Wie bereits im Chat & Smalltalk aufgegriffen:
Ich möchte keine Spielzeit für mein Geld geboten bekommen, solange es zumindest drei Stunden sind. Ich möchte einfach nur Spaß und Qualität und wenn's nach fünf Stunden wieder vorbei ist und geil war, dann ist das so. Gerade diese Spiele zocke ich dann gerne öfter.
Einzelne Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel. Ich hab auch schon tolle Spiele gezockt, die definitiv unter drei Stunden durchzuspielen waren. Ich hab sogar schon mal ein Wimmelbild-Level für knapp einen Euro gekauft, das sich in wenigen Minuten hat komplettieren lassen. Nur reden wir hier von Preisen im recht niedrigen bis hin zu kostenlosem Bereich und da ist die Spielzeit das Letzte, das mich interessiert. Im Gegenzug fänd ich es mal wieder cool, wenn auch von größeren Firmen wieder öfter Spiele im 30-40 € Segment erscheinen würden, die eben nicht hundert Jahre in Entwicklung waren.
Eines meiner liebsten Beispiele für mein obiges Statement ist immer Titanfall 2. Neben F.E.A.R. mein glasklarer Lieblingsshooter im Singleplayer-Bereich (Multiplayer gibt's natürlich auch, Koop und PvP). Die Kampagne ist mega fetzig inszeniert, rasant, jedes Kapitel hat seine Eigenheiten und führt neue Mechaniken ein, bis alles nach rund 5-6 Stunden plötzlich auch schon wieder fertig ist. Jetzt könnte man beim Anschauen der Credits denken, dass das doch Betrug und Mist ist so wenig Spielzeit geboten zu bekommen, oder man denkt sich wie ich "Das war richtig geil!". Man kann das Spiel ja trotzdem noch mehrfach durchzocken, z.B. Collectibles sammeln. Diese sind nur in Maßen vorhanden und teils gut versteckt, also genau so, wie es immer sein sollte. Es gibt höhere Schwierigkeitsgrade und natürlich noch den erwähnten Multiplayer. Titanfall 2 mangelt es definitiv nicht an Inhalt, aber auch rein auf die Kampagne bezogen würde ich sie niemals strecken wollen. Egal ob man jetzt längere Laufwege oder mehr repetitives Gameplay eingebaut hätte, was hat man davon? Verschwendete Zeit hat man davon!
Auch It Takes Two ist ein Paradebeispiel, was das sinnvolle Ausnutzen des Gameplays betrifft. Hier spielt man mehrere Kapitel und in jedem Kapitel bekommen die zwei Hauptfiguren eine besondere Fähigkeit, die ihnen nach dem Kapitel dann wieder entzogen und durch eine andere ersetzt wird. Innerhalb dieser rund zweistündigen Kapitel werden die Fähigkeiten dann für Rätsel und Action bis ins kleinste Detail ausgenutzt und perfektioniert. Hätte man sie über das gesamte Spiel hinweg behalten und nutzen können, dann wäre es definitiv langweilig geworden. Nicht nur das, sicherlich wäre Kritik gerollt, dass die Fähigkeiten viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen hätten. Von daher: alles richtig gemacht. Das Game an sich bietet definitiv genug Spielzeit, hier ging es mir jetzt explizit darum, dass man viele Fähigkeiten eben nur innerhalb einer kurzen, begrenzten Zeitspanne nutzen darf und das auch die beste Entscheidung war, die man treffen konnte.
Außerdem möchte ich lieber mehrere Spiele mit kürzerer Spielzeit als wenige Spiele mit viel Spielzeit zocken. Wie ihr wisst ist mein Interesse, abgesehen von großen Rennspielen, eher in Richtung Indie-Sektor gerutscht. Hier sehe ich einfach die höhere Kreativität und mehr Selbstvertrauen um etwas Neues auszuprobieren bzw. bekannte Genres ausgeklügelt miteinander zu vermischen. Viel öfter denke ich mir hier "Wow, sowas hab ich noch nie gesehen!". Natürlich spiele ich auch immer noch gerne AAA-Titel, jüngst hat mich God of War 2018 einfach nur weggehauen, doch der Reiz ist insgesamt nicht mehr so da. Gute Indies haben es oft verstanden, wie sie ihre Zeit perfekt sinnvoll nutzen und das Spiel zum richtigen Zeitpunkt enden lassen. Größere Games versuchen sich meist zu übertrumpfen, weil es der neueste Stand der Technik hergibt und eben auch entsprechende Teams vorhanden sind, mit denen sich das finanziell auf die Beine stellen lässt. Bessere Optik, größere Spielwelt, mehr Optionen, bombastischer Soundtrack etc. doch wird hier meistens (nicht immer) für mich nicht mehr verstanden, wie Spaß in Spielen erzeugt wird.
Zu guter Letzt: Ich liebe es, wenn ich Videospiele in 1-2 Sessions komplett durchspielen kann. Finde ich perfekt, auch weil ich nicht mehr jeden Tag zum Zocken komme bzw. oft nur noch 1-2x pro Woche Singeplayer zocke und durch Multiplayer-Sessions mit Freunden sowie anderen Aktivitäten einfach immer wieder aus längeren Singleplayer-Spielen rausgeworfen werde. Der Fokus ist nicht mehr so da und mein Kalender ist auch ein bisschen der Grund, weshalb sich meine Meinung zu dem gebildet hat, wie ich sie hier geschildert hab. Ich bin keiner, der sich Urlaub für ein gewisses Videospiel nimmt und heutzutage erscheint fast jeden Monat irgendein interessantes Spiel, für das man sich eigentlich eine Woche Urlaub nehmen müsste. Sowas gibt mein Leben nicht her, möchte ich wohlgemerkt auch gar nicht, und dieses kontinuierliche Gefühl Spiele nicht zu Ende zu bringen, weil sie einen durch ihre Längen jedes Mal verlieren, ist der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt. Insbesondere wenn der Inhalt der Spiele auch komprimiert bestens funktioniert hätte.
Ich sag immer, wenns gut ist solls bitte auch viel sein! XD
Ist denke ich auch persönliches Empfinden, ab wann man das Gefühl hat die Dinge ziehen sich wie ein Kaugummi, doch mir fallen da sofort drei Beispiele außerhalb der Videospielwelt ein:
1. Es gibt Leute, die können sich einfach nur kurz fassen und labern bis zum Geht-Nicht-Mehr. Gibt man ihnen z.B. ein Zeit- oder Wortlimit, können sie es auf einmal doch und es kommt viel verständlicher rüber, was sie eigentlich ausdrücken wollen.
2. Ein gutes Fußballspiel dauert 90 Minuten, manchmal auch 120 Minuten. Wenn es stattdessen 500 Minuten dauern würde, wäre es kein gutes Fußballspiel mehr. Weder für die Zuschauer, noch die Spieler, die dann ganz anders mit ihrer Kondition umgehen müssten.
3. Ein Tag im Freizeitpark (oder Ort eurer Wahl) ist mega schön. Würdet ihr jede Woche dort hinfahren, wäre es irgendwann nichts Besonderes mehr.
Und wehe jemand schwingt jetzt mit der Keule "Sowas kann man nicht vergleichen". Ich machs trotzdem, weil ich glaube, dass es für viele Bereiche im Leben gilt. Irgendwann ist man immer übersättigt und wie ich bei Games dazu stehe habe ich weiter oben hoffentlich ausführlich beschrieben.