Erotik in Videospielen

  • Kürzlich wurde auf ua. Steam das Online Dating und Fuck Spiel Koikatsu Party veröffentlicht, das wegen seiner Verkaufszahlen und seiner High Quality Präsentation für ein Pornospiel für Aufsehen gesorgt hat. Und da dachte ich wieder, was ist es, dass ab 18 Inhalte beim Gaming nicht gleich ab 18 Inhalte sind?


    Ich meine, Gewalt und Mord beschäftigt Videospiele schon seit ich denken kann. Egal, in welcher Form, sei es spielerisch oder mal ernster, aber das Konzept, den Gegner zu besiegen, auf welche Art auch immer, ist Kernelement unzähliger Spiele. Während dieses Element mit der Zeit manchmal sehr umstrittene Richtungen einschlug, blieb das Thema Erotik wie eine heiße Kartoffel, die keiner anfassen wollte. Während schon seit zig Jahren das Töten sozusagen auch als Spaß-Faktor oder blutiges Vernichten des Gegners sogar als wichtiges Gameplayelement in Spielen eingebaut wurde, sollte es noch Jahre dauern, bis man mit GTA IV den ersten richtigen AAA Videospiel Dödel sehen würde. Selbst Videospiel Busen waren vorher unüblich, meine erste Erfahrung damit war in God of War oder Fahrenheit, was aber eher eine Seltenheit blieb - meist wurde Sexualität nur vage angedeutet oder verkindlicht, fast schon mit Fremdschäm Charakter - während Spiele zugleich in puncto Brutalität und Realismus der Gewaltdarstellung neue Höhen erreichte. So gab es mittlerweile nicht nur Funshooter, die Töten zum Spaß machten und brutalität belohnten, es gab Spiele mit Folterszenen, Terrorszenen und selbst Kinder und unbewaffnete Gegner zu töten, gehört manchmal zum guten Ton. Natürlich mit moralischen Hintergedanken und erhobenem Zeigefinger - zumindest versuchten einem das die Entwickler so mitzugeben - aber währenddessen blieben die God of War Tits das höchste der Gefühle - und das, obwohl die jeweiligen Vorlagen der Videospiele, egal ob Filme, Bücher oder sonstige "Legenden" damit nicht zu geizen vermochten. Zuletzt war ich richtig "geschockt" als ich in Rust nackerte Startcharaktere sah die anatomisch richtig dargestellt waren, scheinbar ganz ohne Mod und ich dachte mir, warum bin ich zur Hölle überrascht, mal einen Makropenis zu sehen, während es seit über zwei Jahrzehnten einfach dazugehört, seinen Feind auf die nur erdenklich schrecklichste Art und Weise, detailliert dargestellt, zu vernichten und Mord auch noch oft mit einem Augenzwinkern der Entwickler ein Kernelement bleibt.

    Erotische Spiele blieben - wie eben das aktuelle Beispiel Koikatsu Party zeigt - immer eine Art Randerscheinung für notgeile Nerds, anstatt sich ordentlich damit auseinanderzusetzen und diese natürlich, wie eben Gewaltdarstellung, in ein Spiel einfließen zu lassen.


    Man könnte das natürlich auf eine philosophische Diskussion starten, inwiefern ein Spiel Erotik braucht, damit es gut oder besser wird. Aber es wird zugleich fast schon als Selbstverständlich angenommen, wie Brutalität in Spielen dargestellt wird. Braucht man denn diese Brutalität unbedingt, damit das Spiel mehr Spaß macht? Braucht man kontroverse Spielelemente, damit ein Spiel besser ist?

    Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

    #55: Salem Saberhagen

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    "Das war mal wieder ein Schuss in den Ofen, Miauz."

  • Ich brauche es nicht, sehe aber auch einen Unterschied zwischen Gewalt und Erotik und unnötiger Gewalt und pornografischer Darstellung – was habe ich für einen Mehrwert, wenn innerhalb des Spiels Sex dargestellt wird? Genauswenig Mehrwert, wie wenn ich Spiele a la Manhunt einlege, wo es nicht darum geht einen Gegner auszuschalten, sondern einer Perversion nachzugehen.


    Es gibt ja nicht nur das EINE (full on Sex) und das Andere (gar kein Sex), zumal sexuelle Darstellung jetzt schon problematisch ist, wegen Sexualisierung von Frauen die anders als das Töten von Menschen nicht sofort als moralisch verwerflich anerkannt wird. Jeder Mensch mit 2 ½ Gehirnzellen weiß, dass man nicht einfach tötet. Nicht jeder Kerl weiß, dass man eine Frau nicht auf ihre Weiblichkeit reduziert.


    Für mich sind sexy Videospiele nicht schlimm. Ich habe kein Problem mit aufreizenden Damen in Dead or Alive oder Oben-Ohne Kostüme für Gladiolus, genauso wenig habe ich etwas gegen das abschießen von Zombies. Wenn ich jedoch einen Sex-Film ansehen will, dann… gehe ich ins Internet und suche dafür spezielle Filme aus und Torture a la Manhunt in denen das auch noch glorifiziert wird, müssen für mich aber genauso wenig sein.


    Alles in Maßen.

  • Ich stimme da Yuffie zu. Ich weiß halt nicht, ich spiele ja keine Spiel um mich irgendwie zu erregen. Oder um mir Lust zu holen. Ich spiele ein Spiel, weil mir das Genre begeistert. Weil ich vielleicht in eine gewisse Welt eintauchen möchte.

    Klar ist die Sexszene auch eine Welt. Aber spiele ich deswegen gleich ein Sexspiel?


    Ich rede nicht von Fanservice. Wo Frauen eben sehr weiblich dargestellt werden oder eben Männer sehr männlich. Letztendlich hat das ganze eben was. Aber trotzdem finde ich nicht, dass man pure "Sexspiele" im Gamingbereich braucht. Mir waren schon Spiele a la Larry Suit und Konsorten ziemlich Suspekt.

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    Leben ist, wenn man trotzdem lacht.

  • Die Frage, die ich mir auch stelle, ist halt, warum Erotik in Videospielen (oder sogar Medien an sich - aber das ist ein Thema für einen anderen Tag) viel öfter ein Tabu ist, als es Gewaltdarstellungen sind. Gerade jene mittlerweile sehr explizit dargestellten Bilder von (heimlichen) Tötungen, Splatter oder eben Brutalität, die mittlerweile in div. Finishern, Quicktime Events etc. schon fast zum guten Ton eines (erwachseneren) Videospiels dazugehören, überragen in Videospielen meist Themen wie Sexualität, dabei gehört das - schätze ich mal - viel mehr zum täglichen Leben eines jeden Einzelnen wie eben Gewalt.

    Die - bereits gestellte - Frage war, wozu Erotik gut sein soll und was für einen Mehrwert sie haben würde. Meine Frage lautet aber - warum Sexualität im Gegensatz zu Brutalität so einen hohen Tabuwert hat und warum es scheinbar - wie auch aus den Antworten ein wenig hervorgeht - absolut in Ordnung ist, dass Brutalität in all ihren Facetten detailgetreu dargestellt wird, aber die Sinnhaftigkeit von Sexualität tatsächlich hinterfragt wird. Ist das nicht eigentlich ein Hinweis darauf, dass man in der Gewaltdarstellung völlig verroht, während man dieses öffentliche Tabu von Sexualität übernommen hat? Und ich rede jetzt auch nicht von einer pornografischen Darstellung (erinnere, das sind Darstellungen die einzig dazu da sind, sexuell zu erregen), sondern eben lebensnaher und realistischer Darstellung von Sexualität, die ja so gesehen viel öfter vorkommt und somit "realistischer" in einem Spiel wäre, als zB. Mord - vereinfacht gesagt hat jemand wohl öfter Sex, als er einfach jemanden umlegt - die Darstellung davon mal außen vorgelassen. Aber warum ist es für uns mittlerweile völlig normal geworden, dass Beziehungen in Videospielen mit einfachem Händchenhalten und emotionalem Pathos abgetan sind, während das Töten an sich immer detaillierter wird. Wäre es nicht an der Zeit bzw. "realistischer", wenn Päärchen in Videospielen auch mal Nähe austauschen, anstatt dass der Held auf alle erdenklichen Weisen Gegner meuchelt? Oder würde ein Spiel dann weniger Spaß machen? Selbst einfache "Kinderspiele" zeigen fast immer, dass Gewalt eine (die) Lösung ist - was sicher ein genau so schädliches Bild ist, wie Personen auf ihre Sexualität zu reduzieren - was ich ja überhaupt nicht sagen möchte - denn eine Frau oben ohne zu zeigen - als Beispiel - ist wohl die selbe Reduzierung eines Geschlechts, wie zu zeigen, dass "nur Männer Helden sein können, die Frauen in Not retten" oder bestimmte Rollenverteilungen in Videospielen, die gerne aufgegriffen werden.

