Hateno-Festival

  • Kotari 9


    Nachdem M den Hügel hinaufgelaufen war, dauerte es nicht lange, bis sie verschwand. Kotari blickte ihr eine Weile hinterher, doch schon bald konnte er ihren Schemen nicht mehr ausmachen. Was für eine seltsame Begegnung, dachte er. Aber wenn sie wirklich Hilfe braucht... Er schaute zu seinen Gefährten. "Wie denkt ihr darüber?", fragte er. "Sollen wir ihr helfen?"


    "Hmm..." Kamui dachte angestrengt nach. Sie hat gesagt, dass es vielleicht gefährlichere Sachen als Bokoblins gibt. Da ich schon mal einen Leunen getötet habe, werde ich mit den Gefahren bestimmt auch zurechtkommen... "Falls ihr geht, will ich euch helfen. Erstens weiß ich viel über Monster und zweitens würde ich gerne meine Forschungen voranbringen."Muri war der Gedanke gegen den Kerl aus der Höhle zu kämpfen zuwider. Aber er fühlte sich gezwungen mitzukommen. "Ich habe schon gesagt, dass ich euch begleiten werde. Drei Gefährten sind besser als zwei." Er lächelte zuversichtlich, während er eigentlich überlegte wie die Unternehmung zu stören sei ohne aufzufallen. Würde er sich als Verräter offenbaren, müsste er die anderen töten, ansonsten bliebe nur noch der Rückzug. "Meint ihr, dass wir Proviant brauchen? Ich würde jedenfalls welches mitbringen."

    "Hm... Unsere Bekannte M will allerdings schon was mitbringen...", erwiderte Kamui. "Allerdings: Wer weiß, wen sie sonst noch aufgabelt oder ob sie das Essen vergisst. Es wäre nicht schlecht, wenn jeder eine Notfallration mitnimmt."

    Kotari schaute zu Kamui und nickte. "Ja, es wäre schlau, wenn jeder etwas mitnähme." Er musste an die Pilze für seinen Vater denken und verzog innerlich das Gesicht. "Ich habe noch ein paar Sachen dabei, aber sicher können wir auch in Hateno noch Vorräte kaufen. Falls wir kämpfen müssen, auf alle Fälle auch Verbandszeug, nur für den Fall der Fälle." Er pausierte kurz. "Ich glaube nicht, dass ich heute gut schlafen werde können."


    Warte, bis du siehst, wie dein Bruder vor deinen Augen getötet wird. Dann weißt du, was schlechter Schlaf ist!
    "Verbandszeug habe ich auch noch. Da könnte ich noch was mitbringen..." Kamui hoffte zumindest, dass er drandachte, es mitzunehmen. Da er mittlerweile gut genug darin war, die Kämpfe zu überstehen, ohne sich wirklich bedrohlich zu verletzen, vergaß er öfters, es einzupacken.

    "Wenn jeder für sich selbst sorgt herrscht Ordnung - hat mir mal mein Lehrer gesagt." warf Muri ein. "Dort drinnen werden wir uns aber gegenseitig helfen. Das ist auf jeden Fall beruhigend. Und ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten, auch wenn ich nicht der stärkste der Welt bin." Muri stemmte seine beiden Hände in die Seiten.

    "Lehrer wissen auch nicht alles- sagt zumindest meine Mutter. Sie ist auch Lehrerin", erwiderte Kamui. "Aber keine Sorge - ich kann kämpfen und weiß auch, dass du es kannst!"


    Der grüne Orni schaute zwischen den beiden hin und her. Stimmt, die beiden waren zusammen unterwegs und sind sicher schon daran gewöhnt, gemeinsam zu reisen, fiel ihm ein. Er hoffte, gut dazu zu passen. "Ich wollte schauen, ob das Fest noch läuft, auch wenn es schon spät ist", sagte er, während er aufstand. Außerdem muss ich noch Gerz finden und ihn fragen, ob ich wieder übernachten darf. Er fragte sich, ob der Bauer noch auf dem Festplatz oder bereits zu Hause war. Kotari streckte die Flügel. Er fühlte sich plötzlich doch etwas erschöpft.

    "Na na, nur weil du Angst hast, dass du schlecht schlafen könntest, heißt das nicht, dass du die ganze Nacht durchfeiern musst", entgegnete Kamui dem anderen Orni. "Schlechter Schlaf ist besser als kein Schlaf."

    Kotari war nicht sicher, ob das so stimmte, sagte aber nichts dazu. "Keine Sorge, ich möchte nur schauen, ob das Feuer noch brennt, und vielleicht eine Kleinigkeit essen."

    Muri versuchte einen Witz zu machen: "Ich nehme zur Sicherheit lieber noch eine Decke mit." Er grinste. "Würdest du eigentlich darauf Wert legen, mich auf dem Festgelände etwas besser kennenzulernen? Oder trennen wir uns bis morgen?", fragte er Kotari.


    Kurz zögerte Kotari. "Wir können gerne zusammen zum Festplatz gehen", willigte er ein. Eigentlich wollte er wirklich nur kurz zum Festplatz. Andererseits hatten sie wohl alle das gleiche Ziel, da konnten sie auch gemeinsam in die Richtung gehen. "Was ist mit Kamui?" Er schaute den Forscher-Orni an.

    "Und falls du die Decke vergisst - notfalls können wir auch kuscheln", warf Kamui ein. Sein Herz schlug schneller, dann bemerkte er, dass Kotari ihn angesprochen hatte. "Meine Hütte liegt auch in der Richtung. Ich kann euch ruhig begleiten, wenn es euch genehm ist." Kotari blickte von Kamui zu Muri und zurück. Er überlegte, ob er was sagen sollte oder besser nicht. Doch da Muri keine Anstalten machten, zu antworten, räusperte er sich und sagte: "Alles klar." Er hatte gar nicht gewusst, dass Kamui in der Nähe wohnte. Er kannte nicht viele Orni, die außerhalb des Orni-Dorfes wohnten. "Dann lass mal losgehen." Er setzte sich in Bewegung.


    Das Kuscheln ließ Muri erst einmal so stehen und fragte Kotari: "Deine Schießkunst interessiert mich. Ich weiß wie ich mit Gegnern im Nahkampf umgehen muss. Als Schütze habe ich weniger Talent, euer Volk hat aber viele fähige Bogenschützen, habe ich gehört."

    Kotari war überrascht über den plötzlichen Themawechsel. "Das stimmt", antwortete er zögerlich. "Mein Volk kämpft seit langer Zeit mit Pfeil und Bogen und wir haben viele geübte Krieger und Meister. Viele Orni lernen bereits in jungen Jahren, mit dem Bogen umzugehen, damit wir uns vor Feinden schützen können. Wann immer möglich, ziehen wir den Fernkampf aus der Luft vor." Er nahm seinen Falkenbogen vom Rücken. "Fast jeder erwachsene Orni trägt einen Bogen, sei es zur Selbstverteidigung oder für die Jagd." Während er über die bunten Verzierungen strich, erinnerte er sich daran, wie er oft mit seinen Brüdern geübt hatte, auf Ziele am Trainingsplatz des Dorfes zu schießen. Es kam ihm vor wie eine lange Zeit her. Dann steckte er den Bogen wieder ein. "Ich kann dir bei Gelegenheit gerne zeigen, wie man damit umgeht."


    Kamui ließ sich zurückfallen, während seine Mitstreiter über die Waffenwahl der Orni diskutierten. Er hatte sich oft genug vor anderen Leuten rechtfertigen müssen, warum er das Schwert dem Bogen vorzog, da wollte er auch dieses Mal nicht wirklich in eine ethische Debatte reingezogen werden.

    Natürlich, da liegt ein Abenteuer vor uns und das einzige, wofür sie sich interessieren, sind Waffen. Zwar mochte er es, zu kämpfen, aber im Moment konnte er sich ironischerweise kein langweiligeres Thema als Waffen vorstellen.

    Muri nickte anerkennend: "Das ist durchaus beeindruckend. Meine Nahkampfkünste habe ich mir jedenfalls in der Wildnis selbst beigebracht." ...was eigentlich nicht stimmte und mahnte: "Hoffentlich ist die Höhle nicht zu eng. Da bliebe nur deine Treffsicherheit. Andererseits ist es wahrscheinlich auch windstill."


    Ah, jetzt reden sie von Kampfkünsten! Kamui hörte genauer hin - immer in der Hoffnung, dass sie jetzt zu einem Thema wechselten, dass ihn mehr interessierte!

    "Vielleicht könnten wir uns gegenseitig helfen. Ich habe einen Dolch, um mich zu schützen, aber habe kein besonderes Training damit absolviert", erwiderte der grüngefiederte Orni. "Je nachdem, was für Gefahren dort drin lauern, könnte er sich aber als nützlich erweisen, wenn ich nicht fliegen kann."

    "Ich kenne so einige Höhlen, die zwar hoch sind, aber gleichzeitig auch schlecht belichtet", rief Kamui von hinten. "Es scheint mir ein Vorteil zu sein, wenn man in ihnen einfach auf dem Boden bleibt, denn sonst knallt man gegen die Decke!"

    Kotari blickte zurück Kamui. Ihm war bereits vorher aufgefallen, dass dieser ein Schwert und einen Schild trug. Untypisch, aber nicht ungewöhnlich. "Danke für die Warnung. Sollte es zu dunkel sein, werde ich auf jeden Fall am Boden bleiben."

    Muri erwiderte: "Der Wille zählt, auch ohne Training. Es ist gut, einen Plan B zu haben." Und zu Kamui: "Der Typ dort drinnen muss ja auch etwas sehen. Licht wird es dort also schon geben."

    "Trotzdem - sicher ist sicher! Ich bin nicht gut darin, Verletzungen am Kopf zu behandeln", antwortete Kamui, während er sich fragte, warum der Weg zum Fest so lang war. Vorhin waren wir doch auch schneller am Treffpunkt!

