Ocarina of Time

  • Sie ist noch lange nicht fertig (bei Gelegenheit wird weiter geschrieben) und voller Fehler (Das kommt davon, wenn man hauptsächlich nachts schreibt. ^^), aber ich hoffe, ihr mögt sie trotzdem ein wenig.


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    Prolog


    Blitze zuckten über den tiefschwarzen Horizont und der Regen peitschte über die weite Ebene. Der Himmel war so mit Wolken verhangen, dass kein einziger Stern zu sehen war. Sämtliche Bauern der Umgebung hatten ihr Vieh in die sicheren Ställe gebracht und auch die wildlebenden Tiere hatten Schutz im Unterholz gesucht. Kein Lebewesen wagte sich freiwillig in diesen Sturm hinaus – und trotzdem stemmte sich ein etwa zehnjähriger Junge mit aller Kraft gegen Wind und Wasser.
    Trotzig bot er den Elementen die Stirn und kämpfte sich mühselig Richtung Hyrule-Stadt. Ein gleißender Blitz erhellte für einige Sekunden die Ebene und wurde fast augenblicklich von einem krachenden Donnergrollen abgelöst. Der Junge schlang sich die Arme um die Brust und zwang sich tapfer weiter vorwärts. Die sintflutartigen Regenfälle hatten das Erdreich inzwischen so aufgeweicht, dass die kniehohen Lederstiefel des Jungen beinah vollständig in den Schlamm einsanken.
    Eine Windböe fegte über das Land und riss dem einsamen Wanderer seine lange, grüne Mütze, deren Zipfel ihm fast bis in den Rücken reichte, vom Kopf. Leise fluchend eilte der Junge so schnell wie es der Schlamm unter seinen Füßen zuließ seiner Kopfbedeckung hinterher, die sich glücklicher Weise in den Zweigen eines Baumes verfing. Mit einem grimmigen Blick auf die weißen Türme Schloss Hyrules, das hinter der prächtigen Stadt mit den mächtigen Mauern aufragte, setzte er seine völlig durchnässte Mütze wieder auf. Seine braunen Haare, die mit feinen blonden Strähnen durchzogen waren, hingen ihm ins Gesicht und waren ebenso nass als wäre er in den in der Nähe fließenden Fluss gesprungen. Eine weitere Windböe streifte den Jungen und ließ ihn frösteln. Der Stoff seiner grünen Tunika, die ihm bis zu den Kniekehlen reichte, hatte sich mit Regenwasser vollgesogen und bot keinen Schutz mehr vor der beißenden Kälte des Windes. Seufzend setzte der Junge sich wieder in Bewegung.
    Nur noch ein paar hundert Meter... Er sprach sich selber Mut zu, während der Sturm um ihn herum immer wilder tobte. Dabei wusste er nicht einmal, was er in Hyrule-Stadt wollte. Er spürte nur den beinah magischen Sog, der an ihm zerrte. Er musste dorthin. Warum würde er noch erfahren.
    Es waren nur noch wenige Meter bis zu den schützenden Mauern der Stadt, als der Junge entdeckte, dass die Zugbrücke hoch gezogen war. Frustriert blieb er stehen und blickte missmutig an den hohen Mauern hinauf. Regenwasser tropfte ihm aus Haaren und Kleidung und er fror bitterlich. Gerade als er noch überlegte, wie er nun in die Stadt gelangen sollte, wurde die Zugbrücke krachend herunter gelassen und ein strahlend weißer Schimmel jagte über die Bretter. Mit einem beherzten Sprung hechtete der Junge aus dem Weg des Pferdes. Erstaunlich elegant rollte er sich auf dem schlammigen Untergrund ab und blickte irritiert den beiden Reitern hinterher.


    Eine junge Frau mit kurzem weißblonden Haar hielt die Zügel des edel aufgezäumten Pferdes in den Händen. Ihr schimmernder, silberner Brustpanzer blitze im Mondlicht, doch durch ihre kurzen nachtblauen Hosen und ihren langen, dunklen Umhang wurde sie beinah von der Dunkelheit verschluckt. Vor ihr saß ein ängstlich blickendes Mädchen, das seine Hände in die lange Mähne des galoppierenden Pferdes krallte.
    Als sein Blick auf den Jungen fiel, schien in seinen Augen Erkennen aufzuflackern und es wandte den Kopf, um den Jungen nicht aus den Augen zu verlieren. Es sah ihn so eindringlich an, dass der Junge den Blick nicht von den großen blauen Augen wenden konnte, die so dunkel waren, dass sie fast lila wirkten. Der Junge spürte, dass dieses Mädchen ihm etwas mitteilen wollte, doch er konnte sich keinen Reim darauf machen, schließlich kannte er es doch gar nicht!
    Er war verwirrt und irritiert. Die Reiter waren schon längst hinter dem nächsten Hügel verschwunden, doch er starrte ihnen trotz des Unwetters, das mit ungebrochener Intensität tobte, noch immer hinterher. Warum hatte dieses Mädchen ihn so eindringlich angesehen? Und vor was hatte es solche Angst?
    Plötzlich riss ihn ein Schnauben hinter ihm aus seinen Gedanken. Erschrocken drehte er sich um und blickte in die funkelnden Augen eines riesigen, schwarzen Pferdes. Das helle Braun der Iris hatte einen Rotstich, der den Augen einen dämonischen Glanz verlieh. Unruhig trat der Rappe auf der Stelle, wobei seine gewaltigen Hufe ein schauriges Donnergrollen erzeugten. Mit weit aufgerissenen Augen starrte der Junge das wilde Tier an.
    Es sah aus als wäre es direkt der Hölle entsprungen. Ängstlich ließ er den Blick über die festen Muskelstränge unter dem glänzenden Fell an Hals, Schultern und Rücken gleiten, bis er an einem in dunkles Leder gehülltes Bein des Reiters hängen blieb, das sich an den Bauch des Pferdes drückte.
    Der Reiter war ein hünenhafter, breit gebauter Mann, dessen muskulöser Körper in einem Anzug aus schwarzem Leder und einem eben so dunklen Brustpanzer steckte. Langsam richtete der Junge seinen Blick auf das Gesicht des Mannes. Der stechende Ausdruck in den kalten, dunklen Augen, die seinen Blick auffingen, ließ den Jungen schaudern. Die roten Haare, die wild im Wind flatterten erinnerten an loderndes Feuer. Auf den schmalen Lippen lag ein hartes, leicht ironisches Lächeln und die lange Hakennase war leicht kraus gezogen.
    Ohne Eile hob der Mann den linken Arm und richtete seine Handfläche auf den Jungen, der wie erstarrt da stand. Das Herz des Jungen schlug ihm bis zum Hals und Panik schnürte ihm den Hals zu. Der Drang fortzulaufen wurde allmählich unerträglich, als helles Licht die Szene zerriss. Heftig atmend schlug der Junge, Link, die Augen auf. „Wieder dieser Traum...“, murmelte er, während er sich langsam aufsetzte.





    Kapitel 1 – From zero to hero?


    Alltag im Kokiri-Dorf


    Was ein miserabler Start in den Tag...
    Der Traum steckte Link noch immer in den Knochen und hatte sich als dumpf pochende Kopfschmerzen hinter seiner Stirn eingenistet. Während er lustlos mit dem Löffel in seinem aus frischen Waldbeeren und Nüssen bestehenden Frühstück herum rührte, überlegte er wieder einmal wie so oft in den letzten Tagen, warum ihn dieser immer wiederkehrende Traum plagte.
    Was mochte der Auslöser dafür sein? Hatte der Traum eine Botschaft – und wenn ja, welche? Er seufzte und schob sich einen Löffel seines selbstgemischten Frühstücks in den Mund. Er kaute langsam und genoss den leicht säuerlichen Geschmack auf der Zunge, während seine Gedanken wieder zu dem Mädchen aus seinem Traum wanderten. Obwohl er es nicht kannte, fühlte er sich mit ihm irgendwie verbunden, so als müsste er wissen, weshalb es ihn so eindringlich angeschaut hatte.


    Erst ein Klopfen aus Richtung der Tür riss ihn wieder aus seinen Grübelein. Wer mochte das sein? Er runzelte die Stirn und warf einen Blick aus dem Fenster. Die Sonne kam gerade erst hinter den Wipfeln des Kokiri-Waldes hervor und leichter Morgennebel schwebte noch über die Wiesen und durch die Wege zwischen den Baumhäusern des Walddörfchens. Mit Salia war er erst für den Vormittag verabredet.
    Langsam stand er auf, lief durch die karge Wohnung, die aus einem einzelnen Zimmer bestand, zu seinem Schrank, der direkt aus der Wand geschnitzt war. Wie alle anderen Kokiri auch bewohnte Link das Innere eines hohlen Baumes. Link zog seine Tunika aus dem Schrank und ließ den grünen Stoff über seinen Kopf gleiten. Hastig band er sich noch seinen alten, abgenutzten Ledergürtel um und eilte barfuss zur Tür.
    Er schob den Vorhang, der als Tür diente, zur Seite und blickte sich fragend um, da niemand zu sehen war. Schließlich entdeckte er das grotesk geformte Knäuel aus Holz und Fell auf dem Boden. Irritiert hob er es auf und betrachtete es von allen Seiten. Es war eine schreiend hässliche Satire einer Fee, die aus einer Wurzel geschnitzt und mit Flügeln aus Tierfell versehen war. Sie grinste fratzenhaft und entblößte dabei eine Reihe langer, bedrohlich wirkender Zähne.
    Hinter einem Busch in der Nähe begannen ein paar Jungen prustend zu lachen. „Sehr witzig, Mido!“, rief Link über das Gelächter hinweg. Langsam und sich den Bauch vor Lachen haltend kam der rötlich blonde Mido aus seinem Versteck. „Du solltest mal dein Gesicht sehen! Einfach zu herrlich!“ „Freut mich, dass du deinen Spaß hast.“, erwiderte Link eisig. „Ach komm, Link, jetzt sei nicht gleich so eingeschnappt. Wir wollten dir nur eine Freude machen. Wir haben gedacht, du könntest einen Fee-Ersatz gebrauchen, Loser.“ Hinter dem Busch begann das Gelächter von Neuem. „Wirklich... zu nett von euch.“, presste Link zwischen den Zähnen hervor und warf mit der schauerlichen Feenparodie nach Mido, der sich vor Lachen bog. Mit versteinerter Miene zog sich der Außenseiter des Dorfes wieder in sein Zimmer zurück und ließ sich auf sein Bett unter dem Nordfenster fallen.


    Er zog seine Beine an, bis er mit den Knien an die Brust stieß, schlang die Arme um die Beine und stützte das Kinn auf die Knie. Missmutig ließ er den Blick durchs Zimmer schweifen. Mit dem kleinen Regal, dem gedrungenen Schrank, dem niedrigen Tisch mit den zwei Hockern und dem schmalen Bett war sein Zimmer ziemlich spartanisch eingerichtet. Link versuchte sich darauf zu konzentrieren, Pläne zu schmieden, was er als nächstes für seine Wohnung bauen könnte. Er könnte zum Beispiel den alten Schrank ausbessern oder ein größeres Regal schreinern.
    Doch so sehr er sich bemühte, er konnte sich nicht auf diese harmlosen Dinge konzentrieren. Midos Streich hatte ihm zu deutlich vor Augen geführt, dass er nicht nur nachts in seinen Träumen von Dämonen gejagt wurde. Jeden Tag vor die Anderen zu treten erforderte sehr viel mehr Mut als sich dem diabolischen Mann aus seinen Träumen zu stellen, da sie ihm immer wieder aufs Neue zeigten, wie unerwünscht und wie wenig akzeptiert er war – und alles nur, weil er aus unerfindlichen Gründen als Einziger keine Fee bekommen hatte.


    Jeder Kokiri lebte mit einer Fee zusammen, die ihn begleitete und mit Rat und Tat zur Seite stand. Die kleinen, geflügelten, leuchtenden Mädchen waren die besten Freundinnen ihrer Schutzbefohlenen, doch ausgerechnet der Junge, der so dringend einen treuen Freund gebraucht hätte, hatte vom Deku-Baum keine Fee bekommen. Manchmal hasste Link den Wächter der Wälder dafür – und schämte sich im selben Augenblick für seine Gefühle.
    Der Schutzpatron der Kokiri war immer gut und freundlich zu ihm gewesen. Er hatte kein Recht, seine Wut über die Ungerechtigkeit des Schicksals auf ihn zu fokussieren. Außerdem war er ja gar nicht so allein wie er sich manchmal fühlte.
    Mit einem glückseligen Lächeln dachte er an Salia. Das Mädchen mit den treuen grünen Augen war seine beste Freundin, seine Vertraute, seine bessere Hälfte. Salia war die Einzige, die ihn akzeptierte wie er war – feenlos – und ihn vor den Anderen verteidigte. Link wusste nicht, was er ohne sie getan hätte.



    Salia


    „Warum machst du so ein missmutiges Gesicht?“ Salia trat von hinten an Link heran, der an dem seichten, sich durch das Kokiri-Dorf schlängelnden Bach saß, und legte ihm in einer freundschaftlichen Geste die Hand auf die Schulter. „Ach, es ist nichts.“ Link zwang sich zu einem Lächeln und schaute zu seiner Freundin auf. Langsam ließ sie sich neben ihm ins hohe, dunkelgrüne Gras sinken.
    Wie alle Kokiri trugen auch Link und Salia Kleidung aus grünem Leinen, sodass sie sich in den Wiesen und Wäldern beinah unsichtbar machen konnten. Bis auf Salia, die kurze hellgrüne Hosen, sowie einen passenden Pullunder über einem dunkelgrünen, langärmeligen Shirt trug, kleideten sich die Kokiri in die gleichen groben Tuniken wie Link. Man konnte eben schon von Weitem erkennen, dass Salia etwas besonderes war.
    Sie legte den Kopf schief und sah Link eindringlich an. „Okay.“, sagte sie langsam und gedehnt. „Und warum bringt dich dieses Nichts dazu, ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter zu ziehen?“ Statt zu antworten, kickte Link mit der Spitze seiner Stiefel einige kleine Steinchen ins Wasser. Salia rückte ihren grünen Haarreifen auf ihrem dichten, kinnlangen Haar zurecht und musterte Link von der Seite. „Es war wieder einmal Mido, oder?“ Link zuckte mit den Schultern und starrte weiter auf das klare Wasser, das in glitzernden Bahnen an ihnen vorbei floss. „Wenn ich den erwische!“, grummelte Salia und ihre Augen funkelten so sehr, dass sie für einen Moment trotz ihres sanften Wesens wirklich furchteinflößend wirkte.
    „Lass es gut sein, Salia.“, beschwichtige Link sie müde. „Er hat ja irgendwo Recht. Es muss doch einen Grund geben, warum ausgerechnet ich als Einziger keine Fee vom Deku-Baum bekommen habe. Ich bin anders! Das fühle ich.“ Er blickte auf und Salia musste plötzlich an einem Klos in ihrem Hals schlucken, der ihr die Kehle zuschnürte. In Links blauen Augen spiegelte sich all der Schmerz, den er über die Jahre unter Midos Schikane hatte erleiden müssen.
    „Ach Link...“, vorsichtig legte Salia ihm die Hand auf den Oberschenkel. Die folgenden Worte hatte sie ihm schon so oft gesagt, doch aus irgendwelchen Gründen fanden sie ihren Weg nicht in sein Bewusstsein – im Gegensatz zu Midos Gemeinheiten. „Natürlich bist du anders als die Anderen. Du bist etwas Besonderes. Du bist so ein toller Freund. Die Anderen sind doch nur neidisch auf dich.“ Ihm den wahren Grund für seine Andersartigkeit verschweigen zu müssen, versetzte ihrem Herzen einen Stich, doch sie hatte genau wie die anderen Kokiri geschworen, Stillschweigen zu bewahren. Irgendwann würde Link sein wahres Schicksal offenbart und auch wenn ihr vor diesem Tag graute und allein der Gedanke daran sie traurig stimmte, würde sie sich mit Link freuen, wenn es endlich so weit wäre.


    Er schaute wieder in Richtung des Flusses, doch seine Augen waren glasig und er schien mit den Gedanken weit entfernt zu sein. Salia betrachtete sein kinnlanges, verwuscheltes Haar, das er ausnahmsweise nicht unter seiner geliebten Mütze verbarg, sondern sanft vom Wind bewegt wurde. Irgendwie erschien es ihr ein wenig stumpfer als normal. Alles an ihm wirkte müde und abgespannt, sogar seine Schultern zog er verkrampft nach vorne. Was mochte bloß mit ihm los sein? Sie bemerkte diese Veränderung schon länger, doch so kraftlos wie an diesem Tag hatte er noch nie gewirkt.
    Seine leise Stimme riss sie aus ihren Gedanken: „Du, Salia? Hast du schon mal etwas von einem Schloss Hyrule gehört?“ Ein heißer Schmerz schoss durch ihr Herz. Sollte er näher an seinem Schicksalstag sein als ihr lieb war?
    Als sie ihm zaghaft antwortete, war ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern: „Es ist irgendwo außerhalb des Waldes. Der Deku-Baum hat einmal davon erzählt. Es soll ein prächtiger Bau aus weißem Sandstein mit vier hohen Türmen und schönen, liebevoll bepflanzten Innenhöfen sein. Die Königsfamilie Hyrules lebt dort. Aber ich habe es nie selbst gesehen. Wir Kokiri können ohne diese von den Göttinnen geheiligten Wälder nicht überleben. Wir sind durch unsichtbare Wurzeln mit diesen Wäldern verbunden wie die Bäume mit dem Erdreich.“ „Hm...“ „Warum fragst du?“ „Ich träume seit einigen Wochen jede Nacht davon, dass ich unbedingt zum Schloss müsste. Ich weiß nicht, was ich dort will, aber ich spüre, dass es dringend ist.“ Link seufzte. „Das ist total verrückt. Ich kenne diesen Ort nicht. Ich hatte bis eben nicht einmal etwas davon gehört und trotzdem weiß ich in meinen Träumen ganz genau, wo sich das Schloss befindet und wie es aussieht – auch wenn ich nur die Türme zu sehen bekomme.“ Salia schluckte. Das Ganze klang bedrohlich und sie spürte deutlich, dass der Tag, an dem sie Link verlieren würde, näher war als sie bisher geglaubt hatte.
    Während er seinen Traum in allen Einzelheiten vor ihr ausbreitete, erklärte, wie er sich im Laufe der Wochen von einzelnen kurzen Bildfetzen zu dem immer gleichen Film entwickelt hatte, und über mögliche Bedeutungen philosophierte, beobachtete Salia geistesabwesend wie die untergehende Sonne das glitzernde Nass zu ihren Füßen langsam in einen Strom aus flüssigen, feuerroten Rubinen verwandelte. Als Link schließlich verstummte, hatte sich bereits feuchtklamme Dämmerung über sie herab gesenkt. Abendlicher Tau kroch in die Maschen ihrer Kleidung und ließ die Beiden frösteln.
    „Und? Was denkst du?“, hakte Link nach. „Vielleicht solltest du mit dem Deku-Baum darüber reden.“ Salia gab sich große Mühe, Zuversicht in ihre Stimme legen, doch sie klang selbst für ihre eigen Ohren irgendwie hohl. Doch Link schien so mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, dass er es gar nicht wahrnahm, was ungewöhnlich für ihn war. Dieser Traum musste ihn wirklich sehr belasten. „Ja... Ja, vielleicht hast du Recht. Danke.“
    Er lächelte sie an und sprang dann auf die Beine. „Es ist schon spät. Wir sollten zu Bett gehen.“ Langsam nahm Salia seine dargebotene Hand und ließ sich aufhelfen. Während sie den kurzen Weg zu ihrem Haus zurück legten, sagte keiner ein Wort. Beide hingen ihre eigenen Gedanken nach. An Salias Haustür schloss Link sie kurz in die Arme und wünschte ihr eine gute Nacht.
    Salia blieb noch eine Zeit lang am Durchgang stehen und schaute Link nach, der zu seinem benachbarten Baum schlenderte und behände die Leiter zu seinem höher gelegenen Eingang herauf kletterte. Nachdem er seinen Balkon erklommen hatte, drehte er sich noch einmal um, lächelte und winkte ihr zu. Mit Tränen in den Augen erwiderte sie sein Winken und verschwand dann in ihrem Zimmer. Sie würde Link schrecklich vermissen.




    Eine unerwartete Einladung mit Hindernissen


    Unruhig warf Link sich auf dem weißen Laken hin und her, während er sich in seinem Traum mal wieder Richtung Schloss Hyrule kämpfte. Auf seiner Stirn glitzerten kleine Schweißtropfen im Mondlicht und die dünne, verschwitzte Decke klebte an seinem nackten Oberkörper. Ein leises Wimmern entwich tief aus seiner Brust als er den Kopf ruckartig zur linken Seite warf.
    Inzwischen kannte er den Traum so gut, dass den Moment, in dem das dämonische Pferd in seinem Rücken schnauben würde, vorausahnen konnte. Er spürte die Spannung, die dem Schockmoment voraus ging, und sie jagte ihm sowohl im Traum als auch auf seinem Bett liegend eine Gänsehaut über den Körper. Alles in ihm strebte danach zu aufzuwachen, um nicht den kalten Augen dieses Mannes ausgesetzt zu sein, doch auch diese Nacht war ihm ein frühzeitiges Erwachen nicht vergönnt.
    Er sah sich selbst mit weit aufgerissenen Augen diesem berittenen Teufel gegenüberstehen und langsam zurückweichen. In der Handfläche des Mannes sammelte sich Energie, die sich zu einem blitzenden Elektrizitätsball formte. Link wollte einfach nur noch davon laufen und strampelte wie wild mit den Beinen, doch sein Traum-Ich blieb einfach wie angewurzelt stehen.
    Mit einer lässigen Handbewegung schickte der Mann das tödliche Energiebündel los, das wie in Zeitlupe auf den Jungen zuzukommen schien. Link sah deutlich die kleinen Blitze, die über die Oberfläche der Kugel zuckten, und spürte panische Angst in sich aufsteigen. Gerade als er schützend die Arme hoch reißen wollte, zerplatzte der zuckende Ball kurz vor seinem Gesicht und eine aufgeregte, aber dennoch zarte Stimme drang an sein Ohr: „Hey! Link! Hey! Jetzt wach endlich auf! Hey, Link!“


    Langsam öffnete Link die Augen und wurde sogleich von einem hellen Licht geblendet. Mit einem unterdrückten Stöhnen riss er den Kopf zur Seite und versuchte so der grellen Lichtquelle zu entkommen, die in seinen Augen schmerzte. „Bei den Göttinnen! Was für eine Schlafmütze!“, grummelte die fremde Stimme empört. Link blickte mit pochendem Herzen gegen die Wand. Wer oder was konnte dieses sprechende Glühwürmchen sein? Es konnte doch nicht etwa...
    Als sich seine Augen ein wenig an das Licht gewöhnt hatten, das von dem seltsamen Besuch ausging, setzte Link sich auf und schaute den Eindringlich neugierig an. Tatsächlich! Eine Fee! Link traute seinen Augen kaum. Er musste noch immer träumen. Es konnte doch nicht die Wahrheit sein, dass auch er endlich eine Fee bekommen haben sollte.
    „Bist du endlich wach?“ Das kleine, geflügelte Mädchen stemmte die Hände in die Hüften und sah ihn prüfend an. Link setzte zu einer Antwort an, doch sein Mund war zu trocken und er musste schlucken, bevor er neu ansetzen konnte. „Ja, ich bin wach.“ Dabei kniff er sich heimlich in den Oberarm, um sicher zu gehen, dass er wirklich nicht mehr träumte. „Fein.“ Mit einem Mal lächelte die Fee und wirkte um einiges entspannter.
    „Ich bin übrigens Navi. Der Deku-Baum schickt mich. Ich soll dich zu ihm bringen.“ Überrascht schaute Link die flimmernde Erscheinung vor sich an. Was konnte der Deku-Baum nur von ihm wollen? Hatte er sich etwas zuschulden kommen lassen? Vielleicht hätte er gestern doch nicht mit der Schnitzerei nach Mido werfen sollen... Entnervt rollte Navi mit den Augen. „Wir sollten uns beeilen...“
    Bei dem folgenden Versuch, sich möglichst schnell anzukleiden und das Haus zu verlassen, stolperte Link gleich mehrere Male über seine achtlos in die Ecke geworfenen Stiefel und schürfte sich den Ellenbogen am Regal auf als er noch mit der Tunika über dem Kopf in Richtung Tisch laufen wollte, um seinen dort abgelegten Gürtel zu holen. Als er endlich vollständig bekleidet war, entwich Navi ein erleichterter Seufzer. „... ich dachte schon, er schafft es eher, sich umzubringen, als sich anzuziehen...“, murmelte sie vor sich hin, während sie ungeduldig mit den Flügeln schlagend an der Tür wartete.
    Als Link vor sein Haus trat, kam die Sonne gerade hinter den Wipfeln der Bäume hervor und tauchte das Dorf in ein mildes Licht. Eine kühle Brise wehte zu Link herüber und ließ ihn leicht frösteln. „Was stehst du hier wie angewurzelt rum?“ Navi packte ihn am Kragen und versuchte verzweifelt, ihn vorwärts zu ziehen. „Der Deku-Baum wartet!“ Link nickte und sprang beherzt von seinem Balkon hinunter. Die bereitstehende Leiter ignorierte er einfach. Navi blickte verdutzt dem Jungen hinterher, der in einen lockeren Lauf verfiel und zielstrebig Richtung Deku-Baum trabte. „Wenn der Kleine sich Mühe gibt, ist er ja direkt zu etwas zu gebrachen...“


