine beiden Begleiter mich maßen, gaben mir jedoch überdeutlich zu verstehen, dass ich keine Wahl hatte und dieser Auftrag meine Strafe für mein unbefugtes Eindringen in ihre heilige Stätte war.
Also biss ich die Zähne zusammen und nickte zustimmend, während ich mir einredete, dass ich etwas Gutes tat, indem ich der letztjährigen Maid half. Nach einem Jahr vollkommener Einsamkeit hatte sie es ganz sicher nicht verdient, von Monstern zerfetzt zu werden, kaum dass ihre Unsterblichkeit auslief. Sie hatte genug durchgemacht.
Mich an diesen Gedanken klammernd, ließ ich Mai-La die Tür zum den unterirdischen Tempelkatakomben öffnen und begab mich mit fest umklammerter Waffe in den Irrgarten aus engen, nur schummrig beleuchteten Gängen.
Wie der Hohepriester gesagt hatte, wimmelte es in den dämmrigen Korridoren von Spinnenmonstern und grotesken Dämonen, die aussahen wie schwebende Augäpfel. Zum Glück erwiesen sich die angriffslustigen Kreaturen als nicht besonders stark, sodass ich keine Probleme hatte, sie mit meiner Lanze zu erledigen.
Daher dauerte es nicht lange, bis ich mich der zentralen Kammer näherte und streitende Stimmen hörte. Zunächst klangen diese derart verzerrt, dass ich nichts verstand, doch mit jedem weiteren Schritt wurden die Worte zunehmend deutlicher: "... zu dir! Das hier ist Wahnsinn!" "Ist es das? Sag mir, was ist der Sinn von diesem furchtbaren Ritual? Der wahre Sinn?"
Ich bog um die letzte Ecke und mir stockte der Atem, als ich drei Personen entdeckte, die aussahen wie Fyda, Roy und Melina. Letztere stand den anderen beiden gegenüber und machte einen aufgebrachten, wütenden Eindruck, während die anderen zwei auf der Hut zu sein schienen.
Mit wild schlagendem Herzen verharrte ich unsichtbar in den Schatten und wartete ab, wie sich die Situation vor mir entwickeln würde.
Der wie Roy aussehende Mann legte die Stirn in Falten und sagte mit hörbarer Verwunderung: "Ich verstehe deinen Zorn nicht. Zu einer Unsterblichen zu werden, ist eine große Ehre - dein Volk verehrt dich wie eine Göttin! Was ist an einem Jahr Einsamkeit so schlimm, wenn du deinem Stamm damit einen wichtigen Dienst erweist?"
In den Augen der wie Melina aussehenden Frau flackerte neuer Zorn auf und sie schrie ihr Gegenüber erbost an: "Du hast ja keine Ahnung, wie das ist! Ein ganzes Jahr ohne Licht, ohne Wärme, ohne Nahrung, ohne irgendein Gefühl für Zeit... Ein ganzes Jahr, in dem dir nur eines Gesellschaft leistet: die permanente Angst, dass die Flamme deines Lebens doch irgendwann erlischt. Und dazu brennender Hunger und Durst, aber keine Möglichkeit, auch nur eines davon zu lindern. Irgendwann habe ich mir nur noch gewünscht, sterben zu können..."
Die Maid schüttelte den Kopf und sah aus, als wäre sie in ihren schrecklichen Erinnerungen an das zurückliegende Jahr gefangen. Am liebsten wäre ich zu ihr herüber gegangen und hätte sie fest in den Arm genommen - so viel Schmerz auf dem Gesicht meiner Geliebten zu sehen, zerriss mir das Herz, auch wenn mir bewusst war, dass diese Frau nicht Melina war. Die Befürchtung, mein plötzliches Auftauchen könnten den Streit eskalieren lassen, ließ mich jedoch stumm an Ort und Stelle verharren.
Die Unsterbliche blinzelte ein paar Tränen weg und fokussierte ihren Blick fest auf den Mann ihr gegenüber. "Dieses Ritual muss aufhören! Ich werde nicht zulassen, dass auch nur ein weiteres Mädchen dasselbe durchmachen muss!"
"Aber denk doch an dein Volk!", flehte die wie Fyda aussehende Frau und machte eine Hände wringende Geste. "Wir brauchen das Ritual des Lebens, um gute Ernten zu garantieren!"
Die Maid funkelte sie zornig an und hielt an ihrem Entschluss fest: "Wenn unser Fortbestand auf dem Leid anderer aufgebaut ist, dann ist es besser, wenn wir aussterben." Ihre Gesichtszüge verdunkelten sich noch mehr und in ihre Augen trat ein irres Flackern, als sie leise flüsternd anfügte: "Meinetwegen kann die ganze verdammte Welt zugrunde gehen..."
Die ihr gegenüberstehende Priesterin schnappte schockiert nach Luft, während ihr Partner die Geduld verlor. Er packte die Maid am Handgelenk und verkündete: "Das reicht! Schluss mit dem Unsinn - du kommst jetzt mit uns mit!"
Ich hatte damit gerechnet, dass die Unsterbliche ihm mit Gewalt ihren Arm entreißen würde, doch stattdessen schien sie zu einer Eisskulptur zu erstarren und durchbohrte ihn mit harten, beinah dämonisch wirkenden Augen.
Die beiden Priester wechselten bei dieser Reaktion einen besorgten Blick, der sich noch intensivierte, als die Maid in frostigem Ton sagte: "Wenn ich dich nicht zur Einsicht bringen kann, wirst du halt den Anfang machen..."
Dann verzog sie die Lippen zu einem entrückten, wahnsinnig wirkenden Lächeln und verkündete mit höhnischer Stimme: "Fühl dich geehrt! Ich mache dich nun zu einem Gott, den dein ach so geliebtes Volk zukünftig verehren kann. Seht und erzittert in Ehrfurcht - der Gott des Todes!"
Sie brach in irres Lachen aus und unter den Füßen des Priesters tat sich plötzlich ein dunkler Abgrund auf, der diesen in die Tiefe zog wie Treibsand.
Während ich mich bei diesem Anblick wie gelähmt fühlte, stürzte seine Partnerin panisch zu dem Priester herüber und versuchte verzweifelt, ihn aus dem sonderbaren Loch zu ziehen. Da ihre Bemühungen jedoch keinen Erfolg zeigten, verzog er die Lippen bald zu einem melancholischen Lächeln und zwang sie, ihm stattdessen in die Augen zu sehen.
Als er sprach klangen seine Worte jedoch, als würde er sie auch an die Unsterbliche richten: "Es stimmt, die Menschen haben viele Fehler, aber nur sie kennen die Emotion Liebe. Wenn die Menschheit ausgelöscht wird, dann stirbt mit ihr auch alles, was Schönheit auf diese Welt bringt."
Auch wenn ich nicht angesprochen war, schüttelte ich heftig mit dem Kopf. Tiere waren sehr wohl im Stande dazu, Liebe zu empfinden und die Welt mit Wärme und Herzensgüte zu füllen!
Die Stimme des Priesters platzte in meine Gedanken, als er nach kurzer Pause weitersprach: "Jetzt, da ich dem Tod ins Auge blicke, bereue ich nur eines - dass ich mich zu Lebzeiten zu wenig auf die Liebe konzentriert habe." Er ließ endlich den Arm der Maid los, um die Hände der Priesterin in seine zu nehmen, bevor er fortfuhr: "Ich wünschte, ich hätte mein Leben mit dir verbracht."
Die Augen der Frau füllten sich mit Tränen und sie warf sich trotz des alles verschlingenden Abgrunds unter ihm in seine Arme und rief: "Ich liebe dich auch! Lass uns gemeinsam wiedergeboren werden!"
Bevor ich reagieren konnte, wurden die beiden vom Abyss verschluckt, der sich daraufhin wieder schloss, ohne Hinweise auf seine vorherige Anwesenheit zu hinterlassen. Der Raum war nun von Totenstille erfüllt, bis sich die Unsterbliche an mich wandte und forderte: "Du da, Fremder, komm her."
Ich zuckte bei ihren Worten leicht zusammen, da ich gar nicht bemerkt hatte, dass sie meine Anwesenheit registriert hatte.
Mit heftig schlagendem Herzen trat ich aus den schützenden Schatten ins Licht und fragte mich, was nun geschehen würde.
Die heilige Maid ließ ihren Blick prüfend über mich wandern und fragte: "Du bist kein Astarika. Was machst du hier?" In ihrer Stimme lag ehrliche Neugierde und die auf mir ruhenden Augen wirkten offen und freundlich.
Doch da ich gerade erst Zeuge geworden war, wie sie zwei Menschen einfach so hatte verschwinden lassen, hatte ich trotzdem ein mulmiges Gefühl, als ich ehrlich antwortete: "Wenn du mit 'hier' diese Kammer meinst, dann bin ich hier, um für Mei-La nachzusehen, warum du und die beiden Priester, die er nach dir geschickt hat, noch nicht in der Tempelhalle seid. Aber wenn du mit 'hier' diesen Tempel meinst, dann weiß ich es selbst nicht. Ich bin nach einer Ohnmacht hier aufgewacht."
"Ist das so...?" Mein Gegenüber wirkte nicht überzeugt, schien aber eher amüsiert als erbost zu sein.
Dann drehte sie sich plötzlich ruckartig um und ergriff einen auf einem niedrigen Beistelltisch stehenden Silberkelch, der genauso aussah wie jener, aus dem ich vor meiner Bewusstlosigkeit das modrige Regenwasser getrunken hatte.
In diesem Becher schwappte eine rote, beunruhigend dick wirkende Flüssigkeit, bei deren Anblick mir ein Schauer über den Rücken lief.
Die Unsterbliche hielt mir den Kelch hin und erklärte, als sie meinen fragenden Blick sah: "Mein Blut. Trink es und du wirst erreichen, warum du hierher gekommen bist."
Ich starrte sie verblüfft an, während sich mein Magen allein bei dem Gedanken, Blut zu trinken, umdrehte.
Konnte sie mit ihren mystischen Kräften tatsächlich sehen, warum ich hier war?
War dies eine Prüfung?
Oder doch eher eine Falle?
Während ich verschiedene Szenarien und Möglichkeiten in meinem Kopf durchspielte, machte sich zunehmend Ungeduld auf dem Gesicht der Maid breit und sie wiederholte in herrischem Ton: "Trink!"
Ich begegnete ihrem Blick und verlor mich in ihren wie Melinas aussehenden Augen, denen ich seit jeher nur schwer einen Wunsch hatte abschlagen können. Mein Körper begann daraufhin, erneut selbstständig zu handeln.
Noch immer im Blick meines Gegenübers gefangen, nahm ich den Silberbecher entgegen und leerte ihn in einem Zug.
Zu meiner Überraschung schmeckte das Blut sehr süß und gar nicht so ekelhaft wie befürchtet, doch nach einem kurzen Moment explodierte in meiner Brust ein reißender Schmerz, der mich wie einen gefällten Baum zu Boden stürzen ließ. Von heftigen Krämpfen durchgeschüttelt, wand ich mich auf dem Boden und schnappte verzweifelt nach Luft, während ich das Gefühl hatte, an Land zu ertrinken.
Begleitet wurde mein Leiden von dem manischen Lachen der Unsterblichen: "Ha-ha-ha, das Ende des Lebens ist banal!"
Ihre Worte hallten immer wieder durch meinen Geist, wie von einer defekten Schallplatte abgespielt, bis mein Körper endlich Erbarmen mit mir hatte und mich erneut in eine tiefe Ohnmacht stürzte.
Als ich wieder zu mir kam, schreckte ich mit einem spitzen Schrei hoch und sah mich desorientiert um. Meine schweißgetränkte Kleidung klebte mir unangenehm am Leib und es dauerte eine ganze Weile, bis ich realisierte, dass ich zurück in der von Mondlicht durchfluteten Eingangshalle war. Ich saß vor dem Altar auf dem Boden und umklammerte mit beiden Händen den reich verzierten Silberkelch.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich den Trinkbecher nachdenklich betrachtete. Die Ornamente auf seiner Außenseite zeigten eine von strahlendem Licht umgebene Frau, vor der sich eine Gruppe Menschen verbeugten wie vor einer Göttin. Ich schauderte und drehte den Kelch, damit ich sein Inneres in Augenschein nehmen konnte.
Zu meiner Überraschung war dieses staubtrocken, als hätte sich schon seit Jahren kein Tropfen Flüssigkeit mehr darin befunden.
Aber ich hatte doch vor nicht allzu langer Zeit erst Regenwasser daraus getrunken. ... oder etwa nicht?
Was hatte ich nach Entdecken des Bechers tatsächlich erlebt?
Hatte ich auf Grund von Schlafmangel schlicht und ergreifend halluziniert?
Oder hatte ich eine Vision der Vergangenheit gesehen?
Ein plötzliches Funkeln am Boden des Kelchbauches lenkte mich von meinen Grübeleien ab und ich kippte mir den Inhalt auf die flache Hand. Als ich begriff, um was es sich bei meinem Fund handelte, setzte mein Herz einen Schlag aus: der letzte Mondstein!
Er war endlich mein!
Nun musste ich die fünf Steinbrüder nur noch zum Heldengrab bringen, um die Prophezeiung aus Lhasa zu erfüllen und Beruga ein für alle Mal aufzuhalten.
Ich konnte es kaum erwarten...
