Ich bin jetzt auch am Ende von Metroid Prime 4 angelangt, Sylux habe ich zwar noch nich besiegt, aber ich denke für ein abschließendes Urteil ist das jetzt auch nicht unbedingt notwendig.
Ich muss sagen, dass ich den ganzen Hate nicht verstehe, den das Spiel im Netz abbekommt. Ja, es wurden einige Entscheidungen getroffen, die man eventuell in Frage stellen könnte. Allgemein hab ich schon oft gelesen, dass das Spiel im Kern kein Prime-Spiel mehr wäre (was v.a. auf die vielen NPCs, die Wüste und Dungeons zurückzuführen sei) und sich eher in Richtung eines Zelda-Spiels bewegen würde, was meiner Meinung nach jedoch nicht wirklich zutrifft. Ich möchte diese 3 Kritikpunkte einmal kurz aufgreifen und meine Meinung dazu kundtun.
Auch ich bin kein Fan darüber, dass man Samus einige Sidekicks an die Hand gegeben hat. Die Dialoge dieser Charaktere wirken teilweise echt trashig und v.a. ihre Einbindung ins Gameplay finde ich unnütz und auch rgendwie anstrengend. Ich glaube die ganze Story um Prime 4 hätte auch funktioniert, wenn nur
Samus und Sylux nach Viewros teleportiert wurden wären oder man die Charaktere offscreen getötet hätte und deren Backstory bzw. Auswirkungen auf Samus, das Gameplay und den Storyverlauf ähnlich wie bei Prime 2 anhand von Logs eingefügt hätte
ich finde jedoch nicht, dass sie das Gameplay im Großen und Ganzen verwässern. Es gibt immer noch genug Passagen, in denen man mit Samus alleine unterwegs ist und Viewros erkundet.
Die Wüste ist meiner Meinung nach ein zweischneidiges Schwert. Ich finde sie zwar auch nicht wahnsinnig spannend, aber da sie nur eine Art Hubworld darstellt (ähnlich wie z.B. die Steppe in Twilight Princess oder Hyrule Field in Ocarina of Time) ist sie auch nicht sonderlich störend. Sie ist relativ schnell durchquert und bietet mit den Schreinen und den Trümmergebieten der Galaktischen Förderation auch einige interessante Gebiete, die mich überrascht haben, da ich im Vorfeld davon ausgegangen bin, dass die Wüste tatsächlich komplett leer sei. Wenn ich mir noch etwas hätte wünschen können, dann hätte ich es cool gefunden, wenn man die einzelnen Trümmergebiete der Galaktischen Förderation größer und erkundbar gemacht hätte, so waren es ja leider nur
die Fundorte für die Mech-Teile und ab und zu mal einen Missile-Container
Darüber hinaus hat die Wüste ja auch storytechnisch durchaus Sinn für das Spiel gemacht. Ich hab sie also nicht als so störend empfunden. Klar, am Ende hat es ein bisschen genervt, die grünen Kristalle zu farmen und die Mech-Teile zu finden, aber das war bei Prime 1 bespielsweise auch nicht anders, als man die Chozo-Artefakte benötigte, um in den Einschlagskarter zu gelangen. Tatsächlich, wenn ich ehrlich bin, (und ich weiß ich bin ein bekennender BotW/TotK-Hater) hätte ich mir so eine Balance zwischen kleineren optionalen und obligatorischen größeren und komplexeren Dungeons von den Zelda-Spielen der Wild-Ära gewünscht. Mir hat Prime 4 in der Hinsicht mehr Spaß gemacht.
Bei den Dungeons muss ich allerdings sagen, dass die grundsätzliche Kritik hier nicht von der Hand zu weisen ist. Der Großteil der 5 Dungeons wirkt irgendwie ein wenig inspirationslos und eher einfach gehalten. Mich haben v.a. die Volt-Schmiede (die ich teilweise wirklich nervig fand) und der Dschungel des Zorns (der aber das Anfangsgebiet ist und die finde ich normalerweise nie besonders toll, von daher kann ich hier ein Auge zudrücken) enttäuscht und auch die andauernden
Griever-Attacken in den Minen fande ich anstrengend, nervig und einfallslos
Auf der anderen Seite fand ich den Eisgürtel als Dungeons wirklich grandios. Dieses Level gab mir die unangenhemen (im positiven Sinne), subtilen Horror-Vibes, die ich beispielsweise auch im Metroid-Labor der Weltraumpiraten auf Tallon IV in Prime 1 verspürt habe und gehört zu meinen Lieblingsbereichen der Prime-Reihe. Dennoch finde ich es natürlich auch schade, dass die Welt so aufgesplittet wurde und es keine richtig durchgehende und in sich schlüssige Welt gab wie v.a. Teil 1 und 2 sie boten . Dennoch muss ich sagen, gab es meiner Meinung nach genug Backtracking-Möglichkeiten und diese "krasse Linearität", die Teil 4 im Vergleich zu anderen Metroidspielen attestiert wurde, ist zumindest mir nicht aufgefallen. Auch habe ich des öfteren den Kritikpunkt gehört, dass sich das Backtracking nicht lohnen würde, weil meistens als Belohnung nur ein Missile-Container winken würde. Das war aber meiner Meinung nach in den anderen Metroidspielen nicht anders und stellt für mich daher keinen negativen Punkt dar. Was ich allerdings sagen muss, aber das ist kein "Problem", was nur Teil 4 hat, was mich irgendwie stört, ist die Tatsache, dass die meisten Items, die man zu Beginn eines jeden Spiels verliert und dann über den Spielverlauf wieder einsammeln muss, sich seit Teil 1 nicht wirklich verändert hat. Klar werden in jedem Teil (egal ob 2D oder 3D) mal 1 oder 2 neue Waffen oder auch ein neuer Visor eingeführt, aber im Großen und Ganzen verändern sich 90 % der Items nicht. Da würde ich mir für zukünftige Teile ein bisschen mehr Mut seitens der Entwickler wünschen.
Alles in allem ist Prime 4 für mich also nicht diese "Katastrophe" bzw. Enttäuschung als die es im Netz oft dargestellt wird. Sicher auch ich finde, dass es sich hierbei um den schwächsten Teil der Reihe handelt, aber bei der Entwicklungsgeschichte ist das wohl nicht verwunderlich bzw. kann man froh sein, dass es überhaupt jemals herausgekommen ist. Hier muss man sich auch mal die Frage stellen, warum Nintendo das Spiel nicht von Anfang an bei den Retro Studios in Auftrag gegeben hat bzw. warum sie darauf bestanden haben, dass Teile des Gameplays, das Bandai entwickelt hat, unbedingt von den Retro Studios beibehalten werden mussten, wenn doch Nintendo von dem Bandai-Namco-Konzept für Teil 4 selber nicht so überzeugt war. Bleibt nur zu hoffen, dass falls ein 5. Teil kommen sollte, den Retro-Studios bei der Entwicklung komplett freihe Hand gelassen wird und man sich nicht an irgendwelchen Gameplaytrends anbiedert, die in ein paar Jahren wieder obsolet sind.