    Mido stand mit zur Seite geneigtem Kopf vor Link und verschränkte die Arme. „Nur noch mal fürs Protokoll: Du willst zum Deku-Baum, weil er dich angeblich zu sich gerufen hat?“ „Jaaaaaa doch!“ Link schaute hilfesuchend zu Navi, die Grimassen schneidend hinter Mido schwebte und entnervt mit den Augen rollte. Der rotblonde Anführer der Kokiri zog die rechte Augenbraune in die Höhe und blickte Link geringschätzig an. Link guckte flehend zu Navi hoch, die voller Arbeitseifer so schnell an Mido vorbei geschossen war, dass er sie nicht hatte sehen können. Mit einem resignierenden Seufzer zuckte diese die Schultern und flog vor Mido, der plötzlich gar nicht mehr so selbstsicher wie sonst wirkte und erschrocken drein blickte. „Wir stören ja wirklich nur ungern, aber der Deku-Baum hat diesen Jungen zu sich befohlen.“, flötete Navi fröhlich mit ihrer zuckersüßen Stimme.
    Mido warf einen argwöhnischen Blick auf Link, der leicht verlegen hinter der funkelnden Fee stand. Er konnte ahnen, was gerade in seinem Gegenüber vor sich ging. Zum Waldwächter gerufen zu werden, war eine große Ehre, die nur selten einem Kokiri zuteil wurde. Dass dieses Privileg nun ausgerechnet dem Außenseiter und Rivalen gewährt wurde, musste Mido rasend vor Wut und Neid machen. „Was will der Deku-Baum ausgerechnet von DEM da?“ Link zuckte angesichts des harschen Tons ein wenig zusammen, doch Navi blieb völlig unberührt und erklärte mit einem lieblichen Lächeln: „Das, mein Lieber, weiß nur der weise Deku-Baum allein. Aber er wird seine Gründe haben, da kannst du sicher sein. Also würdest du jetzt bitte die Freundlichkeit besitzen und zur Seite treten, sodass wir passieren können?“ Link grinste verstohlen, während er Midos Mienenspiel beobachtete. Es missfiel ihm ganz offensichtlich, seinen Erzrivalen durchzulassen, doch die kluge Fee hatte ihn matt gesetzt. Jegliche Weigerung würde einer Missachtung eines direkten Befehls gleichkommen, was eine grobe Beleidigung des Deku-Baumes gewesen wäre.
    Schließlich biss er sich auf die Unterlippe und sah zuerst Navi, dann Link von unten herauf mit gesenktem Kopf an. „Ich würde dich ja gerne gehen lassen, aber seit ein paar Tagen sprießen auf diesem Weg die Deku-Piranias nur so. Es wäre einfach unverantwortlich, einen Unbewaffneten gehen zu lassen. Das muss auch der Deku-Baum einsehen. Tut mir leid.“ Navi ballte die kleinen Hände zu Fäusten und sah aus als wollte sie sich jeden Augenblick auf Mido stürzen, doch Link begann zu grinsen und fragte mit gespielter Unschuld in der Stimme: „Das heißt, wenn ich irgendwo eine Waffe auftreiben könnte, würdest du mich passieren lassen?“ „Ja, ja.“, murmelte Mido verwirrt. Woher wollte Link um alles in der Welt eine Waffe auftreiben? Im ganzen Wald gab es keine einzige.
    Doch als er das Leuchten in Links Augen sah, setzte er nach: „Sofern du ein Schwert und einen Schild auftreiben kannst, werde ich dich gehen lassen.“ „Alles klar.“ Link nickte Mido kurz zu und wandte sich dann zum Gehen. Navi folgte ihm aufgeregt und umschwirrte ihn wie eine Fliege an einem heißen Sommertag die Kuh. „Du hast doch etwas vor. Das sehe ich dir an der Nasenspitze an.“ Link steuerte zielstrebig auf Salias Haus zu, doch Navi flog mit in die Hüften gestemmten Händen vor ihn und sah ihn mit großen Augen erwartungsvoll an.
    Er wich ihr mit einem kurzen Haken aus, begann aber seinen Plan zu erläutern. „Mido erwartet von mir, dass ich mich bewaffne – also werde ich genau das tun. Einen Schild zu besorgen, ist ein Kinderspiel. Im Shop können wir einen für vierzig Rubine kaufen. Deswegen schau ich jetzt kurz bei Salia vorbei. Sie wird mir sicherlich helfen, die Summe zusammen zu bekommen. Danach kümmern wir uns um ein Schwert. Einer Erzählung nach gibt es hier irgendwo ein verstecktes Schwert – der Schatz dieses Dorfs. Ich habe vor, es zu finden.“


    Salia saß gerade auf ihrem Bett und stopfte einen Socken als Link ins Zimmer stürmte. Erschrocken ließ sie ihre Arbeit fallen und stand auf. Link hatte gerötete Wangen und leuchtende Augen, aus denen er sie unverwandt ansah. Hinter ihm schwebte eine silbrig glänzende Fee, die sich nun mit einer eleganten, fließenden Bewegung auf seiner Schulter niederließ und Salia angrinste.
    Doch bevor Salia etwas dazu sagen konnte, platzte es einfach aus Link heraus: „Du wirst es kaum glauben, aber als ich heute Morgen wach wurde, war da plötzlich diese Fee – Navi – und hat mir gesagt, dass ich zum Deku-Baum gerufen wurde, aber Mido will mich nicht passieren lassen, weil es seiner Meinung nach wegen der vielen Monster zu gefährlich ist. Deswegen hat er gefordert, ich solle mich zuerst bewaffnen. Ich soll ein Schwert und einen Schild auftreiben. Hast du nicht ein paar Rubine, die du mir leihen könntest?“ Das Kokiri-Mädchen blickte ihn aus großen Augen irritiert an. „Okay, jetzt noch einmal langsam. Du sollst ein Schwert und einen Schild besorgen, damit Mido dich zum Deku-Baum gehen lässt?“ „Genau.“ Als er nickte, wippte der Zipfel seiner grünen Mütze ungeduldig in der Luft. „Und wozu brauchst du Rubine?“ Salia war noch immer verwirrt. „Damit ich im Laden einen Kokiri-Schild kaufen kann.“ Link lächelte sie nachsichtig an. Er wusste, dass er sie überfallen und überrascht hatte, weswegen es ihr schwerer fiel zu ihm aufzuschließen als gewöhnlich.
    „Und woher gedenkst du das Schwert zu bekommen?“ „Erinnerst du dich an die Legende der heldenhaften Walküre, die der Deku-Baum uns vor einiger Zeit erzählt hat?“ Nachdenklich nickte Salia und schaute Link noch immer leicht irritiert an. Worauf wollte er hinaus? „Ich fand die Geschichte faszinierend und hab mir einige Gedanken darüber gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass es mehr als nur ein schönes Märchen ist und ich glaube, ich weiß, wo das Schwert versteckt ist. Den Hinweisen der Erzählung folgend, kann es eigentlich nur ein Ort sein.“ „Und was machst du, wenn du dich irrst?“ „... Ich weiß nicht. Aber einen Versuch ist es trotzdem wert. Denkst du nicht?“ „Stimmt. Zu verlieren hast du schließlich nichts.“ „Eben. Kannst du mir denn mit ein paar Rubinen aushelfen? Ich verspreche auch, dass ich dir dein Geld zurück bringe, sobald ich kann.“
    Salia warf einen Blick auf Navi, die sich auf Links Schulter räkelte und erwartungsvoll schaute. So langsam beschlich Salia der Verdacht, dass sie wusste, warum der Deku-Baum ihren besten Freund sehen wollte. „Ja, ich habe ein paar Ersparnisse, mit denen ich dir aushelfen kann.“ „Du bist die Beste!“ Link fiel ihr um den Hals und küsste sie auf die Wange. Das Blut schoss ihr in die Wangen und sie drehte sich schnell von ihm weg, damit er nicht sah, dass sie rot wurde. Jetzt, wo es so schrecklich nah schien, dass er sie verlassen musste, wollte sie ihm nicht zeigen, dass sich ihre Gefühle für ihn verändert hatten. Schon seit geraumer Zeit empfand sie mehr als bloß Freundschaft für den warmherzigen Jungen mit den strahlend blauen Augen.
    „Ich hol kurz meinen Rubinbeutel.“, murmelte sie leise und lief durch den Raum. An der gegenüberliegenden Wand stand eine alte Holztruhe, deren Scharniere protestierend ächzten als Salia den Deckel anhob. Nachdem sie einige Zeit darin herum gekramt hatte, kam sie wieder auf Link zu. Während der Suche nach dem kleinen Lederbeutel hatte sie sich wieder gefasst und das Rot ihrer Wangen war wieder ihrer üblichen Elfenbeinfarbe gewichen.
    „Hier drin sind zwanzig Rubine. Damit hast du die Hälfte schon zusammen.“ Sie lächelte Link an und er erwiderte dieses Lächeln mit einem breiten Grinsen. „Du bist wirklich ein Schatz!“ Erneut drückte er sie kurz an seine Brust und schickte sich dann an, ihr Haus wieder zu verlassen. „Du bekommst es bald zurück. Versprochen.“ „Behalt es. Ich schenk es dir.“ Für einen kurzen Moment guckte Link verblüfft, dann strahlte er und warf ihr eine Kusshand zu. „Danke!“ Salia blickte ihm nach, wie er aus der Tür verschwand und davon joggte. Plötzlich war ihr zum Weinen zumute.


    „So, hier müsste es sein.“ Link warf Navi einen verschwörerischen Blick zu und deutete auf ein Loch in einer Felswand, die im Kokiri-Dorf aufragte. Die Fee blickte ihn skeptisch an. „Bist du dir sicher?“ „Ja, ich denke schon.“ Der Junge nickte nachdenklich, ohne den Blick von dem engen Tunnel abzuwenden, vor dem er stand. „In der Geschichte, die der Deku-Baum uns erzählt hat, trainierte die kühne Walküre hier auf diesem Platz, auf dem ihr zu Ehren dieser Trainingsparcours errichtet wurde. Der Legende nach versteckte sie ihr Schwert in der Nähe ihrer Trainingsstätte kurz bevor sie ihren Wunden, die sie in einem besonders schweren Kampf mit einem spinnenähnlichen Wesen erlitten hatte, erlag. Doch es wurde nie gefunden...“ Er schaute beschwörerisch zu Navi hoch, die abwartend eine Augenbraune in die Höhe zog. So langsam konnte der Bursche auf den Punkt kommen... „Diesen Tunnel habe ich erst vor Kurzem entdeckt als ich mich beim Sprungtraining im Winkel vertan hab und in diesem Busch gelandet bin.“ Link zeigte auf einen stacheligen Brombeerstrauch, der den Zugang zum Tunnel fast vollständig verdeckte, und verzog den Mund. Offensichtlich war die Erinnerung an die Spitzen Dornen noch sehr präsent.
    Navi legte den Kopf schief und dachte nach, während sie Link musterte. Er presste die Lippen aufeinander und seine saphirblauen Augen funkelten. Er sah sehr entschlossen und zu allem bereit aus. Schließlich zuckte sie mit den Schultern und machte sich dazu bereit, herauszufinden, was hinter diesem dunklen Loch zu finden war. „Alles klar. Einen Versuch ist es wert – zu verlieren haben wir schließlich nichts.“
    Die beiden Abenteurer nickten sich zu und atmeten einmal tief durch. „Nach Ihnen, der Herr.“ Navi flog neben Link und machte eine auffordernde Geste. Langsam ging dieser in die Knie und schob vorsichtig den Brombeerstrauch zur Seite. Dann kroch er entschlossen in den engen, dunklen Schacht, ohne zu wissen, was ihn auf der anderen Seite erwartete. Nach einigen Metern fiel endlich wieder Licht in den Tunnel, was Link erleichtert aufatmen ließ. Er hatte schon beinah befürchtet, sich in einer Sackgasse zu befinden. Als er endlich das Ende erreicht hatte, richtete er sich schnell auf und klopfte den Dreck aus seinen Kleidern. Der feine Staub stieg ihm in die Nase und ließ ihn niesen. „Gesundheit.“ Navi grinste Link an und schaute sich um. Sie standen in einem unzugänglichen Bereich des Waldes, der ringsherum von hohen Felsformationen eingeschlossen war, die das Eindringen beinah unmöglich machten. Die Fee pfiff leise durch die Zähne und machte große Augen. „Ich bin ehrlich beeindruckt. Wie es aussieht, haben wir hier wirklich eine große Entdeckung gemacht.“ Link grinste stolz und schritt mutig in das unbekannte Terrain voran. Langsam kämpfte er sich durch das hüfthohe Gras, das sich wie ein Meer vor ihm ausbreitete und sacht im Wind hin und her wogte. Navi flog neben seinem Kopf her und genoss die ersten Sonnenstrahlen, die über die Baumkronen hinweg auf die Wiese fielen.


    Plötzlich stolperte Link und fiel mit einem gedämpften Aufschrei zu Boden. Mit grimmigem Blick rollte er sich auf den Rücken und versuchte auszumachen, was ihn zu Fall gebracht hatte. „Blöde Wurzel!“ Er versetzte dem Übeltäter einen Tritt und schwang sich wieder auf die Füße. Missmutig schaute er auf seine Hände, die er sich bei dem Versuch, seinen Sturz abzufangen, aufgeschürft hatte. Dann zuckte er mit den Schultern, rieb sich Schmutz und Blut an seiner Tunika ab und blickte sich um.
    „Ich frage mich, woher diese Wurzel kommt. Der nächste Baum steht viel zu weit entfernt.“ „Da hast du Recht.“ Navi ließ ihren Blick schweifen und entdeckte weit und breit keine zu der Wurzel gehörende Pflanze. Doch irgendwoher musste sie doch kommen... Blitzschnell schoss Navi in die Höhe und grinste zufrieden als sie die Lösung des Rätsels sah. „Du stehst neben einem Baumstumpf.“ Als sie wieder neben Links Kopf schwebte, wurde ihr Grinsen noch eine Spur breiter. „Ich glaube, wir haben gefunden, was wir gesucht haben. Auf diesem Stumpf steht eine Kiste. Irgendjemand hat hier seinen Schatz versteckt. Hoffen wir, dass es wirklich die legendäre Walküre war und wir nicht bloß den geheimen Essensvorrat von einem deiner verfressenen Nachbarn entdeckt haben.“
    Eiligen Schrittes schlug Link sich zu dem Baumstumpf durch, der in dem Gräsermeer vollständig unterging und so unsichtbar wurde, sofern man nicht wie Navi die Gelegenheit hatte, von einer höheren Position aus einen Blick auf die Wiese zu werfen. Mit einem Satz sprang Link auf den Stumpf und berührte geradezu ehrfürchtig die alte Truhe. Wind und Wetter hatten dem moosbewachsenen Holz über die Jahrzehnte zugesetzt und es fühlte sich seltsam weich an als der Junge mit der flachen Hand über den Deckel strich. Dann legte er beide Hände an das inzwischen verrostete Schloss, atmete tief durch und brach es einfach auf. Navi zog ungläubig beide Augenbraunen in die Höhe und applaudierte anerkennend. In den dünnen Armen dieses Kindes steckte mehr Kraft als man vermutete. Sie war sich sicher, dass Link trotz seines geringen Alters die Aufgaben bewältigen konnte, die vor ihm lagen.
    Langsam und bedächtig hob Link den Truhendeckel an und schob ihn nach hinten, sodass er den Blick auf den Inhalt der Kiste frei gab. Das Innere der Kiste war mit roter Seide ausgeschlagen, die im Morgenlicht sanft schimmerte. In der Mitte des gepolsterten Bodens lag eine schlichte, blaue Schwertscheide, aus der ein goldener Griff heraus ragte. Mit einem breiten Grinsen drehte sich Link zu Navi um, die ihn verblüfft ansah. „Ich hab es gewusst!“, triumphierte der Junge, der sich freute, dass der schwierigste Teil der Ausrüstungssuche abgeschlossen war.
    Vorsichtig hob er die Scheide aus der Truhe, um mit einer schnellen, geschmeidigen Bewegung die Klinge heraus zu ziehen. Zischend schwang er das silbrig glänzende Kurzschwert durch die Luft und wirkte dabei so selbstsicher als wäre er mit der Klinge in der Hand aufgewachsen. Schließlich steckte er die Waffe wieder in die Scheide und warf sie über die Schulter, um das dünne Lederband, das am oberen Ende der Schwertscheide befestigt war, an dem dafür vorgesehenen Ring am unteren Ende festzuknoten. Dann setzte er eine entschlossene Miene auf und wirkte mit einem Mal nicht mehr wie ein Kind, sondern wie ein Krieger, der in die Schlacht zog.


    Auf dem Weg zum Dorfladen legten die Beiden noch einen kurzen Zwischenstopp bei Links Haus ein, um die fehlenden zwanzig Rubine zu besorgen. „Gut, dass ich in letzter Zeit ein wenig gespart habe. Eigentlich wollte ich davon ein Geschenk für Salia kaufen, aber sie wird es schon verstehen, dass der Schild Vorrang hat.“ Mit langen Schritten eilte Link auf den Shop zu, wobei der Zipfel seiner langen Mütze unruhig durch die Luft flatterte.
    Der Kokiri-Schild, den er im Laden erstand, war aus alter, abgeplatzter Borke des Deku-Baumes geschnitzt. Das Holz war ungewöhnlich hart und strapazierfähig, doch leider auch leicht entzündlich. Sollte ein Feind mit Feuer angreifen, würde der Schild kaum Schutz bieten, doch gegen die riesigen, fleischfressenden Pflanzen, die sich auf dem Weg zum Deku-Baum breit gemacht hatten, würde er gute Dienste leisten.
    Link befestigte den Schild so an der Schwertscheide, dass er sowohl Schwert als auch Schild in Windeseile ziehen konnte. Dann machte er sich im Eilschritt auf, um endlich Mido dazu aufzufordern, zur Seite zu treten.


    Dieser riss überrascht die Augen auf als Link ihn mit seiner neuen Ausrüstung konfrontierte. „Woher... Woher hast du dieses Schwert?“ Link musste angesichts von Midos ungläubigem Gesichtsausdruck breit grinsen. Endlich einmal hatte er den Anführer der Kokiri vorgeführt und nicht umgekehrt. „Das tut doch gar nichts zur Sache, Mido. Die Hauptsache ist, dass ich deine Bedingung erfüllt habe – also lass mich jetzt endlich passieren. Ich habe den Deku-Baum schon viel zu lange warten lassen.“ Navi nickte anerkennend und empfand plötzlich beinah mütterlichen Stolz ihrem neuen Schützling gegenüber, der genügend Mut aufbrachte, vor seinem Erzrivalen, der ihn über Jahre hinweg schikaniert hatte, eine unerschütterliche Selbstsicherheit an den Tag zu legen.
    Mido warf einen grimmigen Blick auf die Fee und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust, trat aber zur Seite. „Ich verstehe noch immer nicht, was der Deku-Baum von SO einem will...“ „Das muss einer wie du auch nicht verstehen.“, versetzte Navi spitz mit so einer Eiseskälte in der Stimme, dass sich die milde Frühlingsluft um sie herum für einen Moment abzukühlen schien. Dann ließ sie sich auf Links Schulter nieder, der das Kinn leicht in die Luft reckte und geradezu majestätisch an Mido vorbei schritt. Kaum hatten die Beiden das Dorf so weit hinter sich gelassen, dass sie außer Hörweite waren, brachen sie in schallendes Gelächter aus. „Hast du sein Gesicht gesehen? Einfach zu herrlich! Ich danke dir, Navi. Dieser Blick hat mich für die zurückliegenden Jahre mehr als entschädigt.“ Amüsiert grinsend schritt Link weiter, während Navi eine Strähne ihres langen, goldenen Haares auf einen ihrer Zeigefinger wickelte.


    Plötzlich schnellte neben ihnen das riesige, blaue Maul einer Deku-Pirania hoch und schnappte nach Links Bein, doch dieser sprang zur Seite und schlug dem Angreifer mit einem gezielten Schwertstreich den Kopf ab, bevor eine zweite Attacke möglich war. „Na, das nenn ich mal schnelle Reflexe.“, murmelte Navi, die bei Links blitzschnellem Ausweichmanöver von dessen Schulter gefallen war und sich ängstlich an eine Falte in Links grüner Tunika klammerte.
    Nachdem die Fee ihren Platz auf der Schulter des Jungen wieder eingenommen hatte, setzten die Beiden ihren Marsch weiter fort. Auf dem weiteren Weg zum Deku-Baum begegneten sie noch mehreren angriffslustigen Pflanzen, die ein ähnlich schnelles Ende fanden wie der erste Angreifer.


    Schließlich durchbrach Link die dichten Baumreihen und trat auf eine weite Lichtung, in deren Mitte der majestätische Deku-Baum aufragte. Sein Stamm war mehrere hundert Meter dick und das Astwerk, das die Baumkronen aller anderen Bäume um einige Meter überragte, erstreckte sich über die gesamte Lichtung, sodass das Licht, das durch die Blätter fiel, einen zarten Grünstich bekam. Ehrfürchtig näherte sich Link dem riesigen Schutzpatron der Wälder, der sanftmütig auf seinen Besucher herab blickte.
    „Da bist du wieder, Navi. Und du hast den Jungen mitgebracht, wie ich dich gebeten habe. Ich danke dir.“ Die Fee flog auf den riesigen Baum zu und machte in der Luft ehrerbietig einen Knicks. „Und du, Link, fragst dich sicherlich, warum ich dich hierher bestellt habe. Nun, ich habe eine Bitte an dich. Vor einiger Zeit war ein düsterer Mann aus der Wüste hier und forderte den heiligen Schatz des Waldes von mir. Als ich nicht kooperierte, hat mich dieser Dämon mit einem Fluch belegt. Deswegen brauche ich dich und die Reinheit deiner Jugend, um diesen Fluch zu brechen. Wirst du diese Aufgabe auf dich nehmen?“ Link schluckte, um das flaue Gefühl in seinem Magen zu vertreiben und eine feste Stimme zu haben, als er dem Waldwächter antwortete: „Ja, weiser Deku-Baum. Ich werde alles tun, um dich von deinem Leiden zu befreien.“ „So sei es denn... Tritt ein.“
    Mit lautem Knacken und Krachen öffnete sich ein Zugang zu dem Inneren des Wächterbaumes, dessen unheilverkündende Finsternis Link einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Er atmete tief durch, um gegen das steigende Unwohlsein anzukämpfen, und wollte gerade einen Schritt über die Schwelle ins Innere setzen als Navi ihn zurückhielt. „Warte!“ Link wandte ihr den Kopf zu und schaute die lächelnde Fee mit großen Augen an. „Ich werde dich begleiten, aber vorher möchte ich dir noch etwas geben.“
    Flink schoss sie in die Höhe und verschwand für einige Augenblicke zwischen den Ästen des Deku-Baumes, um dann plötzlich wieder neben Link aufzutauchen. „Hier. Ich denke, das könnte sehr nützlich sein.“ Navi reichte ihm einen kleinen Lederbeutel, den Link sogleich an seinem Gürtel befestigte, auch wenn er nicht genau wusste, warum Navi ihm diesen Beutel gegeben hatte. „Öhm, danke.“ Navi grinste breit und stemmte die Hände in die Hüften als sie den Oberkörper zu ihm beugte. „Du wirst schon sehen, wozu dieses Wunderding gut ist.“ Sie zwinkerte ihm zu und wies dann in das Innere des Deku-Baumes. „Wir sollten uns nun auf den Weg machen. Die Zeit drängt.“ Link nickte, zog sein Schwert aus der Scheide und trat über die Schwelle.




    Im Deku-Baum


    Im Inneren des Deku-Baumes herrschte ein schwummriges Licht, das nach dem hellen Frühlingsmorgen auf der Lichtung eine grobe Umstellung war, und Link brauchte einige Zeit, bis sich seine Augen an den Helligkeitswechsel gewöhnt hatten und er seine Umgebung erkennen konnte. Überrascht stellte Link fest, dass der Wächter der Wälder vollkommen hohl war.
    Der Junge schritt langsam weiter in den Raum hinein und ließ den Blick schweifen. Im hinteren Bereich brannten zwei Fackeln, deren Feuer in einem leichten Luftzug flackerten, dicke, weiße Spinnenweben hingen von Vorsprüngen und die Wände waren von Moos und Ranken überzogen. Link legte den Kopf in den Nacken und schaute zur Decke des runden Raumes, wobei er zwei Stockwerke zählte. „Wow, das ist riesig.“, murmelte er, während er sich langsam um die eigene Achse drehend weiter in den Raum bewegte.
    Plötzlich schoss Navi auf ihn zu und stieß ihn an. „Vorsicht, Link! Pass auf!“ Erschrocken riss Link den Kopf herum und entdeckte im letzten Augenblick die Deku-Pirania, die nach seinem Schwertarm schnappte. Reflexartig sprang er zur Seite, wo plötzlich der Boden unter seinem linken Fuß nachgab. Mit einem spitzen Schrei knickte er um, stürzte, rollte sich über den Boden ab und... blieb kleben. „Verflucht, was...?“ Unter Aufbietung all seiner Kraft stemmte er sich wieder hoch, wobei seine Kleidung leise, reißende Geräusche von sich gab. Nachdem er sich auf die Knie gehievt hatte, begutachtete er den sonderbaren Boden, auf dem er gelandet war, eingehender und staunte nicht schlecht.
    Er kniete auf einem riesigen Spinnennetz, das sich über den Zugang zu den Katakomben in den Wurzeln des Deku-Baumes spannte. „Bei den Göttinnen! Kannst du dir die riesige Spinne vorstellen, die solch ein Netz spannt, Navi?“, stieß er hervor, während er die dicken Fäden begutachtete, aus denen das Netz gewoben war. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir so ein Riesenvieh überhaupt vorstellen MÖCHTE. Ich konnte Spinnen noch nie ausstehen.“ Link warf ihr einen überraschten Blick zu. „Ich dachte immer, ihr Feen wärt sanftmütig und würdet alle Lebewesen ehren.“ Navi zuckte mit den Schultern und verzog die Lippen zu einem entschuldigenden Lächeln, als Link aus den Augenwinkeln eine Bewegung ausmachte.
    Ein riesiger Schatten bewegte sich durch die Katakomben und zog sich aus seinem Blickfeld zurück. „Ich glaube, wir haben unseren Übeltäter.“, triumphierte Link, Navi jedoch, die seinem Blick gefolgt war, als dieser den Kopf herum gerissen hatte, seufzte und ließ die Schultern hängen. „Na klasse... Warum ausgerechnet eine mutierte Riesenspinne? Warum kein knuffiges Rieseneichhörnchen?“ Doch Link hörte ihr gar nicht mehr zu und versuchte stattdessen mit kurzen, harten Schwerthieben das Netz zu zerteilen.
    Es hatten sich bereits Schweißflecken unter seinen Achseln gebildet und sein langer Pony klebte ihm schon an der Stirn, doch das Netz hatte noch immer keinen Schaden genommen. Missmutig verzog Link das Gesicht und seufzte: „Das hat keinen Sinn. Ich muss einen anderen Weg finden.“
    Nachdenklich ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen, bis er an einem der Vorsprünge hängen blieb, der so weit in den Raum reichte, dass man bei einem Sprung hinab direkt auf dem Spinnennetz gelandet wäre. Link legte die Stirn in Falten und dachte nach, wie er diese Gegebenheit nutzen konnte. „Vielleicht, wenn ich von ganz oben springe... Ja, das könnte möglich sein.“ Entschlossen kämpfte er sich auf die Füße und marschierte auf eine rankenbewachsene Wand zu. „Hey! Du hast etwas vergessen!“ Navi zog und zerrte an seiner Mütze, die noch immer an der Stelle klebte, an der Link sie verloren hatte, als er sich abgerollt hatte. Fast schockiert griff er sich in das volle, lange Haar und lächelte Navi dann zu. „Ich danke dir. Ohne diese Mütze fühle ich mich irgendwie nackt.“


    Nachdem er seine Mütze wieder eingesammelt hatte, kletterte er behände die Ranken hinauf in den ersten Stock. Vorsichtig balancierte er über den schmalen Steg, der zu den nächsten Kletterpflanzen führte. „Noch mehr Spinnen!“ Navi, die auf seiner Schulter saß, schüttelte sich vor Ekel. „Jetzt sei kein Hasenfuß.“ Wild entschlossen umfasste Link die Pflanzen und zog sich hoch. Doch kaum hatten seine Füße den Boden verlassen, schossen die Spinnen auf ihn zu und attackierten ihn so lange, bis er den Griff um die Ranken löste und stürzte.
    Vor Schmerzen ächzend quälte Link sich wieder auf die Füße. Sein rechter Arm war mit Spinnenbissen übersät und er hatte vom Aufprall auf den Boden eine kleine Platzwunde an der Stirn. „Hasenfuß, hm?“ Navi verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Augenbraunen in die Höhe. Link warf ihr einen entnervten Blick zu. „Ja, ist ja gut. Du hattest Recht: Spinnen sind scheußlich. Zufrieden?“ Navi zuckte kurz mit den Schultern und schaute dann die Wand hoch. „Wie kommen wir denn nun hier hoch?“ „Das ist eine gute Frage...“ Link legte den Kopf in den Nacken und beobachtete die Spinnen, die in engen Kreisen über das Flechtwerk der Ranken krabbelten, während Navi die nähere Umgebung untersuchte. „Hey, Link! Hier drüben ist eine Tür!“ „Eine Tür? Im Deku-Baum?!“ Der Junge riss die Augen auf und starrte irritiert zu der Fee herüber, die eine wegwerfende Handbewegung machte, als ob eine Tür im Inneren eines Baumes das Selbstverständlichste der Welt wäre. Resignierend schüttelte Link den Kopf, schwor sich, sich in Zukunft über rein gar nichts mehr zu wundern, und machte sich auf den Weg zu seiner wartenden Begleiterin.
    Sobald er die Tür geöffnet hatte, wurde er von einem Laubkerl angegriffen, der dem Eindringling kopfgroße Deku-Nüsse entgegen schleuderte. Doch jedes Mal, wenn Link versuchte, eine Gegenattacke zu starten, zog sich der Angreifer in sein mit Laub geschütztes Versteck zurück. Link stand kurz davor, verrückt zu werden, als er beobachtete wie eine der Nüsse, die ihn verfehlt hatten, von der Wand abprallte. „Das ist DIE Idee!“, jubelte er und hielt bei der nächsten Attacke den Holzschild fest vor seinen Körper, anstatt auszuweichen. Die Nuss prallte ab und schoss mit fast ungeminderter Geschwindigkeit auf den Laubkerl zu, der so schnell gar nicht reagieren konnte. Das Geschoss knallte ihm mit voller Wucht gegen die lange, rüsselartige Nase und er ging ohnmächtig zu Boden. Vorsichtig stieg Link über den leblosen, kugelförmigen Körper, der mit orange gefärbten Laub bedeckt war, und schlich zu der nächsten Tür, die ihn weiter in den hohlen Ast führte.