Hm... joar... recht nichtssagender Trailer, aber das ist bei einem Revealtrailer natürlich nichts Ungewöhnliches.
Ich bin skeptisch und werde auf jeden Fall weitere Trailer (vor allem solche mit Gameplay) und ggf. sogar Reviews/Let's Plays abwarten, um mir ein Bild zu machen, bevor ich mich entscheide, ob ich es kaufen oder aussetzen will.
Da ich das Kampfsystem in PLZA (wider Erwarten) leider so gar nicht mochte, wäre das auf jeden Fall ein Grund für mich, den Teil zu ignorieren.
Bei allem anderen... mal sehen. Ich war kein Fan von den drei Wegen in KaPu und würde mir eine ganz klassische Trainerreise wie in den ersten Teilen zurückwünschen.
Die Umgebungen fand ich in dem Trailer allerdings wirklich hübsch und auf den ersten Blick liebevoll gemacht.
Ich frage mich, ob man Unterwassergebiete frei erkunden kann oder ob der Blick unter die Wasseroberfläche nur für den Trailer war.
Die Starter... hm... weiß nicht.
Auf der einen Seite finde ich sie schon recht süß (vor allem Feuer und Wasser), aber so richtig ist der Funke nicht übergesprungen. Bin allerdings gespannt, wie die anderen Formen aussehen werden.
Natürlich darf man dafür auch Eintritt zahlen
Wenn ich das richtig verstehe, sind die Tickets eher wie eine Tischreservierung in einem Restaurant und sie sollen nur gewährleisten, dass die Leute, die unbedingt in den Laden wollen, auch auf jeden Fall rein kommen, anstatt den ganzen Tag in der Warteschlange zu stehen und dann abgewiesen zu werden.
Infos zu Kosten der Tickets hätte ich nämlich nicht gefunden und auf der Nintendo-Seite wird immer nur vom Reservieren der Tickets gesprochen, nicht von kaufen.
Wenn ich in der Nähe wohnen würde, würde ich auf jeden Fall hingehen (und den Forenbestand für Sachgewinne auffüllen
), aber da Bochum doch ein gutes Stück weit weg ist, fällt das flach. (Wenn so ein Shop mal in Regensburg, Nürnberg oder München aufmachen sollte, würde ich mein Glück aber versuchen.)
Wenn dieser Pop-up-Shop ein Austesten ist, wie gut ein offizieller Nintendo Shop in Deutschland laufen würde (Wobei man natürlich bedenken muss, dass zeitliche Begrenzung immer für mehr Andrang sorgt - FOMO eben, wie Yuffie schon angemerkt hat.), fände ich das schon ziemlich cool.
Bin gespannt, was die Leute berichten werden, wie ihre Erfahrung mit dem Shop so war.
Ein Spiel oder dergleichen hatte ich nicht erwartet, aber irgendwas hätte ich schon gern gesehen. Ein Artwork, ein kurzes Video mit Clips aus den verschiedenen Hauptteilen der Serie oder ein Buch mit bislang unveröffentlichtem Promomaterial aus 40 Jahren Seriengeschichte. Irgendwie sowas. Etwas, das keinen Megaaufwand bedeutet hätte, aber zumindest ein Kopfnicken und Anerkennen für das Jubiläum einer Serie, die seit nunmehr vier Jahrzehnten eines der großen Zugpferde für Nintendokonsolen ist.
Dass so gar nichts gekommen ist, fühlt sich fast ein bisschen respektlos an (also der Serie gegenüber, nicht mir als Fan).
Arks Tagebuch Part 22
Als ich am nächsten Morgen noch vor Sonnenaufgang aufwachte, kam es mir vor, als hätte irgendjemand mir im Schlaf sämtliche Energie abgezapft. In meinen Adern schien Blei zu fließen und mein Schädel fühlte sich an wie mit Watte gefüllt. Gedanken rollten zäh wie Honig durch meinen Geist und verklebten sich zu nicht identifizierbaren Klumpen, bevor sie in mein Bewusstsein sickerten.
Mehrere Minuten lang lag ich flach ausgestreckt auf dem Bett und starrte an die weiß getünchte Decke, während die letzten Bilder meiner blutgetränkten Träume vor meinem inneren Auge verblassten.
Ich fühlte mcih wie eine Marionette, deren Fäden durchtrennt worden waren und die nun, jeglicher Mobilität beraubt, zu einem traurigen Haufen auf dem Boden zusammengesunken war.
Allein der Gedanke daran, mich zu bewegen war erschöpfend...
Trotzdem hievte ich schließlich meine Beine über die Bettkante, stemmte mich auf meine, sich wackelig anfühlenden, Füße und streifte mit langsamen, schwerfälligen Bewegungen meine neuen Kleider über.
Da ich das Zimmer bereits am Vortag bezahlt hatte, verließ ich danach das Hotel und machte mich, von der aufgehenden Sonne begleitet, auf den Weg zum Hafen, ohne zuvor zu frühstücken. Zum einen hatte ich nicht einmal mehr genug Geld übrig, um mir ein wenig Brot zu kaufen, und zum anderen hatte ich auch gar keine Lust, etwas zu essen. Wenn ich nur daran dachte, drehte sich mir der Magen um und Übelkeit stieg mir in die Kehle.
Am Hafen angekommen, fand ich schnell ein Schiff, auf dem ich für die Überfahrt nach Südamerika anheuern konnte.
Die vertraute Routine der Arbeit auf und unter Deck half mir, wieder ein wenig zu mir selbst zu finden und das erdrückende Gefühl der Taubheit, mit dem ich in Liberita aufgewacht war, abzuschütteln.
Die Albträume jedoch blieben...
Am Ende einer Schicht brach ich vollkommen erschöpft in meiner Koje zusammen und sank schnell in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf, doch jedes Mal schreckte ich nach nur wenigen Stunden wieder hoch, schweißgebadet und mit wild schlagendem Herzen. Wenn ich danach wieder wegdämmerte - was mir viel zu oft gar nicht erst möglich war - waren die Bilder in meinem Unterbewusstsein von Gewalt und der Erinnerung an meinen zurückliegenden Kontrollverlust geprägt.
Besonders unangenehm waren jene Träume, in denen ich die Position des Tierhändlers einnahm und in meine eigenen hasserfüllten Augen blickte, während ich mir selbst die Luft abdrückte...
Bis wir einige Tage später in Liotto ankamen, hatten sich derart tiefe und dunkle Augenringe in mein Gesicht gegraben, dass sich meine temporären Kollegen Sorgen um meine Gesundheit machten und gegen meinen Willen versuchten, mich zu schonen. Auch wenn ich dies rührend fand, war ich froh, als ich endlich von Bord gehen und ihren mitleidigen Blicken entfliehen konnte.
Diese Erleichterung wurde allerdings schnell von Überraschung und einem Gefühl der Beklemmung abgelöst, als ich bemerkte, ganz zufällig erneut in der Karnevalssaison besuchte.
Die Straßen waren voller bunt bunt gekleideter Menschen, die zu dem Rhythmus diverser Musiker tanzten, lachten und vergnügt plauderten. Begleitet wurde das fröhliche Durcheinander von dem verlockenden Geruch lokaler Spezialitäten, die an über die ganze Stadt verteilten Buden verkauft wurden.
Diese ausgelassene Atmosphäre stand in einem derart krassen Kontrast zu der düsteren Stimmung, in der ich mich selbst befand, dass ich am liebsten auf dem Absatz kehrtgemacht hätte...
Stattdessen sagte ich mir jedoch, dass der Karneval eine gute Gelegenheit war, mit möglichst vielen Einheimischen ins Gespräch zu kommen und hoffentlich Hinweise auf einen alten Tempel in der Gegend sammeln zu können.
Außerdem tat es mir ja vielleicht sogar gut, mich der in der Luft hängenden, puren Lebensfreude auszusetzen, anstatt in der Finsternis zu verharren, die sich in meinem Inneren breit gemacht hatte.
Also atmete ich tief ein, als wollte ich mich auf einen Tauchgang begeben, und stürzte mich ins Getümmel.
Für meine Arbeit auf dem Schiff hatte ich nicht nur eine Koje und Verpflegung während der Überfahrt, sondern auch einen kleinen Lohn bekommen, sodass ich nun nicht mehr vollkommen abgebrannt war.
Da mein Magen knurrte, plante ich, ein wenig des frisch verdienten Geldes für eine der hiesigen Delikatessen auszugeben und mir beim Essen zu überlegen, wie ich meine Jagd nach Informationen am besten angehen sollte.
Zu meiner Überraschung kam mir hier ausnahmsweise der Zufall zur Hilfe:
Ich entschied mich für einen mit diversen einheimischen Früchten garnierten Salat, der an einem der unzähligen Stände von einer hübschen Frau mit makelloser, dunkler Haut und einem strahlenden Lächeln verkauft wurde. Vor ihrer Bude hatte sich eine lange Schlange gebildet, doch beim Anblick der Verkäuferin bezweifelte ich, dass dies allein auf die Qualität der angebotenen Speisen zurückzuführen war...
Mich interessierten allerdings nur die in dem Obst enthaltenen Vitamine, die ich nach all der Zeit, die ich in den letzten Monaten auf See verbracht hatte, bitter nötig hatte.
Als ich endlich an der Reihe war und meine Bestellung aufgegeben hatte, grinste die Standbetreiberin mich breit an und sagte: "Willkommen zurück in Liotto! Schön, dass du nach all den Jahren mal wieder an unserem Karneval teilnimmst. Nimm's mir nicht böse, aber du siehst aus, als könntest du ein wenig unserer Freude brauchen..."
Ich starrte sie irritiert an und zermarterte mir das Hirn, um wen es sich bei meinem Gegenüber handelte. Da mir keine Antwort einfallen wollte, fragte ich mich hörbarer Verwirrung: "Äh... Entschuldigung, aber kennen wir uns?"
Die Frau lachte und schüttelte den Kopf, wodurch ihr langes, seidig wirkendes Haar sanfte Wellen in der Luft schlug. "Nicht wirklich. Aber ich erinnere mich, dich vor Jahren schon mal hier gesehen zu haben - mit dieser Haarfarbe stichst du ziemlich raus aus der Masse, weißt du?"
Ich drehte eine Strähne meines roten Haares zwischen den Fingern, betrachtete sie nachdenklich und überlegte, ob ich irgendwann schon mal jemanden gesehen hatte, der einen ähnlich gefärbten Schopf hatte.
Da ich mich an niemanden erinnern konnte, nahm ich an, dass die Verkäuferin recht hatte und meine Haarfarbe ziemlich selten und daher auffällig war, doch bevor ich diesbezüglich etwas sagen konnte, fügte diese an: "Was ist aus deiner kleinen Freundin geworden?"
Im ersten Moment wusste ich nicht, wen sie meinte, aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mei-Lin!
Die Köchin musste uns zusammen gesehen haben, als Mei-Lin mich gegen meinen Willen von einem Stand zum nächsten geschleppt hatte, um mir eine pervertierte Version einer romantischen Verabredung aufzuzwingen. Ich war damals derart genervt gewesen, dass ich kaum auf die Menschen um uns herum geachtet hatte.
"Sie ist zuhause in Tibet", antwortete ich und nahm mit einem Magenknurren die mir gereichte, gut gefüllte Schüssel mit meinem Salat entgegen.
Die Standbetreiberin nahm die Wünsche des nächsten Kunden entgegen, hielt ihre Aufmerksamkeit aber - sehr zum Unmut des jungen Mannes - weiterhin auf mich fixiert und schien sich noch ein wenig unterhalten zu wollen. Da ich das Gefühl hatte, dass mir dieses ungezwungene Gespräch guttat und sich die Dunkelheit in mir dadurch ein wenig zurückzog, trat ich lediglich einen Schritt zur Seite, damit nachfolgende Kunden besser bestellen konnten, und aß im Stehen.
Der Salat war frisch und knackig, mit einem spritzigen Dressing angemacht und die süß-säuerlichen Früchte gaben dem Ganzen das gewisse Etwas. So gut hatte ich schon lange nicht mehr gegessen!
Während ich die ersten Bissen meines Mahls genoss, füllte die Verkäuferin etwas frisch gepressten Saft in ein Glas, warf mir einen Seitenblick zu und fragte: "Wollte sie dieses Mal nicht wieder mitkommen? Dabei sah sie beim letzten Mal aus, als hätte sie großen Spaß."
Bei der Erinnerung an Mei-Lins unübersehbaren Begeisterung für den Karneval musste ich grinsen und antwortete mit Lachen in der Stimme: "Wenn sie wüsste, dass ich ohne sie hier bin, würde sie vermutlich fürchterlich schmollen! Aber ich hab sie schon längere Zeit nicht mehr gesehen, weil ich viel auf Reisen bin. Zudem war hierher zu kommen ein spontaner Entschluss, der nichts mit dem Karneval zu tun hatte."
Als ich mein nomadenhaftes Leben erwähnte, bekam die Köchin einen verklärten Blick und gestand: "Oh, ich beneide dich! Ich würde auch so gerne die ganze Welt sehen, aber ich kann mir das Reisen leider nicht leisten... Dabei liegt mir das Abenteurertum im Blut! Mein Vater war nämlich Forscher und Entdecker und deswegen ständig auf irgendwelchen Expeditionen."
"Tatsächlich? Hat er irgendetwas Bedeutendes entdeckt?", hakte ich mehr aus Höflichkeit als aus ehrlichem Interesse nach.