    Während Kamui überlegte, ob sie vorhin nicht doch schneller unterwegs waren oder ob der Weg in die andere Richtung einfach nur länger wirkte, sah er in den Himmel - der Sternenhimmel sieht echt schön aus... Zu schade, dass die Feiernden das nicht bemerken. Er war so in das Philosophieren über die Sterne beschäftigt, dass er gar nicht merkte, dass das Fest schon in Sichtweite kam.


    Schließlich waren sie am Festplatz angekommen. Kotari sah ein wenig enttäuscht, dass die meisten Besucher bereits heimgegangen waren und die Stände geschlossen hatten. Wahrscheinlich würde der Abbau bald beginnen. In der Mitte des Festplatzes glimmten noch schwach die Reste des Feuers. "Es scheint vorbei zu sein. Schade."

    "Nicht so schlimm - die anderen haben kurzzeitig eine Freude gehabt, während wir ein Abenteuer bekommen werden!", entgegnete Kamui, während er seine eigene Enttäuschung runterschluckte. Allerdings: Es wäre gut möglich, dass ich in Zukunft auch nach der Höhlenforschung noch mehr Zeit mit Muri und Kotari verbringen kann. Da die beiden sympathisch sind, ist das nicht tragisch. "Außerdem: Es gibt bestimmt auch noch mehr Feste als dieses!"

    "So soll es sein!" munterte Muri Kamui auf und klopfte ihm auf den Rücken.

    "Sollen wir dann zurückgehen und uns morgen am Glywyrm-Teich treffen?", fragte Kotari und gab den beiden innerlich Recht. Wenn er ehrlich war, spürte er die Erschöpfung nun doch deutlich und freute sich auf ein warmes Bett.

    "Können wir machen - Schlaf ist wichtig, auch, wenn er schlecht ist", widerholte sich Kamui, während er überrascht vom plötzlichen Rückenklopfer zusammenzuckte. Hätte ich gewusst, dass Feste mich in solche Mysterien reinreiten, hätte ich sie bestimmt öfters besucht... Er zuckte mit den Schultern, dann meinte er: "Naja, egal. Bis morgen dann! Ich schätze mal, hier gibt es für mich nichts mehr zu tun." Mit Schwung drehte er sich um und stapfte zu seiner Hütte.


    "Was ist denn mit ihm?" fragte Muri und kratzte sich am Kopf, während er Kamui hinterherguckte. Kotari blickte dem Orni ebenfalls hinterher. "Vielleicht ist er müde?", entgegnete er. "Es ist wirklich spät."

    Kamui hielt inne, dann drehte er sich um und winkte lächelnd. Nicht, dass die beiden am Ende noch denken, dass ich wütend auf sie wäre- ich bin ja wohl gerade etwas plötzlich abgehauen...


    Kotari winkte zurück, dann breitete er die Flügel aus. "Bis morgen dann, nicht wahr?", sagte er noch zu Muri, dann erhob er sich in die Luft. "Jawoll!" rief dieser dem aufsteigenden Orni zu und winkte Kamui dann auch lächelnd zurück. Er blieb noch eine ganze Weile stehen und schaute der Glut des Feuers zu, bis er gedankenversunken auch seinen Heimweg antrat.

  • [Hateno-Festival #5]


    Die Nacht schlief das Mädchen unruhig. Sie wälzte sich auf ihrem Stroh hin und her. Eigentlich störte sie sich wenig daran, dass sie kein richtiges Bett oder ein Dach über dem Kopf hatte, doch heute war es anders. Es musste die Nervosität sein, welche das Kind drangsalierte, doch davon wollte sie sich nicht beirren lassen.


    Dementsprechend müde war M am nächsten Morgen, doch sie war auch frohen Mutes. In einen Jutesack steckte sie ihre bescheidenen Vorräte. Äpfel, ein bisschen getrocknetes Fleisch und gar eine Schwertbanane hatte sich in ihre Vorräte gesammelt. Sich selbst legte sie nur eine kleine Portion bei Seite, der Rest sollte als Proviant und Lohn für die mutigen Abenteurer fungieren. Für ihren eigenen Bedarf konnte sie jederzeit wieder etwas stehlen.


    Trotz der Müdigkeit, und mit ihrer abgewetzten Waffe im Gepäck, machte sie sich auf dem Weg zum Treffpunkt, noch bevor die ersten Sonnenstrahlen den Boden wirklich berühren konnten. Grillen sangen ihr nächtliches Lied und nur ein paar geschäftige Bauern waren schon wach, um sich um ihr Vieh zu kümmern. Ansonsten war die Welt in idyllischer Ruhe, sodass man gar nicht glauben konnte, irgendwo würden Gefahren lauern.


    M stand hinter der Anöhe, von der sie gestern bereits gekommen war und trat von einen Fuß auf den anderen, um auf die Ankunft der Helden zu warten. Der Sack war schwer, für eine Göre ihrer Statur, doch sie beklagte sich nicht – ein zartes Lächeln lag auf ihren Lippen, als die ersten goldenen Lichter über den Horizont quollen und das Land mit einem süßen Honiggold überzogen…

  • Kotari 10


    An Schlaf war nicht zu denken. Obwohl Kotari sich erschöpft und müde gefühlt hatte, als er bei Gerz' Hof angekommen war, war es ihm schwer gefallen, innerlich zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen. Da der Bauer bereits geschlafen hatte, als er ankam, hatte Kotari ihn nicht nach dem Fest fragen können. Stattdessen war er direkt zum Stall gegangen und hatte es sich dort inmitten von etwas Heu gemütlich gemacht. Zwar hatte er zuvor im Gästezimmer übernachten könnten, doch er wollte den gastfreundlichen Bauer nicht stören. Dem Orni machte es nichts aus, im Stall zu schlafen.


    Immer wieder hatte er über die Worte des mysteriösen Mädchens nachgedacht. Bionische Waffen? Er hatte noch immer keine besonders genaue Vorstellung davon, wie so etwas funktionieren sollte. Kamui hatte einen Vergleich mit den Wächtern in den Feldern von Hyrule gezogen. Kotari kannte diese Wächter, hatte sie bislang allerdings nur von Weitem gesehen. Angeblich waren sie Überreste aus lang vergangenen Zeiten. Er wusste jedoch nicht, wie sie funktionierten oder warum sie sich bewegten.


    Und so etwas soll in dieser Höhle gebaut werden?, wunderte er sich, während er sich herumwälzte. Wer ist dieser Unbekannte?


    Es fiel ihm schwer, die Zusammenhänge zu verstehen. Eigentlich hatte er nur die Lieferung für seinen Vater übernehmen und sich das Fest ansehen wollen. Nun aber winkte ein Abenteuer. Natürlich könnte ich einfach die Pilze mitnehmen und morgen ins Dorf der Orni zurückkehren, dachte er. Aber gleichzeitig wusste er auch, dass er das nicht tun würde. Ich kann nicht einfach wegschauen, wenn jemand nach Hilfe fragt. Noch dazu habe ich Kamui und Muri versprochen, sie wieder zu treffen.


    Erneut drehte der Orni sich um. Seine Gedanken kreisten weiter um die Wächter, seine neuen Freunde, das Mädchen und die Höhle, während er in einen unruhigen Schlaf glitt.




    Es war noch immer finster, als Kotari wenige Stunden später wieder wach wurde. Er blickte durch das Dachfenster der Scheune in den Himmel. Das Mädchen wollte uns bei Sonnenaufgang treffen.


    Da er sich nach dieser kurzen und eher unruhigen Nacht wie erschlagen fühlte, überlegte Kotari kurz, doch noch einmal die Augen zu schließen. Allerdings stellte er fest, dass er ziemlichen Hunger hatte, da er das Abendessen ausgelassen hatte. Während sein Magen knurrte, richtete er sich schließlich doch auf und griff nach seinem Beutel. Er stülpte ihn über dem Boden aus und sah zu, wie ein wenig Obst und anderer Proviant herausfiel. In der Scheune konnte er unmöglich kochen und Gerz wollte er auch nicht aufwecken. Also begnügte er sich mit ein wenig rohem Gemüse, dann steckte er den verbliebenen Proviant wieder in den Beutel. Das musste zuerst reichen - vielleicht konnte er unterwegs in der Stadt noch eine Kleinigkeit kaufen.


    Dann kramte er in seinem Beutel nach einer Feder - grün - und einem kleinen Zettel. Darauf schrieb er ein paar Dankesworte an Gerz und versprach, ihn wieder zu besuchen. Gleichzeitig entschuldigte er sich für seine abrupte Abreise, aber es war etwas Dringendes dazwischen gekommen. Eigentlich untypisch für mich, aber mir bleibt keine Wahl, dachte sich Kotari, während er den Zettel faltete. Dann stand er auf, griff nach seinem Bogen, den er gegen die Wand gelehnt hatte, und verließ das Gebäude.


    Der Hof des Bauern war nur von schwachem Mondlicht erleuchtet, während Kotari zum Haus des Bauern ging. Alle Fenster waren dunkel. Er zögerte kurz, dann schob er den Zettel unter dem Türspalt durch.


    Als das erledigt war, machte der grüngefiederte Orni sich auf den Weg in Hatenos Zentrum. Zu dieser Stunde war die Stadt wie ausgestorben, aber mit ein wenig Glück würde er einen Boten-Orni finden, den er bitten konnte, die Pilze bei Gerz abzuholen und seinen Eltern mitzuteilen, dass er sich verspäten würde. Und wenn das erledigt war, konnte er sich auf den Weg zum Treffpunkt machen - kurz, bevor die Sonne aufging. Er hoffte, dass er dort Kamui und Muri treffen würde - und das Mädchen.