    Der nächste Raum, den er betrat, war durch einen tiefen, klaffenden Graben zweigeteilt. Vorsichtig näherte sich Link dem steilen Abhang und schaute hinab. Von hier oben hätte ein Sturz tödlich sein können, doch auf der gegenüberliegenden, tiefer gelegenen Ebene stand eine große Holzkiste, die verdammt verlockend aussah.
    Link holte tief Luft, ging ein paar Schritte zurück, nahm Anlauf und setzte mit einem beherzten Sprung über den Graben. Geschmeidig wie eine Katze landete er und rollte sich ab, wobei er mit dem rechten Fuß gegen die Kiste stieß. „Autsch...“ „Hihi, sehr elegant.“, spottete Navi, die ohne Mühe den Graben überflog. Link verengte die Augen zu schmalen Schlitzen und streckte ihr die Zunge raus. „Sehr witzig...“
    Dann wandte er sich der Truhe zu, deren Deckel sich bereitwillig öffnen ließ. In ihrem Innern lag auf einem mit dunkelblauen Samt bezogenem Kissen eine Schleuder und ein kleiner, prall gefüllter Lederbeutel. Aufgeregt schaute Link zu Navi hoch und verzog die Lippen zu einem schelmischen Grinsen: „Ich glaube, ich weiß, wie wir die Spinnen davon überzeugen können, uns die Ranken hoch klettern zu lassen.“ Neugierig zog er den Lederbeutel auf, um dessen Inhalt zu überprüfen. „Das sind Deku-Kerne.“, erklärte Navi. „Klein und ungewöhnlich hart. Du kannst sie bestimmt gut als Munition für die Schleuder benutzen.“
    Glücklich wegen dieses neuen Hoffnungsschimmers drehte Link sich beschwingt um und erstarrte. Navi, die neben ihm schwebte, sah ihn geringschätzig an: „Jetzt sag nicht, du hast dir bei deinem Sprung nicht vorher überlegt, wie du wieder zurück kommst.“ Betreten zog Link die Schultern hoch und machte ein verlegenes Gesicht, während ihm das Blut in die Wangen schoss. „Bei den Göttinnen!“ Navi rollte mit den Augen und schüttelte den Kopf. „Ich glaub das nicht.“
    Mit brennenden Wangen starrte Link an die gegenüberliegende Wand, um Navis Blick nicht zu begegnen. Er wusste, dass sie Recht hatte, dass er mal wieder gehandelt hatte, ohne vorher über die Folgen nachzudenken. Einige Momente blickte Link unbewegt an die Decke über dem Graben, ohne etwas zu sehen, doch mit einem Mal wurde ihm bewusst, auf was er da so starr schaute. „Navi! Sieh mal – da oben hängt eine Leiter. Meinst du, du kriegst sie da runter?“ Nachdem die zierliche Fee fast eine Minute an der untersten Sprosse gezerrt hatte, gab sie auf. „Keine Chance. Und jetzt?“ Link kaute nachdenklich auf der Unterlippe und drehte die Schleuder zwischen den Händen, als ihm eine Idee kam. „Vorsicht, Navi, geh mal zur Seite. Ich glaub, ich weiß, wie ich das Ding da runter hole.“
    Nachdem die Fee sich auf Links Schulter nieder gelassen hatte, holte er einen Kern aus dem Lederbeutel, legte ihn an das breite Gummiband der Schleuder, zog daran und zielte auf den Nagel, mit dem die Leiter befestigt war. Als das Geschoss gegen den eisernen Bolzen knallte, gab es ein plingendes Geräusch, das von einem lauten Krachen abgelöst wurde, als die Leiter auf den schmalen Felsvorsprung auf der gegenüberliegenden Seite fiel. Die Länge passte perfekt, sodass der Junge jetzt nur noch an die Leiter springen und hoch klettern musste. „Heureka!“ Link grinste Navi an, die ihre Lippen zu einem abschätzigen, schiefen Lächeln verzog. „Reine Glückssache...“
    Mit einem Schulterzucken tat Link diesen Seitenhieb einfach ab und nahm Anlauf, um zur Leiter zu springen, als ihm bewusst wurde, dass er gar nicht beide Hände frei hatte. „Verflixt, wenn ich nur eine freie Hand habe, wird der Sprung doppelt riskant...“ Hilfesuchend sah er Navi an, die triumphierend grinste. „Zeit für den Lederbeutel, den ich dir draußen gegeben hab.“ Link betrachtete den kleinen Beutel nachdenklich. „Und was soll ich damit? Er ist viel zu klein.“ Er legte die Schleuder, die einige Zentimeter länger und breiter als der Beutel war, auf das Leder und hielt beides seiner Begleiterin unter die Nase. „Steck sie trotzdem in den Beutel. Vertrau mir.“ Navi zwinkerte ihm zu. Link hob den Kopf und sah Navi zweifelnd an, kam aber dennoch ihrer Aufforderung nach.
    Entgegen seiner Erwartung verschwand die Schleuder vollständig im Inneren des Beutels. „Jetzt noch der Munitionsbeutel!“ Link bekam große Augen als auch dieser in dem kleinen Ledersäckchen verschwand und sah Navi, die sichtlich amüsiert war, ungläubig an. „Feenzauber.“, erklärte sie. „Einige andere Feen und ich haben diesen Beutel verzaubert. Du wirst es nicht glauben, aber sein Fassungsvermögen ist jetzt unendlich. Du kannst alles hinein stecken, ohne dass er voll oder schwerer wird.“ „Das ist unglaublich!“, stieß Link hervor und starrte noch immer mit großen Augen auf den kleinen Beutel in seiner Hand.
    Es dauerte einige Zeit, bis er sich von seinem Schock erholt hatte, doch dann befestigte er das Säckchen wieder an seinem Gürtel und nahm erneut die Leiter ins Visier. „Ich hoffe nur, sie ist nicht so morsch, wie sie aussieht...“, flehte Link leise, als er sich vom Boden abstieß und über den Graben sprang. Er bekam eine der Sprossen mit der linken Hand zu fassen und zog sich schnell ran, um festen Halt zu finden, doch als er seine Füße auf eines der unteren Hölzer stellte, brach es und Link wäre beinah doch noch in die Tiefe gestürzt. „Doch, sie ist so morsch wie sie aussieht.“, bemerke Navi lakonisch, während Link sich unter Aufbietung all seiner Kraft wieder hoch zog und den Rest der Leiter erklomm. „Wirklich? Hätte ich jetzt gar nicht gemerkt.“ Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck klopfte er Schmutz und Spinnenweben von seiner Tunika und begutachtete eine frische Schürfwunde an seinem rechten Knie. Navi kicherte leise und setzte sich auf seine Schulter. „Du weißt doch, dass ich das nicht so meine. Wenn ich auch nur eine Sekunde lang geglaubt hätte, dass du es nicht schaffen würdest, hätte ich... Ich weiß nicht, was ich dann getan hätte. Sieh mich an: Ich bin nur eine schwache Fee. Ich kann nicht viel tun.“ Link lächelte sie versöhnt an: „Du tust schon eine ganze Menge. Zum Beispiel treibst du mich in den Wahnsinn.“ Er grinste und die Fee kuschelte sich zufrieden in sein weiches, braunes Haar.


    Im Raum nebenan lag der Laubkerl noch immer bewusstlos auf dem Boden. Link schlich um ihn herum und grinste: „Den hat’s ganz schön erwischt.“ Als sie endlich wieder bei der von Spinnen bewachten Wand ankamen, steckte Link seine Hand in den Wunderbeutel und erbleichte. „Ey, was soll denn das?! Der Beutel ist leer! Toller Zauber!“ „Du weißt eben einfach noch nicht damit umzugehen. Steck deine Hand wieder rein und denk dabei an deine Schleuder – am besten stellst du sie dir gleich geladen vor. Das spart Zeit.“ Link tat wie ihm geheißen und plötzlich spürte er die Schleuder und einige Deku-Kerne in der Hand. „Wow, abgefahren...“
    Eine der Spinnen kam gefährlich weit nach unten gekrabbelt und machte Anstalten, Link erneut in den Arm zu beißen, sobald er die Ranken ergreifen würde. Link legte mit der Schleuder an und zielte dem riesigen Ungeziefer genau zwischen die Augen. Der Kern flog zischend durch die Luft, durchschlug den knöchernen Schutzpanzer der Spinne und tötete sie auf der Stelle. Mit einem dumpfen Geräusch prallte sie vor Links Füßen auf, der keine Zeit verlor und auch noch die anderen Achtbeiner niederstreckte. Geschwind erklomm er das Rankenwerk, näherte sich vorsichtig dem Ende des Vorsprungs und warf einen Blick runter.


    Tief unter ihm schimmerte das riesige, weiße Netz und die Deku-Pirania, die ihn angegriffen hatte, als er den Raum betreten hatte, döste gemütlich neben dem Zugang zu den Katakomben. Link atmete noch einmal tief durch, nahm all seinen Mut zusammen und sprang. Wie ein Meteor raste er zu Boden, bis er schließlich auf das Netz traf. Sein Körper wurde für einen kurzen Moment schmerzhaft zusammen gestaucht, doch dann gab das Netz tatsächlich nach und riss.
    Mit einem lauten Platschen landete Link in einem Wasserbassin. Als er wieder auftauchte und sich die nassen Haare aus der Stirn strich, schwebte Navi vor ihm und blickte ihn erleichtert an: „Na, alles noch dran?“ Link nickte und schwamm ans Ufer. „Okay, wo geht es hier jetzt weiter?“ Die beiden Abenteurer blickten sich um und entdeckten eine von Spinnenweben verdeckte Tür. „Die mutierte Riesenspinne ist aber in diese Richtung verschwunden.“ Navi deutete auf eine höher gelegene Ebene auf der anderen Seite des Wasserbassins. „Ich weiß. Aber kannst du mir mal verraten, wie ich da hoch kommen soll? Ich hab weder Sprungfedern unter den Stiefeln, noch kann ich fliegen. Wir müssen einen anderen Weg finden – und unser Feind hätte sich sicherlich nicht so viel Mühe damit gegeben, diese Tür unpassierbar zu machen, wenn sie uns nicht näher an unser Ziel bringen würde.“ „Oder es ist eine Finte und soll uns in eine Falle locken.“ Link zuckte mit den Schultern und untersuchte das Netz nach Schwachstellen. „Das werden wir herausfinden. Ich mach mir jedenfalls wegen eines dahergelaufenen Ungeziefers nicht ins Hemd.“
    Nachdem jegliche Versuche, das Netz zu zerreißen und zu zerschlagen missglückt waren, ließ Link frustriert den Blick durch den Raum gleiten. In der hinteren Ecke entdeckte er schließlich eine brennende Fackel. „Hey, Navi, du hast hier nicht zufällig einen Ast oder etwas Ähnliches gesehen?“ Die Fee schüttelte verwirrt den Kopf, als plötzlich das Maul einer Piraniapflanze aus einem nah stehenden Gebüsch hervor schnellte. Geschickt drehte Link sich der Gefahrenzone und schlug der Pflanze den Kopf ab. Während er auf die toten Überreste der Angreiferin schaute, kam ihm eine Idee. Er ließ sich auf die Knie fallen und schlug den langen, einst mal beweglichen, aber im Tod steifen Hals der Pflanze kurz über dem Blattansatz ab.
    Navi beobachtete ihn irritiert, wie er mit dem Pflanzenhals durch den Raum lief, den Stab an der Fackel entzündete und zu dem über die Tür gespannten Netz eilte. Das Feuer erfasste das Netz in Windeseile und brannte es vollständig ab, während Link seinen brennenden Stab auf den Boden warf und mit den Stiefeln das Feuer austrat. Den gelöschten Stab ließ er in seinem Wunderbeutel verschwinden und trat dann durch die Tür in den nächsten Raum, wo er erneut von einem angriffslustigen Laubkerl in Empfang genommen wurde. Schnell schleuderte er die heranrasende Deku-Nuss mit dem Schild auf den Angreifer zurück und lauschte dem schmerzerfüllten Quieken des Laubkerls, das ihm verriet, dass die Nuss ihr Ziel getroffen hatte.
    Link steckte seinen Schild wieder zurück und schaute mitleidig auf das jammernde Bündel Laub, das versuchte, sich mit seinen kurzen Ärmchen die schmerzende Nase zu halten. Vorsichtig näherte er sich dem Laubkerl, der daraufhin ängstlich zurück sprang. „Hab keine Angst. Ich will dir nicht weh tun. Ich kann nur nicht zulassen, dass du mich angreifst. Verstehst du?“ Ganz langsam und mit ausgestreckter Hand ging er weiter auf seinen Gegenüber zu. Navi, die ihm auf der Schulter saß, rutschte nervös hin und her. „Du tust mir nicht weh?“ Die Stimme des Laubkerls war schrill und klang seltsam hohl wie ein schlecht gestimmtes Blasinstrument. Link schüttelte den Kopf und blieb stehen, um den armen Kleinen nicht noch mehr zu ängstigen. „Oh, ich danke dir!“ Der Laubkerl warf sich Link zu Füßen, nur um gleich wieder aufzuspringen und um den Jungen herum zu tanzen. Navi, die sich vor dem herum wirbelnden Laubkerl fürchtete, kroch immer tiefer zwischen Links Haare und seine Mütze. „Ich weiß, wie ich mich dir erkenntlich zeigen kann!“, quäkte der Laubkerl. „Tief in den Katakomben hat sich eine riesige Spinne eingenistet, die uns Laubkerle in die Sklaverei gezwungen hat und sich von den Wurzeln des Deku-Baumes ernährt. Wenn du sie nicht bald besiegst, wird der Deku-Baum keine Chance mehr haben. Leider weiß ich nichts über ihre Schwächen, aber mein Bruder kennt sich damit aus. Er wird sein Wissen allerdings nur kund geben, wenn du vorher das Rätsel löst, das er und unsere Cousins sich ausgedacht haben. Also hör mir gut zu: Rechts vor links, aber die goldene Mitte geht vor! Merk dir diesen Satz. Ich bin mir sicher, du wirst wissen, wie du ihn zu gebrauchen hast.“ Mit diesen Worten wirbelte der kleine Laubkerl herum und eilte aus dem Raum.
    Vorsichtig kam Navi wieder unter Links Mütze hervor gekrochen: „Ich hoffe, er hat die Wahrheit gesagt. Diese Laubkerle sind mir nicht geheuer.“ Die Beiden wollten ihre Suche nach der Riesenspinne fortsetzen, doch die Tür zum nächsten Raum war mit Eisenstäben blockiert. „Die kann ich definitiv nicht einfach abbrennen.“, murmelte Link, während er nach einem Weg suchte, die Tür passierbar zu machen. „Hey, Link, hier oben!“ Navi deutete auf ein steinernes Auge, das über der Tür in die Wand gelassen war. „Ich glaube, die Pupille ist ein Druckschalter.“ Navi warf sich mit voller Kraft gegen das Auge und trudelte benommen zu Boden. Link fing sie auf und betrachtete sie besorgt. „Alles okay?“ „Ja, doch, denke schon.“ Navi nickte vorsichtig mit dem Kopf. „Ich hab nur unterschätzt wie fest der Knopf sitzt.“ „Du hast dein Bestes getan. Jetzt lass mich mein Glück versuchen.“
    Link setzte die noch immer leicht benommene Fee auf seine Schulter, holte Schleuder und Munition aus seinem Beutel und schoss auf den Schalter, der mit einem leisen Klacken einrastete. Sofort begannen die Stäbe zu wackeln und nur einen Moment später wurden sie hoch gezogen, sodass die Tür frei gegeben wurde.


    In den nächsten Räumen gab es keine größeren Herausforderungen, doch Navi ermahnte Link immerzu, nicht nachlässig zu werden und immer wachsam zu bleiben, schließlich wisse man nie, wann der Feind zuschlägt. Schon bald musste Link am eigenen Leib erfahren, wie Recht seine Begleiterin mit diesen Warnungen hatte... Die Beiden traten in einen leeren, runden Raum, der durch einen schmalen Schacht mit dem nächsten Raum verbunden war. „Link, dieser Raum ist mir nicht geheuer.“ Ängstlich schaute Navi sich um. „Es ist zu ruhig hier.“ „Ich weiß gar nicht, was du hast. Wir sind in den vorherigen Räumen doch auch kaum Gegnern begegnet.“ Link schritt in die Mitte des Raums und wurde augenblicklich von einem schweren Gewicht auf den Boden gedrückt, während scharfe Krallen in sein Fleisch schnitten. „Iiiiiih! Eine riesige Babyspinne!“, kreischte Navi, die so die Aufmerksamkeit des Angreifers auf sich zog.
    Link nutzte diesen kurzen Moment, in dem die Spinne abgelenkt war, und rollte sich auf den Rücken, wobei er sein Schwert zog, das er dem Angreifer auf sich tief in Kehle rammte. „Link, pass auf!“ Neben ihm klatschten zwei weitere Spinneneier auf den Boden, deren Schale sogleich aufgerissen wurde. Link stieß den leblosen Körper von sich, rappelte sich auf die Beine und nahm den Kampf mit den jungen Spinnen auf. „Du hattest Recht, Navi. Nie die Wachsamkeit vernachlässigen.“, keuchte er als er sein Schwert aus der letzten besiegten Angreiferin zog.


    Langsam und mit schmerzenden Gliedern kroch er durch den engen Schacht, der ihn zurück in den Raum mit dem Wasserbassin führte, doch dieses Mal stand er auf der höher gelegenen Ebene. Von einigen Deku-Piranias, die ein jähes Ende fanden, umrahmt, lag der Zugang zu dem nächsten Gewölbe vor ihm. Doch wie schon befürchtet, war auch dieses Loch mit einem Spinnennetz überspannt.
    Link blickte sich um. Die einzige, erreichbare Fackel stand auf der gegenüberliegenden Seite, doch von dort aus käme er nicht wieder auf die höhere Ebene. Während er noch grübelte, entdeckte er einen riesigen Felsblock, der hoch genug war, um als Zwischenebene zu fungieren. Schnell schob Link den Block, der mit einem lauten Platschen und einer großen Wasserfontäne im Bassin landete, über die Kante und sprang zu der Fackel, an der er seinen Stab entzündete. Mit dem brennenden Stab in der Hand sprang er zurück auf den Felsen, kletterte das letzte Stück hoch und lief geschwind zu dem störenden Netz. Kaum waren die letzten Fetzen verbrannt, stürzte sich Link in die Tiefe, wo er in einem natürlichen See landete.
    Das kalte Wasser war ein Segen für seine schmerzenden Glieder, die sich wie geschwollen anfühlten. Er drehte ein paar Runden im kühlen Nass und schwamm dann zum Ufer, wo drei Laubkerle sich bereits versammelt hatten. „Das müssen die Cousins und der Bruder des Kleinen sein.“, mutmaßte Navi, als sie die Drei betrachtete. „Hast du eine Ahnung, was er mit diesem Spruch gemeint hat? Wie war der noch gleich?“ „Rechts vor links, aber die goldene Mitte zuerst.“ Navi und Link sahen sich ratlos an, doch als die erste Deku-Nuss auf sie zu flog, kam Link eine Idee.
    Er hielt seinen Schild so, dass die abgelenkten Nüsse erst den mittleren, dann den rechten und zu guter Letzt den linken Laubkerl trafen, der quiekend auf sie zu kam. „Woher kanntest du unser Geheimnis?“ Link zuckte mit den Schultern. „Glück, würde ich sagen.“ „Nun, wie dem auch sei, du hast das Rätsel gelöst und als Belohnung werde ich dir etwas verraten: Gohmas Schwachstelle ist ihr riesiges Auge. Besonders empfindlich ist es, wenn es sich rot verfärbt.“ Mit diesen Worten machten sich die Laubkerle auf und davon.
    „Ich frage mich, warum sie nicht selbst gegen die Spinne angegangen sind, wenn sie doch ihren Schwachpunkt kennen.“, wunderte sich Navi, während sie den Flüchtenden nachsah. „Womöglich ist dieses Vieh gefährlicher als wir vermuten.“ „Das werden wir gleich herausfinden.“ Link zog Schwert und Schild, straffte die Schultern und trat in das Versteck Gohmas.




    Gohma


    Vorsichtig wagte sich Link immer tiefer in das Spinnennest, wobei er immer wieder argwöhnische Blicke über die Schulter warf, um nicht von hinten überrascht zu werden. Als er in der Mitte des runden Raumes ankam, drehte er sich langsam um die eigene Achse. „Es ist weit und breit nichts von Gohma zu sehen...“ Angestrengt starrte er auf die vielen Säulen rings rum, von denen die kuppelartige Decke gestützt wurde, um eine eventuelle Bewegung schnell genug ausmachen zu können. „Das gefällt mir ganz und gar nicht, Link.“ Navi kroch wieder unter den langen Zipfel der grünen Mütze und guckte ängstlich zwischen Links Haarsträhnen hervor. „Mir auch nicht. Ich bin mir sicher, dass das Vieh hier irgendwo ist. Ich spüre das. Ich kann beinah seinen Atem auf meiner Haut spüren.“ Link schüttelte sich bei dem Gedanken und beschrieb sich weiterhin um die eigene Achse drehend einen engen Kreis.
    Er schaute nervös von einer Seite zur nächsten und versuchte im Halbdunkeln irgendwelche Konturen eines Angreifers auszumachen, als plötzlich ein Stück vertrockneter Kletterpflanzen von der Decke rieselte. Erschrocken riss Link den Kopf in den Nacken und starrte in das riesige, grüne Auge Gohmas.
    Vor Schreck ließ er seinen Schild fallen und umklammerte mit beiden Händen sein Schwert, als wäre es eine Rettungsweste auf hoher See. Navi kreischte panisch und verschwand ganz unter Links Mütze. Als sich die riesige Spinne von der Decke fallen ließ, bebte der Boden leicht beim Aufprall und Link stolperte ängstlich rückwärts.


    „Was hat der Laubkerl doch gleich gesagt?“ „Ich weiß nicht? Vielleicht so etwas wie: LAUF!“ Navis Stimme klang vor lauter Panik schrill und vibrierte. „Nein, das war’s nicht.“ Link versuchte, seine Angst hinunter zu schlucken und sprang geschickt zur Seite als Gohma mit einem langen, krallenbewehrten Bein nach ihm schlug. Navi presste sich die Hände auf die Ohren, um das widerliche Kreischen, das Gohma von Zeit zu Zeit ausstieß, nicht hören zu müssen und sich besser konzentrieren zu können. „Ich hab’s! Ihr Schwachpunkt ist ihr Auge, wenn es sich rot färbt.“
    Link rollte sich über den Boden ab, um einer weiteren Attacke zu entgehen. „Prima, aber wie bekomme ich das Auge dazu, sich rot zu färben?“ Der nächste Hieb traf Link an der rechten Schulter und er schrie auf. „Verdammt, ich weiß es nicht!“ Navi wimmerte tief in seiner Mütze, umschlang die angezogenen Beine mit den Armen und wiegte sich vor und zurück. So ein Kampf war definitiv nichts für sie und sie fragte sich, warum nicht eine ältere, erfahrenere Fee mit dieser Aufgabe betreut worden war. Sie kam sich so unglaublich nutzlos vor, wie sie sich zitternd wie Espenlaub verkroch und Link nicht einmal mit Ratschlägen zur Seite stehen konnte.
    Durch den dünnen Stoff der Mütze drangen die Kampfgeräusche fast ungedämpft zu ihr. Noch hatte Gohma keinen Volltreffer landen können und hatte selber schon einige Schwertstreiche einstecken müssen, die sie entrüstet hatten aufquieken lassen, doch Navi spürte, dass Link schwächer wurde. Er schwankte immer mehr und seine Schwerthiebe wurden zunehmend kraftloser. Navi wurde immer verzweifelter, als ihr plötzlich eine Idee kam. „Die Schleuder!“ „Was?“ Link keuchte wie nach einem Marathonlauf und der Schweiß brannte in seinen Augen. „Versuch dem Mistvieh mit der Schleuder ins Auge zu schießen. Bisher hat sie jede deiner Attacken auf ihr Auge abgeblockt, aber ich bin mir sicher, ein Angriff mit der Schleuder wäre zu schnell für eine Abwehr.“
    Link, der inzwischen beinah vollkommen entkräftet war, steckte sein Schwert griffbereit in den Gürtel und zog die Schleuder, während er rückwärtslaufend den wild schlagenden Beinen Gohmas auswich. Als er mit dem Rücken gegen die Wand stieß, richtete die Spinne sich geradezu höhnisch auf, um dann mit weit aufgerissenem Maul auf den Jungen zuzurasen.
    „Jetzt oder nie!“ Link kniff die Augen zusammen, betete zu den Göttinnen, der Deku-Kern möge sein Ziel finden, und ließ das breite Gummiband los. Der Kern zerteilte zischend die Luft und traf das giftgrüne Auge der Riesenspinne, wo er Horn- und Netzhaut zerriss. Vor Schmerzen aufschreiend bäumte Gohma sich auf und versuchte, sich das schmerzende Auge zu halten, wobei sie sich selber die langen Krallen in den Augapfel schlug. Kreischend schüttelte sie den riesigen Kopf, wobei dicke Blutstropfen durch die Luft flogen und Link im Gesicht trafen. Schließlich brach die Spinne wimmernd zusammen und entblößte ihr geschundenes, rotgerändertes Auge, aus dem sie Tränen aus Blut weinte. Sie krümmte sich vor Schmerzen und sah Link durchdringend an, als wollte sie ihn bitten, ihr Leiden schnell zu beenden.
    Link trat vorsichtig an sie heran, sammelte seine letzten Kräfte und trieb ihr das Schwert bis zum Heft ins Auge. Ein letztes Mal bäumte Gohma sich auf, schrie, kreischte und schlug ihre Krallen durch die Luft, doch dann brach sie endlich in sich zusammen und hauchte ihr Leben aus.
    Link sackte neben ihr auf den Boden und begann vor physischer und psychischer Erschöpfung zu weinen. Er vergrub das Gesicht in den Händen und schluchzte heftig, als Navi aus ihrem Versteck kroch. „Link... es ist vorbei.“ Sanft legte die Fee ihrem Schützling eine Hand auf die Wange, als er den Kopf hob und sie ansah. Er sah fürchterlich mitgenommen und gequält aus. „So grausam... Warum musste es so grausam sein?“, flüsterte er tonlos, während er sich auf die Füße quälte.
    Jede Faser seines Körpers schmerzte schrecklich, er war so erschöpft wie noch nie in seinem Leben und seine Tunika hing nur noch in Fetzen an seinem schmalen Körper. Mit einem resigniertem Gesichtsausdruck sammelte er seinen achtlos fallengelassenen Schild auf, zog das Schwert aus dem Auge des besiegten Gegners und schleppte sich aus dem Inneren des Deku-Baumes heraus. Er hoffte inständig, das seine Aufgabe hiermit erfüllt war. Er wollte sich nur noch waschen und schlafen...




