Bücher, die ihr schlecht findet?

  • Hallo
    Jeder hat sie- keiner mag sie: Schlechte Bücher. Und jeder hat andere Gründe, warum er ein Buch schlecht findet: Der eine findet den Schreibstil schlecht, der andere hasst die Charaktere und noch ein anderer ist von den ganzen Szenen genervt, die wahrscheinlich nie für die Haupstory relevant sind. Und in diesen Thread könnt ihr über Bücher berichten, die ihr schlecht findet.
    Mir fallen da einige Bücher ein, obwohl die meisten Serien sind, die ich nie ganz fertig gelesen habe.
    Am Anfang wäre da Oksa Pollock, eine Buchreihe, die von einem zaubernden Mädchen namens Oksa handelt. An Oksa Pollock mich einiges. Zum Beispiel die Protagonistin. Sie lernt nicht nur die komplizierteste Kunst, ohne einmal zu scheitern, und hat auch irgendwie nichts negatives an sich. Selbst ihre Neugierde, die sie wahrscheinlich etwas natürlicher machen soll, wurde so eingebaut, dass sie nicht schlecht wirkt. Dann währen noch diese ganzen Nebencharaktere, die irgendwie keinen oder kaum Charakter haben. Nicht zu vergessen sind die ganzen Fantasywesen, von denen jede etwa eine halbe Seite zur Vorstellung hat. Und dann gibt es von diesen Tieren nur eine Hand voll, die überhaupt eine richtige Rolle in den folgenden Bänden haben. Nicht zu vergessen sind alle Szenen, die die Haupstory nicht benötigt. Das sind in etwa die letzten 200 Seiten vom ersten Band. Diese wurden wahrscheinlich nur erschaffen, um meine Zeit zu stehlen, da das Ende auch ohne sie existieren kann.
    Dann wäre da noch House of Night. Das ich die Reihe hier erwähne, liegt an den vielen unnötigen Szenen, wegen denen ich die Reihe nie fertig gelesen habe (sofern sie schon ein Ende hat).

  • Ich hatte einige Bücher, die ich aus vielerlei Gründen nicht zu Ende gelesen habe und alleine aus diesem Grund wage ich es nicht, diese hier aufzulisten. Oftmals waren es "Klassiker", die ich in der Schule lesen musste. Ich bin wirklich sehr von Werken wie "Faust" oder "Der Prozess" beispielsweise sehr angetan, aber teilweise bekamen wir dort einen Firlefanz vorgesetzt, den ich mir, so sehr ich auch wollte, nicht antun konnte.
    Die Krone dieses Bücherstapels bildet ganz klar "Der Reigen" von Arthur Schnitzler. Dieses kleine Buch beschreibt 10 verschiedene Szenen in Formen von Dialogen zwischen Männlein und Weiblein, die sich am Ende jeder Szene dem Akt der Liebe hingeben. Dabei kommt jeder Charakter zweimal vor und am Ende schließt sich der Reigen wieder:


    1. Szene: Dirne & Soldat
    2. Szene: Soldat & Stubenmädchen
    3. Szene: Stubenmädchen & Junger Herr
    [...]
    10. Szene: Graf & Dirne


    Das einzige, was daran irgendwie interessant ist, sind die Angehörigen der verschiedenen Bevölkerungsschichten, die hier auf den sexuellen Trieb reduziert werden, aber sonst ist dieses Werk einfach nur stumpf. Bekanntheit bekam dieses Werk auch nur, weil es 1920 bei der Uraufführung ein großer Theaterskandal war, da es damals als viel zu pornografisch galt und als "Schweinerei" bezeichnet wurde. Ich hörte die Schauspieler wurden dabei sogar vom Publikum bespuckt.
    Im Werk selbst werden sexuelle Handlungen jedoch nur durch ein "..." gekennzeichnet. Schon fast lustig, wenn man sich heutzutage moderne Bücher anguckt, wo sexuelle Handlungen und Obszönitäten im Mittelpunkt stehen (z.B. "Feuchtgebiete", "Shades of Grey").