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    #55: Salem Saberhagen

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  • Also die wackelnden Brüste in Dead or Alive oder die erotischen Szenen in The Witcher haben mich entweder gelangweilt oder sogar genervt. Ich brauche sie nicht. Dennoch muss ich Megaolf recht geben.


    Wurden in den Neunzigern noch die Doom Spiele auf den Index gesetzt und Mortal Kombat 2 gar beschlagnahmt, so ist heute alles möglich. Wenn Dank Ragdoll die Körperteile um die Ohren fliegen und das Blut wie aus einem Geysir rum strömt, dann juckt das heute niemanden mehr großartig.


    Jetzt stellt euch aber mal vor man könnte in einer sexuellen Handlung aktiv teilnehmen. Und zwar mehr als noch das dämliche Buttongehaue in God of War 3. Das man beispielsweise erst flirtet und dann schroff ran gehen kann und man mit X die Bluse und dann mit Y die Unterwäsche ausziehen kann. Und danach geht es erst richtig los. Auf der Switch wäre dann ja sogar noch mehr machbar. Die Joycons um die Hüften geschnallt kann der Cowboy mit Hüftbewegungen dann einen Highscore nach dem nächsten jagen.


    Ich möchte gar nicht wissen was dann abgehen würde. Die Frage ist natürlich wie spielenswert das ist und wie die Nachfrage danach aussieht. Aber es geht ja nur darum, dass ich z. B. bei Red Dead Redemption 2 in St. Denis ein Massaker veranstalten kann. Und zwar eines der allerübelsten Sorte. Tja und das ist völlig OK, während aktive Erotik wohl ein No Go in Videospiele ist und bleiben wird.

  • Ich sehe hier aber nicht „Sex ist böse“ und „Gewalt ist gut“, sondern beziehe es komplett und einzig auf den Spieleaspekt:


    Sex hat keinen spielerischen Mehrwert (und macht viele Medien in meinen Augen auch schlechter) und das hat nichts mit Tabu zu tun. Ich bin in einer Beziehung und geile täglich irgendwelche 2D Anime- oder Game-Kerle an, aber spielerisch hat es absolut keinerlei Reiz für mich.


    Und falls ich solche Spiele DOCH möchte, dann gibt es die ja – man muss sie eben nur Suchen. In Japan gibt es da einen gefluteten Markt.


    Sicherlich hat es auch etwas mit den Gesetzlichkeiten zu tun, wo sich jeder Spieleentwickler so einstellen muss, dass es weltweit keine Probleme gibt (und da wäre dann wohl spätestens bei Amerika eine Barriere), aber nur aus der Perspektive eines Spielers hätte es für mich keinerlei Mehrwert, wenn ich Sex sehen oder praktizieren müssten, um in einem Spiel voranzukommen.


    Einen Gegner zu besiegen (aka zu töten) hat für mich im Regelfall schon einen spielerischen Sinn. Ich erhalte einen Gegenstand oder schalte meine Verfolger bzw. Gegner aus. Was habe ich von Sex in der Hinsicht auf das Gameplay?


    Also, selbst wenn es in Spielen eingebaut wird, sehe ich einfach keinerlei Nutzen. Außer sich einen zu schäbbeln – sieht man dann ja an den japanischen Eroge. Da geht es genau darum. Nicht darum, dass ich im Spiel etwas erreiche, sondern dass ich im RL den Höhepunkt habe.


    Ist man deswegen abgestumpft? Meiner Meinung nach nicht, dass würde ich an anderen Sachen festmachen. Ich kann mir nur einfach keine Situation vorstellen, in denen Sex zwingend nötig wäre, um in einem Spiel voran zu kommen. Aber vielleicht fehlt mir da die Fantasie.

  • Kurzum, Sex oder Erotik als Gameplayelement würde keinen Mehrwert bieten, weil es keinen Spaß machen würde, das kann ich verstehen. Würde es aber weniger Spaß machen, wenn der Weg zum Item durch den Kill einfach kein Blut zeigt, oder das Blut grün wäre, Gegner verschwinden würden oder die Gegner nur Bewusstlos gemacht würden? Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo Zensur in Videospielen noch ein Thema war und es oftmals entschärfte Versionen von Spielen gab, wo beinahe die ganze Spiele-Lore durch sowas kaputt gemacht wurde - zB. Soldier of Fortune 2, wo alle Menschen in der zensierten Version Androiden sind oder in Command and Conquer, wo es sich um Roboter handelt, die Öl verlieren. Ich kenne genug Leute - mich eingeschlossen - die sich damals und heute noch (was weniger passiert, weil weniger zensiert wird als früher) eben unzensierte Spiele geholt haben. Aber warum tun wir das. Warum ist uns Gewalt(darstellung) so wichtig, obwohl sie meistens keinen Einfluss auf das Spielerlebnis hat (die wenigen Beispiele hatten begründet Einschnitte durch Zensur, meist fällt es aber weniger eingreifend aus). Macht es einfach Spaß, Gewalt zu sehen? Ich weiß noch, wie ich auf der Gamescon in der Präsentation zu Fallout 3 saß und eben der Perk präsentiert wurde, dass man 5% mehr schaden macht aber eben die Kills brutal werden, Körperteile fliegen und Gedärme durch die Luft saußen. Man hat richtig lächeln auf den Gesichtern der Zuschauer gesehen. Es ging nicht um die 5% mehr Schaden, sondern eben die Brutalität. Hat das wirklich auch so einen Mehrwert fürs Gameplay, wenn Kills (über) realistisch dargestellt werden?


    Sex als Gameplay mag langweilig oder unpassend sein, aber Erotik als Stilmittel, als Erzählmittel oder einfach als realistische Darstellung einer Beziehung. Immerhin könnten Entwickler eine Spielwelt ohne Türen machen, die nirgendwohin führen, weil man ja eh nicht rein kann, aber die Spielwelt sähe vielleicht komisch aus. Würde am Gameplay nix ändern, weil da ja sowieso nur eine Wand programmiert ist, aber die Welt wirkt natürlicher dadurch. Dh. kein spielerischer Mehrwert, aber eine realistischer erzählte und dargestellte Spielwelt. Mit Erotik verhielte es sich meiner Meinung nach auch so.


    Ich erinnere mich zB. an die Sex-Szene zu Beginn bzw. weiter im Spiel von Fahrenheit. Ich meine, dass es die erste Sex Szene in einem Spiel war, die ich erlebt habe. Und es war kein Spiel, das mit schlüpfrigen Inhalten warb oder sich selbst darauf reduzierte. Es wird bis heute noch als eines der besseren Erzählspiele gewähnt und Quantic Dream war lange Zeit danach durch div. andere Spiele in aller Munde. Worauf ich hinaus will - die Szene hat sich natürlich angefühlt und sie war völlig Optional, es war praktisch eine Belohnung für gute Entscheidungen. Und die spätere Szene ebenfalls wobei sie, glaube ich, nicht mehr Optional war. Es fühlte sich natürlich an, fügte sich in die Erzählstruktur ein und war auch nicht hinderlich zum restlichen Gameplay. Solche Szenen können aber rein Erzählcharakter haben in Spielen, zB., auch können erotische Szenen einfach zeigen "ok, wir haben erwachsene Themen im Spiel, die eben nicht aus Kopfschüssen bestehen".


    Videospiele haben ja Großteils Jugendliche als Zielpublikum, die jetzt noch eine andere Einstellung zu sowas haben. Dennoch kann man Sexualität würdig in ein Spiel einbauen - aber allein, dass ich mich als Spieler mit dem ein oder anderen gespielten Game, immer noch wundere, wenn in einem "erwachsenen" oder "realistischen" (Story)Spiel Erotik in welcher Form auch immer praktiziert oder dargestellt wird, zeigt mir persönlich, dass das Thema in Videospielen einfach nicht angekommen ist bzw. ernst genommen wird. Schmuddelspiele gibt es genug, klar, aber die haben auch diesen bestimmten Ruf und ich glaube die meisten Leute, die mit so einem Spiel in der Hand an den Tresen gehen, haben das selbe Gefühl, wie eine Packung Kondome auf das Förderband im Supermarkt zu legen. Obwohl es absolut Fremde sind, weiß jeder "hehe, der kauft sich dieses Busen Spiel, der holt sich da sicher einen runter drauf" - eben weil solche Spiele dann rein auf den Sex reduziert werden - vergleichbar vllt. mit einem Postal oder Hatred, was die Gewaltdarstellung betrifft - wobei selbst da Gewalt noch akzeptierter wirkt. Ich zB. könnte mir eher vorstellen, dass jemand offen zugibt, Hatred zu spielen, als Koikatsu Party.