    Legenden und tränenreiche Abschiede


    Der Deku-Baum blickte stolz auf seinen völlig erschöpften Schützling herab, als Link wieder auf die Lichtung trat. Der Junge schwankte und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Zu gerne hätte der Deku-Baum ihn einfach ins Bett geschickt, doch vor ihm lagen noch große Aufgaben. „Ich danke dir, Link. Du hast Gohma besiegt und den Fluch, der auf mir lastete, gebrochen.“ Der Junge richtete den gebrochenen Blick seiner trüb wirkenden Augen auf den Waldwächter und berührte zaghaft das Blut der Riesenspinne, das an seiner Wange klebte. „Ich hab mein Bestes getan, ehrwürdiger Deku-Baum.“ Seine Stimme klang spröde und unendlich müde.
    Erste Zweifel beschlichen den Deku-Baum, ob dieses Kind den Aufgaben gewachsen war, die vor ihm lagen. Denn neben den kommenden Gefahren würde der Kampf gegen Gohma wie ein Spaziergang wirken. Er wollte ihm ein wenig Mut zusprechen und lobte den gebrochen wirkenden Jungen: „Du bist ein wahrer Held.“
    Mit einem Mal erwachte das Leben in Link wieder. Er sah den Deku-Baum aus großen, ärgerlich blickenden Augen an und protestierte mit fester Stimme: „Nein. Ich bin kein Held. Ein echter Held hätte einen Weg gefunden, den Fluch zu brechen ohne diese arme Kreatur so grausam abschlachten zu müssen.“ Navi und der Waldwächter warfen dem Jungen verwunderte Blicke zu. Link hatte Mitleid mit der Spinne, die nur wenige Minuten zuvor versucht hatte, mit ihren langen Krallen seinen Brustkorb zu zerfetzen. Sein Herz war noch weitaus reiner als sie angenommen hatten.
    „Nein, Link. Ein wahrer Held, findet den Mut zu tun, was getan werden muss, auch wenn es ihm in der Seele weh tut – und Gohma musste vernichtet werden. So mitleiderregend sie in ihren letzten Momenten auch gewirkt haben muss, das ändert nichts daran, dass sie eine treue Untergebene des Dämons aus der Wüste gewesen ist.“ „Eben!“ Erneut stiegen Link Tränen in die Augen als er an den Ausdruck in diesem geschundenen Auge dachte, dass ihn so flehend angesehen hatte. „Sie war nur ein Lakai! Sie hat nur getan, wozu man sie gezwungen hat.“ „Niemand hat sie gezwungen, Laubkerle zu massakrieren... So wenig ich diese kleinen Kobolde mag, das haben sie nicht verdient.“, warf Navi ein, doch Link ignorierte ihren Einwand einfach und sprach weiter. „Ich hätte nicht sie töten sollen, sondern diesen Mann aus der Wüste, der dahinter steckt.“ „Link, lass ab von diesen Selbstzweifeln. Du hast das Richtige getan. Gohma musste gestoppt werden!“ „Aber...“ „Kein Aber. Dafür haben wir keine Zeit.“
    Der Schutzpatron holte ächzend Luft und hustete trocken. Link und Navi wechselten ein paar Blicke und schauten dann besorgt zum Deku-Baum auf, während erste Blätter auf sie nieder rieselten. „Ich danke dir sehr, dass du den Fluch gebrochen hast, doch du kamst zu spät. Ich habe meine Kraft falsch eingeschätzt. Ich dachte, ich könnte länger standhalten und wollte dir so viele unbeschwerte Tage wie möglich lassen, denn dir steht noch einiges bevor. Hör mir zu: Vor vielen, vielen Jahren erschufen die drei Göttinnen Nayru, Farore und Din diese Welt. Die feurige Din formte unsere Erde, die kühle Nayru spendete Luft und Wasser und die liebliche Farore erschuf sämtliche Lebensformen. Nachdem ihr Werk vollendet war, vereinigten sie ihre Kräfte in dem heiligen Triforce und zogen gen Himmel.“ Der Deku-Baum holte erneut rasselnd Luft und Navi legte besorgt die Stirn in Falten. Inzwischen lagen beinah mehr Blätter auf dem Boden als noch an den Zweigen hingen – und dabei verlor der Deku-Baum seine Blätter nicht einmal im Winter.
    „Der Dämon trachtet nach dem Triforce und um seine finsteren Pläne umsetzen zu können, benötigt er den Schatz des Waldes. Meine Aufgabe war es, über diesen Schatz zu wachen, doch nun übergebe ich ihn an dich.“ Wieder fiel ein Schwall Blätter zu Boden als der Deku-Baum hustete. „Nimm den Schatz und begib dich zum Schloss Hyrule.“ Schloss Hyrule? Link war wie vom Blitz getroffen und die folgenden Worte drangen nur undeutlich an seine Ohren. „Dort wirst du die Prinzessin treffen. Sie wird dich als einen Gleichgesinnten erkennen und dir deinen weiteren Weg offenbaren.“ „Aber ich kann den Wald nicht verlassen! Kein Kokiri kann das.“, warf Link ein, als er seine Gedanken endlich wieder ordnen konnte. „Du wirst es können. Vertrau mir. Navi wird dich begleiten. Ich glaube an dich...“ Mit letzter Kraft teilte der Deku-Baum seine mächtige Blätterkrone und gab so den Blick auf einen schimmernden, goldgefassten Edelstein frei, bevor er seinen letzten Atemzug tat.
    Link schlug betreten die Augen nieder und Navi schluchzte leise an seiner Seite, bevor sie zwischen die trockenen, inzwischen fast kahlen Zweige des toten Wächterbaumes flog und den blitzenden Stein barg. Vorsichtig legte sie ihn in Links Hände und wischte sich mit der flachen Hand Tränen aus dem Gesicht. „Der Kokiri-Smaragd. Einst war er der Kettenanhänger der Göttin Farore. Ich hoffe, du bist dir der Verantwortung bewusst, die der Deku-Baum hiermit auf dich übertragen hat.“ Link nickte, warf einen letzten Blick auf den toten Körper des Waldwächters und machte sich auf den Weg zurück ins Dorf. Er musste packen und sich von Salia verabschieden, denn er würde für eine lange Zeit fort sein.


    Schon auf dem Weg zurück ins Dorf kamen ihm aufgeregte Kokiri entgegen, die das rasante Welken des Deku-Baumes bemerkt hatten und nach dem Rechten sehen wollten. Link wich ihnen so geschickt aus wie es seine schmerzenden Glieder ermöglichten, wurde aber dennoch ein paar mal angerempelt und zu Fall gebracht.
    Als er den ersten Schritt auf das Dorfgelände tat, wurde er plötzlich am Kragen gepackt, herum gerissen und unsanft gegen eine Felswand geschleudert. Er stöhnte vor Schmerzen leise auf und versuchte, die Sternchen, die vor seinen Augen tanzten, wegzublinzeln. „Was hast du mit dem Deku-Baum gemacht?“ Midos Stimme bebte vor Zorn, während er Link noch immer am Kragen hielt und seinen Ellenbogen auf dessen Brust presste. Halbherzig versuchte Link sich aus Midos Griff zu befreien und verteidigte sich müde: „Ich hab gar nichts getan. Das ist nicht meine Schuld.“
    Mido nahm ein wenig Gewicht von Links Brust und drehte sich zu den Kokiri-Mädchen um, die in diesem Augenblick zurück kamen. Eines der Drei sank in das hohe Gras und begann heftig zu weinen, während sich die anderen Beiden schutzsuchend in den Armen hielten. „Was ist los?“ Besorgt musterte Mido die Gesichter der Mädchen, die ihn aus großen, ängstlichen Augen ansahen. „Der Deku-Baum... ist... ist... Der Deku-Baum ist tot.“, schluchzte das im Gras kniende Mädchen, dessen Fee mit hängenden Schultern neben ihm schwebte.
    Blitzartig drehte Mido sich wieder zu Link und schlug ihm mit der Faust gegen das Kinn. Links Kopf schnellte herum und prallte gegen die Felswand. Für einen kurzen Moment wurde es dunkel um ihn herum, doch dann begann der Anführer der Kokiri ihn zu schütteln und wüst zu beschimpfen, bis Navi dazwischen ging. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und schlug Mido mit der flachen Hand ins Gesicht.
    Obwohl der Rotschopf die Ohrfeige kaum gespürt hatte, ließ er von Link ab, der an der Felswand zu Boden rutschte, und starrte die Fee an. Navi legte alle Autorität, die sie aufbieten konnte, in ihre zarte Stimme und schrie Mido an: „Du verfluchtes Spatzenhirn! Lass deine Tatschgriffel von Link!“ „Aber er hat den Deku-Baum umgebracht!“ „Du Idiot! Glaubst du im Ernst, ich würde ihn in Schutz nehmen, wenn ich gerade mitangesehen hätte, wie er den Deku-Baum getötet hat?“ Erste Zweifel schlichen sich in Midos Züge und er schien vor der wütend mit den Flügeln schlagenden Fee zu schrumpfen. „Ja... Nein... Aber er war der Einzige, der da war als es passiert ist...“ „Und das macht ihn gleich zum Mörder? Oh, du... du…“, Navi starrte Mido mit einem mordlustigen Gesichtsausdruck an. „Kapierst du denn gar nichts, du Dorftrottel? Der Deku-Baum wusste, dass er sterben würde und hat Link deswegen zu sich gerufen, um ihn mit einer wichtigen Aufgabe zu betreuen. Und jetzt geh uns aus dem Weg!“ Mit einer arroganten Geste warf Navi ihr langes Haar über die Schulter und reckte das Kinn in die Höhe. Link bewunderte sie für ihren Löwenmut und folgte ihr langsam, während er versuchte, das Gemurmel der inzwischen fast vollständig versammelten Kokiri zu überhören.
    Niemand hatte seine zerrissenen Kleider und Wunden bemerkt, doch niemand hatte Zweifel an Midos Verdacht geäußert. Wieder einmal fühlte er sich schrecklich alleine und fragte sich, ob er tatsächlich hier her gehörte oder ob sein Platz irgendwo anders war.


    Zuhause angekommen, wusch er sich schnell, aber gründlich, stopfte alle Kleider aus seinem Schrank und alles Essen, das er finden konnte, in seinen Wunderbeutel und eilte wieder aus dem Haus, um sich von Salia zu verabschieden. Doch so sehr er auch suchte, er konnte Salia nicht finden. „Vielleicht ist sie in die verlorenen Wälder gegangen. Sie hat mir mal von einer Lichtung erzählt, auf der sie sich gerne aufhält...“, überlegte er, doch Navi drängte ihn zur Abreise. „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir müssen verhindern, dass dieser Mann aus der Wüste noch mehr Unheil anrichtet. Ich kann ja verstehen, dass es dir weh tut, deine Freundin so wortlos zu verlassen, aber das Schicksal Hyrules geht vor!“ Link nickte traurig und warf einen letzten Blick auf Salias Haus und verließ das Dorf.
    „Hast du Angst?“, fragte Navi ihn, während sie die angrenzenden Wälder durchquerten. „Nein. Ich bin aufgeregt, was mich als nächstes erwartet und ich hab ein mulmiges Gefühl, weil ich den Wald verlassen muss. Es heißt, alle Kokiri, die den Wald verlassen, müssten sterben. Aber ich vertraue auf die Worte des Deku-Baumes. Wird schon schief gehen.“ „Mit Sicherheit.“
    Für den Rest des Weges schwiegen die beiden Reisenden, bis sich die Bäume lichteten. „Nur noch über diese Hängebrücke und durch die Baumreihen da vorne, dann betreten wir die hylianische Steppe.“, erläuterte Navi, doch Link hörte ihr gar nicht zu. Sein Blick klebte wie paralysiert an Salia, die auf der Brücke stand und auf ihn wartete.
    „Ich hab mir gedacht, ich geh schon einmal vor. Ich mag keine Abschiede – und schon gar nicht vor so vielen Menschen.“ Langsam ging Link auf sie zu und nahm ihre Hände in seine. „Ich hatte dich schon gesucht. Ich wollte nicht einfach so gehen, aber die Zeit drängt.“ „Ich weiß. Ich will dich auch gar nicht lange aufhalten. Ich wollte dir nur etwas geben, damit du ein Andenken an mich hast und mich nicht vergisst.“ „Ich brauche kein Andenken, um mich an dich zu erinnern.“ Link lächelte sie liebevoll an, doch Salia wandte nur das Gesicht ab, damit er nicht sah, dass Tränen in ihren Augen schimmerten. „Ich möchte es dir aber schenken. Vielleicht möchte ich auch einfach, dass du etwas von mir bei dir trägst.“ Mit diesen Worten holte sie eine tönerne Okarina aus ihrer Tasche und legte sie in Links Hände. „Wann immer du auf dieser Okarina spielst, sollst du an mich denken. Sie bedeutet mir viel. Und nun... leb wohl.“
    Obwohl sie sich große Mühe gab, sich ihren Schmerz nicht anmerken zu lassen, zitterte ihre Stimme leicht. „Salia...“ Vorsichtig ging Link noch einen Schritt auf sie zu, um sie tröstend in den Arm zu nehmen, doch sie wehrte ab. “Geh!“ Noch immer stand Link wie versteinert da und sah sie an. Als sie den Kopf hoch riss, liefen ihr erste Tränen über die Wangen. „Jetzt hau endlich ab!“, schrie sie ihn an und Link spürte plötzlich deutlich ihren Schmerz. Mit Tränen in den Augen drehte er sich ruckartig um und rannte über die Brücke davon, bis er in den Bäumen verschwand. „Ich werde immer an dich denken.“, versprach er Salia flüsternd, während er sich durchs Unterholz kämpfte.




    Unterwegs in der hylianischen Steppe


    Als Link durch die letzten Baumreihen hindurch seinen ersten Schritt auf die hylianische Steppe tat, verschlug es ihm beinah den Atem. Vor ihm breitete sich weites Grasland wie ein dicker, grüner Teppich aus, vereinzelte Bäume schossen majestätisch in die Höhe und über ihm erstreckte sich ein endlos erscheinender, tiefblauer Himmel, über den fluffige Wolken trieben. Mit großen, staunenden Augen ließ er seinen Blick über den Horizont gleiten. In breiten, goldenen Bahnen schickte die Sonne ihre Strahlen über die endlos wirkende Ebene. „Wow, das ist ja riesig!“ Langsam trat er aus dem Schatten der Bäume heraus und genoss die prickelnde Wärme der Frühlingssonne auf seiner Haut. Er schloss die Augen und sog die duftgeschwängerte Luft tief ein. Es war als würde sich plötzlich ein fehlendes Puzzlestück einfügen und er fühlte sich plötzlich so wohl wie noch nie in seinem Leben. Er fühlte sich zuhause. Er holte noch einmal tief Luft und schaute Navi, die ähnlich überwältigt wirkte, verträumt an. „Es ist wunderschön hier.“ „Ja, da hast du Recht. Aber wir sollten uns trotzdem beeilen, damit wir die Stadt noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen.“ Link nickte und machte sich auf den Weg, die heimischen Wälder hinter sich zu lassen.
    Mit entschlossenen Schritten marschierte er den leicht bergigen Weg entlang als er plötzlich ein lautes Rascheln in einem Baum neben ihm hörte. Erschrocken drehte er sich herum und zog instinktiv sein Schwert. „Du bist also der junge Held, der die Spinnenkönigin Gohma besiegt hat.“ Eine sprechende Eule?! Link klappte der Mund auf und er ließ beinah seine Waffe fallen, während er zur Baumkrone hoch starrte. „Du bist tatsächlich sehr jung, vielleicht zu jung... Aber das werden wir erst noch sehen. Begib dich jetzt zum Schloss. Die Prinzessin wartet sehnsüchtig auf deine Hilfe.“ Mit diesem Worten schwang sich die gigantische Eule in die Lüfte und entfernte sich mit lauten Flügelschlägen. Link blieb mit noch immer offen stehendem Mund zurück und blickte dem Vogel hinterher. „Was war das?“, fragte er Navi schließlich als er seine Stimme endlich wiedergefunden hatte. „Ich weiß es nicht genau. Aber wenn ich mich recht erinnere, erzählte der Deku-Baum einst von der Eule des Rauru.“ „Rauru?“ „Einer der sieben Weisen, die einst den Zugang zum heiligen Reich versiegelten. Als heiliges Reich bezeichnet man den Ort, an dem das Triforce aufbewahrt wird. Niemand weiß, wo es ist, und nur wenige Auserwählte wissen, wo sich der Zugang befindet.“ Ein letztes Mal warf Link einen Blick in die Richtung, in die das riesige Federvieh verschwunden war und setzte dann seinen Weg fort.


    In der Ferne zeichneten sich die hellen Stadtmauern Hyrules gegen die langsam einsetzende Dämmerung ab, doch lange bevor Link das Stadttor erreichte, hatte sich Nacht über die hylianische Steppe gesenkt. Die beiden Wanderer suchten Schutz unter einer stämmigen Eiche, deren ausladenden Äste wie ein Dach gegen Regen wirkten. Link lehnte sich gegen den Baumstamm, zog seine Stiefel aus und massierte sich die Füße, während Navi sich in seiner abgesetzten Mütze einrollte. Mit einem herzhaften Gähnen legte auch Link sich hin und zog die Beine an, um der Kälte etwas entgegen zu setzen.
    Er war schon in das Land der Träume abgedriftet und schnarchte leise, als ein unheimliches Klappern ihn aufschrecken ließ. Mit einem Ruck setzte er sich auf und tastete in der Dunkelheit nach seinem Schwert, während das Geräusch immer näher kam. Plötzlich trat eine Gestalt aus dem Schatten des Baumes heraus und beäugte Link, dem sich ein Schrei die Kehle hoch drückte, aus glühendroten Augen. Das wandelnde Gerippe schimmerte im fahlen Mondlicht in einem hellen Weiß, das seine Erscheinung noch unheimlicher machte.
    Panisch riss Link Stiefel und Mütze an sich und zückte sein Schwert, während die überraschte Navi missbilligend aufquiekte als sie gegen den Zeh eines weiteren Skeletts rollte. Schnell schoss sie auf Link zu, der auf die Füße sprang, den Rücken gegen den breiten Baumstamm presste und das Schwert abwehrend vor sich hielt. Mit wenigen harten Schwertstreichen waren die ersten Angreifer niedergestreckt, doch die nächsten Knochengerüste rückten schon an. „Ich befürchte, das hat keinen Sinn, Link.“, murmelte Navi, während sie die nicht enden wollende Angreiferflut beobachtete. „Was schlägst du vor?“, keuchte der Junge, dem die Anstrengungen des zurückliegenden Tages deutlich ins Gesicht geschrieben waren. „Nimm die Beine in die Hand und renn.“ „Toller Plan...“ Navi zuckte mit den Schultern und flog los Richtung Hyrule-Stadt. Mit einem wilden Kampfschrei schlug sich Link eine Schneise durch die Skelettreihen und rannte seiner Fee hinterher, während die ersten Sonnenstrahlen im Morgentau glitzerten.
    Laut klappernd verfolgten die Gerippe die beiden Fliehenden und Links Beine wurden vor Erschöpfung bleiern und schwer. Er begann zu straucheln und zu stolpern und stürzte in den Staub gerade als sich ein besonders großer Angreifer auf ihn stürzen wollte. Instinktiv riss er seine Klinge hoch, doch er durchschnitt nur die Luft. Resigniert kniff er die Augen zusammen und machte sich auf die Schmerzen gefasst, doch es passierte nichts. Ängstlich hob er die Lider und riss überrascht die Augen auf. Das Morgenlicht hatte das Skelett erreicht und ließ es langsam zu Staub zerfallen.
    Link setzte sich auf und atmete erleichtert auf. Navi ließ sich vor ihm auf den staubigen Boden nieder und deutete hinter ihn. „Dieser nächtliche Besuch mag unangenehm gewesen sein, aber er hat uns unglaublich voran gebracht. Link drehte sich um und zuckte angesichts der Stadtmauern aus seinem Traum unwillkürlich zusammen. Laut krachend wurde gerade die Zugbrücke herab gelassen. Navi setzte sich auf Links Schulter und strahlte ihn an. „Auf, auf! Lass uns Hyrule erkunden. Vielleicht haben wir ja Glück und finden ein Hotel, in dem wir noch ein wenig schlafen und frühstücken können.“



    Citylife


    Die Beiden traten durch das an beiden Seiten von hohen Türmen aus weißem Stein gesäumte Tor in die Stadt. Link zog die Schultern ein wenig nach vorne und blickte sich beinah ängstlich um. In seinem ganzen Leben war er nie aus dem kleinen, beschaulichen Dorf im Wald heraus gekommen und fühlte sich angesichts der hohen Mauern Hyrules, der vielen, eng beieinander stehenden Häuser und der schieren Menschenmassen unglaublich befangen.
    Von Ferne hörte man schon das laute Getümmel des Marktplatzes. „Wo wollen wir überhaupt hin gehen?“, fragte er Navi, die aufgeregt durch die Luft flatterte. Ihr schien der ganze Rummel zu gefallen, ihn machten die unzähligen Straßen und Seitengassen orientierungslos. „Ich denke, wir sollten erst einmal ins Zentrum und von da in eine Seitengasse abbiegen. Da sollten sich einige Gaststätten befinden, die nicht vollkommen überteuert sind.“ Link blieb wie angewurzelt stehen und starrte Navi an. Daran hatte er ja noch gar nicht gedacht! „Was hast du?“ Besorgt legte die Fee den Kopf schief und sah Link mit kraus gezogener Stirn an. „Nichts. Ich frage mich nur, von was wir das Zimmer bezahlen sollen. Ich hab meine ganzen Ersparnisse für den Schild ausgegeben.“ „Das ist kein Problem.“ Navi grinste wie ein Honigkuchenpferd und deutete auf den ledernen Wunderbeutel. „Da sind ein paar rote Rubine drin. Ich hatte mir gedacht, dass sie nützlich sein könnten.“ Link grinste zurück und setzte sich wieder in Bewegung. „Du überrascht mich immer wieder.“


    Nach einigen Metern betraten die Beiden den riesigen auf einem runden Platz angelegten Markt. Das bunte Treiben verschlug Link die Sprache und machte ihm beinah mehr Angst als alle Monster, denen er bisher begegnet war, zusammen. An unzähligen Ständen drängten und schubsten sich die Menschen, feilschten und brüllten laut, um die anderen zu übertönen, die im Gegenzug nur noch lauter riefen. Fleißige Burschen huschten geschäftig zwischen Ständen und Lagern hin und her und schleppten schwere Säcke mit frischen Waren an, während Mägde mit geröteten Wangen und Hausfrauen in einfachen Kleidern aus bunten Stoffen von einem Stand zum nächsten huschten und versuchten, die besten Angebote zu erhaschen. Zwischen diesem Urwald aus umher flitzenden Beinen rannten und lachten Kinder, die fangen oder verstecken spielten und dabei von laut kläffenden Hunden begleitet wurden.
    „Was für ein fürchterliches Durcheinander...“ Link ließ seinen Blick über den Platz schweifen und konnte nur mit Mühe den Reflex unterdrücken, schreiend davon zu rennen. „Fürchterlich? Nein. Herrlich! Ein herrliches Durcheinander. Hier pulsiert das Leben!“, widersprach Navi fröhlich und ihre Stimme klang dabei wie ein Glockenspiel. Link rümpfte die Nase, erwiderte aber nichts. Stattdessen hielt er Ausschau nach einer Gaststätte, um endlich eine anständige Mütze Schlaf nehmen zu können. Navi las ihm seine Gedanken an den tiefdunklen Ringen unter seinen Augen ab und führte ihn in eine enge Seitengasse, in der sich eine Schankstube an die nächste reihte.