Für einen Moment tauchte das Bild des Skelettes, das ich in der Sahara gefunden hatte, vor meinem geistigen Auge auf, doch ich schob den Gedanken bestimmt zur Seite, um mir davon nicht wieder die Laune verderben zu lassen. Derweil leuchtete das Gesicht der Standbetreiberin auf und man konnte ihr deutlich ansehen, wie stolz sie auf ihren Vater war.
Sie bediente einen weiteren Kunden und erklärte begeistert: "Das hat er allerdings! Vor ein paar Jahren hat er an der Westküste des Kontinents einen uralten Tempel gefunden, von dem niemand weiß, welches Volk ihn errichtet hat oder was sein Zweck war."
Während ich mich fühlte, als krabbelten winzige Ameisen unter meiner Haut, verdüsterte sich die Miene der Frau und sie fuhr fort: "Papa glaubte, es handele sich dabei um ein Bauwerk der Astarika, aber er ist gestorben, bevor er seine These beweisen konnte... Soweit ich weiß, hat seither auch niemand sonst den Tempel weiter erforscht, da man ihn nur sehr schwer erreicht. Die Strömungen vor der Küste sind tückisch und der Landweg ist von den Anden versperrt."
Sie nahm die Bestellung des nächsten Kunden entgegen, während ich mir ihre Informationen zur Lage des Tempels gut einprägte. Dann sagte ich: "Mein Beileid zum Verlust deines Vaters." Wie so oft fühlte ich mich beim Trösten einer anderen Person wie ein Fisch an Land... Egal, was ich sagte oder tat, ich hatte immer das Gefühl, dass es nicht genug war.
Daher war ich erleichtert, als die Köchin mit den Schultern zuckte, wieder ihr bezauberndes Lächeln aufsetzte und entgegnete: "Er war auch zu Lebzeiten so gut wie nie zuhause und hat nur sehr selten geschrieben. Es gibt also nur wenig zu vermissen."
Ich nickte, als würde ich zustimmen, fragte mich aber zeitgleich, ob sie sich damit selbst überzeugen wollte, dass ihr Vater ihr nicht fehlte.
Um die Frau von ihren womöglich schmerzhaften Erinnerungen abzulenken und meine eigene Neugierde zu befriedigen, erkundigte ich mich: "Wer waren die Astarika? Ich habe noch nie von einem Volk mit diesem Namen gehört?"
Eine weitere Schüssel voll frischer, herrlich süß duftender Früchte wanderte über den Tresen zu ihrem glücklichen Empfänger, dann antwortete meine Gesprächspartnerin: "Das weiß niemand so genau. Sie werden in ein paar Sagen der Region erwähnt, aber es gibt bislang keine Beweise, dass sie tatsächlich existiert haben."
"Und was wird in diesen Geschichten über sie gesagt?", wollte ich wissen und schob mir den letzten Bissen meines Salates in den Mund.
Die Verkäuferin sah mich grübelnd an, was mich rätseln ließ, ob sie versuchte, sich an Details der örtlichen Legenden zu erinnern, oder ob sie mein Interesse an den Astarika merkwürdig fand.
Es dauerte eine Weile, bis sie wieder das Wort ergriff: "Es heißt, sie hätten seltsame Rituale durchgeführt, die ihnen zu Unsterblichkeit verhelfen sollten." Die Köchin lachte bei diesen Worten auf und fügte amüsiert an: "Sieht allerdings nicht so aus, als wären sie dabei besonders erfolgreich gewesen!"
"Das kann man wohl sagen", stimmte ich mit einem geistesabwesenden Lächeln zu, während meine Aufmerksamkeit hauptsächlich der Frage galt, ob die Mondsteine bei diesen Unsterblichkeitsritualen eine Rolle gespielt haben könnten.
War dies womöglich der Grund, warum Lord Kumari mich auf die Suche nach diesen Steinen geschickt hatte? Damit ich Unsterblichkeit erlangen konnte, bevor ich mich Beruga erneut stellte?
Ich musste zugeben, dass Unverwundbarkeit mich deutlich zuversichtlicher auf unsere nächste Konfrontation hätte blicken lassen, aber der Gedanke an vollkommene Unsterblichkeit erfüllte mich mit Angst, obwohl ich nicht in Worte fassen konnte, wieso. Es fühlte sich einfach falsch an...
Nichts von dem, was die Standbetreiberin erzählt hatte, deutete darauf hin, dass der Tempel, die Astarika und die Mondsteine tatsächlich in Verbindung standen - trotzdem war das von ihrem Vater entdeckte Gebäude der beste Anhaltspunkt, den ich bislang hatte, um den Ort aus Ma-Jos Vision zu finden.
Um sicher zu gehen, dass ich mich nicht in einer fixen Idee verrannte und andere Alternativen übersah, fragte ich mein Gegenüber: "Gibt es noch andere alte Tempel hier in der Gegend?"
Die Frau schüttelte den Kopf und kratzte das letzte Bisschen Mango aus einem Bottich. "Nicht, dass ich wüsste. Papa hat sich immer über den Mangel historischer Bauten hierzulande beschwert."
Mein Kopf nickte wie von selbst, da ich diese Antwort bereits erwartet hatte, und ich verabschiedete mich von plötzlicher Eile getrieben: "Danke - für das köstliche Essen und das nette Gespräch."
Die Köchin schenkte mir ein weiteres ihrer betörenden Lächeln und entgegnete mit einem Zwinkern: "Sollte dir während deines Aufenthalts hier nochmal der Sinn nach einem von beidem stehen, weißt du, wo du mich findest."
Ich stieß eine Mischung aus Lachen und Schnauben aus, winkte ihr grinsend zum Abschied und machte mich direkt wieder auf den Weg zum Hafen, obwohl meine Ankunft in Liotto noch keine Stunde her war.
Ich musste ein Schiff finden, das mich auf die andere Seite des Kontinents brachte!
Doch kaum hatte ich das Zentrum der Stadt verlassen, landete auch schon eine prächtige, weiße Möwe vor mir und krächzte mich laut an. An Hand ihrer imposanten Größe identifizierte ich sie als einen Vogel aus Dumbars Gefolge und fragte mich, ob es vielleicht dieselbe Möwe war, die mich vor so langer Zeit von Sanktum nach Safarium geflogen hatte.
Vielleicht wollte sie mir mit ihrem aufgeregten Kreischen sagen, dass sie sich freute, mich wiederzusehen.
Ich strich ihr sanft über den Kopf und erklärte: "Es tut mir leid, aber ich verstehe dich leider nicht mehr, mein gefiederter Freund. Außerdem habe ich es gerade ziemlich eilig - also nimm es bitte nicht persönlich, dass ich dich jetzt einfach so stehen lasse."
Für einen Moment sah es so aus, als würde die Möwe genervt die Augen verdrehen, was mich stutzen ließ.
Doch noch bevor ich mich fragen konnte, ob ich mir dies womöglich nur eingebildet hatte, stürzte sich der gewaltige Vogel auf mich, packte mich fest an den Schultern und erhob sich mit kräftigen Flügelschlägen in die Luft.
"H-Hey!", rief ich empört und versuchte, mich frei zu strampeln - jedoch ohne Erfolg. Da wir schnell an Höhe gewannen, gab ich die Versuche, mich aus dem Griff der Möwe zu winden, rasch wieder auf und fügte mich in mein Schicksal.
Die Tiere hatten mir noch nie Böses gewollt, daher vertraute ich darauf, dass dies auch nun nicht anders war.
Wohin die Möwe mich wohl brachte?
Nach Liotto zogen zuerst Liberita und dann Seeheim unter uns hinweg, während wir immer weiter und weiter nach Norden flogen.
Als wir Seeheim überquerten, glaubte ich für einen Moment, aus dem Augenwinkel Feuer gesehen zu haben, aber ich schaffte es im Griff meiner Entführerin nicht, meinen Kopf weit genug zu drehen, um mich zu vergewissern. Mir blieb also nichts weiter übrig, als darauf zu vertrauen, dass Will, Anita und die anderen in Ordnung waren...
Der Gedanke an Will und Anita brachte unweigerlich die Erinnerung an Sarah mit sich, doch ich ignorierte die Bilder, die sich mir aufdrängen wollten.
Ich hatte eine Aufgabe zu erledigen - ich konnte mir nicht erlauben, mich von Gefühlen oder einem schlechten Gewissen überwältigen zu lassen.... Also schloss ich mein Herz ganz tief in mir ein und verdrängte jede Emotion aus meinem Geist.
Je weiter wir nach Norden kamen, desto kälter wurde es und schon bald wurde das fruchtbare, grüne Land unter uns von verschneiten Wäldern abgelöst. Die Möwe wandte sich gen Osten und ließ sich vom Wind übers Meer tragen.
Da ich nichts weiter tun konnte, als auf das hin und her wogende Graublau der Fluten zu starren, sank ich immer wieder in seichten Dämmerschlaf, der mich jegliches Gefühl für Zeit und Raum verlieren ließ.
Als wir schließlich in einer eisigen Einöde landeten, hatte ich den Überblick darüber, wie viele Tage vergangen waren oder wo wir uns nun befanden, komplett verloren.
Es tat unbeschreiblich gut, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, meine Schultern frei bewegen zu können und selbst bestimmen zu können, wohin ich meine Schritte lenken wollte. Nur leider konnte ich mir noch immer keinen Reim darauf machen, wieso die Möwe mich überhaupt hierher verschleppt hatte...
"Was soll ich hier?", fragte ich den Vogel mit einer Mischung aus Neugierde und Zorn darüber, dass ich mich nun völlig planlos in irgendeiner verschneiten Pampa befand, anstatt den Tempel der Astarika zu suchen.
Die Möwe stieß einen schrillen Schrei aus und deutete mit einem Flügel auf merkwürdige Objekte, die sich am Horizont abzeichneten.
Zunächst konnte ich nicht erkennen, was meine Augen erblickten, doch als ich endlich begriff, ging ein Stromstoß durch meinen Körper: Nur wenige Meter von uns entfernt befand sich eine Ansammlung niedriger Iglus.
Das Dorf mit den kuppelartigen Gebäuden!
Dumbar musste ganz genau gewusst haben, wovon ich gesprochen hatte, als ich ihn eher scherzhaft nach der Siedlung aus Ma-Jos Vision gefragt hatte, und hatte einem seiner Untergebenen befohlen, mich hierher zu bringen - notfalls gegen meinen Willen.
Breit grinsend bedankte ich mich bei meiner Entführerin, dann stapfte ich voller Tatendrang durch den Schnee davon.
Ich war mir sicher, schon bald würde ich den vorletzten Mondstein in den Händen halten!
Doch als ich die Iglusiedlung erreichte, verschlug es mir zunächst den Atem...
Hier lebten keine Menschen, sondern kleine, pummelige Pinguine, die auf kurzen Beinchen fröhlich umher watschelten!
So niedlich dieser Anblick auch war, so sehr irritierte er mich auch. Ich hatte noch nie davon gehört, dass Pinguine in dörflichen Gemeinschaften lebten und sich sogar Behausungen bauten.
Meine Verwirrung beiseite schiebend, ging ich vorsichtig zwischen den niedrigen Schneehäusern umher und fühlte mich neben den vergnügt glucksenden Polarvögeln wie ein Riese.
Diese schienen von meiner Ankunft ebenso verblüfft zu sein wie ich selbst, sodass sich die Information über meine Anwesenheit wie ein Lauffeuer verbreitete und ich schon bald von zuckersüßen, gefiederten Knutschkugeln umringt war, die mich aus schwarzen Knopfaugen fasziniert anstarrten.
Vielleicht konnte ich dies zu meinem Vorteil nutzen...
Von neugierigen Blicken begleitet, holte ich einen meiner Mondsteine aus Fluffys Truhe, hielt ihn den Pinguinen zur Begutachtung hin und fragte: "Habt ihr hier irgendwo einen ähnlichen Stein gesehen? Es ist wirklich wichtig, dass ich ihn finde!"
"Glupsi-Glup?" Die Wasservögel sahen mich teils verwirrt, teils ratlos an. Nur einer von ihnen deutete auf einen Artgenossen, der sich nicht für mich interessierte und stattdessen rastlos vor einem der Iglus auf und ab ging.
Ich schob mich vorsichtig durch die mich umringenden Knutschkugeln und ging auf den aufgebracht wirkenden Pinguin zu.
Als ich näher kam, bemerkte ich in seiner Flosse einen glitzernden Gegenstand und mein Herz schlug unwillkürlich schneller.
Konnte es sein? Hatte meine Suche so schnell ein Ende?
Befand sich der Mondstein tatsächlich im Besitz dieses Pinguins?
Dieser warf mir einen kurzen Blick zu, als ich neben ihn trat, hörte aber nicht auf, vor dem Iglu hin und her zu watscheln. Ich ging in die Knie und versuchte, seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken: "Hallo du. Dürfte ich mir vielleicht mal den Stein ansehen, den du da hast?"
"Glupsi-Glup!" Der Pinguin schüttelte heftig den Kopf und drückte seine Flosse mit dem Stein darin fest gegen seine Brust.
"Es ist wirklich wichtig!", versuchte ich mein Glück erneut, erntete jedoch wieder nur dieselbe Reaktion.
Ich stieß einen tiefen Seufzer aus, folgte dem stetigen Hin und Her des Vogels mit den Augen und fragte mich, was wohl passieren würde, wenn ich ihm den Stein mit Gewalt entreißen würde. Er wirkte so klein und harmlos, dass ich bezweifelte, dass er mir Schaden zufügen konnte.