  • Seufzend ließ sich Kamui auf sein Bett fallen. Das war wohl was... Was wohl Talux sagen würde, wenn er die Geschichte von M hören würde? Auch, wenn es komisch war, genau in diesem Moment an ihm zu denken- über M und ihre Geschichte hatte er schon in der letzten Stunde genügend nachgedacht, weshalb er sich im Moment etwas zu müde fühlte, um nach neuen Erkenntnissen in dieser Angelegenheit zu forschen. Wo er überhaupt ist? Er wirkte zwar interessiert an mir, als wir auf dem Festplatz miteinander geredet hatten, aber irgendwie hatte er sich in einem unbeobachteten Moment schnell aus dem Staub gemacht... Vielleicht langweilten wir ihn stärker, als es aussah. Oder... Vielleicht sah er ja auf dem Fest noch eine Person, mit der er dringend reden musste, und hatte in der Aufregung ganz vergessen, uns Bescheid zu sagen... Mein Vater hätte jetzt bestimmt gesagt, dass man nicht immer das Schlimmste von einer anderen Person annehmen soll, wenn etwas nicht so läuft, wie erwartet, denn Missgeschicke passieren immer!

    Nach einer traumlosen Nacht erwachte er kurz vor dem Morgengrauen. Nachdem er sich angezogen hatte und seinen Rucksack geschultert hatte, verließ er seine Hütte und machte sich auf dem Weg zum Treffpunkt. Hoffentlich kommen die Drei pünklich... Es wäre ja zu komisch, wenn wir warten müssten, weil jemand verschlafen würde! Warum die antiken Zivilisation irgendwelche Kriegsmaschinen bauen konnte, aber keine Geräte, die einen zu einer bestimmten Zeit aufwecken, ist mir nicht klar.


    Der Treffpunkt war schon in Sichtweite, als die ersten Sonnenstrahlen das Land langsam erleuchtete. Unbewusst ging Kamui langsamer- ich scheine wohl zuerst angekommen sein. Da kann ich mir auch noch etwas Zeit lassen... Die Anderen werden mich ja schon sehen, wenn sie den Teich erreichen!


    Er lief bis ans Ufer und kniete sich nieder, um einen alten Wasserschlauch zu füllen, den er vor dem Einschlafen noch unter seinem Bett gefunden hatte. Wie konnte ich dieses Teil nur vergessen? Zum Glück habe ich es noch einmal gefunden....

  • Muri schlief auch unruhig, allerdings weil er immer noch darüber nachdachte wie er den Typen aus der Höhle schützen könnte, ohne sich als Verräter zu offenbaren. Während er einige Szenarien in seinem Kopf durchspielte glitt er schließlich doch langsam in das Reich der Träume.


    Als er in aller Frühe wach wurde, sich frisch machte und anzog, verstaute er drei Messer an drei Stellen in seiner Kleidung - außerdem noch mehrere gut verpackte Essensrationen, Wasser, aber auch Rauchbomben, K.o.-Tropfen und Gifte. Er atmete tief durch bevor er sich auf den Weg zum Treffpunkt machte. Alles schien so friedlich zu sein.


    So wie es langsam hell wurde sah er auch schon den knienden Kamui am Treffpunkt. Er machte sich mit einem Lächeln bemerkbar: "Na, gut geschlafen? Hast du etwas verloren? Ist alles in Ordnung?" Während er sich Kamui näherte, streckte er seinen ganzen Körper mit einem Seufzer und prüfte den Sitz seiner Kleidung.

    Durch Schaden wird man klug - sagen die klugen Leute. Schaden litt ich genug, doch bin ich ein Thor noch heute.

  • Kotari 11


    Ein schmaler Lichtstreifen war am Horizont zu sehen, als Kotari sich dem Treffpunkt näherte. Die Suche nach einem Orni-Boten hatte etwas länger als gedacht gedauert, aber immerhin hatte er schließlich doch einen Kollegen gefunden, der sich bereiterklärt hatte, die Pilze von Gerz ins Orni-Dorf zu bringen. Es hat auch seine Vorteile, dass ich sie nicht mitnehmen muss, dachte Kotari. Manche riechen ja schon etwas stark. Er konnte sich Besseres vorstellen, als tagelang nur in Begleitung von Pilzen durch die Gegend zu fliegen.

    Kotari war sich sicher, dass seine Eltern dem anderen Boten eine Belohnung für seine Mühen geben würden, und hoffte, dass sie sich nicht zu sehr um ihn sorgten. Den Grund für sein längeres Fortbleiben hatte er ihnen nicht genannt; vermutlich wären sie nicht allzu erfreut, wenn sie wüssten, dass er sich auf der Suche nach einem merkwürdigen Mann in eine Höhle wagen wollte.


    Da es dann aber schon bereits kurz vor Sonnenaufgang war, war Kotari keine Zeit mehr zum Essen geblieben. Aber dem grünen Orni war ein leerer Magen wesentlich lieber als ein leeres Versprechen und so hatte er sich, nachdem er sich bei dem anderen Orni bedankt hatte, auch schon auf den Weg zum Treffpunkt gemacht. Hier und da sah er dann doch den ein oder anderen Hylianer, der seinen Laden vorbereitete, zum Acker ging oder nach dem großen Fest schlicht und ergreifend die Nacht im Freien verbracht hatte.


    Ein wenig schade ist es schon, dass ich so viel von dem Fest verpasst habe, dachte Kotari, während er eine Ansammlung von Steinen passierte, die sich bei näherer Betrachtung als Goronen entpuppte. Offenbar hatten sie nach der Feier den Weg zurück zum Gasthaus nicht mehr gefunden. Aber andererseits erwartet uns jetzt ein spannendes Abenteuer.


    Der Orni blickte wieder in Richtung Himmel. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Besser, ich beeile mich. Mit diesem Gedanken schwang Kotari seine Flügel und erhob sich in die Lüfte. Zwar flog er bei Dunkelheit nicht gerne, aber glücklicherweise war Hateno durch vereinzelte Fackeln zumindest ein wenig erhellt.


    In der Luft kam Kotari auch deutlich schneller voran, sodass es nicht mehr lange dauerte, bis er den Glywyrm-Teich sehen konnte. Es war schön anzusehen, wie die Schleichwürmchen tanzend durch die Dunkelheit glitten, wie leuchtende Punkte. Die aufgehende Sonne erhellte die Gegend gerade gut genug, dass Kotari zwei Schemen am Ufer ausmachen konnte. Sobald er zur Landung ansetzte, erkannte er Muri und Kamui. Letzterer war wohl dabei, einen Wasserschlauch zu füllen. Kotari begrüßte seine beiden Gefährten und blickte dann noch einmal zum Horizont, der immer heller wurde.

  • [Hateno-Festival #6]


    Die Freude wollte sich das Mädchen nicht anmerken lassen, als sie die kleine Gruppe vom Vortag sah – deswegen blieben ihre Mundwinkel starr, bevor sie in eiligen Schritten zu den vier Helden huschte. Noch einmal beäugte sie diese mutige Truppe, bevor sie doch einen kleinen Teil ihrer Emotionen durchdringen ließ und eifrig nickte.


    »Wie versprochen!« Sie bot ihren Sack mit den Gütern ungeniert vor sich. Es war nicht viel, aber immerhin hatte sie den Abenteurern eine kleine Gegenleistung versprochen – und nun, da sie wahrhaftig vor ihr standen und keinen Rückzieher gemacht hatten, war es an der Zeit ihr Soll zu erfüllen.


    Sobald sie die Ware übergeben hatte, zog sie sich M sofort wieder einige Schritte zurück. Vor ihr mochten Verbündete stehen, doch nur weil sie auf ihre Bitte eigegangen waren, konnte das Kind nicht bereits Vertrauen fassen.


    »Ich werde euch nun zur Höhle leiten, folgt mir.«


    Obwohl sie ein junges Leben hatte, kannte sie keine Geduld. M wünschte, dass sie stärker wäre und dieses Problem eigenhändig aus der Welt schaffen konnte, doch sie war gebrechlich und dürr – wie eine Puppe, die bei der feinsten Berührung in tausend Teile zerspringen würde.

    Eines Tages würde sie stark werden und mehr für dieses Land tun, noch war ihre Zeit jedoch nicht gekommen und sie musste sich auf andere verlassen…


    Während sie einige Meter voraushuschte, blickte sie immer wieder verstohlen über ihre Schultern zurück. Der Tag war schön und diese Helden sollten für sie Hoffnung bedeuten, aber in dem unschuldigen Herzen war noch viel zu viel Zweifel gesät.

    Am Ende würden sich ihre Wege sowieso trennen… am Ende wäre sie wieder alleine.


    Sie seufzte und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Weg, während ihre zusammengetrommelte Bande ihr nachkommen konnte. Fragen würde sie nach bestem Gewissen beantworten, dabei wusste M eigentlich nicht sehr viel mehr.


    Jetzt hieß es erst einmal Laufen.




    »Da vorne!«, kam es über ihre schmalen Lippen und wie bereits am Vorabend deutete sie in Richtung des Ebenholzbergs und man konnte schon jetzt den dunklen Schlund sehen, der tiefer in das Gestein führte.

    Während sich das Morgengold des Sonnenlichts, wie ein feiner Schleier, über das Land legte und einige Vögel eine Symphonie trällerten, wirkte der Eingang in die Höhle bereits aus einigen Fuß Entfernung irgendwie beängstigend.


    Vielleicht nur, weil sie in die Augen des verrückten Mannes gesehen hatte, der versuchte mit den Göttinnen mitzuhalten und ins Leben einzugreifen. Alleine bei dem Gedanken daran schauderte es ihr und ihre Beine fühlten sich auf einmal schwer wie Blei an.


    Ihr Körper wollte sie warnen; Nicht! Es ist gefährlich!; aber Wille war stärker als das Zögern ihres Körpers. Nur kurz wurden ihre Schritte langsamer, bevor sie das Tempo anzog und die letzten paar Meter auf das Gewölbe zu rannte.

  • Kamui zuckte zusammen, als er Muris Stimme vernahm. Er schraubte den Schlauch zu, dann richtete er sich auf und meinte: "Guten Morgen- keine Sorge, ich hab nichts verloren. Ich hab nur kurz Wasser in den Schlauch gefüllt, dessen Existenz ich monatelang vergessen habe... Normalerweise nehme fülle ich mein Wasser immer in einen anderen, deshalb habe ich vergessen, dass ich mehrere habe!"