    Nach einigem Suchen fanden sie tatsächlich eine Gaststätte, in der sie ein Zimmer beziehen konnten. Einige andere Hotels hatten sie abgewiesen, da sie nicht an ein Kind vermieten wollten. Navi, die sehr hitzköpfig sein konnte, hatte sich mit einem Besitzer beinahe angelegt, nachdem er Links Anfrage abgelehnt hatte. Nur mit Mühe hatte Link sie fangen und aus der Stube tragen können. Doch jetzt folgten sie der molligen Wirtin, die Link sein Zimmer zeigen wollte, in den ersten Stock und lächelten zufrieden. Die alten, ausgetretenen Treppenstufen knarrten leise unter jedem Schritt als wollten sie protestieren, dass sie auch nach so vielen Jahren noch immer so viel Gewicht zu tragen hatten. Vor dem dritten Raum auf der linken Seite blieb die Wirtin, eine blonde Frau in den mittleren Jahren, stehen und lächelte Link, der sich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten konnte, warm zu. „So, Kleiner, hier ist dein Zimmer. Hier kannst du dich von deiner langen Reise erholen. Wenn du später etwas essen möchtest, komm einfach runter in die Küche und ich zaubere dir etwas Feines.“ „Vielen Dank.“ Link lächelte zu der mütterlichen Frau hoch und verschwand dann in das ihm zugewiesene Zimmer.
    „Hübsch hier.“ Navi flog direkt zur Fensterbank, wo sie sich zwischen scharlachroten Topfblumen in der Sonne niederließ und die Wärme auf der Haut genoss. Link trat vor den Kamin, in dem ein leise knisterndes Feuer brannte, und streckte die Hände aus, um sich zu wärmen. Die Müdigkeit und Erschöpfung waren inzwischen so übermächtig, dass er fröstelte. Nachdem ein wenig Wärme in seine schmerzenden Glieder zurückgekehrt war, drehte er sich um, nahm Schild und Schwert ab, öffnete den Gürtel und legte alles zusammen mit seiner Mütze auf den kleinen, runden Tisch in der Mitte des Raumes. Dann trat er langsam an das weich aussehende Bett mit dem nachtblauen Überwurf, zog sich die Tunika über den Kopf und kroch nur in Unterwäsche unter die Decke. Kaum hatte sein Kopf das Kissen berührt, sank er auch schon in tiefen, traumlosen Schlaf.
    Als er die Augen wieder aufschlug, war es bereits Nachmittag. Die Sonne hatte ihren Zenit überschritten und die Schatten wurden langsam länger. Link setzte sich auf, reckte sich und sprang beschwingt aus dem Bett. „So gut habe ich lange nicht mehr geschlafen.“, verkündete er Navi, die bereits auf ihn wartete und neben seinen Waffen auf dem Tisch saß. Schnell machte er sein Bett, kleidete sich an, nahm seine Waffen wieder an sich, steckte seine Mütze griffbereit in den Gürtel und begab sich in die Küche, wo es herrlich nach frischem Essen duftete. „Ah, Link. Schon wieder wach?“ Die Wirtin lächelte ihn liebevoll an und trat neben ihn, um ihm in einer mütterlichen Geste über den Kopf zu streicheln. Link errötete leicht und versuchte, sich unter ihrer Berührung weg zu ducken, ohne unhöflich zu wirken. „Möchtest du etwas essen? Ich habe vorhin frisches Brot gebacken, das solltest du unbedingt probieren. Außerdem sind noch Kartoffeln und Schnitzel vom Mittagessen übrig.“ Sie legte ihm eine Hand auf den Rücken und schob ihn bestimmt zu einem Stuhl an einem in der Nähe stehenden Tisch. „Setz dich.“

  • Nachdem Link einen riesigen Berg Kartoffeln mit einem etwas zu zähen Schnitzel verputzt hatte und sich von der Wirtin ein großes Paket mit frischem Brot und Käse hatte aufschwatzen lassen, hatte er seine Rechnung bezahlen wollen, doch die Wirtin hatte bloß abgewinkt. Deswegen hatte er einfach seine Mütze aufgesetzt und sich auf den Weg Richtung Schloss gemacht. Nun stand er wieder auf dem unruhigen Marktplatz, auf dem noch immer erbittert um die letzten Waren gestritten wurde, und über sein weiteres Vorgehen nachdachte. „Vermutlich werden wir uns reinschleichen müssen. Ich glaube nicht, dass uns die Wachen einfach reinlassen, wenn wir sagen, dass wir Prinzessin Zelda sehen wollen.“, mutmaßte Navi, während sie neben Link über den Marktplatz schwebte. „Das wäre ja auch zu schön.“, seufzte dieser und blickte hinauf zu den hohen Türmen des Schlosses.
    Plötzlich lachte neben ihm ein junges Mädchen und Link fuhr heftig zusammen. Das Mädchen sah ihn aus großen, blauen Augen an und nestelte gedankenverloren an seinem weißen Kleid aus grobem Leinen, während sein hüftlanges, rötlichbraunes Haar von einer sanften Briese bewegt wurde. Link blickte ein wenig verlegen zurück und das Mädchen lachte erneut. „Was bitte ist so lustig?“, fragte Navi ein wenig gereizt. Die junge Brünette schaute sie überrascht an. „Beachte Navi gar nicht. Es hat ihr leider nie jemand Manieren beigebracht.“ Navi trat Link leicht gegen die Schulter und verzog schmollend den Mund, während das Mädchen erneut lachte. „Ich wusste gar nicht, dass Feen sprechen können.“ „Doch, sie können es... leider.“ Link grinste und stupste die wütend funkelnde Fee an. „Du siehst aus, als hättest du dich verlaufen, Feen-Junge.“ „Bitte?“ Verwirrt schaute der Junge seine neue Bekanntschaft an. „Du wirkst als würdest du dich unwohl zwischen all den Menschen fühlen.“ „Ja, da könntest du Recht haben. Da, wo ich her komme, gibt es solche Menschenmassen nicht.“ „Wo kommst du denn her?“ „Aus dem Wald im Süden.“ „Aus dem Kokiri-Wald?“ Link nickte und das Mädchen brach in schallendes Gelächter aus. „Du bist wirklich ein lustiger Zeitgenosse.“ Link zog irritiert die Augenbraunen zusammen, weil er nicht verstand, was an seiner Antwort so lustig sein sollte, doch sein Gegenüber ließ ihn gar nicht mehr zu Wort kommen. Ich bin übrigens Malon. Und du?“ Das Mädchen streckte ihm eine Hand entgegen, die Link nach einem kurzen Zögern ergriff. „Link. Freut mich, dich kennen zu lernen, Malon.“ „Link? Hm... Also Feen-Junge gefällt mir besser. Ich glaub, dabei werde ich bleiben.“ „Das ist... äh... schön, aber ich muss jetzt leider weiter.“ „Mach’s gut, Feen-Junge!“, rief Malon ihm hinterher, als er sich mit großen Schritten entfernte und Richtung Schloss eilte.
    Navi blickte noch immer sauer und brummte: „Unser Link ist ein Frauenheld. Wer hätte das gedacht?“ Link streckte ihr die Zunge raus und warf ihr einen amüsierten Seitenblick zu. „Ich frage mich bloß, was daran so lustig gewesen sein soll, dass ich gesagt habe, dass ich aus dem Kokiri-Wald komme...“ Navi seufzte und richtete ihre Augen auf einen imaginären Punkt in weiter Ferne. „Normale Hylianer können den Wald nicht betreten, ohne ihr Leben auszuhauchen. Hylianer, die sich in den Kokiri-Wald verirren, werden mit einem Fluch belegt und in Pflanzen verwandelt.“ Link riss erschrocken die Augen auf und starrte Navi an, die geistesabwesend in die Ferne schaute. Der Schreck über die Grausamkeit des Fluches lenkte ihn sogar davon ab, dass er sich über die Formulierung „normaler Hylianer“ gewundert hatte.
    Bis sie das Schloss erreichten, sprachen die Beiden kein Wort mehr und hingen ihren eigenen Gedanken nach. Navi erinnerte sich an den schmerzerfüllten Tag, an dem eine junge Mutter sich mit ihrem Baby vor dem damals wild tobenden Krieg in den Wald geflüchtet hatte, und Link dachte mit schwerem Herzen an Salia, die er schrecklich vermisste.




    Im Schloss


    Als sie das Schloss erreichten, hatte sich bereits die Dämmerung herab gesenkt und abendlicher Nebel schwebte kurz über dem Boden. „Das Wetter kommt uns gelegen.“, überlegte Navi, während Link nach einer Möglichkeit suchte, das große Eingangstor zu umgehen. „Bei dem Nebel dürfte es den Wachen schwer fallen, uns auszumachen.“ „Das werden wir gleich sehen.“ Link deutete auf eine kräftige Kletterpflanze an der Wand, an der man bis zu einem Felsvorsprung klettern konnte. So schnell er konnte erklomm er die Felswand und schlich über das Mauerwerk des Tors, doch in diesem Moment stieg gerade ein Soldat, der seine Pause mit einem Kaffee versüßen wollte, die Leiter in dem Dach des Tors zum Pausenraum herab und entdeckte den Jungen. Unsanft wurde Link heraus geworfen und stürzte in den Dreck, während Navi dem Wachmann einen Schwall Schimpfworte hinterher schickte.
    Frustriert klopfte Link den Schmutz aus seinen Kleidern und schlurfte mit finsterer Miene wieder in Richtung Stadt davon. „Ich vermute, ein zweiter Versuch hat heute keinen Sinn mehr. Jetzt sind die Wachen vorgewarnt.“ Wütend trat er gegen einen herum liegenden Stein, der mit einem lauten Krachen knapp neben einem Kopf mit rotbraunem Haar einschlug. „Malon! Entschuldige bitte! Ich hab dich gar nicht gesehen.“ „Kein Problem.“ Das Mädchen lächelte ihn herzlich an. „Du versuchst ins Schloss zu kommen?“ Link nickte und guckte deprimiert. „Ja, aber das kann ich mir jetzt wohl abschminken.“ Malon legte den Kopf schief und überlegte kurz. „Ich werde dir helfen, aber dafür musst du mir einen Gefallen tun. Mein Vater ist heute morgen aufgebrochen, um Milch auszuliefern, und ist bis jetzt noch nicht zurück gekehrt. Ich bin mir sicher, er ist mal wieder irgendwo eingeschlafen. Deswegen bitte ich dich darum, Ausschau nach meinem Vater zu halten, wenn du da drin bist, und ihn nach Hause zu schicken, wenn du ihn findest. Hier, nimm dies. Es wird dir bei meinem Vater gute Dienste leisten.“ Malon kicherte leise und reichte Link ein schlafendes Huhn. „Sobald die Sonne aufgeht, wacht dieses kleine, fleißige Tierchen auf und kräht dann auf Befehl. Du musst ihm einfach nur den Hals kraulen.“
    Plötzlich beugte sich das Mädchen vor, hauchte dem verblüfft aus der Wäsche guckenden Link einen Kuss auf die Wange und lief dann zum Tor, um die Wachen in ein Gespräch zu verwickeln. Link steckte das schlafende Tier in seinen Wunderbeutel und hoffte, dass ihm das nicht schadete. Sobald er den Felsvorsprung erreicht hatte, befreite er das Huhn wieder aus dem Ledersack, tastete sich leise weiter und sprang in die Tiefe. Geschickt rollte er sich auf dem Boden ab, wobei er das Federvieh mit seinem Körper vor Verletzungen schützte, und schlich durch den weitläufigen Park auf das riesige Schlossgebäude zu.


    Schon von Weitem konnte er die großen Holzkisten mit dem aufgedruckten Kuhkopf sehen, die vor dem Bediensteteneingang abgeladen worden waren. Neben dem Kuhkopf prangte auf jeder Seite in dicken, braunen Lettern das Wort „Lon-Lon-Farm“. Link schlich um die Kisten herum und entdeckte einen großen, dickbäuchigen Mann in blauer Latzhose, der sich auf dem Boden zusammengerollt hatte und in tiefen Schlaf gesunken war. „Das ist wohl der Vater des Mädchens.“, vermutete Navi, die bei diesem Anblick angewidert die Nase kraus zog. „Na, dann werden wir ihn doch mal wecken.“ Vorsichtig setzte der Junge das ihm anvertraute Huhn ab und trat an den Schlafenden heran, um ihn ordentlich zu schütteln. „Hey! Aufstehen!“, befahl er flüsternd, doch sein Gegenüber zeigte keinerlei Reaktion und schnarchte munter weiter. Link begann den Mann so heftig zu rütteln, dass dessen Zähne aufeinander schlugen, doch noch immer blieb sein Unterfangen ohne Erfolg.
    Resignierend ließ er den Schlafenden wieder auf den Boden sinken und sah Navi keuchend an: „Offensichtlich hatte Malon Recht und wir brachen das Huhn, um ihren Vater zu wecken.“ „Richtig... Das wacht aber erst im Morgengrauen auf. Was machen wir so lange?“ „Schlafen.“ Navi entgleisten sämtliche Gesichtszüge und sie starrte ihren Begleiter wütend an: „Was?! Aber dadurch verlieren wir nur unnötig Zeit! Du bewegst jetzt sofort deinen Elfenhintern in dieses Schloss!“ „Jetzt reg dich ab, Navi. Malons Vater liegt im Weg, deswegen müssen wir wohl warten, bis er weg ist.“ Link begann, sich einen windgeschützten Platz zwischen den Kisten zu suchen. „Der Mann liegt im Weg? Ach ja?“ Die Fee zog abfällig blickend die rechte Augenbraune in die Höhe und schaute zum Bediensteteneingang rüber. Link folgte ihrem Blick, rollte sich dann aber gähnend zwischen den Kisten zusammen. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich einfach durch diese Tür spazieren kann... ‚Guten Tag, ich bin Link. Ich möchte Prinzessin Zelda sehen, aber keine Angst, ich habe keine unlauteren Absichten.’ Ja, klar...“ Navi ließ sich neben ihm auf dem Boden nieder. „Ja, da hast du vermutlich Recht...“, überlegte sie, während sie auf der Unterlippe kaute. „Wie sieht dein Plan aus?“ „Siehst du den Abwasserschacht dort drüben?“ Link deutete über den Schlossgraben und Navi verzog angewidert das Gesicht. „Da flieg ich nicht durch!“ „Wirst du wohl müssen.“ „Hmpf.“ „Aber keine Angst: Wie es aussieht ist das lediglich der Abfluss für die künstlichen Gewässer der Innenhöfe – nicht für die königlichen Toiletten.“ Link kicherte leise bei dem Gedanken daran, Navi bei Gelegenheit mal in ein Abwasserrohr zu werfen, und schlief ein.


    Die Sonne schickte ihre ersten, goldenen Strahlen über die saftiggrünen Wiesen des Schlossparks, erfasste das Schloss selbst und ließ die in den Steinen des Mauerwerks eingeschlossenen Minerale glitzern, sodass es aussah als wären die Mauern mit Edelsteinen besetzt. Langsam tasteten sich die Sonnenstrahlen weiter und erreichten schließlich das junge Huhn, das gegen Link gelehnt zwischen den Kisten noch immer schlief. Das Sonnenlicht breitete sich wie eine Decke über das ganze Gelände aus und während Link sich noch einmal wohlig seufzend umdrehte und weiterschlummerte, begannen die Augenlider des Huhnes zu flattern.
    Mit einem ohrenbetäubenden Gackern öffnete es die klaren, schwarzen Augen auf und riss damit Link, Navi und den dickbäuchigen Milchbauern aus dem Schlaf. Der Junge sprang vor Schreck mit einem Satz auf die Beine und starrte ungläubig das Huhn an, das – nun wieder still – fröhlich durch die Gegend lief. „Heiliger Deku...“, stammelte auch Navi, die auf Links Brust geschlafen hatte und beinah in den Schlossgraben gepurzelt wäre, als der Junge so überstürzt auf die Füße gesprungen war. Lediglich der schwarzhaarige, fast kahle Mann schien von der Lautstärke des zierlich aussehenden Huhns kein Stück überrascht.
    Er reckte sich und kniete sich dann vor das Federvieh, das sich bereitwillig von ihm kraulen ließ. „Na, Krawall, wie bist du denn hier her gekommen?“ Der Mann schaute zu Link und Navi herüber und grinste die Beiden breit an: „Hi, ich bin Talon. Malon hat euch geschickt, richtig?“ „Ja, Sir.“ Link nickte steif und kam sich fürchterlich lächerlich dabei vor. Navi seufzte und verdrehte die Augen: „Ja, Ihre Tochter hat uns geschickt. Die Arme macht sich fürchterliche Sorgen um ihren stinkfaulen Vater, der es nicht einmal schafft, einen so einfachen Job wie eine Milchlieferung abzuschließen, ohne dabei in einen Tiefschlaf zu fallen, auf den Tote neidisch wären!“ Link blickte die Fee, deren ganze Körperhaltung Feindseligkeit ausdrückte, mit weit aufgerissenen Augen an. Talon starrte ebenfalls eine Zeit lang in Navis wütend glitzernden Augen, schnappte sich dann das junge Huhn und rannte in einem Affenzahn davon.
    Link schaute ihm ein wenig hinterher und begann dann, die Kisten zu verschieben. Er schob eine von Beiden ein Stück über die Kante des Schlossgrabens und kletterte auf sie. Dann holte er einmal tief Luft, konzentrierte sich, nahm auf der Kiste so viel Anlauf wie möglich und sprang beherzt über den Wassergraben. Auf der anderen Seite angekommen, kroch er durch den engen Schacht in die Innenhöfe.


    Sein Weg führte Link durch mehrere kleine Höfe, die allesamt von wunderschön angelegten Gärten mit dunkelgrünem Rasen, buschigen, saubergeschnittenen Hecken und kunstvollen Springbrunnen dominiert wurden. Leider hatte der junge Recke keine Möglichkeit, sich an der Schönheit der Innenhöfe zu erfreuen, da er seine ganze Konzentration dafür brauchte, sich an den Wachen vorbei zu schleichen. Als er sich gerade an einem mächtigen Springbrunnen entlang drückte, konnte er ein Gespräch zwischen zwei Soldaten belauschen, die ihre Arbeit nicht ganz so ernst nahmen: „Warum müssen wir eigentlich die Schichten mal wieder doppelt besetzen?“ „Die Prinzessin hält sich im hintersten Innenhof auf. Du weißt, wie besorgt der König um sie ist.“ Link und Navi grinsten sich vielsagend an. Jetzt kannten sie ihr genaues Ziel.
    Schnell rannte der Junge durch die Innenhöfe, immer darauf bedacht, den wachsamen Augen der Wachmänner zu entgehen – auch wenn das in einem Fall bedeutete, dass er sich kopfüber in einen Busch stürzen musste. Mit säuerlicher Miene rieb er sich die aufgeschrammten Arme, während Navi sich auf die Unterlippe beißen musste, um ein Lachen zu unterdrücken. Schließlich betraten die Beiden einen runden Hof, der sehr viel größer war als die anderen, die sie auf ihrem Weg durchquert hatten. Zunächst huschte Link von einem Schatten zum nächsten und presste sich dicht an die Wände, um nicht aufzufallen, bis er bemerkte, dass sich in diesem Innenhof gar keine Wachen befanden.


    Langsamen Schrittes überquerte er den mit roten und gelben Blumen gespickten Rasen und trat vor eine kleine Treppe, die zu einem Podest vor einem breiten Fenster führte, durch das man in den Thronsaal sehen konnte. Vor diesem Fenster stand in leicht gebückter Haltung ein etwa zwölfjähriges Mädchen in einem langen weißlila Kleid, das wie gebannt in den Saal starrte und Link gar nicht bemerkte, bis er sich zaghaft räusperte. Ganz langsam, beinah wie in Zeitlupe drehte das Mädchen sich um. Auf ihrem Gesicht stand das blanke Entsetzen und pure Ungläubigkeit, als es Link erblickte. Die tiefblauen Augen waren weit aufgerissen und die blassrosa gefärbten, fein geschwungenen Lippen standen ein wenig offen, als würde das Mädchen seine Überraschung in Worte fassen wollen. Es konnte nicht fassen, dass jemand die Sicherheitsvorkehrungen der königlichen Garde hatte umgehen können.
    Als Link in das Gesicht des Mädchens erblickte, wurde er blass und trat erschrocken einen Schritt zurück. Navi sah ihn ein wenig irritiert von der Seite an, doch er schüttelte bloß den Kopf. Er brauchte ein paar Sekunden, um seine Überraschung und Verwirrtheit niederzukämpfen. Dieses Mädchen war das Mädchen aus seinem Traum, das ihn mit dieser unnatürlichen Intensität angesehen hatte. Was hatte das zu bedeuten?


    Link hob wieder seinen Blick, den er abgewandt hatte, um sich zu beruhigen, und schaute wieder in die großen Augen mit dem seltsamen Lilastich seiner Gegenüber, die ihn mit schief gelegtem Kopf durchdringend musterte. „Du bist ein Feen-Junge aus dem Wald, nicht wahr?“ Zum ersten Mal hörte Link die zarte, melodische Stimme, die zu dem Mädchen aus seinen Träumen gehörte, und machte unwillkürlich noch einen Schritt zurück. „Ja, das bin ich.“ Seine Stimme klang unsicher und Link versuchte sich geräuschlos zu räuspern, um ihr ihre Festigkeit zurückzugeben. Auf einmal leuchteten die Augen des Mädchens auf und es klatschte aufgeregt in die Hände, was Link noch ein Stück zurückweichen ließ. Diese plötzliche Begeisterung war ihm nicht geheuer. „Zeig mir den Stein! Oh, bitte, zeig mir den Stein! Du hast diesen glitzernden, grünen Stein mit der Goldfassung doch dabei, oder?“ Link legte die Stirn in Falten und versuchte, in den lilablauen Augen, die auf ihn gerichtet waren, irgendwelche Hintergedanken zu lesen. Woher wusste dieses Mädchen von dem Kokiri-Smaragd? Unbewusst legte er eine Hand auf den ledernen Beutel an seinem Gürtel und drehte die rechte Körperhälfte weg, um den Beutel vor den Blicken des Mädchens zu verbergen. Er verengte die Augen zu Schlitzen und blickte seine aufgeregt von einem Fuß auf den anderen tretende Gegenüber durchdringend an. Dieses unbesonnen und naiv wirkende Mädchen konnte doch unmöglich Prinzessin Zelda sein. „Ich weiß nicht, von was du redest.“, zischte er und wandte sich noch mehr ab. „Oh.“ Das Mädchen senkte den Kopf und seine Stimme wirkte mit einem Mal klein und dünn. Dann straffte es plötzlich die Schultern, riss das Haupt wieder in die Höhe, strich eine blonde Strähne, die ihm aus der lilaweißen Haube gerutscht war, zurück und blickte mit einem kalten, arroganten Ausdruck auf Link herab. „Wer bist du überhaupt und woher nimmst du die Frechheit, dich in die königlichen Gärten einzuschleichen? Was erlaubst du dir?“ Der Junge versuchte, eben so eisig und vor allem festentschlossen zu wirken. „Ich habe eine dringliche Botschaft für Prinzessin Zelda. Ich hoffe, Ihr versteht, dass ich diese Botschaft nur der Prinzessin selbst überbringen darf und dass Ihr Euch im Klaren darüber seid, dass es nur in Eurem Interesse sein kann, mit mir zu kooperieren. Ihr wollt doch nicht den Zorn der Thronfolgerin auf Euch ziehen, bloß weil der Bote euch unsympathisch ist. Ich hatte gehört, die Prinzessin befände sich in diesem Innenhof, doch ich scheine sie verpasst zu haben. Hättet ihr bitte die Freundlichkeit, mir zu sagen, wo ich sie finde?“ Navi schaute ihn mit einem stolzen Glänzen in den Augen an. Mit den leicht verengten Augen, den aufeinandergepressten Lippen und der felsenfesten Entschlossenheit in seiner Stimme wirkte er tatsächlich wie ein Held und nicht bloß wie der leicht tollpatschige Junge, der er normalerweise war.
    Das Mädchen schürzte die Lippen und betrachtete Link nachdenklich, dann wanderte ihr Blick weiter zu Navi. Als es schließlich zu einem Schluss gekommen war, lächelte es wieder. „Es tut mir leid.“ Seine Stimme klang warm und die aufgesetzte, eisige Arroganz schien wieder vollständig verflogen. „Ich war wegen deines Erscheinens so aufgeregt, dass ich ganz vergessen habe, mich vorzustellen.“ Das Mädchen räusperte sich und schob die eigenwillige Haarsträhne, die ihm schon wieder ins Gesicht hing, zurück unter die Haube. „Ich bin Zelda, Prinzessin von Hyrule, Nachfahrin des von den Göttinnen gesegneten Königsgeschlechts.“ Links Gesichtszüge entglitten ihm für einige Momente und er konnte nichts weiter tun als das Mädchen anzustarren. Noch vor wenigen Minuten hatte es wie ein ungestümes Kleinkind gewirkt, doch jetzt war es von einer unbestimmten Autorität umgeben, die jeden seiner Zweifel im Keim erstickten.
    Dennoch fuhr er sich mit der Zunge über seine trockenen Lippen und fragte trotzig: „Ihr seid Zelda? Verzeiht, wenn ich Euch das nicht einfach so glauben kann. Die Botschaft ist wirklich streng vertraulich und ich habe den Auftrag, sie ausschließlich der Prinzessin auszurichten.“ Das Mädchen nickte, winkte ihn zu sich herüber und streckte die linke Hand aus, als er neben es trat. Geradezu ehrfürchtig berührte Link die langen, filigranen Finger und betrachtete eingehend den Siegelring, der an dem Mittelfinger steckte. „Ihr seid tatsächlich Prinzessin Zelda.“, flüsterte er, während er die feinen Ornamente und das Triforce-Zeichen auf dem Ring begutachtete. „Ja, die bin ich.“ Das Mädchen nickte und sah ihn dann mit schief gelegtem Kopf an. „Dürfte ich jetzt erfahren, wer du bist und was du mir so wichtiges mitzuteilen hast?“
    Der Junge trat einen Schritt zurück und nahm als Zeichen seiner Ehrerbietung die Mütze ab, sodass sein langes, braunes Haar in der Morgensonne seidig schimmerte. „Mein Name ist Link. Der Deku-Baum schickt mich.“ Für einen kurzen Augenblick flackerte ein unbestimmtes Erkennen in Zeldas Augen auf. „Link...“, murmelte sie, „Link... Dieser Name kommt mir seltsam vertraut vor, auch wenn er neu für meine Ohren ist. Es ist, als hätte ich ihn in einem früheren Leben schon einmal gehört und hätte ihn seither in meinem Herzen bewahrt.“ Sie legte den Kopf schief und sah Link mit einem scheuen Lächeln an. „Das klingt unglaublich kitschig, oder?“ Link, der selbst das Gefühl hatte, Zelda schon länger als nur ein paar Minuten zu kennen, schüttelte den Kopf. „Nein. Es klingt... irgendwie treffend. ...Und ein bisschen kitschig.“, fügte er mit einem Grinsen hinzu. Zelda streckte ihm die Zunge heraus und grinste zurück. „Für einen heimlichen Eindringling bist du ganz schön frech.“, neckte sie ihn mit einem schelmischen Blitzen in den Augen.
    Navi hüstelte und zog verstimmt die Stirn kraus, als Link und Zelda zu ihr aufsahen. „Es ist ja wunderbar, dass ihr euch so gut versteht und ich unterbreche eure Flirterei ja wirklich nur ungern, aber wir sind nicht zum Spaß hier.“ Blut schoss den beiden Halbwüchsigen in die Wangen und sie wandten sich schnell voneinander ab, um ihre Schamesröte zu verbergen. „Navi hat Recht.“, setzte Link an und räusperte sich, um die Prinzessin einzuweihen. „Der Deku-Baum hat mich hergeschickt, weil das Triforce in Gefahr ist. Ein Dämon aus der Wüste versucht, es in seine Hände zu bekommen. Das müssen wir um jeden Preis verhindern!“ „Ein Dämon aus der Wüste...“, Zeldas Stimme klang weit entfernt und ihre Augen wirkten wie von einem Schleier verhangen. „Ja, genau. Der Deku-Baum sagte, ich solle dir das hier geben, um dich von der Wahrhaftigkeit meiner Worte zu überzeugen.“ Link griff in seinen Wunderbeutel und holte den heiligen Schatz des Waldes heraus. Vorsichtig übergab er ihn an Zelda, die beinahe zärtlich über dessen glatte Oberfläche strich. „Der Kokiri-Smaragd. Der heilige Stein des Waldes, der einst Farore gehörte.“, murmelte sie vor sich hin, während sie in die Ferne starrte. Dann richtete sie ihren Blick wieder auf Link und sah ihn ernst an. Mit einem Mal wirkte sie wie eine echte Herrscherin, die Verantwortung für ein ganzes Land trug, und nicht mehr wie das überschwängliche Mädchen, das sie vorher gewesen war. „Okay. Ich glaube und vertraue dir.“, setzte sie an und schaute Link tief in die Augen, um den folgenden Worten mehr Ausdruck zu verleihen.