Doch dann blieb er kurz vor dem Eingang zum Iglu stehen, warf einen Blick ins Innere und glupste traurig, bevor er seinen Marsch von links nach rechts und zurück wieder aufnahm.
Dadurch neugierig geworden, linste ich ebenfalls in die Schneebehausung hinein und entdeckte ein Pinguinweibchen, das mit zornig wirkendem Blick zum Eingang starrte.
"Oha! Hast du etwas ausgefressen und jetzt ist deine Partnerin wütend auf dich?", fragte ich den vor mir auf und ab laufenden Wasservogel voller Mitgefühl.
Ich erinnerte mich an einen Tag, der inzwischen so weit in der Vergangenheit lag, dass ich das Gefühl hatte, er hätte in einem anderen Leben stattgefunden. Damals war einer meiner Streiche schrecklich schief gelaufen, als ich eine kleine Schachtel voller Käfer und Würmer in der Küche der Weberei platziert hatte. Statt Melinas Mutter hatte meine Freundin die Box geöffnet.
Melina, die seit jeher panische Angst vor Käfern gehabt hatte, war so entsetzlich zornig gewesen, dass sie tagelang nicht mit mir gesprochen und alle meine Versuche, mich zu entschuldigen, abgeblockt hatte, bis ich voller Reue und einem Bouquet bunter Blumen vor ihrer Tür gestanden hatte. Eigentlich hatte ich ihr damals versprochen, nie wieder bösartige Streiche zu spielen - nur um dann viel zu schnell zu beweisen, dass dies leere Worte gewesen waren...
Ich fragte mich nicht zum ersten Mal, was dieses bezaubernde Mädchen in mir gesehen hatte, dass es mir trotz all des Ärgers und Herzschmerzes, den ich ihm immer wieder beschert hatte, unablässig seine Treue und Liebe geschenkt hatte.
Es kam mir nicht so vor, als hätte ich dies verdient...
Mit einem melancholischen Lächeln auf den Lippen holte ich eine wunderschöne Lilie, die ich bei meinem letzten Besuch in Loir gekauft hatte aus Fluffys Truhe und staunte, dass sie noch immer vollkommen frisch wirkte.
Die Magie dieser Box war wirklich bemerkenswert!
Ich hielt dem überrascht wirkenden Pinguin die Blume hin und sagte: "Wenn deine Freundin sauer auf dich ist, gibt es nichts Besseres, als dich mit einer roten Lilie zu entschuldigen."
Der Polarvogel merkte interessiert auf und versuchte, mir die Blume zu entreißen, doch ich zog sie rechtzeitig außer Reichweite. "Du kannst sie haben, wenn du mir dafür deinen Stein gibst", stellte ich klar und deutete auf seine noch immer gegen seine Brust gepresste Flosse.
Der Pinguin überlegte für einen langen Moment, dann reichte er mir zögerlich seinen Schatz. Ich übergab ihm im Austausch dafür die Lilie und er verschwand fröhlich vor sich hin glupsend in seinem Iglu, wo er zunächst skeptisch und dann zunehmend erfreut von dem Weibchen begrüßt wurde.
Doch die beiden Vögel waren nicht die Einzigen, die frohlockten!
Bei dem Schatz des Pinguins handelte es sich tatsächlich um einen Mondstein!
Ich sandte gedanklich einen Dankesgruß an Dumbar dafür, dass er mir eine seiner Möwen geschickt hatte, und verstaute den kostbaren Stein in Fluffys Truhe.
Nun musste ich nur noch diesen Tempel finden...
Mir fällt gerade auf, dass der erste Teil der Serie - und damit Zelda als Ganzes - heute Geburtstag hat!
Am 21. Februar 1986 erblickte "Zeruda no Densetsu" auf dem japanischen Famicom das Licht der Welt und ist damit nun stolze 40 Jahre alt!
Bis das Spiel auch in die anderen Regionen außerhalb des Landes der aufgehenden Sonne entlassen wurde, musste mehr als ein Jahr vergehen - das internationale Jubiläum ist also erst nächstes Jahr.
Trotzdem sind 40 Jahre seit Japanrelease natürlich ein gigantischer Meilenstein, zu dem ich der Serie und ihrem ersten Teil herzlich gratulieren möchte!
(Von Nintendo selbst hat man zum Geburtstag sehr wenig gehört. Oder hab ich das nur nicht mitbekommen?)
Ich selbst habe Zelda I via Virtual Console auf der Wii mal angespielt, aber leider ist der Funke nicht übergesprungen.
Es gab mir zu wenig Handlung, zu häufig völlig random wirkende Lösungen und zu viel planloses Herumgelatsche.
Aber für ein Spiel von 1986 ist es natürlich schon beeindruckend, was Nintendo hier geschafft und geschaffen hat.
Und ich halte Zelda I schon allein deswegen in Ehren, weil es den Grundstein für die Spiele gelegt hat, die ich kenne und liebe.
In diesem Sinne:
Herzlichen Glückwunsch zur großen 4, Zelda!
Ich hätte mich auch deutlich mehr gefreut, wären die Spiele in die NSO-Bibliothek aufgenommen worden. Dann hätte ich definitiv mal rein geschaut - ich mag die ersten Spiele nämlich sehr, hab die Remakes aber nie gespielt, weshalb ich neugierig wäre.
Meine Neugierde ist mir aber keine 20€ wert.
Also werde ich weiter aussetzen. Schade.
Aber ich schätze, aus finanzieller Sicht war diese Art des Releases für TPC klug. Man wird's natürlich nie messen können, weshalb es immer reine Spekulation bleiben wird, aber ich kann mir vorstellen, dass die Anzahl der Leute, die bereit sind, die Spiele (nochmal) zu kaufen, ist deutlich größer als die Anzahl derer, die nicht sowieso schon eine NSO-Mitgliedschaft haben und diese extra abgeschlossen hätten. (Ich nehme an, dass Entwickler, die ihre Spiele in der Bibliothek haben, anteilig bezahlt werden und die Anzahl der Abonnenten einen Einfluss darauf hat, wie viel Geld ausgezahlt wird. Ich weiß aber nicht, ob das stimmt. Kann auch sein, dass Nintendo einen Fixpreis für die Lizenz (sozusagen) zahlt.)
Phirone hat sich sehr viel Mühe gemacht, seine Theorie auszuführen. Da wäre es schön, wenn auch die Antworten ein bisschen mehr Inhalt bieten würden als "Is' halt so" (überspitzt ausgedrückt).
Interessante These, die du da aufstellst, Phirone, aber für mich fühlt es sich ein bisschen zu sehr nach "das Pferd von hinten aufzäumen" an, wenn ich ehrlich bin.
Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Mensch bin, der Story und Charakteren sehr viel Gewicht beimisst und deswegen generell etwas Probleme habe, mir die Herangehensweise "gameplay first, story second" tatsächlich in Aktion vorzustellen.
In meinem Kopf bezieht sich "gameplay first" hauptsächlich auf die Hauptfeatures eines Spiels - im Fall von TP wären das Wolf-Link mit all seinen Fähigkeiten, ein Sidekick, die verschiedenen Items und die okkulten Künste - und dann wird um diese Gameplaybausteine eine Story gestrickt, in der sich die Einbindung/Verwendung dieser Elemente organisch anfühlt. Dann werden, basierend auf der Story, die benötigten Charaktere entworfen.
Sowas wie Sounddesign kommt in meinem Kopf erst ganz, ganz zum Schluss bzw. dient höchstens als Inspiration für das Design eines Charakters, aber nicht für dessen Funktion in der Story.
Wenn ich mir vorstelle, das Team hat sich verschiedene Samples angehört und dann gedacht: "Hey, das klingt gut. Wie heißt der Track? Usurpator? Nice. Wir brauchen einen Throndieb in unserem Spiel!", dann tut mir irgendwie der Kopf weh. ![]()
Aber, wie gesagt, das mag ein "me thing" sein, weil meine Herangehensweise definitiv anders wäre.
Ich könnte mir eher vorstellen, dass der Zusammenhang andersherum ist und manche der Samples u.a. deswegen verwendet wurden, weil sie zu der Zanto angedachten Rolle passten - und der Name des Tracks daher rührt, dass das Sample mit einer derartigen Figur/Rolle im Hinterkopf geschaffen wurde.
Bezüglich des Twilight Realms* würde ich eher davon ausgehen, dass die Idee der zweiten Welt hauptsächlich auf dem Gameplayfeature "Wolf-Link" basiert, weil die Entwickler einen Storygrund brauchten, um Spielabschnitte speziell für Wolf-Link zu erstellen, ohne dafür eigene Gebiete schaffen zu müssen. (Schließlich will man ja, wenn möglich, Ressourcen sparen.)
In dem Zusammenhang erscheint es mir naheliegender, dass der Blick auf die eigenen Werke hier die Inspiration war; namentlich ALttP und die Dark World.
Aber ich gehe insofern mit dir mit, dass ich mir vorstellen kann, dass die Samples Inspirationsquelle waren, als es darum ging, dieses zweite Reich und seine Prinzessin mit Namen zu versehen.
* Ich finde es übrigens ein bisschen traurig, dass man die Dark World aus ALttP und den Twilight Realm aus TP im Englischen (und ich denke, auch im Japanischen) klar unterscheiden kann, während im Deutschen beides "Schattenreich" heißt und man daher meinen könnte, diese beiden Welten seien ein und dasselbe.
Schade, dass es im Deutschen nicht Dämmerreich heißt.
Ouroboros hießen die
Ach, stimmt! Ganz vergessen, dass wir ja sogar bereits einen Namen dazu haben. ![]()
Ich finde etwas unglücklich, dass er dunkelblaue Haare hat, denn anfangs dachte ich, er könnte irgendwie mit Joshua verwandt sein (die Augenfarbe ist auch nicht sooo unähnlich, finde ich - und er öffnet die Augen ja auch nur selten, ich dachte, das hätte eine Bedeutung) - aber da Joshuas Haare ja eigentlich schwarz sind, passt das wieder nicht.
Dazu wäre vielleicht interessant zu wissen, wie die beiden Sprites im Original aussehen.
Ich hatte auch durchaus in die Richtung gedacht, dass die beiden vielleicht nochmal eine speziellere Verbindung haben könnten, weil gewisse Ähnlichkeiten da sind.
Aber so richtig überzeugt bin ich von dem Gedanken bislang nicht - allerdings nicht, weil Joshuas Haare eigentlich schwarz sein sollen.
Falcom hat die Tendenz dazu, aus schwarzen Haaren eher blaue zu machen, scheint mir.
Zumindest soll Adol sich die Haare in Ys IX auch schwarz gefärbt haben, aber es sieht eher blau aus:
![]()

Von daher: Gut möglich, dass Alba ebenfalls schwarzhaarig (nur noch dunkler als Joshua) sein soll... ![]()
Aber irgendwie fühlt sich "Sie sind verwandt" für mich nicht richtig an; weiß nicht, wieso. (Und am Ende stellt sich raus, er ist sein Vater... Dö-dö-döööööm!)
Bin echt gespannt, wie viele Fragen am Ende von 2nd Chapter offenbleiben werden.
Ich glaube aber, dann ist es nur bei den NPCs. Denn der Turm wurde definitiv nicht wieder zurückgenannt und hieß weiter Jade Turm?
Das ist richtig.
Das Problem ist jetzt leider: Einige NPCs, die öfter in der Reihe vorkommen, wurden (ohne ersichtlichen Grund, außer Sloppy Lokalisierung?) umbenannt.
Ich glaube, das könnte vielleicht gefixt sein.
Ich lass derzeit neben der Arbeit ein LP zu TitS von jemandem laufen, der die Serie gut kennt, und er hat sich am Anfang darüber bei
dem Pärchen in Rolent, wo sie seine Liebeserklärung erst nicht akzeptieren will, weil ihr der Ort zu schäbig ist ![]()
darüber beschwert, dass die Namen nicht passen. Ein paar Parts später hat er sich dann aber darüber gefreut, dass die Namen angepasst wurden und jetzt passen.
Keine Ahnung, ob das nur für diesen Fall gefixt wurde (Was gut möglich ist, weil der LetsPlayer zwischen den beiden Situationen auch von der Demo auf die Vollversion gewechselt ist.) oder ob das in einem späteren Fix generell angepasst wurde (und das LP mit einer Version aufgenommen wurde, die den Patch schon hat).
Wäre jedenfalls schade, wenn das nicht gefixt würde. Wenn sich das Entwicklerteam damit so viel Arbeit gemacht hat, dann sollten auch möglichst viele Spieler den Payoff dafür bekommen und nicht an inkonsistenter Benennung scheitern.
Edit:
Ich hab die Stelle, wo er sich wegen der Namen freut, jetzt extra nochmal raus gesucht:
Es ist auch möglich, dass es noch andere Leute dort gab, wenn Joshua die Nummer XIII ist.
Ja, davon gehe ich auch aus.
Ich denke, dass wir es da mit einer ganzen Organisation zu tun haben und Alba eines der höheren Tiere dort ist, es aber noch weitere Strippenzieher gibt.
Und ich glaube, dass Joshuas Versprechen, das in der Szene zwischen ihm und Cassius angesprochen wird, etwas damit zu tun hat. Vielleicht hat er versprochen, diese Leute aufzuhalten oder so. Wobei ich davon ausgehe, dass auch Joshua die Ausmaße des Ganzen (noch) nicht kennt.
