Fire Emblem Gaiden


  • (Noch mehr coole Bilder dazu)


    Die breite Masse kennt dieses Spiel durch das Remake Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia, welches 2017 erschien. Fire Emblem Gaiden (bekannt als "Gaiden") kam 1992 wie auch der Vorgänger nur in Japan für den Famicon heraus. Die Geschichte spielt sogar ebenfalls in der Welt des ersten Teils - was retrospektiv betrachtet eher ungewöhnlich war.

    Das Spiel wurde ein kommerzieller Erfolg, war aber wie auch bei Super Mario Bros. 2 und The Legend of Zelda II als zweiter Ableger einer Reihe das Schwarze Schaf.


    Zwar spielt die Geschichte in der gleichen Welt, aber führt die Haupthandlung nicht weiter aus, sondern erzählt eine Nebengeschichte. Hier geht es um Alm und Cecilia, welche in verschiedenen Armeen gegen einen Ansturm aus Zombies und Ähnlichem kämpfen müssen.

    Diese beiden Charaktere tauchen im Super Smash Bros.-Universum als Geister auf - vielleicht hat jemand diese zwei schon gesehen?


    Nintendo veröffentlichte dieses Spiel später als Virtual Console auf der Wii (2009), auf dem Nintendo 3DS (2013) und auf der Wii U (2014).


    Hattet ihr bereits Berührungspunkte mit diesem ursprünglichen Ableger?


    Ich leider nicht - es gilt eher als durchschnittliches Abenteuer und ich würde es heutzutage unter Umständen im Rahmen der NES-Bibliothek des Nintendo-Online-Service mal eines Blickes würdigen. Aber die Tatsache, dass es bis 2009 praktisch nicht in Europa verfügbar war, manövrierte dieses Spiel sich nie in mein Blickfeld.

    Ich mag Signaturen nicht, weil sie die Scroll-Leiste ohne Kontext verlängern.

  • Viele mir bekannte NES Spiele sind eher kürzer gestrickt und halten vielmehr durch ihren erhöhten Schwierigkeitsgrad länger vor dem Bildschirm. Aber als ich letztes Jahr erfuhr, wie umfangreich FE II Gaiden damals schon war, blieb mir etwas die Spucke weg. Shadows of Valentia ist mein liebstes Fire Emblem und mein ebenso liebstes 3DS Spiel, siehe HIER. Ich bin tatsächlich erst letztes Jahr auf diese Perle aufmerksam geworden, als sie überall für 5-10€ über die Ladentheke ging. Aber eben weil das Spiel so modern und für mich nahe an der Perfektion ist, fehlt mir absolut der Reiz, das Original nachzuholen. Dort muss man sich mit altbackener Technik und Permadeath herumplagen, was für mich die größten Gegenargumente sind. Ich ziehe meinen Hut davor, was Gaiden vor fast 30 Jahren schon auf die Beine gestellt hat, als ich noch nicht mal war, aber bin nichtsdestotrotz mit dem Remake rundum glücklich :smile:

  • Was Gaiden besonders macht, ist die Dualität der Erzählung. Man spielt abwechselnd Alm und Celica, erlebt ihre Reisen parallel und sieht, wie sich ihre Ideale langsam in Spannung zueinander setzen. Für ein Famicom-Spiel war diese Form der Perspektivteilung wirklich ambitioniert – auch wenn der erzählerische Tiefgang durch die Limitierungen der Plattform natürlich begrenzt blieb.

    Das Thema „Krieg zwischen Göttern und Menschen“ zieht sich bereits hier durch die Geschichte und wurde in späteren Teilen (insbesondere Echoes, dem Remake) intensiviert. Während Gaiden eher sparsam mit Dialogen ist, legte es bereits den emotionalen Grundstein für ein Drama, das seiner Zeit voraus war.


    Die Figuren in Gaiden sind für Famicom-Verhältnisse durchaus charmant, aber weit weniger ausgearbeitet als in späteren Spielen. Alm ist der klassische jugendliche Held, Celica die empathische Priesterin mit starker moralischer Überzeugung – beide füllen Archetypen aus, die im Remake deutlich mehr Tiefe bekamen.