    „Weißt du, ich hatte die letzten Wochen jede Nacht wieder ein und denselben Traum.“ Link nickte verständnisvoll. Wie sich das anfühlte, wusste er nur all zu genau. „In diesem Traum sehe ich das ganze Land Hyrule unter mir ausgebreitet und über der Gerudo-Wüste im Westen türmen sich tiefschwarze Sturmwolken auf. Diese Wolken überziehen nach und nach ganz Hyrule und unser schönes Land versinkt in Finsternis und mit dieser Finsternis kommt das Leid. Unsägliches Leid senkt sich über uns alle.“, Zelda schniefte kurz und ihre Stimme vibrierte leicht, als sie die Emotionen niederrang, die durch die Erinnerung an diesem Traum ausgelöst wurden. „Doch plötzlich durchbricht ein goldener Lichtstrahl die Wolkendecke. Dieses Licht kommt direkt aus dem Kokiri-Wald im Südosten und breitet sich immer weiter aus. Es wird strahlender und strahlender und drängt die schwarzen Wolken immer weiter zurück, bis sie sich schließlich ganz auflösen. Dann verwandelt sich das Licht und es wird zu einem grüngewandeten Jungen, der von einer Fee begleitet wird und den Kokiri-Smaragd in der Hand hält.“ Link sah sie mit weit aufgerissenen Augen an und Zelda nickte langsam. „Genau, dieser Junge bist du. Ich habe dich gleich erkannt, als ich mich umgedreht habe, doch ich war so überwältigt, dass ich nicht begreifen konnte, was ich sah.“ Link nickte wieder – auch das konnte er nur zu gut verstehen.
    Er wollte ihr gerade erzählen, dass auch er von ihr geträumt hatte, als sie die Rede wieder aufnahm. „Jetzt weiß ich, wer das Licht aus meinem Traum ist... und ich glaube, ich weiß auch, für wen die Wolken stehen.“ Ihre Stimme wurde immer leiser, während sie sprach, bis sie nur noch flüsterte. „Wirf einen Blick durch dieses Fenster.“ Zelda wies mit einem Kopfnicken hinter sich und trat zur Seite. Mit langsamen Schritten ging Link auf das Fenster zu. Sein Herz hämmerte wie wild gegen seine Rippen und er spürte einen beinah übermächtigen Fluchtreflex. Er ahnte, was er im Thronsaal erblicken würde. Dennoch zwang er sich weiter vorwärts, bis er das Fenster erreicht hatte. Er atmete noch einmal tief durch und hob dann den Kopf.
    Als er den hochgewachsenen Mann im Thronsaal erblickte, krampften sich alle seine Muskeln schmerzhaft zusammen und ihm drehte sich der Magen um. Dort auf dem marmornen Boden kniete der dämonische Reiter aus seinen Träumen und schien mit dem König zu sprechen. Link stieß keuchend Luft aus seinen Lungen und musste sich an der Fensterbank festhalten, als ihn mit einem Mal ein Schwindel erfasste. Als Traumgestalt war dieser rothaarige Hüne schon furchteinflößend genug, doch ihn so real vor sich zu sehen, drohte Link zu überfordern. Er holte ein paar Mal tief Luft und versuchte, sich zu beruhigen, als Zeldas Stimme wie durch Watte an seine Ohren drang: „Das ist Ganondorf, der König der Gerudo. Er hat meinem Vater die ewige Treue geschworen, aber ich glaube ihm nicht. Die Gerudo sind ein altes Geschlecht aus der Wüste. Sie sind allesamt Diebe. Doch das ist es nicht, weshalb ich an der Aufrichtigkeit Ganondorfs zweifle. Die Gerudo mögen Diebe sein, aber sie sind durchaus ehrenhaft. Dieser Mann da ist einfach skrupellos. Er strahlt eine unglaubliche Bösartigkeit und tiefe Finsternis aus. Ich bin mir sicher, dass die Wolken für ihn stehen. Er wird Verderben über Hyrule bringen, wenn man ihn nicht aufhält.“
    Link schloss die Augen und versuchte noch immer, das Schwindelgefühl zu vertreiben, während Zelda immer weitersprach. „Ich habe natürlich versucht, mit meinem Vater darüber zu reden, aber er glaubt mir nicht, dass der Traum eine Bedeutung hat. Ich fühlte mich so hilflos. So allein.“ Sie griff nach Links Hand und drückte sie leicht, als dieser sie ansah. „Aber jetzt bist du ja hier. Du glaubst nicht, wie viel sicherer ich mich deswegen fühle.“ Sie lächelte ihn sanft an, doch er wandte sich ab, weil er spürte wie seine Wangen schon wieder zu brennen begannen. Was war das für ein Gefühl? Warum fühlte er sich so leicht im Kopf, wenn sie ihn anlächelte? Warum wollte er sie in den Arm nehmen und ins Ohr flüstern, dass alles gut werden würde? Warum fühlte es sich so verdammt gut an, dass sie seine Hand in ihrer hielt?
    Seine Gedanken wirbelten wild durch seinen Kopf wie trockenes Herbstlaub im Wind, doch dann traf er plötzlich den stechenden Blick Ganondorfs, der aus dem Fenster blickte. Erschrocken quiekte Link auf und wich zurück, doch Zelda legte ihm beschwichtigend die Hand auf den Unterarm. „Er ahnt nicht, dass wir seine Pläne kennen. Keine Angst.“ Sie lächelte und alle Befürchtungen, die ihm eben noch durch den Kopf geschossen waren, lösten sich in Wohlgefallen auf.


    „Aber wie können wir ihn aufhalten?“, fragte Link, während er Ganondorf, der sich im Thronsaal neben einigen Soldaten postiert hatte, verstohlen aus dem Augenwinkel musterte. „In einer Legende, die von Generation zu Generation innerhalb der Königsfamilie weitergegeben wird, heißt es, man brauche vier Dinge, um das Portal zum Heiligen Reich zu öffnen. Zum einen braucht man die drei heiligen Steine der Göttinnen: den grasgrünen Anhänger der Farore, den feuerroten Stein aus dem Diadem der Din und einen wasserblauen Ohrring der Nayru. Doch mit den heiligen Steinen alleine, kann man das Portal nicht öffnen. Man braucht außerdem noch ein Relikt, das seit Anbeginn der Zeit im Besitz der königlichen Familie ist.“ Zelda beugte sich so weit vor, dass ihre Lippen fast Links Ohr berührten, und flüsterte: „Die Okarina der Zeit.“
    Link musste unwillkürlich an die Okarina in seinem Beutel und an Salia denken und blickte ein wenig beschämt. Warum fühlte er sich, als würde er sie betrügen, wann immer Zelda ihn anlächelte und sein Herz einen Sprung machte? „Ich schlage vor, du brichst wieder auf und suchst nach den fehlenden Steinen. Ich werde hier bleiben und die Okarina beschützen.“ Zelda gab ihm den Kokiri-Smaragd zurück. „Den hier nimmst du am besten wieder mit, damit Ganondorf keinen Verdacht schöpfen kann.“ Link nickte und verstaute den Stein wieder in dem kleinen Lederbeutel. Zelda legte angesichts der geringen Größe des Beutels verwundert die Stirn in Falten, sagte aber nichts. Stattdessen griff sie nach einem Block und einem Stift, die in der Nähe lagen. Offensichtlich hatte die Prinzessin gezeichnet, bevor der König der Gerudos sie abgelenkt und dazu veranlasst hatte, durch das Fenster zu blicken.
    Schnell bewegte sie den Stift über das Papier, riss es heraus und reichte es Link. „Sollte es Probleme geben, kannst du dich mit diesem Brief als meinen persönlichen Diener ausweisen.“ Der Junge steckte den Brief ein, blickte noch einmal in Zeldas ungewöhnliche Augen und wandte sich dann, um zu gehen. „Warte!“ Link drehte sie um und betrachtete die junge Prinzessin, die unschlüssig auf der Unterlippe kaute. Schließlich siegte ihre warmherzige Natur über ihr anerzogenes Ständedenken und sie drückte den überrascht blickenden Link fest an sich. „Pass auf dich auf! Ich werde hier mit der Okarina auf dich warten und dann werden wir zusammen das Triforce dazu nutzen, um Ganondorfs Pläne zu vereiteln.“ Sie drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und lächelte ihn an, während er überrascht die Augen aufriss. „Aber jetzt geh. Impa, meine Gouvernante wird dich aus dem Schloss geleiten, damit du nicht gefangen genommen und in den Kerker geworfen wirst.“ Vorsichtig strich Link Zelda mit dem Fingerknöchel über die Wange, nickte, sprang die wenigen Stufen des Podests herab und trabte auf die junge Frau auf der anderen Seite des Innenhofes zu.


    Impa stand im Schatten des hohen Mauerwerks und blickte den Jungen, der auf sie zu kam, prüfend an. Es war tatsächlich der Junge aus Zeldas Träumen. Genau so hatte die Prinzessin ihn immer und immer wieder beschrieben. Die junge Frau ließ ihren Blick zu Zelda gleiten und betrachtete sie nachdenklich. Der Junge aus ihrem Traum war tatsächlich aufgetaucht, doch bedeutete das wirklich, dass der Traum prophetischen Charakter hatte? Impa dachte daran, was alles hätte passieren können, hätte der König die Worte seiner Tochter ernst genommen und Ganondorf öffentlich angeklagt. Die Gerudos hätten das niemals auf sich sitzen lassen und Hyrule wäre in einen schrecklichen Krieg gestürzt worden.
    Das Herz der Prinzessin war rein und aufrichtig, doch Zelda war noch zu jung und zu naiv, um die politischen Geschicke um sich herum zu verstehen. Dennoch würde sie Hyrule eines Tages eine weise und gerechte Herrscherin sein. Sollte es ihr und dem Jungen tatsächlich gelingen, das Triforce zu erlangen, stünde Hyrule ein goldenes Zeitalter bevor. Impas Blick wanderte wieder zurück zu Link, der inzwischen den halben Hof durchquert hatte.


    Doch konnten sie diesem Jungen wirklich glauben? Was würde mit Hyrule passieren, wenn er eigene Ziele verfolgte und sich in diesem kindlichen Körper ein dämonischer Geist verbarg? Er war im Besitz des Kokiri-Smaragds, das hatte Impa sehen können, als er den heiligen Stein Zelda gereicht hatte. Der Deku-Baum hatte ihm also offensichtlich vertraut, sonst hätte er dem Jungen nicht den größten Schatz des Waldes überlassen. „Also sollte ich ihm ebenso trauen.“, dachte Impa, während sie Links glänzendes Haar betrachtete, das sanft vom Wind bewegt wurde. Der Schutzpatron der Wälder kannte seine Schutzbefohlenen inn- und auswendig und wer war sie schon, dass sie sich erlauben konnte, dessen Urteil in Zweifel zu ziehen? Dennoch blieb ein leichtes Gefühl von Unbehagen, bis sie in die großen, klaren Augen Links blickte, der ein wenig schüchtern zu ihr hoch sah. In diesem tiefen Blau spiegelte sich eine Aufrichtigkeit, die Impa bisher nur von Zeldas Augen kannte.
    Sie legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter und lächelte ihn freundlich an. „Du bist also der sehnlichst erwartete Feen-Junge.“ Link lächelte scheu zurück und nickte. Es bereitete ihm Unbehagen, dass er eine so große Rolle in einer Mission spielen sollte, von deren Gelingen das Schicksal des ganzen Landes abhing. Zudem fühlte er sich seltsam, nun auch noch der zweiten Reiterin aus seinem Traum gegenüber zu stehen. „Wunderbar. Wir zählen auf dich, junger Held.“ Impa lächelte erneut und kniete sich dann vor ihn, damit er sie verstand, als sie im Flüsterton weiter sprach: „Die Prinzessin hat dir einen Brief gegeben, um dich auszuweisen, doch du wirst auf deiner Reise mit Sicherheit auch Sturköpfen begegnen, die sich nicht von der Authentizität des Briefes werden überzeugen lassen. Für diese Fälle werde ich dir jetzt ein Lied beibringen, das nur die engsten Vertrauten des hylianischen Könighauses und die Regenten der anderen Geschlechter kennen. Es ist ein altes Wiegenlied, das ich vor vielen Jahren auch für Zelda gesungen habe, wenn sie nicht schlafen konnte. Merk dir die Melodie gut.“ Impa schloss die Augen und begann, eine wunderschöne, leicht wehmütige Melodie zu summen. Link lauschte konzentriert und versuchte, sich jede einzelne Note einzuprägen. Dann holte er seine Okarina heraus, die er von Salia geschenkt bekommen hatte, und spielte so leise wie möglich das königliche Wiegenlied nach. Zeldas Gouvernante schlug die Augen auf, richtete sich wieder auf und lächelte ihn wohlwollend an. „Sehr gut, du kannst es. Du hast ein ausgezeichnetes Gehör. Jetzt sollten wir uns beeilen und aufbrechen. Du hast noch eine weite Reise vor dir.“


    An Impas Seite schritt Link durch die Gärten, deren Schönheit er auf seinem Hinweg nur am Rande wahrgenommen hatte. Jetzt betrachtete er verträumt die bunten Blumen, das weiche, saftige Gras und das kristallklare Wasser in den Bachläufen und Brunnen.
    Als sie in der äußeren Parkanlage an einer Weggabelung vorbei kamen, blieb Impa stehen und schaute in die Sackgasse zu ihrer Linken. Link folgte ihrem Blick und betrachtete ein wenig verwirrt die Felsen, die nach einem Erdrutsch am Ende des Weges lagen. Warum war Impa hier stehen geblieben? Er schaute zu der großen, schlanken Frau mit dem kurzen weißblonden Haar hoch, als sie sich wieder in Bewegung setzte. Als sie ein paar Schritte gegangen waren, fragte Impa leise: „Du hast vorhin in der Sackgasse, den leicht vorstehenden Felsen gesehen, nicht wahr?“ Link nickte und sah sie irritiert an. Auf was wollte sie heraus? „Solltest du irgendwann einmal in Besitz von Bomben kommen, kehr hierher zurück und versuch, diesen Felsbrocken wegzusprengen. Einer Legende zufolge soll sich dahinter eine Feen-Quelle befinden. Der Legende nach soll es drei Feenschwestern gegeben haben – allesamt mächtige Feenköniginnen. In ihrer Macht unterstanden die Schwestern nur den drei Göttinnen, doch das reichte ihnen nicht. Um ihre Macht zu vergrößern sollen sie der Legende nach die stärksten Zauber der Göttinnen gestohlen haben. Die Göttinnen seien daraufhin fürchterlich entzürnt gewesen sein, heißt es. Angeblich stritten sie sich heftig mit den Feenköniginnen, schrieen und tobten, doch die Zauber blieben verschollen und die drei Schwestern schoben die Schuld auf andere ihres Geschlechts. Aus Rache für ihren wertvollen Verlust soll Din sämtliche Feenköniginnen für immer in ihren Quellen eingeschlossen haben. Der Legende nach soll sich eine dieser Quellen hier befinden.“ „Glaubst du daran?“, fragte Link aufgeregt, als sie durch das riesige Eisentor traten, das am Eingang zum Schlosspark stand. „Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, einen Versuch ist es wert.“
    Eilig überschritten die Beiden den Marktplatz, auf dem genau wie am Vortag das Leben pulsierte und die Menschen in einem wilden Durcheinander übereinander zu purzeln schienen. Schließlich traten sie über die hölzerne Brücke zurück auf die hylianische Steppe. Impa folgte einige Meter lang dem Bachlauf, über den die Zugbrücke der Stadt gelegt war, und deutete dann mit dem ausgestreckten Arm auf den kegelförmig zulaufenden Gipfel eines weit entfernten Berges. „Das ist der Todesberg, Heimat der Goronen. In den Büchern heißt es, Din habe sich besonders zu diesen Bergbewohnern hingezogen gefühlt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der zweite heilige Stein sich im Besitz der Goronen befindet.“


    Link betrachtete den Todesberg, dessen Gipfel von einem Ring weißer Wolken umgeben war, und fragte sich, ob das Monster aus der Wüste versucht hatte, auch diesen heiligen Stein an sich zu reißen und ähnlich erfolglos wie beim Deku-Baum gewesen war oder ob er zu spät kam. Impa sprach unterdessen weiter und deutete nun auf eine in den Fels gehauene Treppe. „Auf diesem Plateau am Fuß des Todesbergs liegt die Stadt Kakariko. Ich habe es vor einigen Jahren gegründet, um Flüchtlingen und Ausgestoßenen ein Zuhause zu geben. Es ist ein ruhiges Städtchen, in dem jeder Reisende herzlich empfangen wird. Du kannst dich dort ein wenig ausruhen, bevor du dich an den beschwerlichen Aufstieg machst. Wenn du Lust hast, solltest du auch den Friedhof meines Volkes besichtigen.“
    Link zog die Stirn kraus und sah Impa an. „Warum befindet sich der Friedhof so weit weg von Hyrule-Stadt, wo viel mehr Menschen leben?“ Die junge Frau lächelte ihn nachsichtig an und bekam dann einen wehmütigen Blick. „Ich bin keine Hylianerin, Link. Ich bin eine Shiekah. Die Shiekah sind ein altes Kriegergeschlecht, das seit Anbeginn der Zeit über die Königsfamilie von Hyrule wacht. Wir haben in jedem von Hyrules Kriegen ehrenhaft gekämpft und die königliche Familie mit unserem Leben geschützt. Heute sind die Shiekah so gut wie ausgestorben. Es heißt sogar, ich sei die letzte Überlebende, aber das will ich nicht glauben.“ Link blickte zu ihr auf und traf ihren traurigen Blick. „Ich bin mir sicher, irgendwo gibt es noch mehr Shiekah.“, versuchte er sie aufzumuntern und wandte dann seinen Blick wieder auf den Todesberg. „Warum haben sich deine Vorfahren überhaupt für die Könige eines anderen Volkes geopfert?“ „Vor Äonen von Jahren gab es zwei beste Freunde. Der Eine war Hylianer, der Andere ein Shiekah. Der Hylianer war sehr klug und weise, aber leider blind. Der Shiekah war ein starker Krieger, doch er verstand nicht viel von Politik. Beide wurden von ihren Völkern zum Herrscher bestimmt, doch keiner fühlte sich der Aufgabe gewachsen. Daher schlossen die Beiden einen Packt, in dem sie festlegten, dass sie zusammen regieren wollten. Der Blinde sollte die politischen Dinge regeln, während der Krieger in die Schlacht ziehen sollte. Der Eine wollte der Geist, der andere das wache Auge des Herrschers sein. Leider ergab es sich eines Tages, dass der Hylianer kurz nach der Geburt seines ersten Sohnes einem Attentat zum Opfer fiel. Die Trauer des Shiekah war schier unermesslich – vor allem, weil er sich die Schuld gab. Er hatte als Auge versagt. Viele Tage zog er sich zurück und ergab sich seinem Schmerz, doch als er endlich wieder seine Gemächer verließ, hatte er einen Entschluss gefasst: Er mochte zwar bei seinem besten Freund versagt haben, doch er würde seine Schuld sühnen, indem er und alle seine Nachfahren die Nachkommen des Hylianer schützen würden – notfalls mit dem eigenen Leben. Seither sind wir durch eine Blutschuld an das Königshaus gebunden.“
    Impa blickte schuldbewusst zu Boden und stieß mit der Stiefelspitze einige lose Steine an, die auf dem Boden lagen. „Ich habe die königliche Familie dafür gehasst und wollte mich meiner Pflicht verweigern. Doch dann begegnete ich an diesem Tag vor über 10 Jahren Zelda. Sie konnte gerade erst laufen und doch hatte sie auf einem Spaziergang ihre Zofe ausgetrickst und war davon gelaufen. Sie war schon immer stur und eigenwillig.“ Impa lachte leise und fuhr dann fort: „Ich arbeitete zu der Zeit bei einem Händler als Kurier und kam gerade von einer Warenzustellung zurück zu dem Stand meines Herrn als ich sie ohne Aufsicht über den Markt irren sah. Sie hatte sich verlaufen, fürchtete sich und war den Tränen nah. Als ich sie so sah wurde mir klar, dass ich meiner Bestimmung nicht entrinnen konnte. Ich würde es mir niemals verzeihen, wenn diesem Mädchen etwas zustoßen würde. Das verstehst du sicherlich.“ Link nickte und Impa lächelte ihn erneut an. „Du solltest dich jetzt auf den Weg machen. Beeil dich und denk daran, dass die Prinzessin und ich dich im Schloss erwarten.“
    Link wollte sich gerade verabschieden, als Impa mit einem lauten Knall einen Beutel auf den Boden warf, der zerplatzte und einen grellen Lichtblitz frei ließ. Erschrocken riss Link die Arme hoch, um seine Augen zu schützen und versuchte, gegen das Licht anzublinzeln. Als er endlich wieder etwas erkennen konnte, war Impa verschwunden. „Imposanter Abgang.“, murmelte Navi, die mal wieder auf seiner Schulter saß und zu den Türmen des Schlosses empor schaute. Link blickte wieder zum Gipfel des Todesberges hinauf. Impas Stimme erklang noch immer in seinen Ohren. „Das verstehst du sicherlich...“ Wieder sah Link Zeldas Gesicht vor sich, wie sie ihn anlächelte und ein unbekanntes Kribbeln ergriff seinen Körper. Doch plötzlich verschoben sich die Gesichtszüge und verwandelten sich in eine anklagend guckende Maske, die Salias Züge trug.
    Mit einem Mal spurtete Link los und rannte den Weg Richtung Wald entlang. Navi, die bei seinem abrupten Start von seiner Schulter gefallen war, flog ihm aufgeregt vors Gesicht. „Stopp! Wo willst du denn hin?“ „Ich muss Salia sehen.“ „Was?! Bleib sofort stehen!“ Link verlangsamte seine Schritte, bis er schließlich ganz stehen blieb. „Du hast eine Mission! Du kannst nicht einfach Urlaub machen!“ Navi starrte ihn wütend an, doch er hielt ihrem wilden Blick stand. „Aber ich muss Salia sehen. Ich MUSS!“ Wie ein trotziges Kind stampfte er mit dem Fuß auf. Navi legte für einen Augenblick den Kopf schief und sah ihn nachdenklich auf der Unterlippe kauend an. „Also gut. Wir können gerne zuerst nach Salia sehen, aber erst morgen früh.“ Sie deutete auf die Sonne, die schon tief am Himmel stand. „Ich werde nicht noch einmal eine Nacht in dieser Steppe verbringen!“ Bei dem Gedanken an die wandelnden Skelette ging ein Schauer durch den zierlichen Körper der Fee. Link ließ seinen Blick schweifen und deutete schließlich auf eine nicht all zu weit entfernte Farm. „Vielleicht können wir dort übernachten.“ Noch bevor Navi etwas antworten konnte, hatte er sich bereits umgedreht und war in Richtung Farm davon gestapft.




    Kapitel 2 – Auf der Suche nach den heiligen Steinen


    Abstecher


    Es war schon fast Nacht, als Link und Navi das riesige Eingangstor der Farm erreichten und die untergehende Abendsonne malte breite, goldene Bahnen auf die weite Graslandschaft. Link drehte sich unter dem Torbogen, auf dem in großen Lettern „Lon-Lon-Farm“ stand, noch einmal um und betrachtete nachdenklich den trügerischen Frieden der hylianischen Steppe. Es war kaum zu glauben, dass in wenigen Minuten Knochen aus dem trockenen Boden brechen und als gruselige Karikaturen der Menschen, die sie einst gewesen waren, über die nächtliche Steppe wandern würden. Der Gedanke an die zurückliegende Nacht jagte dem Jungen eisige Schauer über den Rücken und er wandte sich schnell ab, um die Bilder der kalkweißen Knochenfratzen mit den leuchtendroten Augen zu vertreiben.
    Mit langen Schritten erklomm er die kleine Anhöhe, auf der die Farm erbaut war. Wer immer die Idee gehabt hatte, sich an diesem Ort eine Existenz aufzubauen, war ein kluger Kopf gewesen. Das gesamte Gelände der Farm lag erhöht und war von schroffen Felsen umgeben, die jeden Angriff von außen beinah unmöglich machten. Link empfand die Felsformationen als seltsam tröstlich, sie vermittelten ihm ein Gefühl von undurchdringlicher Sicherheit. Nachdem er den schmalen Weg, der die Anhöhe herauf führte, hinter sich gelassen hatte, stand er zwischen zwei Gebäuden, die aus massivem Holz gebaut waren. Den Geräuschen nach zu urteilen, die aus dem Gebäude zu seiner Rechten drangen, befanden sich dort die Ställe der Kühe, von denen die berühmte Lon-Lon-Milch stammte. Link wollte gerade an die Tür des anderen Hauses klopfen, das er als Wohnhaus identifiziert hatte, als das Wiehern von mehreren Pferden seine Aufmerksamkeit erregte. Hastig lief er um den Stall herum und fand sich einer riesigen Koppel gegenüber, auf der einige Pferde gemütlich grasten.
    Inmitten der prächtigen Vierbeiner stand ein junges Mädchen mit hüftlangem braunen Haar, das versuchte die Tiere mit sanften Lockrufen von der Weide zu locken. Link hielt sich die Hand an die Stirn, um besser gegen die Abendsonne sehen zu können, und grinste dann breit. „Malon! Hey!“ Er riss den Arm in die Höhe und fuchtelte damit wild durch die Luft, als das Mädchen den Kopf wandte. „Link? Bist du das, Link?“ Sie kniff die Augen zusammen, um den Jungen, der auf sie zu rannte, besser erkennen zu können. Mit einer geschmeidigen Bewegung blieb er vor ihr stehen und strahlte sie fröhlich an. „Hallo!“ „Du bist es tatsächlich, Feen-Junge. Was treibt dich hier her?“ Sie lächelte ihn warm an und griff mit der linken Hand hinter sich, um ein junges Fohlen zu streicheln, das ihr sanft gegen den Rücken stupste, um beachtet zu werden. „Um ehrlich zu sein, suche ich ein Quartier für die Nacht. Keine zehn Pferde kriegen mich nachts raus in die Steppe.“ Verstohlen ließ Link seinen Blick über die Koppel gleiten, als ihm bewusst wurde, was er gesagt hatte, und Malon kicherte vergnügt. „Keine Angst. Es sind nur sechs.“ Das Fohlen stupste sie erneut an und Malon grinste breit. „Na gut, sechseinhalb.“
    Link grinste zurück und betrachtete das junge Pferd, das ihm neugierig schnuppernd seine Nüstern entgegen reckte. Sein rotbraunes Fell schimmerte im Abendlicht wie Samt und seine lange, weiße Mähne glitt wie Seide an seinem Hals herunter. Link streckte den Arm aus, um ihm über das weiche Maul zu streicheln, doch es wich ängstlich vor ihm zurück. Der Junge sah Malon fragend an, doch sie zuckte nur die Schultern. „Epona ist ein wenig schüchtern. Nimm’s nicht persönlich.“ Link nickte und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie das Fohlen sich ihm wieder vorsichtig näherte. Malon warf mit einer eleganten Bewegung ihr Haar über die Schulter und lachte. „Offensichtlich mag sie dich. Weißt du was? Ich werde dir einen Trick zeigen. Epona hat eine Schwäche für Musik und ein Lied liebt sie ganz besonders.“ Sie strich dem jungen Pferd liebevoll über den Kopf und stimmte dann eine fröhliche Tonabfolge an, die Epona sogleich freudige Laute ausstoßen ließ. Link lauschte Malons Gesang und zückte dann seine Okarina, als er sich sicher war, dass sie begleiten konnte. Das Fohlen sah ihn aus großen Augen an, schnaubte und rieb schließlich seinen Kopf an Link, der sie sanft hinter den Ohren kraulte. „Sie scheint einen Narren an dir gefressen zu haben.“, stellte Malon fest, als Epona auf dem Weg durch die Koppel neben Link her trottete. Dieser lächelte sie zufrieden an und strich dem jungen Pferd über den Kopf. „Wenn du mit allen Pferden so gut auskommst, schlag ich dir einen Deal vor.“, grinste Malon und Link legte interessiert den Kopf schief. „Du kannst dir dein Bett für heute Nacht verdienen, indem du mir hilfst, die Pferde in den Stall zu treiben.“ „Gerne.“ „Wunderbar, na dann: Auf, auf!“


    Am nächsten Tag machte Link sich noch im Morgengrauen auf, nachdem Malon ihm ein liebevolles Frühstück bereitet und ihm ein in Leinen eingeschlagenes Paket mitgegeben hatte. Die Wegzehrung bestand aus einer Flasche frischer Lon-Lon-Milch, einer unterarmlangen Wurst und einem Stück noch warmen Brotes. Link verstaute die Nahrung in seinem Wunderbeutel, in dem er auch noch den Käse und das Brot der Wirtin aufbewahrte, und marschierte schnellen Schrittes Richtung Kokiri-Wald. Navi saß wie so oft auf seiner Schulter und betrachtete schweigend die hylianische Steppe. Obwohl es noch recht früh im Jahr war und der Sommer erst in einigen Wochen vor der Tür stand, brannte die Morgensonne mit fast brutaler Intensität. Die dunkelgrünen Gräser der Steppe wirkten ausgedörrt und Link stand schon bald der Schweiß auf der Stirn. Dennoch verringerte er sein Tempo nicht und noch bevor die Sonne ihr Zenit erreicht hatte, trat der Junge durch die ersten Baumreihen, deren weites Astwerk angenehm kühle Schatten warfen.
    Navi atmete auf und sog die duftende Waldluft tief ein, doch Link wirkte mit einem Mal unsicher und schien nur unwillig einen Schritt vor den anderen zu setzen. Die Fee legte den Kopf schief und blickte den Jungen nachdenklich an. „Was hast du? Es war deine Idee her zu kommen.“ „Ich weiß. Ich will Salia auch noch immer sehen, aber ich hatte ganz vergessen, wie deplaziert ich mich hier fühle – als gehörte ich nicht hier her.“ Navi biss sich auf die Unterlippe und sah mit leerem Blick auf den Boden, während Link seufzte und weiter Richtung Dorf schritt. Dort angekommen beeilte er sich, zu Salias Haus zu kommen, denn er wollte so wenig Kokiri wie möglich begegnen. Er war sich sicher, dass noch viele von ihnen glaubten, er sei schuld am Tod des Deku-Baumes, und hatte keine Lust, den anklagenden Blicken der anderen zu begegnen.
    Doch als er das Haus betrat, musste er feststellen, dass Salia nicht da war. Dennoch rief er ihren Namen, in der Hoffnung, dass er sie vielleicht doch übersehen haben sollte, während Navi genervt mit den Augen rollte. „Sie ist nicht hier. Wir sollten zurück und nach den heiligen Steinen suchen.“ Plötzlich lachte es hinter ihm und Link wirbelte mit einem strahlenden Lächeln herum, doch in der Tür stand nicht Salia, sondern eine ihrer Freundinnen. „Hallo Link. Du hast es wohl nicht so lange ohne Salia ausgehalten, was?“ Das Mädchen grinste ihn an und lehnte ihr Gewicht auf das linke Bein. „Wie du siehst, ist sie leider nicht hier.“ Link nickte und blickte betrübt zu Boden. „Hey, jetzt mach doch nicht so ein Gesicht. Salia ist in die verlorenen Wälder gegangen, um an ihrem Lieblingsplatz ein wenig allein zu sein. Es hat sie ziemlich mitgenommen, dass du gegangen bist.“ Link hob den Kopf und sah das Kokiri-Mädchen zerknirscht an. „Das hatte ich befürchtet... Ich glaube, ich sollte besser wieder gehen.“ Mit einigen langen Schritten war er an der Tür und versuchte, sich an dem Mädchen vorbei zu drücken, doch es legte ihm den Hand auf die Schulter und hielt ihn zurück. „Ich denke, du solltest versuchen, die Lichtung zu finden. Es wird Salia gut tun, wenn sie sieht, dass du auch nicht so einfach gehen konntest.“ Das Mädchen lächelte ihn warm an und wandte sich dann zum Gehen. Link schaute ihr eine Zeit lang hinterher und wandte seinen Blick dann Navi zu. Er legte den Kopf schief und lächelte sie entschuldigend an. Die Fee sah ihn missbilligend an, seufzte dann und machte ein resignierendes Gesicht. „Also gut, wir suchen Salia.“ „Du bist ein Schatz!“, jubelte Link und stürmte in Richtung der Wälder.