    In genau diesem Moment kam schon Kotari angeflogen, der nach der Landung die Beiden begrüßte. Kaum grüßte Kamui zurück, kam schon M mit einem Sack in der Hand angelaufen, den sie nach dem Anhalten in Richtung Gruppe streckte. Kurz sah Kamui zwischen ihm und ihr hin und her, dann schnappte er sich ihn zögerlich und meinte: "Danke, dir auch einen guten Morgen!"

    Sie muss wohl ziemlich nervös sein, wenn sie glatt vergisst, uns einen guten Morgen zu wünschen!


    Dieses Gefühl wurde noch bestärkt, als die immer mal wieder Blicke auf die Drei führte, während sie sie zur Höhle führte, was Kamui etwas irritierte. Sie hat wohl nicht gerade viel Vertrauen in uns, wenn sie sich ständig vergewissern muss, dass wir ihr folgen. Was erwartet sie denn? Dass wir uns die Mühe machen, früh aufzustehen, nur, um spontan abzuhauen? Oder, dass wir sie überfallen wollen? Ernsthaft, wenn wir an ihrem Geld interessiert wären, hätten wir sie schon in der Nacht angegriffen, anstatt dann, wenn sich die Straßen langsam füllen... Entweder hat sie schon ziemlich seltsame Sachen erlebt oder sie hat keine Ahnung, wie sich echte Banditen verhalten!


    So langsam wurde es für Kamui auch schwerer, M zu folgen. Je näher sie dem Ziel kamen, desto schneller wurde das Tempo, das sie vorlegte- wenige Meter vor der Höhle legte sie sogar einen richtigen Sprint hin.
    "Jetzt warte doch mal!", rief Kamui. "Wir können nicht so schnell! Willst du etwa auch in der Höhle irgendwelche Geschwindigkeitsrekorde brechen?"

    Verdammt, was ist denn hier los? Geht denn hier gleich die Welt unter? Wieso hat sie es überhaupt so eilig, zu dieser Höhle zu kommen?

    Kamui warf einen Blick über die Schulter. Nein, keine Monster, keine Banditen, kein Sonst-Noch-Was. Entweder ist sie einfach nur aufgeregt oder sie weiß mehr, als sie zugibt...

  • Kotari 12


    Das Mädchen war für ihre zierliche Körpergröße erstaunlich flink. Ob sie wohl auf der Straße lebt?, fragte sich Kotari, als sie loslief. Den Zettel hatte sie ihm auch zugesteckt, ohne dass er etwas bemerkt hatte. Andererseits war er auf dem Fest auch abgelenkt gewesen. In der Höhle würde er auf der Hut sein. Wahrscheinlich ist es besser, wenn ich in der Höhle auf dem Boden bleibe, dachte er. Zwar mochte er es nicht, sich eingeengt zu fühlen, doch das war immer noch besser, als durch eine Höhle zu fliegen, deren Decken und Wände er nicht gut ausmachen konnte.


    Während seine Gefährten dem Mädchen folgten, blieb Kotari noch zurück. Er blickte sich um. Wenn wir gleich in eine dunkle Höhle gehen, wäre es sicher nicht verkehrt, vorbereitet zu sein. Auf seinem Weg hatte er am Wegesrand vereinzelt Fackeln stehen sehen. Vermutlich sollten sie es den Besuchern ermöglichen, nach der Feier den Weg zu finden, sollten sie sich den Glywyrm-Teich mit seinen tanzenden Leuchtkäfern ansehen wollen.


    "Verzeiht kurz, ich hole euch gleich wieder ein", rief er seinen Gefährten zu und breitete die Flügel aus. Hoffentlich macht es niemandem Umstände, wenn ich einige mitnehme. Gut möglich, dass Kamui einige dabei hat, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht. Er griff nach zwei der Fackeln und zog sie vorsichtig aus dem Boden, ehe er sich auf den Weg zu seinen Freunden machte, die den Höhleneingang schon fast erreicht hatten. Aus dieser Entfernung sah er wie ein gigantischer Schlund aus, der die Abenteurer verspeisen würde. Bei dem Gedanken wurde Kotari unwohl. Natürlich hatte es in seiner Laufbahn gefährliche Situationen gegeben, aber das hier fühlte sich anders an.

    Der Unterschied ist, dass diese Situationen nicht geplant waren. Hier aber bewege ich mich direkt darauf zu, ohne zu wissen, was mich erwartet. Zwar er nicht so sicher, ob er das Richtige tat, aber nun war es zu spät, wieder zu gehen. Ich habe es ihr versprochen und daran halte ich mich auch. Mit diesen Gedanken machte er sich wieder auf den Weg zu den anderen.


    Als Kotari kurz hinter ihnen aufsetzte, warf er einen neugierigen Blick zu Kamui hinüber. Dieser hielt noch immer den Beutel fest, den das Mädchen ihnen überreicht hatte. Was wohl darin sein mag?

    Allerdings musste Kotari auch zugeben, dass es gar nicht so wichtig war. Schließlich hatte er ja nicht wegen einer möglichen Belohnung zugestimmt! Wenn es stimmt, was sie sagt, dann können wir das nicht ignorieren. Noch einmal schaute er zu Kamui und Muri, die vor ihm herliefen. Er hatte zwar noch nicht viele Worte mit seinen Gefährten wechseln können, aber er spürte, dass er ihnen vertrauen konnte. Zum Glück bin ich nicht allein.


    Nun waren sie dem Eingang der Höhle schon sehr nahe gekommen. Aus der Nähe wirkte er noch bedrohlicher. Ein wenig Sonnenlicht fiel hinein, doch auf den ersten paar Metern Entfernung konnte Kotari nichts Besonderes in der Höhle entdecken. Alles dahinter befand sich in tiefer Dunkelheit. Der Gedanke, hineinzugehen, bereitete ihm Unbehagen.


    Er wandte sich das Mädchen und hielt ihm eine der Fackeln hin. "Hier", sagte er. "Vielleicht solltest du hinter uns bleiben, falls es gefährlich wird." Dann sah er zu den anderen beiden. "Tut mir leid, ich konnte nicht zu viele mitnehmen. Aber wenn wir zusammenbleiben, sollten zwei Fackeln ausreichen." Er hielt seine verbliebene Fackel Muri hin. "Falls es zum Kampf kommt, brauche ich zwei freie Arme. Vielleicht ist es besser, wenn du die Fackel hast", sagte er zu dem Hylianer, während er sie ihm überreichte. Damit drehte er sich wieder zum Höhleneingang zu und machte einen Schritt hinein.

  • Vorsichtig. Ganz vorsichtig.


    Wenn man sich schon in Hateno aufhielt, war es ein großartiger Zeitvertreib, den das Dorf überragenden Ebenholzberg zu erkunden. Vielleicht für Leute, die gute Kletterer waren oder über eine Schwindeltoleranz verfügten. Beides traf auf Zoltan nicht zu. Zu blöd. Viel gab es in seinem Heimatdorf sonst nicht zu tun. Es sei denn, man hatte Spaß daran, Lebensmittel einzukaufen. Die Frauen des Dorfes konnten wahrlich den halben Tag damit verbringen. Und die andere Hälfte, um Klatsch auszutauschen. Welchen Klatsch in einem Dorf, in dem kaum jemals mehr passierte, als dass der Fette Erich mal wieder volltrunken ein Nickerchen am Dorfbrunnen hielt? Das wussten die Göttinnen allein.


    Es gab freilich auch die Färberei. Angeblich DAS Aushängeschild Hatenos, doch so richtig Kunden anlocken tat sie nicht. Und das trotz spottgünstiger Preise. Wovon genau lebten die Leute, die diesen obsukren Laden betrieben? "Obskur" sahen sie auch aus. Kein Wunder, dass niemand seine Kleidung in die Hände von Leuten geben wollte die aussahen, als hätte ein verrückter Kinderbuchillustrator einen Fiebertraum.


    Was blieb also noch für Zoltan, um sich die Zeit totzuschlagen? Da war seine neue Bekannte Anya. Sie hatte ihm offenbart, dass sie nun doch eine Weile im Dorf bleiben, sich vielleicht sogar eine Festanstellung suchen wollte. Nun, es war angenehm, eine vertraute Person in der Nähe zu wissen, doch es erschien ihm wenig schicklich, sich ohne besonderen Grund an die Fersen der jungen Frau zu heften. Das könnte einen falschen Eindruck hinterlassen. Und das Letzte, was Zoltan wollte war es, von einer netten jungen Dame als Lüstling betrachtet zu werden. Also: Eine Wanderung über Stock und Stein auf dem Ebenholzberg. Hurra, Hurra!


    Doch nicht die gesamte Natur hatte sich hier gegen ihn verschworen, zum Gipfel hin gab es wunderbar begehbare Pfade. Und etwas anderes, das sein Interesse weckte. Denn mitten auf einem dieser Pfade, versteckt hinter einem Gebüsch, lag eine Höhle. Interessant.


    Höhlen und Ruinen hatten schon immer Zoltans Interesse geweckt. Nicht, dass er sich ernsthaft versprach, dort große Schätze zu finden. In den Jahren nach der Verheerung hatten hunderte Plünderer und Schatzsucher solche Orte aufgesucht und den nachfolgenden Generationen an Entdeckern nichts als marode Kisten und mehr oder weniger brauchbare Waffen hinterlassen. Waffen wie das Schwert, das seinen Rücken zierte und ihm mehr als einmal treue Dienste erwiesen hatte. Dennoch lockte ihn auch dieser Höhleneingang, und er trat näher.


    Zunächst schlug ihm nur kühle Luft entgegen. Sicher, das hatten Höhleneingänge an sich. Doch dann trug die herauswehende Luft noch etwas an seine Ohren. Stimmen. Dort drin befand sich jemand... oder etwas.


    Nun, es mochten spielende Kinder sein. Davor brauchte er sich gewiss nicht zu fürchten. Halunken, die einen Raubzug planten? Keine Herausforderung für ihn, auch wenn seine nur wenige Tage alte Brustverletzung immernoch sehr präsent war. Jedoch.... ein argloses Pärchen beim Techtelmechtel zu stören, das wäre ihm zutiefst unangenehm. Es gab aber eine vierte Möglichkeit. Was, wenn dort drinnen jemand verletzt lag und Hilfe brauchte? Und nicht darauf hoffen konnte, dass nach ihm so bald jemand zufällig vorbeikam, um zur Rettung zu eilen? Nun, falls dies der Fall sein sollte... und so betrat Zoltan ohne weiteres Zaudern das kühle Dunkel.