    Der Aspekt USA ist mir auch schon in den Sinn gekommen - dort ist es aber überall scheinbar offenkundig so, dass ein Nippel in der Prime Time die gesamte Bevölkerung mehr verdirbt, als es (Waffen)Gewalt tut, die 24/7 über div. Nachrichtensender gestreamt wird. Gewalt, Gewalt, Gewalt... alles Ok, solange die Frau eben nicht blank zieht, das ist so der Eindruck, den ich von der USA habe. Aber ich denke, das sollte man jetzt eher trennen, weil das sonst zu konfus werden konnte.

    Aber zumindest eine mögliche Erklärung wäre es, wobei ich jetzt deren USK oder PEGI nicht kenne und nicht weiß, wie es sich mit eben Spielen verhält, die offen Sexualität zeigen. Werden die dann zensiert oder auf einen Index gesetzt? Ich hätte jetzt da keine Schlagzeilen im Kopf, was Kontroverse betrifft. Das heißt, es sollte eigentlich bei ab 18 Spielen kein Problem sein, solche Themen zu behandeln.

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  • Ich brauche definitiv beides nicht in Videospielen und empfinde sowohl verherrlichende Gewaltdarstellungen als auch explizit erotische Elemente als eher störend, zumindest sofern sie nicht optional sind. Wenn derartige Elemente als optionale Bereicherung des Gameplays eingebaut werden, um diejenigen Spieler zu erfreuen, die damit etwas anfangen können, finde ich es gut, solange die Spieler, die damit nichts am Hut haben, das Spiel auch komplettieren können, ohne zwangsläufig damit konfrontiert zu werden (Dass man in GTA z.B. Prostituierte beschlafen kann, juckt mich z.B. nicht die Bohne. Ich muss das ja nicht machen, aber diejenigen, die das lustig finden, können sich da austoben. Ist doch schön.).


    Die Frage, warum mit Brutalität bzw. expliziten Gewaltdarstellungen so viel offener/selbstverständlicher umgeht als mit Erotik, kann ich allerdings nicht beantworten. Ich glaube allerdings auch, dass es keine einfache Antwort auf diese Frage gibt. Der Grund wird, so denke ich, vielschichtig und komplex sein und von vielen Faktoren abhängen.


    Eine Teilbegründung sehe ich allerdings tatsächlich, wie Megaolf schon angerissen hat, in den USA und deren Ambivalenz, was die Darstellung von Brutalität und Erotik angeht. Die Öffentlichkeit der USA hat ein ziemlich gestörtes Verhältnis zu Sexualität: alles, was auch nur entfernt an Sexdarstellungen erinnert, ist fürchterlich verpönt - es sei denn, es ist derart übertrieben, dass jedem sofort klar ist, dass kein echter Sexualakt dargestellt werden soll. (Beispiel aus einem anderen Bereich: Till Lindemann und Flake von Rammstein wurden in den USA wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses rechtskräftig verurteilt, weil sie auf der Bühne mit einem Dildo Analsex angedeutet haben. Aber als dann im Madison Square Garden aus einem Megadildo Schaum"sperma" ins Publikum geschossen wurde, hatte niemand ein Problem damit...) Gewalt hingegen ist in der US-Öffentlichkeit allgegenwärtig.

    ber zumindest eine mögliche Erklärung wäre es, wobei ich jetzt deren USK oder PEGI nicht kenne und nicht weiß, wie es sich mit eben Spielen verhält, die offen Sexualität zeigen. Werden die dann zensiert oder auf einen Index gesetzt?

    Das kommt, meines Wissens nach, ganz darauf an, wie explizit die Darstellung ist. Ein reines Porno-Spiel wird vermutlich auf den Index gesetzt werden und gut ist. Aber da weiß der Entwickler ja auch von Anfang an, dass er nur eine sehr kleine Zielgruppe hat.

    Spiele, in denen Erotik nur am Rande vorkommt (z.B. weil mal nackte Brüste durchs Bild wackeln) bekommen nicht zwingend ein höheres Age Rating, werden aber mit dem Label "Nudity" versehen (ähnliches gibt es für "Tobacco" und "Alcohol"). Diese Label sollen den Eltern helfen, sich ein Bild zu machen, welche Inhalte in einem Spiel vorkommen, und so abzuwägen, ob das Produkt ihren Kindern zuzumuten ist oder nicht - und so prüde wie anscheinend viele US-Bürger sind, kann so ein "Nudity"-Label zu negativen Kaufentscheidungen führen. Für extreme Brutalität oder exzessive Gewaltdarstellungen gibt es übrigens, meines Wissens nach, in den USA kein solches Label.

    D.h. Entwickler laufen Gefahr für ein nicht-Spiel-entscheidendes Gameplay-Element den möglichen Kundenkreis einzuschränken, wenn sie in einem Spiel, das nicht eh schon wegen anderen Elementen ein hohes Age-Rating erhalten wird (War nicht z.B. God of War wegen der Gewaltdarstellungen eh schon USK18?), erotische Elemente einbauen. Davor werden viele zurückschrecken, schließlich will man als Entwickler möglichst viel verkaufen.

    Natürlich kann Provokation eine Marketing-Strategie sein, aber dafür muss man schon ziemlich übertreiben, damit man einen medienwirksamen Skandal schafft und nicht einfach unter den Tisch fällt.

    Zensur wäre auch eine Möglichkeit, kostet aber auch wieder Zeit und damit Geld, wenn man (für einen bestimmten Markt) Gameplay-Elemente nachträglich wieder entfernen muss.

    Ich denke u.a. aus diesen Gründen verzichten viele Entwickler auf Erotik in Spielen, die nicht explizit dem Erotik-Genre zugeordnet sind.

    Und da man derartige Elemente selten sieht, werden sie dadurch auch nicht zur Normalität wie es Gewaltdarstellungen inzwischen geworden sind.

  • Ich kann viele Aussagen in diesem Thread zwar verstehen, aber nicht unbedingt zustimmen. Ich finde hier wird sehr viel durch den Raum geworfen was nicht unbedingt das Gleiche ist. Auch machen sich für mich einige Doppelstandarts bemerkbar. Das ist kein Vorwurf, sondern einfach nur eine normale Konsequenz unserer Gesellschaft in der Gewaltdarstellungen, Nacktheit und Sexualdarstellungen per se als Tabuthema gelten. Zu Mal in diesen Bereichen noch immer einiges ungeklärt erscheint und man sich noch nicht sicher ist wie man damit überhaupt umgehen soll. Nicht nur in Videospelen, sondern generell. Ich bin da natürlich kein Stück weit besser. Wenn ihr mich bei sowas ertappt, dann macht mich darauf aufmerksam. Schließlich ist die Prüfung eigener Meinungen ein großer Teil wieso ich hier bin.


    Zuallererst sei gesagt, dass Nacktheit allein keine Pornografie ist, es ist noch nicht mal unbedingt zwingend erotisch. Das gleiche gilt sogar für Sexdarstellungen. Die Grenzen sind natürlich sehr verwaschen und für jedem hier unterschiedlich und es gibt auch Menschen die selbst starke Extremfälle als erotisch ansehen können. Das bringt leider so seine Probleme mit sich, wie z.B. was die einen tolerieren und die anderen nicht, oder sogar zu Phänomen wie Necrophilie, Pedophilie und viele andere Erscheinungen und sexuelle Devianzen führen. Gegen einiges gibt es Gesetze, werden durch moralische Normen verpöhnt, bei andere Dinge nicht, aber dann gibt es auch gesetzliche und moralische Grauzonen.


    Aber nun zu den Videospielen. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Nacktheit in Videospielen. Für mich ist das ein weiteres Element, dass man einsetzen kann aus verschiedensten Gründen. Es kann Geschichten erzählen, Atmosphären unterstützen, Figuren bzw. Charaktere formen und auch zu Gameplay-Elementen führen. Ähnlich verhält es sich mit Erotik. Wie bei Humor auch, ist das gesamte Packet, d.h. die Intention, die Umstände, an wen es gerichtet ist, wie es genutzt wird und was es überhaupt ist, sehr wichtig. Mir ist die Freiheit für Videospiele als Kunstform sehr wichtig.


    Auch pornografische Videospiele gehören spätesten seit dem Start des VR-Segments in den letzten Jahren zu den großen Phantasien vieler Konsumenten. Die Welle ist längst nicht mehr aufzuhalten. Aber wieso denn auch? Wem ein normales Video nicht genug ist, dann zu einem VR-Headset greift und 360° Videos anschaut, sich dann aber noch Interaktivität wünscht... Ist das was schlimmes? Soll man das verbieten und die Leute einsperren? Was bringt das denn?