Ich frage mich zudem, ob diese Organisation irgendetwas mit der antiken Zivilisation zu tun hat oder ob sie nur deren Technologie benutzen will, um ihr Ziel (was auch immer das sein mag) zu erreichen.
Jedenfalls glaube ich, dass Albas Interesse an den Türmen echt ist. (Und es würde ja auch dazu passen, dass Colonel Richards benutzt wurde, um dieses Maschinendings in den Katakomben unter der Stadt zu aktivieren.
Ob Alba und Co nun irgendwie mit der antiken Zivilisation in Verbindung stehen (Letzte überlebende, direkte Nachfahren?) oder nicht, sie scheinen auf jeden Fall mehr darüber zu wissen als der Rest der Welt (wenn man davon ausgeht, dass die anderen Nationen ähnlich viel wie die Leute in Liberl wissen).
Ah, mir ist noch eine Sache eingefallen, die ich schräg finde (und wo Yuffie sich vielleicht auch wieder traut, mitzureden):
Es ist ja auf der Minimap sichtbar, mit welchen NPCs man schon gesprochen hat, weil diese einen ausgegrauten Punkt haben und eigentlich will das Spiel ja auch, dass man mit NPCs spricht, weil da unglaublich viel Worldbuilding/Arbeit drin steckt und
die Figuren teilweise richtige kleine Geschichten haben, die sich schrittweise weiterentwickeln. Von dem, was ich gehört habe, ziehen manche dieser Mini Arcs sich sogar bis in weitere Teile der Serie.
Aber es ist super oft (aber nicht immer) so, dass man einen NPC zweimal ansprechen muss, damit sein Punkt bis zum nächsten Dialogupdate ausgegraut wird, er aber beim zweiten Ansprechen eigentlich nur wiederholt, was er schon beim ersten Mal gesagt hat.
Warum ist das so?!
Das fand ich super irritierend und hat mir auch ein wenig die Lust genommen, mit NPCs zu reden.
Da Alba Joshua irgendwas mit Nummer XIII anspricht, gingen meine Gedanken eher in die Richtung, dass sie (also Joshua, Lorence, Karin und Loewe) früher alle befreundet/zusammen ausgebildet wurden und dann etwas passiert ist, was Joshua zerbrechen ließ.
Das habe ich auch überlegt, aber ich würde eher in die Richtung gehen, dass sie Freunde waren und Karin (Danke für den Namen!) etwas zugestoßen ist, bevor sie zu Alba gekommen und ausgebildet worden sind.
Angenommen, Joshuas Erinnerungen sind (halbwegs) korrekt, scheint ja davor etwas passiert zu sein, dass ihn derart apathisch/depressiv werden ließ, dass seine Eltern ihn Alba überlassen haben, weil dieser versprochen hat, ihn heilen zu können.
Aber kann natürlich auch sein, dass Joshuas Erinnerungen an seine Familie nicht echt sind.
Bin echt gespannt, wie das alles aufgelöst wird. Wann ist endlich Herbst? ![]()
löse die Siegel im Teufelsturm in der umgekehrten Reihenfolge in der du die Dungeons gelöst hast (Geistersiegel als erstes, Waldsiegel als letztes)
Ich werd zwar vermutlich nicht teilnehmen (Zu wenig Zeit, zu viel anderes zu tun), aber Frage hierzu:
Was ist mit dem Lichtsiegel?
Kann das irgendwann zwischendrin erledigt werden oder sollte das eigentlich das letzte Siegel sein, das gebrochen wird? (Theoretisch schließt Link den Lichttempel ja auch vor dem Waldtempel ab bzw. bekommt das Lichtmedaillon vor dem des Waldes.)
Joshua verspricht im letzten Kapitel, Estelle über seine Vergangenheit zu erzählen. Ein paar Spielstunden später tanzt Alba an, schnippt mit den Fingern und plötzlich erinnert Joshua sich und erzählt Estelle später davon. Nur - was wollte er ihr ursprünglich sagen? Er muss sich doch auch vor dem Gespräch mit Alba bereits erinnert haben, sonst hätte er Estelle nicht das Versprechen gegeben.
So wie ich das verstanden habe, konnte er sich die ganze Zeit an den Großteil seiner Vergangenheit erinnern (dass er als Kind ein Assassine war und Cassius hätte töten sollen), es ihm bis zum Treffen mit Alba jedoch nicht bewusst war, dass er Cassius für Alba ausspioniert hat, nachdem dieser ihn bei sich aufgenommen hat.
Joshua war (unwissentlich) ein trojanisches Pferd, sozusagen - und es ist dieser Verrat an Cassius, der ihn am Ende derart aus der Bahn wirft.
Und alle Erinnerungen, die Alba am Ende wieder aktiviert, beziehen sich auf Situationen, in denen Joshua ihm Bericht erstattet/Cassius (und Estelle) hintergangen hat.
Von daher gehe ich davon aus, dass Joshua vorhatte, Estelle mehr oder weniger genau das zu erzählen, was er ihr dann tatsächlich erzählt hat - nur, dass er sie danach dann nicht verlassen hätte.
Aber die Idee, dass alle seine Erinnerungen komplett falsch sein könnten, ist interessant - ich glaube allerdings nicht dran bzw wenn, dann ist die Wahrheit, denke ich, noch immer recht nah dran an dem, was Joshua zu erinnern glaubt.
Ich hab nämlich den Eindruck, dass Lorenz Joshuas früherer Kollege ist und die beiden zusammen ausgebildet wurden.
Zwischendurch hatte ich mal überlegt, ob sie vielleicht Brüder sind; aber dann sähen sie sich vermutlich ähnlicher. Wobei Lorenz mehrfach ein Mädchen (hab den Namen vergessen) erwähnt, das tot zu sein scheint.
Daher frage ich mich jetzt, ob Lorenz und Joshua mehr als nur Freunde/Kollegen waren und das Mädchen zum einen Lorenz' Liebe und zum anderen Joshuas Schwester war (oder so). Der Tod einer so nahestehenden Person wäre jedenfalls ein nachvollziehbarer Grund, warum Joshua überhaupt derart depressiv geworden ist, dass seine Eltern ihn in Albas Obhut gegeben haben.
Bin jedenfalls sehr gespannt, wie die Story im nächsten Teil weitergeht und ob irgendwelche meiner Ideen auch nur nah dran war. ![]()
Legend ist mein mit Abstand liebster Teil der Serie.
Ich hab mich ganz spontan darin verliebt, wie agil, akrobatisch und einfach... frei Lara hier in ihren Bewegungen ist.
Natürlich ist vieles super übertrieben, aber es macht trotzdem unglaublich viel Spaß, sich mit Flickflacks durch die Welt zu bewegen, anstatt einfach nur zu gehen (wie der normale Pöbel...
).
Vorbei waren die Zeiten, wo man Lara langsam und präzise an eine Kante steuern musste/konnte, um einen perfekt ausgerechneten Sprung zu schaffen.
Anders als in Angel of Darkness, das sich vorher schon von den Blockbauleveln verabschiedet hatte, aber ohne Laras Movement genügend an das neue Leveldesign anzupassen, griffen hier wieder alle Elemente zusammen und das Erkunden der einzelnen Level machte wieder Spaß, weil sich Springen, Klettern und Co lockerflockig anfühlten.
Neben Laras Bewegungsrepertoire mag ich ihren Charakter hier ebenfalls sehr und finde, Crystal Dynamics haben hier eine ganz gute Mischung getroffen.
Sie ist kompetent, intelligent, selbstbewusst, versteht weltfrauisch aufzutreten und hat eine sehr spitze Zunge. Sie ist taff und abgebrüht, aber zeitgleich hat sie Momente, in denen sie sich verletzlich zeigt und es ist offensichtlich, dass ihr ihre beiden Mitarbeiter, Zip und Alister, am Herzen liegen und eher Freunde als Hilfskräfte sind.
Apropos Zip und Alister:
Ich weiß, dass einige Fans der alten Spiele nicht glücklich damit waren, dass Lara während Legends nahezu permanent über Headset und Kamera mit den beiden in Verbindung steht und hin und wieder auch Gespräche mit ihnen führt, während sie fröhlich durch den Dschungel hopst.
Ich verstehe, warum das manchen Leuten nicht gefällt (Es zerstört ein bisschen die besondere, mythische Atmosphäre, die früher aufgekommen ist, wenn Lara ganz allein verlassene Ruinen erkundet hat.), aber ich hab mich daran nie gestört - ganz im Gegenteil.
Ich mag das gegenseitige Gefrotzel der drei sehr und es lässt Laras Monologe, wenn sie etwas besonderes entdeckt hat und die historische Bedeutung dessen erklärt, organischer wirken.
Die Story von Legends finde ich okay.
Nicht alles davon hat mich abgeholt, aber im Großen und Ganzen hat sie für mich gut funktioniert und war (vor allem, wenn man Underworld, wo die Handlung fortgesetzt wird, noch dazu nimmt) teilweise überraschend emotional/tragisch.
Und ich hab dadurch tatsächlich das ein oder andere gelernt (z.B. dass Excalibur nicht das Schwert aus dem Stein ist). Dafür gibt's extra Pluspunkte.
Die verschiedenen Schauplätze in Legends mag ich alle sehr gern und ich finde es toll, wie abwechslungsreich sie sind; da ist von Großstadt über einen verlassenen Freizeitpark bis zum tiefen Dschungel alles dabei. (Ich war beim ersten Durchspielen auch jedes Mal wieder gespannt, welches Outfit Lara im nächsten Abschnitt tragen würde.
)
Abseits der Haupthandlung Croft Manor zu erkunden, hat mir auch immer Spaß gemacht, auch wenn ich mir hier eine kleine Story gewünscht hätte (Irgendwas, das mehr Hintergrundinformationen zu den Figuren geliefert hätte oder einfach nur ein nettes, kleines Abenteuer gewesen wäre.), um einen zusätzlichen Anreiz dazu zu haben.
Zusätzlich gab es neben dem normalen Storymodus auch einen Zeitmodus, wenn man ein Level bereits einmal abgeschlossen hatte, durch den man zusätzliche Kostüme für Lara freischalten konnte.
Den habe ich jedoch nie wirklich gespielt - dafür mache ich in den Leveln einfach viel zu gerne irgendwelchen Schabernack und mag das Durchrennen zum Ziel nicht so.
Kurzum:
Legend ist ein wirklich kurzweiliges Spiel mit der (meiner Meinung nach) genau richtigen Mischung aus gut aufs Leveldesign abgestimmtem Gameplay, charmanten Charakteren, einer netten Story, abwechslungsreichen Schauplätzen, Witz und menschlichen Momenten.
(Aber die beiden längeren Motorradabschnitte fühlen sich zu gleich an.)
Ich hasse RotT. (Hah, das Akronym passt ja perfekt zu meiner Meinung vom Spiel. Ist mir noch nie aufgefallen.
)
Während ich den Vorgänger größtenteils noch ganz gern mochte, hat RotT meinen Geschmack so kilometerweit verfehlt, dass ich den Nachfolger nicht mal dann angefasst habe, als ich ihn kostenfrei hätte spielen können.
Aber warum, Labrynna? Der Teil ist dem Vorgänger doch ganz ähnlich!
Eben drum.
RotT fühlte sich an, als hätte der Entwickler das Skelett von TR (2013) genommen und einfach eine neue Haut drauf gezogen, ohne sich darum zu kümmern, dass diese passt.
Die Story mag vielleicht ganz interessant sein, ist aber so inkohärent erzählt, dass es mich aufgeregt hat, weil ich ständig das Gefühl hatte, dass die auftretenden Figuren - Lara eingeschlossen - mehr Wissen hatten als ich als Spieler und dieses einfach nicht mit mir geteilt haben. (Beispiel: Gleich zu Anfang wird mir eingetrichtert, dass Lara ganz unbedingt Trinity aufhalten muss, weil die sind voll doll böse. Mir wird aber nie gesagt, a) wer oder was Trinity eigentlich sind, b) woher Lara weiß, dass sie so böse sind und c) was sie so Böses machen, dass sie das Relikt nicht in die Finger bekommen dürfen. Es gab wohl ein paar Hintergrundinformationen zu ihnen in TR (2013), aber dies nur in optionalen Sammelobjekten.)
Am schlimmsten war für mich aber, dass Lara sich nach dem Vorgänger nicht weiterentwickelt hatte. TR (2013) war mir als Entstehungsgeschichte der taffen Grabräuberin, wie ich sie kannte und liebte, verkauft worden. Daher hatte ich in RotT erwartet, eine gereifte, abgeklärte Abenteurerin zu spielen, die weiß, was sie tut (und hier und da gelegentliche menschliche Momente hat, in denen sie mal verzweifelt).
Stattdessen habe ich, genau wie im Vorgänger, ein von Anfang völlig überfordertes, ständig jammerndes Mädchen bekommen, was für mich nicht zu der Geschichte von RotT passte. Das hier sollte eine junge, mutige Frau sein, die sich gegen eine böse Organisation stellt - kein verängstigtes Gör, das tut, als wäre es wieder versehentlich in ein Schlamassel gestolpert!
Gosh, fand ich das anstrengend...
Gameplaytechnisch war RotT eigentlich wieder ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, da es mehr Erkundungsmöglichkeiten und Gräber voller Puzzle und Rätsel gab.