    Wir haben den "Reigen" im Abitur durchgenommen und es war eines unserer 3 Abiturthemen. Einfach grauenvoll. Das Buch hat so viel Inhalt wie eine leere Packung Milch weshalb alle Aufgaben, die damit zusammenhingen, lediglich Interpretationsanalysen waren wo man einen Text eines Kritikers zu dem Werk interpretieren sollte, nicht das Buch selbst. Unsere Parallelklasse musste das Stück in DSP (Darstellendes Spiel) auch noch aufführen, haha.

  • Wirklich schlecht finde ich kein Buch, aber es gibt ein paar Bücher, die ich vom Geschmack her eher uninteressant finde. Das trifft vor allem auf solche Bücher zu, die ich in der Schule lesen musste. Beispiele wären Woyzeck von Büchner, Frau Jenny Treibel und Irrungen, Wirrungen von Fontane, Frühlings Erwachen von Dedekind und Die Jungfrau von Orleans von Schiller. Ich stelle sie mir durchaus als zum Teil gute Lesebücher vor, wenn man nur die entsprechende Begeisterung für die deutsche neuzeitliche Literatur hat, aber das trifft in meinem Fall weniger zu. Einige Schulbücher fand ich ganz gut und hatte ich auch nach der Schule jeweils noch einmal gelesen, was wohl auch daran liegt, dass sie einen Bezug zu Themen haben, die meinem Interessengebiet eher entsprechen. Schlecht im eigentlichen Sinn ist aber wie gesagt nichts davon.


    Die Bücher hingegen, die ich mir freiwillig für meine Freizeit kaufe, finde ich allesamt gut und lesenswert. Diese sind dann meistens aus Japan, Amerika und der Antike.

  • Phirone : oh nein, Woyzeck liebe ich sehr. Das tut mir jetzt weh, das hier drin zu sehen xD Nein Spaß. Über Geschmack lässt sich ja nicht streiten ;)


    Da ich extrem viel lese sind mir natürlich schon einige Bücher in die Hände gefallen, die ich gar nicht mochte. Spontan fallen mir drei ein, waren aber sicher noch mehr.


    Da wäre zum einen "Der Club der Teufelinnen" von Olivia Goldsmith. Ich kannte lange nur den Film (den ich sehr mag) und wusste nicht, dass es ein Buch dazu gibt, bis ich das mal zufällig in der Bibliothek im Regal gesehen hab. Nachdem ich es dann ausgeliehen und halb durchgelesen hatte, wusste ich auch, wieso man von dem Buch nirgends erfährt... Himmel, ich habe selten ein so deprimierendes Buch mit so grauenvollen Frauenfiguren drin gelesen. Wo der Film charmant, witzig und emanzipiert ist, flennen die Frauen im Buch permanent rum, bekommen alleine nix gebacken und rutschen eher zufällig in besagten Club. Noch dazu finde ich den Schreibstil echt mies. Einer der Fälle, in dem der Film wesentlich besser als das Buch ist.


    Auch nicht gefallen hat mir "Headhunter" von Jo Nesbo. Ich habe bisher nur das Buch von ihm gelesen und kann ihn daher als Autor nicht wirklich beurteilen, anscheinend schreibt er ja echt tolle, spannende Thriller, aber das war echt nix. Ich habe bis zum Ende nicht kapiert, wieso der eine Typ den anderen Typ gejagt hat und umbringen wollte. Das Motiv das genannt wurde konnte ich einfach null nachvollziehen. Und: Der Gejagte versteckt sich im (!) Plumpsklo, dass der Jäger dann in dem Moment aufsucht? Ernsthaft??