    Phänomene wie, dass Frauen (oder auch Männer) nur als Sexobjekt dargestellt sind, sind ein Problem für sich. Das gleiche gilt für erotische Darstellungen die deplatziert wirken oder nichts zu dem Spiel oder der Handlung beitragen.


    Ich selbst kam bisher mit nur wenig Erotik in Videospielen in Berührung. Wenn ich Nachtkheit sehe, dann sehe ich das fast schon eher als erfrischend an. Wieso sollte man etwas verstecken, dass einfach zu unserem Körper gehört? z.B. die von Megaolf genannte Szene aus GTA4 habe ich noch nicht gekannt und finde diese absolut nicht problematisch. Mir fallen auch Gegner und Leichen aus SOMA (ein Horrorspiel) ein, bei dem man wenn man genau hinsieht Geschlechtsorgane erkennen kann. Mit Erotik hat das aber nichts zu tun. Anders sieht das bei The Witcher 3 aus, bei dem es tatsächlich auch um Erotik geht. Ich habe es leider nicht selbst gespielt und kenne die Handlungen nicht wirklich gut, aber das was ich gesehen habe, fand ich in Ordnung. Auch erinnert mich das an die Gameplay-Demo von Cyberpunk 2077, in der man eine Frau rettet die nackt in einer Badewanne lag. Ich finde es in solchen Situationen echt gut, dass man die Körper so darstellelt wie sie aussehen und nicht krampfhaft versucht die Dinge zu verstecken.


    Richtig daneben finde ich dagegen Videospiele wie Dead or Alive (zumindest dieses Beachpool-Party Zeugs), eben aus Gründen wie Sexismus oder anderen Problemen. Deplatziert finde ich wie in BotW und SS eine recht junge Zelda total "versüßt" oder mit Szenen in denen der Arsch in die Kamera gestreckt wird sexualisiert wird. Abstoßend fand ich es auch, als ich die Pokemon aus den Let's Go streicheln konnte, die dann aber plötzlich Geräusche machen die mich eher an sehr junge japanische Mädchen aus Animes erinnern.


    was habe ich für einen Mehrwert, wenn innerhalb des Spiels Sex dargestelltwird?

    Eine etwas drastische und vielleicht dümmlich wirkende Gegenfrage: Aber was hast du für einen Mehrwert, wenn innerhalb des Spiels überhaupt etwas dargestellt wird? Hat das Einfluss auf das Gameplay? ... Eigentlich nicht, oder?


    Was ich damit sagen will ist, dass erotische Darstellungen oder Sexdarstellungen selbst keinen Einfluss auf Gameplay haben. In der Theorie hat man doch trotzdem die volle Freiheit die Spiel-Mechaniken zu gestalten wie man will. Machen dir denn die Spiel-Mechaniken des Segelns allein aus TWW Spaß? Den wenigstens. Es macht vermutlich eher nur als Teil eines Gesamtpackets Sinn. Trotzdem gibt es Spiele die sich ausschließlich mit dem Segeln beschäftigen, bringen dafür aber völlig andere Spiel-Mechaniken mit sich. Segeln ist genauso wie Sex nur eine Darstellung. Deswegen verstehe ich nicht wieso man sich hier im Thread so sicher ist, dass Sex in Videospielen keinen Spaß machen soll.


    Aber trotzdem finde ich nicht, dass man pure "Sexspiele" im Gamingbereich braucht. Mir waren schon Spiele a la Larry Suit und Konsorten ziemlich Suspekt.

    Redest du von dir oder generell? Ich bin mir sicher, dass Leute früher ähnliches von Pornofilmen behaupten haben.


    Meine Frage lautet aber - warum Sexualität im Gegensatz zu Brutalität so einen hohen Tabuwert hat und warum es scheinbar - wie auch aus den Antworten ein wenig hervorgeht - absolut in Ordnung ist, dass Brutalität in all ihren Facetten detailgetreu dargestellt wird, aber die Sinnhaftigkeit von Sexualität tatsächlich hinterfragt wird. Ist das nicht eigentlich ein Hinweis darauf, dass man in der Gewaltdarstellung völlig verroht, während man dieses öffentliche Tabu von Sexualität übernommen hat?

    Naja, das liegt vorallem daran, dass wir vermutlich zum größten Teil Videospiele (und auch Filme) aus Japan und den USA konsumieren. Dass es dort kulturelle Unterschiede gibt und Sexualität und nackte Haut ein größeres Tabu-Thema sind, sollte klar sein. Es gibt ja grundsätzlich kulturelle Unterschiede. (Off-Topic: Letztens habe ich davon gelesen, dass viele japanische Schüler nicht mit ihrer natürlichen Haarfare zur Schule gehen dürfen und diese stattdessen schwarz eingefärbt werden sollen. Wtf?) Deutschland geht z.B. etwas besser mit Nacktheit um. Trotzdem sind wir vermutlich die Form des Bekannten einfach gewohnt und deswegen reagieren viele so abgeschreckt nur weil es sich um Videospiele handelt.


    Jetzt stellt euch aber mal vor man könnte in einer sexuellen Handlung aktiv teilnehmen. Und zwar mehr als noch das dämliche Buttongehaue in God of War 3. Das man beispielsweise erst flirtet und dann schroff ran gehen kann und man mit X die Bluse und dann mit Y die Unterwäsche ausziehen kann. Und danach geht es erst richtig los. Auf der Switch wäre dann ja sogar noch mehr machbar. Die Joycons um die Hüften geschnallt kann der Cowboy mit Hüftbewegungen dann einen Highscore nach dem nächsten jagen. Ich möchte gar nicht wissen was dann abgehen würde. Die Frage ist natürlich wie spielenswert das ist und wie die Nachfrage danach aussieht.

    Falls du wissen willst wie das aussieht, gibt es schon genügend Videospiele, vorallem in VR-Bereich, die genau in diese Richtung gehen. Fehlt fast nur noch haptische Stimulierung...

  • Moody™  
    Weil ich von mir ausgehe und keinerlei Mehrwert darin sehe. Ich rede nicht für die Allgemeinheit, aber ich finde die Frage tatsächlich etwas seltsam – natürlich bringt mir die Darstellung vom Segeln; um deinem Beispiel zu folgen; etwas: Nämlich Fortbewegung.

    Spielerisch komme ich von Punkt A nach Punkt B. Wenn ich einen Gegner besiege (für mich muss das auch nicht super grafisch sein), dann habe ich auch einen Fortschritt. In den meisten Spielen, würde mir aber nicht einfallen, was Sex bzw. die Darstellung dessen, für einen Wert für das Spielerische hätte – und wenn es spielerisch eingebaut wird, mit welchem Grund.


    Wird es eingebaut, damit im Spiel etwas passiert oder wird es eingebaut damit mit dem Spieler (vorzugsweise in dessen Hose) etwas passiert? Wenn man diesen Effekt möchte, dann gibt es ja gewisse Spiele; und die gibt es auch in Form der Gewalt, das Beispiel habe ich ja schon genannt; aber in einem Otto-Normal-Spiel kann ich explizite Pornografie einfach nicht gebrauchen und sehe aus meiner Perspektive auch keinen Grund dafür.

    Außer vielleicht um sowieso in 99% der Fälle schlechte Romanzen „interessanter“ zu gestalten.


    Kann es sein, dass es irgendwann ein Spiel gibt, in dem es interessant, geschmackvoll und nicht sexualisierend aufgebaut ist? Durchaus! In Büchern klappt dies zum Beispiel auch schon ganz gut.

    Sehe ich momentan einen Bedarf in Videospiele mehr direkten Sex einzubauen? Nicht wirklich.

  • Die Antwort vorhin im Thread zu Atelier Ryza hat mich auf eine spannende Frage gebracht. Oder vielleicht eine Erkenntnis. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber was ich bemerkenswert finde - und das ist mir in zB. japanischen Spielen der letzten Zeit sehr häufig aufgefallen - ist diese fast schon spielerische Verkleidung von Sexualität. Hierbei werden klare Themen, wie Erotik, Sex und Geschlecht fast schon kindlich kichernd verniedlicht.

    Nehmen wir Dragon Quest XI, bei dem von Puff Puff die Rede ist. Das ist schon seit jeher ein "Insider Gag", quasi wird einem vermittelt, dass der Spieler oder Spielercharakter irgendwo was macht zwischen (Sorry die Ausdrucksweise) Tittenfick und Brust massieren - so genau wird es eben nicht erklärt, man sieht nur "Puff Puff" und suggerierenden Dialog und dann, als das Licht angeht, eine Frau mit zwei Schleimen in der Hand.