Mein Problem damit war, dass das alles (größtenteils?) optional war. Ich bin niemand, der gerne die ganze Map abklappert, um separierte Räume zu finden, in denen irgendwas passiert, das keinerlei Bezug zur Handlung hat und mir nur Loot bringt. (Das ist auch einer der Gründe, warum ich mit den Schreinen in Zelda hadere.)
Ich gucke mir Gebiete, in die mich die Story oder eine Nebenaufgabe führt, gerne genauer an, aber ich brauche halt immer einen Storygrund, warum ich mich jetzt in Gebiet XY begebe und warum ich mir Grab Nummer 537 angucke.
Die Art wie das, was ich an den früheren Teilen mochte, zurückgebracht wurde, empfand ich also auch als langweilig, uninspiriert und mir wenig Freude bringend, da sich die Suche danach wie Fleißarbeit anfühlte.
Zudem fühlte sich RotT, wo der Survivalaspekt von TR (2013) etwas zurückgefahren worden war, nun noch mehr an, als wäre es eine (schlechte) Uncharted-Kopie statt ein neuer Teil der Serie, die dieses Genre stark geprägt, wenn nicht gar begründet hatte.
Und da hab ich 10x lieber Uncharted gespielt - da machte die Story wenigstens (größtenteils) Sinn bzw. war nachvollziehbar erzählt und die Charakter(interaktionen) machten Spaß.
Daher mein Fazit zu RotT: Verbrennt es mit Feuer!
Mein erstes TR-Spiel war Angel of Darkness (Davor hatte ich TR I und II, sowie III, glaub ich, ausschnittsweise angespielt), das ich trotz all seiner Fehler ziemlich gern mochte, aber wegen eines Bugs nie durchspielen konnte (Also, ich glaube, dass es ein Bug war. Vielleicht war ich trotz diverser Guides und Videos auch einfach zu blöd, den Boss zu schaffen...).
Der Funke ist aber erst mit Legend so richtig übergesprungen. Ich LIEBE Legends bis heute und auch wenn ich die beiden Nachfolger schwächer fand, hatte diese Trilogie die für mich perfekte TR-Formel.
Entsprechend war ich schon im Vorfeld nicht so richtig begeistert, als für Tomb Raider (2013) eine (erneute) Neuausrichtung der Serie angekündigt wurde.
Eine Neuausrichtung, die sich an Horror, Gore und Survival bediente - drei Genres, mit denen ich sehr wenig anfangen kann.
Gecatcht hat mich einzig und allein die Prämisse vom Spiel: Ich mochte die Idee, eine junge, noch unerfahrene Lara zu spielen, die völlig unvorbereitet in ein Abenteuer geworfen wird und über sich hinauswachsen muss und dadurch zu der taffen, durch nichts zu erschütternden Frau wird, die Lara Croft bis dahin immer gewesen war.
Also ging ich mit viel Skepsis an das Spiel heran und war dann positiv überrascht.
Auch wenn mir nicht alles gefiel (zu großer Fokus auf Geballer/zu wenig Rätsel, Puzzle und Erkundung; zu wenig mystische Artefakte und die damit verbundenen Geschichtsvorträge von Lara), hatte ich mehr Spaß als ich erhofft hatte und Laras Charakter funktionierte für mich ebenfalls gut. Es fühlte sich richtig an, dass sie hin und wieder verzweifelte und an ihr Ende kam, nur um sich dann doch selbst wieder an den Haaren aus dem Dreck zu ziehen und weiterzumachen.
Es ist kein Teil, den ich immer wieder spielen wollen würde (Dafür fand ich die schiere Menge an Massenballereien und Action zu anstrengend.), aber ich bereue nicht, ihn gespielt zu haben.
Arks Tagebuch Part 21
Als das Rettungsteam eintraf, rümpften die drei Männer über unseren bestialischen Gestank die Nase, doch falls sie irgendetwas dazu sagen wollten, war dies sofort vergessen, als sie Liam erblickten. Offenbar hatten sie geglaubt, ich hätte gescherzt, als ich angegeben hatte, einer der Zurettenden sei ein Löwe, und fielen nun aus allen Wolken.
Beim Anblick ihrer konsternierten Gesichter stellte ich mich bereits darauf ein, darum kämpfen zu müssen, dass Liam ebenso gerettet werden würde wie Sarah und ich.
Nach einer kurzen Teambesprechung überraschten mich die Rettungshelfer jedoch damit, dass sie mich ohne Diskussionen baten, meinen haarigen Freund in den Laderaum ihres Flugzeugs zu bringen.
Liam drückte sich dicht an mich und sein Blick zuckte nervös hin und her, aber er zeigte zum Glück keinerlei Aggressivität den Fremden gegenüber. Lediglich als ihm einer der Retter einen Gurt umlegen wollte, um ihn im Bauch der Flugmaschine zu sichern, stieß er ein lautes Fauchen aus, um mitzuteilen, dass er damit ganz und gar nicht einverstanden war. Der junge Mann erbleichte schlagartig und landete hart auf seinem Hintern, als er einer befürchteten Attacke ausweichen wollte.
Sarah tätschelte beruhigend Liams Kopf und hielt ihm ihre Puppe hin. "Ich hab auch Angst", gestand sie ihm, "aber Susie hier tröstet mich immer. Möchtest du sie auch mal halten?"
Ihre selbstlose Geste und Fürsorge dem Löwen gegenüber, von dem sie noch vor wenigen Stunden geglaubt hatte, er wolle sie fressen, zauberte mir ein breites Lächeln auf die Lippen.
Dass Neo-Tokio ausgelöscht worden war, war ohne Frage tragisch, doch in diesem Moment hätte ich dennoch all diese Seelen dafür eingetauscht, dass dieses Mädchen überlebte. Sarah trug ein ganz besonderes Licht in ihrem Herzen, ohne das der Welt einiges an Schönheit gefehlt hätte.
Wir brauchten mehr Menschen wie sie...
Um mich selbst von der in mir aufsteigenden Emotionalität abzulenken, nahm ich dem verdattert auf dem Boden hockenden Rettungsteammitglied den noch immer fest umklammerten Gurt aus der Hand und sagte: "Keine Sorge. Ich kümmere mich darum, dass Liam gesichert wird."
Der Mann sah mich aus schockgeweiteten Augen dankbar an, nickte und machte sich dann schnell daran, statt Liam Sarah zu sichern und sie in einem der bequem aussehenden Sitze festzuschnallen.
Als ich mich meinem Freund mit dem festen Stoffstrang in der Hand näherte, maunzte dieser unglücklich, doch er vertraute mir genug, um mich ohne Gegenwehr gewähren zu lassen. Sein Herz schlug dabei derart heftig, dass man das Pulsieren unter den Rippen deutlich sehen konnte.
Bei diesem Anblick fragte ich mich zum ersten Mal bewusst, unter welchen Umständen Liam damals wohl nach Japan gekommen sein mochte und ob der bevorstehende Flug alte Traumata wieder hervorholte.
Ich strich ihm daher beruhigend über den Kopf und versprach: "Bald bist du wieder zuhause und in Freiheit."
Liam rieb als Antwort dankbar seine Stirn gegen meinen Bauch und ließ sich hinter den Ohren kraulen.
Der Pilot des Rettungsteams beobachtete uns mit unverholener Faszination und fragte neugierig: "Wie zähmt man einen Löwen so vollständig, dass er derart fügsam wird?"
Erzürnt warf ich ihm einen stechenden Blick über die Schulter hinweg zu und erklärte: "Ich habe Liam nicht gezähmt! Er gehörcht mir nicht, weil er mich für seinen Herren hält. Wir sind Freunde und er folgt mir, weil er mir vertraut und daran glaubt, dass ich nur sein Bestes im Sinn habe."
Für einen Moment sah es aus, als würde der mittelalte Mann über meine Worte nachdenken, doch dann stieß er ein was-auch-immer-Grunzen aus und entgegnete: "Wir wollen in dieser verseuchten Stadt nicht mehr Zeit als nötig verbringen. Sieh zu, dass du dich anschnallst - wir heben gleich ab."
Ich nickte und der Pilot verschwand mit seinem Kollegen im Cockpit, wo das dritte Teammitglied bereits auf sie wartete.
Da ich in Liams Nähe bleiben wollte, um ihm mehr Sicherheit zu geben, verzichtete ich darauf, mich auf einen der Sitze neben Sarah zu begeben. Stattdessen hockte ich mich neben meinem Löwenfreund auf den Boden und sicherte mich mit einem losen Gurt an einer Metallstrebe.
Vermutlich wäre ich bei einem Absturz aus dem Flugzeug geschleudert worden, aber ich war bereit, dieses Risiko einzugehen, wenn ich Liam dadurch ein wenig seiner Angst nehmen konnte.
Wie angekündigt, erwachte die Flugmaschine kurz darauf mit einem lauten Röhren zum Leben und wir erhoben uns in den Nachthimmel über Japan, mit Kurs auf Nordamerikas Ostküste.
Nach nur wenigen Minuten forderten die Anstrengungen und Aufregung des zurückliegenden Tages ihren Tribut und Liam und Sarah fielen, vom gleichmäßigen Brummen der Motoren gewiegt, in einen erschöpften Schlaf.
In meinen Gliedern machte sich ebenfalls bleierne Müdigkeit breit, doch ich kämpfte verbissen dagegen an. Ich brauchte die Zeit, die wir für den Flug nach Liberita benötigten, zum Nachdenken, wo sich die letzten zwei Mondsteine befinden mochten.
Ma-Jos Hinweise waren ein verschneites Dorf mit Kuppelgebäuden und ein verlassener Tempel.
Ob Will mir sein neues Flugzeug leihen würde, auch wenn ich das Modell, das er mir geschenkt hatte, irgendwo in Russland geparkt und womöglich verloren hatte? Dann könnte ich von der Luft aus nach dem Dorf suchen, was wesentlich schneller gehen würde als zu Fuß durch die Permafrostgebiete der Welt ziehen zu müssen.
Doch wie ich den alten Tempel finden sollte, dazu fehlte mir noch immer jede Idee...
Der samtschwarze Himmel hinter den kleinen Fenstern des Frachtraums hatte sich bereits zu einem dreckigen Grau aufgehellt, als Sarah herzhaft gähnte und sich in ihrem Sitz streckte.
"Guten Morgen", begrüßte ich sie mit einem breiten Lächeln. "Hast du schön geschlafen?"
Das Mädchen rieb sich über die noch halb geschlossenen Augen und nuschelte: "Geht so..." Dann setzte es sich wieder aufrecht hin und warf dem zusammengerollt neben mir liegenden Löwen einen mitfühlenden Blick zu. "Wie geht es Liam?"
"Besser", bestätigte ich und beobachtete mit einem warmen Gefühl im Herzen, wie sich sein Brustkorb ruhig und gleichmäßig hob und senkte.
Sarah präsentierte mir ihren fehlenden Schneidezahn, als sie daraufhin erfreut grinste, und urteilte: "Gut!"
Anschließend schwiegen wir wieder für einen langen Moment, bis sie beinahe flüsternd fragte: "Was passiert jetzt eigentlich mit mir?" Ich hatte Probleme, sie über das Dröhnen der Motoren hinweg zu verstehen, doch die Furcht war ihr trotzdem überdeutlich anzuhören.
Daher bemühte ich mich, so beruhigend wie möglich zu klingen, als ich erklärte: "Es gibt in Liberita ein Waisenhaus namens Moronia, dort wirst du untergebracht werden. Ich kenne ein paar Leute, die dort aufgewachsen sind, und bin mir deswegen sicher, dass es dir dort gutgehen wird. Du wirst viele neue Freunde finden und mit etwas Glück wirst du vielleicht sogar von einem netten Paar adoptiert werden, das dich genauso lieben wird, als wärst du seine leibliche Tochter."
Sarah ließ das Gesagte auf sich wirken, während ich sie aufmunternd anlächelte und nachschob: "Alles wird gut werden. Du bist endlich wieder in Sicherheit."
"Kann ich nicht einfach bei dir bleiben?" Die Mischung aus Hoffnung, Angst, Einsamkeit und Zuneigung in der Stimme des Mädchens brach mir das Herz.
"Ich wünschte, das ginge." Die Worte kamen heiser und brüchig aus meinem Mund, da ich sie an einem Kloß in meiner Kehle vorbeiwürgen musste. "Aber an meiner Seite hättest du ein sehr unbequemes Leben und wärst permanent in Gefahr. Das werde ich nicht zulassen."
Sarah nickte enttäuscht und ich erinnerte mich daran, dass ich ganz ähnliche Worte vor langer Zeit Mei-Lin gegenüber gebraucht hatte, um ihr klar zu machen, warum ich alleine reisen musste und sie nicht mitnehmen konnte.
Wann das wohl endlich ein Ende haben würde?
Wann durfte ich mir endlich wieder erlauben, nicht jeden Menschen, der mir nah sein wollte, auf Distanz zu halten?
Meine Gedanken sprangen zu Prinzessin Melina und dem kurzen Moment der Intimität, den wir in dem Geheimgang von Burg Drachenfels miteinander geteilt hatten.
Ich wusste noch immer nicht, in welchem Schlamassel sie steckte, doch ihr ging es ganz genau wie mir: abgesehen von Fyda schob sie jede Person, die ihr nahe kam, sofort von sich weg, aus Angst, diese ansonsten einer nicht näher definierten Bedrohung auszusetzen.
