Time Stalkers


  • Time Stalkers, in Japan unter dem Namen Climax Landers bekannt, ist ein Roguelike RPG für Dreamcast, bei dem die Entwickler (Climax Entertainment) viele Charaktere aus ihren früheren Werken übernommen und in einem Crossover-Game zusammengebracht haben.


    Das Spiel erschien am 15. September 1999 in Japan und kam dann über ein Jahr später nach Europa – nämlich am 10. November 2000.



    In Time Stalkers prallen Zeitportale aufeinander, und es regiert das Chaos. Der Hitzkopf Sword findet sich mitten in eine unverständliche Welt hineinversetzt. Er muss Rätsel lösen und verschiedene Menschen durch das Labyrinth der Zeitzonen wieder dahin zurückbringen, wo sie hingehören.

    (Offizielle Story Beschreibung)


    Kennt jemand diesen (holprigen) Versuch von Climax auf den 3D-RPG-Zug aufzuspringen?


    Als große Freundin des RPGs und Fan des Anime-Looks stand dieses Game immer sehr hoch auf meiner „Wanted“-Liste, doch um ehrlich zu sein, war dieses Spiel eher eine Enttäuschung und retrospektiv gibt es viel bessere Perlen auf dem Dreamcast.

    Allerdings war es damals der große Vorreiter zu Grandia II, welches deutlich besser abgeschnitten hat, sodass man Time Stalkers vielleicht auf Grunde einer möglichst prallen Kollektion haben möchte, aber sicherlich nicht, weil das Game positiv hervorsticht.


    Für mich hat das Game trotzdem einen gewissen (und unersetzlichen) Retro-Charme, weswegen ich es wohl mit etwas liebevolleren Gefühlen betrachten kann, auch wenn ich weiß, dass das Spiel nicht nur schlecht gealtert ist, sondern von Anfang an schon eher schlecht war.


    Die Story hat für mich zwar ihren Zweck erfüllt, wird dann aber durch einen Twist etwas zerstört – war aber noch immer im Bereich des Durchschnittlichen, was man vom Rest nicht sagen kann. Da das Game praktisch davon lebt, dass man die Stadt durchsucht und dann in zufallsgenerierte Dungeons springt, sollte hier schon etwas geboten werden, allerdings bekommt man nur äußerst lieblose Orte zu entdecken, mit NPCs die zwar nette Cameo-Auftritte sind, aber sonst nur wenig Interessantes zu erzählen haben.


    Dann kommt auch das Gameplay in den Dungeons zu tragen: Man kann nur einen Charakter aktiv steuern, den Rest nicht und leider ist das Design hier nicht sehr konsistent. Man kann seine Gegner rekrutieren, aber nicht alle können sich bewegen und vor allem haben sie unterschiedliche Reichweite… sprich: wenn man einen Kameraden hat, welcher sich nicht bewegen kann und eine niedrige Reichweite hat, dann ist dieser so gut wie erledigt.

    Leider kann man nur sehr limitiert anordnen, sodass es nicht zu vermeiden ist, dass man manchmal im Kampf generell nur einen Krieger zur Verfügung hat, weil der Rest nichts tun kann, außer dazustehen und zu hoffen, dass ein Gegner in Reichweite kommt… dadurch ziehen sich die ohnehin sehr langen Strategie-artigen Schlachten teilweise wirklich unnötig lange und sorgen für ordentlichen Frust.


    Leider kommt hinzu, dass es keinerlei Erfolgserlebnis gibt, meiner Meinung nach: Dein Charakterlevel bleibt immer nur für den Besuch im Dungeon erhalten und wird dann wieder auf Stufe 1 zurückgesetzt. Zwar bekommt man neue Rüstungen, aber die Gegner werden enorm stärker, sodass das Game gen Ende sogar teilweise unfaire Züge annimmt. Insbesondere da man auch auf den Hunger des Charakters achten muss… gerechnet daran, dass man nur sehr wenig Gegenstände mit in den Dungeon nehmen darf und Essen teilweise überhaupt nicht in den Orten zu finden ist, wird dieses Feature sehr schnell, sehr nervig. Gekoppelt an das nicht-vorhandene Speicher-System… ist das Gameplay ein absoluter Super Gau. Man quält sich durch einen der Tunnel und wenn man am Ende stirbt, muss man alles von Anfang an wieder machen…


    Wenn ich noch Positives sagen würde: Ich mag die Charakter-Portraits, die einem wirklich ein schönes Retro-Feeling vermitteln und einige der Tracks im OST empfand ich auch als gar nicht mal so schlecht, auch wenn es jetzt keine Perlen sind.


    Generell hatte das Spiel Potenzial, vor allem, wenn man sich die Shining-Titel und Landstalker von den Entwicklern ansieht, aber es wurde verschenkt und es ist nicht verwunderlich, dass sich das Studio nicht mehr etablieren konnte und 2014/2015 ohne auch nur eine Ankündigung geschlossen wurde.


    Eine neue Chance wird es für dieses Game also nicht geben… traurig bin ich in dem Sinne nicht, doch vielleicht vergieße ich ja doch einen kleinen Wehmutstropfen, einfach weil an dem Spiel Erinnerungen hängen und JRPGs sowieso immer einen Stein bei mir im Brett haben. Selbst dann, wenn ich erkenne, wie schlecht sie sind.