    Oder wenn ich die Yakuza Serie hernehmen. Hierbei werden regelmäßig Leuten die Finger abgeschnitten, sie werden zu Tode geprügelt oder erschossen, aber wenn Kiriyu in der Sexhotline anruft, wird zweideutiger Dialog eindeutig verniedlicht und "Sexvideos", sogar mit echten Girls - also Sexualisierung pur - werden auch gezeigt, nur eben keine nackten Brüste, aber warum dann überhaupt vollbusige Frauen in Bikinis zeigen? Was für einen Sinn hat sowas? Die Themen sind klar und die Andeutungen eindeutig, aber man getraut sich nicht einen Schritt weiter zu gehen und einfach nackte Busen zu zeigen, während man keine Probleme hat von sexueller Ausbeutung oder div. sexuellen Übergriffen zu sprechen - es gab zB. regelmäßig Quests wo man Leute verprügeln musste, die Höschen stehlen, spannen oder Ärsche angrapschen. Wenn man A sagt, warum sagt man nicht auch B?

    Oder nehmen wir die Themen in Catherine - absolut klassisch. Aber anstatt eben die Erotik auf natürliche Art und Weise zu zeigen, was nicht nur dem Spiel an sich zuträglich wäre, werden eben erwachsene Themen fast schon kindgerecht erklärt und peinlich versteckt, anstatt eben damit erwachsen umzugehen.

    Selbst in erwähntem Beispiel, Ateliear Ryza, haben wir eine knapp bekleidete Protagonistin mit hüpfendem Busen. Diese Art der Sexualisierung kommt sehr häufig in japanischen Rollenspielen vor (knappe Outfits, Bikinimails oder eben cringy Skins, wie zB. in Zanki Zero wo man als Vorbestellerbonus für jeden Char - auch die Frauen - Bikinioutfits bekommt) - sowas ist, wenn ich der Argumentationslinie der "Kritiker" folgen kann, eigentlich total sinnlos, dem Gameplay nicht zuträglich und braucht man nicht - aber trotzdem gibt es diese "Art" der Sexualisierung und sie wird allgemein als "niedlich" oder sogar "süß" beschrieben und ist schon fast Standart. Aber was ist der Unterschied, ein Outfit zu zeigen, dessen Zweck alleinig ist die sexualisierte Darstellung des meist weiblichen Körpers - wo ist dann das Problem, das "Kind beim Namen zu nennen" und statt eben dieser fast schon peinlichen Kaschiereri von Brüsten einfach auch tatsächlich Brüste zu zeigen? Will sagen, was bringt es, das Wort Fic*en so zu zensieren? Versteht ihr, was ich meine?


    Und diese Spiele sind ja keine Einzelfälle - gerade im japanischen Raum - zumindest mir geht es so, dass bestimmte sexualisierte Themen da regelmäßig auftreten, aber niemand je den "Mumm" hat, einfach mal erwachsen die Sexualität darzustellen... so "Auswüchse" wie Dead or Alive Busenball oder Omega Labyrinth Life sind dann eben die scheinheiligen Ergebnisse so einer angeblichen Tabuisierung. Ich blicke da einfach nicht ganz durch.

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  • Wenn du denkst, dass vorwiegend in japanischen Medien Frauen so sehr sexualisiert werden, oh boy… das Thema habe ich ja bereits angesprochen: Wenn jetzt Frauen schon oft reduziert werden, warum sollte man diesen Trend noch mehr füttern? Leider werden viele Spiele noch immer vorwiegend für den heterosexuellen Mann gemacht. Wohin dies abrutschen könnte, muss ich dann ja nicht erklären. (Wie gesagt: Töten ist in allgemeiner Menschenkenntnis ein Verbrechen; Chauvinismus nicht)


    Wobei da ja auch immer der kulturelle Hintergrund mit einspielt: In Japan gibt es eben (auch Design-Technisch) gewisse Stereotypen, die Anklang finden – im Westen sind dies oft eher extrem männliche Charaktere.


    Ich hatte hier mal in einem anderen Thread den Unterschied zwischen dem Nier „für den Westen“ und dem „originalen“ Nier – zwar war es da jetzt nicht so Sexualisierung, aber man sah hier ganz genau, dass ein westliches Publikum eben anders angesprochen wird, als ein Japanisches.


    Zumindest in vielen Fällen.

  • Ich wollte jetzt nicht die Japaner schelten, es lag nur dran, dass ich letztens sehr viele Spiele aus eben Japan gespielt habe und deswegen diesen Eindruck hatte. Natürlich war mein erster Gedanke, dass es halt so eine Kultur Sache ist, aber was ist denn das für eine Erklärung dafür, eben Hochsexualisiertes zu zeigen, aber eben mit dieser Atmosphäre, als würden Kindergartenkinder kichernd hinter vorgehaltenem Mund erklären, was der Unterschied zwischen Penis und Vagina ist - zumindest habe ich das Gefühl immer wenn ich japanische Spiele zocke. Da ist diese Art der sexualisierten Atmosphäre ohne die Sexualität tatsächlich auch anzusprechen so präsent, dass es mich jedesmal wieder wundert, ob die das wirklich ernst meinen und mich als Spieler für Blöd verkaufen wollen. Ich nehme die "kultureller Unterschied" Erklärung hin - gibt ja auch div. Spiele aus unterschiedlichen Ländern denen man eben auch ihre Herkunft teilweise ansieht - Beispiel Fahrenheit, da ja ua. Frankreich allgemein als "liberaler" gilt. Aber befriedigend ist so eine Erklärung lange nicht und meine Kernfrage, wie so etwas gewachsen ist, klärt es nicht. Wenn es quakt, wie ein Ente, watschelt wie eine Ente und ausschaut wie eine Ente, muss es eine Ente sein.


    Edit: Und weil es gerade aufkam, sexuelle und würdig, erwachsene Darstellung von Erotik oder Sex, wie es Moody schon schön beschrieben hat, ist nicht automatisch Objektifizierung von Personen (meist Frauen) - was ja auch eigentlich wieder irgendwo zeigt, dass man scheinbar eher die dargestellte Sexualität sofort als Fanservice enttarnt, weil es eben kaum eine erwachsene Darstellung von Erotik gibt, die eben einfach nur das ist, was eben Türen, durch die man nicht gehen kann, auch sind. Optische Elemente um die Welt glaubwürdiger und natürlicher zu gestalten. Denn erst durch solche cringy-Puff-Puff suggerierende Szenen wird das Thema als das enttarnt, was ich hier zu erklären versuche - dass die wenigsten Entwickler erwachsen mit dem Thema umgehen können oder wollen oder dürfen und sich lieber hinter dämlichen zweideutigen Themen verstecken anstatt das Thema anständig in ein Spiel einzuarbeiten. Weil die ganzen knappen Outfits und Puff Puff Szenen div. Rollenspiele die dazu noch Teen Ratings bekommen vermitteln ein viel dümmeres und einfältigeres Bild von Sexualität - im übrigen genau jenes, das hier kritisiert und abgelehnt wird.


    Ich versuche es anhand eines simplen Beispiels zu erklären, was mich an diesem "zweigesichtigen" und fadenscheinigen Umgang mit Sex in Videospielen stört.

    Wenn man bei einem Bild einer Frau mit nacktem Busen die Brustwarzen ausschneidet und stattdesen männliche Brustwarzen auf den Busen setzt, wäre das dann ok? Denn genau so kommt es mir oft vor. Es gibt Spiele, da können die Outfits knapper nicht sein, aber solange eben noch die Brustwarzen verdeckt sind, ist es ok, weil man zeigt ja schließlich nichts obszönes. Und die Entwickler tun fast so, als wären ihnen da knappe outfits herausgerutscht. "Upps, jetzt haben wir versehentlich einen Busen Bounce Engine eingebaut, Hoppla, sowas aber auch. Das soll aber überhaupt nicht sexuell gemeint sein, nein nein. Nackte Busen in einem Videospiel? Käme uns in tausend Jahren nicht in den Sinn".

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  • Bringe mir Beispiele von geschmackvoller Etablierung von Sexualität und Sexualisierung von Frauen, dann kann man ja gerne weiter drüber sprechen!


    Das Problem ist, dass solche Szenen (wenn sie gezeigt werden) im Regelfall nicht den Nutzen haben, der nicht obszön wäre – solche Cutscenes oder was-auch-immer bräuchte ich persönlich jetzt auch nicht, aber leider, leider driftet Sex schnell in Schmutz ab – und ich traue den meisten Spielentwicklern auch nicht zu, dass sie da besser sind, wenn sie es nicht mal hinbekommen Videospielfrauen mehr als zwei Stofffetzen anzuziehen.