    An klassischer Literatur mochte ich den "Proceß" von Kafka nicht, obwohl ich Kafka eigentlich gerne mag. Das liegt aber weniger am Buch an sich als daran, es als Abiturthema zu bestimmen, obwohl das Buch nicht fertig ist und Kafka selbst es nie veröffentlicht haben wollte. Ich meine, was zum Geier soll das dann?


    edit: ah, eben ist mir noch was eingefallen: die ganze Smoky-Barret-Reihe von Cody Macfadyen. So an sich sind die ja ganz spannend und auch den Schreibstil finde ich gut, aber ich habe selten so überzeichnete Figuren gesehen. Alle sind wunderschön und alle haben ein ganz schlimmes Schicksal und ganz schlimme Sachen erlebt. Allen voran natürlich die Hauptfigur Smoky Barret, deren Schicksal alles überstrahlt. Meiner Meinung nach wäre da weniger echt mehr gewesen, bei jeder neuen wunderschönen Figur mit schlimmer Vergangenheit wurde es nerviger.

  • Ich bin bei Weitem nicht mehr so eine Leseratte wie früher. Ich glaube so schon mit 12 oder 13 habe ich angefangen, jedes Buch spätestens bei ca. 100 Seiten abzubrechen. Da ich früher als Kind natürlich so ziemlich jedes buch mochte, was ich gelesen hatte (immer schöne Abenteuer :D), kamen die Bücher, die mir nicht gefielen, immer aus der Schule. Manchmal behandelten sie eben auch ein etwas ernsteres Thema, was mir natürlich kein bisschen gepasst hat :D
    Ich mag folgende Lektüren nicht:
    Damals war es Friedrich, Kartoffelkäferzeiten, Biedermann und die Brandstifter, Bahnwärter Thiel, Komissar Bärlach, Emilia Galotti, Die Morde in der Rue Morgue, Woyzeck, Faust, Der Sandmann, Slumdog Millionaire (auf englisch war das Buch halt :D), The Fault in our stars (Das Schicksal ist ein mieser Verräter, englische Version) und Sommergewitter


    Die meisten dieser Bücher haben mich sogar so gelangweilt oder genervt, dass ich sie unaufmerksam gelesen habe und nach dem Zuklappen des Buches nicht mehr wusste, was drin stand. Zudem habe ich dnan teilweise 2-3min pro Seite gebraucht, das war richtig ätzend. Sehr gut vergleichbar mit dem Geschichtsbuch.

  • Schlecht finde ich eigentlich nur selten etwas, bevor ich mir ein Buch kaufe, lese ich mir immer den Buchrücken beziehungsweise den Inhalt auf der ersten Seite des Buches durch (Klappentext). Das heißt natürlich nicht, dass diese mich nicht vor einigen Fehlkäufen bewahrt haben.^^
    Wirklich schlechte Bücher habe ich nur in meiner Schulzeit gelesen. Das geschah nach dem Prinzip: Lehrer sucht ein Buch aus, das dann gelesen werden muss. In der Schulzeit habe ich keines der Bücher, die wir lesen mussten, wirklich bis zum Ende durchgelesen, bekam in den Klausuren aber immer eine gute Note. xD


    Schlechte Bücher (in der Schulzeit) waren vor allem: Top Dogs von Urs Widmer (Deutsch GK), Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist (Deutsch GK) Buddenbrooks von Thomas Mann (Deutsch LK), Moon Palace von Paul Auster, (Englisch LK), Much Ado about Nothing von William Shakespeare (Englisch LK), da fand ich nur das Theaterstück gut.

  • Viele der schlechten Bücher hab ich inzwischen natürlich weder erfolgreich vergessen verdrängt, sodass meine Liste kürzer ausfällt als sie sein müsste. Zwischen privatem und Schullektüren werd ich trennen.