    Weit kam er nicht, bis er sich vor dem Ursprung des Stimmengeflüsters befand: Unmittelbar vor ihm, im Schein einer Fackel, standen zwei Orni und ein kleines Mädchen, die Rücken ihm zugewandt. Nun hörte er auch deutlich, worum es bei ihrem Gespräch ging: Binomische Monster. Hier, in dieser Höhle.


    Welch ein Unsinn! Über so etwas wie binomische Monster hatte er gelesen, allerdings immer nur im Kontext fantastischer Geschichten. Sollte es ein solches Phänomen hier, in einer Höhle am Rande der Welt, wirklich geben? Oder hatte das Mädchen - älter als zehn Jahre konnte sie kaum sein - bloß zwei naive Reisende von weit außerhalb in eine Touristenfalle gelockt, um in einem unbeobachteten Moment mit ihren Rubinbörsen zu verschwinden?


    Was auch immer, es betraf ihn nicht, und er verspürte wenig Lust in das, was auch immer hier vor sich ging, verwickelt zu werden. Die Gruppe bemerkte ihn nicht, und so machte er kehrt. Dabei trat sein Steifelabsatz jedoch einen Stein lose, der ein hallendes Geräusch verursachte. Und prompt richteten sich drei aufgeschreckte Augenpaare auf ihn.

    Passive good is worse than actual evil.


    -William Blake

  • Sandro saß wie immer in der Hütte auf der Ranellespitze und ließ seinen Blick schweifen.

    Spartanisch, und ordentlich, er hatte den Luxus eines verschwenderischem und wohlhabendem Leben nie kennengelernt. Vor allem aber war diese Hütte so eingerichtet, dass er jederzeit schnell aufbruchsbereit war. In seinem Leben müsste er schon zu oft schnell weg. Bei dem Monsterangriff als kleines Kind, bei dem seine Eltern umkamen und er die Furchen in seinen Flügeln erhielt, die es ihm seit dem unmöglich machten zu Fliegen, hatte er keine Zeit irgendetwas einzupacken, er rannte einfach. Bei seiner Flucht aus dem Ornidorf, war er immerhin geistesgegenwärtig genug, um einen Survivalrucksack vorbereitet zu haben.

    Er fand es schön hier bei der Hexe ohne jegliche andere Gesellschaft, doch ihm war klar, dass er hier nicht ewig bleiben konnte und eines Tages fliehen müsse. Und dieser Tag ließ nicht mehr lange auf sich warten.


    Den eines Nachtes hörte er ein schreckliches Geräusch. Ein Geräusch aus seinen tiefsten Alpträumen. Ein Geräusch, welches er gehofft hatte nie wieder hören zu müssen, das Grunzen von Bokblins. Er hatte zwar ein paar Zauber von der Hexe gelernt, und ein Windstoß wäre auf einem riesigen Berg sicher höhst efektiv, doch er hatte keine Ahnung, wie es um seine Konzentration bestellt war. Wenn er die Monster aus seinen Alpträumen wiedersah, konnte er für nichts garantieren. Also nahm er sich seinen Rucksack und ein Reiseschild. Er konnte und musste es zwar nicht benutzen, dafür war der Schildzauber da, doch er war der schnellste weg den Berg hinunter zu kommen. Also zögerte er nicht. Anlauf, Absprung, Schild unter die Füße. Und Schildschlittern machte ihm Spaß! Auf dem Weg nach unten sah er noch einmal hoch und erschrak. Eine riesiege Bokblinhorde, er glaubte sogar einen Silbernen auszumachen, trampelte auf sein Haus zu. Die hätte er nie im Leben abgewehrt gekriegt. Hoffentlich kann auch die Hexe fliehen. Doch sie kann auf sich selbst aufpassen. Jetzt musste er sich um sich kümmern, ermahnte er sich. Als so wohl seine Ausdauer, als auch die Haltbarkeit des Schildes in die Knie ging, sah er eine Höhle. Er betrat sie, und sah 3 Abzweigungen. Eine war überflutet, eine war sehr eng und eine war verschüttet. Da er mit seinen Furchen kein Wasser verdrängen kann und er kein Werkzeug dabei hatte, blieb nur der enge Gang. An dessem Ende war ein geräumiger Bereich und weil er so müde war schlief er ein.

  • Kotari 13


    Erschrocken drehte Kotari sich um. Er war so konzentriert auf das, was vor ihnen lag, gewesen, dass er überhaupt nicht darauf vorbereitet war, plötzlich ein Geräusch hinter sich zu hören. Als er sich umblickte, stand vor ihnen - hinter ihnen - ein Hylianer, dunkel gekleidet. Auf den ersten Blick sah er aus wie ein Krieger, zumindest ließen Kotari das schwere Kettenhemd, Schwert und Schild daran denken.


    Angestrengt versuchte er sich zu erinnern, ob er den Neuankömmling auf dem Fest gesehen hatte. Es waren viele Besucher dagewesen, Zora, Orni, Goronen und natürlich viele Hylianer. Falls er dort gewesen war, so wäre er dem Orni nicht aufgefallen. Andererseits hatte er auch mehr auf die Festlichkeiten geachtet und weniger auf die anderen Besucher, insbesondere, nachdem er den Zettel in der Tasche gefunden hatte.


    Oder vielleicht ist er ein Söldner? Ob M ihn hergerufen hat?


    Fragend blickte er zu dem Mädchen, doch auch M wirkte erstaunt, ebenso wie Kamui. Sieht nicht so aus.


    Da niemand etwas sagte, beschloss Kotari, das Wort zu erheben. Der Fremde sah trotz seiner Aufmachung nicht allzu bedrohlich aus. Andererseits ist er hinter uns hergeschlichen. Wer weiß, was er im Schilde führt. Womöglich ist er sogar diese "seltsame Kauz", von dem M gesprochen hat. Als ihm der Gedanke kam, erschauderte er. Ihm fiel ein, dass er keine Ahnung hatte, wen oder was sie hier überhaupt suchten. Er nahm sich vor, M darauf anzusprechen, doch zuerst mussten sie herausfinden, auf welcher Seite der Fremde stand.


    Kotari versuchte, sich seine Nervosität nicht ansehen zu lassen. Sollte es zum Kampf kommen, wären sie in der Überzahl. Der Gedanke beruhigte ihn ein wenig.

    Wir sollten herausfinden, was er hier will.

    Kotari glaubte nicht ganz daran, dass der Fremde nur zufällig hier war. Wieso sollte jemand zu dieser frühen Stunde hierherkommen?


    Er sah wieder zu dem Hylianer vor sich und hielt die verbleibende Fackel wie einen Schild vor sich. "Hallo", sagte er schließlich. "Was führt dich hierher?"

  • Amüsiert hob Zoltan eine Augenbraue. Es waren immer die gleichen Fragen. Wer bist du? Was machst du hier? Was willst du? Seit das Königreich Hyrule vor einem halben Jahrhundert dem Erdboden gleichgemacht wurde, war Misstrauen eine Tugend. Das war vielleicht ganz gut so, denn Zoltan wusste, dass es da draußen mehr gab als harmlose Kneipenschläger und Strauchdiebe.


    Zugegeben, seine Aufmachung ließ ihn auch nicht besonders freundlich erscheinen. Kein Mensch, der noch bei Trost war, kleidete sich für eine harmlose Wanderung als würde er in den Krieg ziehen. Und doch stand er hier in voller Montur. Das Attentat auf ihn vor ein paar Tagen wirkte noch immer nach und machte ihn ein wenig paranoid. Dabei hatte er dazu kaum einen Grund. Sollten die Yiga nicht zwischenzeitlich im Stall am Fluss Gerüchte aufgeschnappt haben über einen schwer verwundeten Mann und seine Begleiter - eine junge Hylianerin und ein Krog - dürften sie davon ausgehen, dass er dort unten in Angelstedt an seiner tödlichen Pfeilwunde verendet war. Danach hatten Anya und er sich darauf geeinigt, unter den Decknamen „John“ beziehungsweise „Hella“ weiterzureisen. Sicher, das war keine Meisterleistung im Verwischen von Spuren, aber es sollte reichen. Die Yiga waren keine Bluthunde, die auf der Suche nach ihrer Beute an jedem Baum schnupperten, sondern vielmehr Ratten, die sich satt und zufrieden in ihr Nest zurückzogen, wenn ihr Werk getan war.


    Wie dem auch sei. Er machte sich eine gedankliche Notiz, sich für seinen weiteren Aufenthalt in Hateno eine etwas alltagstauglichere Garderobe zuzulegen. Seine Rüstung samt Waffen würde er in seiner vorläufigen Bleibe - einer Mühle am Dorfrand - verstauen. Die Skepsis in den Blicken dieser Leute ihm gegenüber verdeutlichte ihm, dass er so herausgeputzt auffälliger war als ein bunter Hund. Und dieser Schild! Nie hatte er einen Schild benötigt. Seine Ausbildung bei den Yiga, seine Arbeit für die „Organisation“ sowie unzählige Stunden des Einzeltrainings hatten ihn zu einem Raubtier in Menschengestalt gemacht, dessen beste Verteidigung der Angriff war. Er würde sich diesem Ballast so schnell es ging entledigen. Nur gerade hatte er stets ein Bild vor seinem Inneren Auge, wie zwei schnelle Pfeile unausweichlich auf ihn zuflogen und er sich nicht allein auf sein Schwert verlassen konnte. Belastend.


    Zurück im Hier und Jetzt ließ Zoltan nun seinen Blick über die illustre Truppe schweifen. Gut, er war dem Orni zu seiner Rechten wohl eine Erklärung schuldig.