Vielleicht fühlten wir uns deshalb derart von einander angezogen, weil wir in dem jeweils anderen eine verwandte Seele erkannten - verbunden durch die Last der Einsamkeit, die mit den uns auferlegten Bürden einherging.
Was Melina in diesem Moment wohl gerade tat?
In welchem Winkel der Welt trieb sie sich herum?
War sie inzwischen einen Schritt näher an der Erfüllung ihrer Aufgabe und damit an der Rückgewinnung ihrer Freiheit?
Sarahs Stimme holte mich zurück ins Hier und Jetzt: "Ob Susie sich wohl freut, nachhause zurückzukehren?"
"Deine Puppe kommt aus Amerika?", hakte ich überrascht nach und betrachtete die Stofffrau mit neuem Interesse. Bei genauerer Betrachtung erinnerte ihre Kleidung tatsächlich an traditionelle Gewänder aus der Amazonasregion.
Ihre Besitzerin nickte und erklärte: "Papa hat sie mir von seiner letzten Reise mitgebracht. Mama hat den Mondstein von ihm bekommen. Sie wollte immer einen Ring daraus machen lassen, ist aber nie dazu gekommen. Und jetzt..." Sarah wurde immer leiser, bis sie vollständig verstummte und mit Tränen in den Augen auf die Spitze ihrer Schuhe starrte.
Ich hätte sie gerne getröstet, wusste jedoch nicht, was ich sagen sollte. Meine Eltern hatten mich auf der Schwelle des Weisen ausgesetzt, bevor ich alt genug gewesen war, um mich an irgendetwas zu erinnern. Daher kannte ich den Schmerz, plötzlich die Wärme einer liebenden Familie zu verlieren, nicht und konnte mich auch nur schwer in die Lage meiner kleinen Bekannten hinein versetzen.
Zudem muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ein anderer Gedanke jegliche Überlegungen, wie ich Sarah vielleicht aufheitern konnte, verdrängte: "Dein Vater hat den Mondstein in Amerika gefunden? Weißt du zufällig, wo genau?"
Mir war selbst nicht ganz klar, warum ich auf einmal darauf brannte, die Antwort darauf zu erfahren.
Die anderen Steine hatten sich alle an unterschiedlichen Orten befunden - es gab keinen Grund, anzunehmen, dass dort, wo Sarahs Vater seinen Mondstein entdeckt hatte, noch ein weiterer seiner Brüder zu finden sein würde.
Trotzdem sagte mir eine Stimme ganz tief in meinem Inneren, dass dieses Wissen wichtig war.
Meine Gedanken wirbelten wie in einem Orkan gefangen durch meinen Kopf und entwischten mir jedes Mal, wenn ich versuchte, einen von ihnen zu fassen zu bekommen.
Ich glaube, meine unbewussten Überlegungen sahen in etwa so aus:
Es war klar, dass den Mondsteinen eine mystische Kraft innewohnte und man sie in Ritualen einsetzen konnte - aus ebendiesem Grund war ich ja selbst auf der Suche nach ihnen.
Daher erschien es mir nicht abwegig, davon auszugehen, dass es in der Vergangenheit Menschen gegeben hatte, die diese besonderen Steine zusammengetragen und versucht hatten, ihre Macht zu nutzen. Ich konnte mir vorstellen, dass es sogar Gruppierungen gegeben hatte, von denen die Mondsteine verehrt worden waren wie Götter und es lag in der Natur des Menschen, zu derartigen Zwecken spezielle, geweihte Bauten zu errichten.
Gebäude wie zum Beispiel den Tempel, den Ma-Jo in seiner Vision gesehen hatte...
Vielleicht handelte es sich dabei um jenen Ort, wo die Mondsteine einst aufbewahrt worden waren, bevor manche von ihnen nach und nach in die weite Welt verschleppt worden waren.
Ich konnte nicht sagen, wieso, doch mein Gefühl sagte mir, dass Sarahs Vater seinen Stein womöglich in genau dem Tempel gefunden hatte, wo sich noch ein weiterer dieser mythischen Steine befand.
Meine junge Bekannte legte die Stirn in Falten, als sie angestrengt nachdachte und ich stellte erleichtert fest, dass die Tränen, die zuvor in ihren Augen geglitzert hatten, schnell wieder versiegten. Ich konnte sie zwar nicht trösten, aber zumindest ablenken - das war wenigstens etwas.
Nach einer Weile schüttelte Sarah jedoch den Kopf und entschuldigte sich: "Ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich den Namen der Stadt lustig fand, aber er fällt mir nicht mehr ein. Li... Lo..." Sie zuckte hilflos mit den Schultern und gab die Suche nach dem Namen des Ortes auf.
"Das macht nichts", versicherte ich ihr mit einem warmen Lächeln. "Du hast mir bereits sehr geholfen."
Bei diesen Worten leuchteten die Iriden des Kindes auf und es strahlte mich glücklich an, während ich nachdenklich auf der Unterlippe kaute und erneut Susies Kleider musterte.
Ob der Name der Stadt, der Sarah nicht einfallen wollte Liotto lautete?
Kurz darauf kamen wir endlich in Liberita an und ich staunte nicht schlecht, als wir auf dem Flughafengelände von zwei Gesichtern begrüßt wurden, die mir wohlbekannt waren: "Will! Anita!"
Ich begrüßte meinen Freund und dessen Adoptivtochter mit offenen Armen, doch die beiden wichen angewidert vor mir zurück, als ihnen der von mir ausgehende Gestank in die Nase stieg.
Anita machte ein würgendes Geräusch und wedelte mit der Hand vor ihrer Nase herum, während sie mich beinahe vorwurfsvoll ansah. "Uah... Wo kommst du denn her? Du stinkst wie das Innere eines Rinderarsches!"
"Lange Geschichte..." Ich winkte ab und wechselte dann das Thema: "Arbeitet ihr beide für das Liberita-Rettungsteam?"
"Yep!" Anita, die allmählich zu einer jungen Frau heranreifte, grinste wie ein Honigkuchenpferd und rief aufgeregt: "Ist das nicht cool?!"
"Sie brauchten einen Mechaniker, der ihre Flugzeuge in Schuss hält", erklärte Will, als müsste er seine Berufswahl vor mir rechtfertigen. "Und außerdem..."
Das Ende des Satzes sollte ich niemals erfahren, denn in diesem Moment realisierte mein Freund Liams Anwesenheit und er starrte mich mit voller Überraschung und Faszination an. "Ist das da ein echter Löwe, Ark?!"
Ich nickte. "Ja - und ich habe in seinem Namen eine Bitte an euch." Mit so wenigen Worten wie möglich fasste ich zusammen, was mit Liam geschehen war und warum ich wollte, dass er in seine Heimat zurückkehren konnte.
Will, der eigentlich immer einen schelmischen Ausdruck im Gesicht hatte, sah mich ernst an, als ich meinen Bericht beendete, und versprach feierlich: "Ich werde mich persönlich darum kümmern, dass Liam nachhause kommt!"
Dann schlich sich das übliche Glitzern in seine Augen zurück und er fügte aufgeregt an: "Ich wollte schon immer mal den Atlantik überfliegen!"
"Was ist mit dem Mädchen?", wollte Anita wissen und deutete mit dem Kinn auf das verängstigt wirkende Kind, das sich schutzsuchend an der Mähne des Löwens festhielt und die geweiteten Augen hin und her zucken ließ, um die fremde Umgebung in sich aufzunehmen.
"Ihr Name ist Sarah", entgegnete ich. "Sie ist die einzige Überlebende des Anschlags auf Neo-Tokio."
"Tatsächlich?" Will zog die Augenbrauen zusammen und betrachtete die Kleine mit deutlich mehr Interesse als zuvor. "Das bedeutet, sie muss gegen den Asmodeo-Virus imun sein", überlegte er laut. "Mit ihrem Blut könnte man vermutlich--"
"Will!" Ich schnitt meinem Freund jäh das Wort ab und sah ihn eindringlich an. "Mir ist bewusst, dass sie für die Wissenschaft von großem Wert ist, aber sie ist nur ein Kind - ein Kind, das miterlebt hat, wie alle Menschen um es herum verschwunden sind. Sie hat auf einen Schlag ihre komplette Familie und sämtliche Freunde verloren. Sie hat sich eine Ruhepause verdient..."
Zu meiner Überraschung war es Anita, die mir antwortete: "Ich werde auf sie aufpassen und dafür sorgen, dass sie gut behandelt wird. Mach dir keine Sorgen." In ihrem auf Sarah gehefteten Blick lagen Mitleid und eine Härte, die mich überraschte. Sie machte den Eindruck, dass sie, falls nötig, jeden - auch ihren eigenen Adoptivvater - mit einem stählernen Schraubstock in die Flucht schlagen würde, sollte derjenige dem Mädchen Ungemach bereiten wollen.
"Danke!" Mir fiel ein gewaltiger Stein vom Herzen und ich hätte sie am liebsten fest an mich gedrückt, verzichtete aber auf Grund des von mir ausgehenden Gestanks darauf.
Stattdessen sagte ich lediglich: "Dann stelle ich euch am besten einander vor."
Kurz darauf kniete ich vor Liam und deutete auf Will, der neben mit stand und dem Löwen eine Hand zum Beschnuppern hinhielt. "Das ist Will", erklärte ich mit fester Stimme, "er ist ein Freund von mir. Du kannst ihm vertrauen. Er wird dich nach Safarium zurückbringen."
Liam maunzte und bohrte seinen Blick in meinen, als suchte er darin nach etwas, das ihm Sicherheit gab. Nach einigen Herzschlägen schien er fündig geworden zu sein und legte mir schnurrend das Kinn auf die Schulter.
Ich schlang meine Arme um seinen Hals und drückte mich dicht an ihn, während ich in seine Mähne flüsterte: "Pass gut auf dich auf, Kumpel! Ich komme dich besuchen, sobald ich kann und bringe dir deinen Mondstein zurück."
Wir hielten uns noch einen Moment lang aneinander fest, dann hob Liam den Kopf und bedeutete mir damit, dass er bereit war, mit Will zu gehen.
Dieser klopfte mir zum Abschied fest gegen die Schulter und versicherte noch einmal: "Ich bringe ihn unversehrt nachhause."
Dann wandte er sich ab, ohne eine Antwort abzuwarten oder sich von Anita zu verabschieden, und ging mit Liam im Schlepptau über das Rollfeld davon. Dabei plauderte er munter vor sich hin, als führte er eine Unterhaltung mit dem Löwen, was mich breit grinsen ließ.
Da ich einst die Sprache der Tiere gesprochen hatte, fühlte es sich für mich natürlich an, auch heute noch mit ihnen zu reden wie mit einer anderen Person. Für die meisten Menschen war dies jedoch eher befremdlich, weshalb ich Wills einseitigen Dialog mit Liam besonders charmant fand.
Ich blickte ihnen eine Weile hinterher - lange genug, um amüsiert zu beobachten, wie ein Flughafenmitarbeiter bei Liams Anblick panisch aus dem Weg sprang - dann wandte ich mich Sarah zu.
Sie sah mit einer Mischung aus Bedauern, Furcht und Resignation zu mir hoch und fragte leise: "Musst du jetzt auch gehen?"
Ich nickte und ging erneut in die Knie, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. "Ja. Ich muss die anderen Mondsteine so schnell wie möglich finden. Aber du bist trotzdem in guten Händen!"
Mit einer Geste lenkte ich ihre Aufmerksamkeit auf Anita, die sich ebenfalls hinkniete und das jüngere Mädchen aufmunternd anlächelte. "Anita hier hat früher selbst in Moronia gelebt", erläuterte ich in der Hoffnung, dass es Sarah leichter fallen würde, Vertrauen zu ihrer neuen Bekannten aufzubauen, wenn sie wusste, dass diese ebenfalls eine Waise gewesen war. "Sie wird gut auf dich aufpassen und dir helfen, dich in deinem neuen Leben zurechtzufinden."
Sarah beäugte ihre neue Aufsichtsperson mit halbherzigem Interesse und flüsterte dann: "In Ordnung..."
Ich streichelte ihr zum Abschied sanft über den Kopf, doch sie hielt den Blick gesenkt und starrte auf einen imaginären Fleck auf dem Boden.
"Die anderen Kinder in Moronia werden sich sehr freuen, die kennenzulernen!", versprach Anita mit betont fröhlicher Stimme und bot Sarah ihre Hand an, bevor sie munter weiterplauderte: "Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich nach dem Tod meiner Mutter dorthin gekommen bin. Ich hatte solche Angst - aber völlig unnötig. Alle dort waren wirklich nett und lieb zu mir und dich werden sie genauso herzlich aufnehmen, da bin ich mir sicher."
Sarah starrte weiterhin auf einen Punkt vor ihren Füßen, fasste Susie fester und gab einen vage zustimmend klingenden Laut von sich.
Es war offensichtlich, dass sie sich von mir im Stich gelassen fühlte...
Mit schmerzendem Herzen und dem Geschmack eines schlechten Gewissens auf der Zunge, stand ich auf, wandte mcih ruckartig ab und machte mich wortlos auf den Weg, ohne mich noch einmal umzudrehen.
Vermutlich würde die Kleine mir dies niemals verzeihen, aber das war immer noch besser, als einen unvermeidlichen Abschied hinauszuzögern und unser beider Leiden unnötig zu verlängern.