    Private Fiaskos:
    Die Drachenkämpferin (Licia Troisi): Mir liegt diese Trilogie nicht, obwohl ich die Schattenkämpferin von Troisi sehr mochte. Zum Ende hin hab ich nur noch weitergelesen, um die Zusammenhänge der Nachfolgetrilogie besser verstehen zu können. Es ist kein völliger Mist, zieht sich aber oftmals und lässt einen mit nicht immer nachvollziehbaren Charakteren stehen.
    Wandelgermanen: Hartmut und ich stehen im Wald (Oliver Uschmann): Hartmut und ich mag ich eigentlich. Es ist seichte Unterhaltung mit Nerdanspielungen, deren Humor mir für ein Buch jedes halbe Jahr liegt. Wandelgermanen schießt über das Ziel hinaus und will zu viel auf einmal.
    Bis(s) zum Ende der Nacht (Stephenie Meyer): Heute sehe ich die gesamte Reihe, vielleicht bis auf die ersten ein, zwei Bände, an denen noch gewisse Erinnerungen hängen, als Fehlschlag an, dennoch mochte ich sie damals. Das aber galt nie für das letzte Buch. Es zieht sich, es nervt, es langweilt.
    Bartimäus: Das Amulett von Samarkand (Jonathan Stroud): Lag mir sprachlich und von der Einführung in die Welt her so wenig, dass ich es bald weggelegt hab.


    Schullektüren:
    Brave New World (Aldous Huxley): Eigentlich mag ich die Thematik von Dystopie/Utopie, aber mir ging es hier zu sehr um irgendwelche persönlichen Probleme von uninteressanten Charakteren. Nach dem 1. Kapitel stürzte das Werk für mich ab.
    Woyzeck (Georg Büchner): Als Fragment funktioniert es für mich einfach überhaupt nicht. Ich tu mich schwer damit, dem Werk zu folgen.
    Prinz Friedrich von Homburg (Heinrich von Kleist): Worum ging es? Um Rumgeballer? Ging komplett an mir vorbei.

  • Erschlagt mich nicht.. aber ich finde die Herr der Ringe Trilogie als Bücher unheimlich schlecht.
    Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir vorher die Filme angeschaut habe. :D


    Es gibt kein Gut und Böse, nur Entscheidungen und Konsequenzen

  • Ohje, da fällt mir nicht viel ein, da ich gewöhnlich nicht so viel Schlechtes lese. Das Schlimmste kommt also aus der Schule, da liest man meistens nur Bücher, die niemand (mehr liest). Und ehrlich, was wir letztes Jahr lesen mussten, war eins der furchtbarsten Bücher, die ich je lesen musste. "Romeo und Julia" von William Shakespeare. Hilfe, natürlich ein Stück weit die veraltete Sprache, aber dieser Schreibstil bringt einen um. Das Buch hat 100 Seiten etwa umfasst, aber es hat ewig gedauert eine Seite zu lesen, wenn man sie auch verstehen wollte. Ich musste mich gegen Ende der Akte immer richtig zwingen weiterzulesen.
    Zudem hätte die Handlung locker auf 20 Seiten gepasst, hätten die Leute nicht immer Sachen erzählt, die gar nichts zur Sache tun und wären nicht immer so weit ausgeschweift, so dass ihnen niemand folgen kann. Zudem war es ein Drama, ich glaube nicht, dass das meine Sparte ist. Aber zu allem Überfluss war die Story auch noch Quatsch. "Liebe auf den ersten Blick". Mein Gott, so war es echt. Die kannten sich doch kaum und wollen dann gleich heiraten, obwohl es zu ihrem Schaden ist. Hilfe, ich hoffe Kabale und Liebe sowie Faust machen mehr Sinn.


    "Der Tote im Dorfteich" war auch so ein Pseudo-Jugend-Thriller, wo es um einen Jungen geht, der Urlaub im Dorf macht bei seiner doofen Oma (war nicht allzu freundlich und er mochte sie auch nicht) und im Dorfteich ein Skelett findet und dann geht es um ein dunkles Geheimnis usw., total öde die meiste Zeit.
    "Ronja Räubertochter" sollte den meisten ein Begriff sein. Ich habe das Buch gehasst, wie kein anderes in der Schule. Kein Stück spannend, komplett langweilig, auch wenn es manchmal versucht hat spannend zu sein. Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen und auch nie wieder angerührt, nachdem es damit vorbei war. Diese Fantasiewesen dort haben mir komplett widerstrebt, "Grausedruden" und "Graugnome". Zudem war die ganze Geschichte hinten und vorne komplett dämlich, meiner Meinung nach, vielen gefällt es ja, meins war es aber nicht.