    Viele Nebencharaktere – wie Mae, Boey, Clair oder Lukas – wirken im Original eher wie funktionale Schachfiguren, die wenig individuelle Persönlichkeit entfalten. Trotzdem sind sie – gerade durch das spätere Remake – rückwirkend bei Fans sehr beliebt geworden. Man spürt, dass das Spiel die Grundlagen für komplexere Figuren gelegt hat, sich aber aufgrund der technischen Einschränkungen noch nicht entfalten konnte.


    Gameplaytechnisch bricht Gaiden deutlich mit den Konventionen seines Vorgängers – und vieler späterer Teile. Die Spielwelt ist nicht linear, sondern man bewegt sich auf einer Karte frei zwischen Schlachten und Dörfern. Diese Weltkarte und der RPG-artige Aufbau mit Leveln, Dungeons und freiem Erkunden wirken fast wie ein Prototyp für moderne Genre-Mischungen.


    Weitere ungewöhnliche Elemente, die man mögen kann oder auch nicht:

    • Magie kostet Lebenspunkte, was das Zaubern taktisch interessanter macht.
    • Es gibt keine Waffen-Dreieck, was den Waffentypen weniger Gewicht verleiht.
    • Dungeons in isometrischer Ansicht kann man selbst erkunden – samt Zufallskämpfen, Schätzen und Aufleveln.
    • Einheiten können durch bestimmte Bedingungen klassengewechselt werden, was ebenfalls RPG-Flair erzeugt.


    All das machte Gaiden zum untypischsten Fire Emblem seiner Zeit – und ließ es lange als „schwarzes Schaf“ der Reihe gelten. Doch gerade diese Andersartigkeit hat dem Spiel später Kultstatus verliehen.


    Visuell reiht sich Gaiden in das ein, was man 1992 vom Famicom erwarten konnte: zweckmäßige 8-Bit-Grafik, die im Vergleich zu modernen FE-Teilen natürlich stark limitiert ist, aber dennoch atmosphärisch arbeitet. Die Weltkarte, Sprite-Arbeit und Schlachtfelder sind klar erkennbar, aber nichts Besonderes.

    Der Soundtrack hingegen ist für damalige Verhältnisse sehr gelungen. Die Musik nutzt die Famicom-Soundmöglichkeiten gut aus und verleiht dem Spiel einen wiedererkennbaren musikalischen Charakter.

    2017 erschien dann ja Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia für den 3DS – ein Remake, das unglaublich respektvoll und liebevoll mit der Vorlage umgeht. Es übernimmt fast alle Kernideen von Gaiden (inklusive der Dungeons und Weltkarte), modernisiert aber Grafik, Musik, Storytelling und Gameplay deutlich.

    Wo Gaiden skizziert, zeichnet Echoes detailreich. Charaktere bekommen Tiefe, Dialoge wurden ergänzt, das Voice Acting hebt das emotionale Gewicht der Geschichte hervor. Auch das Kampfsystem wurde verfeinert, ohne die Seele des Originals zu verlieren. Man kann mit Fug und Recht sagen: Echoes ist das, was Gaiden sein wollte – nur ohne technische Limitierungen.


    Fire Emblem Gaiden ist ein faszinierendes Spiel – nicht weil es das rundeste oder bestausgearbeitete Fire Emblem ist, sondern weil es Mut zur Innovation hatte, als die Serie gerade erst begonnen hatte. Viele seiner Ideen waren ihrer Zeit voraus und wurden erst Jahre später erneut aufgegriffen und weiterentwickelt.

    Natürlich ist das Spiel heute nur bedingt einsteigerfreundlich – nicht nur wegen der fehlenden Lokalisierung, sondern auch wegen seiner sperrigen UI und seiner unausgewogenen Balance. Aber als Stück Fire-Emblem-Geschichte ist es absolut faszinierend.

    Wer Echoes mochte, findet in Gaiden die ursprüngliche Vision – reduziert und roh, weshalb Echoes definitiv die bessere Wahl ist, sofern man nicht von sich behaupten möchte, dass man alle Games der Reihe gezockt hat.