Ich hatte das Rollfeld schon fast verlassen, als ich schnelle Schritte in meinem Rücken hörte und Anita beinah panisch rief: "Nicht, Sarah! Bleib hier!"
Noch bevor ich mich umdrehen konnte, schlossen sich kleine, kalte Finger um mein Handgelenk und Sarah prallte mit ihrem vollen Gewicht gegen meinen Unterkörper. "Geh nicht!", flehte sie mit tränenerstickter Stimme. "Ich hab Angst. Lass mich nicht alleine, Ark! Bitte!"
Ich schluckte hart und es fühlte sich an, als wäre meine Kehle mit gesplittertem Glas ausgekleidet. "Es geht nicht anders", wiederholte ich tonlos und blieb wie versteinert stehen, anstatt mich zu dem verzweifelten Mädchen umzudrehen.
"Ich will trotzdem nicht, dass du gehst!", beharrte Sarah trotzig und rieb ihr nasses Gesicht an meinem Rücken, was mir die Luft abschnürte.
Inzwischen hatte Anita uns eingeholt und versuchte, die Finger des kleinen Mädchens mit sanfter Gewalt von meinem Handgelenk zu lösen. "Komm, Sarah", lockte sie so einladend wie sie konnte. "Die anderen Kinder in Moronia erwarten dich bereits sehnsüchtig und Ark wird woanders gebraucht. Lass ihn gehen."
Sarah rammte ihr als Antwort ihre Schulter in die Seite, um sie wegzuschieben, schüttelte wild den Kopf und klammerte sich noch fester an mich.
Ich schloss die Augen, presste die Lippen hart aufeinander und bemühte mich nach Kräften, nicht auseinander zu fallen. Es bedurfte all meiner Willenskraft, um meine Aufgabe nicht in den Wind zu schlagen und dem verzweifelten Flehen des Mädchens nachzugeben.
Anita stieß ein genervtes Schnauben aus und wandte sich kurz an mich: "Tut mir leid, Ark. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie so schnell ist."
Dann zog sie Sarah gegenüber die Samthandschuhe aus und bog etwas grob ihre Finger auf, um meinen Arm zu befreien.
Als Reaktion darauf brachen sich all die Angst, Verzweiflung und Trauer, die sich seit dem Anschlag auf Neo-Tokio in Sarah angestaut haben mussten, Bahn und die Kleine begann, hysterisch zu schreien und blind um sich zu treten.
"Geh!", befahl Anita mir unwirsch, während sie sich darum bemühte, das tobende Mädchen in eine tröstende Umarmung zu ziehen.
Ich nickte ihr dankbar zu, warf einen letzten, schmerzhaften Blick auf Sarah und rannte dann los, als wäre der Tod persönlich hinter mir her.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, mich direkt auf den Weg nach Liotto zu machen, doch noch bevor ich den Hafen von Liberita erreicht hatte, holten mich die physische und mentale Erschöpfung der letzten beiden Tage ein und ein heftiger Schwindel ließ mich taumeln. Außerdem erinnerten mich die angewiderten Blicke der Passanten, an denen ich vorbei kam, dass ich zuerst etwas gegen den noch immer an mir haftenden Kanalisationsgestank unternehmen sollte, bevor ich mich auf die Suche nach einem Schiff machte, das mich nach Südamerika bringen würde.
Also buchte ich mir ein Zimmer mit Bad im erstbesten Hotel der Stadt und begab mich anschließend in das nahegelegene Einkaufszentrum, um mir neue Kleider zu kaufen. Ich fürchtete, Fluffys Voraussage, der Fäkalgeruch habe sich unauswaschbar in den Maschen des Stoffes an meinem Leib festgesetzt, würde sich als wahr erweisen und hatte auch keine Motivation, es überhaupt zu versuchen.
Zu meiner Freudee wurde ich schnell fündig und war nach wenigen Minuten bereits wieder auf dem Weg nach draußen, als ich aus dem Keller des Gebäudes einen Vogelruf hörte, der mir sehr bekannt vorkam.
Neugierig eilte ich die Treppen herunter, bis ich den Tiermarkt betrat und das Gefühl hatte, von einem Blitz getroffen zu werden.
In der Mitte der nur durch künstliches Licht erhellten Halle stand ein gewaltiger Käfig, der nahezu vollständig von einem traurig in sich zusammengesunkenen Vogel mit blutrotem Gefieder ausgefüllt wurde.
Obwohl ich nur den Rücken des unglückseligen Tieres sah, das sich in seinem viel zu kleinen Gefängnis nicht einmal umdrehen konnte, erkannte ich es sofort:
Es war Dumbar, das Oberhaupt aller Vögel.
Also waren die Menschen nicht nur in Safarium eingedrungen, sie hatten auch Sanktum entdeckt und waren dort auf Raubzug gegangen...
Blinde, ohnmächtige Wut kochte in mir hoch wie Milch in einem Schnellkochtopf und ich stürzte mich ohne Vorwarnung auf den Marktbetreiber, ein dicklicher Mann mit Halbglatze und derart penetrantem Schweißgeruch, das ich ihn über meinen eigenen Gestank hinweg wahrnehmen konnte.
Ich presste ihm meinen Unterarm auf die Kehle, schob ihn gegen die hinter ihm liegende Wand und knurrte: "Lass sofort diesen Vogel frei!"
Dem Verkäufer fiel bei meiner überraschenden Attacke vor Schreck die angerauchte Zigarette aus dem Mund, doch ansonsten blieb er erstaunlich unbeeindruckt: "Klar doch - wenn du mir 5000 Goldstücke gibst, Kleiner." Seine Stimme klang so ruhig, als hätte ich mich freundlich nach dem Preis erkundingt, anstatt ihn tätlich anzugreifen.
Aus mir selbst nicht klaren Gründen machte mich dies noch wütender und brachte mich dazu, mehr Gewicht auf meinen Arm zu legen. Die Augen des anderen Mannes traten leicht aus ihren Höhlen und sein Gesicht lief rot an, als ich ihm die Luft abdrückte.
"Hast du überhaupt eine Ahnung, wen du da gefangen hältst?!" Ich beugte mich zu dem Marktbesitzer herab, bis sich unsere Nasen beinahe berührten, und bohrte meinen funkensprühenden Blick in seinen. Bei jedem Atemzug bebten meine Nasenflügel und ich beobachtete mit erschreckender Genugtuung, wie sich das Weiß seiner Augäpfel allmählich rosa färbte, als erste Adern platzten.
Der Verkäufer schnappte angestrengt nach Luft und versuchte mit beiden Händen verzweifelt, meinen Arm von seinem Hals zu schieben, doch ich war ihm kräftemäßig weit überlegen.
Ich drückte noch ein wenig fester zu und schob den kleineren Mann ein Stück die Wand hoch, sodass er nun auf den Zehenspitzen stehen musste.
Es ging jetzt nicht mehr nur darum, Dumbar zu befreien...
Den König der Vögel in einem Käfig zu sehen, war der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte und nun suchten sich angestaute Frustration und außer Kontrolle geratener Zorn ein Ventil, um sich endlich zu entladen.
Der Marktbetreiber röchelte und zerrte mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, an meinem Unterarm, als in meinem Rücken zuerst das Rascheln von Federn und dann ein lauter, anklagend klingender Ruf erklang.
Dumbars Kreischen riss mich aus meinem tranceartigen Zustand und ich wich schlagartig von dem anderen Mann zurück, als hätte ich mich verbrannt.
Dieser stürzte auf alle Viere und hustete, als endlich wieder Luft in seine Lungen strömte.
Eiseskälte machte sich in meinem Inneren breit, während ich mit zunehmendem Grauen realisierte, was ich gerade beinahe getan hätte.
Immer wieder "Es tut mir unendlich leid" murmelnd fiel ich auf die Knie und versuchte, dem Verkäufer auf die Füße zu helfen. Wenig überraschend schlug dieser jedoch meine Hand weg und zog sich stattdessen an einem neben uns stehenden Tisch in die Höhe.
Ich blieb unterdessen auf dem Boden hocken und starrte voller Horror und Fassungslosigkeit meine Handinnenflächen an.
Nie im Leben hätte ich gedacht, zu einem derartigen Kontrollverlust in der Lage zu sein...
Welche Abgründe lauerten sonst noch in den Tiefen meiner Seele?!
Der Marktbesitzer musterte mein von Selbstekel gezeichnetes Gesicht mit einem Blick, den ich nicht deuten konnte. Dann hustete er ein letztes Mal und sagte mit heiserer Stimme: "In Ordnung. Ich lasse das fette Hühnchen frei - aber dafür setzt du Irrer nie wieder auch nur einen Fuß in meinen Laden!"
Ich nickte stumm und rappelte mich mühsam auf, während der Verkäufer sich an dem Schloss von Dumbars Käfig zu schaffen machte.
Kaum, dass die Tür aufgeschwungen war, zwängte der Königsvogel sich durch die schmale Öffnung und hopste zu mir herüber.
Ich deutete mit einer Kopfbewegung auf den Ausgang und ging dann Dumbar voraus aus dem Laden - jedoch nicht, ohne dem Verkäufer im Hinausgehen die zuvor geforderten 5000 Goldstücke, mein gesamtes Erspartes, auf den Tisch zu legen.
Wenige Minuten später stand ich mit Dumbar an meiner Seite vor den Toren Liberitas und blickte zum Horizont, ohne auch nur das Geringste zu sehen. Vor meinem geistigen Auge spielte sich immer wieder die Szene im Tiermarkt ab, bis ich mich vor lauter Entsetzen über mich selbst ganz wund und taub fühlte.
Dumbar legte mir einen seiner riesigen Flügel um die Schultern und sah mich mitfühlend von der Seite an.
"Tut mir leid, dass du das vorhin miterleben musstest", entschuldigte ich mich tonlos bei ihm. "Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist."
Der Vogelkönig wandte mir sein Gesicht zu und stieß einen leisen Schrei aus, von dem ich nicht wusste, was er mir sagen sollte.
Mit einem schweren Seufzer gestand ich: "Es ist nur so... In letzter Zeit machen mich die Menschen mit dem, was sie der Natur und sich gegenseitig antun, unendlich wütend und ich frage mich, ob es ein Fehler war, sie überhaupt wiederzubeleben. Manchmal denke ich, die Welt wäre ohne sie besser dran und dann werde ich frustriert und wütend auf mich selbst und... Allmählich weiß ich nicht mehr, wohin mit diesem Zorn. Er zerreißt mich..."
Dumbar zog mich mit seinem Flügel zu sich heran und schloss seine Schwingern dann über mir wie eine wärmende Decke. Ich lehnte mich in sein seidiges Gefieder und schloss für einen Moment die Augen.
Es tat unbeschreiblich gut, mmich zur Abwechslung mal beschützt zu fühlen. Am liebsten wäre ich für immer unter Dumbars Flügeln geblieben, vor der Welt versteckt.
Doch nach nur wenigen Sekunden schob ich den Anführer der Vögel wieder von mir und holte tief Luft, um die aufsteigenden Tränen niederzukämpfen.
Nach dem, was ich dem Tierhändler angetan hatte, war ich davon überzeugt, keinerlei Trost zu verdienen...
Der Vogelkönig musterte mich mit Augen, in denen alle Weisheit der Welt zu liegen schien. Ich kam mir vor, als würde er mir damit bis auf den Grund meiner Seele blicken und bewerten, was er dort fand.
Mit den Schultern kreisend bemühte ich mich, dieses Gefühl abzuschütteln, und versuchte Dumbar von den Untiefen in mir abzulenken: "Wie auch immer... Ich hab leider nicht viel Zeit zum Plaudern - ich muss die letzten Mondsteine aufspüren. Du weißt nicht zufällig, wo ich ein verschneites Dorf mit kuppelartigen Gebäuden finden kann, oder?"
Dumbar stieß ein kleines Krächzen aus und schlug leicht mit den Flügeln, was ich als eine Geste der Ungeduld interpretierte. "Natürlich - du musst so schnell wie möglich nachhause. In Sanktum warten bestimmt bereits alle auf dich."
Ich klopfte dem Anführer der Vögel sanft auf die Seite und wandte mich zum Gehen. "Pass auf, dass du dich nicht wieder fangen lässt. Deine Untertanen brauchen dich!"
Zu meiner Überraschung flog Dumbar daraufhin nicht direkt davon, sondern sah mir noch eine Weile enttäuscht wirkend hinterher.
Vermutlich war er genauso entsetzt wie ich selbst, was aus dem früheren Held geworden war, der den Vögeln das Leben und den Wind zurückgebracht hatte...
Während ich mich in mein Hotelzimmer zurückzog, um endlich zu baden und eine Mütze voll Schlaf zu nehmen, fragte ich mich, ob ich mich in den letzten Monaten völlig verloren hatte und ob es einen Weg zurück gab oder ob ich mich damit anfreunden musste, von nun an diese Person zu sein, die ich selbst nicht besonders mochte...
Als ich schließlich in dem gemieteten Bett lag, fiel ich schnell in einen unruhigen, wenig Erholung bringenden Schlaf.
In meinem von Blut und Gewalt geprägten Träumen sah ich mich immer wieder furchtbare Dinge tun und einen endlos wirkenden Schacht hinabstürzen.
Begleitet wurde dies von Sarahs Flehen, sie nicht zu verlassen, und dem herzzerreißenden Weinen Melinas, mit dem sie mich so viele Jahre zuvor aus Krysta verabschiedet hatte...