    Trotzdem wurden ja schon zig andere Gründe genannt, warum Erotik in Videospielen ein „gefährliches“ Pflaster sind – zum einen der schmale Grat zwischen Sexualisierung und „guter Erotik“, zum anderen das Rating, welches man überschaubar halten will und zu guter Letzt die Unterschiede in unterschiedlichen Kulturen und vielleicht auch einfach das Interesse. (Ich habe zumindest noch nie spezifisch nach einem Spiel mit sexueller Darstellung gesucht)


    Aber ich gebe dir Recht: Im Grunde würde es mich nicht stören (und ich denke damit wäre ich nicht alleine), wenn ein weiblicher Nippel gezeigt wird; als Beispiel; und ich bin mir auch sehr sicher, dass man diese bei uns auch am Mittag zeigen darf – habe das schon mal bei Talkshows gesehen. In Amerika allerdings nicht und das ist mitunter der größte Spielemarkt.

    Sony ist ja schon so weit gegangen, die Nippel in Devil May Cry 5 zu zensieren, in Japan und auch in Deutschland, ist dies nicht der Fall – außer auf der PlayStation 4, weil Sony eben denkt, dass die so ihren Ruf schützen.


    Ich nehme an: Bevor ein Entwickler die Gefahr läuft, dass ein Spiel in gewissen Gebieten nicht verkauft oder abgeändert werden muss, verzichtet er einfach darauf. Entweder weil es schlechtere Verkäufe bedeutet, einen Mehraufwand oder eine geschnittene Version, bei der vielleicht Szenen aus dem Zusammenhang gerissen werden.


    Offenheit bezüglich des Themas; solange geschmackvoll; stünde ich ja offen gegenüber (momentan fällt mir nur wirklich kein einzelnes Beispiel ein, wo ich mir dachte „Hah, das hätte jetzt mehr Sexappeal gebraucht…“), aber ich finde die Gefahr in noch mehr Sexualisierung abzurutschen bedenklich und glaube eben auch, dass es so einfach schwerer wäre eine „Einheit“ zu finden, weil nicht alle Kulturen denselben Zugangspunkt zu der Thematik haben.

  • Es ist ziemlich schwer, solche Spiele zu finden, die Sexualität würdig zeigen, weil - das ist ja die crux am Thema - die würdige Darstellung von Sexualität derart im Sog vom Ruf solcher Spiele gefangen ist, der gleich mal vorauseilt, wenn man Brüste in Spielen sieht.


    Zb. Rust - ein Spiel wo man nackt auf einer Insel startet. Wer will, kann primäre Geschlechtsteilte zensieren - oder auch nicht. Es trägt nichts zum Gameplay bei, außer, dass man halt echt einfach nackt ist und ums Überleben kämpft.


    Fahrenheit und Heavy Rain. Die jeweiligen Szenen - in Fahrenheit die beiden Sexszenen und in Heavy Rain die Duschszene - fügen sich natürlich ins Gameplay ein, wirken nicht als Fanservice sondern einfach als normale Szene, die für sich auch so Sinn macht und auch das Spiel nicht unnötig obszön oder schmuddelig macht.


    God of War - tatsächlich zwar sexualisiert, aber Kratos ist ein verdammter Gott und dazu noch einer der blutrünstigsten überhaupt. Wer zB. die griechische Kultur und Geschichte verfolgt hat, weiß, dass Sexualität da immer ein sehr präsentes Thema war, demzufolge fand ich es absolut natürlich, zB. die Mädchen, mit denen sich Kratos vergnügen kann, oben ohne darzustellen, genau so wie einige Göttinnen oder eben die böse Medusa. Es wirkt einfach glaubwürdig, weil die Griechen, was Sex betraf, ja nichts ausließen und somit zum Thema stimmig und hat auch nicht irgendwo auf sexuelle Weise aufdringlich gewirkt.


    GTA IV - eben erwähnte Szene, ich glaube es war in dem DLC zu the Ballad of Gay Tony oder das mit den Bikern - da spricht man mit einem Senator, von Mann zu Mann, und er kommt glaube ich grad aus der Dusche oder so und ist halt nackt. Erst wird er eben klassich zensiert aber schließlich sieht man ihn voll von vorne und eben seine kleine Männlichkeit, ganz natürlich und ungeschönt, für ein Mafia-Epos passend.


    The Witcher 3 - es hat für mich einfach gepasst, dass Geralt div. Mädchen auch nackt sieht, sie sich ihm hingeben und er nebst Wein und Gesang sich auch dem Weib widmet. Wenn bei einem Game of Thrones Millionen Zuseher in der ersten Staffel div. sexuelle Handlungen, Inzest und Vergewaltigung anschauen, dürften sich auch die Wenigsten geekelt haben, denn die Serie hat danach immer noch rekordverdächtige Quoten gehabt. Warum also kann Sex nicht auf diese Weise in Videospielen - wenn es zur Geschichte und Spielwelt passt und sich natürlich einfügt - akzeptiert werden? Oder sehe ich da etwas nicht?


    Leider viel zu wenige Beispiele, was auch eben der springende Punkt ist - Sexualität in all seinen Facetten ist so ein allgegenwärtiges, Thema und dafür kommt es aber verdammt selten auf passende und erwachsene Weise in Videospielen vor, verglichen mit anderen Themen bei denen es Entwickler auch oft schaffen, diese auf eine Weise darzustellen, die nicht aufdringlich all die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und wie Fanservice wirken sondern einfach nur die Spielwelt, Emotionen und Beziehungen der Charaktere beschreiben und zeichnen.


    Was den schmalen Grat betrifft - ich gebe dir da voll recht - wenn man Sex in Videospielen findet, ist es meist diese einseitige, eindimensionale Darstellung bestimmter Rollen und auch das ist ein Resultat davon, dass eben Erotik viel zu wenig diese Plattform erfährt, die es verdient hätte und verkommt stattdessen zu diesem Thema, das ständig einen anrüchtigen Beigeschmack hat, Jugendliche vor ihren Konsolen geil machen zu wollen, dabei könnte Sexualität so viel mehr auslösen, wie halt andere Emotionen auch.


    Ja, Demographien von Spielen und Zielpublikum ist bestimmt auch ein legitimer Punkt, warum eben Sex in Videospielen nicht so sehr sell-t, sexuelle Darstellung in Spielen hat aber, wenn es eben nicht den schmuddligen Unterton hat oder sich selbst darauf reduziert, vielen dieser oben erwähnten Spiele nicht geschadet. GTA IV, Witcher 3, God of War, die Quantic Dreams Spiele etc. haben sich alle hervorragend verkauft.

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  • Ja, Demographien von Spielen und Zielpublikum ist bestimmt auch ein legitimer Punkt, warum eben Sex in Videospielen nicht so sehr sell-t, sexuelle Darstellung in Spielen hat aber, wenn es eben nicht den schmuddligen Unterton hat oder sich selbst darauf reduziert, vielen dieser oben erwähnten Spiele nicht geschadet. GTA IV, Witcher 3, God of War, die Quantic Dreams Spiele etc. haben sich alle hervorragend verkauft.

    Ja, diesen Spielen wurden diese Sex-Szenen aber auch (zumindest meines Wissens nach?) nicht irgendwie nachgetragen – wobei ich bei David Cage bzw. Quantic Dream-Spielen immer etwas mit Vorsicht genießen würde. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht an die Szene aus Fahrenheit erinnern, aber das DC / QD so seine Problemchen hat ist vor allem auch am aktuellen Beispiel Detroit: Become Human zu sehen.

    Ich mag das Spiel, aber es hat auch ziemlich käsiges Writing und irgendwie hatte jedes Spiel dieser Art käsiges Writing, was einer sexuellen Szene nicht zwingend zu Gute kommt.


    Mir ist es in dem Sinne lieber, dass man darauf verzichtet, als dass man es verbockt. Wobei ich fragen muss: Ist eine Szene nun weniger sexy, weil eine Person vielleicht nicht komplett nackt ist, sondern sie ein aufreizendes Kleid anhat?

    Wobei ich hier den Vergleich persönlich schlecht ziehen kann. Ich habe als Referenz großteilig japanische Spiele und da wird (abgesehen vom Design, welches eben gewisse kulturelle Vorlieben abdeckt) so etwas eben eher humoristisch geregelt, was ja wieder etwas Anderes ist. (z.B. Puff Puff)


    Auch in Final Fantasy VII wurde das Ganze auf die Shippe genommen (ich erinnere hier an den kompletten Puff-Subplot) und in Final Fantasy VIII wird sich auch darüber lustig gemacht (Sex-Appell). Ich denke, da spielt auch wieder der kulturelle Unterschied mit ein.


    Wieso dies so ist… na ja, ich bin kein Psychologe.