    Das wären wohl die Schlimmsten.

  • Mir tut es ja ehrlich gesagt wirklich weh, dass hier so viele typische Schullektüren genannt werden. Ehrlich gesagt finde ich das etwas kurz gedacht und es macht den Eindruck, als würden manche Bücher nur schlecht gefunden werden, weil man sie halt in der Schule lesen und zerpflücken muss. Aber da kann doch die Lektüre nix für.
    Ich mochte bei weitem auch nicht alles, was ich in der Schule lesen musste. Aber manche der alten Klassiker als schlecht zu bezeichnen, wird der Lektüre nicht gerecht, finde ich. Die sind dann vielleicht schwer zu lesen und man muss sich voll drauf einlassen, aber macht das ein Buch wirklich "schlecht"?

  • Arielle : Ich habe bei Weitem nicht alle Schullektüren genannt, es gab auch einige gute, die wir gelesen haben. Es lag bei mir jedenfalls nicht an der Schule, sondern einfach am buch.
    Die alten Klassiker kann ich einfach nicht gut lesen. Die Grammatik ist für mich wie eine Fremdsprache. Wenn man pro Seite 2-3min brauch und dann nicht mal weiß, was man gelesen hat, dann ist das ein guter Grund, ein buch als schlecht zu bezeichnen. Nicht allgemein, aber für den eigenen Geschmack. Es gibt sicher Leute, die es mögen.


    Ich habe auch Bücher daheim, die ich nicht durchgezogen habe. Nur aufgezählt habe ich sie nicht, weil ich sie ansatzweise beendet habe. Durch eine Schullektüre dagegen hab ich mich gequält, wenn sie mir nicht gefiel.

  • Trakon : Ja, ich meinte das auch nicht als Vorwurf, auch wenn es sich vielleicht so liest ^^ Mir ist das nur aufgefallen bzw kenne ich die Tendenz, ein Buch schlecht zu finden, nur weil es Schullektüre ist. Das kenne ich von Klassenkameraden früher und auch jetzt von meinen Schülern. Das finde ich einfach schade. Allerdings liegt das auch sicher viel an der Vermittlung im Unterricht.

  • Mir ist das nur aufgefallen bzw kenne ich die Tendenz, ein Buch schlecht zu finden, nur weil es Schullektüre ist.


    Vielleicht ist da durchaus etwas Wahres dran und man verbindet eine Schullektüre unbewusst mit der Zeit in der Schule, in der man sie gelesen hatte. Wenn die Schulstunden unangenehm oder langweilig waren, möchte man nicht daran erinnert werden, indem man sich ein solches Buch vornimmt. Ich denke aber mal, dass das nicht immer entscheidend ist, der Inhalt des Buchs ist maßgebend. Ich kann da auch nur von mir sprechen. In meinem Fall kann ich zumindest nur sagen, dass ich Woyzeck und die Fontane-Werke wirklich vom Inhalt her uninteressant fand. Jedoch gibt es sehr wohl einige Stellen in den Büchern, die auch ich interessant fand und über die ich länger nachgedacht hatte. Wie gesagt habe ich fast alle Bücher aus der Schulzeit auch nach der Schule noch einmal durchgelesen, um mich fern von in der Schule herrschender Hektik und Voreingenommenheit noch einmal in Ruhe mit ihnen zu befassen. Einige fand ich wie gesagt auch nach dem zweiten Mal schön, etwa Die Physiker, In der Sache J. Robert Oppenheimer oder Faust. Man muss schon zugänglich zu älteren deutschen Werken sein, das klappt aus unterschiedlichen Gründen nicht immer.


    Darüber hinaus denke ich aber auch, dass es nicht ganz so schlimm ist, wenn man bestimmte Bücher nicht mag. Mögen ist nicht alles. Wichtig ist, dass man sich damit befasst und somit eine Vorstellung der historischen deutschen Literatur gewinnt. In unserer Literatur findet man nicht zuletzt auch zahllose Hinweise darauf, wie die Menschen unserer Vergangenheit gelebt haben und darüber sollte man einiges wissen. Das ist sicher auch das eigentliche Ziel, wenn man solche Bücher im Schulunterricht durchgeht.