    Ich bin an dieser Höhle vorbeispaziert. Habe Stimmen gehört und wollte nachsehen, was los ist. Dachte vielleicht, jemand wäre verletzt. Aber scheinbar findet hier nur eine kleine Touristenführung statt. Und da frage ich mich...

    Sein Blick heftete sich auf das kleine Mädchen.

    ...welche Art von Touristenunternehmen Kinder in seine Dienste stellt. Diebesbanden? Ich habe gehört, Kinderhände sind am geschicktesten, wenn es darum geht, naive Reisende um ihre Rubinbörsen zu erleichtern. Also ist die Frage nicht, was ich hier tue... sondern vielmehr, was hier vor sich geht. Ihr müsst mir nichts erklären, ich kann sofort gehen, aber vorher...

    Er fischte aus dem Tabakbeutel an seinem Gürtel eine vorgedrehte Zigarette, steckte sie zwischen seine Lippen und entzündete das vordere Ende mit einem kräftigen Zug. Für Zuschauer ein verblüffender Zaubertrick. Dabei machte er sich nur ein paar Gesetze der Naturwissenschaften zu eigen. Betont lässig zog er an seinem Glimmstängel und stieß den Rauch aus.

    ...würde ich auch gern hören, was es hier mit binomischen Monstern auf sich hat. Ich sehe zwar nicht so aus, bin aber so etwas wie ein Akademiker und es würde mich brennend interessieren, ob es so etwas hier tatsächlich geben könnte. Vielleicht bin ich dann sogar geneigt, euch durch die Höhle zu begleiten.


    Rauchend stand er da und sah belustigt zu, wie die Blicke der Orni nun verwirrt zwischen dem redseligen Fremden und dem Mädchen, dass er beschuldigt hatte eine Diebin zu sein, hin- und herwanderten.

    Passive good is worse than actual evil.


    -William Blake

  • Das ist ja mal ein Chaos... Zuerst verschwindet ein Teil unserer Gruppe, bevor es überhaupt losgeht, und jetzt taucht wie aus dem Nichts jemand neues auf!


    Nachdem Kamui seinen ersten Schock über die Ankunft und die Vorwürfe überwinden hatte, räusperte er sich. "Ich muss sagen, ich habe schon einmal bessere erste Eindrücke von jemanden bekommen. Du schleichst dich an, deutest was-weiß-ich an, als du entdeckt wirst, und willst uns plötzlich durch die Höhle führen, ohne uns überhaupt deinen Namen verraten zu haben. ...Gut, als Außenstehender wirkt es vielleicht wirklich komisch, wenn ein paar Erwachsene mit irgendeinem Kind in einer abgelegenen Höhle abhängen, ich hätte aber eher vermutet, dass du ein Dieb wärst. Wer nähert sich sonst so versteckt anderen Leuten? Wobei ich auch keinen so schwer bewaffneten Langfinger kenne..."


    Er hielt inne, dann seufzte er. Wie sollen wir denn überhaupt so weiterkommen, wenn wir uns die ganze Zeit anstacheln? Wenn ich mich auf sein Level begebe, bekomme ich vielleicht gar nichts aus ihm heraus...

    "Diese Person, die du Diebin nennst, hat sich M genannt... Sie hat uns beim Jubiläumsfest zusammengetrommelt. Scheinbar versteckt sich hier irgendwo in den Tiefen der Höhle ein Mann, der bionische Monster erschaffen will, um irgendeinen Herrscher wieder an die Macht zu bringen."

    Kamui warf kurz einen Blick auf die Tiefen der Höhle, dann meinte er: "Ich kann mir aber nicht ganz erklären, wie er diese Monster aus dieser Höhle bringen will. Vielleicht gibt es einen Hintereingang, denn ich kann mir nämlich schlecht vorstellen, wie jemand auf diesen Weg ein paar Monster rausbringen will!"
    Er schielte immer wieder zu M. Ob sie den Seitenhieb verstanden hat? Mich würde es wirklich interessieren, ob sie vielleicht doch mehr weiß!

    Als sie still blieb, wandte sich der Orni wieder an den Fremden. "Also, was sagst du dazu, Herr...?"

  • Nach einer halben Ewigkeit hielt der Orni endlich in seinem Monolog inne, um ihn nach seinem Namen zu fragen. Nun gut, es sollte ja tatsächlich noch Leute geben, die auf derlei Floskeln und Höflichkeit Wert legten. Er hatte bloß das Gefühl, dass er im Laufe der vergangenen Woche öfter nach seinem Namen gefragt wurde als sonst in einem ganzen Jahr. Und dass ihn dann auch noch jemand mit „Herr“ ansprach, setzte dieser Außergewöhnlichkeit die Krone auf.

    Ich heiße John, antwortete er knapp und ohne auf die vorherige Zurechtweisung einzugehen. Auch unterließ er es, sein Gegenüber nach einem Namen zu fragen. Er war schließlich bloß in diese Höhle gegangen, um nach dem Rechten zu sehen und nicht, um neue Freundschaften zu schließen. Es erschien ihm gerade nur albern, diesen wenig kreativen Decknamen zu verwenden. Aber es war unter den momentanen Umständen eben eine Notwendigkeit. Gerade Orni kamen aufgrund ihrer Flugfähigkeit viel herum, und sie tratschten ebenso gern wie alle anderen Einwohner Hyrules. Ehe er es sich versah, würde irgendjemand Unliebsames aufschnappen, dass sich ein gewisser Zoltan in Hateno aufhielt. Und das konnte er nicht unbedingt gebrauchen.


    Er ließ seinen Blick noch einmal über die illustre Runde schweifen.

    Also schön, sagte er schließlich. Keine kriminellen Aktivitäten also. Sondern nur ein kleines Mädchen, dass sich irgendeine Geschichte ausgedacht hat, damit jemand mit ihm spielt. Ich vermute mal, ihre Eltern haben ihr das mit dem verrückten Monstermacher erzählt, damit sie dieser Höhle fernbleibt. Wenn ich mir das da so ansehe - er wies mit der Hand auf den eingestürzten Gang - scheint das sehr vernünftig. Vermutlich sind all diese Gänge einsturzgefährdet. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich möchte lieber nicht mein Leben riskieren, um mit irgendwelchen Kindern „Entdecker“ zu spielen. Klingt das irgendwie logischer als diese Gruselgeschichte? In Erwartung einer Trotzreaktion blickte er nun erneut direkt das Mädchen an. Doch weder lief sie rot an, noch traten ihr Zornestränen in die Augen, noch stampfte sie wütend auf. Nein, sie blickte ihn so gelassen und forschend an, als wäre er der Unvernünftige, den man mit einem sachlichen Argument bestechen musste.


    War da noch etwas in ihrem Blick? Ja. Sie schien ihn herausfordern zu wollen, sich selbst vom Wahrheitsgehalt der Behauptung, in dieser Höhle würden finstere Kreaturen zum Leben erweckt, zu überzeugen. Zoltan war schon oft auf diese Art gemustert worden. Von Leuten, die sich fragten, ob er wohl für eine heikle Aufgabe tauglich wäre. Dass dies aber ein Kind tat, welches ihm kaum bis zur Brust reichte, war neu. Er fühlte sich, als wäre er selbst wieder ein kleiner Junge, der zu einer Mutprobe herausgefordert wurde.


    Auch in den Augen der Orni lag immernoch feierlicher Ernst. Es sah ganz so aus, als wäre jeder hier außer ihm von der Notwendigkeit einer Expedition in diese Höhlen überzeugt.

    Passive good is worse than actual evil.


    -William Blake

  • Dunkelheit....


    Nathan blickte umher und konnte nur schemenhaft die Umrisse seiner Umgebung erkennen. Bis auf 2 helle Punkte am Eingang war der Raum in Schwarz gehüllt. "Fackeln" schoss es Nathan durch den Kopf. Doch da war noch etwas anderes, etwas leuchtendes. Vorsichtig lugte er hinter dem Fels hervor. Dort am Eingang zum Yiga-Versteck konnte er schwach das Leuchten des Mondes wahrnehmen. Sein Herz hämmerte in der Brust.


    Nathan spürte wie sich eine Hand auf seine Schulter legte. Er drehte sich um und schaute in das müde Gesicht seiner Mutter. In ihren blauen Augen bemerkte er all die Jahre des Kummers und Bedauerns. All die Jahre, die sie hier verbracht hatte, in der Hoffnung sein Vater möge wieder zur Vernunft kommen. Alles vergebens. In ihrem Blick sah er jedoch noch etwas anderes -Zuversicht. Zuversicht darauf, er könne den Klauen des Clans entfliehen, irgendwo noch einmal von vorne anfangen, ohne den ganzen Ballast.


    "Du musst los." flüsterte Sinja ihm zu. "Adrik wird gleich von seiner Wachrunde zurückkommen." Nathan merkte wie sein Herz in seiner Brust tiefer sackte. "I-ich weiß nicht, ob ich es schaffe" brachte er krächzend hervor. Tränen standen ihm in den Augen. "Du wirst es schaffen. Da draußen wartet eine ganze Welt auf dich. So viel schöner und wunderbarer als du es dir je vorstellen könntest." Sinja betrachtet ihren Sohn einen Moment. "Vergiss nie, dass ich dich sehr, sehr lieb habe." Sie lächelte ihn liebevoll an und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Und jetzt beeil dich."


    Nathan richtete sich auf. Die Luft war rein. Auf wackeligen Füßen schlich er sich langsam zum Eingang. Die weiße Mondsichel strahlte hell am Nachhimmel und hüllte ihn in eine gespentische Aura als er nach draußen in die Wüste schaute. Nathan hielt inne und zögerte. Er kämpfte mit den Tränen und drehte sich zu seiner Mutter. Ihre Lippen formten nur ein einziges Wort. "LAUF!"


    Dann...eine laute Stimme. Sie fuhr ihm durch Mark und Bein wie eine Hand, die langsam über eine Schiefertafel kratze.


    "Halt! Wer ist da?"