    Die verlorenen Wälder erstreckten sich auf einer niedrigen Bergkette im Osten des Dorfes und angeblich verirrte sich jeder hoffnungslos, der sie betrat. Dennoch verspürte der junge Recke keine Angst, als er die ersten Bäume der verlorenen Wälder passierte. Er streifte einige Zeit lang ziellos umher, immer seinem Gefühl folgend, doch plötzlich vernahm er hinter sich eine tiefe Stimme. „Sei gegrüßt, junger Held.“ Link wandte sich um und entdeckte in einem Baumwipfel die Eule des Rauru, die ihn aufmerksam musterte. „Es heißt, auf diesem Grund spuke es, seit er von den Göttinnen verwünscht wurde und dennoch begibst du dich hier her. Sag mir, mein Junge, hattest du nicht einen Auftrag?“ Link nickte verlegen, doch er sah mit festem Blick zu der Eule auf. „Meine beste Freundin befindet sich hier irgendwo und ich muss sie dringend sehen.“ Der mächtige Vogel wiegte seinen riesigen Kopf hin und her und spitze die Ohren. „Lausch, junger Held. Hörst du das? Wenn du den Weg durch diese Wälder finden willst, dann folge dieser Melodie.“ Mit gewaltigen Flügelschlägen schwang sich die Eule in die Lüfte und flog davon. „Was für eine Melodie?“ Link sah Navi fragend an, die sich einen Zeigefinger auf den Mund legte. „Shht! Wenn du die ganze Zeit quatscht, kann ich nichts hören.“ Der Junge presste die Lippen aufeinander und lauschte angestrengt. Er hörte das Zwitschern von Vögeln, in der Ferne das aufgeregte Quieken eines Eichhörnchens und sogar jaulende Wölfe, doch keine Melodie. Doch gerade als er sich zu fragen begann, ob die Eule ihn auf den Arm hatte nehmen wollen, drangen zarte Flötentöne an seine Ohren. „Das ist eine Okarina!“, rief er aufgeregt und sah Navi mit leuchtenden Augen an. „Das ist bestimmt Salia. Los, komm, wir sollten uns beeilen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, rannte Link in die Richtung, aus der die Musik kam.
    Zwischendurch blieb er stehen, schloss die Augen und lauschte, um sich zu vergewissern, dass die Richtung stimmte, und lief dann so schnell weiter, dass Navi Schwierigkeiten hatte, mit ihm mitzuhalten. Nach kurzer Zeit lichteten sich die Bäume und Link trat auf eine weite Lichtung.
    Link drehte sich staunend um die eigene Achse und betrachtete wie die Sonnenstrahlen, die durch die Blätter der umstehenden Bäume fielen, goldene Muster auf das satte, grüne Gras zu seinen Füßen malte und die feinen Staubpartikel und Pollen in der Luft zum schimmern brachten. Er beobachtete eine besonders große, honigfarben glänzende Pollenwolke, die langsam gen Boden schwebte, als sein Blick auf etwas in der Felswand auf der gegenüberliegenden Seite der Lichtung fiel. Dort war vor vielen Jahren der Zugang zu einem Tempel in den Fels gehauen worden, der sich wie ein riesiges Vogelnest anmutete, das hoch über der Lichtung schwebte und dessen Vorbau nur durch zwei Säulen getragen wurde. Rechts neben einer dieser Säulen saß Salia auf einem Baumstumpf und spielte die beschwingte Melodie, die durch den ganzen Wald zu hören gewesen war.
    Ein Lächeln erleuchtete Links Gesicht und er ging langsam mit kurzen Schritten auf seine Freundin zu, weil er sie nicht erschrecken wollte. Etwa auf halber Strecke trat er plötzlich auf Stein, statt auf Gras und betrachtete nachdenklich die riesige Steinplatte, auf die er getreten war. Sie erstreckte sich fast über die ganze Breite der Lichtung, war sechseckig und von einem hellen Beige – nur in der Mitte war ein dunklerer Teil mit einem merkwürdigen Zeichen, das aussah wie ein viersträngiger Strudel mit einem Kreis drum herum. Link legte den Kopf schief, ging in die Hocke und begutachtete das Zeichen genauer. Er war so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht merkte, wie Salia ihr Flötenspiel beendete und zu ihm trat.


    „Das ist das Zeichen der Waldgeister, die diesen Wald schützen.“ Der Schreck fuhr Link in die Glieder und er riss den Kopf herum, um seiner warm lächelnden Freundin erschrocken ins Gesicht zu starren. „Ich komme oft hierher auf diese Lichtung, um den Geistern mit meiner Musik zu huldigen. Aber sag, was machst du hier?“ Salia blickte dem Jungen, der sich langsam aufrichtete, unverwandt in die Augen und zog verwirrt die Stirn kraus als ihm eine leichte Schamesröte ins Gesicht stieg. Sie knuffte ihm zur Aufmunterung freundschaftlich in die Seite, obwohl sie ihm viel lieber einfach um den Hals gefallen wäre. Doch sie wusste, dass er eine Mission zu erfüllen hatte und deswegen nicht bleiben konnte. Sie musste jetzt stark sein, sonst würde sie es für sie beide nur noch schwerer machen.
    „Ich wollte dich sehen.“ Link starrte während dieses Geständnisses unentwegt auf seine Stiefelspitzen und ruderte ein wenig mit den Schultern als wollte er etwas Unangenehmes abschütteln. Salia schluckte und biss sich auf die Wangeninnenseite, um den Wunsch, Link in den Arm zu schließen zu unterdrücken. Schließlich schaffte er es doch Salia anzusehen, doch seine Augen waren rot gerändert als müsste er gegen seine Tränen ankämpfen. Man sah ihm an, wie enttäuscht er war – hatte er sich das Wiedersehen mit Salia doch viel herzlicher vorgestellt. Doch seit der Deku-Baum ihn zu sich gerufen hatte, schien etwas zwischen ihnen zu stehen. Welch Ironie des Schicksals... Früher hätte er alles darum gegeben, eine Fee zu bekommen, doch heute würde er diese ohne zu zögern wieder her geben, wenn dafür zwischen ihm und Salia wieder alles wie früher sein könnte.
    Salia schnürte dieser tieftraurige Blick die Kehle zu, doch sie versuchte, Link aufmunternd zuzulächeln. „Na ja“, fuhr er mit monotoner Stimme fort, „ich hatte irgendwie das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, doch dir geht’s ja gut. Dann ist ja alles in Ordnung und ich kann wieder gehen.“ Ein tiefer Stich durchbohrte Salias Herz und sie seufzte. Sie konnte ihn nicht einfach gehen lassen – nicht so. „Warte, bevor du gehst, möchte ich dir noch dieses Lied beibringen. Hör gut zu!“ Dann setzte sie die Okarina an die Lippen und spielte die flotte Melodie, die sie schon zuvor gespielt hatte. Link lauschte einige Takte und stimmte dann mit in Salias Spiel mit ein.
    Nachdem sie gemeinsam ein paar Strophen gespielt hatten, lachte Salia Link an und verkündete: „Wann immer du dich einsam fühlst und wann immer du nicht weiter weißt, dann spiele dieses Lied. Der Wind wird meine Worte ebenso zu dir tragen wie die deinen zu mir.“ Link nickte und legte Salia eine Hand auf die Wange, wie er es früher so oft getan hatte, wenn er sich ihr besonders nah gefühlt hatte, doch sie drehte den Kopf weg. „Jetzt geh, Link. Du hast noch einen weiten Weg vor dir. Und denk dran: Ich werde dich immer begleiten, wohin du auch gehst – und zwar da drin.“ Dann klopfte sie mit dem Zeigefinger auf seine Brust, dahin wo sein Herz schlug, und wendete sich von ihm ab. „Geh.“ Der Junge schluckte den Klos, der sich seinen Hals herauf drückte, runter, drehte sich um und verließ den Wald, ohne sich noch einmal nach Salia oder seinem Heimatdorf umzudrehen. Er wollte nicht rasten, bis er Kakariko erreicht hatte.

  • Wow, du warst aber fleißig.^^


    Gefällt mir. Toll, dass sich noch jemand so eine Mühe macht. :)
    Ich hab es noch nicht ganz gelesen, kann dir aber schon sagen, dass mir der Stil und die eigenen Ideen, die du einbringst, sehr gefallen. Außerdem beschreibst du sehr bildhaft. Weiter so. ;)

  • Freut mich, dass es dir gefällt. :)


    Sobald ich in den Ferien wieder mehr Zeit hab, werd ich mal sehen, ob ich weiter komme. Geplant ist eigentlich, dass ich das ganze Spiel durchhalte - schau'n wir mal, ob das klappt. ^^

  • Stimmt, Absätze wären ganz praktisch...


    Also ich habe bisher nie bis zum Schluss durchgehalten. Weder bei Oot, noch bei WW, noch bei der Verarsche, noch bei meiner eigenen Geschichte.
    Am längsten schreibe ich an MM, aber der Computer, auf dem die Datei ist, ist kaputt. ;(
    Hoffe mal das kann ich noch retten, weil ich würds gern beenden.

  • Auch wenn man die Geschichte ja eigentlich fast auswendig kennt, macht es viel Spaß, sie so so von dir erzählt zu lesen. Mach mal weiter, ich freue mich jedenfalls auf mehr.

    Was ist das?
    Blaues Licht!
    Und was macht es?
    Es leuchtet blau.

  • So, ich hab endlich mal ein wenig weiter geschrieben UND die bisherigen Teile überarbeitet und zur Strukturierung Kapitel, Unterkapitel, sowie Absätze (!) eingefügt. ;)


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    Kakariko


    „Zweiundachtzig... dreiundachtzig... vierundachtzig...“ Langsam schleppte sich Link die steile Treppe hinauf, die zu der kleinen, von Impa gegründeten Stadt führte. Kalte Abendluft umwehte seinen verschwitzten Körper und kühlte sein erhitztes Gesicht, während die letzten Sonnenstrahlen des Tages langsam von den Felsformationen im Westen geschluckt wurden. Navi hatte sich erschöpft in Links lange Zipfelmütze zurück gezogen, nachdem sie während seines Gewaltmarsches vom Kokiri-Dorf bis nach Kakariko tapfer neben ihm her geflogen war, und schnarchte leise. Link wischte sich mit einer unwirschen Handbewegung einige Strähnen aus dem Gesicht, atmete tief durch als er nach siebenundachtzig schier endlos wirkenden Stufen endlich das Stadttor Kakarikos erreicht hatte. Neben dem Tor lehnte ein gähnender Soldat, der Link nur einen flüchtigen Blick zuwarf, bevor er einen Laib Brot aus einem hinter ihm liegenden Ledersack holte und sich seinem Abendessen widmete.
    Der Junge ging langsamen Schrittes durch die kleine Stadt und sah sich aufmerksam um. Kakariko war so viel kleiner als Hyrule-Stadt. Mit den wenigen Häusern und dem langgesogenen Mittelplatz, auf dem eine große Kiefer und ein Brunnen standen, war es kaum größer als ein Dorf. Ein paar Hühner liefen frei über den Platz, aus der Ferne drang ein gedämpftes Muhen an Links Ohren und der Duft von frisch zubereiteten Gerichten hing in der Luft. Link streckte sich und sog die kühle Luft tief in die Lungen. Hier fühlte er sich sehr viel wohler als in dem beengenden Durcheinander in Hyrule-Stadt – und sogar wohler als in der erdrückenden Vertrautheit des Kokiri-Waldes.
    Nach nur einer halben Stunde war sein Rundgang durch Kakariko beendet. Im Westen lag das Tor, durch das er am nächsten Tag den Weg zum Todesberg erreichen würde, und im Norden der Stadt war der Friedhof, von dem Impa erzählt hatte, gelegen. Doch leider war weit und breit kein Hotel zu finden. Seufzend ließ Link sich unter der Kiefer nieder und streckte die müden Beine aus. „Na gut. Dann werden wir heute eben mal wieder unter freiem Himmel nächtigen.“ Er setzte vorsichtig die Mütze ab, um Navi nicht zu wecken und wollte sich gerade unter dem Baum zusammen rollen, als ein korpulenter Mann mittleren Alters an ihn heran trat. Der Mann machte ein unfreundliches Gesicht und zog die Augenbraunen zusammen, doch als er sprach, war seine Stimme sanft: „Was tust du denn da, Junge?“ „Wenn ich ehrlich sein soll, versuche ich, zu schlafen, Sir.“ „Du bist doch nicht etwa von Zuhause weggelaufen, oder?“ Link blickte den großen Mann irritiert aus großen Augen an. „Äh... nein. Ich bin im Auftrag Prinzessin Zeldas auf Reisen.“ „Und warum schläfst du dann hier draußen? Du holst dir ja den Tod.“ Mit einer ausladenden Handbewegung zeigte Link auf Kakariko und seufzte. „Nun ja, es gibt hier kein einziges Hotel. Wo sollte ich denn Ihrer Meinung nach schlafen?“ Der Mann deutete auf das größte Haus der Stadt. Es war von ungefähr der doppelten Größe wie die anderen Häuser und war auf einem Hügel errichtet worden, sodass es alle anderen Häuser auf der Ostseite des Dorfes überragte. „Siehst du das Haus dort drüben? Das große?“ Link nickte. „Dort wurde einst die ehrenhafte Impa geboren. Heute steht es für Reisende offen. Sag einfach, der Chef der Zimmerleute hätte dich geschickt – dann bekommst du bestimmt sogar noch etwas zu essen.“ Der Mann zwinkerte Link zu und schlenderte davon.


    Die Hausvorsteherin war eine schlanke, hochgewachsene, junge Frau mit einem freundlichen, runden Gesicht und bernsteinfarbenem, langem Haar. Sie hatte Link in ihr Herz geschlossen, sobald er etwas unsicher durch die Tür getreten war. Nun stand sie am Herd und rührte in einem Topf herrlich riechenden Eintopfs, während sie aus den Augenwinkeln verstohlen den Jungen beobachtete, der auf seinem Strohlager lag und gedankenverloren mit seinem Gürtel spielte. „Warum gehst du nicht ein wenig raus und schaust dir die Stadt an, bis das Essen fertig ist?“ „Das hab ich schon getan, bevor ich her gekommen bin.“ „Warst du auch schon auf dem Friedhof?“ Link schüttelte den Kopf, wobei sein langes Haar, das er offen trug, sanfte Wellen in der Luft schlug. „Impa hat mir auch schon vorgeschlagen, ich solle mir den Friedhof ansehen. Aber was ist daran so besonders?“ „Die Shiekah sind dort begraben – ebenso wie die Mitglieder der königlichen Familie.“ „Die königliche Familie auch? Warum hier in Kakariko?“ Die junge Frau zuckte mit den Schultern. „So genau weiß ich es auch nicht. Doch angeblich sollen sich die ersten Mitglieder hier haben beerdigen lassen, um ihre Verbundenheit zu den Shiekah zu demonstrieren. Irgendwann ist es dann zur Tradition geworden, die Königsfamilie auf dem Shiekah-Friedhof beizusetzen.“


    Nachdem er noch ein paar Minuten auf dem weichen Stroh gelegen hatte, hatte seine Neugier auf den so hoch gepriesenen und viel gerühmten Friedhof doch obsiegt. Jetzt schritt er langsam zwischen den Gräbern umher. Die meisten Grabsteine waren einfach gehalten und bestanden aus kaum behauenem Stein, in den ein Auge mit einer Träne gemeißelt worden war. Gedankenverloren strich Link über eines dieser Zeichen, als hinter ihm eine Stimme ertönte: „Das ist das Zeichen der Shiekah.“ Der Junge zuckte vor Schreck zusammen und drehte sich blitzartig mit der Hand am Schwertgriff um. Hinter ihm stand ein fürchterlich hässlicher Mann, der ihn freundlich anlächelte. „Entschuldige. Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich bin Boris, der Totengräber.“ Der Mann mit Glatze, Unterbiss und Klumpfuß hielt ihm die Hand hin und blickte ihn aufmunternd an. Link atmete einmal tief ein, um den Schrecken aus seinen Gliedern zu vertreiben und ergriff die ihm dargebotene, schwielige Hand.
    Dann wandte er sich wieder dem Grabstein zu, vor dem er stand. „Warum steht auf keinem dieser Gräber ein Name? Und was bedeutet dieses Zeichen?“ „Wie gesagt: Es ist das Zeichen der Shiekah. Der letzte eigene Regent dieses Volkes hat es entworfen, nachdem sein bester Freund durch seine Unaufmerksamkeit ermordet werden konnte.“ Link nickte langsam. „Ja, ich glaube, von diesem Mann hat Impa mir bereits erzählt, als ich sie danach fragte, warum die Shiekah der königlichen Familie der Hylianer treu ergeben sind.“ Nun war es der Totengräber, der nickte. „Das ist richtig. Er nannte sich selbst das Auge des zweigeteilten Königs. Aus diesem Grund trug er auch ein Auge in seinem Wappen. Nach seinem Versagen ergänzte er dieses mit einer Träne, um seiner Trauer Ausdruck zu verleihen. Anfangs war dieses Wappen nur den direkten Nachkommen jenes Mannes vorbehalten, welche die Blutschuld sühnen sollten. Doch im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Zeichen und damit die Schuld auf alle Shiekah ausgebreitet.“ „Und warum steht auf keinem einzigen Stein ein Name?“ „Namen bedeuten den Shiekah nichts, genauso wenig wie Individualität. Alles, was für sie zählt, ist die Ehre ihres Volkes und die damit verbundene Aufgabe, die Königsfamilie zu schützen.“ „Welch ein trauriges Volk.“ Link strich erneut über die tiefen Rillen des weinenden Auges. „Ja, das sind sie. Ein tapferes, trauriges Volk. Aber ich bitte dich, mich jetzt zu entschuldigen. In ein paar Minuten kommen die ersten Menschen für meine berühmte Grab-Grusel-Tour und ich muss noch einige Dinge vorbereiten.“ Mit diesen Worten humpelte Boris in Richtung einer kleinen, windschiefen Holzhütte davon.


    Im nördlichsten Bereich des Friedhofs lagen die königlichen Gräber. Link stand auf das rechte Bein gestützt und überflog die Namen auf der großen Steintafel, als Navi gähnend aus seiner Mütze kroch. „Junge, Junge... ‚Zelda’ scheint ein äußerst beliebter Name für die weiblichen Mitglieder der Familie zu sein.“ Link ging die Liste ein weiteres Mal durch und zählte, wie viele Prinzessinnen und Königinnen es mit diesem Namen bereits gegeben hatte, doch als seine Finger nicht mehr ausreichten, zuckte er mit den Schultern und kapitulierte.
    Neben der riesigen Familiengruft der Könige lagen zwei weitere Gräber, die ebenfalls mit aufwendig verzierten Grabsteinen geschmückt waren. Navi lies sich auf einem von ihnen nieder und las mit verträumter Stimme das Gedicht vor, das in den Stein gehauen war: „Das Tageslicht, es schwindet bei Nacht, am Tag erst wird sein Feuer entfacht. Von Sonne zu Mond und zu Sonne erneut. Ewige Ruhe die Toten erfreut.“ Link neigte leicht den Kopf und sah zu seiner Fee herüber. „Das ist wirklich schön.“ „Dieses Grab gehört einem der Gebrüder Bramstein. Das waren vor einigen Jahren die Komponisten des Königshofes. Es heißt, ihre Mutter sei eine Hexe gewesen und habe ihren beiden Söhnen einen Teil ihrer Fähigkeiten vererbt. Das Grab dort drüben gehört bestimmt dem Bruder.“ „Ob da auch so ein schönes Gedicht auf dem Grabstein steht?“ Link ging langsam auf das Grab zu und las: „‚Ruhelose Seelen wandern ohne Wonne, gib Frieden mit der Hymne der Sonne.’ Hey, da sind Noten in den Stein geritzt!“ Navi kam näher und ließ sich auf ihrem Lieblingsplatz auf Links Schulter nieder. „Meinst du, du kannst sie dir merken?“ Link betrachtete die kurze Tonabfolge einige Zeit und nickte dann. „Ja, denke schon. Aber warum fragst du?“ „Nun ja...“ Unter ihrem silbrigen Glanz schien die zierliche Fee leicht rot zu werden. „Ich liebe die Musik der Gebrüder Bramstein einfach. Ich kann mir nicht helfen. Und auch wenn eine einzelne Okarina vermutlich ein wenig ärmlich klingen wird, würde ich das Stück doch ganz gerne irgendwann mal hören. Außerdem ist ja vielleicht doch was an den besonderen Fähigkeiten der Brüder dran und wenn ich der Grabinschrift trauen darf, hilft das Lied gegen Untote – so was ist doch praktisch.“ Link grinste und schickte sich an, den Friedhof zu verlassen, um ein wenig zu essen und endlich zu schlafen. „Die Sache mit den Untoten ist dir doch völlig egal. Dir geht’s nur um die Musik. Hab ich Recht?“ Navi saß stocksteif auf seiner Schulter, starrte ins Nichts und schwieg. Links Grinsen wurde noch eine Spur breiter. „Wusste ich’s doch. Wer hätte das gedacht? Meine Fee ist ein Groupie...“


    Auf dem Weg zurück zu seiner Unterkunft stolperte Link plötzlich und schlug hart auf den Boden auf. „Au! Was zum Henker...“ Wütend blickte er sich um und entdeckte schließlich den Übeltäter hinter einem Grabstein, den er gerade passiert hatte. Zwischen Gras und wilden Blumen versteckt, ragte ein eckiges Stück Metall aus dem Boden und brachte unachtsame Wanderer zu Fall. Link hockte sich neben den Grabstein und betrachtete das Metallstück, während er einen Finger unter den Saum seiner Mütze schob und sich am Hinterkopf kratzte. „Was das wohl ist?“ Rätselnd blickte er Navi an, die sich auf die Erde hatte schweben lassen und den merkwürdigen Fund zu Fuß umkreiste. „Sieht aus wie ein Hylia-Schild.“, stellte die Fee fest und nickte bekräftigend. „Ein Schild?“ Link kaute auf der Unterlippe und dachte an das feueranfällige Stück Holz, das er bislang als Schutz benutzte und in Impas Haus zurückgelassen hatte. „Meinst du, er...“, der Junge deutete auf den Grabstein, „würde es uns übel nehmen, wenn wir uns seinen Schild... ähm... ausleihen würden?“ Navi riss überrascht die Augen auf. „Das wäre Grabschändung!“ „Warum? Ich würde doch nur den Schild ausgraben – den netten Herren würde ich in Ruhe lassen.“ Ein fieses Grinsen machte sich auf dem Gesicht der Fee breit. „Du bist ein böser, böser Junge... Aber hey, selbst wenn der Besitzer was dagegen haben sollte – wir haben ein Lied gegen Untote.“
    Link zog und zerrte an der herausragenden Ecke des Schildes, doch es rührte sich kaum. Keuchend ließ er sich auf den Hintern fallen und starrte missmutig vor sich hin. „Gibt’s dafür nicht vielleicht auch einen Feenzauber oder so?“ „Nein, tut mir leid. Du wirst dir die Hände schon schmutzig machen müssen, wenn du das Ding haben willst.“ Mit einem Seufzer schwang Link sich auf die Füße, nur um sich gleich darauf wieder neben den Schild zu knien und mit bloßen Händen die festgetretene Erde aufzubrechen.
    Doch als er das begehrte Stück endlich freigelegt hatte, war die Ernüchterung groß. „Das Ding ist ja viel zu groß!“ Mit vor Dreck starrenden Händen hielt Link den Schild vor sich und betrachtete es zweifelnd, während Navi sich vor Lachen bog. „Vielleicht kannst du’s ja als Schildkrötenpanzer benutzen.“ „Du hast das gewusst, oder?“ „Ja, aber ich musste einfach dein Gesicht sehen. Tut mir leid.“ Link warf ihr einen säuerlichen Blick zu, reinigte den verdreckten Schild so gut es ging mit einem Zipfel seiner Tunika und löste den kleinen, verzauberten Lederbeutel von seinem Gürtel. „Jetzt wollen wir mal sehen, wie gut dein Zauber wirklich ist.“ Ganz langsam und vorsichtig verstaute er den Schild, der fast zwanzigmal so groß wie der Beutel war, in dessen Innerem. „Wow... Das klappt ja tatsächlich.“ Navi gab einen missbilligenden Ton von sich, sparte sich aber jeden weiteren Kommentar, sondern flog stattdessen in Richtung Stadt davon. Nach einigen Metern drehte sie sich allerdings wieder zu ihrem Schützling um. „Was ist? Willst du hier Wurzeln schlagen?“




    Tanzende Regenten


    Nach einer zu kurzen Nacht verabschiedete Link sich noch vor Sonnenaufgang von der liebevollen Hausvorsteherin und ihren anderen Gästen, mit denen er bis spät in die Nacht zusammengesessen und deren wilden, anrührenden oder amüsanten Geschichten er gelauscht hatte. Der nachtschwarze Himmel verfärbte sich von Osten her langsam in ein dreckiges Grau, während der Junge die Treppen zum Westtor hinaufstieg. Eine Wache saß gähnend vor dem massiven Eisengitter und kämpfte gegen die Müdigkeit.
    Schüchtern trat der junge Held an den Soldaten heran und räusperte sich. Der Mann schob seinen schweren Eisenhelm in den Nacken und blinzelte zu Link herauf. „Was kann ich für dich tun, mein Junge? Hast du dich verlaufen?“ „Nein, Sir.“ Link schüttelte zur Unterstützung seiner Worte den Kopf und deutete auf das Tor. „Ich würde gerne passieren.“ Misstrauisch musterte der Soldat das Kind vor ihm. Was konnte so ein junger Mensch an einem so gefährlichen Ort wie dem Todesberg wollen? Doch irgendetwas an diesem Jungen schien anders zu sein als an all den anderen Kindern, die er kannte. Lag es an der entschlossenen Art wie er die Lippen aufeinander presste? Oder an diesen Augen, die viel zu alt schienen für diesen jungen Körper, so als hätten sie schon zu viel Leid in diesem kurzen Leben sehen müssen? Aber vielleicht waren auch einfach das Schwert und der billig aussehende Schild auf dem Rücken des Jungen Auslöser für dieses Empfinden.
    „Tut mir leid, mein Kleiner, aber ich darf dich nicht passieren lassen. Auf diesem Berg ist es viel zu gefährlich für ein Kind.“ Aus den Tiefen der grünen Zipfelmütze drang ein missbilligendes Schnauben. Der Soldat runzelte irritiert die Stirn, doch Link machte keine Anstalten, ihm zu erklären, woher dieser Laut gekommen war. Stattdessen holte er Prinzessin Zeldas Brief aus seinem Wunderbeutel und reichte ihn wortlos der Wache. Diese las mit zusammengekniffenen Augen und brach schließlich in ein schallendes Gelächter aus. „Dieser Junge heißt Link. Er hat den Auftrag Hyrule vor dem Untergang zu bewahren. Unterzeichnet: Prinzessin Zelda.“ Der Mann holte tief Luft und versuchte, seinem Lachkrampf Herr zu werden. „Was ist das denn für ein alberner Auftrag?“ Link schaute auf seine Stiefelspitzen und kaute verlegen auf der Unterlippe. „Aber nun gut. Ich weiß nicht, was ihr Zwei für ein Spiel spielt, doch die Unterschrift ist echt. Du darfst passieren, Zwergenheld.“
    Die Wache stand mühsam auf und öffnete das Tor, während sie noch immer vor sich hin kicherte. Link marschierte mit mürrischem Gesichtsausdruck an ihm vorbei und machte sich an den schwierigen Aufstieg des imposanten Berges. Er konnte nur hoffen, dass Navi nicht mitbekommen hatte, wie der Soldat ihn genannt hatte, doch das Kichern tief in seiner Mütze belehrte ihn eines Besseren. Von nun an musste er sich wohl drauf einstellen, in Zukunft des Öfteren stichelnd Zwergenheld genannt zu werden.