  • Der Vergleich mit der Gewalt-Thematik ist durchaus gut. Es wird hier ja viel von brauchen gesprochen, und ich frage mich in der Hinsicht dann auch: Brauche ich in einem Videospiel herumfliegende Körperteile? Brauche ich das, in GTA mit einem Auto in die Menschenmenge zu fahren? Brauche ich das, mit einer Knarre auf einen Menschen zu schießen und dabei das Blut spritzen zu lassen? Ich meine, wenn wir es nicht brauchen, dann können wir auch einfach soweit gehen, wie es die deutsche Version von Half-Life 1 vorgemacht hat.


    Wenn dort ein Wissenschaftler gestorben ist, dann spritzte kein Blut aus ihm, und schon gar nicht ist er aufgrund einer Explosion in seine Einzelteile zerfallen. Ne, er hat sich einfach auf den Boden gesetzt und mit dem Kopf geschüttelt. Bis er sich dann nach ein paar Sekunden langsam ins Nichts entmaterialisiert hat.


    Wofür braucht es mehr? Welchen spielerischen Mehrwert hat es, wenn wir Gewalt detailgetreu am Menschen darstellen? Wenn es einem um das Gameplay-Feeling geht, dann kann man das auch anders erreichen. Wieso nicht auf Roboter schießen, die dann richtig schön in ihre Schrott-Einzelteile zerfetzt werden? Und warum beim Menschen aufhören? Die armen Wölfe und Bären, die in Skyrim bereits mit Schwertern aufgeschlitzt und mit Feuer-Magie lebendig verbrannt wurden. Und dazu die Wimmer-Geräusche. Wofür braucht es die eigentlich? Sind denn alle Leute, die ihre Spiele lieber unzensiert spielen, primitive Barbaren?

    _____


    Am Ende des Tages sind Videospiele für mich eine Kunstform. Und die Entwickler sind in dem Fall die Schmiede einer ganz bestimmten Spielerfahrung & Atmosphäre. Sie entscheiden, welche Themen behandelt und welche Botschaften vermittelt werden sollen. Von Anfang bis Ende setzen sich da Leute hin, und erschaffen ein Spiel nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Die wollen etwas erschaffen, was sie selbst mögen. In der Hoffnung, das es auch von den Spielern gemocht wird. Und das ist doch etwas gutes, wenn Entwickler ebenso künstlerische Freiheit genießen, wie es ein Buch-Autor oder Regisseur tut. Und wenn dazu eben Nacktheit, Erotik und Sex gehört. Wenn es mir nicht gefällt, dann kaufe ich es nicht.


    Leider funktioniert es nicht immer genau so, wie ich es oben beschrieben habe. Die Entwickler vom legendären GTA: San Adreas bspw. haben sich damals zu vielem getraut. Gang-Kriminalität, Drogen, Polizei-Korruption, Kritik an Regierung und Gesellschaft, derbe Satire und expliziter Humor. Es gibt aber eine Sache, zu der sie sich nicht getraut haben, und das ist ein Sex-Minispiel. In welchem man Geschlechtsverkehr mit einer Frau haben konnte, mit welcher man eine Beziehung führt. Die entsprechende Sequenz ließ sich damals noch in den Game Files finden.


    Man hat es dann aber wohl doch als zu derb oder geschmacklos empfunden, und nicht im Endprodukt eingebaut. Menschen mit einem riesigen Feld-Häcksler zu rotem Matsch verarbeiten? Alles easy. Ein Sex-Minispiel mit dem virtuellen Partner? Seid ihr denn völlig bescheuert, GTA-Entwickler? Warum verschwendet ihr eure Zeit damit, solche Dinge zu programmieren?

    _____


    Im Endeffekt sehe ich persönlich die Sache ganz locker. Entwickler sollen machen, worauf sie Bock haben. Und ich kann dann später entscheiden, ob mir ihre Vision von einer Spielerfahrung gefällt oder nicht. Es gibt viele verschiedene, subjektive Präferenzen. Und ich möchte niemandem vorschreiben, was er erschaffen oder konsumieren darf. Obwohl es niemand braucht, stehen Leute trotzdem auf Sex Appeal & Fan Service in ihren Spielen. Das verhält sich doch genauso wie mit vielen anderen Dingen. Story, Schwierigkeitsgrad, Rätsel, Gewaltdarstellungen, Politik. Manche wollen mehr davon, die anderen wollen weniger. Und am Ende entscheidet eben der Entwickler, wenn er sich denn traut.


    Nur das mit dem trauen ist, wie von einigen Vorpostern bereits angesprochen, die Problematik an dem ganzen Thema. Gerade wenn es automatisch damit gleichgesetzt wird, das man Frauen zu Sex-Objekten degradiert. Was aber mMn. eher dadurch entsteht, das man sich nicht dazu traut, das Thema Sex vollständig in Videospielen zu behandeln. Statt des Sex-Minispiels aus San Andreas, wo 2 Partner miteinander schlafen, bekommen wir stattdessen den obligatorischen Strip-Club, unrealistisch große Busen sowie möglichst freizügige Klamotten für weibliche Videospiel-Charaktere. Was davon reduziert die Frau am Ende wirklich immerzu auf ihren Körper?

  • Ich will an dieser Stelle nur schnell einwerfen, dass man ein künstlerisches Produkt wie ein Videospiel niemals losgelöst von seinem kulturellen Hintergrund betrachten darf, wenn man solche Fragen wie die hier zu Grunde liegende beantworten möchte.


    In diesem Sinne:

    Aber was ist der Unterschied, ein Outfit zu zeigen, dessen Zweck alleinig ist die sexualisierte Darstellung des meist weiblichen Körpers - wo ist dann das Problem, das "Kind beim Namen zu nennen" und statt eben dieser fast schon peinlichen Kaschiereri von Brüsten einfach auch tatsächlich Brüste zu zeigen

    Frag das einen Japaner oder jemanden, der sich beruflich mit der japanischen Kultur auseinandersetzt; zumindest wenn es um japanische Videospiele geht, auf die du dich in deinem Post ja bezogen hast.

    Wozu werden in japanischen Hardcore-Pornos (wo mit Gewalt (gegen Frauen) häufig nicht gegeizt wird) Genitalien verpixelt? Macht aus unserer/westlicher Perspektive Null Sinn, für die Japaner anscheinend schon. Oder, anderes Beispiel, warum hat eine japanische Künstlerin (hab leider ihren Namen vergessen) für einen nationalen Aufschrei gesorgt, weil sie Gipsabdrücke von ihrem Vaginalbereich gemacht und als Kunst verkauft hat, während alljährlich zu einem bestimmten Fest riesige Phalli durch die Stadt/das Dorf getragen werden?

    Ganz offenbar sind die Japaner bei diesem Thema (aus westlicher Perspektive) sehr eigen(artig) und das wird sich auch auf die in diesem Kulturkreis entstehenden Videospiele auswirken.

    Also müsstest du, bevor du deine Frage für japanische Videospiele beantworten kannst, erst einmal klären, warum das Verhältnis der Japaner zur Darstellung von Sexualität so ist wie es ist - und das ist vermutlich alles andere als einfach.

  • Im Zuge der Diskussion musste ich an das erst letztens eröffnete Thema Für Kinder viel zu einfach erreichbar denken, welches sich bereits mit einer sehr ähnlichen Thematik beschäftigt hat, allerdings genau in die andere Richtung. Wie leicht es bereits im frühen Alter ist, an sexuelle Inhalte zu gelangen - völlig egal ob liebevoll oder brutal - und wie sich das auf die Mentalität auswirkt. Ob falsche Eindrücke von Sex entstehen und die ersten eigenen Erfahrungen in eine ungünstige Richtung lenken könnten. Hier wiederum wird diskutiert, warum nicht offener mit dem Liebesleben umgegangen wird. Die beiden Themen lassen sich doch gut miteinander verknüpfen, ja vielleicht möchten sie sich auch gegenseitig näher kennenlernen oder gar zusammen in die Kiste hüpfen? :woot2:


    Ich bin mir sicher, dass vermehrter Einbau von Erotik und Co. zugleich wieder eine Kontroverse auslösen würde, einfach weil es die Gesellschaft nicht gewöhnt ist. Das braucht einfach seine Zeit. Selbst wenn Spiele ab 18 freigegeben sind: jeder weiß, dass auch Jüngere ihre Quellen zum Ergattern haben und Inhalte wie diese nicht sicher vor ihnen wären. Würden dann womöglich auch diese Spiele ihren Eindruck von Sex beeinflussen, bevor sie ihn das erste mal selbst erleben? Wie würde das ankommen?