    Nathan lief. Flüchtete in die kalte Nacht hinaus und schaute nicht mehr zurück. Getrieben von Panik und Angst. Er lief so lange bis sein Atem nur noch in stechenden Intervallen in seine Brust floss und seine Beine sich taub und nutzlos anfühlten. Wie viel Zeit wohl vergangen sein mag? Er spürte wie sich langsam eine diffuse Schwärze an den Rändern seines Blickfeldes ausbildete und mit jedem weiteren Schritt zunahm. Sein Kopf fühlte sich merkwürdig leicht an, wie in Watte gehüllt. Nach einigen Metern begann Nathan zu taumeln. Er stürzte. Dann empfing ihn die Dunkelheit.


    Nathan schreckte hoch. "Wo bin ich?" Er brauchte einige Momente bis er erkannte, dass er sich in einer Höhle befand. Die kargen Felswände so nahe, dass sie ihn fast zu umarmen schienen. Er sank zurück auf den Boden.


    Nathan schaute einige Momente zur Decke der Felsnische empor. Letzte Nacht kam sie ihn wie das perfekte Versteck vor. Zum einen war sie nur bei genauem Hinschauen zu erkennen und zum anderen so schmal, dass niemand, der größter als Nathan war, sich hineinzwengen konnte. Doch jetzt machte ihn die Enge krank. Nach diesem Traum war ihm nicht danach auch nur eine Sekunde länger hier zu verbringen. Wobei es eigentlich egal war, wo Nathan schlief. Sein Kummer begleitet ihn überall hin seitdem er vor 2 Jahren die Yiga verlassen hatte.


    "Ich muss los" dachte er und begann damit seine Decke zusammenzufalten und in seinen Rucksack zu stopfen. Dann hielt er kurz inne. Was war das? Hatte er eben Stimmen gehört? Vorsichtig kroch er auf allen Vieren zum Eingang der Felschnische und schaute in die Höhle. Dort stand ein kleines Mädchen, flankiert von 2 Orni, die sich mit einem Hylianer unterhielten. "Was wollen dier hier?" dachte Nathan und beobachtete misstrauisch das Geschehen.

  • [Hateno-Festival #7]


    Das Beben ihrer Unterlippe; ein Zeichen aus Wut und Verzweiflung; verbarg das junge Mädchen mit einem abschätzigen Zischen. Sie hatte sich auf Fragen eingestellt und empfand die Skepsis des Neuankömmlings durchaus gesund, wie erstrebenswert. Wäre ihr selbst dasselbe passiert wie nun der Gruppe, würden ihr tausende Fragen wie Glasmurmeln durch den Kopf kullern – und sie würde ihr Vertrauen nicht einfach verschenken, sondern bis zur letzten Sekunde auf der Hut sein.


    »Dein Misstrauen in allen Ehren, doch zu was Shiekah-Technologie im Stande ist, sollte ich einem Akademiker nicht erklären müssen.« Jene Worte spuckte sie beinahe, als wollte sie ätzendes Gift aus ihrer Kehle lösen. »Glaubst du nicht, dass die Relikte unserer Vergangenheit auch missbraucht werden können? Oder lebst du lieber weiterhin in einem Märchen, gesponnen aus Sicherheit und Illusionen?«


    Selbstzufrieden lächelnd bedankte M sich bei Kotari, welcher ihr die wärmende Fackel gereicht hatte, noch bevor der zwielichtige Hylianer aufgetaucht war. »Vielleicht ist in der Höhle nur ein einsamer Kauz, um dessen Ideen wir uns keine Sorgen machen müssen… oder es ist ein gefährlicher Mann mit der Vision den Menschen zu schaden«, gestand sie sich und der Gruppe mit einem entschuldigenden Blick ein. Eine Garantie gab es im Leben nur für eine Sache und diese war der Tod.


    In einer Hand hielt sie die Fackel; deren warmer Lichtschein ihr Gesicht aussehen ließ, wie einen Totenschädel; mit der anderen Hand deutete sie auf Hateno, welches zwar einen Fußmarsch entfernt lag, aber doch zum Greifen nahe war. »Die Menschen dort werden die Ersten sein, die erfahren werden, wie erfolgreich dieser Wahnsinnige mit seinen Ideen ist.«


    Der Anfang der Höhle war noch gut beleuchtet durch das Tageslicht, sodass die Fackeln vorerst zwecklos waren. »Als Zeichen dessen, dass ich es ernst meine, werde ich vorangehen…« Angst schlich sich in ihr sonst so mutiges Herz. Vielleicht stünden ihre Chancen gegen einen einzelnen, roten Bokoblin gut, bei einer Gruppe hingegen, konnte sie sich des Sieges nicht sicher sein. »Ihr könnt mir folgen, oder nicht – ich werde das Schicksal nicht tatenlos hinnehmen.«


    Das natürliche Gestein öffnete sich fast wie eine Eingangshalle, doch M erinnerte sich nicht mehr wirklich, welchen Weg sie genommen hatte, als sie die Entdeckung gemacht hatte… sie lauschte aufmerksam, doch den Alten, der versuchte aus Schrottteilen irgendwelche Monster zu basteln, konnte sie nicht hören. Auch sonst hörte sie nichts.

    Die Höhle spaltete sich in drei Wege ab. Einer war schmal und würde nur zulassen, dass sich alle nacheinander durch die enge Steinöffnung quetschten. Der andere führte durch eine Mulde, in der sich brusthohes Wasser gesammelt hatte; es war unmöglich zu erkennen, wie weit sie durch Wasser waten müssten; und der Letzte war halb mit Geröll zugeschüttet, sodass man ihn erst freilegen müsste.

  • Kotari 14


    Eine Zeit lang sah Kotari zwischen seinen Gefährten hin und her, während sie sich Anschuldigungen an den Kopf warfen. Besonders M schien wütend zu sein, zumindest fauchte sie den Neuankömmling, der sich als John vorgestellt hatte, förmlich an. Der Orni war ein wenig beeindruckt: die Hylianerin wirkte so zierlich, doch offenbar steckte in ihr eine Kämpferin. Ihre Worte und ihr Verhalten ließen keinen Zweifel zu, dass sie es ernst meinte.


    Er konnte jedoch auch den Fremden verstehen. Wenn es stimmte, dass er nur zufällig hieher gekommen war, dann musste ihre Gruppe wirklich seltsam auf ihn wirken: Selbst wenn ein Kind in Begleitung zweier Orni nicht schon ungewöhnlich genug wäre - wie oft fanden sich Orni schon freiwillig in Höhlen wieder? Kotari selbst konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt in einer Höhle gewesen war - zumindest weiter als in den Eingangsbereich. Dennoch merkte Kotari, wie er sich ein wenig entspannte. Offenbar ging von John zumindest aktuell keine Gefahr aus.


    Nachdem er die Diskussion eine Weile verfolgt hatte, musterte er John erneut. "Vielleicht hast du Recht, vielleicht aber auch nicht", sagte er. "Aber Kamui und ich haben uns entschlossen, dass wir M helfen werden, und zumindest mir ist es wichtig, mein Wort nicht zu brechen." Er blickte kurz zu Kamui, welcher ebenfalls einen entschlossenen Blick hatte. Ein wenig bewunderte er den anderen Orni. Er war deutlich gebildeter und charismatischer als Kotari.

    Dann sah er wieder zu dem Hylianer vor ihnen: "Sollte sich nichts in der Höhle befinden, dann umso besser. Dann gehen wir wieder. Aber..." Kotari zuckte mit den Schultern. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass M die Mühe mit den Zetteln auf sich genommen hat, wenn sie nichts gesehen hat. Irgendetwas ist da."


    Er schaute wieder zu M. Dankbarkeit lag in ihrem Blick. Er wusste selbst nicht genau, woher er - ein einfacher Bote - den Mut nahm, aber er konnte die Dringlichkeit in Ms Stimme nicht ignorieren. War es töricht, ihr blind zu vertrauen? Vielleicht. Auf seinen Reisen hatte er schon vieles gesehen und viele verschiedene Individuen getroffen; nicht alle von ihnen hatten nur Gutes im Sinn - doch es erschien ihm unsinnig, dass ausgerechnet ein hylianisches Mädchen ihnen Böses wollte.


    Er sah zu, wie M sich in Bewegung setzte, doch ziemlich schnell blieb sie wieder stehen. Vor ihnen eröffneten sich drei Gänge und in Ms Gesicht lag ein verwirrter Ausdruck. Es war offensichtlich, dass sie nicht wusste, welchen Gang sie nehmen sollten. Hatte sie es vergessen?


    Kotari setzte an, ihr zu folgen, um die Wege zu begutachten. Schnell warf er noch einen Blick zu John. "Wir wissen nicht, was uns in der Höhle erwartet. Aber ich bin sicher, dass wir deine Hilfe gut gebrauchen können, sollte es zum Kampf kommen."


    Er versuchte in die verschiedenen Gänge hineinzulauschen, konnte jedoch nichts hören. Er hob die verbliebene Fackel und leuchtete damit ein wenig in die Wege hinein, die sich vor ihnen eröffneten. Einer war mit Wasser vollgelaufen und sie würden durch hohes Wasser waten, vielleicht sogar schwimmen müssen, um voranzukommen. Das erschien ihm nicht sicher; im Wasser wären sie ein verwundbares Ziel, sollten sie auf Feinde treffen.

    Der nächste Gang endete ziemlich abrupt. Ein Haufen Geröll und Felsen versperrte den Weg. Dahinter konnte er nicht viel erkennen. Sicherlich könnten wir ihn zusammen freilegen, aber das würde nicht nur wertvolle Zeit kosten, sondern auch viel Lärm verursachen. Das könnte jemanden in der Höhle alarmieren.

    Er sah zum letzten Gang. Dieser war zwar recht schmal, aber wenn sie hintereinander gingen, sollten sie ihn passieren können. Dies erschien ihm als die sicherste Variante.


    Er blickte wieder zu den anderen. "Ich schlage vor, wir nehmen diesen Gang", sagte er, während er mit der Fackel auf den engen Gang deutete. "Es erscheint mir am sichersten. Im Wasser könnten wir uns nicht gut verteidigen und ich möchte möglichst wenig Lärm verursachen, wenn wir hier weitergehen."