  • Arielle : Für mich ist es eine subjektive Sache Bücher als schlecht zu bezeichnen. Ich weiß ja nicht, ob du Bezug auch auf mich genommen hast, da ich ja Romeo und Julia nannte. Ich betonte ja, dass es eben mir nicht gefällt. Ich sehe ja grundsätzlich ein, dass solch eine Lektüre in den Unterricht gehört. Natürlich, ist die alte Sprache kein Kriterium, nach denen ein Buch direkt schlecht ist, aber wenn man damit nicht klar kommt, gefällt einem das Buch natürlich weniger. Allerdings gibt es noch ganz andere Dinge bei Romeo und Julia die mich stören. Z.B. dieses extrem nutzlose und weite Ausschweifen beim Reden, mit dem Gerede kann ich nichts anfangen. Was wohl wiederum für Dramen typisch sein muss. Dieses Jahr müssen wir Kabale und Liebe lesen (eigentlich ja jetzt), das soll von der Handlung her sinnvoller sein. Die Handlung die Shakespeare da ersonnen hat, gefällt mir nämlich auch nicht, mir kommt das alles zu plötzlich und aufgesetzt rüber. Ich kann den Kern der Geschichte, die Liebe der beiden, einfach nicht so richtig ernst nehmen.
    Zudem glaube ich, dass solche Werke als Theaterstück einfach viel besser funktionieren, als ein kaum verständliches Buch, da ein Drama ja emotional sein soll. Also ich will sagen: Es liegt nicht daran, dass es Schule ist. Sicher, der Zwang zu lesen motiviert nicht gerade. Aber es liegt auch am Buch selbst, was den meisten eben völlig egal ist. Es geht um das Buch selbst, wir haben auch schon sinnvolle Bücher gelesen. Und leider gehören unangenehme Bücher zur Schule dazu.
    Du hast aber Recht, der Unterricht motiviert nur selten. Aber ich glaube, es gibt viele Gründe ein Buch schlecht zu finden, wenn da schulische Aspekte dazukommen, ist das denke ich kein Wunder.

  • Ehrlich gesagt finde ich das etwas kurz gedacht und es macht den Eindruck, als würden manche Bücher nur schlecht gefunden werden, weil man sie halt in der Schule lesen und zerpflücken muss. Aber da kann doch die Lektüre nix für.


    Find ich so gesehen auch schade. Ich hatte damals Glück, vor allem in Deutsch und Englisch meist gute Lehrer vor der Nase zu haben, sodass ich nicht mit völliger Abwehrhaltung an Werke wie Physiker oder Buddenbrooks herangegangen sind. Ich hab sogar Werke und Autoren (Dürrenmatt ftw, aber auch Kabale und Liebe, Buddenbrooks oder Iphigenie auf Tauris fand ich mehr als nur okay) schätzen gelernt, selbst im verhassten Franzöisch, an denen ich sonst nie vorbeigekommen wäre. Andererseits kann ich schon verstehen, wenn schlechter Unterricht den Appetit verdirbt. Schade bloß, wenn sich das bei vielen über die Jahre festbeißt und man nicht doch mal den Blick über den Tellerrand wagt. Ich bin froh, über den kleinen Prinzen gestolpert zu sein, obwohl 2 Lehrer mir das deutlich verdorben haben.


    Ich mochte bei weitem auch nicht alles, was ich in der Schule lesen musste. Aber manche der alten Klassiker als schlecht zu bezeichnen, wird der Lektüre nicht gerecht, finde ich. Die sind dann vielleicht schwer zu lesen und man muss sich voll drauf einlassen, aber macht das ein Buch wirklich "schlecht"?


    Nicht von vornherein, aber manche Literatur liegt einem wirklich nicht. Nicht, dass ich dir vorwerfen wollte, dass du klassische Werke als Heiligtum bezeichnest, mir geht es nur grad durch den Kopf. Ich könnte auch nicht davon abkommen, Woyzeck furchtbar zu finden, da ich von Fragmenten nichts halte.