    Meine eigene Vermutung, warum bei Videospielen gnadenlose Gewalt im Gegensatz zu Sex so weit verbreitet sein könnte, ist die Neigung weg vom Alltag. Niemand würde sich wünschen im Krieg zu leben, wo tote Menschen allgegenwärtig sind und man um sein Leben bangen muss. Wir dürfen froh sein, dass das Risiko im Vergleich zu früher drastisch gesunken ist und unser Leben weit weg von Brutalität wie dieser ist. Dennoch entwickelt man durchaus eine Art innere Neugierde durch Medien, sich näher damit zu beschäftigen, ohne in Wirklichkeit in Gefahr zu geraten. Der Wunsch danach wird entsprechend durch blutige Games, aber auch Filme befriedigt.

    Sex wiederum ist etwas, das nahezu jeder früher oder später regelmäßig in seinem Leben erlebt. Es ist nicht weit weg vom Alltag, sondern im Gegenteil, es gehört klar dazu. Ursprünglich dem Zweck der Fortpflanzung gedacht, weshalb wir Menschen auch den Trieb zur Umsetzung verspüren, so wird es doch größtenteils aus Spaß an der Freude getan. Wer einmal einen festen Partner hat und glücklich ist, der empfindet keinerlei Durst mehr nach Sexualität in den Medien. Zumindest erging es mir so und ich weiß ebenfalls, dass ich damit nicht alleine dastehe. Deswegen halte ich die Nachfrage nach solch intimen Inhalten für wesentlich geringer. Im schlimmsten Falle könnten sie sogar dazu führen, dass eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Sexspielen für den Partner eine Beleidigung darstellen würde. Ist man selbst etwa nicht mehr genug oder nicht perfekt? Schaffe ich es nicht, ihn angemessen zu befriedigen? Fragen wie diese könnten dem anderen Lebenspartner durch den Kopf schießen und letztendlich zu Streit oder gar einer Trennung führen. Ich habe schon erlebt, dass sich eine Frau darüber aufgeregt hat, als ihrem Partner in ihrer Anwesenheit Bilder von nackten Frauen zugeschickt wurden. Natürlich war sie sauer auf den Versender und nicht ihren Partner, der danach gar nicht gefragt hatte. Aber es hat mehr als deutlich bewiesen, dass er alleine beim kurzen Anschauen von Pornodarstellerinnen bereits seine Freundin verletzt hat.


    Ich will damit nicht sagen, dass Sexspiele sich nicht verkaufen würden. Im Gegenteil, sie hätten definitiv ihre Abnehmer. Schließlich spricht es viele Jugendliche vor ihrer ersten Beziehung an und es gibt generell auch einige Singles auf der Welt. Ebenfalls sind Paare nicht auszuschließen, die kein Problem damit haben, wenn ihr Partner so etwas konsumiert. Von Koikatsu Party höre ich gerade zum ersten mal, aber ein Artikel von PC Games sprach sofort vom Knacken einiger Verkaufscharts auf Steam. Wer sich nicht gerade dafür schämt, dass seine hinzugefügten Freunde sehen, dass er ein Sexspiel gekauft hat, greift hier eindeutig zu. Das unterstreicht doch eine gewisse Nachfrage. Zudem scheint das Spiel ja neben diesem existierenden Schulalltag ein waschechter Hentai-Simulator zu sein. Der Charaktereditor kennt offenbar keine Grenzen, womit quasi jede bekannte Anime-Figur nachgestellt werden kann oder sogar bereits vorgegeben ist, und dann gehts nach ein paar Konversationen ab in die Kiste. Wenn das nicht ein Killer für billig programmierte Freeware auf riskanten Websites ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Ich vermute, dass hier mit einem völlig legalen und verbreiteten Release ein erster wichtiger Schritt in Richtung Offenheit getan wurde und der Erfolg andere Entwickler zum Ausprobieren hinsichtlich mehr Sex in Games motivieren könnte.


    Persönlich habe ich noch keinerlei Erfahrungen mit dem Thema Sex in Videospielen gemacht. Die genannten Titel wie GTA, Witcher und God of War habe ich allesamt nicht gezockt. Mehr als ein zweideutiger Dialog in Assassin's Creed Odyssey, der zu einem schwarzen Bildschirm und anschließend einem Gespräch danach à la "Das war gut" führt, gabs bei mir beim Zocken noch nicht. Zumal auch das in einer mit über 100 Stunden gefüllen Spielwelt höchstens 14x geschehen kann und darüber hinaus völlig optional ist. Das macht demnach nicht mal 1% des Spiels aus. Ansonsten habe ich aber sehr wohl schon Games gezockt, in denen es sexuelle Darstellungen gab. Gemeint sind Beat'em'ups, völlig egal ob im 2D Anime oder 3D Realismus Stil. Ein BlazBlue oder The King of Fighters sind da doch schöne Beispiele, auch wenn ich nur ein paar Stunden mit ihnen verbracht habe. Da lässt es sich auch nicht umgehen, dass man freizügige Elemente zu Gesicht bekommt. Die Dead or Alive Reihe wiederum mag ich persönlich sogar sehr, ich habe dutzende Spielstunden gesammelt und hier gehen einige Kostüme ebenfalls nicht sparsam mit Haut um. Doch zumindest Brustbewegungen kann man einfach in den Optionen vom Standard runter auf realistisch ändern oder gar komplett ausstellen. Aber wenn der Online-Gegner eben meint im Bikini zu kämpfen, dann kann man es wie gesagt trotzdem nicht umgehen, mit diesen Darstellungen konfrontiert zu werden. Aber das sollte in allen Fällen auch gar nicht das Problem sein, da es sich bei diesen drei Reihen trotzdem um Prügler mit ausgefeiltem und qualitativem Kampfsystem handelt.


    Wenn man mich abschließend fragt, ob ich Sex in Videospielen brauche, lautet meine Antwort ganz simpel "Nein" und das einzig und alleine aus dem Grund, dass ich eine glückliche Beziehung führe, durch die ich nicht das Bedürfnis danach verspüre. Entsprechend gehöre ich ja selbst auch zur Fraktion "Brutale Games? Gerne! Sexgames? Nein danke". Bei den meisten Themen reicht es eben, wenn man sie entweder in Videospielen oder im Real Life erlebt. Wer Landwirt ist, schmeißt abends dann sicherlich nicht den Landwirtschafts-Simulator an. Wer Interesse, aber kein Geld oder Nutzen für einen Sportwagen hat, drückt lieber in Games aufs Gaspedal und muss nicht mal Verletzungen bei Unfällen befürchten. Und wer schon mal Krieg am eigenen Leibe erfahren hat, wird sicherlich nicht sonderlich positiv gegenüber Kriegsspielen eingestellt sein.

    Zugleich kann ich aber auch ganz klar sagen, dass ich als Single wahrscheinlich offener für eine vermehrte Umsetzung von Sex in Spielen wäre. So bin ich zwar nicht dagegen, werde mich aber auch nicht damit auseinandersetzen. Wichtig wäre in erster Linie eben, dass die Darstellung liebevoll bzw. zum Rest atmosphärisch passend sein und nicht einen auf Coolness machen würde. Ich bin zuversichtlich, dass sich Sex in den Medien generell mehr etablieren wird, sobald einmal das richtige Händchen für den Umgang mit der Thematik gefunden wurde. Es gehört zu den normalsten Dingen auf der Welt und sollte, sofern es aus beidseitigem Willen geschieht, nichts sein, wofür man sich schämen muss.

  • Wenn man mich abschließend fragt, ob ich Sex in Videospielen brauche, lautet meine Antwort ganz simpel "Nein" und das einzig und alleine aus dem Grund, dass ich eine glückliche Beziehung führe, durch die ich nicht das Bedürfnis danach verspüre.

    Ich versuche ja ohne die Zitatfunktion auszukommen und nicht aus dem Kontext gerissene Aussagen zu kommentieren, aber hier konnte ich nicht anders - denn diese Aussage finde ich interessant. Einerseits versuche ich ja seit mehreren Beiträgen zu erklären, dass für mich Erotik in Videospielen eben nicht als Wichsvorlage oder Ähnliches dienen, sondern für Immersion in der Spielwelt sorgen soll. Und andererseits ist der Umkehrschluss, dass sich Leute, die eben keine Gewalt in ihrem Privatleben haben, sich diese (Gewaltphantasien) dann per Videospiel holen? Denn das ist mehr oder weniger auch Teil der Argumentation die nun mal wieder in den USA stattfindet - frei nach dem Thema, machen Videospiele uns gewalttätig.

    Umgelegt auf die Erotik Debatte könnte man jetzt fragen - macht Erotik in Videospielen uns zu Sexisten, wie ich es hier angedeutet sah in manchen Antworten.


    Interessant, ob die Debatte über Gewalt in Videospielen und ob diese zu Gewalt im echten Leben führt, auch auf Erotik umgelegt werden könnte?!

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