    Der breite Weg verlief zunächst auf der sanft ansteigenden Südwestseite des Berges, beschrieb jedoch schon ziemlich bald einen scharfen Knick und wand sich dann in einer steilen, immer enger werdenden Spirale um die kegelförmige Felsformation herum. Die Sonne knallte auf den staubigen Felsboden und trieb dem jungen Recken den Schweiß aus allen Poren, während Navi sich gemütlich auf seiner Schulter sonnte.
    „Weißt du, ich finde, du könntest dich auch ruhig ein wenig nützlich machen.“, grummelte Link und warf einen brummigen Blick auf seine Fee. „Wie denn? Ich kann dich ja wohl schlecht den Berg rauf tragen und einen Sonnenschirm hab ich auch nicht dabei.“ „Ja, ja, schon gut... Aber du könntest mir zum Beispiel verraten, was du über diese Gegend weißt.“ „Leider nicht all zu viel. Ich weiß nur, dass der Todesberg in Wirklichkeit kein richtiger Berg, sondern ein noch immer aktiver Vulkan ist.“ „Was?!“ Link blieb wie angewurzelt stehen und sah sich vor seinem geistigen Auge vor einer riesigen Lavawelle davonlaufen und schließlich geröstet werden. Navi nickte und blickte zum Gipfel des Todesberges hinauf. „Allerdings gehört er nicht zu der Sorte Vulkane, die ihr Magma in die Luft spucken.“ Der Junge atmete erleichtert aus und setzte seinen Weg fort. „Aber warum gilt er dann als aktiv?“ „Nun ja... Er spuckt vielleicht keine Lava, aber...“ „Aber?“ Link zog die rechte Augenbraune in die Höhe und warf Navi einen ängstlichen Blick zu. „Aber er bricht von Zeit zu Zeit aus, wobei er heiße und teilweise brennende Gesteinsbrocken spuckt.“ Der Junge ließ die Schultern hängen und seufzte. „Na toll... Als würde dieser mörderische Aufstieg allein nicht schon reichen. Held sein stinkt. Ich kündige...“


    Gegen Mittag machten die beiden Wanderer im Schatten eines imposanten Höhleneingangs eine Rast. Sie hatten bereits die Hälfte ihres Weges zurückgelegt und würden voraussichtlich gegen Abend ihr Ziel endlich erreichen. Link lehnte sich gegen einen ovalen Felsen mit rauer Oberfläche, schütze die Augen mit der rechten Hand gegen das grelle Sonnenlicht und schaute den weiteren Weg hinauf. „Was meinst du, was erwartet uns in Goronia?“ Navi saß vor ihm im Schneidersitz auf dem Boden und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich hatte bisher noch nie etwas mit einem Goronen zu tun. Ich weiß lediglich, dass es sich hierbei um ein sehr stolzes, eigenwilliges Volk handeln soll, das es nicht mag, wenn sich andere in ihre Angelegenheiten einmischen.“ „Meinst du, der Dämon aus der Wüste, Ganondorf, war bereits hier?“ Navi zuckte bei der Erwähnung dieses Namens ein wenig zusammen, zu präsent war die Erinnerung an den Tod des Deku-Baumes. „Ich würde darauf wetten, ja. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass er hier auf mehr Kooperationsbereitschaft gestoßen ist.“ „Hm.“ Link legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. „Ich frage mich, ob er den Goronen ähnliches angetan hat wie dem Deku-Baum.“ Navi seufzte traurig. „Ich hoffe nicht.“ „Ja, ich auch. Und wenn doch, hoffe ich, dass ich dieses Mal mehr ausrichten kann.“
    Nachdem die Beiden eine Weile nur dagesessen und ihren Gedanken nachgehangen hatten, holte Link die Flasche Lon-Lon-Milch, sowie das Brot und den Käse, die er von der mütterlichen Wirtin in Hyrule-Stadt bekommen hatte, aus seinem Wunderbeutel und begann langsam kauend zu essen. Als er Navi ein Stück Brot anbot, lehnte diese stumm mit einem Kopfschütteln ab. „Weißt du, was mir gerade auffällt? Ich hab dich noch nie essen sehen.“ „Feen nehmen keine Menschennahrung zu sich.“ Navi drehte ihr Gesicht wieder der Sonne zu. „Von was ernährt ihr euch denn dann?“, wunderte sich Link, während er sich angesichts von Navis zierlichem Körper insgeheim fragte, ob Feen sich überhaupt von irgendwas ernährten. Das kleine silbrigleuchtende Mädchen deutete auf den gelbglühenden Ball am Horizont. „Natur. Sonnenlicht und Wind und der Duft von gerade aufgeblühten Blumen und Erdwärme und und und... Wir ernähren uns von allem Schönen, das die Göttinnen geschaffen haben.“ Während er fasziniert betrachtete, dass Navis silberner Glanz in der prallen Sonne schwach bunt funkelte, kaute Link auf seinem Stück salzigen Ziegenkäses und fragte sich, wie Sonnenlicht wohl schmeckte.


    Gerade als der Junge die Reste seines Mittagsmahls verstaut und dabei war, seinen Lederbeutel wieder am Gürtel zu befestigen, wurden die Zwei von einer Art riesigem roten Wasserläufer angegriffen, der sich mit fauchenden Lauten und weit aufgerissenem Maul auf Link stürzte. Doch bevor dieser auch nur reagieren konnte, bewegte sich der Felsbrocken hinter ihm. Eine riesige Faust schnellte vor und zerschmetterte den Angreifer an der nächsten Wand. Langsam und mit vor Schreck geweiteten Augen drehte Link sich um. Hinter ihm stand ein riesiges, felsenartiges Wesen mit langen Armen und kurzen Beinen, die unter einem gewaltigen Bauch heraus ragten. Das Wesen ließ den rechten Arm ausgestreckt im Schultergelenk kreisen und schaute Link aus runden, schwarzen Knopfaugen an. Dieser wich immer weiter zurück und wäre beinah auf Navi getreten, hätte diese nicht ihre Stimme wiedergefunden. „Ein Gorone! Du hast auf einem Goronen gesessen!“
    Link legte den Kopf schief und betrachtete den Goronen, der die Arme nun locker am Körper herab hängen ließ. „Das... ähm... tut mir leid. Ich habe Sie für einen Felsen gehalten.“ „Ach, das macht nichts.“ Der neue Bekannte lächelte die beiden Abenteurer warm an. Seine Stimme klang wie brüchiger Schiefer und war überraschenderweise trotzdem nicht unangenehm. „Ich hab gehört, ihr Zwei wollt nach Goronia?“ Link nickte. „Dann solltet ihr besser aufpassen. Diese Viecher sind seit Kurzem überall.“ Der Gorone warf den Überresten des plötzlichen Angreifers angewiderte Blicke zu. „Danke für den Tipp. Ich werde ab jetzt besser auf der Hut sein.“ Link nickte dem Felsenwesen noch einmal zu und wandte sich dann Richtung Goronia, als ihn die Stimme des Goronen zurück hielt. „Wartet. Ich könnte euch auch mitnehmen. Das ginge schneller und wäre für uns Beide ungefährlicher. Spring einfach auf.“
    Der Gorone rollte sich zu einer Kugel zusammen und rollte langsam auf Link zu, der mit einem beherzten Sprung auf der Felskugel landete. Den restlichen Weg nach Goronia verbrachte Link damit, sein Gleichgewicht auf der schnell dahin schießenden, lebenden Kugel zu halten und die Wasserläufermonster niederzustrecken, die versuchten ihn oder den Goronen anzugreifen.

  • Hallo kleines Schoko Keksi! :D


    Jetzt meld ich mich aber auch mal zu Wort. Eines stimmt, wir alle kennen die Geschichte von Ocarina of Time nur zu gut, aber deine Art sie zu erzählen ist wirklich lustig zu lesen.
    Und respekt, dass du schon so viel geschrieben hast. Hoffentlich gehts bald weiter......... und eine Bitte noch.... MACH bitte Absätze rein. Es ist etwas schwer sonst diese Flut an Text zu lesen! ^^


    Ich freu mich schon auf die Fortsetzung!! Hast du gut gemacht! ^^

  • Schoko Keksi? O.o
    Das ist ja - im wahrsten Sinne des Wortes - süß. :D


    Ich hab ja jetzt schon mehr Absätze drin als zu Anfang, aber meint ihr, es wäre besser, noch mehr einzufügen?
    Irgendwie sieht das dann so auseinander gepflückt aus, find ich.


    Aber vielen Dank euch Beiden für die lieben Worte. :)
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    Goronia war eine unterirdische Stadt, die in Jahrhunderte langer Arbeit in den Felsen des Todesbergs gehauen worden war. Nun stand Link am Rand des obersten Stockwerks, blickte in die Tiefe, zählte die Etagen unter ihm und beobachtete träge umher trottende Goronen. „Normalerweise sind wir nicht so träge... na ja, jedenfalls nicht so sehr.“, murmelte der Gorone, der Link und Navi hergebracht hatte, als er dem Blick des Jungen folgte. „Doch seit dieser Mann hier gewesen ist und Dodongos-Höhle verschlossen hat, leiden wir alle Hunger. Du musst wissen, wir Goronen sind Steinfresser und sehr sensibel, was unsere Nahrung betrifft. In Dodongos-Höhle lagern unsere Vorräte, doch an die kommen wir nun nicht mehr heran und andere Steinsorten zügeln nur den Appetit, sättigen uns aber nicht. Ganz besonders die Kinder und Alten leiden darunter.“
    Link zog die Augen zu Schlitzen zusammen und sah seinen neugewonnen Freund aufmerksam an. „Was für ein Mann?“ „Ich weiß nicht genau. Er war riesig für einen Menschen, in etwa so groß wie ein ausgewachsener Gorone, wenn er auf den Füßen steht, und hatte eiskalte, dunkle Augen, sowie rotes Haar.“ „Ganondorf! Also WAR er hier...“ Der Gorone schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, ob das sein Name war, aber unser Anführer, Darunia, kann dir bestimmt weiter helfen. Er hat lange mit dem Fremden gesprochen.“ Er wies auf die unterste Ebene. „Du findest ihn in seinem Thronsaal auf der Nordseite, ganz unten. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er dich empfangen wird. Er hat wegen des Essensproblem schrecklich schlechte Laune.“


    Tatsächlich fand Link die Tür zum Thronsaal verschlossen und auch auf sein Klopfen reagierte niemand. Resigniert ließ er die Schultern hängen und zog die Unterlippe zwischen die Zähne, während er nachdachte. „Darunia hat sich eingeschlossen, um nachzudenken, bis ein Gesandter des Königs von Hyrule kommt.“, erklärte ein in der Nähe stehender Gorone. „Aber sag, kleiner Mensch, was willst du von unserem Anführer? Vielleicht kann auch ich dir helfen.“ Doch Link antwortete ihm gar nicht. Stattdessen wandte er sich wieder der Tür zu, pochte laut und heftig gegen den Stein und brüllte: „Ich bin ein Gesandter Hyrules. Im Namen des Königs: Öffnet diese Tür!“ Postwendend dröhnte eine tiefe Stimme aus dem Saal: „Beweise deine Behauptung, Fremder.“ Link grinste angesichts des ersten Lebenszeichens von der anderen Seite der Tür wie ein Honigkuchenpferd und kramte seine Okarina aus dem Lederbeutel. Langsam und konzentriert stimmte er das Wiegenlied an, das Impa ihm beigebracht hatte, und wartete gespannt. Mehrere Herzschläge lang passierte nichts, doch dann rührte sich die massive Steinplatte endlich und er konnte eintreten.
    Im Inneren war es heiß und stickig, doch die Fackeln an den Wänden brannten trotzdem, um Licht zu spenden. Auf einem riesigen Thron aus schwerem, hellem Stein saß der Anführer der Goronen und gab ein einschüchterndes Bild ab. Er war gut einen Kopf größer als die anderen Angehörigen seines Volkes und um seinen Kopf hatten sich lange felsige Ausläufer gebildet, die nun aussahen wie lange, wild abstehende Haare und ein wüster Bart. Als er seinen Blick auf Link richtete, loderte ein unzähmbares Feuer in seinen Augen und die Mundwinkel bogen sich gefährlich nach unten.
    „Was soll das? Warum schickt man mir ein Kind? Will der König mich verhöhnen?! Wohl an... Junge, kehre ins Schloss zurück und richte dem König aus, dass wir seine ‚Hilfe’ nicht brauchen. Wir Goronen lösen unsere eigenen Probleme selbst.“ Link räusperte sich und wollte zu einer Erklärung ansetzen, dass er gar nicht vom König geschickt wurde, doch Darunia unterbrach ihn. „Spar dir deine Luft, Kind. Was auch immer der König dir aufgetragen haben mag – es interessiert mich nicht. Geh.“ Link setzte erneut an, nur um von seinem Gegenüber niedergeschrieen zu werden: „Ich habe dir gesagt, du sollest wieder zurück ins Schloss gehen. Was machst du also noch hier?“ Der Junge blinzelte verängstigt und warf Navi einen Seitenblick zu, doch diese zuckte nur mit nach oben gerichteten Handflächen die Schultern. Aus Angst doch noch von Darunia persönlich herausgeworfen zu werden, traten die Beiden schließlich den Rückzug an.
    Auf dem Weg aus dem Thronsaal heraus seufzte Link und trat einen kleinen Stein vor sich her. „Ich wünschte, Salia wäre hier. Sie weiß immer, wie man mit solchen Miesepetern umgeht.“ „Vielleicht solltest du das Lied ausprobieren, das sie dir beigebracht hat. Sie hat doch irgendwas gesagt, von wegen ihr könntet dann miteinander kommunizieren.“ „Ja, aber sie erwähnte auch, dass wir dazu den Wind bräuchten. Hier ist es absolut windstill.“ „Versuch’s doch trotzdem. Wenn es nicht klappt, versuchen wir es einfach draußen erneut.“ Link setzte erneut die Okarina an die Lippen und spielte Salias Lied. Die beschwingte Melodie prallte von den Wänden ab und verbreitete sich geschwind in der ganzen Stadt. Aus den Augenwinkeln sah der Junge ein paar Goronen, die ihren Kopf im Takt der Musik hin und her wiegten. Doch Salias Stimme war nicht zu hören. „Ich sag’s doch: windstill.“ Gerade als die Beiden ihren Weg nach draußen fortsetzen wollten, hielt Darunias Stimme sie zurück. „Warte. Komm herein und spiel das Lied noch mal. Bitte.“


    Link trat erneut vor den gewaltigen Thron und wiederholte die Melodie, die Salia geschrieben hatte. Zunächst wippte Darunia nur leicht mit dem Fuß auf und ab, doch je länger die Musik durch den Raum wirbelte, desto weniger konnte er an sich halten. Schließlich brach es einfach aus ihm heraus und er sprang auf die Füße, um ebenso wild umherzutanzen wie die Noten der Melodie auf und ab sprangen.
    Nach einiger Zeit ließ sich der mächtige Gorone wieder auf seinen Thron fallen und lächelte Link glückselig an. „Ich danke dir, junger Freund. Dieses wunderbare Stück Musik hat mir geholfen, meine gute Laune wiederzufinden. So, sprich, was ist dein Anliegen?“ Rasch berichtete Link von den Vorfällen im Kokiri-Wald sowie von seinem Aufeinandertreffen mit Prinzessin Zelda. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ganondorf auch derjenige war, der Dodongos-Höhle verschlossen hat. Er muss aufgehalten werden! Deswegen brauche ich den heiligen Stein des Feuers, Dins Opal. Ich bitte dich, falls du irgendetwas über seinen Verbleib weißt, sag es mir. Ohne ihn werden wir Ganondorfs Pläne nicht durchkreuzen können.“
    Darunia musterte den Knaben vor sich misstrauisch. Was, wenn dies nur ein weiterer Trick Ganondorfs war, um den Goronen-Opal in seinen Besitz zu bringen? Schließlich verschoben sich seine Züge zu einem listigen Grinsen, bei dem es Link kalt den Rücken hinab lief. „Nun, ich weiß, wo sich der heilige Stein befindet – in meinem Besitz.“ Links Augen leuchteten auf und er begann unruhig von einem Fuß auf den anderen zu treten. „Doch ich fürchte, ich kann ihn dir nicht einfach geben. Ich denke, in Zeiten wie diesen wirst du das verstehen können.“ Darunia durchbohrte Link, der ein wenig betrübt nickte, mit seinen Blicken. „Doch ich gebe dir eine Chance, dir die Anerkennung meines Volkes und den heiligen Stein zu verdienen. Wenn du es schaffst, Dodongos-Höhle wieder zu öffnen und von den gefährlichen Dodongos zu befreien, soll er dir gehören.“ Link straffte die Schultern und richtete sich zu seiner vollen Größe auf, bevor er mit feierlicher Stimme versprach, er wolle den Goronen aus der Krise helfen. „Du spuckst große Töne für so einen kleinen Menschen. Ich bin gespannt, ob du sie einhalten kannst.“
    Link nickte bestimmt und wollte bereits gehen, als Darunia ihn ein weiteres Mal zurückhielt. „Warte, ich habe noch etwas für dich. Nimm dieses Armband. Es wurde aus Metall aus den Tiefen des Todesberges geschmiedet und stimuliert die Muskeln seines Trägers, sodass dieser stärker erscheint als zuvor.“ Der Junge nahm den gezackten Armreifen entgegen und schob ihn über das rechte Handgelenk, bevor er den Raum verließ. Navi kroch aus seinen Haaren hervor und setzte sich mal wieder auf seine rechte Schulter. „Und? Spürst du schon etwas?“, fragte sie, während sie den mattgoldenen Schmuck, in den das Zeichen der Goronen geprägt war, betrachtete. „Nicht die Bohne. Vermutlich funktioniert das Teil nur, wenn man dran glaubt – wie bei den Wunderheilern, die dir irgendwelchen Schrott verabreichen und du trotzdem gesund wirst, weil du daran glaubst, dass es hilft.“




    Dodongos-Höhle


    Auf dem Weg zu Dodongos-Höhle, die ein Stück weiter bergab lag, kamen die Beiden an einem Feld großer Pflanzen mit gelben Blüten und dickem, dunklen, bombenartigen Körper vorbei. „Wow, Navi, hast du so etwas schon mal gesehen?“ Die zierliche Fee flog einen Kreis um das Gewächs und schüttelte den Kopf, während sie geradezu ehrfürchtig die glatte Oberfläche berührte. Ein Gorone trat von hinten an die Beiden heran und kniete sich neben Link. „Das sind Donnerblumen. Die eigentliche Pflanze besteht nur aus den grünen Blättern, die knapp über dem Boden wachsen. Zweimal im Jahr blüht sie mit einer großen, gelben Blüte und entwickelt dann diesen Fruchtkörper.“ Der Gorone deutete auf den kugelförmigen Körper und lächelte. „Und warum heißen sie Donnerblumen?“, erkundigte sich Link, der in die Hocke gegangen war, um die eigentümliche Pflanze aus der Nähe betrachten zu können.
    Langsam stemmte sich der Gorone wieder auf die Füße und bedeutete dem Jungen, ihm zu folgen. Auf der anderen Seite des Feldes angekommen, blieb das mächtige Felsenwesen stehen und deutete auf eine Pflanze zu seinen Füßen. „Diese hier ist reif. Du erkennst es an dem schmalen, orange gefärbten Rand der Blüte.“ Der Gorone zog ein wenig an den Blütenblättern, damit Link den feinen Unterschied zu einer unreifen Donnerblume besser erkennen konnte. „Komm, Kleiner, sei kein Frosch und pflück sie. Dann erfährst du, warum wir sie Donnerblumen getauft haben.“ Link warf Navi, die mit den Schultern zuckte, einen leicht ängstlichen Seitenblick zu und stellte sich dann über die Pflanze, um den Fruchtkörper vom Rest zu lösen. Mit einem leisen Knacken löste sich die schwere, schwarze Frucht und Link schaute sich irritiert nach dem Goronen um, der sich schnell entfernte. „Ein Knack und das ist alles? Kein besonders beeindruckender Donner...“


    Plötzlich wurde Navi blass und deutete panisch auf das Gewächs in Links Händen. „Wirf das Ding weg! Es explodiert!“ „Höh?“ Von innen heraus baute sich in der Frucht ein immenser Druck auf, der gegen die harte Schale drückte und sie leicht pulsieren ließ, bis sie aufplatzen würde. Durch die Reibung im Inneren wurde das kugelige Gewächs so heiß, dass es Link beinah die Hände verbrannte. Hilflos sah sich der Junge um, doch rings um ihn herum standen nur noch mehr reife Donnerblumen, die durch die Detonation ebenfalls zum Explodieren gebracht worden wären. Schließlich warf Link die pflanzliche Bombe über die Schulter und sich selbst auf den Boden, wo er sich flach zusammen kauerte und die Hände auf die Ohren drückte. Die gepflückte Donnerblume flog im hohen Bogen über den Rand des Abhangs, auf dem das Feld angepflanzt war, und stürzte in die Tiefe, wo sie mit einem lauten Donner detonierte. Das Explosionsgeräusch prallte von den felsigen Wänden ab und grollte über den Todesberg, bevor es von dem Krachen zusammenstürzenden Gerölls abgelöst wurde. Vorsichtig nahm Link die Hände von den Ohren, setzte sich auf und krabbelte auf allen Vieren zum Abhang. Von unten drangen die erfreuten Rufe und das Klatschen einiger Goronen an seine Ohren: „Dodongos-Höhle ist endlich wieder offen!“

  • Ich finde du lernst dazu - echt nette Fortsetzung :) :] ;)

    Durch Schaden wird man klug - sagen die klugen Leute. Schaden litt ich genug, doch bin ich ein Thor noch heute.

  • Auf dem Weg hinab zum Eingang konnte Navi noch immer nicht fassen, wie knapp sie einer Katastrophe entgangen waren. „Wenn ich diesen Goronen erwische, kann er was erleben! Dieser Idiot wollte uns umbringen!“, wetterte sie, während sie zur symbolischen Unterstreichung ihrer Worte mit der Faust auf die Handfläche schlug. Doch Link machte ein gequältes Gesicht und schüttelte sacht den Kopf. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht hat er nicht ganz bis zum Ende drüber nachgedacht oder wir irren uns und mir wäre gar nichts passiert, wenn das Ding in meinen Händen explodiert wäre.“ Navi zog die rechte Augenbraune in die Höhe und bedachte ihn mit einem abfälligen Blick. „Diese einzelne Donnerblume hat einen riesigen Felsen in tausend Teile zersprengt. Wenn sie in deinen Händen detoniert wäre, hätte die Explosion dir erst die Arme abgerissen, bevor du zermalmt worden wärst, weil die umstehenden Pflanzen explodiert wären.“ Navi schnaubte ärgerlich und blickte Link, der mit hängendem Kopf neben ihr her lief, nachdenklich an. „Und trotzdem fällt es dir schwer, schlecht von diesem Felsknäul zu denken, nicht wahr?“ Link nickte und seine Fee warf in einer theatralischen Geste die Arme zum Himmel. „Oh, bei den Göttinnen...“


    Vorsichtig drückte der Junge sich zwischen den feiernden Goronen, die ein paar kleine Happen von ihren Lieblingssteinen gefunden hatten, hindurch Richtung Höhleneingang. Gerade als er die Höhle betreten wollte, wurde er von einem der Felsenwesen aufgehalten. Es war sein neugewonnener Freund, der ihn nach Goronia geleitet hatte. „Warst du das mit der Donnerblume?“ „Ja, aber das war eigentlich ein Ver-...“ Doch der Gorone ließ ihn nicht ausreden. Stattdessen drückte er den völlig perplexen Link an seine steinharte Brust. „Das ist großartig! Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich darauf gefreut habe, endlich mal wieder von diesen Steinen kosten zu können. Willst du auch ein Stück?“ Er hielt dem Jungen, der verzweifelt gegen die zu enge Umarmung ankämpfte, einen Brocken rötlichbraunen Granits unter die Nase. Dieser verzog bei dem Gedanken auf Stein zu beißen angewidert das Gesicht und winkte ab. Der Gorone zuckte die Schultern, wobei er Link durch die Umarmung für kurze Zeit vom Boden hoch hob, und steckte sich den Stein in den Mund. Er kaute laut knirschend, bevor er mit einem seligen Lächeln auf den Lippen schluckte.
    „Köstlich! Zu schade, dass es damit bald wieder vorbei sein wird.“ Sein Gesicht verdüsterte sich und er entließ Link, der fragend den Kopf schief legte, wieder aus der Umarmung. „Dodongos-Höhle mag wieder offen sein, doch tief in ihr Innerstes können wir noch immer nicht vordringen. Die Dodongos sind nach all der Zeit, in der sie für ausgestorben galten, wieder zurückgekehrt – und Goronen stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan.“ Link drehte sich zum Höhleneingang und starrte in die Dunkelheit. „Diese Dodongos, was sind das für Wesen?“ „Riesige, feuerspeiende Echsen mit schier undurchdringlich gepanzerter Haut und einem extrem aggressiven Temperament.“ Ohne den Blick abzuwenden, nickte Link und versprach seinem Freund, das Problem zu beheben. Dann nickte er sich selbst zu, drückte den Rücken durch und trat selbstsicher in die Finsternis.

  • Mal sehen. Die Semesterferien sind mal wieder voll gepackt mit Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit (und vor allem mit Schreibarbeit - da hab ich eher weniger Lust, auch noch an meiner Geschichte zu schreiben), aber mal sehen. Vielleicht finde ich nächste Woche Zeit für ein oder zwei Unterkapitelchen.

  • So nachdem ich jetz alles bisherige gelesen hab will ich auch unbedingt mehr, mehr, mehr! :)


    Also wenn du Zeit findest: Bitte, bitte weiterschreiben, auch wenn ich die Geschichte in- und auswendig kenne.