    Zitat

    Mir ist das nur aufgefallen bzw kenne ich die Tendenz, ein Buch schlecht zu finden, nur weil es Schullektüre ist. Das kenne ich von Klassenkameraden früher und auch jetzt von meinen Schülern. Das finde ich einfach schade. Allerdings liegt das auch sicher viel an der Vermittlung im Unterricht.


    Ich erinnere mich an die Zeit in der Oberstufe, als im LK die Lehrer sehr offen waren. Wir hatten Lehrer, die selbst keinen Bock auf so manche Lektüre hatten :ugly:

  • Hm, eine gute Frage. Es gibt tatsächlich wenig Bücher, die ich wirklich schlecht finde. Hier und da mal ein Fehlgriff, ein Buch was man nicht so gerne hat, aber so richtig schlecht finden - kommt bei mir selten vor.


    Zwei Beispiele fallen mir ein, bei denen es sich auch um Bücher von der Schule handelt. Einerseits wäre da "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm, welches ich *unglaublich* langweilig und zäh fand. Andererseits kann ich "Woyzeck" von Georg Büchner nennen. Unser Deutschlehrer hatte Tage vorher, bevor wir mit dem Lesen begonnen haben, sehr davon geschwärmt.. So toll war es dann nicht, ich konnte dem Schreibstil nichts abgewinnen und es war insgesamt eine Qual für mich, dieses Buch zu lesen.


    Aber ich muss eine Lanze für andere in der Schule behandelten Bücher brechen, einige haben mir auch gut gefallen, so wie z.B. Faust. Was mir von der Schule auch sehr gefallen hatte, war "Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger, aber gut.. hier handelt es sich wohl nicht um klassische Deutschunterricht-Literatur, hehe.

  • Ich bin gerade durch mit Ready Player One von Ernest Cline geworden und ich fand es schlecht. Richtig schlecht.


    Die ersten 25% sind praktisch nur Infodump über das Videospiel, das die Welt des Buches sozusagen dominiert, und Filme, Serien und Videospiele der 80er Jahre. Irgendwann um die 40% fängt es dann an, so langsam einen Plot zu haben der an und für sich auch ganz gut ist, aber die Lösung zu jedem Problem war irgendwie nicht eingestreut in die Kapitel davor, sondern kommt ganz plötzlich auf à la "Ach ja letzte Woche hab ich mir noch dieses Artefakt gekauft und das löst mein Problem natürlich". Zudem gibt es noch den Love Interest vom Hauptcharakter, Art3mis, und sie ist natürlich von Vorne bis Hinten der Traum eines jeden Gamers, einfach das perfekte "Nerd-Mädchen", wunderschön, weiß alles über Videospiele und geekige Filme und ist natürlich wahnsinnig witzig. Den einzigen "Makel", den sie hat, erfährt man erst kurz vor Schluss:



    Dafür, dass mir das Buch so empfohlen wurde, ist es einfach hochgradig enttäuschend gewesen.

  • Ich habe ein Buch, das ich absolut nicht ausstehen kann und nach dem Lesen in den Müll geschmissen habe - ein eigentliches No-Go für mich als Buchliebhaberin.


    Das kunstseidene Mädchen von Irmgrad Keun. Ich habe mir die Mühe gemacht und jedes einzelne "und" in diesem Buch mit gelb markiert. Danach war der Marker leer. Die Geschichte an sich könnte ganz interessant sein, wäre der Schreibstil nicht der lahmste, langweiligste und schnödeste der Weltgeschichte. Die Sätze wechseln sich ab von 3 Wörter lang zu über 3 Seiten gehend - eine Größenordnung dazwischen ist nicht existent. Der Satzbau ist teilweise zum Haare raufen (nicht auf die "alte" Art und Weise, die noch eine gewisse Rhythmik und Anmut hat).


    Ich will dieses Buch bitte nie wieder anrühren müssen.