  • John ist ja ein komischer Typ... Stürmt hier rein, wirft uns irgendwelche komischen Tätigkeiten vor, und obwohl ich auf ihn zugehe, will er nicht wissen, wie ich heiße! Während es zu einem Schlagabtausch zwischen John und M kam, dachte sich Kamui: Irgendwie hat John mit seinem Misstrauen aber auch nicht Unrecht. Bis jetzt haben wir keinen Beweis für die Existenz von der Existenz dieses Mannes, abseits von Ms Wort... Aber welches Kind denkt sich so etwas schon etwas aus? Das geht mir über einen einfachen Streich hinaus!


    Er wollte gerade zur Verteidigung von M einschreiten, doch dann kam ihm schon Kotari zuvor. Gut, er hat sich rechts. Im Schlimmstfall ist halt nichts in der Höhle, na und? Und selbst wenn es eine Diebesfalle ist: Ich habe schon schlimmere Kämpfe überlebt... Und ich bin ja nicht allein! John mag uns schon eine Hilfe sein, aber wir Ornis sind ja auch nicht unfähig!


    Zweifeln an seinen Zweifeln kamen ihm erst auf, als er bemerkte, wie verwirrt sie auf die Gänge reagierte, auf die sie die Gruppe nach dem Ende des Schlagabtausches führte. Wäre es eine Falle, müsste sie doch wissen, wo es lang geht, oder? ...Das könnte man aber auch erwarten, wenn sie uns wirklich zu diesem monstererschaffenden Mann führen will. Vielleicht ist das der Grund, warum sie uns bis jetzt so wenig von seinem Plan erzählt hat!


    Während Kotari die Gänge beleuchtete, machte Kamui selbst Gedanken, welchen Weg sie einschlagen sollten. Ich kann mir bei allen Gängen nicht wirklich vorstellen, dass hier eine Armee von Monstern durchlaufen könnte- besonders nicht beim Verschüttetenden! Außer, meine Hinterausgangstheorie bewarheitet sich...


    Sein Blick schweifte immer wieder zwischen dem engen und den mit Wasser befüllten Gang hin und her. Im Gang mit dem Wasser wären wir durch die Flüssigkeit eingeschränkt, aber das wären unsere Feinde auch... Gleichzeitig könnten wir aber auch jemanden aufschrecken, wenn wir durch das Wasser waten... Der andere Gang dafür...


    Als hätte Kotari seine Gedanken lesen könnten, schlug dieser nun vor, den engen Gang zu nehmen.


    Kamui nickte, dann meinte er: "Nun gut, das hört sich ja nicht so schlecht an... Die Frage ist nur, wer geht zuerst? Ich kann von hier aus schlecht einschätzen, wie lange wir uns noch da durchquetschen müssen- falls wir am Ende angegriffen werden, wäre es vielleicht besser, wenn nicht gerade die Person als erstes geht, die die Fackel trägt!"

    Also entweder ich oder John... Ein Schwert ist schneller gezogen als ein Bogen gespannt! Kamui warf John einen Blick zu, dann sah er wieder zu Kotari. Vielleicht sollten ich oder John zuerst gehen...

  • Auf den Vorschlag des Orni hin lagen erneut alle Blicke auf Zoltan. Tatsächlich empfand er ein wenig Sympathie, anfängliches Misstrauen hin oder her. Dieser Trupp war ganz nach seinem Geschmack. Offenbar waren sie alle schnelle Denker und entschlossen, keine Zeit zu verschwenden, um ihr Vorhaben durchzuziehen. Auch das Mädchen - Em? - hatte ihn nun überzeugt. Dennoch war er nach wie vor interessiert daran, ihre Beweggründe zu erfahren. Für den Moment schien es jedoch unangebracht, weiter zu diskutieren.


    Sollte er sich nun geschmeichelt fühlen, weil man ihn als Führer der Gruppe vorschlug? Oder wollten sie ihn triezen, damit er doch noch einen Rückzieher machte und sie ihre Pläne ohne einen skeptischen Fremden verfolgen konnten? Nun, daraus würde nichts werden. Denn mit Zoltan verhielt es sich nunmal so: Hatte man erstmal sein Interesse für eine Sache geweckt, wurde man ihn so schnell nicht wieder los.


    Jetzt blieb da nur eine Sache: Es wäre leichtsinnig, den Gang zu passieren ohne zu wissen, wer oder was am Ende lauern mochte. Er könnte abrupt enden, und ein lauernder Gegner, der um die Ecke wartete, hätte leichtes Spiel mit demjenigen, der zuerst seine Nase aus dem Gang streckte. Zoltan begann damit, im Raum umherzugehen und dachte über eine Lösung nach... und die fand er am Eingang des verschütteten Tunnels.


    Scheinbar hatte sich irgendwann einmal jemand daran gemacht, diesen Gang vom Schutt zu befreien. Auf den ersten Blick unter all dem Staub und Geröll nicht sichtbar, lag dort ein zerbrochener Spaten. Der Stiel war sauber vom Blatt getrennt und war ziemlich lang... eventuell...? Eine Idee kam ihm. Sie war etwas albern, doch könnte ihnen im Falle eines Falles wertvolle Sekunden verschaffen.


    Er nahm den Stiel, und so leise wie möglich, damit seine Stimme nicht durch den Tunnel, den sie zu passieren gedachten hallte und irgendjemandem verriet, was er vorhatte, erläuterte er seinen Verbündeten den Plan. Dann machte er sich an die Arbeit.


    Er legte Schwert und Schild ab und entledigte sich seines Kettenhemdes. Das langärmelige Oberteil darunter war nur aus einfachem Stoff und würde in einem Kampf wenig Schutz bieten. Aber darüber würde er sich Gedanken machen, wenn es tatsächlich dazu kam.


    Nun nahm er das dünne Seil, das er für alle Fälle bei sich trug, und schnitt mit dem Schwert zwei Stücke davon ab. Dann schob er den Spatenstiel durch die Öffnungen für die Arme des Kettenhemdes. An dem kürzeren Ende des hölzernen Stabes befestigte er mit einem Stück Seil eine der beiden Fackeln. Mit dem anderen Stück verband er dort, wo sich der Kragen des Kettenhemdes befand, seinen Schild mit dem Stiel. Es sah wie ein Kopf aus. Er ergriff den Stiel am längeren Ende und hob seine Konstruktion hoch.


    Perfekt - er hatte eine Art Vogelscheuche gebastelt, die auf den ersten Blick wirkte wie eine Person, die eine Fackel trug. Wenn er diese vor sich her durch den Gang in den dahinterliegenden Raum führte, würden sich ein nervöser Gegner oder ein hirnloses Monster zuerst darauf stürzen. Er wäre gewarnt, und die Gruppe könnte den Rückzug antreten. Der Tunnel bot immerhin genug Spielraum, damit er einen Angreifer mit seinem Schwert auf Abstand halten könnte. Außer natürlich, dieser hätte eine Lanze oder einen Bogen - dann sähe Zoltan ziemlich alt aus. Aber er musste es wohl darauf ankommen lassen.


    Gut, das hätten wir. Macht unter euch aus, in welcher Reihenfolge ihr hinter mir hergeht... nehmt denjenigen mit der anderen Fackel einfach in die Mitte. Also, los geht‘s...


    Tatsächlich bot der Tunnel genügend Platz, um die Attrappe am längeren Ende des Stiels zu halten und vor sich herzubewegen. Auch erleuchtete die Fackel ausreichend den Weg vor ihm. Zoltan hoffte bloß, dass keine enge Abzweigung kam - das würde seinen Plan zunichte machen, denn seinen Pappkameraden um eine Ecke zu schieben wäre schwierig bis unmöglich.


    Doch er hatte Glück. Nachdem er sich, mit der Gruppe im Schlepptau, einige Minuten langsam vorwärts geschoben hatte, mündete der Gang in einen neuen Raum. Allerdings war tatsächlich nicht zu sehen, ob sich dort jemand versteckte. Nun also der Moment der Wahrheit. Den Atem anhaltend, bugsierte er seine „Vogelscheuche“ durch die Öffnung, und... niemand stürzte sich drauf. Nun also Schritt Nummer Zwei.


    Er warf die Attrappe von sich, und klappernd, scheppernd und klirrend ging sie ein paar Meter weiter zu Boden. Im selben Moment sprang Zoltan selbst aus dem Gang und zog noch in der Luft sein Schwert. Er kam auf dem Boden auf, ging leicht in die Knie und nutzte den Schwung für eine Wirbelattacke mit solcher Wucht, dass es einen - oder auch mehrere - heranstürmender Gegner entzwei gehauen hätte. Doch es stürzte sich niemand auf ihn, seine Klinge durchschnitt lediglich Luft. Trotzdem hatte jemand seine Vorstellung beobachtet.


    An der Höhlenwand links der Öffnung, durch die er gekommen war, stand - ein weiterer Orni. Er hielt schützend einen Schild vor sich und blickte Zoltan wachsam entgegen. Wie eine Bedrohung wirkte er nicht. Innerhalb eines Momentes nahm Zoltan war, dass sein Gegenüber ziemlich mitgenommen aussah - als wäre er vor etwas geflohen und hätte hier Zuflucht gesucht. Und nun hatte er ihm mit seinem Auftritt vermutlich einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Ups.


    Herrje... entschuldige, dass ich hier so gewaltsam reinplatze, nur... - Zoltan räusperte sich - Ich hatte etwas... gefährlicheres erwartet. Nichts für ungut...


    Fast hatte er vergessen, dass ihm noch drei Leute folgten.

    Mit wem redest du da?!, kam es ungeduldig von irgendjemandem aus dem Gang.

    Mit niemandem, der uns etwas tun will, schätze ich, rief Zoltan zurück. Aber am besten, ihr kommt selbst her und sagt einmal „Hallo“. Ich glaube... vor allem die beiden Orni-Herren könnten ein wenig dazu beitragen, die Situation zu klären. Hier ist nämlich ein Kumpel von euch.

    Passive good is worse than actual evil.


    -William Blake