    You've met with a terrible fate...
    Haven't you?

  • Ich würde bezüglich der obigen Debatte einfach mal sagen, dass doch wohl ein ganz wichtiger Unterschied darin besteht, ob man sagt "ich mag etwas nicht" oder "etwas ist schlecht". Ich wage mal zu behaupten, dass vermutlich die wenigsten der Bücher, die als Schullektüre benutzt werden, literarisch gesehen tatsächlich schlecht sind. Wie hier ja bereits gesagt wurde, werden die Bücher ja nicht ohne Grund gewählt, irgendetwas Interessantes oder Wichtiges müssen sie wohl enthalten. Das heißt aber natürlich noch lange nicht, dass man sie mögen muss und natürlich darf man sich selbst auch ein eigenes Urteil bilden.
    Ich habe damals in der Schule beispielsweise die Buddenbrooks gelesen von Thomas Mann und fand es schrecklich während der Sommerferien Stunden und Stunden mit diesem Wälzer verbringen zu müssen. Deshalb fand ich es zu der Zeit auch ätzend und langweilig. Jahre später sehe ich das Werk nun mit ganz anderen Augen, nachdem ich mich auch mal etwas mehr mit den Hintergründen des Buches befasst habe und sehe ein, dass es sich um einen Klassiker handelt, der eine bestimmte Zeit und deren Lebensweise und Probleme literarisch wertvoll wiedergibt und für die folgenden Generationen festhält. Und so geht es mir mit vielen Schullektüren. Manche davon kann ich mittlerweile schätzen, andere interessieren mich nach wie vor nicht und das müssen sie auch nicht. Aber als schlecht bezeichne ich sie deshalb nicht.
    Ich würde sagen "Die Schweigeminute" von Siegfried Lenz ist eines der wenigen Büchern, bei denen ich die Grund, es zu einer Schullektüre zu ernennen, absolut nicht nachvollziehen kann. Die Geschichte war ziemlich plump, meiner Meinung nach, und vorhersehbar, weshalb der Spannungsaufbau auch nicht vorhanden war. Eine interessante Botschaft konnte ich auch nicht wirklich entnehmen. Aber auch bei diesem Buch ist es schon ein Weilchen her, dass ich es zuletzt gelesen habe und wer weiß, vielleicht würde ich es heute anders sehen.

  • Star Wars-Bücher!


    Und ja, das sage ich als Die Hard-Star Wars-Fan. Ich liebe das Star Wars-Universum über alle Maßen, aber die meisten Romane, die dafür geschrieben wurden und ich lesen durfte, halte ich für drittklassige Schundliteratur. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber mit der Größe des Franchises zog Star Wars wohl auch viele IMO nur mäßig begabte Autoren an, die sich sonst typischem SciFi-Zeug widmen und dann eben dasselbe in der GFFA durchziehen mit Laserschwertern. Die meisten Geschichten sind nicht sonderlich geistreich und arbeiten nach dem Schema des sinnbefreiten Komparativs. In den Filmen gab's einen Todesstern, der Planeten sprengen kann? Dann kann die Superwaffe der Woche in den Büchern halt ein ganzes Sonnensystem auslöschen! Laserschwerter? Genügt den Autoren nicht mehr. Laserpeitschen sind das neue fancy accessoire für den Sith von heute und vieeel gefährlicher.



    Nicht, dass es keine Ausnahmen gäbe. Ich habe ja bei weitem nicht alles gelesen und hin und wieder ist echt ein Lichtblick dabei, der dadurch überrascht, dass er entweder gar nicht so schlecht bis hey, das ist klasse! ist. Aber am Ende ist es immer recht seichte Unterhaltung, wie es wohl für normale Leute auch die Filme sind, die sie nicht so rosarot sehen wie ich. Letztendlich kann man die Star Wars-Literatur also auf der gleichen Stufe einordnen wie jedes andere SciFi-Machwerk - außer natürlich die Werke von Karen Traviss und Michael Stackpole, deren Wirken nur unter "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" korrekt klassifiziert ist.